Karl May.

Die Sklavenkarawane





Kennst du den Namen auch dieses Mannes?

Ich kenne sie alle, wie ich dir bereits gesagt habe. Dieser Posten wird noch viel mehr erstaunt sein als der vorige, denn er stand dabei, als ich mich in das Wasser fallen lie?.

So wird er um so leichter ?berrascht werden. Also hin zu ihm!

Dieser zweite W?chter wurde auch unsch?dlich gemacht und nach ihm auch die weiteren acht. Der Onbaschi fand sich au?erordentlich gut in seine Rolle; er bediente sich stets derselben Worte, welche kein einziges Mal ihre Wirkung versagten.

Als man mit dem letzten Posten fertig war, kehrten die Vier, n?mlich Schwarz, Pfotenhauer, der Kleine und der Onbaschi auf demselben Wege, den sie jetzt gemacht hatten, zu den auf sie Wartenden zur?ck. Bei dieser Gelegenheit ?berzeugten sie sich davon, da? an den Wachtfeuern alles in Ordnung war.

An der Stelle, wo die Asaker in tiefster Stille geharrt hatten, angekommen, sagte Schwarz zu dem Grauen:

Sie werden hier bei den Leuten bleiben; ich aber schleiche mich nach dem Lager, um dasselbe in Augenschein zu nehmen.

Ist das notwendig? fragte Pfotenhauer.

Ja. Ich mu? wissen, wie ich die Leute zu postieren habe. Eher kann ich sie doch nicht mitnehmen.

Ich th?ts anders machen!

Wie denn?

Ich macht gar nit viel Umst?nd mit den paar Kerlen, und th?t gleich ?ber sie herfallen.

Von Ihrem Standpunkte aus haben Sie recht. Der ?berfall w?rde ihnen so unvermutet kommen, da? sie vor ?berraschung wohl gar nicht an Gegenwehr d?chten. Uns aber ging dabei vielleicht viel verloren.

Was k?nnt das sein?

Wenn ich mich jetzt anschleiche, bekomme ich wahrscheinlich manches zu h?ren, was uns von Vorteil ist. Das w?rde aber nicht der Fall sein, wenn wir sie jetzt gleich ?berfallen.

Aber Sie begeben sich in Gfahr!

O nein! Ich verstehe mich darauf, an jemand zu kommen, ohne da? er es bemerkt.

So nehmens wenigstens mich mit, damit ich Ihnen beispringen kann, wenns fehl geht!

Ihre Gegenwart kann mir keinen Nutzen, sondern nur Schaden bringen. Komme ich je in Gefahr, was ich aber nicht glaube, so werde ich schie?en. In diesem Falle eilen Sie mir sofort mit allen Leuten zu Hilfe. So lange ich dieses Zeichen nicht gebe, befinde ich mich in vollkommener Sicherheit. Sie brauchen also keine Sorge um mich zu haben, wenn ich l?ngere Zeit fortbleibe.

Er ging. Pfotenhauer blickte ihm nach, bis er ihn nicht mehr sehen konnte, und r?usperte sich dann unwillig. Es ?rgerte ihn, da? er hatte zur?ckbleiben m?ssen.

Haltet euch bereit, sagte er zu den Asakern. Ihr habt geh?rt, was der Effendi sagte. Sobald er schie?t, springen wir nach dem Lager. Wer sich dort nicht freiwillig ergibt, wird niedergehauen oder erschossen. Ich vermute, da? wir den Schu? bald h?ren werden. Es ist tollk?hn, sich ganz allein in eine Gefahr zu begeben, welche man so leicht umgehen kann!

Diese Worte ?rgerten den Vater der elf Haare.

Er durfte nicht dulden, da? das Verhalten seines geliebten Herrn getadelt wurde; aber er wollte dem Tadler auch nicht vor den Soldaten entgegentreten, darum sagte er in deutscher Sprache, welche nicht von ihnen verstanden wurde:

Was Herrrrr Doktor Schwarz hatt gemachte, seinte ganz gut und richtig!

So! brummte der Graue. Was versteht aan Dschelabi davon!

Ich verstante gar wohl davon! Ich sein geweste Zeit, sehr lange, bei Effendi, doktorigen, und hab lernen kennte Person, seinige, sehr genau. Was er hatt gemachte, das hatt er gemachte stets richtig!

