Karl May.

Die Sklavenkarawane





Er hatte recht. Die Schar der Sklavenj?ger ?ffnete sich wieder, und der Genannte trat hervor. Seine lange, schmale Gestalt stolz und aufrecht haltend, kam er langsam und w?rdevoll n?her. Er trug keine Waffe in seinen H?nden und hielt den Blick zum Boden gerichtet. Erst als er fast unmittelbar vor Schwarz stand, blickte er auf.

Sallam! gr??te er ebenso kurz, wie vorhin sein Bote. Ich hoffe, da? du dein Wort wahr machen und mich nicht zur?ckhalten wirst!

Wenn du meine Bedingungen erf?llt hast, ja.

Welche ?

Unbewaffnet zu kommen.

Schau her! Oder la? mich untersuchen, ob auch nur eine Nadel zu finden ist!

Er schlug seinen Ha?k auseinander. Schwarz winkte ab und antwortete:

Ich glaube dir. Du kannst also, sobald unser Gespr?ch zu Ende ist, zu den Deinen zur?ckkehren.

Auch wenn ich nicht auf deine W?nsche eingehe?

Auch dann.

So wollen wir hinausgehen und drau?en beraten!

Er wollte sich zwischen dem Felsen und dem Buschwerke, mit welchem der Eingang schon hoch angef?llt war, vor?berdr?ngen; Schwarz aber wies ihn zur?ck und sagte:

Halt! So schnell geht das nicht. Wenn du heraus willst, so sind besondere Vorsichtsma?regeln n?tig.

Welche denn? fragte Abu el Mot im Tone beleidigten Erstaunens.

Ich m??te dir die H?nde auf den R?cken binden.

Warum?

Damit du nicht entfliehen kannst.

Der Sklavenj?ger lachte h?hnisch auf.

Entfliehen? Was f?llt dir ein! Ich werde fliehen, wo ich ?berzeugt bin, da? ihr in meine H?nde gegeben seid und ich endlich Rache nehmen kann! Du hast ja geh?rt, da? ich die Bedingung gestellt habe, zur?ckkehren zu k?nnen!

Das ?berzeugt mich noch nicht.

Aber, wie k?nnte ich euch denn entkommen? Selbst wenn es mir dadurch gel?nge, da? ich schnell in die B?sche spr?nge, so h?tte ich damit allem meinem Eigentume entsagt und m??te, da ich weder Waffen noch sonstiges bei mir trage, in dieser Wildnis elend umkommen.

Pah! Du w?rdest dich einige Tage lang von Fr?chten n?hren und irgend eine Seribah aufsuchen. ?brigens aber bist du nicht so arm und so waffenlos, wie du es scheinen lassen willst.

Wieso ?

Du hast nur die Sklaven bei dir. Wo aber sind die geraubten Herden?

?ber das todeshagere Gesicht des Alten ging ein ?rgerliches Zucken, dann antwortete er, abermals lachend:

Herden? Ich begreife dich nicht!

K?nnte einer von uns beiden den andern nicht begreifen, so m??te ich es sein. Ich verstehe n?mlich nicht, mich nach allem, was du erlebt und erfahren hast, noch immer f?r einen dummen Menschen zu halten. Wenn ihr euch auf der Sklavenjagd befindet, so nehmt ihr nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere und alles, was irgend einen Wert f?r euch hat. Ich bin ?berzeugt, da? ihr euch die Herden von Ombula angeeignet habt. Abd el Mot ist von dort aus sogar noch weiter gezogen und wird auch dort noch reiche Beute gemacht haben.

Du irrst.

Wir haben nur Sklaven gemacht. H?tten wir auch Pferde, Rinder, Schafe und Kamele, so w?rdest du dieselben doch bei uns sehen.

Glaube nicht, mich irre machen zu k?nnen. Du wolltest uns hierher locken, um uns zu vernichten. Dabei w?ren dir die Herden im Wege gewesen. Darum und weil sie dich au?erdem am schnellen Fortkommen hinderten, hast du sie zur?ckgelassen.

Welche Klugheit, welche gro?artige Klugheit du da entwickelst! h?hnte Abu el Mot. Aber es war ihm anzusehen, da? dieser Hohn ihm nur als Maske diente, seinen ?rger und seine Entt?uschung zu verbergen.

