Karl May.

Die Sklavenkarawane





Und wenn man gestorben ist, lebt man bei ihm?

Bei ihm und seinem Sohne, um niemals wieder zu sterben.

So ist er besser, viel besser als der Allah der Araber, welche nur Sklaven machen wollen und uns t?ten werden!

Sei ruhig! Er wird es sehen, wenn wir sterben, und herabsteigen, um uns hinauf zu sich zu holen.

Lobo w?rde wohl gern sterben, denn er hat keine Verwandten mehr, bei denen er sein kann; aber der Tod ist gar so schlimm: hier die Krokodile, und dort Abd el Mot, der Araber. Wer ist b?ser, sie oder er?

Es ist eins so schlimm wie das andre, das Krokodil wie der Araber, denn beide glauben nicht an den gro?en Schech und seinen Sohn, der f?r alle Menschen gestorben ist, um sie zu erretten.

Wenn Lobo dich dadurch erretten k?nnte, w?rde er sich nicht weigern, sofort zu sterben!

Du kannst mich nicht retten; wir sind verloren. Ich wei? noch den Anfang des Gebetes, welches man sprechen mu?, bevor man stirbt. Tolo wird ihn dir sagen, und du mu?t ihn nachsprechen, dann kommen wir beide zu dem gro?en Schech. Sage also: Ja abana iledsi fi ssemavati jaba haddeso smoka!

Er hatte die H?nde gefaltet und blickte zu dem Genossen auf. Dieser legte seine H?nde auch zusammen und sprach die Worte nach, doch nur in halber Andacht, wenn auch mit vollem Glauben an die Wirkung derselben. Dabei schweiften seine Augen suchend umher, und als er haddeso smoka sagte, leuchteten seine treuen Augen auf, als ob er etwas Gesuchtes gefunden habe. Er fuhr gleich fort:

Wenn der Sohn des gro?en Schechs gestorben ist, um die Menschen zu retten, sollen wir es wohl auch thun?

Ja, wenn wir es k?nnen.

Und wenn Lobo dich retten k?nnte, was w?rdest du thun?

Tolo w?rde sich nicht von dir retten lassen, sondern lieber selbst sterben.

Aber wenn nur einer von uns beiden gerettet werden k?nnte, wenn der andre f?r ihn st?rbe, so m??test doch du es sein, der leben bleibt!

Nein, sondern du!

Vielleicht k?nnen wir beide entkommen?

Wie denn?

Siehst du diesen Subakh und den Lubahn, welche hier nebeneinander stehen? Ihre ?ste sind eng miteinander vermischt, und das Laub ist noch so dicht, da? man zwei Menschen, welche da oben sind, gar nicht sehen kann. Wir wollen uns hinauf verstecken!

Der Subakh (Combretum Hartmanni) ist ein mittelgro?er, sch?ner Baum mit dichten Zweigen und saftig gr?nen, in lange Zipfel ausgezogenen Bl?ttern. Der Lubahn w?chst noch h?her; er ist die Boswellia papyrifera, aus welcher der afrikanische Weihrauch gewonnen wird.

Beide eng nebeneinander stehende B?ume bildeten eine einzige gro?e und dichte Krone, da? sich zwei Menschen, zumal Schwarze, allerdings gut in derselben verbergen konnten, ohne von unten gesehen zu werden.

Tolo ist zu schwach, um hinauf zu klettern, antwortete der andre.

Lobo wird dich heben; dann kannst du den untersten Ast fassen. Versuche es einmal!

Er nahm seine letzten Kr?fte zusammen und hob den Freund empor.

Tolo, welcher nicht ahnte, da? Lobo den eines gl?ubigen Christen w?rdigen Gedanken gefa?t hatte, sich f?r ihn zu opfern, ergriff den Ast und kam gl?cklich auf denselben zu sitzen.

Noch h?her! sagte Lobo. Man sieht dich noch. Noch drei, noch vier ?ste h?her. Dort aber setzest du dich nieder, und umf?ngst den Stamm, um dich fest zu halten!

Tolo kroch weiter hinauf, machte es sich bequem, und sagte dann:

Nun komm auch du herauf!

Gleich, aber horch!

Man h?rte menschliche Stimmen und dann auch das Heulen eines Hundes. Es war ein blutgieriges Geheul.

Sie kommen; sie sind da! Schnell herauf zu mir! warnte Tolo voller Angst.

