Karl May.

Die Sklavenkarawane





Inzwischen lie?en Schwarz und Pfotenhauer sich von Babar alles erz?hlen, was w?hrend des Zuges nach Ombula geschehen war. Er hatte sich viel in der N?he Abd el Mots und der beiden Gefangenen befunden und konnte berichten, was er mit ihnen gesprochen hatte. Er beschrieb ihnen das Lager und die Lage desselben sehr genau, sagte ihnen, in welchem Teile sich die Gefangenen bef?nden und mu?te viele Fragen Schwarzens, deren Zweck er nicht verstand, beantworten. Selbst der Graue sah manchmal verwundert auf, wenn sein Kollege eine Frage aussprach, welche ihm ganz unn?tig oder gar l?cherlich vorkam.

Ferner sagte Babar, da? Abd el Mot ?bermorgen von seinem weiteren Raubzuge zur?ckkehren werde und vorher den strengen Befehl gegeben habe, da?, falls das Lager ?berfallen werde, man die beiden wei?en Gefangenen sofort t?ten solle. Kaum hatte Schwarz dies geh?rt, so wandte er sich an diejenigen der Asaker, welche in seiner N?he sa?en:

Wer von euch getraut sich, jetzt bei Nacht im kleinen Boote nach der Dahabi?h zur?ckzukehren?

Ich, antwortete der Vater der elf Haare schnell. Ich kann gern fahrte nach Dahabi?h, unsriger.

Aber es ist gef?hrlich!

Hatt Sie mich nicht lernte kennen als Magyar, unfurchtbarer?

Ja, ich wei?, da? du nicht furchtsam bist. Aber allein ?ber den See? Ich werde dir noch zwei Asaker mitgeben.

Ich konnte gehen allein. Ich brauchte nicht Begleitung, asakerige!

Man darf nicht zu viel wagen. Selbst der Weg nach den Booten hin ist schon gef?hrlich. Es gibt wilde Tiere in der N?he.

Ich hatt nie gef?rchtete Vieh, unkultiviertes! sagte der Kleine ver?chtlich. Ich seinte sogarrr geweste Sieger ?ber zwei L?wen, verheiratete.

Da war ich Zeuge. Aber es gibt hier noch andre Tiere, vor allen Dingen Nilpferde, welche abends zu Lande und fr?h wieder zu Wasser gehen. Wenn dir so eine Bestie begegnete!

Das wernte sein mir von Gleichg?ltigkeit, ganz egaler. Ich hatt noch niemals f?rchtete Pferd, landiges, also wernte ich auch nicht f?rchten Pferd, flussiges. Ich nehmte doch mit mein Gewehr, elefantent?teriges!

Welches dir bei jedem Schusse eine Backpfeife gibt? Nein, allein lasse ich dich nicht fort. Suche dir also zwei Begleiter aus!

Wenn Sie befehlte, mu? ich gehorchte. Aber was sollte ich auf Dahabi?h machte?

Du ?berbringst Hasab Murat die Weisung, s?mtlichen Re?sahn zu sagen, da? die f?nf Schiffe morgen mit dem Fr?hesten, also schon beim ersten Tagesgrauen, aus dem Flusse in den See kommen und da, wo wir mit den Booten gelandet sind, anlegen sollen. Du kannst auf der Dahabi?h sagen, da? hier alles in Ordnung sei, und meinem Diener ?berbringst du den Befehl, harziges Holz und Fett anzubrennen, um mir eine Handvoll Ru? zu bereiten.

Sch?n! Ich wernte ausrichten Befehl mit Sorgf?ltigkeitlichung, gewohnter, und auch gebte Diener Auftrag, letzten und ru?igen. Wann aber mu?te kehr zur?ck ich wieder nach Lager hiesigem?

Du kannst, wenn sich die Schiffe fr?h in Bewegung setzen, voranrudern, um mir ihre Ankunft zu melden.

Soll wernte ausgerichtete mit Vergn?gen, ergebenheitlichem!

Er salutierte wie ein Soldat, bestimmte zwei Asaker zu seiner Begleitung und entfernte sich mit ihnen.

Ru?? fragte der Graue.

Wozu brauchens denn dieses Zeug?

Um einen Neger aus mir zu machen.

Sinds gscheit oder nit?

Ich spreche im Ernste.

Aber gibts denn hier am oberen Nil auch Faschingsnarren?