Wenn es dir also gel?nge, uns jetzt zu entkommen, fuhr Schwarz fort, so w?rdest du zu diesen Herden eilen. Die Leute, welche du zur Bewachung derselben zur?ckgelassen hast, k?nnten dich mit Waffen versehen. Es w?rde dir dann leicht sein, den heutigen Verlust zu verschmerzen und dein altes, verbrecherisches Leben von neuem zu beginnen .

Und das willst du wohl nicht dulden?

Allerdings nicht.

So! Wer hat dich zum Richter ?ber mich gesetzt?

Das Gesetz, welches in diesen Gegenden das herrschende ist.

Ich lache deiner! Mir wurde gesagt, du habest so viele Krieger bei dir, da? es dir leicht sei, uns hier in der Schlucht zu erdr?cken. Kannst du das beweisen?

Sehr leicht.

Womit?

Dadurch, da? ich dich rund um die Schlucht f?hre, um dir zu zeigen, da? du vollst?ndig eingeschlossen bist.

So thue es!

Gern, doch nur unter der Bedingung, da? du dir die H?nde binden l?ssest.

Was f?llt dir ein! Ich, Abu el Mot, soll mir die H?nde binden lassen! Bist du toll! brauste der Alte auf.

M??ige dich! warnte Schwarz. Wenn du grob wirst, so schlage ich dir die Peitsche ?ber das Gesicht, obgleich ich die G?te gehabt habe, dich als Parlament?r betrachten zu wollen ! Wer ist denn Abu el Mot? Etwa ein Ehrenmann, ein Heiliger, dem man Verehrung schuldet? Ein Dieb und R?uber ist er, den man vertilgen mu? wie das sch?dlichste und giftigste der Ungeziefer. Thue ich dir den Willen, dich herumzuf?hren, so ist das eine Gef?lligkeit, welche kein andrer dir erweisen w?rde, und daf?r hast du dich meiner Anordnung zu f?gen. Willst du das nicht, so habe ich nichts dagegen; aber du mu?t auch darauf verzichten, dir meine Veranstaltungen anzusehen.

Der Ton, in welchem Schwarz dies sprach, blieb nicht ohne Wirkung. Au?erdem mu?te Abu el Mot nat?rlich sehr viel daran liegen, genau erfahren zu k?nnen, in welcher Lage er sich befand. Darum sagte er:

Nun, ich will zugeben, da? es keine Schande ist, wenn ich mir freiwillig Fesseln anlegen lasse. Aber ich hoffe, da? sie mir dann wieder abgenommen werden!

Selbstverst?ndlich!

Gut, so bindet mich! Ich will mich darein ergeben.

Jetzt wurde ihm erlaubt, den Verhau zu passieren, er hielt die H?nde hin, die ihm auf dem R?cken festgebunden wurden. Vier Soldaten nahmen ihn in ihre Mitte, und dann begann der Rundgang, an welchem sich nur Schwarz mit beteiligte. Pfotenhauer blieb bei den Soldaten zur?ck, da er glaubte, sich mehr auf sich selbst, als auf den Anf?hrer derselben verlassen zu k?nnen. Es war ja immerhin m?glich, da? Abu el Mot eine Heimt?cke plante und den Befehl gegeben hatte, w?hrend seiner und der Deutschen Abwesenheit den Ausgang zu erzwingen.

War der Alte vielleicht der Ansicht gewesen, da? ihm von den drei Boten seine Lage zu schwarz geschildert worden sei, so sah er jetzt ein, da? er sich geirrt habe. W?hrend er oben dem Rande der Schlucht folgte und die dort stehenden Leute z?hlte, wurde seine Miene immer nachdenklicher. Er betrachtete ihre Waffen; er sah die finster drohenden Blicke, welche auf ihn geworfen wurden und gewann die ?berzeugung, da? er mit Gewalt nichts ausrichten k?nne und sich nur auf seine List und Verschlagenheit verlassen m?sse.

Als Abu el Mot an den Nuehrs vor?berkam, welche er doch f?r sich angeworben hatte, spuckte er vor dem H?uptling derselben aus und rief:

Haif alaik Schande ?ber dich!

