Karl May.

Die Sklavenkarawane





Jetzt ist es Zeit. Kommt mit fort, aber leise, damit die Homr es nicht h?ren!

Er f?hrte sie bis dahin, wo das Dickicht zu Ende war und sich in einzelne B?sche aufl?ste. Es war vorauszusehen, da? die Angreifenden da vor?berkommen w?rden. Jeder steckte sich hinter einen Busch.

Sie warteten wohl eine halbe Stunde und noch l?nger. Dann h?rten sie leise Schritte, und zugleich erkannten sie die Gestalten, welche, eine hinter der andern, langsam herbeikamen. Als sie sich so weit gen?hert hatten, da? man die einzelnen Personen unterscheiden konnte, sah Schwarz den Schech als F?hrer an der Spitze. Die lange, schmale Gestalt Abu el Mots schwankte, sich her?ber und hin?berwiegend, am Ende des kleinen Zuges. Sie blieben an der Felswand stehen. W?re es hier so hell gewesen wie drau?en au?er dem Bereiche des Schattens, den der Fels warf, so h?tten sie die unmittelbar neben ihnen hinter den B?schen kauernden Dschelabi sehen m?ssen, denn die Str?ucher waren nicht dicht und breit genug, einen Mann vollst?ndig zu verbergen.

Schwarz befand sich dem verlassenen Lagerplatze am n?chsten. Die Feinde waren nicht bis zu ihm herangekommen. Der Ungar, der am entgegengesetzten Ende kauerte, hatte sie gerade vor sich. Er h?rte, da? der Schech sagte:

So! Bis hieher habe ich euch gef?hrt. Gleich um die Ecke rechts liegen sie im tiefen Schlafe; sie werden sterben ohne zu erwachen. Ich gehe jetzt zu meinen M?nnern, um ihnen zu sagen, da? der Augenblick gekommen ist. Er entfernte sich, indem er einige Schritte zur?ckging, und verschwand an der Westseite des Felsens, an dessen Ostseite die Lagerstelle sich befand.

Nun vorw?rts! gebot die Grabesstimme Abu el Mots. Allah m?ge euern Messern sichern Sto? verleihen!

Schwarz wollte nat?rlich warten, bis sie ihn erreicht hatten; aber der kleine Slowak f?hlte sich von solcher Kampfeslust ergriffen, da? er den vorteilhaftesten Augenblick nicht erwartete.

Rauwidschu schnell, drauf! rief er aus, indem er aufsprang. Sein Gewehr umkehrend, holte er aus und f?hrte nach dem N?chststehenden einen so gewaltigen Kolbenhieb, da? der Getroffene sofort zusammenbrach und aber auch er selbst niederst?rzte.

Die andern brachen auch hervor. Schwarz als der Entfernteste hatte wohl acht oder neun Schritte zur?ckzulegen, um an die Feinde zu kommen. Er hatte es auf Abu el Mot abgesehen gehabt, welche Absicht aber nun nicht auszuf?hren war.

Die M?nner der Gum waren so erschrocken, da? sie sich f?r den ersten Augenblick nicht von der Stelle bewegten. Sie w?ren verloren gewesen, wenn der ?berhitzige Ungar nur noch drei oder vier Minuten gewartet h?tte. So aber fanden sie Zeit, sich einigerma?en zu fassen, doch nicht hinreichend genug, ihre Waffen zu gebrauchen. Einige von ihnen empfingen die ihnen zugedachten Hiebe; andern gelang es, dieselben von sich abzuwehren.

Schwarz hatte die angegebene Entfernung springend zur?ckgelegt. Er schlug einen Araber mit dem Gewehrkolben nieder und im n?chsten Augenblicke einen zweiten.

Zornige Fl?che er schallten.

Wer sind diese Teufel? schrie Abu el Mot. Drauf auf sie!

Rettet euch! schrie ein andrer. Wir sind vom Schech verraten!

Er dr?ngte zur?ck. Eben wollte Schwarz den dritten niederschlagen, um dann an den Anf?hrer zu kommen. Zu gleicher Zeit holte der Vater des Gel?chters gegen einen andern aus, welcher an Schwarz vor?berfloh. Er drang hinter diesem drein, glaubte, ihn mit dem Hiebe noch zu erreichen, erhielt aber dabei von einem weiteren Fl?chtling einen Sto? und schlug dem Deutschen mit seinem halben Lanzenschaft so gegen das Ohr und die Schl?fe, da? Schwarz zur Seite taumelte und fast ohne Besinnung niederfiel.

