Karl May.

Die Sklavenkarawane





Woher war dieser Mensch eigentlich?

Aus Bagirmi.

Hast du dort nach ihm gesucht?

Nat?rlich. Ich bin sofort hin und dann sp?ter noch viele Male dort gewesen; aber er hat sich nie wieder in dieser seiner Heimat sehen lassen.

W?rdest du ihn erkennen, wenn du ihm begegnetest, nach so vielen Jahren?

Ja. Er hat ein Gesicht, welches man nie vergessen kann und dessen Ausdruck das Alter nicht zu ver?ndern vermag. Doch schau einmal den dunklen Strich da vor uns. Ob das B?ume sind? In diesem Falle gibt es dort einen Chor, welcher von den Bergen kommt und stellenweise noch Wasser enth?lt. Das liefert einen Trunk f?r uns und die Tiere, welche vor Schw?che kaum weiter k?nnen.

Seine Voraussetzung hatte ihn nicht betrogen. Quer ?ber die Richtung, welcher sie folgten, zog sich ein tiefes, breites Flu?bett, von den Wassern gerissen, welche zur Regenzeit von den Pambisabergen herab dem Nile zustr?mten. Solche im Sommer trockene Fl?sse werden, wie bereits erw?hnt, Chor, im Plural Cheran, genannt.

Als die beiden Reiter das Ufer desselben erreichten, befanden sie sich zwischen hohen Kafalahb?umen, von deren St?mmen und ?sten lose Epidermisfetzen hingen, welcher Umstand ihnen die botanische Bezeichnung papyrifera verliehen hat. Die d?nneren Zweige trugen eine Menge kunstvoller Nester, welche von zahlreichen Orangeweberv?geln bev?lkert waren. Auf der Sohle des breiten Flu?bettes stand ein fast undurchdringliches Dickicht von Ambag, welcher Strauch in der hei?en Jahreszeit bis auf die Wurzel abzusterben, und w?hrend oder nach der ?berschwemmung sich zu erneuern pflegt. Diese B?sche standen noch, weil es an diesem Orte zur?ckgebliebenes Wasser gab. Man ersah aus der deutlichen F?hrte, da? die Sklavenj?ger am diesseitigen Ufer hinab, an diesem Wasser vor?ber und jenseits wieder hinaufgegangen waren, ohne anzuhalten und ihre Tiere zu tr?nken.

Ich begreife nicht, warum sie das nicht thaten, sagte Bala Ibn. Unsre Kamele sind jedenfalls m?der als die ihrigen, und wir m?ssen ihnen hier eine kurze Ruhe g?nnen.

Die beiden stiegen ab und leiteten ihre Tiere die Steilung hinunter bis an das Wasser. Dort setzten sie sich an einem Busche nieder, welcher von dichten Cissuswinden durchschlungen war. W?hrend sie ihre Tiere trinken und dann an den Str?uchern knuspern lie?en, sprachen sie ?ber die Absicht ihres gegenw?rtigen Rittes miteinander, und zwar nicht in leisem Tone. Sie glaubten sich vollst?ndig allein, befanden sich dabei aber leider im Irrtume.

Auf der H?he des andern Ufers stand ein Schedr es simm, an dessen Stamm zwei M?nner gesessen hatten. Die Euphorbie war von ihnen angebohrt worden, und der Saft tropfte in ein untergestelltes Trinkgef??. Beide waren Neger, nur mit dem Schurz bekleidet; aber ihre Bewaffnung, welche aus Messer und Flinte bestand, bezeichnete sie als Asaker, die zu Abd el Mot geh?rten.

Schwarz und der Araber ahnten, als sie sich dem Regenbette n?herten, nicht, da? sie sich ganz in der N?he der Sklavenj?ger befanden.

Sie hatten nicht sehen k?nnen, da? es jenseits des Chors einen Maijeh gab, dessen Wasser der Entstehung eines kleinen Waldes g?nstig gewesen war. In diesem letzteren hatte Abd el Mot, welcher die Gegend von fr?her her kannte, sein Lager aufgeschlagen. Er hatte nicht die Absicht, das Dorf in der von dem Elefantenj?ger beschriebenen Weise zu ?berfallen. Er sendete weder Kundschafter noch Posten aus, sondern er wollte mit allen seinen Leuten hier bis gegen Abend versteckt bleiben, um dann im Schutze der Nacht den Rest des Marsches zu unternehmen.

