Karl May.

Die Sklavenkarawane





Ja, das wei? ich, antwortete Schwarz l?chelnd.

Nun? Den lateinischen Namen?

Balaeniceps rex.

Wahrhaftig, Sie wissens! Und wie wird dieser Vogel hier gnannt?

Abu Merkub, Vater des Schuhes.

Warum?

Weil der obere Schnabel die Form eines Schuhes hat.

Richtig! Da sehens wieder mal, da? die Leut hier den Tieren ihre Namen nach gewissen Eigenschaften geben. Sonst fliegt der Abu Merkub nit so hoch. Er mu? aufgscheucht worden sein. Er kam aus dera Gegend, wohin die Boote gfahren sind, von dorther, wo schauns, da kommt es, unser Boot! Sehens es, ganz da drau?en im Kanal?

Ja. Es schleppt ein zweites hinter sich her. Jetzt werden wir erfahren, welchen Erfolg die Jagd gehabt hat.

Die beiden Fahrzeuge wurden auch von andern bemerkt. Die Leute machten einander durch laute Zurufe auf sie aufmerksam. Auch die Nuehr, soweit sie nicht mit ihren Toten und Verwundeten zu thun hatten, richteten ihr Augenmerk auf sie.

Als sie n?her kamen, stellte es sich zur Entt?uschung der Sieger heraus, da? Abu el Mot entkommen war. Die Niamniam und Asaker kehrten vollz?hlig und unverletzt zur?ck, und das Boot, in welchem der Sklavenj?ger die Flucht ergriffen hatte. war leer. Es hatte also keinen Kampf gegeben.

Die Niam-niam legten bei der Dahabi?h an, und der Vater der elf Haare war der erste, welcher an Bord stieg und zu Schwarz kam, um ihm seine Meldung zu machen.

Wie siehst du aus? fragte dieser. Du bist ja ganz na?!

Der Kleine nahm seinen Turban ab, strich die ganz tr?bselig aussehenden Federn desselben mit der Hand und antwortete:

Ich warrr gefallte in Wasser, triefendes.

Wie ist das gekommen?

Ich hatt gescho?te auf Abu el Mot, miserablem, und da mu?t schaukelnte derrr Kahn, unvorsichtiger; da hatt ich machte Wasserplumps, kopf?bergen.

So ist also Abu el Mot entkommen.

Ja; errr ist fahrte an Ufer, von uns unerreichtes, und gelaufte davon in Busch, gestr?uchigen.

Die Homr mit ihm?

Seinte auch entfl?chtete, die Homr, f?nfige!

So konntet ihr das Boot also nicht einholen?

Nein, denn es hatt gehabte Vorsprung, ?berm??igen; wir es nicht kann einholte trotz Anstrengung, aller und fast ?berm??iger. Aber wir hatt auffangte Boot, seiniges, und bringte es herrr in Triumph, siegreichem.

An welches Ufer hat er sich denn gerettet? Etwa an das linke?

Nein, sondern an rechtiges, von uns hier aus aber linkiges, weil wir habte Stellung aufw?rtsige in Flu?.

So ist er also fort! sagte Pfotenhauer. Er wird sich nit wieder sehen lassen, und Sie k?nnen Ihr dem Mudir gegebenes Wort nit einl?sen.

Ich hoffe, es doch noch zu k?nnen, antwortete Schwarz.

Das bezweifle ich!

Und ich bin ?berzeugt, da? er mehr als ich daf?r sorgen wird, da? wir uns wieder treffen.

Das w?r dumm von ihm!

Gewi? nicht, n?mlich von seinem Standpunkte aus.

