Karl May.

Die Sklavenkarawane





Aber wir wissen ja nicht, wenn uns die Kerls ?berfallen werden, und k?nnen doch nicht immer mit angelegtem Gewehr hier sitzen!

Das ist auch nicht n?tig, wenn wir unsre Vorbereitungen treffen. Zun?chst m?ssen wir das Feuer ausgehen lassen. Es blendet uns. Wer an einem Feuer sitzt, kann nur schwer sehen, was jenseits desselben in der Dunkelheit vorgeht. Wenn es hier finster ist, k?nnen auch die Homr nicht erkennen, was wir thun. Lassen wir sie glauben, da? wir uns jetzt zur Ruhe legen. Ist dann die Flamme erloschen, so verlassen wir die Feuerst?tte und placieren uns an die Felswand. Dann stecken wir hinter den Kamelen und Gep?ckst?cken und sind au?erdem von dem Geb?sch gedeckt. Inzwischen werde ich zu erfahren suchen, wo sich die Gum befindet.

Wie willst du das erfahren?

Indem ich nach ihr suche. Sie ist, wie wir, von Westen gekommen und wird also in dieser Richtung zu finden sein.

Aber du begibst dich dabei in eine sehr gro?e Gefahr!

In gar keine!

O doch, Herr. Man wird dich sehen und ermorden.

Man wird mich nicht sehen. Ich gehe nicht aufrecht, sondern ich schleiche mich am Boden hin.

Man wird dich dennoch bemerken, da die helle Farbe deines Ha?k dich verraten mu?.

Ich lege ihn vorher ab. Die Farbe der Bantaluhn und Kutrahn, welche ich darunter trage, ist dunkler, gleich derjenigen des Erdbodens, von dem ich dann nicht leicht zu unterscheiden bin.

Man wird dich dennoch erkennen. Die Sterne scheinen hell, und welcher Mensch kann wie eine Schlange an der Erde hinkriechen!

Viele k?nnen es, und auch ich habe es lernen m?ssen. Als ich dr?ben in Jeni d?nja war, befand ich mich lange Zeit bei ber?hmten J?gern, mit denen ich allezeit auf der Hut vor wilden Indianern sein mu?te. Von einem von ihnen, welcher Old Shatterhand hie?, in arabischer Sprache Abu Jadd ed darb, habe ich gelernt, mich so an einen andern anzuschleichen, da? er es gar nicht bemerkt. Diesen Leuten habe ich es auch zu verdanken, da? wir heute den L?wen und seine Frau besiegten. Ich war bei ihnen, um Pflanzen und allerlei kleines Getier zu sammeln, und wurde von ihnen im Kampfe mit wilden Menschen unterrichtet. Ich bin ?berzeugt, da? ich die Homr finden und vielleicht sogar auch belauschen werde, ohne von ihnen gesehen und geh?rt zu werden.

Aber ihre Kamele werden deine N?he riechen und dich verraten. Willst du dich wirklich in diese Gefahr begeben?

Ja.

So will ich dir ein Mittel geben, welches die Kamele abhalten wird, unruhig zu werden. Sie riechen es gern. Ich habe es unter den Spezereien, mit denen ich handle. Du mu?t, sobald du in ihre N?he kommst, einige Tropfen davon auf deine Kleidung flie?en lassen. Es ist Milh ennuschahdir, welcher mit Gir und Moje zubereitet wird.

Er ging zu seinem Esel, neben welchem das ihm geh?rige Gep?ck lag, und brachte ein kleines Fl?schchen, das den Salmiakgeist enthielt. Schwarz steckte es zu sich.

Die Dschelabi hatten sich vor dem L?wen verkrochen.

Ihn f?rchteten sie, weil sie so abergl?ubische Vorstellungen von ihm hegten. Die Gum aber hatte sie nur vor?bergehend erschreckt. Zwar hatten sie fliehen wollen; aber nun sie einsahen, da? es geraten sei, zu bleiben, waren sie zur Gegenwehr entschlossen. Sie hatten es mit Menschen, aber nicht mit einem gewaltigen Raubtiere zu thun, in welchem ihrer Meinung nach der Geist eines Verstorbenen steckte.

