Karl May.

Die Sklavenkarawane





So preise ich den Zufall, welcher mich mit dir zusammengef?hrt hat.

Ja, du magst ihn preisen, denn ohne mich w?rdest du nie aus dem Gebiete der Belanda zur?ckgekehrt sein, denn du w?rst ganz gewi? in die H?nde der Sklavenj?ger gefallen, da du nicht wissen kannst, wie dieselben reisen.

Das klang so selbstgef?llig, da? Schwarz es f?r geraten hielt, zu entgegnen:

So schlimm w?re es wohl nicht geworden. Ich habe mit Menschen zu thun gehabt, welche wenigstens ebenso gef?hrlich waren, wie diese J?ger es sind, und wenn ich auch die Gegend nicht kenne, so w?re das doch nicht das erste Mal, da? ich mich durch ein feindliches Gebiet zu schlagen h?tte.

Ja, ich wei? es, ich wei? es, nickte der Araber, indem ein ?berlegenes, aber wohlwollendes L?cheln um seine b?rtigen Lippen spielte; die Gelehrten wissen alles und k?nnen alles, und also ist es wohl m?glich, da? Allah dir geholfen h?tte, den dir hier drohenden Gefahren zu entgehen; aber ich denke, da? ich dir immerhin von einigem Nutzen sein werde. Du bist ein Deutscher; ich w?nsche, dein Freund zu sein, und hoffe, da? du mich nicht zur?ckweisen werdest.

Dich zur?ckweisen? Das kann mir gar nicht einfallen! Ich gebe dir vielmehr hiermit die Hand, dich willkommen zu hei?en, und sage dir aufrichtig, da? ich mich sehr dar?ber freue, dich getroffen zu haben.

Der Sejad ifjal schlug in die dargebotene Hand ein und sagte in wohlwollendem Tone: Ich erkl?re, da? ich mit dir gehen und dich besch?tzen werde. Du scheinst ein mutiger Mann zu sein; aber die Gelehrten verstehen es nicht, gegen den L?wen und Panther, den Elefanten, das Nashorn und Flu?pferd zu k?mpfen. Ich jedoch lebe von der Jagd dieser Tiere und kann dich von ihnen befreien. Mit deiner kleinen, d?nnen Flinte k?nntest du nicht eins dieser Tiere erlegen. Da sieh dagegen einmal mein Gewehr an!

Er hielt ihm die alte, schwere Waffe vor die Augen. Jetzt war es Schwarz, welcher mit einem leise ironischen L?cheln antwortete:

Ja, es ist noch einmal so dick wie das meinige; aber Allah gibt zuweilen auch dem Schwachen St?rke. Doch freut es mich, ?berzeugt sein zu d?rfen, da? ich mich auf deinen Schutz verlassen kann. Es ist fest beschlossen, da? wir zusammen reisen; wann aber bist du zum Aufbruche bereit?

Sobald ich mich bei den Dschur hier mit einem neuen Reittier versehen habe. Mein Ochse, der mich hierherbrachte, ist abgetrieben, und da unsre Reise schnell vor sich gehen mu?, so werde ich ein Kamel oder ein Pferd kaufen.

Das mu? ich auch thun. Bist du mit Geld versehen?

Nein. Geld habe ich nie. Ich bezahle alles mit Elefantenz?hnen und Nashornelfenbein. Ich kam mit zwei Tieren. Das eine trug mich, das andre die Z?hne, welche ich erbeutet hatte. Das reicht mehr als hin, zwei Pferde oder Kamele und auch Proviant f?r uns einzutauschen. Ich werde den Handel machen, und du kannst mich dann mit Geld bezahlen, damit ich auch einmal ein Silberst?ck in die Hand bekomme.

Sch?n! Aber du wirst es erlauben, da? ich mir mein Tier selbst ausw?hle!

Nein, das darf ich nicht erlauben.

Wir d?rfen keine Unklugheit begehen. Diesen Dschur ist nicht zu trauen. Sie halten es mit Abu el Mot, welcher in jedem Augenblicke zur?ckkehren kann. Wenn sie ihm sagen, da? du nach Ombula willst, wird er dich t?ten. Es ist ein Fehler von dir, da? du nach diesem Orte gefragt hast. Du mu?t ihn dadurch wieder gut machen, da? du dir den Anschein gibst, als ob du diese Absicht aufgegeben h?ttest. Wie du siehst, beladen sich die Dschur soeben mit den Gegenst?nden, welche sie dem Feuer entrissen haben. Sie werden mit denselben in ihr Dorf zur?ckkehren, und ich begleite sie. Sobald ich dann den Handel abgeschlossen habe, komme ich wieder, um dich abzuholen.