Der Graue nahm diese Belehrung oder Zurechtweisung ruhig hin. Er wollte jetzt, wo es galt, still und vorsichtig zu sein, allen Zwist vermeiden. Der Kleine wandte sich stolz, keine Entgegnung gefunden zu haben, den Asakern zu und erz?hlte ihnen, auf welche Weise die Posten ?berrumpelt worden seien. Er wollte dabei seine Person in den Vordergrund stellen, wurde aber von dem Vater des Gel?chters zur?ckgewiesen, indem ihm dieser erkl?rte:

Was du uns da erz?hlst, das haben wir schon gewu?t.

So? Warst du denn dabei?

Nein. Aber der Effendi erkl?rte vorhin doch, wie es gemacht werden solle, und da es genau so geschehen ist, so brauchst du es uns nicht zu erz?hlen.

Aber wei?t du denn, wie ich mich dabei verhalten habe?

Ja.

Nun, wie denn?

Du hast gar nichts gethan, sondern nur zugesehen. Oder willst du etwa von Heldenthaten sprechen, welche du gar nicht gethan hast?

Schweig! Du warst nicht dabei und kannst also unm?glich wissen, welche Verdienste ich mir um euch errungen habe. Du freilich h?ttest nichts gethan und nichts gewagt, sondern nur zugeschlagen, denn du bist zu weiter nichts n?tze. Darum hat der Effendi nicht dich, sondern mich mitgenommen!

Weil ich mich ihm nicht angeboten habe! Dich h?tte er auch nicht mitgenommen, wenn du ihn nicht darum angefleht h?ttest. Das ist ein Beweis, da? er ?berzeugt gewesen ist, dich nicht brauchen zu k?nnen.

Willst du damit etwa sagen, da? ich ein unbrauchbarer Mensch bin?

Nein, denn jeder Mensch, selbst der allerd?mmste, ist zu etwas n?tze!

Oho! stie? der Kleine zornig hervor. Kommst du mir so? Nennst du mich den allerd?mmsten Menschen? So wisse denn, da? ich s?mtliche Wissenschaften studiert habe und auswendig kann! Was aber hast du gelernt? Nichts, gar nichts!

La? mich in Ruhe mit deinen Wissenschaften! Wir wissen sehr genau, was wir davon zu halten haben. Ich bin dir da weit ?berlegen, denn ich kenne alle V?lker und D?rfer, alle L?nder und Einwohner des Erdkreises.

Das machst du mir nicht wei?!

Ich habe es bewiesen!

Wann denn?

Auf der Seribah Madunga, wo du meine Fragen nicht beantworten konntest.

Und du ebensowenig die meinigen, du dreimaliger und zehnmaliger Vater des Gel?chters und der L?cherlichkeit!

Schimpfe nicht! Wie lautet denn dein Name? Vater der elf Haare, rechts sechs und links f?nf kleine Borsten! Schau dir dagegen den Bart an, mit welchem Allah mich erfreut hat. Jeder, der mich erblickt, hat Respekt vor dieser m?nnlichen Zierde!

Mache dich nicht l?cherlich! Seit welcher Zeit tr?gst du ihn denn? Seit einigen Wochen! Da kannst du noch gar nicht wissen, ob er Bl?ten und Fr?chte bringen wird! Und was meinen Namen betrifft, so brauche ich mich seiner nicht zu sch?men. Man nennt mich Abu el buz, Vater des Maules, weil die vordere H?lfte des L?wen mein Eigentum geworden ist. Du aber hast dich mit der hinteren zufrieden geben m?ssen, du armer Vater des Schwanzes!

Weil das Los so gefallen ist. Wie lautet denn dein eigentlicher Name, den du in deiner Heimat tr?gst? Ich habe ihn mir gemerkt. Uszkar Istvan hei?t er. Wer einen so kurzen Namen tr?gt, kann kein ber?hmter Mann sein. H?re dagegen den meinigen! Ich bin Hadschi Ali Ben Hadschi Ishak al Faresi Ibn Otaiba Abu lOscher Ben Hadschi Marwan Omar el Gandesi Hafid Jacub Abd Allah el Sandschaki!

Um Allahs willen, halt ein! rief der Kleine. Du ziehst diesen ewig langen Namen ja aus dem Munde, wie der Effendi heute den Wurm aus der Beule des Abaka-Negers gewickelt hat!

Willst du wohl schweigen! fuhr ihn der Graue an. Du schreist ja, da? man es dort beim Feuer h?ren mu?. Willst du, da? man auf uns aufmerksam wird und der Effendi deinetwegen in Gefahr ger?t!