Nun ists zu sp?t, antwortete Lobo. Sie w?rden mich sehen. Ich mu? mir ein andres Versteck suchen.

Dann rasch, aber rasch!

Doch Lobo blieb stehen und sagte mit unterdr?ckter Stimme:

Lobo hat geh?rt, da? ein solcher Hund, wenn er Blut gekostet hat, sofort den Geruch verliert. Dieser Hund soll Blut bekommen, damit er dich nicht riecht. Sei aber still!

Ehe Tolo antworten und Einspruch erheben konnte, huschte der wackere Neger fort, nach einem andern Baume, um nicht an demjenigen gesehen zu werden, auf welchem Tolo sa?. Das Geheul des Hundes lie? sich in gro?er N?he h?ren. Pferde schnauften, und Menschen riefen einander zu.

Lobo entfernte sich noch mehr von den beiden B?umen, und stellte sich so auf, da? er von dem Hunde, sobald dieser herbeikam, sofort erblickt werden mu?te.

Der Wald gestattete nicht, da? zwei Reiter sich nebeneinander bewegen konnten. Die Sklavenj?ger waren nicht abgestiegen, um ihre Pferde nicht zur?cklassen zu m?ssen. Sie ritten einzeln, voran Abd el Mot mit dem Hunde. Sobald dieser erschien, setzte Lobo sich in fliehende Bewegung, damit man nicht erraten solle, da? er hier gestanden habe und sein Genosse sich noch in der N?he befinden k?nne. Der Araber erblickte ihn.

Scheitan! schrie er auf. Da l?uft einer, und weiter vorn der andre, wenn ich mich nicht irre. Schnell nach, schnell nach!

Er trieb sein Pferd an, gab aber gl?cklicherweise den Hund noch nicht frei. Die andern st?rmten hinter ihm her, so schnell das Terrain es erlaubte. Der Hund zerrte mit wildem Ungest?m an der Leine und stie? dabei ein geradezu diabolisches Geheul aus. Die Araber br?llten um die Wette. Lobo schrie, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, aus Leibeskr?ften. Tolo auf dem Baume stand eine schreckliche Angst um den Freund aus. Er schrie mit; doch zum Gl?cke wurde seine vor Ermattung schwache Stimme in dem allgemeinen Skandal gar nicht geh?rt. Die wilde Jagd ging an den beiden B?umen vor?ber, flu?aufw?rts weiter.

La? doch den Hund los! br?llte einer der Reiter.

Abd el Mot h?rte die Worte, zog das Messer, und schnitt die Schnur durch. Der Hund scho? mit doppelter Schnelligkeit dem Neger nach, dessen Absicht war, sich zerrei?en zu lassen, um der Bestie den Geruch zu nehmen, wie er gesagt hatte. Doch jetzt kam ihm der Gedanke, ob es denn nicht m?glich sei, das Tier zu t?ten. Er hatte doch heut schon einen Hund erstochen, warum nicht auch diesen? Hatten die Verfolger nur diesen einen mit, so war Rettung wohl noch m?glich.

Auch er hatte den Ruf des Arabers geh?rt und ahnte, da? Abd el Mot demselben folgen werde. Da gab es keinen Augenblick zu verlieren. Er blieb stehen und lehnte sich an den Stamm eines Baumes, keuchend vor Aufregung, M?digkeit und Atemlosigkeit. Er sah den Hund in gro?en S?tzen daherschnellen, die mit Blut unterlaufenen Augen stier auf sein Opfer gerichtet und aus dem Maule geifernd, und zog sein Messer aus dem Lendenschurze.

Herab von den Pferden; wir haben ihn fest! rief Abd el Mot, indem er sein Tier parierte und aus dem Sattel sprang.

Die andern folgten seinem Beispiele.

Jetzt war der Hund dem Neger nahe, noch drei, zwei S?tze, nur noch einen! Das blutgierige Tier warf sich mit aller Gewalt auf den Neger, und rannte da dieser blitzschnell nach links vom Baume wegtrat, mit dem Kopfe gegen den Stamm desselben, und prallte nieder. Ehe es sich wieder aufraffen konnte, kniete Lobo auf ihm und stie? ihm das Messer zwei-, dreimal ins Herz, wurde aber am linken Arme von den Z?hnen gepackt.