Beim Passieren des Regenbettes hatte einer der Asaker die Euphorbie gesehen und war dann mit einem seiner Kameraden zur?ckgekehrt, um sich in den Besitz des Saftes zu setzen, mit welchem man Messer, Lanzen und Pfeile zu vergiften pflegt. W?hrend diese beiden M?nner mit dieser Arbeit besch?ftigt waren, erblickten sie zu ihrem Erstaunen die zwei Reiter, welche auf ihren m?den Kamelen sich langsam dem Chor n?herten.

Zwei Wei?e! sagte der eine. Wer sind sie, und was k?nnen sie hier nur wollen?

Zu uns geh?ren sie nicht, antwortete der andre. Bleib ruhig hinter dem Stamme sitzen, damit sie uns nicht sehen. Wohin k?nnen sie anders wollen als nach Ombula? Abd el Mot darf sie nicht vor?ber lassen. Er wird sie kommen sehen und anhalten. Wir m?ssen hier verborgen bleiben, damit sie nicht vor der Zeit bemerken, da? sich die Ghasuah hier befindet.

Hinter dem Giftbaume versteckt, sahen sie, da? die beiden Fremden das Flu?bett nicht sofort durchquerten, sondern sich unten am Wasser niedersetzten.

Das ist gut, fl?sterte der erste. Sie sitzen hinter dem Ambag, durch dessen Zweige sie nicht sehen k?nnen. Wir werden erfahren, wer sie sind, und was sie in dieser Gegend wollen. Bleib hier, und mach kein Ger?usch! Ich schleiche mich hinab an den Busch, um zu h?ren, was sie sprechen.

Der Schwarze huschte schlangengleich am Ufer hinab und erreichte den Ambag, ohne von Schwarz und dessen Gef?hrten bemerkt worden zu sein. Dort niedergekauert, lauschte er ihren Worten; dann kam er zu seinem Kameraden zur?ckgekrochen und sagte: Wer und woher sie sind, das habe ich nicht erfahren; sie sprachen nicht davon. Aber was sie wollen, das wei? ich. Sie wissen, da? wir nach Ombula gehen, um Sklaven zu machen und wollen vor uns hin, die Belanda zu warnen. Komm schnell fort! Wir m?ssen das Abd el Mot berichten.

Sie eilten fort, dem Maijeh zu, und meldeten Abd el Mot, was sie gesehen hatten. Er sa? unter einer hohen Talha, seine Unteroffiziere neben sich. Weiterhin standen, sa?en oder lagen die andern Leute bei ihren angebundenen Tieren. Als er die unerwartete Meldung h?rte, sprang er auf und rief:

Zwei wei?e Reiter, welche arabisch sprechen? Sie wollen uns verraten? Sie m?ssen unser sein! Kann man sie sehen, ohne von ihnen bemerkt zu werden?

Ja, Herr. Wenn du willst, so werde ich dich f?hren, antwortete derjenige, welcher die beiden belauscht hatte.

Du wirst mir die Stelle zeigen. Wenn wir sie auf das hohe Ufer lassen, finden sie vielleicht Zeit, uns zu entfliehen, oder sie verteidigen sich und t?ten einige von uns. Darum werden wir sie lieber ?berfallen, wenn der Platz, an welchem sie sich befinden, es erlaubt. Nehmt Stricke mit!

Er w?hlte ein Dutzend seiner gewandtesten Leute aus und begab sich mit ihnen nach dem Chor. Vom Rande desselben vorsichtig hinablugend, musterte er die Stelle. Die Personen konnte er nicht sehen, da sie hinter dem Ambag sa?en.

Es ist nicht schwer, sie zu beschleichen, entschied er. Macht euch leise hinter sie, und fallt ?ber sie her, so da? sie keine Zeit zur Gegenwehr finden! Gelingt es, so schenke ich euch den Betrag eines kr?ftigen Sklaven. Mi?r?t es aber, so wird derjenige, welcher daran schuld ist, erschossen. Vorw?rts!

Er sah zu, wie die Asaker einzeln hinabglitten und sich dann hinter dem Busche sammelten. Als der letzte von ihnen dort angelangt war, brachen sie hervor und fielen ?ber die beiden auf das ?u?erste ?berraschten M?nner her. Es gab ein kurzes Ringen und Durcheinander von schreienden Stimmen der ?berfall war gelungen. Abd el Mot kehrte nach dem Maijeh zur?ck und setzte sich wieder unter der Talha nieder. Seine Leute versammelten sich um ihn.