Das half. Der Kleine war still; aber nach einer Weile trat er nahe an den Vater des Gel?chters heran und fragte ihn leise:

?rgerst du dich, Hadschi Ali?

Ja, antwortete dieser. Du dich aber wohl auch?

Nat?rlich!

Wer ist schuld daran?

Ich!

Nein, ich!

Also alle beide?

Ja. Darum ist der eine gerade so viel wert wie der andre. Verzeihst du mir?

Ja. Und du mir auch?

Ganz gern. Gieb mir deine Hand! Wir wollen uns nicht wieder zanken.

Nein. Wenigstens heute nicht mehr. Das verspreche ich dir.

Indessen hatte Schwarz die N?he des Lagers erreicht. Dieses befand sich an einer Stelle des Ufers, an welcher die B?sche aus der Ebene unter die B?ume zur?ckgewichen waren, ein Umstand, welcher dem Deutschen sehr lieb sein mu?te. Die nackten Baumst?mme allein h?tten ihm kein vollst?ndig sicheres Versteck geboten. Da sich aber das Gestr?uch zwischen ihnen befand, so konnte er sich hinter und in demselben leichter n?hern.

Die Sklavenj?ger sa?en zwischen den beiden Feuern, so da? sie von den hier am Wasser sehr zahlreichen Stechfliegen weniger bel?stigt werden konnten. ?ber der einen Flamme hing ein t?nernes Gef??, in welchem Fische gesotten wurden, die man im Maijeh gefangen hatte. Die mitgenommenen Sklavinnen rieben Durrah zu Mehl und buken am andern Feuer die bekannten Fladen.

Die M?nner hatten alle ihre Pfeifen im Munde. Die Quantit?t des aus der Seribah entf?hrten Tabaks war eine so bedeutende, da? die Abtr?nnigen vom Morgen bis zum Abend rauchen konnten. Jenseits der Feuer lag das Gep?ck unter den B?umen; ob es viel oder wenig war, konnte Schwarz nicht sehen. Er kroch auf H?nden und F??en n?her und immer n?her, bis er zwei B?sche erreichte, welche sich kaum f?nf Schritte weit von dem ersten Feuer befanden. Sie standen nahe beisammen. Unter und zwischen ihnen war Raum f?r einen Menschen. Der Deutsche schob sich langsam und vorsichtig hinein und zog dann seinen K?rper m?glichst zusammen, um wenig Raum einzunehmen.

Er konnte nun den Kreis der M?nner ?berblicken. Sie mu?ten wohl alle anwesend sein, denn er z?hlte einundvierzig. Der erste Blick gleich zeigte, welcher von ihnen der Feldwebel war. Er sa? dem Lauscher nahe und f?hrte das Wort. Schwarz konnte alles h?ren.

Es thut mir leid, sagte der Alte soeben, da? er ertrunken ist; aber schade ist es eigentlich nicht um ihn. Allah hat es gewollt, und so ist es das Beste gewesen. Dieser Onbaschi war uns nicht sicher genug. Er ha?te Abd el Mot, aber er hing zu sehr an Abu el Mot. Wir konnten uns nicht auf ihn verlassen. Ich hatte ihn stets im Verdachte, da? er uns entlaufen werde, um uns zu verraten.

Das konnte er gar nicht wagen, bemerkte einer.

Warum nicht?

Weil Abu el Mot ihm sofort als Verr?ter eine Kugel gegeben h?tte.

Das glaube ja nicht! Er h?tte ihn begnadigt. Es versteht sich ja ganz von selbst, da? der Onbaschi die Sache so dargestellt h?tte, da? auf ihn gar keine oder nur sehr wenig Schuld gefallen w?re. Wehe aber dann uns! Fielen wir infolge eines solchen Verrates Abu el Mot in die H?nde, so w?rde er sich alle m?glichen Qualen ausdenken, um sie uns erleiden zu lassen.

Das ist wahr. Und darum sollten wir nicht hier liegen bleiben!

O, wir sind hier ganz sicher!

Das glaube ich nicht. Wenn der Herr nach der Seribah kommt und sie verw?stet findet, so geht er zu den Dschur, von denen er alles erf?hrt. Dann kommt er uns mit den Nuehr, die er anwerben wollte, nach, und wir sind verloren.

Ja, wenn! Aber er wird eben jetzt noch nicht kommen.

Wei?t du das denn?

Sehr genau!

Aber es wurde ja gesagt, da? er jeden Augenblick erwartet werden k?nne!

Das gebe ich zu; ich selbst habe es auch gesagt, um euch zur Eile anzutreiben; aber ich wei?, da? er erst sp?ter zur?ckkehrt.

Hat er es dir gesagt?

Nein; ich vermute es. Sage mir doch einmal, ob er von der Ghasuah wei?, welche Abd el Mot nach Ombula unternommen hat!

Kein Wort wei? er. Abd el Mot hat sie auf sein Risiko unternommen.

Wird dieser wohl gewu?t haben, wenn sein und unser Herr zur?ckkehren wird?

Sicher!

Wird er wohl nach Ombula gegangen sein zu einer Zeit, w?hrend welcher der Herr zur?ckkehrt?

Das ist nicht wahrscheinlich.

Nun, so sage ich euch, Abd el Mot ist noch nicht von Ombula zur?ck, folglich kehrt auch Abu el Mot noch nicht heim. Wir sind also ganz sicher vor diesem Vater des Todes und k?nnen in aller Ruhe und ohne Sorgen hier bleiben und die R?ckkehr der Ghasuah erwarten.

Wenn du dich nur mit dieser nicht t?uschest! Es fragt sich, ob die Kameraden von Abd el Mot zu uns ?berlaufen.

Sie kommen; darauf k?nnt ihr euch verlassen. Ich kenne meine Leute.

Wollen es hoffen! Ich glaube es auch, da keiner von allen diesen Abd el Mot gern leiden mag. Freilich werden wir uns dann vielen und gro?en M?hen und Beschwerden zu unterziehen haben. Bedenke, da? die Ghasuah eine Menge von Sklaven und Tieren mitbringen wird. Dazu die Herden, welche wir hier haben. Das gibt einen Transport, welcher sehr schwierig ist. Wir kommen, wenn wir damit nach S?den wollen, nur h?chst langsam fort, und da steht zu bef?rchten, da? Abu el Mot uns mit seinen Nuehrs einholen wird.

Meinst du, da? ich das nicht auch bedacht habe? Aber wenn die Leute der Ghasuah zu uns ?bergehen, so sind wir stark genug gegen die Nuehr, obgleich wir ihre Zahl nicht kennen. Zweihundert, h?chstens dreihundert wird er bringen. Wir aber z?hlen weit ?ber f?nfhundert dann. Und was die Tiere betrifft, so werden wir uns nicht mit ihnen zu schleppen brauchen.

Wieso? Meinst du, da? wir sie nicht mitnehmen?

Ja, das meine ich.

Was soll denn mit ihnen geschehen?

Wir verkaufen sie.

Das ist schwierig!

O nein. Man mu? das Gesch?ft nur verstehen. Wir vertauschen sie gegen Elfenbein.

Allah! Welch ein Gedanke!

Gef?llt er dir?

Er ist kostbar. Aber die Sache hat Eile. Wir bleiben doch nicht noch wochenlang hier!

Der Feldwebel that einen tiefen Zug aus der Pfeife, blies den Rauch von sich, strich sich den Bart und sagte, wohlgef?llig l?chelnd:

Ja, da seht ihr wieder einmal, was ihr jetzt f?r einen Anf?hrer habt! Ich ritt gestern hier fort und kehrte erst heute gegen Abend zur?ck. Wo bin ich wohl gewesen?

Du hast es uns ja gesagt!

Nein.

Nicht nach Ombula zu, um dich heimlich zu unterrichten, wie es dort steht?

Ist mir nicht einfallen.

Aber du erz?hltest doch vorhin, da? du fast bis ganz hin gekommen seist!

Das that ich, um euch morgen fr?h zu ?berraschen. Sage mir doch einmal, wo die ber?hmtesten Elfenbeinh?ndler zu finden sind?

Nat?rlich bei den Dor-Negern.

Wie weit hat man zu ihnen?

Von hier aus zu Pferde fast einen ganzen Tag.

Nun, ich bin bei ihnen gewesen.

Wirklich? Wegen des Elfenbeines?

Ja.

Das ist gut, das ist gut!

Nicht blo? der eine rief dies aus, sondern es stimmten alle mit ihm ein. Die l?stigen Tiere gegen Elfenbein, welches man mit gro?em Gewinn verkaufen konnte, los zu werden, war ihnen allen h?chst willkommen.