Wie es scheint! Vielleicht mu? ich sogar auch Sie ersuchen, ein solcher Narr zu sein.

Damit kommens mir ja nit! Meine Nas pa?t nit zu solchem Firlefax. Ich hab niemalen eine Maskerad mitmachen konnt. Und wissens, warum?

Nun?

Hab ich eine Larv vorlegen wollen, so ist die Nas zu gro? gwesen und hat sie mir aus dem Gsicht gsto?en. Und hab ich ohne Larv gehen wollen, so bin ich wegen eben dieser Nas sofort von allen erkannt worden.

Das ist unangenehm. Und ich sehe freilich ein, da? Sie mit dieser Nase einen sehr unwahrscheinlichen Neger vorstellen w?rden. Ich mu? also leider auf Ihre Hilfe verzichten, wei? aber keinen andern, dem ich diese Rolle anvertrauen k?nnte.

Welche Rolle meinens denn?

Sie h?rten doch, da? im Falle eines Angriffes auf das Lager die beiden Gefangenen get?tet werden sollen. Wollen wir dasselbe ?berfallen, so m?ssen sie also vorher herausgeholt, gerettet werden. Und dazu ersehe ich kein andres Mittel als da? ich mich als Neger einschleiche.

Und da wollens noch einen dazu haben?

Ja.

Das ist was ganz andres. Da geh ich sofort mit. Streichen Sie mich also in Allahs Namen so schwarz an wie m?glich!

Aber erw?gen Sie auch die Gefahr? Werden wir entdeckt, so ists um uns geschehen.

Unsinn! Mich bekommens nit!

Nun, zur Beruhigung will ich Ihnen sagen, da? wir dieses Wagnis des Abends unternehmen. Ich werde das Lager vorher umzingeln lassen. In der Dunkelheit laufen wir auch nicht Gefahr, da? Ihre wenig negerartige Nase Verdacht erweckt. Und erwischt man uns je, so werden die Unsrigen auf ein Zeichen zu Hilfe kommen. Uns zu wehren, bis sie da sind, wird wohl m?glich sein.

Nat?rlich! Ich geh als Schwarzer mit. Abgmacht! Ich freu mich schon darauf.

Aber wir m?ssen uns fast ganz entkleiden und den ganzen Leib mit Ru? und Fett einsalben!

Das thut nix; das macht nix, wann ich nur sp?ter wieder in den Besitz meiner kaukasischen Abstammung gelang. Wegen einemmal wird man noch lange nicht f?r immer aan Neger. Also punktum und abgmacht; es bleibt dabei!

Die Aufgabe dieses Abends war gel?st, und man h?tte sich nun zur Ruhe begeben k?nnen. Die Asaker schliefen auch, wenigstens diejenigen, welche nicht zur Bewachung der Gefangenen munter bleiben mu?ten. Schwarz und Pfotenhauer aber fanden keinen Schlaf. Der eine wu?te seinen Bruder in Gefahr, den auch der andre als seinen Spezi herzlich lieb hatte, und so lie? beiden die Sorge um denselben nicht die so notwendige Ruhe finden.

Zu ihnen gesellte sich sp?ter ein dritter, der Sohn des Geheimnisses. Er kehrte innerlich ziemlich beruhigt zur?ck und setzte sich zu ihnen. Auch er konnte nicht schlafen, aus Freude, das Dunkel seiner Herkunft endlich gelichtet zu sehen, und aus Sorge wegen der gef?hrlichen Lage seines Vaters.

Um Mitternacht wurden die W?chter der Herden abgel?st, und dann legten sich auch die drei nieder, eingeh?llt in die Fliegennetze. Sie wollten wenigstens versuchen, einzuschlafen. Aber von Zeit zu Zeit bemerkte der eine, da? der andre sich immer noch ruhelos bewegte, und als es gegen Morgen war, richtete Schwarz sich auf und sch?lte sich aus dem Netze, um einen Rundgang zu den Posten zu unternehmen. Sofort fuhr Pfotenhauer auch empor und fragte:

Habens gschlafen?

Nein.

Ich auch nit. Ich leg mich ?berhaupt niemals wieder an einem Maijeh nieder. Dieses Teuxelszeug, die Fliegen, sind nit auszustehen. Da hatten einige den Weg ins Netz reingfunden; das m?cht noch gehen, wann sie mir nur in die Stiefelsohlen gstochen h?tten; aber sie hattens partout auf meine Nas abgsehen. Diese Kreatur hat nit den mindesten klassisch-?sthetischen Gschmack. Ich steh also auch auf. Was thun wir aber nun?