Aber die Strafe folgte dieser Beleidigung sofort. Der H?uptling trat herbei, schlug ihm die Faust in das Gesicht, da? ihm das Blut sofort aus Mund und Nase lief, und antwortete:

Die Schande ruht auf dir, du Hund und Verr?ter! Denke an die Wakaa en nahr, an die Schlacht im Flusse! Bist du da nicht feig entflohen? Hast du uns da nicht hinterlistig verlassen? Wenn dieser Vater der vier Augen, welchen Allah daf?r segnen wolle, nicht ein so wohlwollendes und freundliches Herz bes??e, so w?ren wir verloren gewesen. Nun willst du mich beschimpfen, weil wir ihm dankbar sind? Dein Weg f?hrt ins Verderben und in die H?lle. M?gest du braten da, wo ihre Glut am gr??esten ist!

Herr, duldest du, da? ich von deinen Leuten geschlagen werde! fuhr Abu el Mot Schwarz an. Hast du mir nicht versprochen, da? mir nichts geschehen solle!

Jedem das, was er verdient, antwortete Schwarz ruhig. Ich habe nat?rlich angenommen, da? du nicht den Zorn meiner Leute herausforderst. Beleidigst du sie, so magst du die Folgen tragen, denn nur du allein bist schuld daran. In deiner Lage w?rde es dir besser stehen, vorsichtig und bescheiden zu sein.

Du hast mich aber zu besch?tzen!

Und du hast dich ruhig und h?flich zu verhalten. Thust du das nicht, so m?gen diejenigen, welche du beleidigst, dich meinetwegen erschlagen oder erw?rgen, ich r?hre keinen Finger f?r dich. Es ist dir ganz recht geschehen.

Man ging weiter und kehrte, als der Rundgang beendet war, nach unten zur?ck, wo Pfotenhauer die indessen verflossene Zeit vortrefflich benutzt hatte, den Eingang mit Hindernissen vollst?ndig auszuf?llen. Es war nur eine einzige kleine L?cke gelassen worden, gerade gro? genug, da? ein Mann hindurchschl?pfen konnte. Die Soldaten flochten aus Zweigen W?nde, um dieselben aufzustellen und mit Erde auszuf?llen, damit keine Kugel hindurchdringen k?nne. Abu el Mot sah das, sein Gesicht wurde finstrer und er meinte, grimmig lachend: Ihr m??t euch doch entsetzlich vor uns f?rchten, da ihr mit solchem Eifer arbeitet, als gelte es eine Kala zu errichten.

Von Furcht ist keine Rede; sie w?re ja v?llig grundlos, wie du gesehen haben wirst. Aber wenn es gilt, die Verwundung oder gar den Tod auch nur eines einzigen Menschen zu verhindern, so ist keine Arbeit, mit welcher dieser Zweck erreicht wird, ?berfl?ssig oder l?cherlich zu nennen.

Nimm mir die Fesseln ab! Ich sehe es dir an, da? du die Beratung beginnen willst, welche freilich ganz erfolglos sein wird.

Erfolg wird sie jedenfalls haben, wenn nicht f?r dich, so doch ohne allen Zweifel f?r mich. Setzen wir uns also nieder!

Man band dem Alten die H?nde los und setzte sich, einen Kreis bildend, in das Gras. Abu el Mot machte dabei ein Gesicht, als sei es eine Gnade f?r die andern, sich in seiner N?he zu befinden, als sei er es, von welchem das Schicksal der beiden Deutschen und ihrer Leute abh?nge.

Der Kerl gfallt mir gar nit, meinte Pfotenhauer in deutscher Sprache. Er macht a so zuversichtliches, eigentlich unversch?mtes Gsicht, da? ich glauben mu?, er hat irgend was B?ses, woran wir gar nit denken, im R?ckhalt.

W??te nicht, was es sein k?nnte, antwortete Schwarz.

Ich eben auch nit; aber irgendwas hat er; das ist so gwi? wie der Boden im Bierseidel. Wir m?ssen halt vorsichtig sein.

Warum redet ihr in einer Sprache, welche ich nicht verstehe? fragte Abu el Mot. Wi?t ihr nicht, da? dies unh?flich ist? Oder f?rchtet ihr euch vor mir?

Hat einer von uns Furcht, so scheinst du es zu sein, antwortete Schwarz. Nur der Furchtsame ist mi?trauisch. Und wenn du H?flichkeit von uns forderst, so verlangst du zu viel. Nach allem, was wir dir vorzuwerfen haben, gibt es f?r uns gar keinen Grund, dir Komplimente zu machen. Ich rate dir ?berhaupt, den Ton, in welchem du mit uns sprichst, etwas herabzustimmen, da wir sonst die R?cksichten, welche wir jetzt noch nehmen, fallen lassen w?rden!