Er ri? sich von dem verendenden Tiere los, gar nicht darauf achtend, da? ein St?ck Fleisch im Rachen desselben zur?ckblieb, und flog davon. Die Araber zeterten vor Wut und rannten ihm nach. Die Eile erlaubte ihnen nicht, von ihren Gewehren Gebrauch zu machen. Sie h?tten stehen bleiben m?ssen, um zu zielen, und dabei nur Zeit verloren. Aber ihre Pistolen rissen sie heraus und dr?ckten sie auf den kaum zwanzig Schritte vor ihnen befindlichen Neger ab. Ob eine Kugel getroffen hatte, war nicht zu ersehen, denn Lobo rannte weiter.

Aber er war matt bis auf den Tod, und sie besa?en noch ihre vollen Kr?fte. Sie kamen ihm immer n?her. Er sah sich nach ihnen um und bemerkte dies. Doch lieber zu den Krokodilen, als ihnen in die H?nde fallen und zu Tode gepeitscht werden! Er lenkte also nach links ab, dem Ufer des Flusses zu.

Dieser machte hier eine Kr?mmung, an deren konkaven Seite die unmenschliche Hetze vor sich ging. Lobo erreichte das Wasser, und warf sich, einen Todesschrei aussto?end hinein. Es spritzte hoch ?ber ihn auf.

Wenige Augenblicke darauf langten seine Verfolger an derselben Stelle an. Sie blieben halten, die Augen auf das Wasser gerichtet.

Er ist hineingesprungen, um uns zu entgehen! rief einer entt?uscht.

Uns entgeht er, ja, antwortete Abd el Mot; aber die Temasih werden ihn verschlingen. Pa?t nur auf!

Vom Ufer weg gab es eine vielleicht acht oder neun Ellen breite freie Strecke. Dann folgte die Spitze eines lang gestreckten Omm Sufah und Schilffeldes, worauf wieder freies Wasser kam, welches von einer mitten auf dem Flusse an einer Schlammbank festgefahrenen Grasinsel begrenzt wurde.

Jetzt tauchte ganz in der N?he der erw?hnten Omm Sufahecke der Kopf des Negers auf. Er sah sich nach seinen Verfolgern um.

Schie?t, schie?t! rief Abd el Mot, worauf sein Nachbar das Gewehr an die Wange zog und schnell losdr?ckte.

Aber er war zu hitzig gewesen und hatte schlecht gezielt. Die Kugel schlug neben Lobo in das Wasser. Dieser hatte die Spitze erreicht, und umschwamm dieselbe mit einigen raschen St??en. Dort hielt er an, als ob er ?ber irgend etwas, worauf sein Auge fiel, erschrecke. Dann stie? er einen lauten, durchdringenden Schrei aus, den man ebensowohl dem Jubel, als auch der Todesangst zuschreiben konnte, und verschwand hinter dem Schilffelde.

Was schrie er? fragte einer der Araber.

Er hat ein Krokodil gesehen, antwortete Abd el Mot.

Es klang, als ob er vor Freude geschrien h?tte.

O nein, hier im Wasser gibt es nichts, wor?ber er sich freuen k?nnte. Da seht, dort kommt es geschossen. Seht ihr den Wasserstreif?

Er deutete mit der ausgestreckten Hand nach der Grasinsel, von welcher aus sich eine Furche schnell ?ber die freie Strecke nach dem Schilffelde bewegte. Die Spitze dieser Furche bildete die Schnauze eines riesigen Reptils.

Ein Krokodil! riefen mehrere zugleich. Allah sendet ihn zur H?lle! schrie einer der Sklavenj?ger. Et Timsah wird ihn holen und verspeisen!

Jetzt verschwand das Krokodil hinter dem Rohre, und im n?chsten Augenblicke h?rte man einen wilden Schrei, dieses Mal ohne allen Zweifel den Schrei eines Menschen, welcher den Tod vor sich sieht.

Es hat ihn; er ist dahin! rief Abd el Mot. Ihm ist noch wohl geschehen, denn ich h?tte ihn in einen Termitenhaufen eingegraben, da? ihm das Fleisch bei lebendigem Leibe bis auf die Knochen abgefressen worden w?re. Aber was ihm nicht geschah, das soll Tolo geschehen, der sich noch da im Walde befindet. Diese beiden Schejatin haben mir die zwei besten Hunde get?tet. Daf?r wird nun Tolo eines doppelten Todes sterben!

Befindet er sich wirklich noch da? fragte einer.

Ja. Ich habe auch ihn gesehen. Er war dem Lobo noch voraus. Zwei von euch m?gen die Pferde aus dem Walde f?hren, um uns drau?en zu erwarten.

Dies geschah. Dann begann die Suche von neuem.

Die beiden Negerj?ger, welche sich au?erhalb des Waldes bei den Pferden befanden, mu?ten wohl ?ber eine Stunde warten, bis die andern zu ihnen kamen, aber ohne den Neger.

Dieser Neger ist wie verschwunden, knirschte Abd el Mot. Wir haben bis jetzt nicht die geringste Spur von ihm entdeckt.

Aber du hast ihn doch vorher gesehen! wurde ihm gesagt.

Ganz deutlich sogar! Aber welches Menschenauge kann die F?hrte eines nackten Fu?es im Walde erkennen! Dieser Wald ist ?brigens gro? und zieht sich stundenweit am Wasser hin. Wer soll da suchen und finden!

So ist uns der schwarze Hund sogar lebend entgangen, w?hrend der andre wenigstens von et Timsah gefressen wurde!

Nein. Entkommen ist er nicht. Von hier aus zieht sich der Flu? fast gerade nach Sonnenaufgang, w?hrend Ombula gegen S?d und West liegt, wo wieder eine sehr gro?e, freie Ebene ist. ?ber diese mu? der Schwarze gehen. Wenn wir ihn haben wollen, brauchen wir nur hinauszureiten, um ihn dort zu erwarten.

Er wird des Nachts kommen, wenn wir ihn nicht sehen k?nnen!

So breiten wir uns aus, und bilden eine Kette. Dann mu? er sicher auf einen von uns sto?en. Also vorw?rts jetzt!

Sie bestiegen ihre Pferde wieder und ritten gegen S?den davon. Der Umstand, da? er irrt?mlicherweise ?berzeugt war, Tolo gesehen zu haben, hatte diesem vielleicht das Leben gerettet. Man hatte nur nach vorw?rts, nicht aber nach r?ckw?rts gesucht, wo die beiden B?ume standen. H?tte man auch die letztere Richtung eingeschlagen, so stand zu erwarten, da? der Neger bei der Aufregung, von der er wegen der Gefahr, in welche sich sein Freund f?r ihn gest?rzt hatte, ergriffen worden war, entdeckt worden w?re. Aber wo befand er sich? Noch auf dem Baume? Und war der todesmutige Lobo wirklich von dem Krokodile erfa?t und verzehrt worden?

Das h?tte man am besten auf dem Flachboote erfahren k?nnen, welches um die Mittagszeit, oder kurz vor derselben, vom Negerdorfe Mehana den Flu? herabgerudert kam. Es war nicht gro? und auch nicht allzuklein; es h?tte wohl drei?ig Personen fassen k?nnen, trug aber heute nur dreiundzwanzig. Davon waren zwanzig Neger, je zehn an jeder Seite, die Ruder f?hrten. Am Steuer sa? ein vielleicht sechzehn Jahre alter J?ngling von hellerer Hautfarbe, welche entweder auf arabische Abstammung oder gemischtes Blut schlie?en lie?. Die ?brigen beiden waren Wei?e.

Die Neger waren alle nur mit dem gebr?uchlichen Lendenschurze bekleidet; sie hatten die wolligen Haare in kurzen, d?nnen, wohl einge?lten Flechten rings um den Kopf h?ngen. Der Knabe am Ruder hatte schlichtes, dunkles Haar. Seine Kleidung bestand aus einem gro?en, hellen Tuche, welches er wie eine Toga um sich geschlungen hatte.

Da? die Fahrt keine friedliche war, oder da? diese Leute sich auf Feindseligkeiten gefa?t gemacht hatten, zeigten die Waffen, welche am Schnabel des Bootes zusammengeh?uft waren. Dort sa?en auch die beiden Wei?en.

Der eine von ihnen trug einen Ha?k mit Kapuze und hohe Stiefel, ganz genau der Anzug, welchen Doktor Schwarz getragen hatte. Er besa? auch die hohe, breite Gestalt desselben, und beider Z?ge hatten eine gro?e ?hnlichkeit miteinander. Kurz, dieser Mann war Doktor Joseph Schwarz, welcher seinem Bruder den Sohn der Treue entgegengeschickt hatte, und ihm nun selbst entgegenfuhr, weil ihm die Ankunft desselben zu lange w?hrte, und er besorgt um sein Schicksal geworden war.

