Karl May.

Die Sklavenkarawane





So hat er, sagte dieser, einen Vorsprung vor uns, welcher nicht ganz einen Tag betr?gt. Wir werden die ganze Nacht segeln. Das Wasser leuchtet und die Sterne scheinen. Auch denke ich, da? der Mond sich zeigen wird. Auf diese Weise bringen wir den gr??ten Teil dieses Vorsprunges ein.

Werden die Matrosen es aushalten? fragte der Graue. Diese Kerle arbeiten ja wie die Riesen. Sie schwitzen, da? ich glaub, es gibt eine Ueberschwemmung unten in Kairo.

Sie m?gen sich in zwei Wachen teilen; es sind ja genug Soldaten zur Unterst?tzung vorhanden. Ich werde Hasab Murat das wissen lassen.

Er schickte das kleine Boot zu dem Genannten ab, welcher sich auf dem von dem Schnarcher gef?hrten Noqer befand. Die beiden Deutschen sa?en im Schatten des gro?en Segels auf einem Serir und beobachteten den Lauf des Schiffes und die Scenerie des Flusses. Da trat Abd es Sirr, der Sohn des Geheimnisses, zu ihnen und fragte Schwarz:

Effendi, hast du jetzt Zeit, die Antwort zu h?ren, welche ich dir heute noch geben wollte?

Ja, setze dich zu uns!

Das war eine ehrende Auszeichnung, welche der J?ngling mit bescheidener W?rde entgegennahm. Ein andrer h?tte sich aus H?flichkeit geweigert; er aber hatte das ganz bestimmte Gef?hl, da? er eher zu den Herren als zu den Dienern geh?re.

Einiges habe ich dir schon gesagt, begann er; die Hauptsache aber wirst du jetzt zu h?ren bekommen. Wer mein Vater war, wei? ich nicht; aber ein Araber ist er ganz gewi? gewesen, denn die Worte, welche mir aus jener Zeit geblieben sind, geh?ren alle der arabischen Sprache an.

Und welchem Dialekte? Es w?re von gro?er Bedeutung, wenn du das w??test.

Das ist schwer zu sagen, denn es sind der Worte, welche ich gemerkt habe, nur sehr wenige.

Und wohin hat der R?uber dich geschafft?

Auch das wei? ich nicht. Ich erinnere mich nur, da? ich mich bei Schwarzen befunden habe, und da? eine Frau, welche weniger schwarz als die andern war, mich sehr lieb hatte. Sie ging mit mir fort, weit fort. Ich wei?, da? sie mich viele Tage auf ihren Armen getragen hat, in ein fernes, fernes Land. Dann legte sie sich hin und stand nicht wieder auf. Ich war sehr m?de und schlief ein. Als ich erwachte, lag sie noch da und regte sich nicht. Sie war tot, vor Hunger und Ersch?pfung gestorben. Auch ich hatte Hunger und weinte sehr, ohne Aufh?ren. Da kam ein Weib, welches meine Stimme geh?rt hatte und mich fand. Sie nahm mich mit sich in ein nahes Dorf, wo sie mir zu essen und zu trinken gab. Es kamen viele Schwarze, welche meine Arme, meine Beine und meinen Leib betasteten und mir mehrere Tage nur immerfort zu essen gaben. Wenn ich nicht essen wollte, so bekam ich Schl?ge.

Ah, Menschenfresser!

Ja, Effendi; es waren welche, wie ich sp?ter h?rte. Auch an dem Orte, von welchem die gute Frau mit mir floh, hatte ich so viel essen m?ssen; darum denke ich, da? diese Schwarzen auch Menschenfresser waren.

Und wo befandest du dich nun jetzt? Wei?t du das?

Ja; ich war bei den Jambarri.

Am obern Kongo! Das ist weit, weit von hier!

Sehr weit! Dann kam ein wei?er Mann, der einen gr?nen Turban auf dem Kopfe und gr?ne Bantuflat an den F??en hatte.

Er war sehr freundlich mit mir und nahm mich mit sich ?ber den Flu? hin?ber nach Mawembe.

Dem Hauptorte der Kororu!

Du kennst die Namen dieser V?lker, Effendi?

Ja, aus B?chern. Wei?t du, wer oder was dieser wei?e Mann gewesen ist?