So soll ich hier auf dich warten?

Ja; aber du mu?t dich verbergen, damit Abu el Mot, wenn er je schon jetzt ankommen sollte, dich nicht finden kann. Du sagst jetzt dem Schech der Dschur, da? du nicht nach Ombula wollest, da dieser Weg f?r dich zu gef?hrlich sei. Ihr kehrt in euer Boot zur?ck und fahrt mit demselben ab. Sobald man euch von hier aus nicht mehr sehen kann, legst du wieder am Ufer an, um auszusteigen und heimlich hierher zur?ckzukehren. Siehst du dort links den hohen Hegelik ?ber die andern B?ume ragen? An seinem Stamme magst du auf mich warten, w?hrend dein Boot nach der Seribah Madunga weiterf?hrt, wo du mit deinen Gef?hrten wieder zusammentreffen wirst.

Schwarz erkl?rte sich einverstanden, f?gte aber hinzu:

Ich darf mich doch auf dich verlassen? Denke dir meine Lage, wenn mein Boot fort w?re und du nicht k?mest!

Habe keine Sorge! Ich gebe dir hiermit meine Hand und schw?re dir bei Allah und dem Propheten, bei meinem Barte und bei allen meinen V?tern, da? ich jetzt alles, was du brauchst, f?r dich besorgen und dann zu dir zur?ckkehren werde!

Diesen heiligen Schwur bricht ein Mohammedaner nie; er gibt vielmehr sein Leben daran, ihn zu halten. Darum f?hlte Schwarz sich vollst?ndig beruhigt. Gut war es ?brigens, da? die Verabredung zu Ende war, denn jetzt kam der Schech herbei, welchem es aufgefallen war, da? die drei M?nner so abseits heimlich miteinander verhandelten. Auf seinem Gesichte lag das deutlichste Mi?trauen, als er fragte: Darf ich h?ren, was hier gesprochen wird? Wir gehen jetzt nach unsrem Dorfe. Wenn der fremde Herr wirklich zu den Belanda will, so werde ich ihm einen F?hrer ausw?hlen, der ihn bis an die Grenze bringt.

Das hat sich erledigt, antwortete der Elefantenj?ger. Diese M?nner haben eingesehen, da? es gef?hrlich ist, jetzt ihren Vorsatz auszuf?hren. Sie werden also aufbrechen, um ihre Reise fortzusetzen.

Aber es wurde mir doch Geld versprochen! meinte der dicke Schwarze entt?uscht.

F?r den F?hrer, ja; aber da sie ihn nun nicht brauchen, hast du nichts zu verlangen.

Wohin wollen sie von hier aus?

Den Flu? abw?rts, bis sie ein Schiff erreichen, mit welchem sie nach Chartum fahren k?nnen.

So erfordert es die H?flichkeit, da? ich sie bis an ihr Boot begleite, um ihnen dort Heil f?r die Reise zu w?nschen.

Sein Mi?trauen war nicht geschwunden. Er wollte sich von der Abfahrt der Wei?en ?berzeugen. Der J?ger verabschiedete sich sogleich von ihnen, wobei er durch eine heimliche Pantomime zu verstehen gab, da? er sicher Wort halten werde. Der Schwarze aber ging mit ihnen bis zur Stelle, an welcher ihr Fahrzeug angebunden lag. Er betrachtete die Insassen desselben genau und sagte dann:

Ich mu? auf das Geld verzichten; aber ihr werdet nicht abreisen, ohne mir ein Geschenk gegeben zu haben. Ich bin der Schech des Dorfes und habe von jedem Fremden, welcher unser Gebiet betritt, den Tribut zu fordern.

Wir haben nur die Seribah, nicht aber dein Dorf betreten, antwortete Schwarz. Dennoch will ich dir eine freiwillige Gabe nicht verweigern, damit du Gelegenheit findest, in Freundlichkeit an uns zu denken. Hier nimm!