Ich will die Posten besuchen.

Das hat keinen Zweck. Ich m?cht Ihnen was Bessers vorschlagen.

Was denn?

Eine Jagd auf Nilpferde. Es w?r doch eine S?nd und Schand, wann wir am Nilpferd-Maijeh gwesen w?ren, ohne eins wenigstens zu Gsicht bekommen zu haben. Machens mit? Es ist jetzt grad die Zeit, um welche sie sich am Ufer g?st haben und ins Wasser zur?ckkehren.

Dieser Vorschlag ist ausgezeichnet. Ich gehe mit.

Sch?n! Aber wie stehts mit den Waffen?

Ich habe mein Gewehr.

Das reicht nit aus. Mit einem Schu? oder zweien legens kein Nilpferd nieder, au?er Sie haben Explosionskugeln gladen.

Die habe ich nicht bei mir, sondern auf dem Schiffe.

Schade! Ich hab hier welche, aber sie passen nit f?r Ihr Kaliber. Wissens denn auch, wo das Nilpferd seine Achillesferse hat?

Ja, zwischen dem Auge und Ohre.

Nit ?bel! Aber besser noch ists, man trifft es hinters Ohr. Wei? man die Stell genau, so rei?t die Sprengkugel den Sch?del auf und treibt das Ghirn ausnander. Sie kommen vom Norden und haben diese Jagd wohl noch nit versucht; aber ich und Ihr Bruder, der Sepp, haben schon manches Flu?pferd auf diese Weis erlegt. Ich werd gleich Sprengkugeln laden; dann gehen wir.

Als er sein Gewehr schu?fertig gemacht hatte, verlie?en sie das Lager. Eben begann der Osten sich heller zu f?rben, und sie konnten nun wenigstens die B?ume und Str?ucher sehen, zwischen und unter denen sie sich langsam und scharf aussp?hend fortbewegten.

Sie wandten sich nicht nach dem See, sondern gingen am Ufer des Maijeh hin, weil dort eher ein Nilpferd zu treffen war als am ersteren. Es wurde heller, so da? sie nun deutlich sehen konnten. Der Graue hatte auf alles acht. Einmal blieb er stehen und deutete auf eine eigenartige F?hrte.

Wissens, wer da glaufen ist? fragte er.

Nat?rlich ein Hippopotamus!

Ja. Sehens sich die Spur gnau an! Dieser Behemot ist da aus dem Wasser kommen, und man sieht seine Spur deutlich im weichen Moor. Rechts und links eine Reihe von Stapfen, einen vollen Fu? im Durchmesser, und in der Mitt einen Streifen auf der Erd, auf welcher er den Bauch schleift. Das ist ah, habens gsehen?

Ja.

Was wars? Es fuhr da aus dem hohlen Stumpf heraus, wo es ganz gwi? Ameisen gibt.

Ein Erdferkel.

Lateinisch?

Orycteropus aethiopicus.

Richtig! Und arabisch?

Abu Batlaf, Vater der Klauen.

Ja, weils so lange N?gel hat. Ich hab eine solche Klau zum erstenmale bei unsrem Professor von dera Naturgschicht gsehen, welcher in seiner Sammlung viele solche Rarit?ten ghabt hat. Er war gar kein ?bler Ornitholog, und ich hab gar viel von ihm profitiert, aber leiden hat er mich nit k?nnen.

Das ist doch sonderbar, meinte Schwarz, indem sie wieder vorw?rts schritten. Sie sind doch gar kein ?bler Bursche!

Bins auch nie gwesen. Aber wi?begierig war ich stets, und da hab ich ihm oft Fragen vorglegt, die selbst der kl?gste Mensch nit wohl beantworten kann. Das hat ihn g?rgert, und er ist auf den Gedanken kommen, mir das bei Gelegenheit zur?ckzuzahlen. Die ist auch bald eingetreten. Wissens, wann?

Nun? fragte Schwarz gutwillig.

Beim Examen. Da hat er mich in eine Verlegenheit gbracht, die ich niemals nit vergessen werd. Ich sprach zwar nit davon, denn es hat keinen Zweck f?r andere, aber gegen einen Freund braucht man nit so zugekn?pft und verschlossen zu sein, und darum will ichs Ihnen anvertrauen. Sie sagens doch nit weiter?

F?llt mir nicht ein! beteuerte Schwarz.

Nun, das war n?mlich so! Es sollt Examen sein, grad als ich in dera Quart gsessen bin. Das war nat?rlich aan Ehrentag, und so hab ich mich fein sauber gmacht und einen bl?tenwei?en Brustlatz vorgebunden mit breitem Kragen und den neuen, bunten Schlips drumrum. So fein ausgestattet, wie ich da gwesen bin, hat mirs im Examen nat?rlich gar nit fehlen konnt. Ich war also ganz sicher und gwi? und wartete auf die Frag, die an mich kommen werd. Sie ist auch kommen, aber was f?r eine! Ratens doch einmal!

Bitte, erz?hlen Sie lieber weiter.

Ja, das kann ich thun, denn erraten k?nnens diese Frag doch gwi? nimmermehr. Ich bin also aufgstanden, weil das die H?flichkeit erfordert, und da hat er gmeint, ich soll ihm sagen, warum die V?gel Federn haben. Was sagens denn nun dazu?

Was soll ich sagen? Ich bin doch nicht gefragt worden, sondern Sie sind es!

Das ist richtig!

Was haben Sie denn geantwortet?

Nun, zun?chst hab ich gar nix gsagt. Ich hab halt nur so da gestanden und den Professorn angschaut wie der Mops den Mond zur Mittagszeit, denn ich hab mir gar nit derkl?ren konnt, wie er zu dieser Fragen kommen ist. Nachhero aber hat mich das Ingenium ergriffen und ich bin

Er hielt mitten in der Rede inne, denn es war ein Schu? gefallen, und zwar nicht weit von ihnen. Es hatte nicht wie von einem gew?hnlichen Gewehre, sondern wie von einem B?ller gekracht.

Wer mag da gschossen haben? fragte der Vater des Storches. Das k?nnt man fast f?r einen Kanonenschu? nehmen!

Der Slowak mu? es gewesen sein, antwortete Schwarz, denn sein Katil elfil hat diesen Krach. Vielleicht befindet er sich in Gefahr. Darum schnell hin zu ihm!

Sie sprangen eiligst weiter, des Gestr?ppes und Schilfes nicht achtend, welches ihnen das Vordringen erschwerte. Schon nach wenigen Sekunden h?rten sie eine Stimme angstvoll rufen:

Mussaadi to jest rozn? zu Hilfe, zu Hilfe!

Ja, das ist er; er spricht arabisch, slowakisch und deutsch in einem Atem, fuhr der Doktor fort. Und mit laut erhobener Stimme f?gte er hinzu: Gleich, gleich, Stephan; wir kommen schon!

Der um Hilfe Rufende hatte ihn an der Stimme erkannt, denn er antwortete zeternd in seinem bekannten Deutsch:

Kommte schnellte, schnellte, schnellte! Ungeheuer fre?te mich sonst bei Leibte und bei Lebte! Sperrte auf den Rachte schon!

Es versteht sich von selbst, da? er mit diesem Rachte den Rachen meinte; er befand sich also einem gro?en und gef?hrlichen Tiere gegen?ber. Was f?r eins es war, das sahen die Beiden, als sie um ein vorspringendes Geb?sch gebogen waren. Dort bildete das Wasser eine kleine Bucht, und das am Ufer derselben niedergestampfte Schilf deutete an, da? da ein Nilpferd aus dem Maijeh an das Land zu wechseln pflegte. Es war des Nachts in den Busch gegangen, um sich zu ?sen, und nun zur?ckgekehrt. Ungl?cklicherweise war gerade um dieselbe Zeit der Vater der elf Haare aus seinem Boote gestiegen und dem Tiere in den Weg gelaufen. Das mutige Kerlchen hatte, anstatt dem Nilpferde auszuweichen, auf dasselbe geschossen und war, da seine Kugel nicht einzudringen vermocht hatte, von ihm ganz regelrecht gestellt worden. Es hielt ungef?hr acht Schritte vom Ufer entfernt, und gerade zwischen ihm und dem letzteren stand der Slowak. Er hatte das abgeschossene Gewehr fallen lassen und seine H?nde an den Leib gelegt. So starrte er voller Angst auf den Behemot, welcher sich ebensowenig wie er bewegte und, ohne zu schnauben oder sonst einen Laut von sich zu lassen, den Rachen offen hielt, und zwar so weit, da? er selbst einen starken Mann damit um den Leib h?tte fassen k?nnen. Man konnte nicht sehen, wo die Kugel aufgetroffen hatte, doch schien es, da? das Untier von derselben f?r den Augenblick gel?hmt worden sei. Im andern Falle w?re das Abenteuer dem Kleinen schlecht bekommen.

Dieser wagte zwar nicht, Hand oder Fu? zu r?hren, hielt es aber, als er die beiden Helfer kommen sah, nicht f?r gef?hrlich, wenigstens die Lippen zu bewegen, denn er schrie:

Schie?te rasch auf Niltepfernte, sonst verschlingte mich mit Haut und Haarnte! Treffte gut das Unget?mte, sonst sind verlornte alle drei!

Schwarz war stehengeblieben und hatte sein Gewehr erhoben, aber der Vater des Storches rief ihm zu:

Nit Sie! Ihre Kugel hat zu wenig Kraft. Sie sollen schauen, wanns gut aufpassen, wie rasch das Viehzeug unter dera meinigen zusammenbrechen wird.

Er stand so, da? er hinter das Ohr zu zielen vermochte, und dr?ckte ab. Auf den Knall des Gewehres folgte blitzschnell ein zweites Krachen, und zwar im Kopfe des Tieres. Fleischfetzen und Knochensplitter flogen umher; das Nilpferd wankte und brach vorn nieder, raffte sich wieder auf, neigte den unf?rmlichen K?rper erst auf die rechte und dann auf die linke Seite und st?rzte dann zu Boden. Es hatte, sobald es von der Explosionskugel getroffen worden war, den Rachen wieder geschlossen. Die dicke Haut zog sich in zuckende, seichte Falten und gl?ttete sich dann wieder; der Tod war eingetreten.

Jetzt that der Sohn der Blattern einen gewaltigen Satz zur Seite, als ob er soeben erst dem gef?hrlichen Gesch?pfe begegnet sei, und rief:

Greifte nicht an! Nilpferd verstellente sich gern. Wenn es noch lebente, bei?te es alle drei!

Unsinn! lachte der Bayer. Es fallt dem alten Onkel gar nit ein, sich zu verstellen. Warum springens denn eigentlich davon? Das h?ttens doch vorher thun sollen!

Obgleich der Slowak die Lage noch f?r gef?hrlich hielt, nahm er sich doch die Zeit, ?ber diese Worte zornig zu werden. Er antwortete:

K?nnte springte denn Sie etwa, wenn vor Ihnen stehnte Niltepferd? Wenn ich h?ttente bewegte mich, so h?ttente es auch bewegte sich und mir Kopf meinigen gebei?te weg.

Nein, mein Lieber. Sie m?ssen dies Tier irgendwo an den Kinnbacken getroffen haben, wovon es halt die Maulsperr bekommen hat. Weil ihm das noch nie passiert gwesen ist, war es so verschrocken dar?ber, da? es halt gar nit vom Fleck hat kommen k?nnen. Der Schreck ist ihm in alle Glieder gefahren.

Der Kleine blickte ihn zweifelnd an und antwortete:

Das kannt nicht glaubte ich. Die Maulbesperrte sein Krankheit, menschliche, aber nicht Krampfanfall, nilpferdlicher.

So! Nun, wanns das besser verstehen als ich, so sollens Recht behalten. Ich hab freilich auch noch kaan Nilpferd mit der Maulsperr gsehen. Aber wann wir nit kommen w?ren, so h?ttens halt auf ihrer letzten Pfeif geblasen ghabt. Mir scheint, da? Ihnen die Sach selbst bedenklich vorkommen ist. Oder nit?

Ja, gestand der Vater der elf Haare. Ich hatt geschie?te Elefant und Niltepfernte auch, aber ich hatt noch nie stehente so nahe an Vieh, entsetzliches. Sie seinte Lebensretterer, meiniger, und ich wernte Ihnen gebte gern Hand, meinige, wenn ich hatt vorher gesehente, da? Hippopotamuste wirklich tot.

Er streckte zwar die Hand aus, wagte sich aber nicht zu Pfotenhauer hin, weil dieser zu dem Nilpferde getreten war, um es zu untersuchen. Das Sprenggescho? hatte demselben ein tiefes Loch in den Kopf gerissen und den gr??ten Teil des Gehirns herausgetrieben.

Ein starkes, ausgewachsenes Tier, sicherlich ?ber vier Meter lang, meinte Schwarz, indem er die kolossalen Formen betrachtete.

Ja, es ist halt aan alter Bulle, antwortete Pfotenhauer. Aber dennoch wird er unsren Leuten ganz vortrefflich schmecken.

Wahrscheinlich. Ich aber habe noch kein Nilpferdfleisch gegessen.

So m?ssens halt mal kosten. Ich sag Ihnen, da? es gar nit ?bel schmeckt, und der Speck wird selbst von Kennern gar als Leckerbissen betrachtet. Meinens nit auch, Herr Uszkar Istvan?

Diese h?fliche und in sehr freundlichem Tone vorgebrachte Anrede verfehlte ihre Wirkung nicht. Der Vater der elf Haare besa? ein gutes Herz; er erkannte an, da? Pfotenhauer ihn aus einer gro?en Gefahr befreit habe, trat jetzt her zu, ergriff seine Hand und antwortete:

Ja, Speck seinte gro?e Delikatentesse. Ich hatt schon gege?te Speck rohen und Speck gebratenen, und sein gewesen Leckerbi?te, gro?artiger. Aber wenn Sie w?rnte nicht gekommte, so w?rd seinte ich selbst um Leckerbi?te, was gar nicht konnte sein Wunsch meiniger. Sie sein geweste Feind meiniger, und ich Feind Ihriger; das soll

O nein, nein, unterbrach ihn Pfotenhauer. Ich bin nit Ihr Feind gwesen; wir haben uns nur zuweilen mal nit recht genau verstanden.

O, ich hatt verstehnte Sie sehrrr gut, aber Sie wollt nicht begreifen Bildung und Wi?tenschaft meinige. Doch wenn Nilpferd h?tt bei?te mich tot, so w?r geweste pfutscht auch all Kenntnis, lateinischte und meinige. Darum will vergebte ich all Beleidigungte Ihnen und von jetzt an seinte Freund, Ihriger und vortrefflicher. Machte mit auch Sie?

Nat?rlich mach ich mit! Aan Freund ist halt allemal besser als aan Feind; das ist gwi?. Hier also meine Hand. Schlagens kr?ftig ein! Von jetzund an solls weder Hader noch Zank mehr zwischen uns geben.

Er wurde von dem Kleinen an der rechten Hand gehalten und reichte ihm bei den letzten Worten auch die linke hin. Der Slowak ergriff dieselbe, sah ihm vertraulich in das lachende Angesicht und sagte:

Ich sein einverstehente ganz und gar. Freundschaft unsrige soll sein ewig und noch viel innigter als Sie hatt gesagte, wollen hier an Leiche dieser und nilpferdiger mach Br?derschafte auf lebte und sterbte. Sagte ich Smolltis meiniges, und sagte Sie Fiduztit Ihriges!

Pfotenhauer zog seine H?nde zur?ck, machte ein bedenkliches Gesicht und antwortete:

Dazu hab ich halt gerade kaan rechten Fiduz. Wissens, es ist nit piet?tvoll, an aaner Leich Br?derschaft zu machen. So aan Smollis mu? mit Bier begossen werden, und da dies hier nit vorhanden ist, so wollen wir noch aan Wengerl warten, bis wir mitnander nach Bayern kommen. Dann kann die Sach flott vor sich gehen.

Das seinte Ansicht, sehr richtige, stimmte der Kleine bei. Br?derschaft nasse ist besser als Br?derschaft trockene. Woll also bleibte noch bei Sie, h?fliches; Freundschaft kann sein trotzdem sehrrr treu und ewigkeitliche.

Nat?rlich! Sie sollen schauen, was f?r aan Freund ich sein kann, wanns an den Mann kommt. Aberst nun vor allen Dingen, was thun wir mit dem Tier? Lassen wirs liegen, so machen sich die Krokodile dr?ber her.

Stephan mag Wache halten, antwortete Schwarz, und wir kehren zum Lager zur?ck, um Leute herzusenden. Mit unsrer Morgenpromenade ist es doch nun aus.

Ja. Es ist heller Tag worden, und die Schl?fer werden indessen aufgwacht sein. Ich denk, Stephan wird sich das Pferd nit fortschleppen lassen.

Ich? fuhr der Slowak sofort auf. Soll das sein Beleidigungte!