R?cksichten? lachte der Alte. Das ist unn?tig, denn ihr habt gar keinen Grund dazu. Vielmehr bin ich es, welcher Nachsicht hegt, denn nicht ich befinde mich in eurer Gewalt, sondern ihr seid in der meinigen.

Das kann eigentlich nur ein Wahnsinniger sagen!

Schweig! Wenn der Wahnsinn einen von uns beiden ergriffen hat, so bist nur du es; das kann ich beweisen.

So beweise es, antwortete Schwarz.

Sind die Forderungen, welche du an mich gestellt hast, nicht diejenigen eines Wahnsinnigen?

Schwerlich!

O doch! Ich soll nicht blo? deinen Bruder und den Elefantenj?ger ausliefern, sondern auch mich und Abd el Mot. Hast du das nicht verlangt?

Allerdings, ja.

Und du gibst nicht zu, da? dies unsinnig ist?

Nein. Wir sitzen wohl auch nicht hier, um zu beraten, welcher Natur meine Forderungen sind. Ich habe dir erlaubt, zu uns zu kommen, nur aus dem einzigen Grunde, um zu erfahren, ob du auf meine Bedingungen eingehest oder nicht.

Das kannst du gleich erfahren, ja, das konnte ich dir sofort, als ich kam, schon sagen.

Nun ?

Ich belache dein Verlangen.

So! Hast du mir sonst noch etwas zu sagen?

Nein.

So ist unsre Unterredung k?rzer geworden, als ich dachte, und wir sind also fertig.

Er stand auf.

Ja, wir sind fertig, stimmte Abu el Mot bei, indem er sich auch erhob. Ich kann also gehen?

Ja.

Massalahmi; tat wakhti lebe wohl; meine Zeit ist um!

Er wendete sich, ohne da? ihn jemand hinderte, nach der ?ffnung, welche im Verhau gelassen worden war. An derselben angekommen, drehte er sich um und fragte:

Was werdet ihr nun thun?

Das wirst du sehr bald erfahren.

Etwa auf uns schie?en?

Allerdings.

Nein, das werdet ihr nicht.

Wer soll uns hindern?

Eure Klugheit, denn sobald von euch der erste Schu? f?llt werde ich deinen Bruder t?ten lassen!

Und beim zweiten Schusse wird wohl der Elefantenj?ger ermordet? fragte Schwarz lachend, obgleich es ihm nicht sehr lustig zu Mute war.

Allerdings. Und dann kommt es noch anders.

Wie denn?

Bei jedem n?chsten Schusse wird einer der Sklaven erstochen, welche ihr doch befreien wollt. Ihr werdet also ganz das Gegenteil von dem erreichen, was ihr beabsichtigt.

Er machte eine h?hnische Geb?rde und f?gte dann hinzu:

Seht ihr nun, wer sich in der Hand des andern befindet, ich in der eurigen oder ihr in der meinigen?

Das erstere jedenfalls.

Was? Du bist wirklich wahnsinnig!

Und du befindest dich in einer gro?en T?uschung, denn der erste, den meine Kugel trifft, wirst du sein, und der zweite ist Abd el Mot. Wir scheint, du wei?t bereits, wie gut ich schie?e!

Schie?e meinetwegen wie der Scheitan; ich kehre mich nicht daran! Oder meinst du, da? ich mich so hinstelle, da? du nur auf mich zu zielen brauchst? Ich lache ?ber deine Drohung!

So verstecke dich und morde, so viele Personen du morden willst! Wir werden es also anders machen. Wir werden deine Leute erschie?en, einen nach dem andern. Du und Abd el Mot werdet ?brig bleiben. Welches Todes ihr dann aber sterben werdet, danach frage nicht!

Drohe nur immerzu; ich wei? doch, was ich davon zu halten habe. Du wirst deinen Bruder nicht t?ten lassen!

Ich kann ihn nicht retten, also mag er sterben!

Versuche nicht, mich zu t?uschen! Ich bin meiner Sache so gewi?, da? ich mich herbeilasse, dir einen Vorschlag zu machen.

Ich mag ihn nicht h?ren. Du hast dich gar nicht herbeizulassen.

So verstopfe deine Ohren, und die andern m?gen ihn h?ren. Ich will deinen Bruder freigeben und den Elefantenj?ger auch. Sie sollen auch ihr Eigentum zur?ckerhalten.