Wir haben ihm eine Schlappe beigebracht, wie er sie in seinem ganzen Leben gewi? noch nicht erlitten hat. Klug w?re es freilich von ihm, sich nicht nur von uns, sondern auch ?berhaupt in dieser Gegend niemals wieder sehen zu lassen; aber wie w?re das mit seinem Charakter zu vereinbaren! Es handelt sich bei ihm nur darum, sich nicht nur an mir, sondern auch an Hasab Murat zu r?chen, und darauf wird er auf keinen Fall verzichten. Ich bin vielmehr ?berzeugt, da? er sich damit sehr beeilen wird.

Aber wie will er das anfangen?

Er holt seine Leute als Hilfe herbei.

Die nach Ombula sind? So meinens also, da? er nach dort gehen wird? Ja, das ist freilich wahrscheinlich. Das sind f?nfhundert gut bewaffnete Leut, mit denen er es schon wagen kann, uns anzugreifen. Aber nach dem Maijeh Husan el bahr ist nit so weit wie bis Ombula. Vielleicht geht er erst dorthin?

Das glaube ich nicht. Er mit den f?nf Homr? Gegen f?nfzig Aufr?hrer? Das ist ein zu gro?es Wagnis.

Aber er mu? doch hin, da er nur dort die Munition, welche ihm fehlt, erlangen kann! Er mag vielleicht der Ansicht sein, da? diese Leut, wann er ihnen verzeiht, sich wieder zu ihnen halten.

M?glich ist das; aber er wird dennoch nach Ombula gehen und erst von dort aus mit hinreichender Macht den Feldwebel aufsuchen.

Wie ers macht, das ist mir gleich, wann wir ihn nur wiederbekommen! Ich rechne aber nit mit solcher Sicherheit darauf wie Sie. Wann er klug ist, begibt er sich nit nochmals in die Gfahr, welcher er jetzt nur mit Not entkommen ist. Er wei? ja auch ?berhaupt nit, ob es ihm m?glich ist, uns nochmals anzutreffen.

Was das betrifft, so hat er geh?rt, da? wir ihn haben wollen. Er mu? nat?rlich annehmen, da? ich nur deshalb hieher gekommen bin, ihn gefangen zu nehmen. Darum ist er ?berzeugt, da? ich nach ihm suche. Auch von seinem Feinde Hasab Murat mu? er der Ansicht sein, da? dieser nicht heimkehren werde, ohne wenigstens den Versuch gemacht zu haben, ihn zu erwischen.

Sollte er das wirklich denken? Sollte er uns f?r so dumm halten, ins Blaue hinein nach ihm zu forschen, ohne irgend ahnen zu k?nnen, wo er zu finden ist? Denn das letztere mu? er doch denken.

O nein. Er wei?, da? wir nach Ombula gehen werden.

Sie meinen, da? er das err?t?

Ja. Er mu? sich doch jedenfalls folgendes denken: Wir sind nach der Seribah gekommen, um ihn zu bestrafen. Wir haben ihn gar nicht und sie einge?schert gefunden. Selbstverst?ndlich haben wir uns da bei den Dschur erkundigt und erfahren, wohin er will, und sind ihm schleunigst nachgefolgt. Nun er uns entgangen ist, wissen wir doch, wohin er sich wenden wird und wenden mu?, und wir werden ihm nachfolgen. Das denkt er gewi?, und danach wird er handeln.

Ja, wenn Sie die Sach so erkl?ren, so wird sie schon richtig sein. Und nun, wie gedenkens dann, wohin wir gehen? Nach dem Maijeh oder nach Ombula?

Nach dem Maijeh. Ich habe meine guten Gr?nde dazu.

Welche sind das?

Erstens wird er glauben, da? wir ihm nach Ombula folgen, und sein Verhalten nach dieser Voraussetzung einrichten. Indem ich es nicht thue, stelle ich mich in den Vorteil gegen ihn. In Ombula wird es ihm leichter, sich gegen uns zu wehren, als wenn wir ihn an einem andern Orte, den wir selbst ausw?hlen, w?hrend des Heimzuges ?berrumpeln. Und sodann haben wir, wenn wir den Feldwebel mit seinen Leuten vorher festnehmen, den R?cken frei, was nicht der Fall w?re, wenn wir direkt nach Ombula gingen und also zwischen zwei Lager k?men.