Sie legten sich nieder und breiteten ihre Decken ?ber sich aus, um die Meinung zu erwecken, da? sie nun schlafen w?rden. In kurzer Zeit ging das Feuer aus, und diese Abteilung des Lagers war nun in n?chtliches Dunkel geh?llt, w?hrend die Homr auf der andern Seite ihr Feuer sorgf?ltig weiter unterhielten, so da? man sehen konnte, was sie thaten.

Jetzt schl?pfte Schwarz aus seinem Ha?k und entfernte sich leise, von den Homr ungesehen. Seine beiden Gewehre, welche ihm nur hinderlich sein konnten, lie? er zur?ck.

Die Homr befanden sich auf der S?dseite. Er schlich sich auf der n?rdlichen, wo, wie bereits erw?hnt, kein Buschwerk stand, um den Felsen. Dort blieb er zun?chst stehen, um zu lauschen.

Der Vater der vier Augen konnte, so sehr er seine Augen und Ohren anstrengte, ein menschliches Wesen weder sehen noch h?ren. Darum ging er langsam weiter, sich gerade westlich haltend.

Der Boden war fein sandig; die Schritte des Deutschen verursachten kein Ger?usch. Langsam und vorsichtig vorw?rts schreitend, ging er weiter und weiter, doch ohne etwas zu bemerken. Schon waren vielleicht zehn Minuten vergangen, und er nahm an, da? er eine falsche Richtung eingeschlagen habe, obgleich er genau auf der F?hrte ging, welche er mit seinen Begleitern gemacht hatte und auf der die Gum zu suchen war.

Da drang ein leises Klirren an sein Ohr, wie wenn zwei Waffen sich ber?hrt h?tten. Der Ton kam ganz genau aus der Richtung, welche er eingeschlagen hatte. Er verdoppelte seine Vorsicht und verlangsamte seine Schritte. Schon nach kurzer Zeit tauchte es in unbestimmten Konturen wie graue Schatten vor ihm auf. Sie sa?en auf der Erde und bewegten sich nicht. Zu gleicher Zeit wehte ihm die bekannte Ausd?nstung von Kamelen entgegen. Er hatte die Gum vor sich, die zu derselben geh?rigen M?nner waren in die landes?blichen grauen Ha?ks geh?llt. Nun legte er sich nieder und kroch auf den H?nden und F??en weiter.

Da die Leute ihrer Aufmerksamkeit jedenfalls auf die Gegend gerichtet hatten, aus welcher er kam, so schlug er einen Bogen nach rechts, um sich von Norden her anzuschleichen. Seine Gestalt war trotz des hellen Sternenschimmers nicht von dem Boden zu unterscheiden. Da seine hellere Gesichtsfarbe vielleicht zur Verr?terin werden konnte, so zog er sein dunkelrotes Taschentuch hervor und band es sich vor den untern Teil des Gesichtes, so da? er nur die Augen frei behielt. Den Fes, den er unter der Kapuze getragen hatte, zog er ?ber die Stirn herein.

Als er n?her kam, sah er die Kamele liegen, nicht eng beisammen, sondern einzeln. Nun konnte er die Personen z?hlen. Es waren ihrer zw?lf. Sie sa?en in einem kleinen Kreise, vor welchem zwei Kamele lagen.

Dieser Umstand war ihm sehr willkommen, da derselbe es ihm vielleicht erm?glichte, sich so weit hinanzuschleichen, da? er h?ren konnte, was gesprochen wurde.

Er schob sich sehr, sehr langsam vorw?rts, fast Zoll um Zoll. Die Luft war leise bewegt; sie kam ihm entgegen. Das war die Ursache, da? die Tiere ihn noch nicht bemerkten. Nun war es an der Zeit, das Mittel des Dschelabi zu versuchen. Er ?ffnete das Fl?schchen und besprengte sich mit dem Salmiakgeiste.

Es ist bekannt, da? die Ausd?nstung des Kamels eine ammoniumartige ist und da? aus dem Miste und Urin dieses Tieres Salmiak gewonnen wird. Darum hielt Schwarz es f?r nicht ganz unm?glich, da? die Kamele eine Art von Vorliebe f?r den Geruch dieses Produktes besitzen. Er fand auch wirklich sofort Veranlassung, sich zu ?berzeugen, da? dies wirklich der Fall sei. Denn kaum hatte er das Fl?schchen wieder eingesteckt, so wendeten beide Kamele die K?pfe nach ihm und ?ffneten die weit geschnittenen N?stern, doch ohne ein Zeichen von Unruhe zu geben. Sie schienen den Geruch mit Behagen einzuziehen.

