Karl May.

Die Sklavenkarawane





Diese Erkl?rung war nun folgende:

Als der unternehmende Vater der elf Haare, ganz erpicht darauf, einmal auf eigene Rechnung den Helden zu spielen, das Loch passiert hatte, wendete er sich, gerade wie vor ihm Schwarz und Pfotenhauer, nach rechts, dem Damme zu. Sie krochen denselben hinauf und kamen gerade oben an, als Abd el Mot vom Zelte her an derselben Stelle anlangte. Der kleine Slowak richtete sich auf und fragte ihn:

Wer bist du?

Ich bin Abd el Mot. Und ihr, was treibt ihr schwarzen Hunde euch hier umher! Ich werde

Er konnte seine Drohung nicht vollenden, denn der Kleine sprang ihm an die Kehle, krallte ihm beide H?nde um den Hals, dr?ckte denselben aus Leibeskr?ften zusammen, ri? den Gegner zu Boden und sagte zu seinen zwei Gef?hrten:

Haltet ihn; ich h?mmere ihm den Kopf.

Das hatte nat?rlich nicht geschehen k?nnen, ohne da? die W?chter darauf aufmerksam wurden. Sie erhoben sich von der Erde und schauten nach der betreffenden Stelle. Abd el Mot hatte wirklich die Besinnung verloren.

Das ist ein Fang! meinte der Kleine. Schleifen wir ihn nach dem Loche. Dann kehren wir zur?ck.

Sie fa?ten den Ohnm?chtigen an und zogen ihn fort. Als die W?chter das sahen, rief einer von ihnen die Gruppe an, und da dies keinen Erfolg hatte, so scho? er sein Gewehr ab, gl?cklicherweise ohne da? die Kugel traf. Nun rannten die sechs Sklavenj?ger den dreien nach. Diese letzteren aber waren trotz ihrer Last so behend, da? sie eher am Verhau ankamen. Die Verfolger kehrten also um und rannten gegen Schwarz und Pfotenhauer, um von diesen noch viel energischer in die Flucht getrieben zu werden.

Als die beiden letztgenannten dann auch die L?cke passiert hatten, gebot Schwarz, schnell das Feuer anzuz?nden. Der Slowak erkannte ihn an der Stimme und rief triumphierend:

Seinte Sie auch schonte da? Hatt wohl nichts gefangte? Ich hatt gefangte einen Feind, ber?hmten und geklopfte ohnm?chtigen.

Wen denn? fragte Schwarz.

Abd el Mot. Wernte gehen wieder und fangte auch Abu el Mot, miserabligten.

Sind Sie bei Troste?

Ich hatt viel Getroste und viel Verwegtenheit. Ich hatt ihn packte bei Gurgel, atemholigter, und ihn w?rgte bis ohne Besinnigtung und ihn schaffte dann hieher.

Ist das m?glich! Du h?ttest wirklich Abd el Mot?

Sie kann glaubte es. Es seinte Abd el Mot, wirklichter und wahrhaftigkeitlichter.

Teufelskerl! Das konnte dir und uns auch schlecht bekommen. H?rst du das Br?llen und Heulen da hinten in der Schlucht? Daran bist du allein schuld! Macht schnell Feuer!

Die Flamme leuchtete auf. Ihr Schein fiel auf das Gesicht Abd el Mots. Die drei, welche ihn gefangen hatten, standen neben ihm. Der Sohn des Geheimnisses sah das Gesicht mit den jetzt geschlossenen Augen, das einzige Gesicht, welches sein Ged?chtnis aus fr?her Jugendzeit festgehalten hatte.

Ebrid Ben Lafsa el Bagirmi! schrie er auf. Ich erkenne ihn; er ist es; er ist Ebrid Ben Lafsa, der von meinem Vater gefunden und gerettet wurde!

Da rief eine Stimme in der N?he:

Wer ruft diesen verfluchten Namen? Wer von euch kann ihn kennen?

Es war der Elefantenj?ger, welcher diese Frage aussprach.

Der Sohn des Geheimnisses blickte ihm starr in das Gesicht und antwortete:

Ich bins gewesen. Wer aber bist du? Bist du etwa der Mann, den sie Sejad ifjal, den Elefantenj?ger nennen? Bist du Barak el Kasi, der Emir von Kenadem?

Ich bin es.

Oh Allah, Allah, Allah! Er ists, mein Vater, mein Vater!