Die Hunde haben uns verraten wollen, sagte er. Sie m?ssen sterben, und zwar augenblicklich, wer sie auch sein m?gen!

Nach wenigen Minuten brachten die Asaker die Gefangenen gef?hrt; sie hatten denselben die Ellbogen auf den R?cken geschn?rt. Zwei Soldaten leiteten die Kamele hinterher.

Schwarz befand sich in einem eigent?mlichen traumhaften Zustande, der Elefantenj?ger ebenso. Das Ungl?ck war so pl?tzlich und unerwartet ?ber sie gekommen, da? es ihnen fast unm?glich war, ihre Gefangenschaft f?r Wirklichkeit zu halten. Aus den triumphierenden Worten, welche die Asaker einander zuriefen, ersahen sie, da? Abd el Mot hier sei, und da? sie zu ihm gef?hrt werden sollten.

Wir wissen nichts, raunte der Araber dem Deutschen zu. La? nur mich sprechen!

Er verzweifelte nicht. Er hatte in noch gr??eren Gefahren immer Rettung gefunden und hielt die gegenw?rtige keineswegs f?r gro?. Was h?tten die Sklavenj?ger f?r Gr?nde haben k?nnen, zwei ihnen unbekannte Wei?e zu ermorden. Da? sein und seines Gef?hrten Gespr?ch belauscht worden war, daran dachte er nicht. ?brigens sollte es noch ganz anders kommen. Er stand, ohne es zu ahnen, vor dem Augenblicke, nach welchem er sich seit f?nfzehn Jahren gesehnt hatte; freilich aber war die Situation gerade umgekehrt als er sie sich stets vorgestellt hatte.

Vom Chor bis zu der Maijeh war es gar nicht weit. Die beiden wurden von den Soldaten in rohester Weise vorw?rts gesto?en und geschoben; sie nahmen das ruhig hin, in dem Glauben, da? es nur einer ernsten Vorstellung bei dem Anf?hrer bed?rfe, um der Fesseln entledigt zu werden. Beide waren gespannt auf die Person desselben. Sie hatten so viel von ihm gesprochen; nun sollten sie ihn zu sehen bekommen.

Jetzt standen sie vor ihm. Die Menschenj?ger dr?ngten sich rundum heran, um zu h?ren, was gesprochen werde.

Herr, begann der Elefantenj?ger in stolzem Tone, wie kommt es, da? deine Leute

Er hielt mitten in dem angefangenen Satze inne. Sein Mund blieb offen, und seine Augen vergr??erten sich. Seine Gestalt und seine Glieder schienen die F?higkeit jedweder Bewegung verloren zu haben. Er stand da, ein Bild starren Entsetzens.

Abd el Mot war, als der Gefangene zu sprechen begann, auch vor Schreck aufgesprungen; aber sein Schreck schien ein freudiger zu sein, denn seine Augen leuchteten auf; seine Wangen r?teten sich, und sein Gesicht nahm den Ausdruck des Entz?ckens an.

Der Emir! rief er, nein, sondern er schrie es f?rmlich ?berlaut. Barak el Kasi, der Emir von Kenadem!

Ebrid Ben Lafsa, der Sklavenh?ndler! stie? der Araber hervor.

Ja, der bin ich! jubelte Abd el Mot. Ich bin Ebrid Ben Lafsa. Erkennst du mich, du Hundesohn, du Enkel aller Hunde?

E brid Ben Laf sa ! wiederholte der Elefantenj?ger, indem er den Namen kaum hervorbrachte, so da? die einzelnen Silben nur auseinandergerissen ?ber seine Lippen kamen. Oh Allah! Er ist es; er ist es!

Ja, ich bin es; ich bin es! Schau mich an! Schau mir ins Gesicht, wenn du es nicht glaubst! Ich bin der, den du zum Tode verurteiltest, dem du die Sklaven wegnehmen lie?est! Ich bin der, den du zweimal peitschen lie?est, der unter deiner Peitsche h?tte sterben m?ssen, wenn es ihm nicht gelungen w?re, zu entfliehen! Ich bin der, welcher seit f?nfzehn Jahren seine Heimat meiden mu?te, weil du mich dort verklagt hast, so da? ich hingerichtet worden w?re, wenn man mich dort gesehen und ergriffen h?tte! Ich bin der, welcher sich diese langen Jahre hindurch gesehnt hat, dir einmal zu begegnen und dich in den Staub zu treten. Jetzt f?hrt Allah dich in meine H?nde. Ihm sei Preis und Dank!

Wo wo ist mein Sohn? fragte der Araber, ohne auf die Drohung zu achten, welche in Abd el Mots Worten lag.

Das Gesicht des letzteren verzog sich zu teuflisch-h?hnischer Fratze, als er antwortete:

Dein Sohn? Ah, du willst wissen, wo er ist? Soll ich dir das wirklich sagen?

Sage es! Sage es schnell! bat der Araber mit fliegendem Atem.

Unter den Negern ist er.

Wo?

Tief unten im S?den bei den Menschenfressern.

Ist das wahr?

Ja, ich sage die Wahrheit.

So lebt er also noch! Allah ist barmherzig. Ihm geb?hrt Preis in Ewigkeit!

Halt ein mit deinem Preise! Es w?re besser f?r diesen achtzehigen Hund, wenn er tot w?re, denn er ist der niedrigste, armseligste Sklave eines schwarzen H?uptlings, dem ich ihn unter der Bedingung geschenkt habe, da? er ihn t?glich pr?geln und immerw?hrend hungern lassen soll. Ich habe ihn k?rzlich gesehen. Sein Leib ist voller Geschw?re; seine Augen sind erblindet; er stirbt in gro?en Qualen langsam hin und kann es doch niemandem klagen, weil ich ihm damals die Zunge herausgerissen habe; merke wohl auf: nicht herausgeschnitten, sondern herausgerissen!

Er stie? diese Rede hastig hervor; er konnte gar nicht schnell genug sprechen, um seinen Feind m?glichst rasch niederzuschmettern. Dieser wollte antworten, brachte aber vor Entsetzen kein Wort hervor. Nur ein schneidender, unartikulierter Laut rang sich ?ber seine Lippen.

Freu dich also dar?ber, da? er noch lebt! h?hnte Abd el Mot. Sein Tod wird ein f?rchterlicher sein, trotzdem ihn derselbe von unsagbaren Leiden erl?st. Und doch wird dieser sein Tod eine Wonne sein gegen denjenigen, den du nun sterben wirst. Du bist in meiner Gewalt, und es soll keine Qual der Erde geben, die ich dir nicht zu kosten gebe.

Allah l Allah! hauchte der Emir, indem er in die Kniee nieder sank.

Knieest du vor mir nieder, um mich um Gnade anzuflehen? Kniee nur, und jammere nur! Aber eher wird der Schetan eine Seele aus der H?lle entkommen lassen, ehe ich auf dein Zetern h?re!

Nicht die Furcht und nicht die Angst, sondern das Entsetzen ?ber die Schilderung des Zustandes, in welchem sein Sohn sich befinden sollte, hatte den Araber niedersinken lassen. Als Vater konnte er Schw?che f?hlen; als Mann aber war er stolz und stark. Er sprang schnell auf, richtete sich hoch empor und antwortete, indem seine Augen blitzten:

Was sagst du? Ich soll jammern und zetern vor dir? Dich um Erbarmen anflehen? Hund, wie kannst du wagen, dies zu sagen. Ich bin Barak el Kasi, der Emir von Kenadem, und habe nur vor Allah gekniet. Du aber bist Ebrid Ben Lafsa, ein elender Kadaver, den nicht einmal der Racham fressen mag. Nie sollst du sehen, da? ich ein Glied vor dir beuge!

Hund genannt zu werden, ist f?r den Mohammedaner eine der gr??ten Beleidigungen. Es war ein gro?es Wagnis von dem Araber, sich dieses Wortes gegen Abd el Mot zu bedienen, und die Umstehenden waren vollst?ndig ?berzeugt, da? der letztere dar?ber in Wut ausbrechen werde. Dies geschah aber nicht. Zwar ballte er die beiden F?uste und erhob den Fu?, als ob er sich auf seinen Gegner st?rzen wolle, aber er setzte den Fu? wieder nieder und antwortete in spottendem Tone:

Das hattest du dir gut ausgedacht; aber ich durchschaue deine Absicht und sie wird dir nicht gelingen. Du willst deinen Qualen, welche dir bevorstehen, entgehen, indem du mich reizest, dich im Zorne auf der Stelle zu t?ten. Aber sage, was du willst, es wird mich nicht ergrimmen. T?ten werde ich dich. Monatelang aber sollst du sterben. Schimpfest du mich noch einmal, so lasse ich dir die Zunge ausrei?en; das merke dir!