Ich habe ihre Gruben gesehen, fuhr der Feldwebel fort. Sie sammeln das Bein jahrelang und verstecken es in Gruben, bis sich eine Gelegenheit bietet, es gegen Rinder zu vertauschen. Diese Gruben halten sie geheim, damit ihre Sch?tze ihnen nicht gestohlen werden; aber als ich ihnen sagte, was ich wollte, da ?ffneten sie eine derselben, um mir den Inhalt derselben zu zeigen. Ich sage euch, da? ich mit Staunen dabei stand. Und der Preis, welchen sie forderten, war so gering, da? wir ein Gesch?ft machen werden, wie Abu el Mot noch keins gemacht hat.

Hast du denn bereits mit ihnen gehandelt?

Ich habe ihnen gesagt, wie viele Tiere sie von uns erhalten k?nnen, und so wollen sie morgen kommen und den Handel abschlie?en. Sie bringen viele Lasten Elfenbein mit.

Morgen also? Um welche Zeit?

Ich sagte ihnen, da? wir Eile haben. Sie werden infolgedessen schon heute aufbrechen, die ganze Nacht hindurch marschieren und bereits mit Anbruch des Tages hier sein.

Das ist

Der Sprecher wurde unterbrochen. Man vernahm den nahenden Hufschlag eines Pferdes. Eine laute Stimme ert?nte von dem ersten, nach S?den gelegenen Postenfeuer her?ber, eine andre antwortete. Man h?rte darauf einen Ausruf der ?berraschung, und dann kam der Reiter herbei.

Die Leute waren aufgesprungen und blickten dem Nahenden erwartungsvoll entgegen. Wer mochte es sein? Er kam aus s?dlicher Richtung, und dort lag Ombula. War er vielleicht ein Bote von Abd el Mot?

Diese Vermutung best?tigte sich. Als der Reiter das Feuer erreicht hatte und sie sein Gesicht sehen konnten, rief der Feldwebel aus:

Babar, du bist es? Sei willkommen und steige vom Pferde!

Der Angekommene sprang aus dem Sattel, trat in den Kreis seiner Kameraden, von deren Abfall er noch keine Ahnung hatte, sah einen nach dem andern erstaunt an und rief:

Bei Allah, ich wei? nicht, ob ich meinen Augen trauen darf! Sehe ich denn recht? Ihr hier, die ich in der Seribah vermute! Und auch du mit, Feldwebel! Du warst ja Gefangener!

Ich bin frei, wie du siehst, antwortete dieser.

Wer hat dir denn die Freiheit wiedergegeben? Abu el Mot? Ist er schon zur?ck?

Davon sp?ter! Jetzt sage mir erst einmal, wo hast du deine Flinte?

Dort am Sattel h?ngt sie.

Und dein Messer?

Hier im G?rtel.

Zeige doch einmal!

Er zog ihm das Messer aus dem G?rtel und erkundigte sich weiter:

Was hast du sonst noch f?r Waffen?

Keine. Was fragst du, und was willst du mit dem Messer?

Der Feldwebel trat zum Pferde, nahm die Flinte, welche am Sattelknopfe hing, gab sie und das Messer einem der Leute, welcher beides zum Gep?ck trug, und antwortete dann dem erstaunten Frager:

Babar, du bist einer unsrer besten und wackersten M?nner; ich g?nne dir ein langes Leben und alles Gute, aber du stehst jetzt bereits mit einem Fu?e auf der Br?cke, welche aus diesem Leben f?hrt.

Wie? Was? fragte Babar.

Du hast meine Worte geh?rt, und es ist in Wirklichkeit so, wie ich sage. Ich werde dir das erkl?ren. Vorher aber sage mir, ob die Ghasuah Erfolg gehabt hat.

Einen ungeheuern. Wir haben wohl an die tausend Sklaven.

Und nun kommt ihr zur?ck?

Noch nicht. Das Gl?ck hat Abd el Mot unternehmend gemacht. Er ?berf?llt noch ein andres Dorf, wo er vielleicht ebensoviele Schwarze fangen wird.

So ist er also nicht mehr in Ombula?

Nein. Diese Gegend wurde ihm zu unsicher. Man kann sich dort nicht verteidigen, da alles niedergebrannt ist, und doch steht zu erwarten, da? die Belanda sich versammeln werden, um uns unsern Raub wieder abzujagen. Darum hat er seine Asaker geteilt. Mit dreihundert ist er weiter gezogen, um noch mehr Sklaven zu machen, und zweihundert sind eine Strecke r?ckw?rts gegangen, bis an einen Ort, wo man sich gegen einen ?berfall leicht wehren kann.

Wo ist dieser Ort?