Ja, ein wandernder Imam, welcher von einem Volke zum andern reiste, um den Islam zu verbreiten. Er war auch zu den Jambarri gekommen und hatte erfahren, da? ich gegessen werden solle. Da kaufte er mich ihnen ab, um mich zu seinem Sohne zu machen. Das that er, weil er die Worte verstand, welche mir meine Mutter immer vorgebetet hatte und die mir noch nicht entfallen waren, n?mlich die Worte Allah il Allah Mohammed rassuhl Allah.

Er hatte aus diesen Worten ersehen, da? dein Vater ein Moslem gewesen war, und so erforderte sein Glaube, sich deiner anzunehmen.

Er verstand auch die Worte, welche ich au?erdem konnte. Die Frau, welche mit mir floh, hatte sie mir eingepr?gt. Sie hatte mir auch noch andre vorgesagt, damit ich sie auswendig lernen solle; aber ich hatte mir nur einen Teil derselben gemerkt, n?mlich ana arab, ana nahabi. Ich sprach die Worte nicht richtig aus; aber er merkte doch, da? ich ein Araber sei, den man geraubt hatte. Er gab sich viele M?he, noch weiteres aus mir herauszubringen, doch vergebens, denn ich wu?te nichts. Aber den R?uber mu?te ich ihm beschreiben. Dessen Gesicht war das einzige, dessen ich mich genau erinnern konnte, und der Imam sagte, da? ich darauf ganz allein die Hoffnung, meine Eltern wiederzufinden, st?tzen m?sse. Darum mu?te ich ihm dieses Gesicht fast t?glich so genau beschreiben, da? mir das Bild desselben niemals wieder entschl?pfen konnte. Dieser seiner Klugheit habe ich es zu danken, da? ich nun wei?, wer der R?uber war.

Lebt er denn noch?

Ja. Du wirst nachher seinen Namen erfahren. Der Imam liebte mich wie seinen eigenen Sohn. Er nahm mich mit von Land zu Land, von Volk zu Volk, deren Sprachen ich nach und nach kennen lernte; er aber sprach nur arabisch mit mir. Auch lehrte er mich alles, was er selbst wu?te; er unterrichtete mich im Schwimmen, Rudern und Schie?en. Er lie? mir, wohin wir kamen, auch in andern Dingen Unterricht erteilen, so da? ich vieles lernte, was andre nicht k?nnen und erfahren. Als ich zw?lf Jahre bei ihm war, kamen wir zu den Bongo, wo er pl?tzlich starb. Er hinterlie? mir seine wenige Habe und seinen reichen Segen, welcher sich auch sofort bew?hrte, denn nur wenige Tage nach seinem Tode kam ein Mann zu den Bongo, um Krieger anzuwerben, und in diesem erkannte ich auf den ersten Blick denjenigen, der mich geraubt hatte. Ich wollte mich auch anwerben lassen, um mitgehen und mich an ihm r?chen zu k?nnen; aber ich war ihm zu jung, und er wies mich ab. Als ich weiter in ihn drang, schlug er mich mit der Peitsche und verbot mir, mich wieder bei ihm sehen zu lassen.

H?rtest du seinen Namen?

Nein.

Aber du erfuhrst wenigstens, woher er war?

Auch nicht. Beides wurde verschwiegen. Ich geh?rte nicht zu den Bongo; ich war ihnen fremd; darum sagten sie mir nichts. Aber ich erlauschte, da? die Krieger zum Sklavenraube gemietet seien, und da? sie nilaufw?rts nach einer Seribah segeln w?rden. Da versteckte ich das beste Boot, welches sie besa?en, legte vier Ruder, zwei als Vorrat, ein Segel und meine Waffen hinein, brachte einen Vorrat von Kisrah und Fr?chten hinzu und wartete nun, bis der Fremde auf seinem Noqer, welcher am Ufer lag, mit den Bongo aufbrechen werde. Als dies geschah, stieg ich in mein kleines Boot und ruderte ihnen heimlich nach.

Das war k?hn von einem so jungen Menschen!

