Karl May.

Die Sklavenkarawane





Mit hei? Wasser.

Das gen?gt nicht; da fri?t er sich nur noch tiefer ein. Ich werde dir zeigen, wie man ihn entfernt.

Dann Hahli gern mit dir gehen. Duhchan erhalten und Wurm heilen! Wollen schnell auf Schiff!

Er stieg her?ber, band seinen Kahn an das Boot, und dann lenkte Schwarz nach der Dahabi?h um.

Die Filaria, der Guinea oder Medinawurm, wird im Sudan Frendit genannt. Er ist so dick wie eine Violinsaite und kann bis zwei Meter lang werden. Er scheint nur mit dem Trinkwasser in den Menschen zu kommen, wandert durch den K?rper desselben und verursacht an den Ausbruchstellen dicke Eiterbeulen. Durch einen einzigen Schluck unreinen Wassers k?nnen mehrere dieser ber?chtigten Tiere in das Innere des Menschen gelangen, und dann ist die Wirkung eine grauenhafte. Arme, Beine, Brust und R?cken bilden dann eine einzige geschwollene und mit Geschw?ren bedeckte Masse, welche dem Betreffenden entsetzliche Schmerzen verursachen und sehr oft den Tod zur Folge haben.

Da? der Abaka-Neger den Wurm im Gesicht hatte, war ein Fall, welcher gl?cklicherweise nur selten vorkommt.

Dieser Mann stieg mit gro?em Vergn?gen an Bord, und Schwarz nahm ihn sogleich mit sich zur Kaj?te, um ihm durch das Messer das Geschw?r zu ?ffnen. Das mu? sehr vorsichtig geschehen, damit die Filaria nicht zerschnitten wird. Das beste Mittel, sie zu entfernen, ist n?mlich, sie nach und nach auf ein H?lzchen aufzuwickeln, eine Procedur, welche mehrere Tage erfordert. Es gelang Schwarz, den Kopf mit dem vorderen Teil des K?rpers zu erwischen. Er wickelte ihn auf, befestigte ihn, so da? er nicht zur?ckschl?pfen konnte, und gab dann dem Neger die Unterweisung f?r sein weiteres Verhalten.

Das sehr gut! lobte der Schwarze. Wurm heraus und Hahli gesund. Hahli auch andern sagen, wie Wurm entfernen. Aber nun ihm auch Duhchan geben!

Er bekam eine kleine Quantit?t Tabak, welche aber f?r ihn einen solchen Wert hatte, da? er einen Freudensprung machte und entz?ckt ausrief:

Oh, oh, ah! Jetzt Hahli rauchen und stolz sein, denn andre nicht Duhchan haben! Wei?er Manner gut sein, nicht so b?s wie Leute auf Dahabi?h und zwei Noqer!

So! Was sind das denn f?r Leute?

Das sein Sklavenj?ger und Diebe.

Das hat der lange, d?rre Araber gesagt? erkundigte sich Schwarz, wohl wissend, da? er und seine Leute mit diesen Dieben gemeint seien.

Ja, dieser.

Wann kam er denn zu euch?

Nicht lange Zeit her.

Ist er noch dort?

Nein.

Wohin ging er mit den andern f?nf M?nnern?

Immer am Flu?, weiter nach S?d.

Und wei?t du, wer er war?

Armer Mann. Diebe ihm alles genommen. Wollen auch nach Maijeh, wo Asaker sind, und ihnen alles rauben. Darum Hahli hin?ber und es ihnen sagen.

Sollst du ihnen denn auch sagen, da? der lange Mann dich sendet?

Nein, das verschweigen.

Aber sie werden dich doch fragen, wer dich schickt!

Dann Hahli sagen, da? er zuf?llig hinkommen, da? er gesehen drei Schiffe, er h?ren sprechen Diebe am Ufer und da? sie sagen, nach Maijeh gehen wollen.

Und was hat der Mann dir f?r einen Lohn gegeben?

Nichts.

Er sagen, da? Asaker mir etwas geben. Vielleicht mir geben Mikajil, dann Hahli sehr gl?cklich sein.

Trinkst du ihn so gern?

Oh, oh, ah, sehr!

Er zog dabei ein Gesicht, welches trotz der Geschwulst vor Wonne gl?nzte.

Ich habe auch Mikajil, echten, guten Mikajil. Willst du ihn einmal kosten?

Sehr, sehr, viel sehr!

Schwarz hatte von dem Mudir von Faschodah mehrere Flaschen starken Araki geschenkt bekommen. Er go? ein gro?es Glas voll, f?hrte den Neger an einen Ort, wo er nicht gest?rt werden konnte, gab ihm das Glas und sagte ihm, da? er ihm nun erlaube, alle Viertelstunden einen ganz, ganz kleinen Schluck zu nehmen. Dort lie? er ihn allein, ?berzeugt, da? der Schwarze von dem ihm ungewohnten und sehr starken Traubenbranntwein schnell einen t?chtigen Rausch bekommen und dann in tiefen Schlaf versinken werde.

Dieser Besitzer der Filaria wird den Feldwebel heute nit warnen, sagte Pfotenhauer, welcher zugeh?rt und zugesehen hatte. Er wird schlafen bis in den sp?ten Tag hinein.

Das beabsichtigte ich, antwortete Schwarz. Ich wollte ihm nicht gern Zwang anthun und habe mit dem Araki das gleiche Ziel erreicht.

Also ist Abu el Mot da dr?ben in einem Dorf gwesen Nun ists klar, da? er oberhalb ?ber den Flu? gehen und sich nach Ombula wenden wird. Vielleicht kommen wir dort noch vor ihm an!

Ich hoffe es. Zwar werden wir diese Nacht am Maijeh zubringen, aber Abu el Mot mu? auch schlafen und kann nicht in der Dunkelheit seinen Weg fortsetzen.

Leider m?ssen wir zu Fu? hinauf. Das wird langsam gehen.

Aber doch schneller, als Abu el Mot laufen wird. Er ist, da er mit uns Schritt gehalten hat, von gestern an bis jetzt die ganze Nacht hindurch gegangen, was ungeheuer beschwerlich gewesen sein mu?; eine zweite Nacht wird er es nicht versuchen, denn er mu? sehr erm?det sein. Wir aber sind frisch und munter und k?nnen also gut marschieren. Mehrere von uns k?nnen sich doch auch mit Hilfe der Tiere, welche wir bei dem Feldwebel finden werden, beritten machen.

Wann ?berfallen wir diesen?

Nicht eher, als bis es dunkel geworden ist. Er darf uns nat?rlich nicht kommen sehen.

Gehen wir zu Fu??

Nur den halben Weg. Wir rudern in den Booten ?ber den See bis an den Eingang des Maijeh, den der Sohn des Geheimnisses uns zeigen wird. Dann steigen wir aus, und der Onbaschi wird uns am Ufer des Maijeh hin nach dem Lager des Feldwebels f?hren. Sehen Sie sich einmal diesen Abaka-Neger an!

Als der Graue in den Winkel blickte, sah er den Schwarzen mit geschlossenen Augen und verkl?rtem Gesichte lang hingestreckt dort liegen. Er hatte den Araki in einem einzigen Zuge hinuntergegossen, und der Rausch war nun viel schneller ?ber ihn gekommen, als Schwarz gedacht hatte.

Der schl?ft gut und bis morgen fr?h, lachte der Graue. Es ist gwi?, da? er uns keinen Schaden thut.

W?hrend der Schwarze gefangen wurde und der Vorbereitungen zum Aufbruche war der Tag vollends vergangen, und der Abend hatte sich auf den gewaltigen Strom gesenkt. Die Boote lagen klar und die f?r den ?berfall ausgew?hlten M?nner standen zum Aufbruche bereit.

Kurz nach der D?mmerung leuchten die Sterne noch nicht so hell wie sp?ter, und der Mensch, welcher sich in einer wilden Gegend befindet, erwartet einen etwaigen ?berfall gew?hnlich erst nach Mitternacht. Darum hatte Schwarz diese fr?he Stunde gew?hlt. Die Leute stiegen in die Boote, und man stie? von den Schiffen ab.

Der Sohn des Geheimnisses, welcher den See kannte, steuerte das erste Fahrzeug. Die andern folgten so eng hintereinander, da? sie einander nicht verlieren konnten. Es ging ?ber die breite Wasserfl?che hin?ber, bis sich die Ufer den M?nnern in unheimlicher Dunkelheit entgegenstellten.

Das Landen war nicht leicht; es gab dichtes Schilf in Menge, durch welches sich die Boote m?hsam arbeiten mu?ten, ohne allzuviel Ger?usch zu verursachen; das nahm sehr viel Zeit weg, wurde aber endlich doch zu stande gebracht.

Nun stellte sich Schwarz mit Pfotenhauer an die Spitze, den Onbaschi in der Mitte. Es war allerdings zu vermuten, da? er sich vor dem Feldwebel nicht sehen lassen werde; aber es lag in der M?glichkeit, da? er die stille Absicht hegte, die Flucht zu ergreifen und nach Ombula zu Abu und Abd el Mot zu entkommen. Drum hatten die beiden nicht nur scharfe Augen auf ihn, sondern sie nahmen auch so enge F?hlung mit ihm, da? sie es gemerkt und also Zeit zum schnellen Zugreifen bekommen h?tten, wenn er sich mit einer raschen Bewegung h?tte entfernen wollen. Doch dieses Mi?trauen war gl?cklicherweise ?berfl?ssig. Er zeigte sich jetzt und auch sp?ter als vollst?ndig zuverl?ssig.

Die Leute hatten jetzt den See hinter sich und standen, von diesem aus gerechnet, am rechten Ufer des Maijeh. Ein nicht allzu breiter Baumschlag, au?erhalb von einzelnen B?schen umstanden, zog sich rund um denselben. Der Onbaschi f?hrte die m?glichst lautlos sich verhaltende Schar zwischen den B?umen hindurch zu den B?schen, wo sie den freien Himmel ?ber sich und ein leichteres Fortkommen als unter den Wipfeln der B?ume hatten.

Einer sich dicht hinter dem andern haltend, ging es nach der Spitze des Maijeh. Dort gab es eine hell erleuchtete Stelle. Zwei gro?e Feuer brannten da, und weiter hinaus nach der in dichter Finsternis liegenden Ebene z?hlte Schwarz zehn kleinere Feuer, welche einen Halbkreis bildeten und den vor dem Maijeh liegenden freien Platz umschlossen.

Dort am Feuer liegt der Feldwebel? fragte er den Onbaschi.

Ja, Herr, antwortete dieser. Wenn wir n?her gehen, kannst du ihn und seine Leute sehen.

Das werden wir jetzt noch nicht thun. Was sind das f?r kleine Feuer da drau?en?

Das sind die Feuer der W?chter, damit die Tiere nicht des Nachts ausbrechen sollen.

Also zehn Wachen?

Ja.

Wei?t du, in welcher Weise sie abgel?st werden?

Nur einmal, gerade um Mitternacht.

Eine nicht sehr praktische Einteilung, welche uns aber die Ausf?hrung unsres Vorhabens erleichtert, denn wir werden durch die Abl?sung nicht gest?rt werden.

Worin, Effendi?

In der Aufhebung dieser Wachtposten, deren wir uns nat?rlich erst versichern m?ssen, ehe wir uns nach dem Lagerplatze verf?gen.

Ist es nicht besser, erst den Feldwebel und die bei ihm sind, gefangen zu nehmen?

Das w?re eine Dummheit, denn es k?nnte nicht ohne L?rm geschehen; die Posten w?rden auf denselben aufmerksam werden und uns entkommen.

Aber ebenso schwierig ist es, uns dieser zehn einzelnen M?nner zu bem?chtigen, ohne da? sie L?rm erregen.

Habe keine Sorge! Ich wei?, wie man das zu machen hat. Und du sollst dabei helfen, da ich ?berzeugt bin, da? ich mich auf dich verlassen kann.

Vollst?ndig, Effendi! Ich merke gar wohl, da? du mir noch nicht traust; aber ich werde dir beweisen, da? du dich irrst. Was habe ich zu thun?

Du kennst diese Leute alle?

Nat?rlich! Sie waren ja meine Untergebenen.

Auch ihre Namen?

Alle!

Das ist sehr gut. Ich habe hundert Mann bei mir. Zwanzig m?gen mir jetzt folgen, f?r jeden Posten zwei. Ich werde sie jetzt ausw?hlen.

Er bestimmte diejenigen, welche ihm als die geeignetsten erschienen, lie? sie n?her treten, damit sie seine leisen Worte verstehen k?nnten und erteilte ihnen seine Instruktion.

Wir haben Stricke und Schn?re in hinreichender Anzahl mitgebracht, sagte er. Nehmt so viele mit, als n?tig sind, zehn Mann zu fesseln. Ich gehe mit dem Onbaschi voran, und ihr kommt leise hinterdrein. Wenn wir den ersten Posten erreichen, legt ihr euch nieder, um nicht von ihm gesehen zu werden. Der Onbaschi geht n?her zu ihm hin und ruft ihn bei seinem Namen. Der Mann wird kommen und sich h?chlichst wundern, den totgeglaubten Unteroffizier lebendig vor sich zu sehen. Dieser spricht einige Worte mit ihm und w?hrenddem schleiche ich mich von hinten an den Mann und fasse ihn so fest bei der Kehle, da? er nicht um Hilfe rufen kann. Ihr bleibt liegen, um nicht etwa vom n?chsten Posten gesehen zu werden; aber einer von euch kommt herbei, um den Mann zu binden.

Was soll ich denn zu ihm sagen? fragte der Unteroffizier.

Was dir gerade einf?llt. Ein langes Gespr?ch wird es ?berhaupt nicht geben, so da? du wegen dem, was du zu sagen hast, in Verlegenheit kommen k?nntest. Ich werde schnell machen und du kannst dir denken, da? er ?ber dein Erscheinen so betroffen sein wird, da? ihm die Worte im Munde stecken bleiben. Die Hauptsache ist, da? du ihn so weit vom Feuer weglockst, da? es euch nicht mehr hell beleuchten kann, und da? du dich so stellst, da? er mir den R?cken zukehren mu?. Dies wird es mir erm?glichen, leichter an ihn zu kommen. Verstanden?

Ja, Effendi. Ich werde meine Aufgabe so ausf?hren, da? du mit mir zufrieden sein wirst.

Gut f?r dich, Onbaschi! Denn wenn du den geringsten Fehler machen w?rdest, so bek?mst du augenblicklich meine Kugel in den Leib. Wie du siehst, habe ich den Revolver stets in der Hand, selbst jetzt, in diesem Augenblicke.

Du brauchst ihn nicht; diese Versicherung gebe ich dir. Was hat dann ferner zu geschehen?

Bei jedem ?berw?ltigten Posten bleiben zwei von euch, einer, welcher sich an seiner Stelle an das Feuer setzt, um die Herde zu bewachen, und ein zweiter, welcher bei dem Posten bleibt, um ihn augenblicklich niederzustechen, falls er fliehen wollte. Dieser Zweite hat sich mit seinem Gefangenen m?glichst weit vom Feuer zur?ckzuziehen, damit er nicht gesehen wird. Er kommt dann, wenn ich den Feldwebel gefangen genommen habe, mit dem Gefesselten zu uns ins Lager.

Aber, Effendi, fragte einer der Asaker, wie erfahren wir, da? der Feldwebel und seine Leute ?berrumpelt worden sind? Wir werden es nicht wissen, da wir es nicht sehen k?nnen.

Ich schicke euch einen Boten. Und noch eins. Es ist m?glich, da? die Leute des Feldwebels nicht alle beisammen sind, da? einer von ihnen sich aus dem Lager entfernt hat. Ist das der Fall, und der Betreffende kehrt zur?ck, so ist er von den zwei M?nnern des Feuers, an welchem er vor?berkommt, sofort festzunehmen, aber so, da? er nicht rufen kann. Das aber nur, ehe wir das Lager haben; sp?ter k?nnen solche Leute durch die Postenkette gelassen werden. Wi?t ihr nun alles genau?

Ja, antworteten die Zwanzig.

Gut, so kann es beginnen. Die andern bleiben hier, bis ich zur?ckkehre, und haben sich ganz ruhig zu verhalten. Sollte unser Vorhaben aber mi?lingen, so werde ich einen lauten Pfiff aussto?en. In diesem Falle m?ssen alle Zur?ckgebliebenen sich schleunigst dort auf das Lager werfen und den Feldwebel mit seinen Leuten ?berw?ltigen. Jetzt kommt!

Da trat der Ungar, welcher nicht mit zu den auserw?hlten Zwanzig geh?rte, hervor und sagte:

Effendi, wollte Sie mir erf?llte Bitt, ergebene?

Was willst du?

Sie schleichte sich an Posten, feindlichen. Das seinte ?berfall, interessanter. Ich hatt gemochte auch gern mit anschleichte an Posten. Ich willte sein mitgangte mit Leuten, Ihrigen und zwanzigen. Ich hatt gebetete dazu um Erlaubnis, g?tige und freundliche!

Nun wohl, du magst mitgehen.

Er wu?te, da? der Kleine sich gern bei solchen Ungew?hnlichkeiten beteiligte, und wollte ihn nicht gern zur?ckweisen, da ihn das gekr?nkt h?tte.

Sie brachen auf, Schwarz und der Graue wie bisher an der Spitze. Sie gingen in einem kleinen Bogen auf das erste Postenfeuer zu und kamen dabei an diejenige Stelle, von welcher aus der Elefantenj?ger mit Joseph Schwarz das Lager des Feldwebels beobachtet hatte. Dort waren sie nur noch drei?ig Schritte von dem Feuer entfernt, welches, wie auch die ?brigen neun, bei weitem nicht die Gr??e der beiden hatte, welche dort links im Lager brannten. Der Schein desselben drang also gar nicht weit in die Nacht hinaus.

Schwarz befahl den Leuten, mit Pfotenhauer hier zur?ckzubleiben, und schlich sich mit zwei Asakern und dem Unteroffizier n?her. Nachdem sie die H?lfte der geringen Entfernung zur?ckgelegt hatten, legte er sich mit den beiden auf die Erde nieder; der Onbaschi aber sollte noch einige Schritte weiter gehen.

Wei?t du seinen Namen? fragte Schwarz leise, indem er auf den Posten deutete, welcher regungslos am Feuer lag.

Ja, antwortete der Unteroffizier. Er hei?t Salef und ist einer meiner besten Kameraden gewesen.

So mach! Aber stelle dich, wenn du mit ihm sprichst, mit dem R?cken gegen das Feuer, damit er mir den seinigen zukehren mu?!

Der Onbaschi that noch f?nf oder sechs Schritte und blieb dann stehen. Er war zehn Schritte von dem Feuer entfernt, dessen Schein die Dunkelheit der Stelle, wo er stand, kaum durchdrang.

Salef! rief er mit unterdr?ckter Stimme.

Der Posten horchte auf.

Salef! wiederholte der Onbaschi.

Er machte zur Beruhigung von Schwarz, welcher seinen Revolver auf ihn gerichtet hielt, um ihm beim geringsten Zeichen des Verrates eine Kugel zu geben, seine Sache ganz vortrefflich.

Der Posten blickte nach rechts hin?ber zum n?chsten Feuer. Er glaubte, von dorther gerufen worden zu sein. Dieses Feuer war vielleicht siebzig Schritte entfernt, und man konnte nicht einmal die Gestalt des bei demselben befindlichen Mannes sehen.

Salef! rief der Onbaschi zum drittenmal, jetzt mit etwas lauterer Stimme.

Jetzt merkte der Posten, woher der Ruf kam. Er stand schnell auf, blickte sich um, ergriff sein Gewehr und fragte:

Wer ist da?

Ich.

Wer ist dieses Ich?

Na ich! Kennst du mich denn nicht mehr?

Der Posten sah einen Mann stehen, konnte aber seine Gesichtsz?ge nicht unterscheiden. Die Gestalt kam ihm bekannt vor, ebenso die Kleidung. Das beruhigte ihn.

Sag deinen Namen, sonst mu? ich schie?en! drohte er.

Unsinn! Wirst du mich, deinen besten Freund erschie?en!

Allah w Allah! Was redest du! Wenn du mein bester Freund bist, so komm doch n?her!

Ich darf nicht.

Warum?

Weil man mich sonst sehen k?nnte. Dein Feuer ist zu hell. Komm her zu mir!

Der Posten w?re dieser Aufforderung gewi? nicht gefolgt; aber jetzt kam ihm auch die Stimme bekannt vor. Er machte eine Bewegung der ?berraschung, lie? sein Gewehr fallen und sagte:

Allah sch?tze mich! Stehen die Toten auf? Bist du es wirklich, Onbaschi?

Ja, ich bin es.

Oder ists dein Gespenst!

Nein; ich lebe. F?rchte dich nicht!

Aber du bist doch tot, ertrunken im Flusse und gefressen von den Krokodilen!

F?llt mir gar nicht ein! Ich bin mit Absicht in den Flu? gefallen. Jetzt habe ich dir etwas zu sagen, was f?r dich sehr wichtig und vorteilhaft ist. Aber wenn ich zu dir an das Feuer komme, k?nnte mich der andre Posten sehen.

O, ihr Propheten und Kalifen! Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Der Onbaschi lebt; er ist nicht gestorben!

Schrei nicht so! Es ist nicht n?tig, da? man h?rt, da? du mit jemand sprichst!

Der Mann kam langsam und z?gernd n?her. Er traute doch nicht recht. Er war abergl?ubisch und hatte gro?e Angst vor Geistern und Gespenstern. Er betrachtete den Onbaschi, ergriff ihn am Arme, drehte ihn herum, so da? er selbst mit dem R?cken gegen Schwarz zu stehen kam, und sagte dann aufatmend:

Allah sei Dank! Es ist kein Gespenst, sondern du bist es wirklich! Aber, Mann, sage mir doch, weshalb du ins Wasser gesprungen bist!

Aus Klugheit. Ich wollte fort von hier.

Fort von uns, die wir herrlich und in Freuden leben? Das nennst du Klugheit? Sind dir denn deine Gedanken

Er konnte nicht weitersprechen, denn Schwarzens H?nde legten sich in diesem Augenblicke so fest um seinen Hals, da? ihm der Atem verging.

Binden! raunte der Deutsche den darauf wartenden Asakern zu, indem er den ?berraschten noch weiter vom Feuer weg in die Dunkelheit hineinzog.

Sie kamen herbei und fesselten den Mann, welcher dann niedergelegt wurde. Nun erst nahm ihm Schwarz die H?nde vom Halse, zog sein Messer, beugte sich ?ber ihn, setzte ihm die Spitze desselben auf die nackte, unbekleidete Brust und drohte:

Sag kein lautes Wort, sonst ersteche ich dich!

Allah Allah hauchte der Gefangene, nach Atem schnappend. ?berfallen, ?berfallen betrogen von meinem eigenen Unteroffizier!

Dieser letztere war weggetreten, um die zu erwartenden Vorw?rfe nicht anh?ren zu m?ssen.

Beruhige dich! antwortete Schwarz. Ich beabsichtige nicht, dir B?ses zu thun. Gehorchst du meinem Befehle, still zu sein und nicht zu rufen, so wird dir nichts geschehen. Erhebst du aber deine Stimme auch nur so laut, da? sie an deinem eigenen Feuer geh?rt werden kann, so wird der Mann, den ich hier lasse, dir das Messer augenblicklich in das Herz sto?en. Das merke dir!

Wer bist du denn, und was wollt ihr hier?

Das geht dich nichts an. Also, wirst du schweigen, oder soll ich dir etwa einen Knebel in den Mund stopfen?

Nein, nein, da k?nnte ich ersticken! Ich schweige; ich sage kein Wort, keine einzige Silbe!

Das rate ich dir, dein Leben h?ngt an einem d?nnen Haare!

Nun setzte sich ein Asaker an das Feuer, ganz so, wie vorhin der Posten an demselben gesessen hatte. Ein zweiter Soldat kauerte sich bei dem im Dunkeln liegenden Gefangenen nieder und zog sein Messer, um es zum t?dlichen Sto?e bereit zu halten. Ihm sagte Schwarz:

Schicke ich dann den Boten, so l?sest du ihm die Fesseln von den F??en, da? er gehen kann, und bringst ihn zu mir. Aber an den H?nden bleibt er gebunden, damit er dir nicht entkommen kann. L?ssest du ihn fliehen, so ist es um dich selbst geschehen. Jetzt weiter!

Nun kam Pfotenhauer mit den ?brigen Achtzehn herbei und sagte leise:

Das habens gut gmacht! Wanns bei den andern ebenso glingt, so k?nnen wir zufrieden sein!

Da antwortete der Vater der elf Haare leise, aber in h?rbar wegwerfendem Tone:

Hatt Sie dachte, da? es nicht kann gelungte? Herr Doktor Schwarz hatt beweiste schon bei Gelegenheiten, ?fteren, da? er gekonnte anschleichte alle Feinde, seinige und unsrige mit Sicherheit, elegant und komfortabel.

Komfortable Sicherheit! Auch nit ?bel! brummte der Graue.

Still! bat Schwarz. Nicht etwa gar jetzt zanken!

F?llt mir gar nit ein! antwortete Pfotenhauer.

Der Onbaschi wollte auf das wohlverdiente Lob nicht verzichten und fragte: Wie habe ich meine Sache gemacht, Effendi? Bist du mit mir zufrieden?

Sehr! Wenn du bei den andern Neun mit derselben Vorsicht und Klugheit verf?hrst, so sollst du eine Belohnung von mir bekommen.

Ich werde sie mir verdienen; diese Versicherung gebe ich dir! Da sind wir schon beim zweiten Feuer.