Und was forderst du daf?r?

Zieht fort, und la?t mich in Ruhe!

Das werden wir nicht.

So m?ge euch der Scheitan fressen. Ich sage euch mein letztes Wort, indem ich wiederhole, da? dein Bruder beim ersten Schusse sterben wird!

Und ich sage euch mein letztes, indem ich dir mitteile, da? ich dir jedes Glied einzeln vom K?rper rei?en lasse, wenn du ihm nur ein Haar seines Hauptes kr?mmst. Nun kannst du gehen.

Ja, ich gehe. H?te dich vor meiner Rache; ich scherze nicht!

Er dr?ngte sich durch die schmale ?ffnung des Verhaues und schritt hocherhobenen Hauptes in die Schlucht hinein. Der Slowak nahm sein Gewehr auf und fragte:

Soll ich erschie?te Kerl, frechen und unversch?migten? Seinte dann sofort aus Geschichte, ganze und alle!

Nein, wehrte Schwarz ab. Ich habe ihm mein Wort gegeben, und das gilt. Meineidig werde ich nicht.

Gwi?! stimmte Pfotenhauer bei. Das gegebene Wort m?ssen wir leider halten, doch auch ich m?cht ihm am liebsten gleich einige Kugeln auf den Pelz brennen. Den Kerl so hier in denen H?nden haben und ihn doch wieder laufen lassen zu m?ssen, das geht mir halt stracks gegen den Strich. War das a frecher und unversch?mter Patron! Anstatt klein beizugeben, hat er halt grad so gethan, als ob er nur lauter Bittschriften zu unterzeichnen h?tt. Was soll denn nun gschehen? Meinens, da? er wirklich thut, was er gsagt hat?

Nein.

Oho! Ich traus ihm zu.

Ich nicht.

So haltens ihn f?r besser, als er wirklich ist.

Das nicht; aber ich halte ihn f?r zu klug, seine Drohung auszuf?hren.

Wieso w?re das unklug?

Weil er dann auch unsrerseits auf keine Gnade zu rechnen h?tte.

Ja, das ist schon wahr. Aberst was n?tzt uns die Rach, wann wir mit derselben die Toten nicht wieder lebendig machen k?nnen?

Er wei?, da? er uns nicht entkommen kann. Ich habe ihn scharf beobachtet und es ihm angesehen, da? er diese ?berzeugung hegt. In seinen H?nden liegt nur ein einziger Trumpf; er hat ihn uns gezeigt, doch zweifle ich sehr daran, da? er ihn auch wirklich ausspielen wird. Es w?re sein sicherer Untergang.

M?glich, da? er es unterl??t, doch ist ihm alles zuzutrauen und was ist das? Da kommt er ja schon wieder!

Es war so; Abu el Mot kam zur?ck, aber nicht ganz heran. Er blieb vielmehr in Rufweite stehen und fragte:

Darf ich wieder frei zur?ck, wenn ich noch einmal hinkomme?

Ja, antwortete Schwarz.

Dummheit! raunte Pfotenhauer ihm zu. Jetzt hatte er unser Wort nicht, und so konnten wir ihn wegputzen!

Dazu ist es nun zu sp?t. Ich habe mein Versprechen erneuert. ?brigens ist seine R?ckkehr ein Beweis, da? ich ganz richtig geurteilt habe.

Der Alte kam bis an die L?cke heran, durch welche er aber nicht kroch, und fragte:

Was w?rdet ihr mit mir thun, wenn ich mich euch gefangen g?be?

Wir w?rden dein Leben schonen, antwortete Schwarz.

Und mir die Freiheit geben?

Nein. Ich w?rde dich nach Faschodah abliefern.

Ah! Zum Vater der F?nfhundert?

Ja. Ich habe es ihm versprochen.

Du bist sehr aufrichtig. Ich danke dir. Thue, was du willst; du wirst mich nicht lebendig in deine Hand bekommen!

Er ging wieder fort, ohne ein einziges Mal den Kopf zu wenden. Er mu?te sehr fest ?berzeugt sein, da? man ihm keine Kugel nachsenden werde.

Das ist die Frechheit doch allzu weit getrieben! z?rnte Pfotenhauer. Die Sicherheit dieses Halunken k?nnt mir die ganze Gall in den Magen treiben. H?ttens nur nit gar so schnell ja gsagt, so l?g er jetzund dort im Gras, mit meiner Kugel im Leibe!