Aber Sie m?ssen halt dennoch mit dem Umstand rechnen, da? er den Feldwebel aufsucht. Die Klugheit erfordert das. Er mu? ihn, um die Herden und alles andre zu retten, auf irgend eine Weis vor uns warnen.

Das habe ich schon in Betracht gezogen. Ich mu? suchen, ihm zuvorzukommen. Darum werde ich einstweilen mit der Dahabi?h voranfahren. Die hundertf?nfzig Soldaten, welche sich auf derselben befinden, sind mehr als ausreichend f?r die ?berw?ltigung des Feldwebels. Jetzt aber gilt es, hier mit den Nuehr zu Ende zu kommen. Ich werde mit dem H?uptling in Verhandlung treten.

Diesen letzteren sah man auf dem Deck des Sandal sitzen. Seine Leute lagen oder standen um ihn her und unterhielten sich unter lebhaften Gestikulationen. Es war nat?rlich anzunehmen, da? ihre gegenw?rtige mi?liche Lage der Gegenstand ihrer Reden sei. Schwarz trat an den Rand der Dahabi?h und rief ihn an. Der H?uptling stand auf und trat an die Br?stung des Sandal.

Ich habe mit dir zu reden, sagte Schwarz.

So sprich! antwortete der Nuehr.

Nicht so, nicht aus dieser Entfernung. Komm her?ber auf mein Schiff!

Du kannst ebenso auf das meinige kommen!

Ich glaube, es ist Sitte, da? der tiefer Stehende zu den H?hern, der Besiegte zu dem Sieger kommt.

Noch bin ich nicht besiegt!

Weil wir euch geschont haben. Wir werden es aber nicht l?nger thun, wenn du dich weigerst, meiner Aufforderung Folge zu leisten.

Wie kannst du von mir verlangen, zu dir zu kommen und mich also in deine H?nde zu liefern!

Das verlange ich nicht. Ich will nur mit dir sprechen. Ich m?chte euch nicht t?ten. Wenn du kommst, werde ich dir nichts thun und dich auch nicht zur?ckhalten.

Sagst du die Wahrheit?

Ja.

Ich kann zu meinen Leuten zur?ck, selbst dann, wenn ich nicht mit dir einig werde?

Gewi?; ich verspreche es dir.

Schw?re es mir beim Propheten!

Nun wohl! Mohammed ist mein Zeuge, da? du gehen kannst, sobald es dir beliebt.

So komme ich.

Auch nit ?bel! lachte Pfotenhauer. Schw?rt dieser Naturforscher Schwarz auf den alten Mohammed! Man derlebt doch sonderbare Sachen. wann man die Nas in fremde L?nder steckt! Was werdens ihm denn f?r Bedingungen machen ?

Sich zu ergeben, das verlange ich, und daf?r soll er straflos ausgehen.

Ist das nit zu gelind?

Nein. Diese Nuehrs haben nicht den richtigen Begriff von der Abscheulichkeit des Sklavenhandels. Und selbst wenn sie sich derselben bewu?t w?ren, wie soll ich sie strafen? Etwa indem ich sie alle erschie?e?

Nein.

Oder sie in ein Zuchthaus stecke?

Da gibts keins.

Habe ?berhaupt ich ?ber sie zu richten?

Wohl schwerlich! Es wird sogar zweifelhaft sein, ob der Mudir das Recht hat, sie zu bestrafen.

Ganz richtig! Es f?llt mir gar nicht ein, etwas zu thun, was nicht meines Amtes ist. Und au?erdem gebietet mir die Klugheit, Milde walten zu lassen. Was wollen wir mit diesen vielen Menschen thun, wenn sie in unsre H?nde fallen? Sie vielleicht mit uns umherschleppen, da? sie uns in allem hindern und vielleicht gar bei Gelegenheit gegen uns losbrechen? Nein, ich lasse sie laufen.

Jetzt kam der H?uptling in einem Boote herbei. Schwarz befahl Kaffee und Pfeifen und begab sich mit Pfotenhauer in die Kaj?te, wo er den H?uptling empfing.

Er war sehr gut gebaut, die schmale, enge Brust abgerechnet, welche alle V?lker haben, welche in Flu?niederungen und sumpfigen fiebererzeugenden Gegenden wohnen. Quer ?ber die Stirn trug er drei parallele Narben. Die Eltern bringen den Knaben schon in der Jugend diese Schnitte bei. Die Narben gelten als Sch?nheit. Ferner hatte er in der Unterkinnlade keine Vorderz?hne. Die Nuehr haben die Sitte, diese den Kindern auszubrechen, weshalb, das ist schwer zu sagen. Dadurch bekommt ihre Sprache etwas Eigent?mliches, was sehr schwierig nachzuahmen ist.

Auf Schwarzens Einladung setzte er sich nieder, trank seine Tasse Kaffee aus und lie? es gern geschehen, da? der schwarze Diener ihm die Pfeife in Brand steckte. Als er zwei oder drei Z?ge gethan hatte, lie? er ein wohlgef?lliges, ja entz?cktes Grunzen h?ren. Er hatte bisher stets nur mit andern Bl?ttern vermischtes schlechtes Tabakspulver rauchen k?nnen. Der Wohlgeruch und Wohlgeschmack dieser Pfeife versetzte ihn in Ekstase. Schwarz begann:

Du sagtest, da? wir euch noch nicht besiegt h?tten. H?ltst du es vielleicht f?r m?glich, uns noch zu entkommen?

Nein, gestand der Schwarze in naiver Aufrichtigkeit.

Was gedenkst du da zu thun?

Zu k?mpfen bis auf den letzten Mann.

Was h?ttest du davon?

Wir w?rden viele von euch t?ten.

Ohne einen Vorteil davon zu haben!

M?ssen wir nicht? Sind wir nicht dazu gezwungen?

Nein.

Der H?uptling machte ein au?erordentlich erstauntes Gesicht. Fast w?re ihm dabei die Pfeife ausgegangen. Er bemerkte das, that schnell einige Z?ge und fragte dann:

Du willst wirklich nicht weiter mit uns k?mpfen?

Nein.

Aber wir werden uns doch nicht ohne Gegenwehr t?ten lassen sollen!

Das mute ich euch auch gar nicht zu. Aber was meinst du denn, was geschehen soll? Der Sieger t?tet entweder die Besiegten, oder er macht sie zu Sklaven. Und ich will weder von dem einen noch von dem andern etwas wissen. Ich will euch nicht t?ten und brauche auch keine Sklaven. Ich bin ein Christ.

Ein Christ? Er suchte in seinem Ged?chtnisse nach, um dar?ber, was man unter einem Christen zu verstehen habe, klar zu werden. Endlich d?mmerte eine Erinnerung in ihm auf, und er fuhr fort:

Sind das die Leute, welche Schweinefleisch essen d?rfen?

Ja. Doch ist das nicht etwa das Hauptzeichen, welches uns von den Bekennern des Propheten unterscheidet. Unsere Religion gebietet uns, zu lieben anstatt zu hassen und selbst unsern Feinden Gutes zu erweisen.

Der Nuehr sah ein, da? dieses Gebot sehr vorteilhaft f?r ihn sei, und fragte:

Und ihr gehorcht dieser Religion auch wirklich?

Ja.

Du wei?t doch wohl, da? wir deine Feinde sind?

Allerdings.

So mu?t du uns Gutes erweisen!

Das beabsichtige ich auch, zu thun, antwortete Schwarz, innerlich belustigt ?ber die schlaue Logik dieses Mannes.

Und worin soll das bestehen?

Das wird ganz auf dich ankommen. Sage mir aufrichtig, wozu Abu el Mot euch angeworben hat!

Um Sklaven zu machen.

Wo?

Bei den Niam-niam.

Was bot er euch daf?r?

Speise und Trank, Kleider, wie sie bei unserm Volk getragen werden, jedem eine Flinte und sodann f?r jeden Sklaven, den wir machen w?rden, einen Abu Noktah.

Das ist sehr wenig! Ihr seid also blo? zum Sklavenfang angeworben worden. Warum habt ihr da gegen uns gek?mpft?

Weil Abu el Mot es so wollte, weil wir seine Genossen, seine Verb?ndeten sind und ihn also verteidigen mu?ten.

Ihr habt erfahren, wie gef?hrlich es ist, der Genosse eines Sklavenj?gers zu sein! Eure Freundschaft f?r ihn hat euch viele Tote und Verwundete gekostet.

Ja, es sind ihrer viele, antwortete der H?uptling niedergeschlagen. Deine Medfa hatte gro?en Hunger; sie hat mehr von uns aufgefressen, als ihr kleiner Mund verschlingen kann.

Hast du sie gez?hlt?

Ja. Es sind ?ber drei?ig Tote und doppelt so viel Verwundete. Mehrere sind sogar durch die Compirah geschossen! Was soll weiter werden?

Sage vorher, wem die Schiffe geh?ren!

Einem Manne in Diakin.

Ist er Sklavenh?ndler?

Nein.

Oder reich?

Auch nicht. Die Schiffe sind sein einziges Eigentum, und er wird sehr arm werden dadurch, da? du sie verbrennst.

Wer sagt dir, da? ich sie verbrennen werde?

Jeder Sieger w?rde das thun oder sie f?r sich behalten.

Hat er sie dazu vermietet, da? mit ihnen eine Ghasuah unternommen werden solle?

Nein. Sie sollten uns nach der Seribah bringen und dann umkehren. Aber weil der Noqer Abu el Mots verbrannt worden war, mietete er sie weiter.

So soll dieser Mann seine Schiffe wieder bekommen. Sage ihm, da? ich sie ihm schenke!

Das wolltest du thun? Herr, deine G?te ist ganz ohnegleichen! Aber wie soll ich ihm das sagen?

Sobald du nach Diakin kommst.

Komme ich denn hin?

Ja, du und deine Leute. Ich schenke euch die Freiheit.

Da lie? der Schwarze seine Pfeife fallen, sprang auf und rief:

Die Freiheit? Ist das m?glich? Herr, du scherzest nur mit mir!

Nein; was ich sage, das ist mein vollster Ernst. Ihr sollt leben bleiben.

Alle? Auch ich?

Alle und auch du mit eingeschlossen; aber ich mache meine Bedingungen dabei!

Sage sie; sage sie! forderte der Schwarze ihn freudig auf. Wir werden alles thun, was du verlangst, wenn es nur m?glich ist

Ihr gebt alle eure Waffen ab!

Die sollst du erhalten. Wir haben genug andre daheim.

Ihr denkt ferner nicht mehr an Abu el Mot; ihr macht keinen Versuch, ihn aufzufinden, sondern ihr fahrt in euern beiden Schiffen so schnell wie m?glich heim.

Das werden wir gern thun, sehr gern!

Ich hoffe es. Ich werde nur mit der Dahabi?h diese Stelle verlassen, und meine Noqer bleiben hier, um daf?r zu sorgen, da? diese Bedingung auch genau erf?llt werde. Sie sollen euch folgen. Sobald ihr Miene macht, umzukehren, werden sie euch angreifen und vernichten. Beachte das wohl!

Herr, wir werden froh sein, nach Hause fahren zu d?rfen, und es f?llt uns gar nicht ein, zur?ckzubleiben. Dieser Abu el Mot hat uns schm?hlich und heimt?ckisch verlassen, und wenn ich ihn je einmal wiedersehe, so ist es um ihn geschehen.

Gut, wir sind also fertig und

Nein, wir sind noch nicht fertig, fiel der Graue ein, nat?rlich in deutscher Sprache. Ich habe auch ein Wort zu sagen und stelle noch eine Bedingung.

Seine Nasenspitze wippte in so l?cherlicher Weise auf und nieder, hin und her, da? einer, der ihn kannte, ?berzeugt sein mu?te, seine Bedingung werde eine wenig tragische sein.

Sage sie! forderte der H?uptling ihn auf; ich hoffe, da? es m?glich ist, sie zu erf?llen.

Nun gut! Ich verlange, da? ihr euch eure Compajir abschneidet und an mich abliefert!

Die Wirkung dieser Bedingung war keine geringe. Der Schwarze erschrak auf das heftigste. Er trat einen Schritt zur?ck, warf die Arme in die Luft, rollte die Augen, schrie laut auf und antwortete dann:

Herr, das darfst du nicht verlangen!

O doch! Ich verlange es. Du hast es ja geh?rt!

Aber wir k?nnen es nicht erf?llen!

Warum nicht? Es sind ja scharfe Sekakin genug da, und au?erdem haben wir einige Makassa hier, mit denen wir sie schnell herunterschneiden k?nnen.

Warum willst du uns solche Schmerzen erleiden lassen?

Schmerzen? Nehmt euch nur in acht, dann wird es nicht wehe thun!

Du irrst. Andern kann man die Compirah leicht nehmen, weil sie das Haar lose tragen. Unsre Compajir aber sind hart und fest gebaut wie Stein. Man wei? nicht, wo der Kopf aufh?rt und wo die Compirah beginnt.

Wenn ihr es nicht wi?t, so wei? ich es, denn ich bin Tabib und kenne den Bau des Kopfes ganz genau. Und wenn ich je einem von euch ein St?ck vom Sch?del mit wegschneide, so heile ich es ihm sofort wieder an.

Nein, nein, Herr! Ich glaube gern, da? du ein gro?er und ber?hmter Tabib bist, denn du hast eine Nase, welche f?rchterlich gro? ist, und wir Abdi wissen recht gut, da? ein Mensch desto kl?ger und gelehrter gilt, je l?nger seine Nase ist; aber wenn du uns die Compajir auch wirklich schmerzlos herunter schneiden kannst, so wirst du uns doch nicht die Schande anthun, uns unsres Schmuckes zu berauben und uns zu zwingen, daheim ohne die gr??te m?nnliche Zierde vor unsere Frauen zu treten.

Ich kann nicht anders, behauptete der Graue. Strafe mu? sein!

Wenn du uns strafen willst, fuhr der Nuehr voller Angst fort, so will ich dir einen Vorschlag machen. Ein Nuehr stirbt lieber, als da? er der Lieblichkeit seiner Vorz?ge entsagt. Das Los mag unter meinen Leuten entscheiden. Die H?lfte von ihnen m?gen mit ihren Compajir nach Hause gehen d?rfen, und die andern magst du t?ten und ihnen den Schmuck nehmen. Dazu magst du noch extra die Compajir unsrer Toten bekommen.

Da? er sich in gr??ter Sorge befand, bewies dieser Vorschlag. So ernst er die Sache nahm, so gro?e M?he hatten die Deutschen, das Lachen zu verbei?en. Pfotenhauer fragte:

Also deine Leute sollen losen? Du doch auch mit?

Ich? Nein, denn ich bin der Anf?hrer und als solcher ?ber das Los erhaben. Bedenke doch, da? ich auch sterben w?rde, wenn es mich tr?fe!

Ach so! Du willst aber nicht sterben? Nun, das kann ich keinem Menschen ?bel nehmen und auch dir nicht. Aber mein Gerechtigkeitsgef?hl emp?rt sich dagegen, da? einer auf alle F?lle leben bleiben soll, w?hrend die andern ihr Leben von dem Zufalle abh?ngig machen m?ssen. Darum will ich nicht blo? gegen dich milde sein, sondern auch die andern mit meiner Barmherzigkeit erleuchten. Ich verzichte hiermit auf die Compajir, verlange aber, da? du mir an deren Stelle deine Boneta el badschak ?berlieferst.

Meine Bornata el lulu? rief der Schwarze aus, indem er sich mit beiden H?nden nach der bereits beschriebenen Kopfbedeckung fuhr und seine Z?ge sich vor Entsetzen verzerrten. Herr, das kannst du nicht wollen; das kannst du nicht verlangen! Diese Bornata ist das Zeichen meiner H?uptlingsw?rde.

Das wei? ich wohl, geht mich aber nichts an. Bedenke, da? du damit das Leben von ?ber hundert Nuehrs, auf welche das Los fallen w?rde, retten kannst!

M?gen sie sterben; ich habe nichts dagegen. Kein Schah und kein Malik gibt seine Tadscha her, ohne um sie gek?mpft zu haben. Was soll dir die meinige n?tzen, da du doch nicht K?nig der Nuehr wirst sein wollen!

Diese Absicht habe ich freilich nicht. Aber du bist besiegt und hast ein Zeichen der Unterwerfung an uns abzuliefern. Etwas andres w?re es, wenn du dich entschlie?en k?nntest, dir meine Gnade dadurch zu erwerben, da? du bei uns bleibst und unser Freund und Verb?ndeter wirst. Dann brauchtest du uns weder deine Tadscha noch eure Compajir abzuliefern und w?rdest vielmehr manches von uns erhalten, was dir n?tzlich ist und dich erfreuen kann.

Als der Neger diese Worte h?rte, holte er tief und erleichtert Atem und antwortete:

Herr, du machst meine Seele wieder leicht. Ich habe gro?e Angst ausgestanden. Sage mir, in welcher Weise ich euer Verb?ndeter sein soll!

Du sollst mit uns gegen Abu el Mot ziehen, der euch so hinterlistig eurem Schicksal ?berlassen hat.

Herr, das thue ich gern, sehr gern! lautete die eilige und energische Antwort. Es war seine Pflicht, uns zu sagen, da? er fliehen wolle. Er hat uns geopfert, um nur selbst entkommen zu k?nnen, und dadurch unsre Rache verdient. Du magst noch so gro?m?tig sein und uns nach Hause ziehen lassen, ohne uns unsre Schiffe, ja selbst unsre Waffen und Compajir zu nehmen, so ist uns das doch nicht so lieb und willkommen, als wenn du uns erlaubst, bei euch zu bleiben und diesem Chajin zu zeigen, da? er uns nicht unbestraft in der Gefahr verlassen darf. Er hat, indem er dieses that, den Bund mit uns zerrissen, und ich kn?pfe nun einen neuen mit euch, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen.

Gut! Ihr sollt euch bei uns wohler als bei ihm befinden. Ihr habt gesehen, da? wir st?rker sind als er, und so gebietet euch schon die Klugheit, es lieber mit uns, als mit ihm zu halten. Wir schenken euch daf?r das Leben, die Waffen, die Compajir, kurz alles, was euch geh?rt, und dir auch deine Bornata el lulu. Dazu sollt ihr einen Teil der Beute haben, welche wir machen werden. Die Herden und Vorr?te Abu el Mots werden in unsre H?nde fallen, auch seine Soldaten, denen wir die Gewehre nehmen, um sie euch zu geben. Ihr werdet dann besser bewaffnet sein als alle St?mme an und zwischen den Fl?ssen und sie euch leicht unterwerfen k?nnen.