Karl May.

Die Sklavenkarawane





Was mag das sein? fragte Schwarz. Ob die Herde scheu geworden ist?

M?glich. Wollen abwarten, ob sich was sehen l??t, antwortete Pfotenhauer.

Er brauchte nicht lange zu warten. Da er sich inmitten der vielen Menschen befand, verh?llten sie ihm die Aussicht nach der betreffenden Richtung, doch nur f?r kurze Zeit, denn pl?tzlich flogen sie alle unter lautem Geschrei nach rechts und links auseinander und davon.

El Hahschil, el Hahschil, so klang es voller Angst von allen Lippen und in der Zeit von wenigen Sekunden war kein einziger Sudanese mehr zu sehen; sie alle hatten wieder Schutz hinter den B?schen gesucht, die schon vorhin von ihnen als Zuflucht benutzt worden waren.

Nun hatten die wenigen Standhaften einen freien Blick nach West. Von dorther kam ein Stier gerannt, br?llend vor Angst und aus allen Kr?ften laufend. Hinter ihm drein lief der alte Elefantenbulle, welcher vorhin von der Herde gehetzt worden war. Es war keine T?uschung m?glich, da man ihn an dem Fehlen des abgebrochenen Sto?zahnes erkannte.

Alle Teuxel, das schaut gf?hrlich aus! rief Pfotenhauer. Es kommt alles darauf an, wohin der Stier sich wendet.

Er ist verloren, meinte Schwarz. Der Elefant l?uft doppelt schnell.

Ja. Der Ochs kommt grad richtig auf uns zu, doch sieht man, da? er sogleich eingeholt sein wird. Verhalten wir uns ruhig, damit der Heruml?ufer uns dann nit bemerkt.

Jetzt hatte der Elefant den Stier erreicht. Anstatt ihn von hinten anzugreifen, machte er sich an dessen Flanke, stie? ihm den Zahn in die Seite und warf ihn mitten im Laufe empor.

Man h?rte den Krach, als der Stier die Erde wieder ber?hrte. Er wollte sich trotz der gr??lichen Verwundung aufraffen, aber der Elefant war stehen geblieben und schleuderte ihn abermals empor, viel h?her noch als vorher; dann trat er ihn mit den F??en und versetzte ihm mit dem R?ssel so gewaltige Streiche, da? der Besiegte bald eine weiche, formlose Masse bildete.

Die Wut des Vagabunden war durch die feindlichen Elefanten erregt und durch den Anblick der Rinderherde erh?ht worden; der Tod des Stieres schien ihn nicht zu befriedigen; er sah sich nach neuen Opfern um. Da erblickte er die kleine, bewegungslose M?nnergruppe und setzte sich gegen sie in Bewegung, nicht etwa langsam laufend, sondern mit einer Schnelligkeit, welche selbst dem besten Rennpferde Trotz geboten h?tte.

Rettet euch in den Wald und auf die B?ume! schrie Pfotenhauer. Bei diesen Spr?ngen ist vom sichern Zielen und Schie?en keine Rede.

Jetzt kamen die Beine der sonst so furchtlosen M?nner in ungew?hnliche Bewegung. Der Vater der elf Haare, der kleinste von ihnen, brachte die gr??ten und weitesten S?tze fertig. Er rannte nicht, o nein, sondern er schnellte sich f?rmlich vorw?rts. Dabei rief er in deutscher Sprache:

Herr Doktor, schie?te auf Elefant, schie?te doch, schie?te! Wenn Elefant uns auffangte mit Zahn, seinigem, so fliegte wir in Luft atmosph?rige, und seinte zerschmetterte Knochen, unsrige und ganze! Schie?te schnell, schie?te schnell!

Der n?chste hinter ihm war sein Freund, der Vater des Gel?chters.

Er machte Spr?nge wie ein Panther und br?llte dabei in einem Atem:

O Allah! O Vorsehung! O Ewigkeit! Er wird mich packen, der Elefant, der Verfluchte, der Ungl?ubige! M?ge er vorher in die H?lle st?rzen, da, wo sie am tiefsten ist und immer noch ein weiteres, separates Loch nach unten hat!

Der Sudanese kann absolut nicht schweigen; er mu? sprechen und er mu? schreien, selbst wenn dies zu seinem gr??ten Schaden ist.