Dadurch beruhigt, kroch er n?her. Schon war er so weit, da? die hohen R?cken der Tiere es den Arabern nicht mehr erm?glichten, ihn zu sehen. Er schob sich an das eine Kamel heran, schmiegte sich eng an dasselbe und begann, es mit der Hand zu krauen, wobei es einen leisen, behaglich grunzenden Laut h?ren lie?.

Die Gruppe der M?nner war nicht mehr als drei Schritte von dem Tiere entfernt. Sie sprachen zwar nicht laut, aber doch so vernehmlich, da? er die meisten ihrer Worte verstehen und das ?brige sich hinzudenken konnte.

Unter ihnen fiel ihm eine besonders lange und au?erordentlich hagere Gestalt auf, welche die andern weit ?berragte. Der aufrecht sitzende Oberk?rper dieses Mannes war fast vier Fu? hoch. Die L?nge dieses Menschen mu?te, wenn er stand, weit ?ber drei Ellen betragen, eine gro?e Seltenheit bei den Arabern. Er sa? etwas zur Seite, als ob er dadurch einen Vorrang zum Ausdruck bringen wolle. Seine Stimme klang hohl und im Grabestone, als er jetzt sagte:

Nein, wir brauchen uns nicht erst zu ?berzeugen. Wir haben die Spur gesehen. Es sind lauter Esel gewesen, acht an der Zahl. Und wer reist auf Eseln? Nur Dschelabi k?nnen es sein. Diese Kr?mer sind gew?hnlich feig. Wir haben sie nicht zu f?rchten. Wollten wir einen von uns hinsenden, um nachzusehen, ob sie sich mit an dem Brunnen befinden, so k?nnte er durch irgend einen Zufall bemerkt werden, und wir w?ren verraten. Diese Dschelabi sind sicher dort, was uns nur lieb sein kann, da wir zu der ?brigen Beute auch noch ihre Waren und Tiere bekommen.

Sollen wir die Kr?mer auch t?ten? fragte einer.

Ja.

Das k?nnte mir beinahe leid thun. Diese Leute sind n?tzliche Menschen und Anh?nger des Propheten, w?hrend der Fremde ein Giaur ist, dessen Seele der Teufel fressen m?ge!

Hat die Sonne dir das Gehirn versengt, da? du von Mitleid redest? Sollen wir die Unvorsichtigkeit begehen, acht Zeugen leben zu lassen? Der Fremde steht im Schutze seines Unsul, welcher, wenn er seinen Tod erf?hre, so lange nach Rache schreien w?rde, bis man uns ergriffen und get?tet h?tte.

Aber wir w?rden den Dschelabi doch nicht sagen, wer wir sind!

Auch hier reicht dein Verstand nicht aus. Wie nun, wenn sich einer unter ihnen befindet, der einen von uns kennt?

Diesen einen k?nnten wir stumm machen.

So m?ssen wir sie eben alle umbringen, denn mich w?rden sie selbst in dem Falle erkennen, da? sie mich noch nie gesehen haben. Allah ist, als er meiner Seele den K?rper gab, verschwenderischer als sonst gewesen, wof?r ich ihm nicht dankbar bin, denn es ist meist sehr verdrie?lich, eine Gestalt zu besitzen, welche jedem auffallen mu?. Man wei?, da? ich ein Sklavenj?ger bin. Das ist schon genug, seit die Franken, ?ber welche die Verdammnis kommen m?ge, in Chartum es durchgesetzt haben, da? der Sklavenhandel verboten wurde. Nun sitzt selbst hier in Faschodah ein Mudir, welcher kein Sklavenschiff passieren l??t, so da? wir stets ausladen und den langen und beschwerlichen Landweg einschlagen m?ssen. Dieser Mudir hat sein Auge ganz besonders auf mich gerichtet. Falle ich ihm in die H?nde und es befindet sich nur ein einziger Sklave bei mir, so bin ich verloren. Soll er nun auch noch erfahren, da? ich, wenn Allah mir die Gelegenheit sendet, meine Leute in eine Gum verwandle, so ist das Ende meines Lebens nahe, was der Prophet verhindern m?ge, denn ich habe Lust, den Preis von noch Tausenden von Negern mit euch zu teilen. Diese acht Dschelabi w?rden, sobald sie mich s?hen, augenblicklich wissen, da? ich Abu el Mot bin, und es morgen dem Mudir verraten. Dieser wieder wei?, in welchem Gebiete ich nach Schwarzen jage; ebenso wei? er ungef?hr, wenn ich mit meinen Sklaventransporten durch sein Gebiet mu?, und so w?rde er mir mit doppelter Sorgsamkeit auflauern. Ist es schon jetzt schwer, ihm zu entgehen, so w?rde es nachher unm?glich sein. Nein, die Dschelabi m?ssen sterben! Wenn du Mitleid mit ihnen hast, so kannst du heimkehren und Durrha essen. Ich brauche keinen Mann, dessen Herz von Wolle ist anstatt von Eisen.