Er hatte, wie jeder Europ?er, der die dortigen L?nder bereist, einen Vorrat von Handels und Tauschartikeln bei sich und entnahm demselben mehrere Perlenschn?re, die er dem Neger reichte. Aber in neuerer Zeit sind so viele Glasperlen durch die H?ndler nach dem Bahr el Dschur gebracht worden, da? diese Ware ihren fr?heren Wert dort fast ganz verloren hat. Der H?uptling hielt die Schn?re einige Augenblicke in der Hand, warf sie dann in das Boot zur?ck und rief in zornigem Tone:

So ein Geschenk wagt ihr mir anzubieten? Ich brauche keine Perlen. H?ngt sie euch selbst um die H?lse, wenn ihr solche Weiber seid! Allah sende euch schlechten Wind auf eurer Fahrt und tausend Krokodile, die euch fressen!

Dann rannte er, so schnell es ihm seine Korpulenz gestattete, von dannen. Die Ruderer lachten ihm nach; die Wei?en aber nahmen die Sache ernster. Als das Boot vom Ufer gesto?en war und der Mitte des Stromes zustrebte, sagte Schwarz:

Dieser Mensch hatte sich wohl den Empfang einiger Theresienthaler eingebildet. Nun mag ich mich nur vor ihm und seinen Leuten in acht nehmen.

Ja, vorsichtig wirst du sein m?ssen, antwortete der Graue. Nun darfst dich von ihnen nit derblicken lassen. Sie schaffen jetzt die Sachen von der Seribah fort, kehren aber gewi? nochmals zur?ck, um vollends aufzur?umen. Wenn sie dich dabei entdecken, so will ich zwar nit sagen, da?t verloren bist, doch halt ichs f?r besser, da? ich bei dir bleib, bis der Araber kommen ist und ihr gl?cklich abgreist seid. Was denkst du dazu?

Ich gebe dir nicht unrecht; du magst mich also begleiten. Damit auch du dich dann nicht allein befindest, nehmen wir noch einen Ruderer mit. ?brigens wollte ich es den Negern nicht raten, mich zu ?berfallen; sie w?rden vor meinen Kugeln bald davonlaufen.

Das Boot hatte jetzt die Str?mung erreicht und trieb mit derselben so schnell abw?rts, da? man das Ufer bald wieder aufsuchen konnte. Dort wurde das Fahrzeug im Schilf verborgen, und Schwarz versah sich mit den Gegenst?nden, welche ihm als notwendig erschienen. Dann brach er auf, begleitet von dem Grauen und einem bewaffneten Schwarzen. Der Steuermann erhielt den Befehl, die R?ckkehr der letzteren zwei hier zu erwarten und dabei den Flu? im Auge zu behalten.

Auch hier besa? der Wald nur eine sehr geringe Breite, so da? die drei M?nner schon nach wenigen Schritten den Rand desselben und die offene Ebene erreichten. Dort schritten sie nun s?dw?rts der Seribah wieder zu.

Nach Verlauf einer Viertelstunde sahen sie die Tr?mmer derselben, aus denen sich noch immer ein leichter Rauch erhob. Sie mu?ten, um unbemerkt zu bleiben, ihren Weg nun zwischen den B?umen fortsetzen und erreichten gl?cklich den Hegelikbaum, unter dessen Dach sie sich niederlie?en, um die Ankunft des Elefantenj?gers zu erwarten.

Die baldige R?ckkehr desselben mu?te ihnen um so erw?nschter sein, als der Tag schon weit vorgeschritten war und die Sonne sich dem westlichen Horizonte schnell zuneigte.

Der Schwarze hatte sich aus Ehrerbietung in einiger Entfernung von den Wei?en niedergesetzt. Die beiden letzteren sprachen von ihrer bevorstehenden Trennung, wobei der Graue nicht umhin konnte, seinen Gef?hrten allerlei gute Ratschl?ge zu erteilen.

Hast doch gnug Patronen eingsteckt, da?t brav schie?en kannst, wannst angfallen wirst? fragte er.

Versteht sich ganz von selbst, antwortete Schwarz. Bei einem Ritte, wie ich ihn vorhabe, ist ausreichende Munition das Notwendigste.

Und wie gfallt dir der Elefantenj?ger? Als Begleiter mu? er dir willkommen sein. Ich m?cht ihn f?r ehrlich halten, h?tt aber doch beinahe glacht, als er seine alte Haubitzn mit deinem Gwehr verglich und dabei versprach, dich mit derselben zu besch?tzen. Wanns auf den Treffer kommt, wirst halt du es sein, der ihn in Schutz zu nehmen hat.