Einen halben Tagemarsch von hier, und ganz ebenso weit von Ombula. Es ist ein nicht ganz ausgetrocknetes Regenbett, in welchem wir auf dem Hinmarsche zwei Wei?e fingen, welche nach Ombula wollten, um den Belanda unsre Ghasuah zu verraten. Hinter diesem Regenbette liegt ein Maijeh, und zwischen beiden lagern wir.

Und wo willst du hin?

Nach der Seribah zu Abu el Mot.

Allah! Ist er zur?ck?

Das mu?t du doch besser wissen als ich! Abd el Mot meint, da? er nun heimgekehrt sein m?sse, und sendet mich zu ihm, um ihm zu sagen, er m?ge mit den Nuehr schnell nachkommen, da wir an Zahl zu wenig sind, so viele Sklaven zu transportieren und, wenn wir angegriffen werden, zugleich auch zu verteidigen.

Teufel! rief der Feldwebel. Abu el Mot schon zur?ck! Wer konnte das denken! Vielleicht ist er schon hinter uns her!

Hinter euch her? Wie habe ich das zu verstehen? Seid ihr denn ohne seine Erlaubnis aus der Seribah fort?

Ja.

Wer befindet sich denn dort?

Niemand.

Ists m?glich? So stehen die Tokuls verlassen?

Sie stehen nicht verlassen, sondern sie stehen ?berhaupt nicht mehr.

Bist du irrsinnig? Warum sollen sie nicht mehr stehen?

Weil sie verbrannt sind.

Verb

Das Wort wollte nicht ?ber seine Lippen. Der Feldwebel nickte ihm mit einem zweideutigen L?cheln zu und fuhr fort:

Die ganze Seribah liegt in Asche.

Allah sch?tze meine Ohren! rief Babar. Ich wei? nicht mehr, ob ich ihnen trauen darf. Auch dein Gesicht ist nicht wie dasjenige eines Mannes, welcher abgebrannt ist. Du lachst sogar. Dort sehe ich K?rbe und Pakete liegen. Was hat das zu bedeuten?

Du sollst es h?ren. Setze dich mit uns ans Feuer! Ich werde dir erz?hlen, was geschehen ist.

So mache schnell! Ich bin au?erordentlich gespannt, es zu h?ren. Aber meine Flinte und mein Messer! Warum hast du sie mir abverlangt? Warum gibst du sie mir nicht wieder?

Auch das sollst du erfahren. Es sind Dinge geschehen, von denen du keine Ahnung hast. Wenn du klug bist, so benutze es. Es steht jetzt in deiner Hand, dein Gl?ck zu machen.

Er zog den Mann neben sich an das Feuer nieder und begann seine Erz?hlung.

Dies und manches hatte Schwarz geh?rt und gesehen; nun aber glaubte er genug zu wissen. Er kroch in die B?sche zur?ck und schlich sich davon. Als er bei seinen Leuten ankam, sagte Pfotenhauer:

Das war halt eine lange Zeit, die wir auf Sie warten mu?ten, wohl ?ber eine ganze Stund. Habens denn was gh?rt?

Genug, mehr als genug!

Und Gutes?

Nein. Mein Bruder ist gefangen.

Tausend Teuxel! Wissens das aber auch gwi??

Ja. Einen halben Tagemarsch von hier ist er mit dem Elefantenj?ger in die H?nde Abd el Mots geraten.

Und wo ist er jetzt?

Das wei? ich nicht. Ich wollte nicht so lange warten, bis alles erz?hlt war. Aber ich werde es erfahren.

So machens schnell! Wir m?ssen nat?rlich rasch aufbrechen, um die beiden herauszuholen.

Das versteht sich ganz von selbst. Aber diese Nacht m?ssen wir noch hier bleiben. Die Ghasuah ist gelungen. Ombula steht nicht mehr. Tausend Sklaven befinden sich in den H?nden Abd el Mots, und er will sogar noch mehr haben!

So! Das ist ja ganz entsetzlich! Nun, wir werden ihm einen Querstrich durch die Rechnung machen, der ihm gar vielleicht durchs Leben geht. Aber erz?hlens deutlicher, was dort an den Feuern gsprochen worden ist. Wenn Ihr Bruder, der Sepp, mein Spezial, gfangen worden ist, so mu? ich doch ebenso gut wie Sie derfahren und wissen, wie dieser Abd el Mot das angfangen hat. Nachhero kann man sich besser ?berlegen, wie man ihn wieder herausbekommt.