Dabei zog er sein Messer und spielte in so bedeutungsvoller Weise mit demselben, da? der andre einsah, er werde nicht weit kommen, wenn es ihm einfallen sollte, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Darum antwortete er in beg?tigendem Tone:

Hast du mich jemals weinen sehen, wenn mein Messer oder meine Kugel einen Menschen getroffen hatte? Warum soll ich jetzt auf einmal ein Weib geworden sein, da mir einmal ein milder Gedanke kommt? Ich werde der erste von euch sein, welcher sein Messer in das Herz eines dieser Dschelabi senkt.

Das hoffe ich auch, damit du die Zweifel zerstreust, zu denen du mir soeben Veranlassung gegeben hast! Ein Sklavenj?ger mu? ermorden k?nnen, ohne mit der Wimper zu zucken. Kann er das nicht, so taugt er nichts f?r dieses Gesch?ft. Morgen fr?h werden die Geier auf den Gerippen von neun Menschen sitzen und sich so dick angefressen haben, da? sie nicht davonfliegen k?nnen. Wir aber werden unsre Beute nach Kaka bringen und uns derselben erfreuen.

Nach Kaka? So m?ssen wir nach Nordost gegen den Nil, also zur?ck. Warum nicht nach Faschodah?

Das liegt zwar n?her und ist auch ein besserer Handelsplatz; auch kann ich mich getrost dort sehen lassen, wenn ich keine Sklaven bei mir habe; aber ich w?rde dort keinen K?ufer f?r die Sachen finden, welche wir diesem Giaur abnehmen werden. In Kaka aber habe ich meinen Agenten, welcher die Sammlung gern nach Chartum bringen wird, um sie f?r mich zu verwerten.

Wird man dort nicht Verdacht fassen?

Nein, denn der Agent wird so klug sein, den Leuten ein M?rchen zu erz?hlen, welches sie glauben m?ssen. Dort gibt es Personen, welche den Wert einer solchen Sammlung kennen und einen guten Preis zahlen werden. Wir k?nnen sie auf anderm Wege unm?glich an den Mann bringen. Und da? sie viel wert ist, kann man daraus schlie?en, da? der Christ seine Heimat verlassen hat und sich so gro?en und vielen Gefahren aussetzt, um diese Pflanzen und Tiere zu holen. Wir werden bald einen zweiten, ?hnlichen Fang machen. Der letzte Bote, der mir aus der Seriba Omm et Timsah gesandt wurde, teilte mir mit, da? dort zwei Wei?e, ein junger und ein alter, eingetroffen sind, welche Gew?chse suchen, um sie zwischen Papierbl?tter zu legen, und K?fer, Schlangen und allerlei Gew?rm fangen, welches sie in Flaschen stecken. Beide haben schwarze Diener bei sich, viele Waffen und Tauschartikel und gro?e, schwere Ballen Zeug, welches, wie ihr wi?t, dort die Stelle des Geldes vertritt. Diese Europ?er dr?ngen sich mit gro?er Frechheit in unser Sklavengebiet. Wir d?rfen das nicht dulden und werden sie also, sobald wir hinkommen, in die H?lle senden, ihre Sachen aber behalten. Diese Menschen glauben an Isa Ben Marryam, welcher gelehrt hat, da? es keine Sklaven geben d?rfe, da auch die Schwarzen Allahs Kinder seien. Wenn wir sie nicht t?ten, wird diese Lehre ?berhand nehmen und unsern Handel zu nichte machen. Ich dulde keinen Christen im Bereiche meines Jagdgebietes, am allerwenigsten aber christliche Priester, welche die Schwarzen gegen uns aufwiegeln, indem sie denselben die alberne Lehre von der Liebe bringen. Darum werden diese beiden Wei?en sterben wie der Giaur, der jetzt dort am Brunnen lagert.