M?glich. Er ist mir wirklich h?chst willkommen, und ich schenke ihm alles Vertrauen. Sein Schicksal erregt mein Beileid. Ein Vater, welcher lange Jahre hindurch nach seinem geraubten Sohne sucht!

Ja, man z?hlt diese Leut zu den Halbwilden; aber sie haben ebenso gut wie wir Herz und Gm?t. Der Mann thut mir wirklich leid, und halt, schaust sie? Da kommen sie! Es ist a Manderl und a Weiberl. Kennst sie auch schon?

Er deutete auf zwei regenpfeiferartige V?gel, welche unter den B?umen dahergelaufen kamen und, als sie die M?nner erblickten, vorsichtig stehen blieben. Ihr R?cken war schwarz, ihr Bauch sandfarben, Schwanz und Fl?gel aber schwarz, wei? und grau gezeichnet.

Ja, ich kenne sie, antwortete Schwarz. Krokodilsw?chter, Pluvianus aegypticus. Dieser Vogel wird schon von Herodot erw?hnt.

Hast recht. Aber wei?t auch, wie er von den Leuten hier genannt wird?

Ter-, Habobd und Ghafir et Timsah.

Richtig! Bist gar kein ?bler Vogelkenner, und kannst mir helfen, wann ich sp?ter mein Buch schreib. Schau, da gehens wieder fort. Hast auch schon zugschaut, wann so a Vogel sich dem Krokodil in den offenen Rachen setzt, um das darin befindliche Gw?rm zu fressen? Die riesige Eidechs sperrt dabei das Maul sperrangelweit auf, und es f?llt ihr gar nit ein, das kleine Viecherl zu st?ren oder gar zu verschlingen; sie wei? vielmehr recht gut, da? dasselbige sein Wohlth?ter ist. Dazu gh?rt nit blo? Instinkt, sondern die wirkliche ?berlegung, die man diesen Gesch?pfen so gern absprechen m?cht. So a Tier hat auch Gedanken; es versteht zu folgern und Erfahrungen zu sammeln, und es kann vorkommen, da? so a Wesen kl?ger handelt als a Mensch, der sich f?r gscheit und weise h?lt.

Da? du da recht hast, habe ich nicht nur einmal an mir selbst erfahren.

Wieso?

Ganz so wie du: wie oft ist uns ein Vogel oder sonst ein Tier entgangen, welches wir fangen oder erlegen wollten. Es war eben vorsichtiger und kl?ger als wir.

Das ist sehr richtig. Es gibt V?gel, welche gro?e Versammlung und Unterredungen abhalten. Ich hab k?rzlich gsehen, da? wohl an die drei?ig Pfauenkraniche im Kreise standen und aaner in der Mitt von ihnen, der in einem fort gschrieen hat. Die haben Reichstag oder Abiturientenexamen ghabt, denn einzelne riefen, wann der in der Mitt mal pausiert hat, ihr Kurnuknuknuknuk dazwischen, als ob sie auf seine Frag die Antwort zu geben h?tten. Vielleicht sind diese Antworten kl?ger ausgfallen als manche, die man in unsern Schulen zu h?ren bekommt.

Hoffentlich denkst du dabei nicht an dich selbst, antwortete Schwarz, indem ein leises L?cheln um seine Lippen spielte.

Warum nit? Denkst etwa, da? ich stets hab richtig antworten k?nnen? Freilich sind die Fragen oft so gstellt gewesen, da? man ganz verbl?fft dagstanden hat. Da denk ich gleich an damals, als ich in der Quarta gsessen bin. Wei?t das vielleicht schon?

Da? du auch diese Klasse besucht hast, kann ich mir doch denken!

Das mein ich nit, sondern ich ziel auf die Frag, welche ich damals bekommen hab. Ich glaubs nit, da? ich es dir schon verz?hlt hab. Es sollt n?mlich Examen sein, und ich hab a saubres Vorhemd umgebunden und die neue, bunte Kravatt um den Hals. Als ich dann in den Spiegel schau, hab ich dacht, da? es um mich gar nit fehlgehen kann. Aber, es ist doch anders kommen.

Wie denn? fragte Schwarz, als der Erz?hler eine Pause machte.