Lassen Sie es gut sein! bat Schwarz. Da? er mit dieser Frage zur?ckkehrte, stellt mich f?r jetzt vollst?ndig zufrieden.

Aber wir sind nit weiter kommen, als wir vorher waren!

Das mag sein; aber wir werden nicht auf dem jetzigen Punkte stehen bleiben.

So laufens also schnell weiter, und nehmens uns auch mit! Denkens vielleicht, da? wir schie?en k?nnen, ohne Ihren Bruder in Gfahr zu bringen?

Ich denke es, so wie ich es schon vorhin dachte; aber ich will Abu el Mot doch lieber nicht versuchen. Warum Gewalt anwenden, wenn man mit ein wenig List ebenso zum Ziele gelangen kann?

Welche List ists denn da, von ders sprechen?

Die, von der wir schon gesprochen haben. Wir holen meinen Bruder und den Elefantenj?ger heraus. Gelingt uns das, so brauchen wir dann keine R?cksicht mehr zu nehmen, da sich der einzige Trumpf des Alten in unsren H?nden befindet.

Alle Teuxel! Ist das Ihr Ernst?

Ja.

Wir wollen uns verkleiden und Theater spielen?

Ich wenigstens bin fest entschlossen dazu. Ich will Sie keineswegs bereden, denn die Sache ist, wie ich gern zugebe, sehr gef?hrlich, aber ich

Lassens die Faxerei, und redens vern?nftig! unterbrach ihn der Vater des Storches. Was Sie k?nnen, das kann ich auch, und Ihr Bruder ist mir so a lieber Freund, da? ich um seinetwillen ganz gern so a bi?chen Fastnachtsscherz mitmachen thu.

Nun, es ist nichts weniger als scherzhaft. Wenn wir erwischt werden, ist es nicht nur aus mit uns, sondern auch mit denen, welche wir retten wollen.

Das wei? ich selber auch, und ich denk, grad eben darum werden wir uns nicht derwischen lassen. Es handelt sich nur darum, wann und wie es gmacht werden soll. Wann? Doch also erst heute abend?

Ja. Dieser Plan kann nur in der Dunkelheit ausgef?hrt werden.

Aber bis dahin kann gar viel gschehen!

Ich bin ?berzeugt, da? wenig oder gar nichts geschehen wird. Abu el Mot wird nichts unternehmen, sondern ganz froh sein, wenn wir ihn in Ruhe lassen.

So handelt es sich nur um das Wie. Verkleiden wir uns als Neger?

Ja.

Dazu m?cht ich aberst nit raten.

Warum ?

Aus mehreren Gr?nden. Erstens wird es mir bei meinem langen und gro?en Barte, selbst wenn ich ihn und das Gsicht schwarz mach, nit gelingen, denen Leuten wei? zu machen, da? ich ein Neger bin, denn a Schwarzer hat keinen solchen Bart. Und zweitens d?rften wir uns nur da bewegen, wo die geraubten Sklaven sind, w?hrend die beiden, welche wir holen wollen, sich ganz gwi? bei Abu el Mot befinden. Besser wirds sein, wir f?rben die Gsichter nur braun und kleiden uns so, da? wir f?r Sklavenj?ger ghalten werden.

Auch da wird man Sie an Ihrem und ebenso mich an meinem Vollbarte erkennen. Nein. Unter die geraubten Sklaven brauchen wir uns nicht zu machen, denn es gibt auch unter den Leuten Abu el Mots Schwarze genug. Es fragt sich ?berhaupt, ob wir uns sehen lassen m?ssen. Vielleicht haben wir uns nur in der Weise anzuschleichen, wie sich Indianer an ihre Feinde schleichen. Und da ist es von gro?em Vorteile, wenn wir uns schwarz gef?rbt haben, weil man uns da nicht von der Umgebung zu unterscheiden vermag.

Ganz wie Sie denken. Ich thu halt alles mit, und Sie sind weit erfahrener und gewandter als ich. Aber wo nehmen wir die schwarze Farb her? Wollen wir Holz zu Kohlen brennen?

Kohle haftet nicht. Es k?nnten durch irgend eine Ber?hrung wei?e Flecken entstehen, welche uns verraten w?rden. Wir haben ja fettes Fleisch von den Elefanten und Speck von dem Nilpferde. Da k?nnen wir Ru? mehr als genug gewinnen.