Meinst du nicht, da? er sich verteidigen wird?

Nein, denn wir werden ihm keine Zeit dazu lassen. Unser ?berfall wird so pl?tzlich geschehen, da? er gar keine Zeit finden wird, sich seiner Waffen zu bedienen. Wenn der Schech uns nachher aufsucht, wie verabredet worden ist, so werden wir von ihm erfahren, wo der Giaur liegt und wo die Dschelabi schlafen. Wir schleichen uns hinan und werden sie wohl gar im Schlafe t?ten, so da? sie zur H?lle fahren, ohne vorher zu erwachen. Vielleicht sind die Gewehre noch gar nicht wieder geladen, welche sie vorhin abgeschossen haben, um die L?wen abzuschrecken.

Allah l Allah! In welcher Gefahr haben wir da auch uns befunden! Wie leicht konnte der Verderber der Herden auch zu uns kommen!

Nein. Er hat seine Wohnung im Osten des Brunnens und ist wieder dorthin zur?ck. Schliche er sich in unsrer N?he herum, so w?rden die Kamele ihn durch ihre Angst verraten. Vorher waren sie unruhig; aber seit die Sch?sse gefallen sind, haben sie keine Furcht mehr gezeigt. Der Vater des dicken Kopfes ist also fort. La?t uns nun nicht mehr sprechen, sondern lieber aufpassen. Der Schech k?nnte eher kommen, als wir ihn erwarten, und wir m?ssen daf?r sorgen, da? er uns nicht verfehlt.

Aus diesen Worten war zu schlie?en, da? die Unterhaltung nun zu Ende sei. Darum hielt Schwarz es f?r geraten, sich zur?ckzuziehen. Er kroch so leise und vorsichtig davon, wie er gekommen war. In der Entfernung, in welcher er nicht mehr gesehen werden konnte, erhob er sich aus der kriechenden Stellung, da er nun getrost wieder aufrecht gehen konnte. Erst als er den Felsen erreichte, mu?te er wieder vorsichtig verfahren, da die Homr nicht wissen durften, da? er fort gewesen war.

Es gelang ihm, seinen Platz von ihnen unbemerkt zu erreichen. Die Dschelabi hatten Sorge um ihn gehabt, da seine Abwesenheit eine ziemlich lange gewesen war. Er erz?hlte ihnen, was er geh?rt hatte und fragte sie, ob ihnen dieser Abu el Mot vielleicht bekannt sei. Sie alle kannten diesen Mann, ohne ihn aber jemals gesehen zu haben. Sie hatten geh?rt, da? er der eifrigste und unbarmherzigste Sklavenj?ger sei, doch wo er sein Jagdgebiet habe, wu?ten sie nicht.

Er scheint seine Raubz?ge von einer Seriba, welche Omm et Timsah hei?t, aus zu unternehmen, sagte der Deutsche. Ist euch diese nicht bekannt?

Nein, antwortete der Vater der elf Haare. Ich kenne alle Seriben bis jenseits des Dinka-Landes, aber von einer dieses Namens habe ich noch nie geh?rt. Doch mu? uns das einstweilen gleichg?ltig sein. Wir m?ssen an unsre Verteidigung denken. Wir m?ssen ?berlegen, wie wir uns am besten wehren k?nnen.

Da gibt es nicht viel zu ?berlegen. Die Hauptsache ist, da? der Feind uns nun nicht mehr ?berraschen kann. Wir wissen, wo er sich befindet.

Aber nicht, wann er kommen wird.

O doch. Der Schech will die Gum aufsuchen. Er hat also mit Abu el Mot den ?berfall schon l?ngst geplant. Es ist da dr?ben hell, und wir k?nnen also leicht sehen, wenn er sich entfernt. Er wird den R?ubern sagen, wo und wie wir lagern, und dann werden sie kommen.

Wir schie?en sie nieder?