Das wirst gar nit vermuten k?nnen. Der Naturgschichtsprofessorn hats n?mlich auf mich gspitzt gehabt, weil ich ihm immer mit Fragen kommen bin, die ka vern?nftiger Mensch beantworten kann. Daf?r hat er mich im Examen auszahlen wollen. Als die Reih an mich kommen ist, bin ich voller Ehrerbietung aufgstanden und hab gmeint, da? man sich wohl ?ber meine Kenntnissen wundern werd. Aber was sagst dazu, wannst derf?hrst, da? der Professorn mich gfragt hat, warum die V?gel Federn haben?

Das war freilich hinterw?rts gemeint!

Ja, er hat mich t?chtig hereinlegen wollen.

Jedenfalls ist es dir gelungen, dich brav herauszubei?en. Was hast du denn f?r eine Antwort gegeben?

Zun?chst hab ich gar nix gsagt, sondern nur das Maul aufgmacht, um meine sieben Gedanken in Ordnung zu bringen, und dann, als die Frag zweimal wiederholt worden ist, hab ich

Dir bahlak! raunte in diesem Augenblicke der Schwarze den beiden Wei?en zu, indem er mit der rechten Hand nach der Stelle deutete, wo der Weg vom Flusse nach der Seribah aus dem Walde trat.

Der Erz?hler verstummte sofort, denn er erblickte zwei wohlbewaffnete M?nner, welche dort standen und starren Blickes den Schutt und Tr?mmerhaufen betrachteten. Sie schienen vom Schreck gel?hmt zu sein; dann aber rannten sie unter lauten Ausrufen und lebhaften Gestikulationen auf die Brandst?tte zu.

Zwei Wei?e! sagte der Vater des Storches, indem er ihnen mit den Augen folgte, wobei seine Nase sich zur Seite bog wie der Kopf eines Vogels, welcher von einem Aste herab eine verd?chtige Erscheinung betrachtet. Wo kommens her, und wer m?gens sein?

Europ?er sind sie nicht, antwortete Schwarz. Ich halte sie f?r Leute, welche zur Seribah geh?ren. Ich vermute das aus dem Entsetzen, welches sie bei dem Anblicke der Tr?mmerhaufen verrieten.

Kannst recht haben! Solltens zur Schar des Abu el Mot geh?ren? Solltens etwa voraus sein, um seine Ankunft zu melden?

Das ist m?glich, sogar wahrscheinlich. Ich werde sie beobachten.

Er zog sein Fernrohr aus und richtete es auf die beiden so unerwartet Erschienenen. Sie rannten eine Zeitlang auf der Brandst?tte umher; dann folgten sie eine kurze Strecke weit den Spuren der abgezogenen Sklavenj?ger, und endlich liefen sie in h?chster Eile westw?rts davon.

Sie gehen nach dem Dorfe der Dschur, um sich nach dem Vorgefallenen zu erkundigen, sagte Schwarz, indem er das Rohr wieder zusammenschob. Das gibt uns Zeit, nachzusehen, woher sie gekommen sind. Ich vermute, da? ihr Boot unten am Flusse liegt. Komm mit!

Als die beiden an das Wasser kamen, erblickten sie einen kleinen, schmalen, zweiruderigen Kahn, welcher mit einem Baststricke an eine in das Wasser ragende Baumwurzel befestigt war. Die Stelle, an welcher er lag, war vom Schilfe frei. Die Ruder lagen auf dem Boden, sonst war er leer.

Es ist so, wie wir dachten, sagte Schwarz. Diese Kerls sind vorausgesandte Boten Abu el Mots. Es steht zu erwarten, da? sie schleunigst zur?ckkehren, um ihm zu melden, was geschehen ist, und ihn zur Eile anzuspornen.

Das m?ssen wir zu verh?ten suchen. Meinst nicht, da? wir ihnen das Boot zerbrechen?

Nein, denn sie w?rden daraus ersehen, da? Leute hier waren, welche ihnen feindlich gesinnt sind. Wir binden den Kahn los und lassen ihn abw?rts treiben. Dann k?nnen sie denken, da? sie ihn nicht fest angebunden hatten.

Er machte den Strick los und gab dem leichten Fahrzeuge einen kr?ftigen Sto?, da? es weit hinaus in das Wasser scho?. Dort wurde es von der Str?mung erfa?t, einige Male rundum und dann schnell weitergetrieben.