Die fr?here Furcht vor seinem Vater, die Abneigung gegen denselben, welche er zuweilen ge?u?ert hatte, war pl?tzlich verschwunden. Er flog auf ihn zu und warf sich an seine Brust.

Du du mein Sohn? W?re es m?glich? Th?te Allah mir zuliebe solch ein Wunder? fragte der Emir ganz fassungslos.

Ich bin es, ich bin es. Glaube es doch nur gleich! Sp?ter werde ich es dir erkl?ren.

Ich glaube es; ich glaube es gern! Hamdulillah! Nun bin ich nicht mehr Bala-Ibn, der Vater ohne Sohn. Nun ist mir die Heimat nicht mehr verschlossen; mein Schwur ist erf?llt, und ich darf zur?ckkehren in das Land meiner V?ter und nach Kenadem, der Heimat meiner Familie!

Ja, nach Kenadem, nach Kenadem! Nimm mich mit! Warst du Bala-Ibn, so war ich Bala-Ab, der Sohn ohne Vater. Nun haben wir uns gefunden; nun haben wir uns wieder, und nichts, nichts soll uns mehr trennen!

Die beiden hielten sich umschlungen und hatten weder Auge noch Ohr f?r die ?brigen. Diese Scene h?tte zu einer andern Stunde gewi? das Mitgef?hl aller auf das lebhafteste in Anspruch genommen; jetzt aber war man zu sehr mit andrem besch?ftigt.

Sobald die Flamme hell genug aufloderte, da? man sich gegenseitig erkennen konnte, eilte Emil Schwarz auf seinen Bruder zu, um ihn zu umarmen, wozu bis jetzt keine Zeit gewesen war. Er dr?ckte ihn an sich, k??te ihn wiederholt herzlich, dr?ckte ihn abermals an sich, schob ihn dann von sich ab, um das liebe Gesicht recht deutlich vor sich zu haben, rief aber erschrocken aus:

Alle Wetter, Joseph, was ist mit dir? Wie siehst du aus?

Wie soll ich denn aussehen? Doch wohl wie sonst, wie gew?hnlich! antwortete Joseph, der vor den Z?rtlichkeiten Emils noch gar nicht zu Worte hatte kommen k?nnen.

Nein, ganz und gar nicht wie sonst. Diese Faulflecke hast du fr?her nicht in deinem Gesicht gehabt. Du scheinst bei diesem Abd el Mot eine ganz verwahrloste Behandlung

Ist es das? unterbrach ihn der Bruder lachend. Hat dieser Mensch sich das Gesicht und den ganzen K?rper mit Ru? bestrichen, umarmt und k??t mich ein Dutzendmal und wundert sich dann noch, da? ich schwarzfleckig geworden bin! Kerl, das ist stark!

Ah, ja! Ich hab vor Entz?cken ?ber das Wiedersehen und deine Rettung den ganzen Ru? vergessen. Da steht unser Pfotenhauer. Sehe ich etwa auch so schrecklich aus wie er?

Da dr?ngte sich der Vater der elf Haare herbei und rief:

Schaunte an auch Gesicht, meinigtes. Seinte ich nicht auch Neger, schwarzer und wirklicher?

Schwarz und Pfotenhauer brachen in ein wirklich ersch?tterndes Gel?chter aus, was bei dem Aussehen des Kleinen auch gar kein Wunder war. Und nun schob sich der Vater des Gel?chters heran, zog sein geschw?rztes Gesicht in die l?cherlichsten Falten und sagte:

Auch ich war dabei, Hadschi Ali; ich habe diesen Abd el Mot mit gefangen genommen.

Ihr beide also. Aber ich habe ja drei Personen gesehen. Wer war denn der dritte?

Abd es Sirr, welcher dort steht.

Er deutete nach der Stelle, auf welcher der Genannte sich befand. Sein Vater hatte ihn bei den Schultern gefa?t, hielt ihn weit von sich ab und rief eben jetzt im Tone schmerzlichster Entt?uschung aus:

Ich habe von Aswad, meinem Freunde erfahren, da? ich meinen Sohn finden werde. Du gabst dich f?r denselben aus und da das Feuer noch nicht hell brannte, so erkannte ich dein Gesicht nicht deutlich und glaubte dir. Nun aber sehe ich, da? du dich t?uschest. Du bist ein Neger; mein Sohn aber tr?gt das reinste arabische Blut in seinen Adern. Seine Farbe mu? heller als die meinige sein.