Rei? sie heraus! gab der Araber ihm zur?ck. Du bist ein Hund, den alle andern Hunde fliehen, weil er r?udig ist!

Auch bei dieser gesteigerten Beleidigung blieb Abd el Mot ruhig. Er sagte:

Ja, sie soll dir ausgerissen werden, doch nicht jetzt, nicht heute, sondern erst dann, wenn wir Zeit dazu haben. Einen Verwundeten kann ich jetzt nicht brauchen. Sp?ter wirst du t?glich bis auf die Knochen gepeitscht werden; jetzt mu? ich damit noch warten, weil du stark sein mu?t, um mit uns marschieren zu k?nnen. Aber vergessen sind deine Worte nicht. Jetzt frage ich, woher du kommst und wohin du willst?

Frage soviel dir beliebt; von mir erh?ltst du keine Antwort!

Er wendete sich ab.

Du wirst noch antworten lernen, lachte Abd el Mot. Holt eine Schebah f?r ihn herbei!

Unter Schebah versteht man einen schweren Ast, dessen eines Ende eine Gabel bildet. In diese Gabel wird der Hals der Sklaven w?hrend des Transportes gesteckt und durch ein Querholz fest gehalten. Der Ast geht nach vorn; an ihn werden die H?nde des Gefangenen, mit denen dieser ihn tragen mu?, gebunden. Dadurch beh?lt der Gefesselte den freien Gebrauch der F??e und ist dennoch am Entrinnen verhindert. Eine solche Schebah wurde dem Emir angelegt. Dann wendete sich Abd el Mot mit finsterer Miene an Schwarz:

Jetzt sage nun du, wer du bist! Aber l?ge nicht, sonst erh?ltst du die Peitsche!

H?tte der in dieser Weise Angeredete die Gef?hle, welche er jetzt empfand, beschreiben sollen, er w?re nicht f?hig dazu gewesen, er h?tte keine Worte zu finden vermocht. Ha?, Ekel, Abscheu, Zorn die Summe aller dieser Begriffe deckte sich nicht mit dem, was ihn jetzt erf?llte. Er wu?te, da? man auch ihn an eine Schebah fesseln werde; aber er wu?te ebenso, da? man gezwungen war, ihn gerade so wie den Emir einstweilen zu schonen. Darum sah er keine augenblickliche Veranlassung, durch h?fliche oder gar kriechende Antworten eine mildere Behandlung, die ihm ja doch nicht geworden w?re, zu erstreben. Darum sah er Abd el Mot wie von oben herab an und sagte:

Welches Recht hast du zu dieser Frage?

Der Sklavenj?ger war sehr erstaunt ?ber diese Worte; das sah man ihm deutlich an. Er mu?te sich erst besinnen, wie er sich verhalten solle; dann lachte er h?hnisch auf:

Allah thut Wunder! Solltest du etwa der Sultan von Stambul oder wenigstens der Chedive von Kahira sein? Deine Worte lassen so etwas vermuten. Ich frage, weil du mein Gefangener bist.

Mit welchem Rechte hast du mich ?berfallen und binden lassen?

Es hat mir so beliebt. Jetzt wei?t du es. Du siehst uns hier auf einer Ghasuah, bei welcher man keine Spione duldet.

Ich bin keiner!

L?ge nicht! Ihr habt die Belanda vor uns warnen wollen.

Wer hat dir das gesagt?

Ihr selbst. Meine Leute haben es geh?rt, als die unten im Chor standen, um euch zu belauschen. Von wem habt ihr denn erfahren, da? wir nach Ombula wollen?

Von Leuten. welche es wissen.

Wer sind diese Leute?

Das wirst du vielleicht sp?ter erfahren. Ich habe dir keine Auskunft zu erteilen.

Nicht? rief Abd el Mot in zornigem Tone. Dann ist deine Zunge ?berfl?ssig; ich werde sie dir also auch herausnehmen lassen!

Pah! Das wirst du nicht wagen; es w?re zu deinem Verderben.

Wieso?

Ich bin kein Araber, sondern ein Europ?er. Meine Regierung wird dich zur Rechenschaft zu ziehen wissen. Ich verlange augenblicklich frei gelassen zu werden. Gehorchst du dieser Forderung nicht, so kommen die Folgen ?ber dich!

Da schlug Abd el Mot ein lautes Gel?chter auf und rief:

Ich sehe, du bist ein Narr! Meinst du denn wirklich, da? ich deine Drohungen f?rchte? Du bist ein Franke, folglich ein Christ?

Ja.

Allah verderbe dich! Ein Christ, ein Giaur! Und du wagst es, mir zu drohen! Wer hindert mich, dich augenblicklich erschie?en zu lassen?

Das Gesetz.

Hier gilt kein Gesetz, sondern nur mein Wille. Wenn ich dich t?te, wie will deine Regierung es erfahren? Und wenn sie es erf?hrt, wie will sie mich fassen und bestrafen? Nicht einmal die Macht des Gro?herrn oder des Vicek?nigs reicht bis hieher, viel weniger die Gewalt der ungl?ubigen Schakals, welche du meinst, wenn du von deiner Regierung redest. Wir haben dich bei dem Emir gefunden. Du bist sein Freund und Gef?hrte und wirst also ganz dasselbe Schicksal wie er erleiden. Du kannst dasselbe nur dadurch mildern, da? du alle meine Fragen beantwortest und ein offenes Gest?ndnis ablegst. Wie lautet dein Name?

Ich nenne ihn nicht, denn er ist zu gut und zu ehrlich f?r deine Ohren!

Seit wann befindest du dich bei dem Emir?

Das geht dich nichts an!

Wo und von wem habt ihr erfahren, da? wir nach Ombula wollen?

Wenn ich dir das sagte, so w?re ich ein ebenso gro?er Schurke wie du!

Mensch, brauste Abd el Mot auf, du wagst zu viel! Der Emir kann mich beleidigen, ohne da? ich ihn sofort t?te, denn ich habe mich an ihm zu r?chen und will mir das f?r sp?ter aufsparen. Mit dir aber habe ich nichts vor. Ich kann dich sofort t?ten, ohne mir dadurch ein sp?teres Vergn?gen zu rauben. Wenn du mich noch ein einziges Mal beleidigst, so bist du verloren!

Das mag sein, du kannst mich ermorden, denn ich bin gefesselt und vermag mich nicht zu wehren. H?tte ich aber die Arme frei, so wollte ich dir zeigen, wie man mit einem Abendl?nder zu sprechen und zu verkehren hat! ?brigens denke ja nicht, da? du mir ungestraft das Leben nehmen kannst! Ich befinde mich nicht allein in dieser Gegend. Es sind M?nner bei mir, welche die Macht besitzen, dich mit einem einzigen Fingerzeig zu vernichten!

Dieser Trumpf wirkte. Abd el Mot machte eine weniger zuversichtliche Miene, als er fragte:

Wer sind diese Leute?

Auch das geht dich nichts an. Ich gestehe dir ?berhaupt kein Recht zu, mich zu verh?ren und auszufragen. Ich will mich aber herbeilassen, dir freiwillig zu sagen, da? sie wissen, wo ich mich befinde und wohin ich will. Kehre ich nicht zur?ck, so nehmen sie an, da? du mich ermordest hast.

Warum wolltest du die Belanda warnen?

Weil ich ihr Freund bin.

Du kannst unterwegs verungl?ckt sein, ohne mich getroffen zu haben. Niemand wird mir etwas beweisen k?nnen!

T?usche dich nicht. Man wird jeden einzelnen deiner Leute streng verh?ren. Und wie wolltest du meinen Tod bei Abu el Mot verantworten? Kehre ich binnen vier Tagen nicht zur?ck, so wird man ihn gefangen nehmen. Du bist sein Untergebener, und was du thust, ist also gerade so gut wie seine eigene That.

Kennst du ihn?

Ja.

Und er dich?

Nein. Aber er wird, selbst wenn du mich t?test, mich und die Meinen kennen lernen!

Das feste, sichere Auftreten des Deutschen blieb nicht ohne Eindruck. Er sah es wohl und beeilte sich, diesen Erfolg zum Vorteile seines so schwer bedrohten Gef?hrten auszun?tzen. Darum fuhr er fort: