Karl May.

Die Sklavenkarawane





Der Slowak war Zeuge dieses in deutscher Sprache gef?hrten Gespr?ches gewesen und hatte alles geh?rt. Jetzt sagte er:

Auch ich wollt schmierte Ru? in Gesicht, meiniges, da? ich wernte Neger, schwarzigter, und ged?rfte mitgehen, zu holen die beiden Freunde, gefangenschaftliche.

Du? lachte Schwarz. Du w?rst der Kerl dazu!

Ja, ich wernte sein der Kerl, dazu geh?rigter! Ich hatt gef?rchte mich vor niemand!

Das glaube ich. Aber zu dem, was wir vorhaben, geh?rt mehr. Man mu? einen Menschen, der dazwischen kommt, mit einem einzigen Hiebe besinnungslos machen k?nnen, ohne da? er einen Laut von sich gibt. Und das ist noch nicht alles. Man mu? noch viel, viel mehr k?nnen, was du nicht kannst.

O, ich hatt gek?nnte alles und jedwedigtes. Ich bitt, zu d?rften mitmachte die Schleicherei, interessantigte!

Nein, ich mu? dir diese Bitte abschlagen. Du w?rdest nicht nur dein Leben, sondern auch das unsrige auf das Spiel setzen.

Ich wernte setzte nichts auf Spiel, gewonnenes. Ich hatt wollte

Nein, nein, und damit gut! unterbrach ihn Schwarz.

Der Kleine wandte sich entt?uscht ab. Die andern sahen sein betr?btes Gesicht und fragten, da sie das deutsche Gespr?ch nicht verstanden hatten, was es gegeben habe. Er sagte es ihnen. Als der Sohn des Geheimnisses h?rte, was die beiden Deutschen vorhatten, wollte er sich ihnen anschlie?en, da es sich um seinen Vater handelte. Auch er wurde abgewiesen.

Nach einiger Zeit sollte Fleisch f?r die Soldaten geholt werden und zugleich der Speck zur Ru?fabrikation. Der Slowak erhielt den Auftrag, mit einigen Asakern auf die H?he zu steigen, um das Verlangte zu bringen. Der Sohn des Geheimnisses und der Hadschi erhielten von ihm einen Wink und gingen infolgedessen mit.

Sie lie?en die Asaker etwas voransteigen, um nicht von ihnen geh?rt zu werden, und der Kleine sagte:

Warum sollen nicht auch wir uns als Neger verkleiden? Ist nicht der Elefantenj?ger dein Vater? Und hast du nicht zu allererst die Verpflichtung, ihn zu befreien?

Es war bei ihm die reine Abenteuerlust, welche ihn veranla?te, sich gegen das erhaltene Verbot aufzulehnen. Abd es Sirr hingegen wurde von der kindlichen Liebe getrieben, ihm bei zustimmen. Der Hadschi seinerseits war stets bereit das zu thun, was sein Freund that. Als dieser letztere sich dieses Einverst?ndnisses versichert hatte, fuhr er fort:

Was hindert uns also, auch Ru? aus Speck zu machen und uns in Schwarze zu verwandeln. Wir warten, bis der Vater des Storches mit dem Vater der vier Augen verschwunden ist, schw?rzen uns auch an und folgen ihnen nach.

Aber wo wollen wir f?r uns Ru? machen, ohne da? es entdeckt wird? fragte der stets bed?chtige Sohn des Geheimnisses.

Da, wo der andre gemacht wird. Die beiden Herren machen ihn gewi? nicht selbst, sondern ich werde daf?r sorgen, da? sie mich damit beauftragen. Dann mache ich so viel, da? f?r uns genug ?brig bleibt.

Auch wir sind Helden und wollen nicht thatenlos in der N?he unsrer Feinde liegen.

Nein, Helden sind wir nicht, antwortete Abd es Sirr. Wir k?nnen uns nicht mit unsern beiden Anf?hrern vergleichen; aber mein Vater ist gefangen; er befindet sich in Todesgefahr, und so ist es meine Pflicht, ihm beizustehen. Ihr werdet mir helfen, aber keinem Menschen etwas davon verraten.

Und nun besprachen sie sich weiter, bis eine regelrechte Verschw?rung gegen ihre Vorgesetzten zu stande kam.

Droben lagen die in Palmenfasermatten gewickelten Fleischvorr?te, von denen so viel aufgepackt wurde, wie man zu brauchen gedachte.

Eine hohle K?rbisschale wurde mitgenommen, in welcher der Speck gebrannt werden sollte. Als das Fleisch unten angekommen war, wurde zun?chst ein gro?es Feuer angebrannt, an welchem der Braten hergestellt werden sollte. Dann erbot der Vater der elf Haare sich, den Ru? herzustellen, und er war so gl?cklich, die Erlaubnis dazu zu erhalten. Er machte sich auf die Seite und errichtete ein kleineres Feuer, ?ber welchem er den Speck an eingesteckte Zweige hing, um das Fett in den K?rbis tropfen zu lassen. Als dies geschehen war, setzte er denselben auf die Erde, brannte das Fett an, steckte mehrere ?ste senkrecht in die Erde und breitete eine der Matten dar?ber aus. Die Matte fing den schwarzen Qualm auf, welcher sich als Ru? ansetzte. Nach Verlauf einer Stunde war so viel Schw?rzstoff vorhanden, da? man mit Hilfe desselben zehn Wei?e in Neger h?tte verwandeln k?nnen.

Indessen war Schwarz auf die H?he gestiegen, um den dort Kommandierenden zu erz?hlen, welchen Erfolg seine Unterredung mit Abu el Mot gehabt hatte, und ihnen neue Weisungen zu geben. Die haupts?chlichste derselben war, nicht zu schie?en, m?ge unten geschehen, was da wolle, au?er wenn er ihnen den Befehl dazu durch einen Boten erteile.

Als er dann wieder herunterkam, machte er sich auf, um Wasser zu suchen, welches ihm und seinen Soldaten n?tig war. Es gelang ihm, nicht weit vom Standorte derselben, den Abflu? des Grabens zu finden, dessen Wasser innerhalb der Schlucht in dem schon erw?hnten Loche verschwand. Nun war man f?r die n?chste Zeit mit allem N?tigen versorgt.

Der Vormittag verging und ebenso auch der Nachmittag, ohne da? sich etwas Besonderes ereignete. Die Leute Abu el Mots verhielten sich sehr ruhig. Sie hatten sich weiter als vorher nach hinten gezogen und schienen sich um die Belagerer nicht zu bek?mmern. Die Anf?hrer der Sklavenkarawane sannen auf Rettung und konnten doch auf keinen Plan kommen, welcher Hoffnung auf Erfolg erregt h?tte.

So wurde es Abend. In der Schlucht, ungef?hr in der Mitte derselben, brannte man ein Feuer an, welches von d?rren Palmenwedeln, deren es eine ganze Menge gab, gen?hrt wurde. Da kamen Lobo und Tolo, die beiden Belandaneger, von oben herabgestiegen. Als Schwarz sie fragte, in welcher Absicht sie die H?he verlassen h?tten, antwortete der erstere:

Lobo und Tolo sein Belanda; arm Neger aus Ombula sein auch Belanda. Lobo und Tolo wollen gehen, um Belandafreunde zu tr?sten und ihnen helfen, wenn in Gefahr.

Wie? Ihr wollt hinein in die Schlucht?

Ja, gehen in Schlucht.

Man wird euch erwischen!

Nicht erwischen. Abend sein schwarz; Schlucht sein schwarz, und Lobo und Tolo auch schwarz; man sie gar nicht sehen. Wenn nicht erhalten Erlaubnis, dann sie beide sehr weinen.

Aber ihr seid verloren, wenn man euch sieht! Bedenkt, da? ihr Abd el Mot entflohen seid! Und man mu? euch ja sehen.

Wir uns schleichen zu Gefangenen, und man uns gar nicht beachten. Wir mithaben scharf Messer und losschneiden Strick von Gefangenen.

Als Schwarz dieses letztere h?rte, kam ihm der Plan dieser beiden, welche ihr Leben f?r ihre Landsleute wagen wollten, gar nicht mehr so zwecklos vor wie vorher. Er ?berlegte, besprach sich kurze Zeit mit Pfotenhauer und gab den Bittstellern dann den Bescheid:

Gut, ich habe nichts dagegen; aber ihr m??t euch genau so verhalten, wie ich es euch vorschreibe.

Lobo und Tolo alles thun, was guter, wei?er Herr befehlen!

Ihr schleicht euch also zu euern Landsleuten und befreit sie von ihren Banden; sie m?ssen aber diese Fesseln scheinbar weiter tragen, damit die W?chter nichts bemerken. Sobald ihr nun von hier aus einen Schu? h?rt, haben alle ihre Stricke und Gabeln abzuwerfen und nach dem Ausgange zu fliehen. Verstanden?

Haben verstanden.

Jetzt will ich aber erst einmal durch das Loch kriechen, um mich zu ?berzeugen, wie weit der Weg f?r euch frei ist.

Nein! Nicht Herr, sondern Lobo kriechen durch Loch. Lobo sein schwarz und k?nnen gut kriechen; sein auch schon auf Seribah krochen bis an Haus von Abd el Mot.

Schwarz wu?te das und traute dem Neger zu, seine Sache gut zu machen. Darum gab er ihm die Erlaubnis, und Lobo verschwand in der L?cke des Verhaues. Drinnen konnte er nicht leicht gesehen werden, da Schwarz beim Anbruch des Abends das Feuer hatte verl?schen lassen und der Eingang also in tiefem Dunkel lag. Nach ungef?hr einer Viertelstunde kehrte er zur?ck und meldete:

Sein alles gut. Arm Belanda ganz hinten. Dann die J?ger. In der Mitte Feuer. Rechts oben auf dann Zelt von Abu el Mot. Dann nur sechs J?ger, nicht weit von hier; sollen aufpassen auf uns. Sitzen aber nebeneinander auf Erde und erz?hlen. Lobo zweimal an ihnen vor?ber, ohne ihn sehen. D?rfen Lobo mit Tolo nun fort?

Ja, geht in Gottes Namen; aber seid vorsichtig, macht keine Dummheiten und thut genau so, wie ich euch gesagt habe!

Sie krochen durch das Loch, und nun lauschten die Zur?ckgebliebenen mit Spannung, ob vielleicht irgend ein L?rm verraten werde, da? die k?hnen Neger erwischt worden seien; aber es herrschte nach wie vor die tiefste Stille in der Schlucht.

Das sind nun zwei lebende Beispiele von den verachteten Menschen, denen man in Europa nachsagt, da? sie fast auf der Stufe der Tiere stehen, sagte Schwarz. Unter tausend Wei?en w?rde sich wohl kaum einer finden, der f?r seine Landsleute das wagte, was diese beiden wackern Kerls riskieren. Doch ich denke, da? es nun auch Zeit f?r uns geworden ist. Wollen wir unsre Umwandlung vornehmen?

Ja, antwortete Pfotenhauer. Jetzt sind wir wohl noch ziemlich sicher. Wann die da drin je vermuten, da? wir etwas vornehmen, so meinen sie gwi?, da? es zu sp?terer Zeit gschehen wird. Gehen wir also ans Werk.

Sie lie?en sich von dem Slowaken die schwarze Matte kommen, zogen sich aus und legten jeder nur einen Schurz um die Lenden. Der ganze ?brige K?rper wurde mit Ru? geschw?rzt. Der Vater des Storches sah schrecklich aus. Ganz abgesehen von seinem langen, grauen Vollbarte, welcher nat?rlich auch eingeru?t worden war, hatte sicher, so lange die Erde steht, noch kein Neger eine solche Nase gehabt wie dieser imitierte Mohr. Nun steckten die beiden ihre Messer und Revolver in die Sch?rze und verschwanden durch das Loch.

Kaum waren sie fort, so brachte der Slowak eine zweite Ru?matte herbei, welche er gefertigt und versteckt hatte, als Schwarz oben auf dem Berg gewesen war. Er, der Hadschi Ali und der Sohn des Geheimnisses zogen sich auch aus und rieben sich ein. Der Hauptmann der Asaker, welcher sich nun hier f?r den Kommandierenden hielt, fragte, was sie vorh?tten. Der Vater der elf Haare beruhigte ihn mit der Versicherung, da? sie im Auftrage der beiden Deutschen handelten, denen sie schnell nachfolgen sollten. Dann krochen auch sie durch das Loch.

Als Schwarz und Pfotenhauer sich jenseits des Verhaues befanden, legten sie sich auf die Erde nieder und schoben sich leise und langsam auf derselben hin. Sie waren noch nicht weit gekommen, so erblickten sie vor sich die sechs W?chter, von denen Lobo gesprochen hatte. Sie wendeten sich also mehr nach rechts und kamen gl?cklich vor?ber. Die schwarze Farbe war ein vortrefflicher Schutz f?r sie.

Sie krochen den Damm hinauf, auf welchem das Zelt Abu el Mots stand. Dieses wollten sie erreichen, da sie glaubten, da? sich in der N?he desselben die beiden bef?nden, die sie retten wollten.

Unten zur linken Hand, aber weiter vorw?rts, brannte das Feuer. Zwischen diesem und dem Eingange lagerten nur die erw?hnten W?chter. Am Feuer aber und weiter r?ckw?rts hatten es sich die Sklavenj?ger bequem gemacht. Noch weiter hinten, wo sich die Sklaven befanden, war es dunkel.

?ber den beiden Deutschen rauschten leise die Wipfel der Palmen. Vor sich erblickten sie etwas Helles, was vom d?stern Felsen abstach. Es war das gesuchte Zelt. Sie erreichten es, ohne durch einen Menschen oder etwas andres gest?rt worden zu sein. Das Ger?ste des Zeltes bestand aus einer langen Mittel und zw?lf Seitenstangen, welche unten rund im Kreise in die Erde gesteckt und oben mit der ersteren verbunden waren. Dar?ber hatte man die helle Leinwand gezogen. Vorn, dem Feuer zu, befand sich der Eingang. Hinten war die Leinwand nicht wie vorn gerade an den Stangen mit Pfl?cken in die Erde befestigt worden, sondern man hatte mehrere vielleicht drei Fu? hohe H?lzer ein und Latten dar?ber geschlagen und den untern Saum des Zelttuches darauf gelegt. Dadurch war ein an die Felswand sto?ender, niedriger und bedeckter Raum entstanden, in dem man allerlei Gegenst?nde aufbewahren konnte, welche in der Mitte des Zeltes im Wege gewesen w?ren.

Im Innern des letzteren erklang eine Stimme; eine andre antwortete darauf.

Das ist Abu el Mot mit Abd el Mot, fl?sterte Schwarz, welcher hart am Zelte lag.

Hab sie auch an der Stimm erkannt, antwortete Pfotenhauer. Diese Kerls m?ssen doch ganz sicher sein, da? wir nix zu unternehmen wagen, da sie nicht mal Wache vor der Th?r haben.

Sie verlassen sich darauf, da? sie zwei Geiseln besitzen. Horch!

Wieder h?rte man die Grabesstimme Abu el Mots. Darauf erklang eine andre, welche aber nicht Abd el Mot angeh?rte.

Gott, das war mein Bruder! hauchte Schwarz. Die Gefangenen befinden sich also bei ihm!

Welch ein Gl?ck! Schnell, holen wir sie heraus!

Nur langsam! Erst rekognoscieren, sehen, h?ren und dann handeln. Folgen Sie mir, und thun Sie nur das, was ich vorher thue. Vermeiden Sie aber vor allem selbst das geringste Ger?usch, sonst sind wir verloren, und zwar nicht nur wir allein!

Er hob das Zelttuch da, wo es nach hinten wagrecht auf den Latten lag, ein wenig empor und sah hinein. Vor sich hatte er einen dunkeln, niedrigen Raum; aber weiter nach vorn war es hell. Einige Pakete lagen seitw?rts unter dem Tuche. Im Zelte sa?en vier Menschen, von denen er aber jetzt nur die Beine und den Unterleib erblickte.

Kommen Sie! raunte er dem Gef?hrten zu; aber um Gottes willen leise, ganz leise!

Er schob sich vorw?rts, unter das Tuch und die Latten hinein. Pfotenhauer that an seiner Seite dasselbe. Nun erreichten ihre Gesichter fast die Stelle, an welcher das Tuch auf den Zeltstangen lag und also nun nach oben gerichtet war. Schwarz lugte vorsichtig hervor. Sein geschw?rztes Gesicht blieb noch im Schatten und war also nicht zu sehen. Er erblickte die vier anwesenden Personen genau.

Sein Bruder und der Elefantenj?ger sa?en an der Mittelstange, an welche sie angeh?ngt waren. Man hatte ihnen die F??e zusammen und die H?nde auf den R?cken gebunden. Zu ihrer Rechten sa? Abd el Mot, zu ihrer Linken, mit dem R?cken nach Schwarz gewendet, Abu el Mot. Eben sagte dieser letztere:

Allah soll mich strafen, wenn ich euch t?usche. Wir befinden uns ganz allein hier und werden morgen aufbrechen, um nach meiner Seribah zu ziehen.

L?ge nicht! antwortete Joseph Schwarz. Wenn du nach deiner Seribah willst, warum hast du da den Umweg nach dieser Schlucht eingeschlagen?

Bin ich euch etwa Rechenschaft von meinem Thun und Lassen schuldig?

Vielleicht kommt die Zeit, in welcher wir diese Rechenschaft fordern. Ich meine sogar, da? diese Zeit sehr nahe ist.

Meine, was du willst! Ich lache dar?ber.

Dein sorgenvolles Gesicht sieht nicht wie Lachen aus. Heute fr?h befandest du dich in besserer Stimmung. Warum warst du heute so viel strenger gegen uns? Warum sollen wir hier in dem erbeuteten Zelte schlafen, was noch nie geschehen ist? Du willst uns ganz sicher haben, und so vermute ich mit Recht, da? jemand hier ist, der uns befreien will.

Ah! Wer sollte das sein?

Mein Bruder.

Hund! Wer hat dir das verraten? fuhr der Alte auf.

Verraten? Du selbst hast dich jetzt verraten! Also ist meine Vermutung richtig. Du kannst meinen Bruder vorher nicht gesehen haben. Du hast nichts von ihm gewu?t. Nun pl?tzlich kennst du ihn. Er ist also da und hat uns von dir gefordert. Und er ist nicht allein da, sonst h?ttest du auch ihn ergriffen, als er mit dir sprach. Er hat Leute bei sich, mehr Leute, als du hast. Ich bin also gerettet!

Juble nicht! Ich t?te euch lieber, als da? ich euch freigebe!

Pah! Da kennst du meinen Bruder nicht. Er wiegt hundert Kerle deiner Art auf.

Gieb ihm doch das Messer in den Leib! forderte Abd el Mot seinen Vorgesetzten auf. Wie kannst du dich von einem Giaur verh?hnen lassen?

Schweig! antwortete der Alte. Ich wei? selbst, was ich zu thun habe. Was sitzest du da und gibst mir gute Lehren! Gehe lieber hinaus und sieh nach, ob die Wachen ihre Schuldigkeit thun. Schlafen sie etwa, so la? sie peitschen!

Abd el Mot stand auf und entfernte sich brummend. Man h?rte ihn die Richtung auf dem Damme einschlagen, aus welcher Schwarz und Pfotenhauer gekommen waren.

Abu el Mot hielt seine Augen drohend auf seine Gefangenen gerichtet und fragte:

Wer hat euch verraten, da? dein Bruder da ist? Einer meiner Leute mu? es gewesen sein.

Ich nenne ihn dir nicht.

Du wirst es mir sagen, sonst la? ich dir die Bastonnade geben!

Wage es! Ich lasse dich daf?r zu Tode peitschen.

Wann? Wenn dich der Scheitan in die H?lle entf?hrt hat? Das wird vielleicht noch in dieser Nacht geschehen.

Im Gegenteile! Wie ich meinen Bruder kenne, werden wir in dieser Nacht unsre Freiheit erhalten.

Von wem?

Von mir, ert?nte es hinter ihm.

Emil Schwarz hatte sich weiter vorgeschoben, so da? er sich hinter Abu el Mot aufrichten konnte. Dieser erschrak, als er die Stimme hinter sich h?rte, und wollte sich hastig umdrehen, wurde aber von zwei H?nden so fest an der Kehle gepackt, da? ihm der Atem verging und er vor Todesangst mit den Beinen um sich schlug.

Pfotenhauer kroch auch schnell hervor. Die beiden Gefangenen erblickten zwei schwarze, fast unbekleidete Gestalten, auf welche der Schein der Fettlampe fiel, die von einer der Zeltstangen herniederhing. Zwei Neger, aber mit langen B?rten! Der eine mit einer Riesennase, welche Joseph Schwarz trotz ihren dunkeln Farbe sofort erkannte. Auch die Stimme des andern hatte er erkannt, obgleich derselbe nur zwei einsilbige Worte gesprochen hatte.

Emil, du! Pfotenhauer! Ist es m?glich! So schnell! rief er aus.

Leise, leise! warnte sein Bruder. Pfotenhauer, schneiden Sie die beiden los! Ich habe hier mit dem Alten zu thun.

Er hielt Abu el Mot mit der einen Hand noch immer beim Halse und versetzte ihm mit der andern Faust mehrere Schl?ge gegen den Kopf, bis er sich nicht mehr r?hrte.

So, das nenne ich ein Gl?ck! sagte er dann. Ich habe nicht nur euch, sondern auch diesen Halunken. Das bedeutet einen unblutigen Sieg, denn nun mu? sich die Karawane ergeben. Kriecht hier hinter mir hinaus. Vorn d?rfen wir uns nicht sehen lassen, sonst haben wir die Verfolger sofort auf den Fersen!

Er kroch an derselben Stelle, an welcher er in das Zelt gekommen war, wieder hinaus und zog Abu el Mot hinter sich her. Die andern folgten ihm, denn Pfotenhauer hatte die Gefangenen losgeschnitten. Diese holten laut und tief Atem, und reckten und dehnten die maltraitierten Glieder.

Gott sei Dank, endlich, endlich frei! Emil, Pfotenhauer, das vergesse ich euch nie!

Still jetzt! mahnte sein Bruder. Noch sind wir nicht in Sicherheit. Der Schein des Feuers dringt bis hier herauf. Legt euch zur Erde! Wir m?ssen kriechen, zumal da ihr beide helle Kleider habt. Helft mir den Alten schieben!

Sie krochen nach dem Eingange hin. Dabei zog Emil Schwarz, welcher voran war, den besinnungslosen Abu el Mot hinter sich her, und die andern schoben. Sie waren noch nicht weit gekommen, da ert?nte von der Stelle her, an welcher die sechs W?chter sa?en, eine laute Stimme:

Wakkif, la lakuddam, imsik halt, nicht weiter, haltet ihn fest!

Mehrere Stimmen fielen ein, und ein Schu? krachte. Zugleich sahen sie eine Strecke vor sich mehrere Gestalten, welche etwas Schweres, Helles trugen und dem Ausgange zustrebten.

Was ist das? fragte Emil Schwarz. Da unten kommen die W?chter. Sie wollen herauf. Wer sind die da vorn? Ah, mir ahnt es! Der Slowak wollte sich auch f?rben. Joseph, Sejad ifjal, nehmt den Alten, und rennt nach dem Eingange. Dort ist ein Loch, durch welches ihr kriechen k?nnt. Drau?en sind unsre Soldaten. Pfotenhauer, heraus mit dem Messer und den Revolvern; mir schnell nach auf die W?chter!

Er rannte vom Damme hinab, und der Vater des Storches folgte ihm auf dem Fu?e. Vorn krachten zwei Pistolensch?sse. Die W?chter, welche sich bereits in der N?he des Verhaues befanden, wichen zur?ck. Sie sahen zwei Schwarze auf sich zukommen und hielten sie f?r Freunde.

Helft! rief einer der W?chter ihnen zu. Die Feinde sind eingebrochen. Dort fliehen sie wieder hinaus. Sie haben einen von uns gefangen. Und oh Allah, dort, da oben laufen auch zwei, welche einen tragen.

Lauft auch ihr, ihr Halunken! antwortete Schwarz, indem er den Sprecher niederschlug, einem zweiten W?chter einen Hieb gegen den Kopf versetzte, da? er zur Seite taumelte und sich dann auf den dritten warf.

Da er nicht scho?, so scho? auch Pfotenhauer nicht. Es sollte m?glichst kein Blut vergossen werden. Er fa?te also nach der Flinte des vierten, dem einzigen Gewehre, welches die W?chter bei sich zu haben schienen, entri? es ihm und stie? ihn mit dem Kolben nieder. Er wollte sich gegen den f?nften wenden, aber dieser und der sechste rannten bereits dem Feuer zu. Nummer eins bis vier rafften sich auch auf und schossen eiligst davon. Aber jetzt erhob sich im Hintergrunde der Schlucht ein wahrhaft entsetzliches Geheul, als ob alle m?glichen wilden Tiere sich zu einem Satanskonzerte zusammengefunden h?tten.

Herrgott, die Sklaven sind los! rief Schwarz. Die Sch?sse, die Sch?sse! Ich hatte zu Lobo gesagt, da? ein Schu? das Zeichen sein werde, da? die Gefangenen nach dem Ausgange fliehen sollten. Ich bef?rchte, es kommt anders. Sie fliehen nicht, sondern fallen ?ber ihre Peiniger her. Welch ein f?rchterliches Massakre wird das geben! Kommen Sie hinaus zu unsern Leuten, welche nicht wissen werden, wie sie sich zu verhalten haben. Dort werden wir wohl auch weitere Erkl?rung finden.