Allah! schrie der erschrockene Kleine. Habe ich dich ermordet, Effendi?

Beinahe! antwortete der Gefragte, indem er sich langsam und nur schwer erhob. La?t sie fliehen! Wir d?rfen wegen den Homr nicht von hier fort!

Es funkelte ihm vor den Augen, doch sah er die Leute der Gum fliehen. Er legte an und sandte ihnen zwei Kugeln nach. Dann konnte er nicht widerstehen. Es brauste ihm wie eine Brandung um die Ohren. Er lehnte sich an den Felsen und schlo? die Augen.

Kein Dschelabi folgte den Fliehenden. Aber der Ungar rief, als er die Sch?sse des Deutschen h?rte:

So ists recht! Gebt ihnen eure Kugeln! Die meinige sollen sie auch haben.

Er erhob seinen schweren Katil elfil und zielte auf den Fl?chtling. Sein Schu? krachte, und der Mann st?rzte nieder.

Die Dschelabi standen bei Schwarz, laut klagend ?ber ihn.

Was ist geschehen? fragte der Slowak.

Ich habe den Effendi erschlagen! jammerte der Vater des Gel?chters, indem er aus Verzweiflung das lustigste Gesicht der Welt machte.

Bist du toll?

Nein. Ich wurde gesto?en.

Dummkopf! Du hast vor lauter V?lkern und D?rfern, welche unter deinem Sch?del stecken, nicht gesehen, wohin du schlugst! Effendi, Effendi, bist du tot?

Nein, antwortete Schwarz, indem er die ihn ?berkommene Ohnmacht mit Anstrengung von sich absch?ttelte und sein Gewehr, welches ihm entfallen war, aufhob.

Allah sei Dank! Dieser Vater der hintern L?wenh?lfte ist mit Blindheit geschlagen gewesen, und wir m?ssen

Still! gebot ihm der Deutsche. Wir haben mehr zu thun. Ich sehe vier Teilnehmer der Gum hier liegen. Das ist weniger als ich dachte. Bindet sie! Wahrscheinlich sind sie nur bet?ubt.

Er trat zur Felsenecke, von welcher aus er das Feuer sehen konnte. An demselben standen die Homr, welche nicht wu?ten, was sie denken sollten. Er nahm an, da? sie dort bleiben w?rden, bis sie von irgend einer Seite Aufkl?rung erhielten. Darum fuhr er fort:

Bleibt hier! Vielleicht kann ich ein Kamel oder mehrere erbeuten.

Er rannte fort, in der Richtung, in welcher die Araber geflohen waren. Er wu?te, wo sie gelagert hatten. Auch ihre Kamele waren gefesselt gewesen, und da diese Tiere nicht schnell zum Aufstehen zu bringen sind, so mu?ten die Fl?chtigen dort jedenfalls l?nger verweilen, als ihnen lieb war, da sie doch anzunehmen hatten, da? man sie verfolgen werde.

Sein zweites Gewehr hatte er ?ber dem R?cken h?ngen; das erste lud er im Laufen. Dabei kam er an der Stelle vor?ber, wo der von der Kugel des Slowaken Getroffene lag. Dieser regte sich nicht.

Hatte er vorhin, als er vorsichtig sein mu?te, ?ber eine Viertelstunde gebraucht, um an die Gum zu kommen, so ging es jetzt schneller. In weniger als zwei Minuten war er der Stelle nahe. Er sah die Gruppe der M?nner, welche sich um die Kamele bem?hten. Da blieb er stehen und scho? ein-, zweimal auf sie. Jeder von ihnen hatte vor allen Dingen sein eigenes Tier von den Fesseln befreit. Das sollte gerade auch mit den f?nf ?brigen Kamelen geschehen, als die beiden Sch?sse krachten, von denen einer der Araber verwundet wurde.

Fort! schrie Abu el Mot, der sich unter den Entkommenen befand. La?t die Bestien liegen, denn die Schejatin sind hinter uns her!

Und als Schwarz nun auch die beiden Sch?sse seines andern Gewehres abgab, war kein Halten mehr. Die um f?nf Menschen und Tiere verringerte Gum flog davon, in die Nacht hinein.

Schwarz n?herte sich vorsichtig den Tieren, da leicht ein Feind hinter denselben sich versteckt haben konnte. Er ?berzeugte sich jedoch bald, da? dies nicht der Fall war. Die f?nf S?ttel lagen daneben, ebenso mehrere Kirban und Dattels?cke.

Da nicht anzunehmen war, da? die Gum zur?ckkehren werde, so lie? der Deutsche die Tiere samt diesen Gegenst?nden liegen und eilte dem Felsen wieder zu. Die Folgen des Hiebes, den er kurz zuvor erhalten hatte, waren ?berwunden und sein Kopf wieder leicht und frei wie vorher.

Die Dschelabi standen bei den vier Gefesselten, welche sich noch nicht regten.

Sind noch Stricke, Riemen oder Schn?re vorhanden? fragte Schwarz.

Genug, Herr, antwortete der Slowak. Ein Dschelabi hat deren stets in seinen Taschen.

So binden wir jetzt auch die Homr.

Wenn sie es sich gefallen lassen!

Versuchen wir es.

Er ging wieder an die Ecke. Die Homr standen noch immer wartend am Feuer. Sie hatten die Sch?sse und das Geschrei geh?rt und sagten sich, da? der ?berfall nicht in der gew?nschten und auch erwarteten Weise verlaufen sei; aber wie die Angelegenheit stand, das vermochten sie sich nicht zu sagen, da sie nicht hatten sehen k?nnen, was geschehen war. Nur das war ihnen gewi?, da? der Deutsche und die Dschelabi nicht geschlafen, sondern sich verteidigt hatten. Wer aber war da Sieger geblieben? Die Klugheit riet ihnen, sich entfernt zu halten und das Kommende abzuwarten.

Sie konnten nicht bis zur zweiten Lagerst?tte, wo das Feuer nicht mehr brannte, sehen, doch war alle ihre Aufmerksamkeit nach dieser Gegend gerichtet. Da sahen sie den verha?ten Deutschen von dort herkommen. Er hatte seine Gewehre zur?ckgelassen. Seine Absicht war, sich zun?chst des Schechs zu bem?chtigen.

Habt ihr das Schie?en geh?rt? fragte er in hastiger Weise.

Ja, antwortete der Schech. Wer ist es gewesen, und was hat es gegeben?

Wei? ich es? Ich erwachte von dem L?rm und sah, da? die Dschelabi nicht mehr da waren. Ich suchte nach ihnen und h?rte Sch?sse im Osten von hier. Ihr seid wach gewesen und m??t also besser als ich wissen, was sich ereignet hat.

Nichts wissen wir, gar nichts, Effendi! Wir glaubten die Sch?sse k?men aus euren Gewehren und es sei abermals ein L?we erschienen.

Dann m??te er die Dschelabi mit Haut und Haar verschlungen haben, da sie vom Lagerplatze verschwunden sind. Nein, es mu? etwas andres gegeben haben. Willst du nicht einmal mit mir nachsehen?

Ja, sogleich, ich komme mit.

Es war gegen alle seine W?nsche, den Deutschen noch am Leben zu sehen. Wo waren die Dschelabi, und wo waren die M?nner der Gum? Er brannte vor Begierde, es zu erfahren; darum ging er so bereitwillig auf den Vorschlag des Gelehrten ein.

Die beiden entfernten sich nach der erstgenannten Felsenecke hin. Als sie um dieselbe bogen, erblickte der Schech die Dschelabi, und es entfuhr ihm die unvorsichtige Frage.

Da sind sie ja! Wo aber ist die Gum?

Die Gum? antwortete Schwarz. Du gibst also zu, von ihr zu wissen! F?r so aufrichtig habe ich dich nicht gehalten.

Die Gum Effendi die Gum ist ist ist ich habe stotterte er.

Schon gut! Bindet ihn!

Indem er diesen Befehl gab, fa?te er ihn mit beiden H?nden am Halse und dr?ckte ihm die Kehle so zusammen, da? der Homr keinen Laut aussto?en konnte. Es wurden demselben sofort Riemen um die H?nde und F??e gebunden, worauf man ihn auf die Erde legte.

Jetzt rief Schwarz den erwartungsvoll am Feuer stehenden Homr zu:

Suef el Abalik soll schnell hierher zum Schech kommen!

Er kannte die Namen s?mtlicher Homr und war ?berzeugt, da? der Genannte dem Rufe folgen werde. Damit derselbe nicht durch den Schech gewarnt werden k?nne, kniete der kleine Slowak bei dem letzteren nieder, setzte ihm die Spitze seines Messers auf die Brust und drohte:

Gieb einen Laut von dir, so ersteche ich dich!

Der Bedrohte wagte kaum zu atmen, und zwar nicht infolge dieser Drohung allein, sondern weit mehr noch vor Schreck ?ber die Behandlung, welche ihm so unerwartet widerfahren war.

Suef kam. Mit ihm wurde kein ?berfl?ssiges Wort gewechselt, sondern Schwarz nahm ihn gleich, als er um die Ecke bog, bei der Gurgel. Er wurde zu Boden geworfen und gebunden. Ebenso erging es einem dritten, den Schwarz noch herbeirief.

Nun befanden sich nur noch drei Homr am Feuer, deren schnelle ?berw?ltigung nicht schwierig war. Zwei Dschelabi blieben bei den Gefangenen. Mit den ?brigen sechs ging Schwarz nach dem Feuer, wo je zwei von ihnen, ohne ein Wort zu sagen, einen Homr ergriffen. Dieselben waren so ?berrascht, da? sie fast gar nicht an Gegenwehr dachten. Einige zornige Fragen ihrerseits und einige kr?ftige Hiebe, welche sie vor die K?pfe erhielten, dann schlangen sich die Fesseln auch um ihre Arme und Beine.

Man lie? sie am Feuer liegen und schaffte dann die ?brigen Homr nebst den vier Gumleuten herbei. Diese letzteren lebten, doch thaten sie, als ob sie noch bet?ubt seien; aber man sah, da? sie zuweilen die Augen ein wenig ?ffneten, um die M?nner zu betrachten, denen sie in die H?nde gefallen waren.

Nun schickte Schwarz drei Dschelabi ab, um den Verwundeten oder vielleicht auch Toten zu holen, welcher von der Kugel des Slowaken getroffen wurde. Als sie ihn daher brachten, zeigte es sich, da? er schwer verwundet war. Die Kugel hatte ihm den rechten Oberschenkelknochen zerschmettert, und Schwarz machte sich daran, das Bein so gut, wie die Umst?nde es erlaubten, zu verbinden.

Das alles geschah, ohne da? mehr als das Allernotwendigste gesprochen wurde. Die Gefangenen zumal zogen es vor, gar kein Wort h?ren zu lassen, wohl zumeist aus dem Grunde, weil der Schech sich schweigend verhielt.

Indem Schwarz das Lager in der Obhut der ?brigen hinterlie?, begab er sich nun mit vier Kr?mern nach dem Lagerplatze der Gum, um die Kamele und die bei denselben liegenden Gegenst?nde herbeizuholen. Als dies geschehen war, wurde einer der Dschelabi als Wache ausgestellt. Dies geschah, weil anzunehmen war, da? Abu el Mot sich wohl nicht allzu weit entfernt haben werde; er konnte wohl gar auf den Gedanken kommen, bez?glich seiner ?berw?ltigten Gef?hrten einen Befreiungsversuch zu unternehmen.

Als so alles N?tige geschehen war, setzten sich die Sieger um die Besiegten, und nun glaubte der Schech die Zeit sei gekommen, endlich ein Wort der Aufkl?rung zu verlangen.

Allah ist unerforschlich; ihn darf kein Mensch fragen, sagte er. Von euch aber m?chte ich erfahren, weshalb ihr mich und meine Leute ?berfallen und gebunden habt!

Das wei?t du ebenso genau wie wir, antwortete Schwarz.

Nichts wei? ich, gar nichts!

Es geschieht euch viel weniger, als uns geschehen sollte. Wir sollten ?berfallen und get?tet werden; ihr aber seid nur ?berfallen und gefesselt worden.

Wer hat euch t?ten wollen?

Die Gum, von welcher du selbst gesprochen hast.

Ich wei? nichts von ihr!

L?ge nicht! Mein Tod war l?ngst beschlossen. Warum kamst du an unser Lager und hast meinen Arm ergriffen, um dich zu ?berzeugen, ob ich schlief? Wozu hattest du dann die Gum aufgesucht und die M?nner derselben hierher gef?hrt?

Allah akbar Gott ist gro?! war alles, was der Schech darauf antwortete. Er wu?te nun, da? man ihn ?berf?hren k?nne. Dennoch versuchte er, sich aufs Leugnen zu verlegen, indem er in fingiertem Zorne ausrief:

Wer hat mich verleumdet? Wir sind deine Besch?tzer gewesen und m?ssen Dank erwarten. Anstatt dessen schl?gst du uns in Banden und redest uns ?bles nach. Wir sind freie Beni Arab. Wer hat euch Gewalt ?ber uns gegeben? Und wer hat dich zum Richter ?ber uns gesetzt? Ich fordere, da? du uns unverweilt die Freiheit wiedergibst!

Das kann ich nicht, eben weil nicht ich dein Richter bin. Dein Schicksal steht nicht in unsern H?nden, sondern in der Hand des Mudir von Faschodah, dem wir dich morgen oder vielmehr heute ?bergeben werden.

Allah kerihm Gott ist gn?dig! rief der Schech erschrocken. Der Mudir ist aber unser Feind.

Er wird alle Veranlassung dazu haben, da er der Feind jedes Ungerechten ist. Seiner Hand wirst du nicht entgehen, selbst wenn du eure heilige Fathha und eure Sure Jesin betest. Macht ja keinen Versuch, euch zu entschuldigen oder gar zu rechtfertigen; er w?rde euch nichts n?tzen! Es werden weder Drohungen noch Bitten mich abhalten, euch dem Mudir zu ?berantworten. Er wird unsre Anklage und eure Verteidigung h?ren und dann sein Urteil sprechen.

Bedenkt, da? ihr der Rache des ganzen Stammes Homr verfallt!

Ich verachte den Stamm, dessen Schech sich feig verkriecht, wenn der L?we br?llt, w?hrend arme Dschelabi den Mut haben, den Herrn des Donners zu t?ten.

So f?rchte wenigstens Abu el Mot, den Gewaltigen!

Wie soll ich ihn f?rchten, der vor mir davongelaufen ist! Er hat vor lauter Angst sogar vergessen, seine Kamele mitzunehmen. Gib dir keine M?he!

Der Schech gab sich noch weitere M?he, Schwarz zu bewegen, die Gefangenen freizugeben, doch vergeblich. Er wendete sich endlich mit einem grimmigen Fluche ab. Keiner der andern hatte ein Wort gesprochen. Sie sahen die feste Entschlossenheit des Deutschen und f?gten sich mit verhaltener Wut in ihre Lage. Jedenfalls hegten sie die Hoffnung, da? Abu el Mot kommen werde, sie zu befreien.

Diese Erwartung schien berechtigt zu sein, denn die ausgestellte Wache kam nach einiger Zeit herbei, um zu melden, da? sie eine Hy?ne gesehen habe, welche aber vielleicht ein Mensch gewesen sei. Schwarz machte sich sogleich auf, dem Manne mit dem Vater der elf Haare zu folgen. Er f?hrte sie an die betreffende Stelle, an welcher aber nichts mehr zu sehen war.

Schwarz entschlo? sich, mit dem Ungar den Felsen in weitem Kreise zu umgehen. Indem sie das thaten, erblickten sie, als sie eine Strecke gegangen waren, wirklich eine tierartige Gestalt, welche sich zwischen ihnen und dem Felsen befand. Sie hatte ihre Aufmerksamkeit wahrscheinlich ganz auf den letzteren gerichtet und sah die beiden nicht, welche hinter ihr standen.

Soll ich diese neugierige Dibb erschie?en? fragte Stephan, indem er das Gewehr erhob.

Nein, denn es scheint auch mir, da? es ein Mensch ist, der auf H?nden und F??en geht, um einen etwaigen W?chter zu t?uschen. Kriechen wir auf die Gestalt zu! Sie bewegt sich langsam nach der Ruine hin. Vielleicht blickt sie sich nicht um, bis wir nahe genug sind, sie zu ergreifen. W?re es eine Hy?ne, so w?rde sie uns schon gewittert haben.

Sie legten sich auf die Erde, und da sie sich schneller als die geheimnisvolle Gestalt bewegten, so kamen sie ihr rasch n?her. Es war ein Mensch, jedenfalls zu der Gum geh?rig, welcher den lichten Ha?k abgelegt hatte. Er ahnte keine Gefahr hinter sich und achtete nur auf den Felsen, den er zu gewinnen trachtete.

Die beiden kamen ihm bis auf zehn oder zw?lf Schritte nahe. Da erhob sich der Ungar, sprang auf ihn zu und warf sich mit solcher Gewalt auf ihn, da? er ?ber ihn hinwegst?rzte und im Festhalten einen ganz regelrechten Purzelbaum schlug. Der Mann ri? sich los, sprang auf, um zu entfliehen, lief aber dem Deutschen in die H?nde, der ihn packte und ihm die Ellbogen r?ckw?rts auf den R?cken zog.

Eine Schnur zum Binden! rief Schwarz dem Kleinen zu.

Ich habe keine mehr, antwortete derselbe, indem er aufstand.

So zieh mir das Mendil aus der Tasche!

Dies geschah. Der Mann versuchte zwar, sich zu wehren, aber das hatte bei der Riesenst?rke des Deutschen keinen Erfolg. Er wurde an den Armen gebunden; die Beine lie? man ihm frei, da er nach dem Lager zu gehen hatte.

Wer sendet dich? fragte ihn Schwarz. Als er keine Antwort erhielt, setzte er ihm den Revolver an das Ohr und drohte: Rede, oder ich schie?e!

Abu el Mot, stie? nun der Mann widerwillig hervor.

Du solltest unser Lager auskundschaften?

Ja.

Wo befindet sich der Rest der Gum? Sage die Wahrheit, sonst ist es doch um dich geschehen! Ich werde mich ?berzeugen.

S?dw?rts von hier.

Wie weit?

Zehn Flintensch?sse.

Gut, vorw?rts!

Man kann sich die Wut der Homr denken, als sie den neuen Gefangenen erblickten. Ihre Hoffnung auf Rettung mu?te bis auf ein Minimum verschwinden. Der Mann wurde gleichfalls an den F??en gebunden und zu den andern gelegt.

Schwarz gab einen Schu? ab, den Abu el Mot gewi? h?ren mu?te. Derselbe sollte denken, da? die Kugel seinem Sp?her gegolten habe. Dann brach er mit Hadschi Ali und dem Ungar, welche er f?r die Mutigsten hielt, auf, um nach der Gum zu suchen. Der Vater des Gel?chters lieh sich dazu das Gewehr eines seiner Genossen.

Als sie, stracks nach S?den gehend, die angegebene Entfernung zur?ckgelegt und noch nichts gesehen hatten, schlugen sie einen rechten Winkel, und bald zeigte es sich, da? sie das Richtige getroffen hatten, denn w?hrend sie ohne Burnus gingen und also nur schwer gesehen werden konnten, sahen sie bald die Ha?ks der Araber schimmern.

Sie n?herten sich denselben so viel wie m?glich und schossen dann ihre Gewehre ab, weniger um sie zu treffen, als vielmehr, um sie in die Flucht zu jagen, was ihnen auch vollst?ndig gelang.

So! Die kommen nun nicht wieder! lachte der Slowak.

Und senden auch keinen Sp?her wieder aus, stimmte Hadschi Ali bei, denn wir w?rden denselben gewi? auch fangen. Allah ist uns gn?dig gewesen, und wir haben ?ber einen gef?hrlichen Feind gesiegt.

Du aber nicht, denn du h?ttest fast unsern besten Freund erschlagen, antwortete der Ungar. Auf dich werden keine Heldenlieder gedichtet.

Etwa auf dich, du Vater des gr??ten L?wenmaules? Kennst du von all meinen V?lkern und D?rfern nur ein einziges beim Namen?

Ich mag diese Namen gar nicht wissen, da sie die Augen so sehr tr?ben, da? man diesen Effendi f?r einen R?uber h?lt. Du hast noch niemals einen so gro?en Beweis deiner Klugheit gegeben wie vorhin, da du ihn fast erschlugst.

Haltet Frieden! gebot der vor ihnen her schreitende Deutsche. Auch du, Ibn el Dschidri, hast eine gro?e Dummheit begangen.

Ich? fragte der Slowak verwundert.

Ja. Ihr habt nichts voreinander voraus.

Welche Dummheit sollte das gewesen sein?

Ich wollte Abu el Mot ergreifen; aber dadurch, da? du nicht auf meinen Befehl wartetest, sondern zu zeitig losbrachest, hast du es unm?glich gemacht. Du h?ttest die Leute noch einige Schritte weitergehen lassen sollen.