Auch Abd es Sirr und Ben Wafa lie?en ihre Stimmen h?ren, vielleicht in der Absicht, den Elefanten von sich abzuschrecken. Sie rannten mehr nach rechts, w?hrend das Tier der geraden Linie folgte, welche von dem Slowaken und seinem Freunde eingeschlagen worden war. Die andern hatten eine Schwenkung nach links gemacht. Sie bemerkten, da? sie das Tier nicht mehr hinter sich hatten, und hielten an.

Meiner Six, so bin ich im Leben noch nit grannt! sagte Pfotenhauer aufatmend. Wann wir stehen geblieben w?ren, so h?tten unsre Kugeln der Bestie nix gschadet, wir aber w?ren von ihr alle mitnander zerstampft und zertreten worden. Dort rennt sie auf das Dickicht los. Sie hat es auf den Kleinen und auf den Gro?vater der St?dte und V?lker abgesehen. Machen wir schnell, da? wir nachkommen, um denen beiden beizuspringen!

Halt! hielt Schwarz ihn zur?ck. Nur nicht unvorsichtig! Sehen Sie, da? die Kerls soeben das Geb?sch erreicht haben! Sie finden sichere Deckung in demselben und sind also gerettet. Wir aber w?rden uns in die Gefahr begeben, dem umkehrenden Tiere zu begegnen. Wenn wir folgen wollen, so m?ssen wir es von der Seite her thun und d?rfen uns nicht von dem Elefanten sehen lassen. Kommen Sie!

Jetzt hatte auch der Herumtreiber das Geb?sch erreicht. Er brach in dasselbe ein, als ob er nur Gras unter den F??en habe. Dabei bog er St?mme von der St?rke eines Mannesschenkels auseinander oder brach sie ab. Der Vater der elf Haare h?rte das gewaltige Knacken und Prasseln hinter sich. Er glaubte, der Elefant sei ihm ganz nahe, wagte sich nicht umzusehen und rannte nur immer gerade aus. Da blieb er mit dem Fu?e an einem Schlinggew?chse h?ngen und st?rzte nieder. Der Vater des Gel?chters flog an ihm vor?ber. Er raffte sich schnell wieder auf und scho? vorw?rts fast in das tiefe Wasser des Maijeh hinein, an dessen Ufer er sich befand. Neben sich sah er den gewaltigen Stamm eines Baumes. Emporblickend, bemerkte er die F??e seines Freundes. Er that einen Sprung nach oben, erfa?te den Ast und schwang sich hinauf. Von da zum n?chsten Aste war es nicht weit; er erreichte auch diesen und wollte noch weiter empor, denn er befand sich nur so hoch, da? der Elefant ihn sehr leicht erreichen konnte, mu?te aber darauf verzichten. Der Baum hatte n?mlich durch Blitzschlag seine Krone verloren; es gab nur drei ?ste und der dritte war abgebrochen und bestand nur aus einem Stumpfe, auf welchem nur eine Person Platz finden konnte. Da sa? der Hadschi und zog ein Gesicht, als ob er sich im siebenten Himmel Mohammeds, nicht aber in Lebensgefahr befinde.

O Allah, was soll ich thun! rief der Kleine. Konntest du nicht einen andern Baum w?hlen! Alle ?brigen sind h?her und haben mehr ?ste. Das Tier wird mich hier abpfl?cken wie eine reife Traube!

Wer hat dir gehei?en, mir nachzuklettern! grinste der andre von oben herab. Ich bin sicher. Bis herauf zu mir reicht der R?ssel nicht.

Aber bis zu mir! O Allah, Allah, was soll ich thun! Er kommt; er ist da, er ist da!

Seine Angst war gro? und auch gar wohlbegr?ndet, denn es krachte und prasselte schon in n?chster N?he.

Kriech doch auf dem Aste weiter! riet ihm der Hadschi. Er ist so dick wie du und reicht ?ber das Ufer hinaus. Da kann das Untier dich nicht erreichen. Mach aber schnell, denn ich sehe ihn schon!

Er erblickte von seinem h?heren Sitze aus den Kopf des Elefanten, der ein ihm im Wege stehendes B?umchen mit dem R?ssel fa?te, samt den Wurzeln aus der Erde zog und dann zur Seite schleuderte.

Ja, ich krieche, ich krieche, rief der Kleine entsetzt. Es ist der einzige Rettungsweg, den es gibt.

Er turnte sich auf H?nden und F??en und mit au?erordentlicher Schnelligkeit auf dem Aste fort, bis dieser sich unter der Last fast bis zum Wasser niederbog. Dort konnte er von dem Elefanten nicht erreicht werden und atmete erleichtert auf, aber nur f?r einen kurzen Augenblick, denn unter ihm regte sich etwas und als er niedersah, fiel sein Auge auf ein Nilpferd, welches im Wasser stand, so da? nur die N?stern, Augen und Ohren aus demselben ragten.

Allah kerihm, rief er erschrocken aus; ana fohk lischsch el Husan el bahr Gott sei mir gn?dig; ich h?nge ?ber dem Neste eines Nilpferdes!

In diesem Augenblicke hatte der Elefant den Baum erreicht und wurde durch das Geschrei des Kleinen auf diesen aufmerksam gemacht. Doch beobachtete er zun?chst nicht diesen, sondern den Hadschi, welcher seinem Freunde von oben herab antwortete:

Halte dich fest, sehr fest, sonst gilts dein Leben! Wenn dieses Husan dich erwischt, so zermalmt es dich!

Der Elefant blinzelte den Sprecher mit seinen kleinen Augen an, stie? einen drohenden Trompetenton aus und richtete dann den R?ssel auf, um den Feind zu ergreifen. Gl?cklicherweise konnte er ihn nicht ganz erreichen, denn der Vater des Gel?chters sa? zwei Ellen zu hoch und zog au?erdem die Beine an den Leib, wobei er halb ?ngstlich und halb schadenfroh ausrief:

Versuche es nur, du Sohn eines ehrlosen Vaters, du Neffe eines Oheimes, welcher durch dich zum Gel?chter geworden ist! Ich spotte deiner St?rke und verachte deine Klugheit. Komm doch herauf, wenn du mich haben willst!

Der Elefant sah das Nutzlose seiner Bem?hung ein und richtete seine Augen auf den Vater der elf Haare. Er avancierte bis an das Wasser und streckte den R?ssel aus, um den Genannten zu ergreifen, konnte aber auch diesen nicht erreichen. Der Kleine bemerkte das mit hoher Befriedigung und schrie ihm spottend zu:

Hast du Appetit nach mir, du Urahne des R?ssels und der gro?en Ohren? Klettere doch herauf, damit wir uns liebkosen k?nnen! Ich m?chte dich gern

Er kam nicht dazu, auszusprechen, was er so gern thun wollte, denn der Elefant hatte einen schnellen und f?r den Kleinen sehr verh?ngnisvollen Entschlu? gefa?t. Er war zu der Einsicht gekommen, da? er seinen Zweck auf eine andre als die bisherige Weise zu erreichen suchen m?sse. Darum schlang er den R?ssel um den Ast und sch?ttelte denselben mit solcher Kraft, da? der Vater der elf Haare sich nicht festzuhalten vermochte und weit hinaus in die Luft und dann in das Wasser geschleudert wurde.

Die Anstrengung des Elefanten war so gro? gewesen, da? er das Gleichgewicht verlor. Er rutschte mit den Vorderbeinen von dem schl?pfrigen Ufer ab. Zwar versuchte er, sich mit dem R?ssel an dem Aste festzuhalten, doch vergeblich, denn das Gewicht seines K?rpers war zu schwer; der Ast brach ab, und das Tier st?rzte in das Wasser, welches hoch aufspritzte und sich dann ?ber ihm schlo?.

Aber schon im n?chsten Augenblicke tauchte er wieder auf, das hei?t, zun?chst war nur der kerzengerade emporgestreckte R?ssel zu sehen, welcher im Nu von seinem Schicksale ereilt wurde. Der Elefant war n?mlich nicht weit von dem Nilpferde in das Wasser gest?rzt; dieses scho? herbei, ?ffnete den breiten Rachen, klappte ihn um den R?ssel wieder zu und tauchte unter. Einige Sekunden lang schlug das Wasser in hohen, blutigen Wellen und K?mmen auf, dann erschien der Elefant ohne R?ssel, denn dieser war ihm abgebissen worden. Er stie? vor Wut und Schmerz T?ne aus, welche jeder Beschreibung spotten, und sah sich nach dem Gegner um. Jetzt erschien derselbe an der Oberfl?che, nur wenige Ellen entfernt von ihm; der Elefant holte zum gewaltigen Sto?e aus und rannte dem Nilpferde den Zahn, so lang dieser war, in den Leib; dann verschwanden beide abermals.

Im weiteren, doch nur kurzen Verlaufe des Kampfes erschien bald das Hinterteil des Elefanten, bald die eine Seite des Hippopotamus ?ber dem Wasser. Der erstere konnte nicht von dem letzteren loskommen, und das Nilpferd strengte alle seine Kr?fte an, den Feind unten zu halten und zu ersticken. Die Wogen stiegen zu kleinen Bergen auf, zwischen denen hohe Font?nen emporgespritzt wurden, so da? man die einzelnen Bewegungen der Tiere nicht zu unterscheiden vermochte.

W?hrend dieses Kampfes der Riesen der Tierwelt hielten sich die andern Bewohner des Maijeh wohlweislich fern, und das war ein Gl?ck f?r den Vater der elf Haare, welcher so weit hinausgeflogen war, da? die Krokodile bei ihm gewesen w?ren, bevor er das Ufer h?tte erreichen k?nnen. Er hatte sich schnell an die Oberfl?che gearbeitet und gab sich alle M?he, so rasch wie m?glich an das Land zu kommen. Als er es erreichte und triefend aus dem Wasser stieg, wendete er sich um, streckte die F?uste aus und rief:

Hamdulillah, ich bin gerettet! Ich sollte gefressen werden; nun aber wird euch der Scheitan verschlingen mit samt eurer ganzen Nachkommenschaft! Kommt schnell herbei, und seht, wie ich des Elefanten und des Nilpferdes Herr geworden bin!

Dieser letztere Ruf galt Schwarz und dem Vater des Storches, welche soeben von seitw?rts herbeikamen.

Ja, kommt, kommt rasch! rief auch der Hadschi vom Baume herab. Wir brauchen sie gar nicht zu t?ten, denn sie bringen sich gegenseitig selber um. Seht den Vater des R?ssels! Er bringt das Nilpferd an das Land, kann aber nicht von ihm los und mu? elendiglich aus dem Leben scheiden.

Das Nilpferd war tot; der Elefant hatte mit den F??en Grund bekommen und schleppte es, indem er r?ckw?rts ging, an seinem Zahne dem Ufer zu. Er konnte sich trotz aller Anstrengung nicht befreien und schrie vor Grimm in einem Atem fort, wobei ihm das Blut armesstark aus der t?dlichen Wunde str?mte.

Da ist die Gfahr also f?r uns vor?ber, meinte Pfotenhauer. Bringen wir die Gschicht nun vollends zu End!

Er legte sein Gewehr auf den Elefanten an und dr?ckte los. Beim ersten Schu? wankte das Tier; beim zweiten schlug es hinten aus und brach dann nieder, indem es im Wasser verschwand. Dies sehen und vom Baume herabrutschen war f?r den Hadschi das Werk nur eines Augenblicks.

Fachrulillah, Ruhm sei Gott! rief er triumphierend. Wir haben die Schrecklichen bezwungen und die Entsetzlichen erlegt; sie liegen mit ihrer Schande im Wasser und m?ssen sich sch?men, an ihren ehrlosen Tod zu denken. Sie sind durch meine List gef?llt und durch meine K?hnheit ?berwunden worden. Alle Gef?hrten werden mich preisen und loben, wenn sie das Fleisch der Riesen verzehren.

Schweig! antwortete der Vater der elf Haare. Was hast du denn eigentlich gethan? Du bist auf den Baum geklettert und hast gewartet, bis die Tiere tot waren; erst dann kamst du wieder herunter. Halte meinen Heldenmut dagegen, so wird dein Ruhmgeschrei augenblicklich verstummen m?ssen!

So? fragte der Hadschi, indem er vor ?rger ein Gesicht zog, als ob er vor lauter Wonne vergehen wolle. Z?hle doch einmal deine Heldenthaten auf! Auch du bist auf den Baum geflohen, sogar fast bis an die ?u?erste Spitze des Astes. Dann hat der Elefant dich in das Wasser gesch?ttelt, und nun stehst du pudelna? vor mir, da? es mich erbarmen k?nnte!

Sprich nicht solche Albernheiten. Habe ich denn nicht durch meinen Sprung in den Maijeh den Elefanten listigerweise verf?hrt, auch in das Wasser zu gehen, worinnen er den Tod gefunden hat? Bin nicht also ich es, dem der Sieg zugeschrieben werden mu??

Die beiden w?ren wahrscheinlich noch heftiger aneinander geraten, doch wurde ihrem Wortwechsel durch ein rundum sich erhebendes Freudengeheul ein Ende gemacht. Die vor dem Elefanten gefl?chteten Leute hatten die Sch?sse geh?rt und Mut gefa?t; sie waren vorsichtig herbeigekommen und sahen, da? nichts mehr zu bef?rchten sei. Nun erhoben sie, von denen das Ufer wimmelte, ein Triumphgeschrei, vor welchem, wenn sie ihre Kehlen vorhin in derselben Weise angestrengt h?tten, der Elefant samt s?mtlichen in der Umgegend sich aufhaltenden Nilpferden auf und davongelaufen w?re. Sie tanzten und sprangen vor Entz?cken, und es dauerte eine geraume Zeit, ehe es Schwarz und Pfotenhauer gelang, Ruhe und Ordnung in die Gesellschaft zu bringen.

Nun wurden Seile von den Schiffen geholt, mit deren Hilfe man die beiden Tiere, allerdings unter gro?er Anstrengung, an das Land zog, um sie auszuschlachten und zu zerlegen. W?hrend ein Teil der Leute mit dieser Arbeit besch?ftigt war, kehrten die zwei Deutschen mit den andern zum Lagerplatze zur?ck, weil zu bef?rchten stand, da? die Elefanten wiederkommen und ihre Weibchen suchen w?rden. Gl?cklicherweise erf?llte sich diese Erwartung nicht.

Sp?ter kam einer der am Ufer besch?ftigten M?nner zum Lagerplatze und meldete, da? man soeben drau?en auf dem Flusse ein Boot gesehen habe, welches nach dem Maijeh einlenke. Schwarz und Pfotenhauer eilten sofort nach dem Wasser, gefolgt von den ihnen n?herstehenden Gef?hrten. Man konnte ?ber den Maijeh hinweg und durch den schmalen Eingang desselben blicken. Auf dem schmalen Streifen des Niles, welcher dahinter sichtbar war, kam das Boot, von mehreren Rudern getrieben, herbeigeflogen. Schwarz nahm, um es zu betrachten, das Fernrohr zur Hand und reichte es dann dem Vater des Storches. Kaum hatte dieser letztere einen Blick durch die Gl?ser geworfen, so rief er, zu dem Sohne der Treue gewendet, aus:

Das ist ein Fahrzeug der Niamah-niam. Was hat das zu bedeuten? Nimm das Rohr, und sieh hindurch!

Ben Wafa folgte dieser Aufforderung und antwortete dann:

Ein Kriegsboot unsres Stammes! Wie und warum kommt dies hierher? Am Steuer sitzt Wahafi, der listigste Krieger meines Volkes, welcher die Ufer des Flusses kennt bis hinab zum See Ombaj. Sobald mein Vater diesen Mann aussendet, handelt es sich um ein wichtiges Unternehmen. Ich bin ?berrascht und best?rzt ?ber das Erscheinen dieses Bootes.

Zu erschrecken brauchen wir nicht, meinte Pfotenhauer, da das Fahrzeug keine feindlichen Menschen bringt. Diese Leute wissen nicht, da? wir uns hier befinden. Sie werden, sobald sie unsre Schiffe erblicken, sofort umkehren wollen. Wir m?ssen sie also benachrichtigen, da? sie hier nur Freunde finden.

Das werde ich thun.

Er rannte fort, entlang dem linken Ufer des Maijeh bis zu dem Eingange desselben, und kam gerade an dem Augenblicke dort an, als das Boot dieselbe Stelle passierte. Man h?rte, da? er den Insassen etwas zurief, worauf sie ein Freudengeschrei erhoben und sich dem Lande n?herten. Er sprang zu ihnen in das Fahrzeug, und dann kamen sie ?ber den Maijeh herbeigerudert. Wahafi, der Steuerer, erkannte den Vater des Storches von weitem.

Herr, wie freue ich mich, dich zu sehen, rief er ihm zu. Wir kommen nicht allein, sondern es folgen uns viele Krieger nach.

Warum? fragte Pfotenhauer, indem das Boot anlegte und die Leute ausstiegen.

Es kam ein H?ndler aus Metambo zu uns. Er war vorher auf der Seribah Abu el Mots gewesen und hatte da geh?rt, da? dieser nicht anwesend sei und uns gleich nach seiner R?ckkehr ?berfallen werde. Da beschlo? der K?nig, ihm zuvorzukommen. Er rief alle seine Krieger zusammen und sendete mich voraus, um zu erfahren, wie es auf der Seribah stehe.

Das kannst du hier bei uns ganz genau und schneller erfahren. Wohin sollst du dem K?nige die Botschaft bringen?

Nach dem kleinen Fl??chen, welches oberhalb Nirrheh in den Nil m?ndet. Dort will er sich mit seiner Flotte verstecken, bis ich komme.

Wie stark ist die Macht, welche er bei sich hat?

Es sind ?ber f?nfmalhundert tapfere M?nner, auf viele Boote verteilt

Das ist gut. Wir sind zwar stark genug, aber wenn ihr euch zu uns gesellt, wird uns nicht ein einziger Feind entgehen k?nnen. Wie lange rudert ihr von hier aus, um den K?nig zu erreichen?

Nicht l?nger als einen Tag.

So kommt mit uns zum Lager. Wir haben dir sehr viel zu erz?hlen.

Die Neuangekommenen freuten sich au?erordentlich, den Sohn ihres K?nigs, und auch den Sohn des Geheimnisses so unerwartet getroffen zu haben. Noch gr??er als diese Freude war ihr Staunen, als sie vernahmen, was sich ereignet hatte. Es wurde eine Beratung abgehalten, deren Ergebnis war, da? Wahafi sofort mit seinen Leuten zur?ckfahren solle, um dem K?nig von dem Stande der Dinge Nachricht zu bringen. Die Niamah-niam sollten von ihrem Aufenthaltsorte direkt nach Ombula marschieren, und dort mit Pfotenhauer, Schwarz, und ihren Leuten zusammentreffen.

Eben wollte Wahafi aufbrechen, als man einen Reiter bemerkte, welcher von S?den her langsam herangeritten kam. Er war eine so wichtige Erscheinung, da? Pfotenhauer das Fernrohr auf ihn richtete.

Ein Wei?er, sagte er, und bis an die Z?hne bewaffnet. Wer mag er sein! Jedenfalls nicht wieder ein Bote von Abd el Mot, da dieser schon gestern einen geschickt hat.

Wahafi nahm das Fernrohr, und sah auch hindurch. Er mochte von Pfotenhauer w?hrend dessen Aufenthalt bei den Niam-niam gelernt haben, mit diesem Instrument umzugehen. Als er das Gesicht des Reiters erblickt hatte, sagte er:

Das ist ja Dauwari, der Sucher! Wo der hinkommt, da folgt ihm Mord und Elend nach.

Du kennst ihn? fragte Schwarz.

Nur zu gut. Ich bin der einzige meines Stammes, der ihn kennt. Ich habe ihn bei den Moro gesehen. Kaum war er von ihnen fort, so kam die Sklavenkarawane und ?berfiel das Volk. Er verkehrt auf den Seriben und kennt alle Menschenj?ger, mit denen er Gesch?fte macht.

Kennt er dich?

Nein.

So bleibe noch da. Da? er zu uns kommt, scheint nicht ohne Absicht zu sein. Ein einzelner Mann h?tet sich, ein Lager wie das unsrige zu betreten.

Der Mann lie? nicht die geringste Unsicherheit bemerken. Er kam stracks herbei, stieg vom Pferde, gr??te und fragte dann Schwarz:

Ich bin zu euch gesandt. Ihr seid doch die Leute, welche zu Abd el Mot geh?ren?

Wer bist du? erkundigte sich Schwarz, ohne die Frage zu beantworten.

Ich bin Soldat und traf auf die Sklavenkarawane, welche Abd el Mot befehligt. Er nahm mich in seinen Dienst und sandte mich ab, um euch aufzusuchen.

Was hast du uns mitzuteilen?

Ihr sollt sofort nach den Gutabergen ziehen, wo ihr ihn in der Schlucht es Suwar finden werdet.