Nein. Sie sind zw?lf Personen und wir nur neun; aber da wir nun sie ?berraschen und nicht sie uns, so sind wir ihnen ?berlegen. Wir bleiben nat?rlich nicht hier liegen, sondern erwarten sie am Beginn der B?sche, zwischen welchen wir uns verstecken k?nnen. Sind sie an uns heran, so springen wir auf. Jeder nimmt seinen Mann und schl?gt ihn nieder. Ein t?chtiger Hieb auf den Kopf gen?gt dazu; aber die Kerls m?ssen so getroffen sein, da? sie gleich zusammenbrechen. Mit den ?brigen drei werden wir dann schnell fertig. Fliehen sie, so lassen wir sie laufen; wehren sie sich, nun, so k?nnen wir ihr Leben freilich nicht schonen. Die ersteren werden hoffentlich nicht tot sein. Wir nehmen sie gefangen und liefern sie in Faschodah an den Mudir ab.

Und was geschieht mit den Homr?

Das wird sich ganz nach ihrem Verhalten richten. Ich vermute, da? sie sich nicht direkt an dem Angriffe beteiligen werden; sie d?rften das vielmehr der Gum ?berlassen, welche ?brigens, wie ich aus dem Dialekte der Leute vermute, auch aus Homr besteht. Meine bisherigen Begleiter werden beabsichtigen, so lange dort an ihrem Feuer zu bleiben, bis wir get?tet worden sind. Sie kommen also bei dem Kampfe zun?chst nicht in Betracht. Die Hauptsache ist, da? jeder von uns seinen Mann richtig trifft.

Darin soll es bei mir nicht fehlen. Ich kehre meinen Elefantenm?rder um und bearbeite den Kerl so, wie ich vorhin die Frau des L?wen erschlagen habe.

Und ich, sagte Hadschi Ali, habe hier den halben Schaft meines zerbrochenen Spie?es. Das gibt eine Keule, mit welcher ich zuschlagen kann. Allah sei demjenigen gn?dig, der sie auf den Kopf bekommt!

In ?hnlicher Weise ?u?erten sich auch die andern. Sie waren damit einverstanden, da? die Feinde nicht get?tet werden sollten. Sie dachten an die Genugthuung, die ihnen w?rde, wenn sie morgen mit ihren Gefangenen in Faschodah einziehen. Wer von ihnen keine zum Zuschlagen passende Waffe besa?, der suchte sich unter den Gep?ckst?cken einen geeigneten Gegenstand aus.

Die Homr waren ?berzeugt, da? der Deutsche und die Dschelabi schliefen. Diese hatten nur leise gesprochen, und w?re je ein Wort etwas lauter gewesen, so h?tte es doch nicht leicht geh?rt werden k?nnen, da die Kamele und Esel sich noch immer nicht ganz beruhigt hatten. Besonders die letzteren standen keinen Augenblick ruhig, weil die Kadaver der beiden Raubtiere sich in ihrer N?he befanden. Die Kamele schnaubten ?ngstlich, mu?ten aber ruhig liegen, da ihnen die F??e gefesselt waren.

In Erwartung des Kommenden verging allen die Zeit sehr langsam. Endlich erhob sich dr?ben der Schech.

Jetzt geht er! fl?sterte Ali.

Nein, antwortete der Ungar ebenso leise. Er kommt erst hierher, um nachzusehen, ob wir wirklich schlafen. Er wird so thun, als ob er sich um die Kamele bek?mmern wolle. Regen wir uns nicht!

Der Schech kam wirklich langsam herbei. Er trat zu den Kamelen, als ob er nach ihnen habe sehen wollen, und blieb da eine kleine Weile stehen. Er lauschte nach den Dschelabi her?ber. Als keiner derselben sich bewegte, sagte er, zu ihnen gewendet:

Die Dschimahl f?rchten sich noch immer. Wollen wir nicht die Leichen des L?wen und seiner Sultana fortschaffen?

Er fragte das nat?rlich nur, um zu erfahren, ob die Dschelabi fest schliefen. Als er keine Antwort bekam, trat er leise n?her und b?ckte sich zu ihnen nieder. Um ganz sicher zu sein, ber?hrte er den Arm des Deutschen. Als auch darauf nichts erfolgte, war er seiner Sache sicher und schlich weiter, um den Felsen wie vorhin Schwarz.

Dieser richtete sich nach einiger Zeit auf und kroch ihm nach. Er sah ihn in westlicher Richtung davonschreiten und dann im Dunkel der Nacht verschwinden. Zu den Dschemali[Dschelabi] zur?ckgekehrt, forderte er diese auf: