Karl May.

Die Sklavenkarawane





Soll da nicht vielleicht ein kleines Boot vorangehen, um nach ihm auszuschauen?

Ja. Dieser Vorschlag ist gut. Willst du das ?bernehmen?

Ich und mein Freund sind bereit dazu.

So nehmt das kleinste Boot, welches nicht leicht bemerkt werden kann!

Wenige Minuten sp?ter scho? der leichte Kahn vom Schiffe ab, um die ihm gestellte Aufgabe zu erf?llen. Dann kam der Beweis, da? der Sohn des Geheimnisses den Nil genau kannte. M?chtige Omm Sufahfelder bedeckten seine ganze Breite, urspr?nglich kaum so viel Raum lassend, da? ein kleines Boot sich hindurchwinden konnte; jetzt aber war eine breitere Bahn frei geworden, auf welcher man den Kahn der beiden Freunde um die n?chste Kr?mmung verschwinden sah. Der Re?s deutete auf diese offene Bahn und sagte:

Gestern noch ist sie zugewesen. Abu el Mot hat sie brechen m?ssen. Wir folgen ohne Arbeit hinterdrein, und ich denke, da? wir ihn bald zu sehen bekommen werden.

Seine Voraussetzung bewahrheitete sich schneller als er vielleicht selbst gedacht hatte, denn als kaum eine Viertelstunde vergangen und man aus der Omm Sufah herausgekommen war, kehrte der Kahn zur?ck, und der Sohn des Geheimnisses rief herauf:

La? die Segel fallen, Effendi! Wir haben die Schiffe gesehen. Wenn du weiterf?hrst, wirst du von ihnen bemerkt.

Sind sie im freien Wasser? fragte Schwarz.

Nein. Sie befinden sich abermals an einem Rohrfelde, durch welches sie m?ssen. Es k?nnen drei Stunden vergehen, bevor sie sich Bahn gebrochen haben.

Gut! So lassen wir die Segel und Anker fallen und sehen uns die Schiffe einmal an.

Die drei Fahrzeuge man?vrierten so, da? sie dicht nebeneinander zu liegen kamen, was den Verkehr und die Verst?ndigung bedeutend erleichterte. Dann bestiegen Schwarz, Pfotenhauer, Hasab Murat, Abd es Sirr und Ben Wafa ein Boot, um zu rekognoscieren.

Sie ruderten zwischen so hohem Schilf dahin, da? sie in demselben vollst?ndige Deckung fanden; die offene Mitte des Flusses aber mu?ten sie vermeiden, wenn sie nicht bemerkt sein wollten. Eine scharfe Kr?mmung des Flusses lag vor ihnen. Als sie dieselbe passiert hatten, sahen sie die Schiffe liegen, und zwar in einer so geringen Entfernung, da? man sie mit dem Boote binnen zehn Minuten h?tte erreichen k?nnen.

Schwarz und Pfotenhauer nahmen ihre Fernrohre zur Hand, um die Situation, in welcher Abu el Mot sich befand, zu betrachten. Es gab dort ein Schilffeld, welches von einem bis zum andern Ufer des gerade hier sehr breiten Flusses reichte, und in welchem die Schiffe sich festgefahren hatten. Um nicht noch tiefer hineinzukommen, waren die Segel niedergelassen worden. Neben und vor den Fahrzeugen waren die Boote besch?ftigt, mit allerlei Werkzeugen, deren jedes Nilschiff welche besitzt, die Hindernisse aus dem Wege zu r?umen.

Kennst du dieses Feld? fragte Schwarz den Sohn des Geheimnisses.

Ja. Wir haben M?he gehabt, es mit unserm Boote zu durchbrechen, antwortete dieser.

Ist das Feld lang?

So lang, da?, wie ich dir bereits sagte, wohl drei Stunden erforderlich sind, ehe Abu el Mot hindurchkommt.

Und wie ist dann die Strecke?

Sie ist nur einige hundert Bootsl?ngen frei.

Dann kommt wieder ein Feld, welches den ganzen Flu? bedeckt, aber auch das letzte in dieser Gegend ist.

So gibt es keine bessere Stelle zum Angriff als eben diese. Zwischen diesen beiden Feldern nehmen wir ihn fest. Er kann weder vorw?rts noch zur?ck, wenn wir es recht beginnen.

Aber an die Ufer kann er, warf Hasab Murat ein.

Das m?ssen wir ihm unm?glich machen. Mein Plan ist fertig und ich hoffe, da? er eure Zustimmung finden werde.

La? ihn h?ren!

Die beiden Schiffe m?ssen von allen vier Seiten eingeschlossen werden, so da? weder ein Schiff noch ein Mann entkommen kann. Lassen wir sie erst durch das Feld. an welchem sie jetzt arbeiten. Auf der dahinter liegenden kurzen, freien Strecke wird Abu el Mot angefallen. Vor sich hat er das zweite Feld, durch welches er nicht entkommen kann. Links von ihm gehe ich mit meiner Dahabi?h vor Anker. Hinter ihm, so da? er nicht zur?ck kann, legen sich ihm unsere beiden Noqer in den Weg

So kann er aber doch rechts an das Ufer! warf Hasab Murat ein. Dort mu? einer meiner Noqer liegen!

Nein! Wenn ich auf ihn schie?e, w?rde ich dein Schiff mit treffen und besch?digen. Du nimmst hundert deiner Leute und gehst mit ihnen an das Ufer, wo du dich so festsetzest und verbirgst, da? du nicht gesehen werden kannst.

O, ich verstehe! Das ist gut; das ist eine schlaue Falle!

Das thust du bald, noch ehe Abu el Mot jetzt durch das erste Feld gekommen ist. Du bist also vor ihm dort und hast die Aufgabe, weder ein Boot noch einen Menschen an das Land zu lassen. Deine ?brigen Leute werden auf die Noqers verteilt, also je hundert Mann auf einen. Auf diese Weise haben wir ihn zwischen uns, und es m??te ein wahres Wunder geschehen, wenn wir ihn nicht mit seiner ganzen Mannschaft in die Hand bek?men. Seid ihr einverstanden?

Der Plan war vorz?glich; es konnte keinen bessern geben; darum erkl?rte Hasab Murat sich einverstanden mit demselben, und man kehrte zur?ck.

Nun wurde sofort ans Werk gegangen, die hundert Mann, welche mit Gewehren versehen waren, auszuschiffen. Da alle K?hne dabei th?tig waren, so hatte man sie binnen einer Viertelstunde an das linke Ufer gebracht. Diese Leute standen also unter Hasab Murats eigenem Kommando. Dennoch glaubte Schwarz, sich nicht allzu sehr auf ihn verlassen zu d?rfen, und darum erkl?rte er, einstweilen mit ihnen gehen zu wollen, um den Kampfplatz aus gr??erer N?he in Augenschein zu nehmen.

Der hart an das Ufer tretende Wald hatte zwar Unterholz, aber es war nicht so dicht, da? es ein gro?es Hindernis geboten h?tte. Die Leute marschierten flu?aufw?rts, m?glichst nahe am Ufer hin, Schwarz und Hasab Murat an der Spitze.

Nach zehn Minuten sahen sie zu ihrer Linken die Masten des Sandal und des Noqer hoch aus dem Schilfe ragen. Sie befanden sich also parallel mit Abu el Mot. Weiter gings, an dem Schilffelde hin, bis dieses zu Ende war. Da gab es zu Schwarzens Freude an dieser Seite freies Wasser, welches bis an das Ufer reichte. An demselben standen B?sche genug, hinter denen sich die Leute aus der Seribah Madunga vollst?ndig verbergen konnten.

Hier bleibt ihr also, bis der Sandal und der Noqer kommt, sagte Schwarz. Ich werde ihnen sofort folgen, denn ich darf ihnen keine Zeit lassen, wegen des neuen Schilffeldes wieder in die K?hne zu steigen. Sobald ihr seht, da? die Boote bemannt werden sollen, schie?t ihr jeden weg, der hineinsteigen will.

Werden unsre Kugeln die Schiffe erreichen? fragte Hasab Murat.

Ja, denn sie werden sich in die N?he dieses Ufers halten, weil das jenseitige nicht so schilffrei ist, wie ihr seht. Ich habe euch einen wichtigen Posten anvertraut; ich hoffe, da? ihr eure Pflicht thun werdet!

Jetzt kehrte er nach der Stelle zur?ck, wo das Boot auf ihn wartete, welches ihn nach der Dahabi?h bringen sollte. Auf derselben angekommen, lie? er sogleich die Anker heben, um mit den drei Schiffen m?glichst weit vorzur?cken und sich dort wieder festzulegen. Ein Posten wurde im kleinsten Boote vor ins Uferschilf gesandt. Er erhielt das Fernrohr mit und hatte den Auftrag, den Sandal und Noqer unausgesetzt zu beobachten und sofort zur?ckzukehren, wenn er sehe, da? diese beiden Fahrzeuge die Segel wieder hissen w?rden. In diesem Falle waren sie durch das erste Schilffeld gedrungen, und man mu?te ihnen schleunigst folgen.

Jetzt machte Schwarz die beiden Kanonen bereit. Er lie? Munition zur Drehbasse bringen und lud sie mit einer Vollkugel. Dann wurde auch die Maximkanone so befestigt, da? man Sch?sse aus ihr abgeben konnte. Der Lauf wurde nach Backbord gerichtet und dann wieder mit den Decken belegt. Einige der Asaker waren Artilleristen in ?gypten gewesen. Diesen vertraute er die Drehbasse an und erkl?rte ihnen den Gebrauch derselben; er selbst wollte die Maximkanone bedienen und beorderte einige Mann zu leichter Handreichung dabei.

Dann erhielt der Re?s und der Mustamel genaue Anweisung, wie sie zu man?vrieren h?tten. Ben Wafa mu?te die Re?sahn der beiden Noqers holen, damit auch diese erfuhren, wie sie und ihre Leute sich zu verhalten h?tten.

?ber diesen Vorbereitungen waren fast zwei Stunden vergangen, und man konnte nun f?r jeden Augenblick den ausgesandten Posten zur?ckerwarten. Jeder Soldat stand an seinem Platze, m?glichst gedeckt vor den Kugeln der Feinde. Da man wu?te, aus welcher Richtung diese Kugeln kommen w?rden, so war es nicht schwer, f?r gen?genden Schutz zu sorgen.

Pfotenhauer hatte sich flei?ig aber wortkarg an den bisherigen Arbeiten beteiligt. Jetzt stand er, sein Gewehr in der Hand, neben Schwarz und sagte:

Nun wollen wir mal schaun, ob ich wirklich zum Soldat nix taugen thu und ob meine Nas wirklich mir und andern im Weg ist. Vielleicht wird mir a St?ck davon weggschossen, womit ich auch zufrieden sein m??t. Ich freu mich nur auf die Gesichter, welche sie machen werden, wanns uns sehen. Sch?n w?rs, wenn wir an sie kommen k?nnten, ohne da? sie uns vorher bemerkten!

Das ist sehr leicht m?glich, antwortete Schwarz.

Wirklich? Sie werden doch nit blo? nach vorn schauen!

Nein; aber es gibt Sandals und Noqers, welche Hecksegel f?hren, die so weit hinten herabgehen, da? sie die Aussicht nach r?ckw?rts verdecken.

Und sich zu dem in der N?he befindlichen Sohn des Geheimnisses wendend, fragte er diesen, ob die Schiffe Abu el Mots nur die gew?hnlichen Segel f?hrten. Der junge Mann hatte sich das Gewehr und die Munition eines der nun als Kanoniere verwendeten Asaker geben lassen. Er antwortete:

Diese Schiffe sind plumpe Fahrzeuge; darum hat man ihnen, damit sie viel Wind fassen, noch ein Kalakafal gegeben.

Es ist so, wie ich dachte, erkl?rte Schwarz dem Grauen. Vielleicht gelingt es uns, so nahe an sie zu kommen, da? sie uns nicht eher bemerken, als bis wir uns an ihrer Seite befinden.

Dann w?rens Ohrfeigen wert!

Warum? Ihr Augenmerk ist nur nach vorn gerichtet, und da sie nicht ahnen k?nnen, da? wir sie verfolgen, und ihnen das Segel den Ausblick verwehrt, so w?rde es gar kein Wunder sein, wenn sie uns nicht s?hen. Da! Es geht los! Dort kommt der Posten in seinem Boote. Mags gut von statten gehen! Re?s, die Segel in die H?he, und die Anker auf!

Die Ankerketten rasselten; die Leinwand stieg empor, der Wind legte sich hinein, und die Fahrzeuge setzten sich in Bewegung, die Dahabi?h voran, die Noqer hinterdrein, nachdem der zur?ckgekehrte Posten an Bord genommen worden war.

Schwarz stieg hinauf zum Steuermann, bei dem der Kapit?n stand. Die Dahabi?h bog in die Kr?mmung des Flusses ein, und nun sah man jenseits derselben das durchbrochene Omm Sufahfeld. Die Leute Abu el Mots hatten durch dasselbe einen Kanal gebahnt, durch welchen jetzt die beiden Schiffe segelten. Man konnte die Decks nicht sehen, da dieselben durch die tief herabgehenden Hintersegel verborgen wurden.

Wir sehen sie nit und sie uns nit, sagte der Vater des Storches, der mit heraufgekommen war. Nun glaub ich auch, da? wir ihnen zum Handreichen nahe sein werden, bevor sie uns bemerken. Das wird aan Schreck f?r sie, den ich nit haben m?cht!

Auf den drei Fahrzeugen herrschte lautlose Stille. Wenn je zwei miteinander sprachen, so thaten sie das fl?sternd. Es geht jedem Kampfe eine solche bange Stille voran. Desto lauter wird es dann, wenn die Feindseligkeiten begonnen haben.

Schwarz hatte den Befehl gegeben, Abu el Mot wom?glich nicht zu t?ten, und demjenigen, der ihn lebendig fangen und ihm ?berbringen werde, eine entsprechende Belohnung versprochen. Nun war das Augenmerk jedes darauf gerichtet, sich wom?glich diese Pr?mie zu verdienen.

Jetzt hatten der Sandal und der Noqer den offenen Kanal passiert, und die Dahabi?h fuhr in denselben ein. Sie kam den beiden Fahrzeugen schnell n?her. Abu el Mot sah erst jetzt, da? sich ihm nach kurzer, offener Strecke wieder ein neues Schilffeld in den Weg legte. Er befahl infolge dessen, die Segel abermals einzuziehen und die Anker zu werfen. Er sa? rauchend bei seinen f?nf Homr-Arabern, den Gef?hrten seiner Unthaten, die damals nach dem verungl?ckten ?berfalle an der Quelle des L?wen gl?cklich mit ihm entkommen waren. Sie hatten von ihrem Vorhaben, den Feldwebel zu ?berfallen und zu z?chtigen, gesprochen; es war ihnen jede Minute kostbar, und nun wurde der Lauf ihrer Schiffe schon wieder von dem dichten Schilfe aufgehalten! Es gab zwar eine Bahn durch dasselbe, aber diese war nur f?r einen Kahn, nicht aber f?r gr??ere Fahrzeuge breit genug. Der Schnabel seines Sandal war gerade auf dieselbe gerichtet gewesen und fuhr, ehe der Anker Grund fa?te, ein St?ck hinein, rechts und links das Rohr auseinanderdr?ngend. Der Noqer kam hinterdrein und legte rechts von dem Sandal bei, w?hrend die Segel aus dem Winde fielen.

Dadurch wurde der Blick nach hinten wieder frei, und nun h?rte Abu el Mot zu seinem Erstaunen den Ruf des Re?s:

Ein Schiff hinter uns! Eine Dahabi?h! Allah l Allah, wer kann sich das denken!

Er sprang auf und seine Homr mit ihm, um das so unerwartet erschienene Schiff zu sehen. Da? hinter demselben zwei Noqers kamen, konnte man nicht bemerken, da die Dahabi?h sie vollst?ndig deckte.

Kaum hatte Abu el Mot sein Auge auf das Fahrzeug geworfen, so entf?rbte er sich.

Kull mlajiki wa schejatin alle Engel und Teufel! rief er erschrocken, das ist eine Dahabi?h des Vicek?nigs!

Unm?glich! antwortete einer der Homr. Wie kannst du das behaupten?

Bist du blind? Siehst du nicht das Wappen vorn am Bug, die Pyramide mit der Sphinx? Und, bei Allah, es sind Soldaten auf derselben!

Was wollen sie?

Wei? ich es denn? Uns gilt diese Fahrt der Dahabi?h jedenfalls nicht. Wir haben nichts zu bef?rchten, so lange der Offizier nicht wei?, da? ich Abu el Mot bin.

Wenn man es ihm nun verr?t!

Wer sollte das thun? Ihr nicht, die Nuehr nicht, weil sie sonst als Leute von mir ergriffen w?rden, und die Schiffer, die ich gut bezahle, auch nicht. Und so denke ich, da? Allah akbar! Es kommt noch ein Schiff hinterher und dann gar ein drittes! Zwei Noqer! Das ist ja eine wirkliche Amara!

La? sie! Du sagst ja selbst, da? es nicht uns gilt.

Das sagte ich, doch doch Himmel und H?lle! Ich m??te mich sehr irren, wenn es nicht doch mir g?lte! Diese beiden Noqer kenne ich genau. Sie geh?ren meinem Todfeinde Hasab Murat auf der Seribah Madunga. Wie kommt er, der Sklavenj?ger, mit einem Regierungsschiffe zusammen? Sollten sie ihn auf einer Ghasuah ertappt und ihm die Noqer weggenommen haben! Seine Leute kennen mich; sie werden mich verraten.

So verstecke dich!

Das bringt keinen Nutzen, denn der Offizier wird zu uns kommen und alles untersuchen. Ich leugne, so lange es geht, und dann wehren wir uns. Macht euch zum Kampfe fertig! Seht, da ist die Dahabi?h. Sie will sich links neben uns legen, und hinter uns werfen die Noqer die Anker. So bleibt im Notfalle immer noch Rettung an das linke Ufer, dem wir nahe genug liegen. Ich werde antworten, wenn er fragt. Sagt den Nuehrs, da? sie sich bereit halten sollen! Zum Teufel, da? wir so wenig Feuergewehre und fast gar kein Pulver bei uns haben!

Die Dahabi?h war da, zur linken Seite des Sandal; sie lie? ungef?hr vierzig Schritte von ihm entfernt den Anker fallen und trieb dann an der Kette desselben wieder ein St?ck zur?ck, so da? sie nicht Bug gleich Bug, sondern mehr r?ckw?rts zu liegen kam. So war es ihr m?glich, das Deck des Sandals und auch des Noqer mit ihren Kugeln zu bestreichen. Die Situation war also folgende:

Vorn, mit dem Buge ein St?ck in dem Rohrdickicht, lag der Sandal, neben ihm der kleinere Noqer. Rechts von beiden, und zwar eine halbe Schiffsl?nge r?ckw?rts, die Dahabi?h. Hinter diesen drei Fahrzeugen die beiden Noqer aus Madunga, ihnen so nahe, da? von dorther die Flintenkugeln ihr Ziel noch trafen.

Schwarz hatte sich hinter die Maximkanone gesetzt, so da? er von dem Deck des Sandal aus nicht gesehen werden konnte. Beim Re?s stand der Hauptmann aus Faschodah, welcher zuerst sprechen sollte. Er that dies, indem er hin?berfragte:

Was ist das f?r ein Sandal und f?r ein Noqer? Wem geh?ren diese Schiffe?

Mir, antwortete Abu el Mot, welcher am Rande seines Fahrzeugs stand und mit Befriedigung die kriegerische Haltung seiner Nuehr bemerkte.

Wer bist du? erkundigte sich der Hauptmann weiter.

Ich hei?e Jussuf Helam und bin H?ndler.

Womit?

Mit allerlei Waren.

Wo bist du her?

Aus Wau.

Und wohin willst du?

Stromaufw?rts, um zu handeln und zu tauschen.

Mann, ich glaube, du l?gst!

Allah erleuchte dein Geh?r! Ich habe die Wahrheit gesagt; hast du sie nicht geh?rt, so sind deine Ohren schuld; du h?rst anders als man spricht!

Spotte nicht; ich kenne dich!

Und ich habe dich noch nicht gesehen!

Du bist Abu el Mot, der Sklavenr?uber.

So erleuchte Allah auch deine Augen; denn du siehst Dinge und Menschen, welche gar nicht vorhanden sind!

Ich sehe sehr richtig. Ich sehe sogar die f?nf M?nner, welche hinter dir stehen. Geh?ren sie nicht zu den Homr, von denen auch Abu el Mot stammt?

Nein. Sie sind auch Handelsleute aus Wau, welche ihre Waren auf meinen Schiffen transportieren.

Das ist nicht wahr. Ich kenne dich und sie. Der Mudir Ali Effendi Abu Hamsah miah in Faschodah l??t euch gr??en. Er sucht nach euch und hat mich beauftragt, euch nach Faschodah zu bringen.

Suche die, welche er haben will! Wir sind es nicht.

Ihr seid es. Oder w?ret ihr wirklich nicht diejenigen, welche an der Quelle des L?wen, westlich von Faschodah, einen fremden Effendi ?berfielen, um ihn zu t?ten?

Wallah! Das wird schlimm! raunte Abu el Mot seinen Homr zu. Es kommt zum Kampfe. Wehrt euch gut! Und laut antwortete er:

Wir sind niemals in jene Gegend gekommen und haben nichts mit einem Effendi zu thun gehabt!

Auch nicht mit mir? fragte jetzt Schwarz, indem er aufstand und sich sehen lie?.

Ein grimmiger Fluch entfuhr den Lippen Abu el Mots. Man sah deutlich, da? er erbleichte. Diesen Fremden hier, so weit von der Quelle des L?wen entfernt, zu sehen, das h?tte er f?r unbedingt unm?glich gehalten. Und zudem mit drei Fahrzeugen und Soldaten! Er wu?te wirklich nicht, was er antworten, ob er gestehen oder leugnen solle.

Er ists, sagte einer der Homr hinter ihm. Aber wir f?rchten uns nicht. Die beiden Noqers thun uns nichts. Es sind ja die gefangenen Leute Hasab Murats darauf, und mit der Dahabi?h werden wir wohl fertig!

Diese Worte gaben Abu el Mot seine Fassung und sein Selbstvertrauen zur?ck, und als jetzt Schwarz seine Frage wiederholte, rief er ihm zornig zu:

Ja, mit dir habe ich zu thun gehabt, du Hund, du Enkel eines Hundes. Und nun sollst du mit mir zu thun bekommen! Gehe zur Dschehennah!

Er ri? sein Gewehr an die Wange und dr?ckte ab. Schwarz b?ckte sich blitzschnell hinter die Kanone nieder, und die Kugel flog ?ber ihn hinweg.

Gebt Feuer! Schie?t! rief Abu el Mot seinen Leuten zu. Schie?t den Offizier weg!

Seinem Befehle wurde augenblicklich Folge geleistet. Auf dem Sandal standen zweihundert und auf dem Noqer einhundert Nuehr. Sie sahen auf der Dahabi?h nur halb so viel Soldaten und waren ?berzeugt, da? sie mit diesen bald fertig sein w?rden. Ihre Gewehre knallten und eine Wolke von Pfeilen und Wurflanzen flogen von ihnen her?ber. Aber die Soldaten hatten f?r Deckung gesorgt. Sie b?ckten sich hinter die Deckschanze, hinter die Masten, hinter Kisten, K?rbe und andre Gegenst?nde, welche zu diesem Zwecke vorher auf das Deck geschafft worden waren. Es wurden ihrer nur einige leicht verwundet.

Schwarz hatte den Kopf und die Arme unter die Decken gesteckt, welche auf der Kanone lagen, um sie zu maskieren. Er zog die oberste derselben ein wenig zur Seite, so da? er zielen konnte. Er richtete den Lauf. Dabei sah er, da? Abu el Mot, die doppell?ufige Flinte, von der nur ein Lauf abgeschossen war, in der Hand, nach ihm suchte. Die zweite Kugel sollte ihn besser treffen als die erste.

Da ert?nte als Antwort auf den Angriff Abu el Mots und der Nuehr das Kommando des Hauptmannes. Seine Leute richteten sich auf und schossen. Der Erfolg war bedeutend, wie man sehen und auch h?ren konnte. Viele der Feinde st?rzten nieder; alle aber schrieen auf vor Wut und Kampfbegier.

Jetzt richtete auch Schwarz sich wieder auf. Sobald Abu el Mot ihn erblickte, legte er das Gewehr an, zielte, dr?ckte ab und rief zugleich:

Hier hast du den Tod! Diesesmal sicher!

Aber Schwarz scharfem und ge?btem Auge war die kleine Bewegung des dr?ckenden Fingers nicht entgangen. Er machte eine schnelle Drehung zur Seite, wurde abermals nicht getroffen, ri? dann die Decken weg und rief antwortend:

Desto sicherer treffe ich, aber nicht dich, denn dich mu? ich lebendig haben!

Er lie? den Mechanismus spielen, und die Folgen waren derart, da? Abu el Mot vor Schreck kein Glied zu r?hren vermochte. Die Toten und Verwundeten brachen zusammen; alles, was eine Stimme hatte, heulte, schrie und br?llte. Die Projektile hatten nicht nur das Deck des Sandals, sondern auch dasjenige des Noqer bestrichen. Dazu kam, da? nun die Kanoniere auch die Drehbasse ert?nen lie?en und auf den beiden hinten liegenden Noqers aus Madunga die Sch?sse krachten.