Der andre trug graue Zeugschuhe, graue Str?mpfe, eine graue, sehr weite und sehr kurze Hose, eine graue Weste, eine graue Jacke und einen grauen Turban. Grau war auch der Shawl, den er sich um die H?fte geschlungen hatte. An ihm schien alles grau zu sein, selbst die Augen, die Gesichtsfarbe, das lange, bis auf die Brust herabh?ngende Halstuch und das dichte Haupthaar, welches unter dem Turban hervor bis zum R?cken niederfiel. Das Sonderbarste an ihm aber war seine Nase, eine Nase, wie man sie nur einmal im Leben, und auch das kaum, zu sehen bekommt.

Diese Nase war unbedingt ein sogenannter Riecher. Sie war entsetzlich lang, entsetzlich gerade und entsetzlich schmal und lief in eine f?rmlich lebensgef?hrliche scharfe Spitze aus. Sie glich dem Schnabel eines Storches, nur da? dieser nicht von grauer Farbe ist. Wer in Faschodah Gelegenheit gehabt hatte, den Sohn der Treue von Abu Laklak, dem Vater des Storches sprechen zu h?ren, der mu?te hier unbedingt auf den Gedanken kommen, diesen Mann vor sich zu haben. Die beiden Wei?en musterten mit Kennerblicken die Oberfl?che des hier sehr breiten Flusses. Nichts entging ihren Augen, und besonders war der Graue wie elektrisiert, wenn irgend ein Vogel sich aus dem Schilfe erhob oder von einem Ufer nach dem andern kreuzte. Dabei lie?en sie die Unterhaltung keinen Augenblick ruhen. Sie bedienten sich der deutschen Sprache, Schwarz des reinen Hochdeutsch, der Graue aber eines sehr kr?ftigen und dabei doch zutraulichen Dialektes, welcher irgendwo zwischen dem Th?ringerwald, B?hmerwald, Innsbruck, dem Alg?u und der w?rttembergischen Grenze zu Hause sein mu?te.

Da gebe ich dir vollst?ndig recht, lieber Doktor, sagte Schwarz. Wir haben daheim noch eine ganz falsche Vorstellung von diesen Sudanv?lkern. Um sie kennen zu lernen, mu? man zu ihnen kommen.

So gefallens dir gut, he? fragte der Graue.

Gar nicht ?bel.

Auch wanns Menschen fressen?

Auch dann, wenn sie nur mich nicht fressen. Sie haben gar keine Vorstellung von der Abscheulichkeit dieses Genusses; sie mu? ihnen erst beigebracht werden. Nach geschlagener Schlacht verzehren sie die get?teten Feinde und behaupten dabei, es sei sehr gleichg?ltig, ob man dieselben in den Magen, oder in die Erde begr?bt.

Na, mein Gschmack w?r das schon nit. Ich will doch lieber in der Erden liegen, mit einer h?bschen Kapellen drauf, als im Magen eines solchen Kannibalen!

Ich auch, lieber Doktor. Du mu?t aber wohl unterscheiden zwischen

Halt! unterbrach ihn der Graue, indem er seine Nase wie ganz aus eigener, v?llig selbst?ndiger Initiative auf und nieder senkte. Wannst mich nochmals Doktor nennst, so bekommst halt sogleich eine Waatschen, da?t denkst, deine paar Kn?cherln halten Kaffeevisit! Du bist auch Doktor, aber nenn ich dich so? Wozu die Komplimenten zwischen Leutln, die Br?derschaft trunken haben, wenn auch blo? in dera Merissah, die mir gstohlen werden kann, n?mlich aber nur dann, wenn ich einen guten Spatenbr?u dagegen hab. Du wei?t doch, wie ich hei??

Allerdings, l?chelte Schwarz.

Na also! In dera glehrten Welt bin ich als Herr Doktor Ignatius Pfotenhauer bekannt. Daheim, wo ich zHaus bin, nennens mich nur den Vogel-Nazi, weil ich nun einmal eine ganz bsondere Liebhaberei hab f?r alles was da fleugt, aber nit kreucht. Hier zLand hei?ens mich gar Abu el Laklak, den Vater des Storches, wegen meiner Nase, die mir aber ebensowenig feil ist, wie dir die deinige. Nachhero, weil ich dich einfach Sepp nenne, weil dein Vorname Joseph ist, so kannst mir auch die Lieb und G?t erweisen, mich Nazi, oder Naz, zu hei?en, was bedeutend k?rzer ist als Ignatius, mit vier Silben. Hasts verstanden?

Sehr wohl! Hoffentlich verspreche ich mich nicht wieder.

Das m?cht ich mir halt ausgbeten haben! Wei?t, ich bin einmal ein bsonderer Kerl, und so halt, siehst ihn fliegen?

Wen? Wo?

Der Graue war eifrig aufgesprungen und rief erregt, indem er mit der Hand nach aufw?rts deutete:

Dort hier da kommt er gflogen! Kennst ihn schon?

Ja. Es ist ein Perlvogel, Trachyphonus margaritatus.

Richtig! Hasts schon gwu?t. Weg ist er! stimmte der Graue bei, indem er sich wieder niedersetzte. Aber wei?t auch wie die Eingbornen ihn nennen?

Noch nicht.

Da hast wieder aan Beweis, da? sie gar gute und auch gspa?ige Beobachter sind; sie benennen ihn und sie nach der Stimme, wanns schreien. Er schreit n?mlich: bescherrrretu, bescherrrretu! Wei?t, was das in dera hiesigen Sprachen bedeutet?

Ja, hast dein Kleid zerrissen, hast dein Kleid zerrissen!

Richtig! Das Weibchen sieht n?mlich dunkel aus, und hat wei?e Flecken drauf, was grad so ausschaut, als ob sie L?cher in dera Toiletten h?tt. Sie aber antwortet ihm hernach: baksi-ki, bak-si-ki! Was hei?t das?

N?hs zusammen, n?hs zusammen!

Auch das ist richtig. Wann der Volksmund mit solcher Naivit?t von denen V?geln spricht, so m?cht man diese Leutln nur schwer f?r Menschenfresser halten.

Man bezeichnet die Niam-niam als solche. Aber ich habe nichts davon bemerken k?nnen.

Weils halt wissen, da? wir solchen Schmaus verabscheuen, drum lassens gar nix merken davon. Dennoch sind wir vollst?ndig sicher bei ihnen. Sie thun uns alles m?gliche zlieb. Das mu? man anerkennen. Sie jagen Tag und Nacht, um mir V?gel zu bringen. Ich hab sonst in Jahreszeit nit so viel gsammelt, wie jetzt in aan einzigen Monat.

Das wird wieder ein umfangreiches, gelehrtes Werk geben, nicht?

Ja, ich werd schon was zusammenschreiben. Es hat noch keinen geben, der sich um die hiesige Vogelwelt gro? k?mmert hat. Diese L?ck m?cht ich ausf?llen.

Du bist der geeignete Mann dazu. Woher kommt denn eigentlich deine gro?e Vorliebe f?r die Vogelwelt? Hat sie einen besonderen Grund?

Da? ich nit w??t! Und wohers kommen ist? Hm! An meiner Wiegen hat man mirs freilich nit gsungen, da? ich mich mal so auf die Ornithologie verinteressieren w?rd, und f?nfzehn Jahre sp?ter auch noch nicht. Ich selber hab auch nit dran gedacht, und erinnere mich noch heute mit Schreck an das erste ornithologische Abenteuer, das ich damals erlebte.

Was war das?

Das war nun, dir kann ichs ja erz?hlen; sonst aber red ich nimmer gern davon das war, da ich als Gymnasiast in der Quart gsessen bin. Der Professor f?r die Naturgeschicht hat mich nit gern ghabt, weil ich ihn in meiner Dummheiten immer nach Dingen gfragt hab, die kein Mensch beantworten kann.

Das kommt in diesem Alter h?ufig vor, ist aber meist ein Beweis von regem Wissensdrang.

Wissensdrang? Der Professor hats halt immer Voreiligkeit und Neugierd gnannt, und nur auf eine Glegenheiten gesonnen, es mir heimzugeben. Das war zum Osterexamen. Ich hab a neues Vorhemd anglegt, und den neuen blauseidenen Schlips drumrum, und nachhero gmeint, da? ich mit diesem Staat das Examen schon bstehen mu?. Es ist auch ganz leidlich gangen, bis hin zu dera Naturgschichtn. Die Fragen wurden reihum grichtet; als ich dran komm, erheb ich mich, und was wird mich da der Professor fragen, he?