Die beiden kehrten nach dem Baume zur?ck, an welchem die Niam-niam zur?ckgeblieben waren. Sie warteten mit Sehnsucht auf die R?ckkehr des Arabers, doch vergeblich. Es verging noch eine Stunde; die Sonne ber?hrte den westlichen Horizont, und noch immer war der Sejad ifjal nicht zu sehen. An seiner Stelle kamen die beiden Sklavenj?ger schnellen Laufes zur?ck. Sie beachteten die Brandst?tte gar nicht und verschwanden im Walde, auf dem Wege, den sie gekommen waren.

Sie wollen wieder fort, sagte Schwarz. Wenn sie sehen, da? der Kahn weg ist, werden sie ihn wohl suchen. Damit sie uns nicht etwa sehen, m?ssen wir uns verstecken, bis sie fort sind.

Es gab kein Unterholz, in welches man sich h?tte verbergen k?nnen. Darum stiegen die f?nf(.!!) auf B?ume, deren Wipfel dicht genug war, den beabsichtigten Zweck zu erf?llen.

Vom Ufer her ert?nten die Stimmen der entt?uschten M?nner. Sie schienen, wie Schwarz vorausgesehen hatte, ?berzeugt zu sein, da? sie den Strick nicht geh?rig befestigt gehabt hatten, denn sie zeigten keinen Verdacht und kehrten ebenso eilig, wie sie gekommen waren, nach dem Dorfe zur?ck. Die f?nf aber stiegen wieder von den B?umen herab.

Die kurze D?mmerung ging vor?ber, und der Abend brach herein; noch immer lie? der Araber auf sich warten. Die beiden Deutschen wurden um so besorgter, je mehr die Zeit verstrich. Stunde um Stunde verging; es wurde Mitternacht. Da endlich h?rte man drau?en auf der Ebene das Ger?usch von nahenden Schritten.

Das ist er! atmete Schwarz tief auf. Es sind die Schritte von Pferden oder Kamelen. Ich w??te nicht, wer au?er ihm mit solchen Tieren hieher kommen sollte.

Er hatte recht, denn vom Rande des Waldes her erscholl der Ruf:

Ja ishab elbet he, Leute!

Schwarz erkannte die Stimme des Erwarteten, dennoch fragte er:

Min haida wer ist da?

El Sejad ifjal. Ta a lihene der Elefantenj?ger. Komm hieher!

Die beiden Wei?en folgten mit dem Schwarzen diesem Rufe, doch vorsichtig. Ihr Mi?trauen war ?berfl?ssig, denn als sie die letzten B?ume erreichten, sahen sie zwei an der Erde liegende Kamele, bei denen der Elefantenj?ger stand. Die Sterne leuchteten hell genug, um sehen zu lassen, da? er allein war.

Ich habe gedacht, da? du nicht allein kommen w?rdest, sagte er, als er die Begleiter Schwarzens erblickte. Ihr habt mit Schmerzen auf mich gewartet, wie ich mir denken kann; aber es war mir nicht m?glich, eher zu kommen.

Warum nicht? fragte der Graue.

Der Schech war mi?trauisch dadurch, da? ich mit euch abseits gesprochen hatte, und euer karges Geschenk hatte seinen Zorn erregt. Er wollte mir keine Tiere verkaufen. Dann kamen die Boten des Abu el Mot, welche unsern Handel unterbrachen.

Es waren also wirklich Boten von ihm?

Ja. Sie sollten verk?nden, da? er in zwei Tagen ankommen werde. Als sie h?rten, was geschehen war, beschlossen sie, zu ihm zur?ckzukehren, um ihn zur Verfolgung der Verr?ter und Brandstifter aufzufordern. Aber sie konnten diesen Vorsatz nicht ausf?hren, weil sie ihr Fahrzeug nicht sorgsam angebunden hatten. Der Flu? hat es mit sich fortgerissen.

Nein, sondern wir haben das Boot losgebunden und dem Strom ?bergeben, weil wir vermuteten, wer die beiden seien und was sie thun w?rden.

Das war klug von euch. Es ist kein Fahrzeug vorhanden, welches sie benutzen k?nnten, und die Dschur besitzen nicht die erforderlichen Werkzeuge, schnell ein Boot zu bauen. Darum wird Abu el Mot unbenachrichtigt bleiben.

Wo befindet er sich?