Das ist sie auch, erkl?rte Emil Schwarz. Er hat sich mit Ru? bestrichen, um als Neger sich zu dir zu schleichen und dich zu retten.

Wie? fragte der Emir. Das thatest du? In solche Gefahr begabst du dich, um deinen Vater zu befreien? Nun gibt es keinen Zweifel mehr; du bist mein Sohn. Allah hat dich mit der K?hnheit deines Vaters ausgezeichnet. Komm nochmals an mein Herz!

Er wollte ihn abermals umarmen, lie? ihn aber los, that einen Sprung zur Seite und rief:

Halt, da will einer fliehen, gerade der Sohn der H?lle, dem wir alles Leid verdanken! Bleib bei uns, Hund, da? ich dich unter meinen F??en zertreten kann wie einen Akrab, dessen Gift den Getroffenen t?tet!

Abd el Mot war wieder zu sich gekommen, hatte bemerkt, da? er gerade jetzt nicht beobachtet wurde, und diese Gelegenheit benutzt, sich davonschleichen zu wollen. Der Emir ergriff ihn und warf ihn mit solcher Gewalt zu Boden, da? man h?tte meinen m?gen, es seien ihm alle Knochen zerbrochen.

Ja, wollen nicht nachl?ssig sein, meinte Emil Schwarz. Diese beiden Kerls sind zu kostbar f?r uns, als da? es uns einfallen sollte, ihnen Gelegenheit zum Entkommen zu geben. Bindet sie fest, meinetwegen so fest, da? ihnen das Blut aus den Gliedern spritzt! Aber horcht doch nach dort hinten! Dort geht es schrecklich her. Ich glaube, da h?lt die Vergeltung eine entsetzliche Ernte.

Das Br?llen und Heulen war jetzt so stark geworden, da? man gar nicht vermochte, einzelne Stimmen und T?ne zu unterscheiden. Wenn man durch die L?cke des Verhaues blickte, so sah man nichts als dunkle, gespenstige Schatten, welche einander am hell lodernden Feuer vor?berjagten.

Man hatte bis jetzt zu sehr mit sich selbst zu thun gehabt; nun aber richtete man die Aufmerksamkeit auf das, was in der Schlucht vorging. Deutlich freilich konnte man nichts erkennen, doch au?er jenen zahlreichen, bewegten heulenden Schatten sah man zuweilen zwei Gestalten n?her kommen, von denen die eine die andre jagte. Das Resultat war stets, da? die eine zu Boden geschlagen wurde und die andre dann in eiligem Laufe nach dem Kampfplatze zur?ckkehrte.

Was sollen wir thun? M?ssen wir nicht eingreifen? fragte Pfotenhauer.

Das w?rde vergeblich sein, antwortete Joseph Schwarz. Ist der Neger einmal losgelassen, so l??t er sich nicht eher wieder anketten, bis seine Kraft aufgerieben ist.

?brigens w?rden wir das ?bel ?rger machen, da es f?r uns ganz unm?glich ist, den Freund vom Feinde zu unterscheiden.

Er hatte vollst?ndig recht; das mu?te man einsehen, und darum lagerte man sich um das Feuer, um den Ausgang des Kampfes abzuwarten.

Nach und nach wurde das Heulen schw?cher. Nur vereinzelt noch ert?nte ein schriller Todesschrei und der darauf folgende Jubelruf des Siegers. Endlich wurde es still, und man sah eine Masse schwarzer Gestalten, welche zusammengedr?ngt standen und wohl eine Beratung hielten. Eine derselben trennte sich vom Haufen, kam n?her und kroch durch das Loch. Es war Lobo.

Nun, fragte Pfotenhauer, was hast du zu berichten?

Tot, antwortete der Schwarze einfach.

Wer?

Alle.

Wen meinst du denn?

Alle Sklavenj?ger. Lebt keiner mehr.

Entsetzlich! Das hatten wir freilich nicht beabsichtigt. Wie ist das denn gekommen?

Lobo schleichen mit Tolo hinein und werden nicht gesehen. Kommen zu arm, gut Belandaneger; alle gebunden, schneiden aber alle ab und warten. Da fallen ein Schu? und fallen noch zwei Schu?; nun also Zeit. Neger werfen weg Fesseln und st?rzen sich auf J?ger, w?rgen sie mit Hand tot, erschlagen sie mit Sklavengabel, erstechen sie mit eigen Messer, bis tot sind, alle tot!

Das ist ja ein reines Abschlachten gewesen! Ein wahres Wunder, da? die Angegriffenen nicht Zuflucht bei uns gesucht haben.

K?nnen nicht; Neger sich stellen in Weg, lassen nicht vor?ber.

Aber euch mu? es doch auch viele Opfer gekostet haben!

Viele tot auch und verwundet, sehr viele; aber Sklavenraub ger?cht. Werden nicht wieder fangen arm Belandaneger!

Hat man dich zu uns geschickt?

Ja. Soll hergehen und sagen, da? Kampf zu Ende. Freund soll kommen und Hand dr?cken tapfer und dankbar Neger.

Wir werden kommen. Habt ihr jetzt sonst dringende W?nsche? Habt ihr Hunger?

Kein Hunger. Abu el Mot bei sich viel Fleisch und Mehl. Neger es tragen m?ssen, nun es essen werden.

Er kehrte zu seinen Landsleuten zur?ck. Die Deutschen und ihre Freunde folgten ihm. Sie wurden von den Negern mit brausendem Jubel empfangen. Lobo hatte erz?hlt, was man diesen fremden M?nnern zu verdanken hatte. Die Beschreibung des Kampfplatzes ist geradezu unm?glich; er war eine St?tte des vollendeten Grauens und ganz unm?glich ein weiterer Aufenthalt f?r die ?berlebenden. Auf den Rat der Wei?en zogen die Neger, nachdem der Verhau beseitigt worden war, aus der Schlucht heraus aufs freie Feld, um dort zu kampieren. Man mu?te Abu und Abd el Mot einstweilen vor ihnen verstecken, sonst w?ren beide zerrissen worden.

Nat?rlich bek?mmerten sich die Wei?en um das, was die befreiten Schwarzen nun zu thun beabsichtigten. Diese wollten fr?h aufbrechen und in die Heimat zur?ckkehren. Sie hatten schon jetzt alles, was die Karawane bei sich f?hrte, auch die Tiere, mit sich aus der Schlucht genommen. Ganz so, wie Schwarz vermutet hatte, waren die geraubten Herden und alle andern nicht leicht beweglichen Gegenst?nde unter der Bedeckung von f?nfzig Mann zur?ckgeblieben. Die Neger kannten den Ort und waren nat?rlich entschlossen, sich w?hrend des R?ckmarsches wieder in den Besitz dieses ihres Eigentums zu setzen. Wehe dann den f?nfzig Sklavenj?gern! Sie waren verloren, besonders da die Schwarzen sich die Waffen der J?ger angeeignet hatten.

Es ist wirklich grauenhaft, sagte Emil Schwarz, als sie wieder am Feuer sa?en. Gegen f?nfhundert Menschen tot! Aber die Sklavenjagden werden f?r lange Zeit eine Unterbrechung erleiden. Das ist die gl?ckliche Folge dieser entsetzlichen Nacht.

Ich bedauere die Kerls nicht, denn ich bin ihr Gefangener gewesen, antwortete sein Bruder. Ich wei?, was f?r Teufels sie waren. Und wer hat sie dazu gemacht? Wer allein tr?gt die Schuld an dem heutigen Massenmorde? Die beiden Halunken, welche da bei uns liegen und gar noch die Frechheit haben, einander durch Blicke Zeichen zu geben, welche wir nicht verstehen.

Sie sind nicht wert, von uns angesehen zu werden. Bindet sie dort an den Baum, damit sie uns aus den Augen kommen!

Sein Bruder wollte Einspruch erheben; Emil aber sagte ihm in deutscher Sprache, w?hrend sie sich jetzt der arabischen bedient hatten, so da? sie von den Gefangenen verstanden worden waren:

La? mich nur machen! Ich habe meine Absicht dabei. Ich bemerkte wohl, da? sie sich Winke geben, die wir nicht verstehen. Ich will aber wissen, was sie einander mitzuteilen haben. Schaffe sie also nach dem Baume und binde sie so an, da? sie sich nicht bewegen, wohl aber miteinander sprechen k?nnen. Ein Soldat soll sie bewachen, sich aber so entfernt von ihnen niedersetzen, da? sie wissen, er k?nne sie nicht h?ren. Indessen schleiche ich mich in ihre unmittelbare N?he und belausche sie.

Dieser Plan ist nicht so ?bel. Also fort mit ihnen!

Man hatte die Gefangenen erst vor den Negern versteckt, dann wieder an das Feuer bringen lassen. Jetzt wurden sie nach dem von Schwarz bezeichneten Baume geschafft, neben welchem ein Busch stand. W?hrend man sie dort festband, kroch Schwarz hinzu und legte sich unter diesen Strauch. Er war ihnen so nahe, da? er sie mit dem Kopfe h?tte sto?en k?nnen, mu?te sie also verstehen, selbst wenn sie nur im Fl?stertone sprachen. ?brigens durften sie, da sie an den einander entgegengesetzten Seiten des Baumes angebunden wurden, nicht allzu leise sprechen, wenn sie einander verstehen wollten. Bis hin zum Feuer konnten sie nicht blicken und also auch nicht sehen, da? Schwarz sich nicht mehr bei demselben befand. Der W?chter sa? in der geeigneten Entfernung. Als sie nun glaubten, allein zu sein, sagte Abd el Mot leise:

Welch ein Tag! Der ungl?cklichste meines Lebens. Heute ist die H?lle los, und diese Deutschen sind die Obersten des Teufels. Wie konntest du dich ergreifen lassen?

Und wie du dich? antwortete Abu el Mot zornig.

Es fielen auf dem Damme drei ?ber mich her.

Und mich ergriffen sie gar im Zelte, in welches sie sich geschlichen hatten. Die W?chter m?ssen geschlafen haben. Nun sind sie tot und haben ihren Lohn. Allah lasse sie in Ewigkeit auf einer rollenden Kugel sitzen, da? sie nie mehr die S??igkeit des Schlafes schmecken!

Sie erz?hlten nun einander, wie es bei ihrer Ergreifung zugegangen war und dann zischte Abu el Mot in grimmig:

Verflucht sei der Tag, an welchem ich mich entschlo?, mit diesem Vater der vier Augen anzubinden! Er ist ein Gelehrter, und da diese Leute ihren Verstand stets nur in den B?chern und nirgends sonst anders haben, so glaubte ich, leicht mit ihm fertig zu werden. Bei Allah, es ist ganz anders gekommen! W?re er mir nur damals entgangen, so wollte ich nicht mehr daran denken; aber er ist mir gefolgt und hat mich vollst?ndig zu Schanden gemacht.

Vollst?ndig?

Ja.

Das nicht.

Gewi?! Ich bin verloren. Was bleibt mir noch?

Das Geld.

Habe ich es denn? Kann ich es mir holen? Und wenn ich es h?tte, was k?nnte ich damit thun? Ich m??te diese ganze Gegend f?r immer meiden und mich nach einem so fernen Ort wenden, da? kein Mensch mich kennt und auch kein Bekannter hinkommen kann. Aber nicht einmal dies bleibt mir ?brig.

H?ltst du unsre Lage wirklich f?r so hoffnungslos?

Die meinige allerdings. Wei?t du, was mit mir geschehen soll?

Nein.

Dieser deutsche Hund will mich dem Ali Effendi in Faschodah ausliefern.

Dem Vater der F?nfhundert? Oh Allah! Thut er das wirklich, so bist du verloren.

Ja, ich werde einfach zu Tode gepeitscht wie meine Homr, welche der Vater der vier Augen gefangen genommen und nach dort abgeliefert hatte.

Vielleicht ists nur eine Drohung?

Nein, es ist sein v?lliger Ernst.

So ist noch immer Hoffnung vorhanden. Bis hinab nach Faschodah braucht man eine lange Zeit, und da wird sich wohl eine Gelegenheit zur Flucht ergeben.

Das glaube ja nicht! Man wird mich so gut verwahren und so unausgesetzt bewachen, da? an ein Entkommen nicht zu denken ist. Es gibt nur eine einzige M?glichkeit, die Freiheit wieder zu erlangen.

Welche?

Nicht unterwegs, sondern erst in Faschodah, wenn ich an den Vater der F?nfhundert ausgeliefert worden bin. Er liebt die Gerechtigkeit, noch mehr aber das Geld. Verstehst du mich?

Ja. Du willst dich loskaufen. Dann aber mu?t du ihm den Ort mitteilen, wo du es aufbewahrst!

F?llt mir nicht ein! Er w?rde es holen und mich dennoch totpeitschen lassen. Nein, ich bedarf eines Vertrauten, welcher ihn bezahlt, erst die H?lfte und dann, wenn ich frei bin, das ?brige.

Dieser Vertraute fehlt dir aber.

Nein, ich habe ihn.

Wer ist es?

Du bist es.

Aber ich habe kein Geld und bin selbst gefangen.

O, dich wird man ein wenig pr?geln und dann freilassen, denn du bist nur mein Untergebener gewesen und hast also nicht meine Verantwortung.

Denke an den Elefantenj?ger! Es ist mehr als Blutrache, was er gegen mich hat.

Er hat seinen Sohn wieder und im Entz?cken dar?ber wird er dir verzeihen. Bitte ihn nur dem?tig; weine und heuchle Reue! Dann stehen diese deutschen Christen dir sicher bei und legen ein gewichtiges F?rwort ein.

Ach, wenn sie das th?ten, w?re ich allerdings gerettet! Dieser Rat ist gut.

Sie thun es gewi?, wenn du dich recht reum?tig zeigst. Sage ihnen meinetwegen, da? du Christ werden willst. Glauben sie das, so bist du sicher frei. Dann gehst du nach der Seribah und holst das Geld.

Ich wei? nicht, wo es liegt.

Ich werde es dir sagen. Ich wei?, da? du mir treu bist, mich nicht betr?gen und alles thun wirst, mich zu retten. Willst du mir das zuschw?ren?

Ich schw?re es bei mir und meinen V?tern, bei dem Barte des Propheten und aller Kalifen!

Das gen?gt. Ich habe dir vorhin, als wir am Feuer lagen, Zeichen gegeben. Hast du sie verstanden?

Nicht alle. Es war Geld gemeint; das ?brige begriff ich nicht.

Jetzt kann ich es deutlich sagen und will es schnell thun, denn wir wissen nicht, wie bald man uns auseinander rei?t. Als ich nach dem Brande die Seribah erreichte, hatte der Schech mit seinen Leuten schon s?mtliche Tr?mmer durchsucht. Er ahnt, da? ich Geld vergraben habe. Wo sollte der Gewinn der vielen Jahre sonst stecken! An den richtigen Ort sind sie aber nicht gekommen und werden ihn auch nicht entdecken. S?dw?rts von der Umz?unung lagen des Nachts die Herden; dort brannte ein Feuer. Grabe unter der Feuerst?tte nach, so wirst du auf vermeintlichen Felsen sto?en; es ist aber keiner, sondern Sand, Kalk und Lehm, gut gemischt und festgerammt. Unter dieser Schicht liegen sechs Daruf, wohlgef?llt mit lauter gl?nzenden Abu Noktah. Das ist mein Verm?gen. Einer dieser Schl?uche soll dein sein, wenn es dir gelingt, mich zu retten; doch darfst du

Und wenn er dich nicht retten will, so nimmt er wohl alle? ert?nte es neben ihm. Aber weder du selbst noch er soll einen einzigen Abu Noktah haben, sondern ich werde sie holen und unter meine Leute verteilen, welche auch die Herden erhalten, die dein Feldwebel von der Seribah entf?hrt hat.

Schwarz war der Sprecher. Er richtete sich auf und ging nach dem Feuer, um nach einem zweiten W?chter zu senden, da die Gefangenen nun nicht mehr miteinander sprechen sollten.

Abu el Mot stie? einen Schrei des Entsetzens aus; dann senkte er den Kopf. Es war ihm genau so zu Mute, als ob er am Rande seines offenen Grabes sitze.

Am andern Morgen, kurz nachdem die Sonne aufgegangen war, traten die befreiten Belandaneger ihren Heimmarsch an. Gl?cklich, der Sklaverei entgangen zu sein, dachten sie doch mit Trauer der Ankunft in ihrer verw?steten Heimat. Sie nahmen die Leichen ihrer Gefallenen mit, um sie bei und mit den Ermordeten in Ombula zu begraben. Ihr Abschied von ihren Rettern war ein au?erordentlich bewegter.

Sp?ter zogen die Sieger ab, denselben Weg, den sie gekommen waren, da sie zu ihren K?hnen und Schiffen mu?ten. Die Leichen der Sklavenj?ger lie? man liegen, ein Fra? f?r das Raubzeug der L?fte und des Waldes. Abu und Abd el Mot wurden so gut bewacht, da? ihnen jede Hoffnung auf Entkommen schwand.