Effendi, die Rache macht stark und verwegen. Ich mu?te von ihm erfahren, wer mein Vater ist, und wollte ihn dann t?ten. Ich ruderte und segelte volle drei Tage hinter seinem Noqer her. Gleich am ersten Tage war ich auf eine Wurzel gesto?en, und mein Boot fiel um, mit allem, was sich darin befand. Nun hatte ich weder Waffen noch Speise mehr. Ich hielt zwei Tage den Hunger aus; dann aber konnte ich ihn nicht l?nger ertragen. Der Noqer kam an einer Mischrah vor?ber, von welcher er sich sehr vorsichtig fern hielt. Darum vermutete ich, da? die dort wohnenden Menschen dem Manne, welchem ich folgte, feindlich gesinnt seien. Das gab mir den Mut, dort anzulegen, mir ein wenig Durrah oder Kisrah zu erbitten und mich zugleich nach dem Noqer zu erkundigen. Der erste Mann, den ich am Ufer traf, war el Schacher.

Der Schnarcher, der jetzt mit uns f?hrt?

Ja. Er nahm sich meiner an und beantwortete meine Fragen. Ich erfuhr, wem der Noqer geh?rte, denn er hatte ihn vor?bersegeln sehen. Ich teilte ihm mein Geheimnis nicht mit, doch wu?te ich nun, da? ich die Verfolgung aufgeben konnte. Ich blieb einige Zeit auf der Seribah Hasab Murats und suchte unbemerkt zu erfahren, ob dieser wohl zu einem Kampf mit meinem Feinde zu bringen sei. Das war aber nicht der Fall; er ha?te ihn zwar, doch f?hlte er sich zu schwach, ihn anzugreifen. Allein konnte ich nichts ausrichten. Ich h?tte meinen Entf?hrer wohl heimlich ?berfallen und t?ten, aber nicht von ihm erfahren k?nnen, wer mein Vater ist. Ich mu?te mir andre Verb?ndete suchen. Die Dschur hatten ihre D?rfer in der N?he. Ich fuhr zu ihnen und versteckte meinen Kahn am Ufer. Ich wagte mich sogar in das Dorf, welches ganz in der N?he der Seribah meines Feindes liegt. Aber leider erfuhr ich, da? die Dschur seine Verb?ndeten seien.

Ah, jetzt wei? ich, wer es ist! sagte der Graue. Abu el Mot ist es. Du kanntest den dicken H?uptling der Dschur und sein Dorf.

Nein, nicht dieser, sondern ein andrer ist es. Ich fuhr weiter, um Leute zu suchen, welche mir helfen w?rden. So kam ich zu den Sandeh, welche ihr Niam-niam nennt. Sie nahmen mich sehr freundlich auf, und der Sohn des H?uptlings wurde mein Freund. Ihm, dem Sohne der Treue, teilte ich mein Geheimnis mit, und er versprach mir, zu helfen. Offen den Krieg predigen durften wir nicht, denn Abu el Mot hatte die Niam-niam noch nicht beleidigt; aber heimlich streuten wir den Ha? gegen ihn aus, und nach und nach reifte der Plan ohne Wissen des K?nigs, des Vaters meines Freundes, mit einer kleinen Schar junger Krieger, die mich lieben, nach der Seribah Abu el Mots aufzubrechen, meinen Feind herauszuholen und ihn als Gefangenen heimzubringen. Dann konnte ich ihn zwingen, mir den Namen meines Vaters und alles, was ich wissen wollte, mitzuteilen.

Du bist ein k?hner und doch vorsichtiger, kluger Mann, sagte Schwarz. Jetzt liegen die Verh?ltnisse freilich noch viel vorteilhafter f?r dich.

Ja, Effendi. Eben wollten wir den Plan ausf?hren, da mu?te der Sohn der Treue nach Faschodah zu dir. Er kannte den gr??ten und gef?hrlichsten Teil des Weges genau, denn wir waren oft im geheimen, wenn der K?nig glaubte, da? wir auf den in seinem Gebiete liegenden Maijehn zur Jagd abwesend seien, herab nach der Seribah gesegelt, um zu erfahren, da? mein Feind sich noch auf derselben befinde. Dann wurde deinem Bruder und dem Vater des Storches hier die Zeit zu lang; sie glaubten dich in Gefahr und wollten dir entgegengehen. Ich sagte ihnen, da? ich den Flu? kenne, und durfte als Steuermann mit ihnen fahren. Was dann geschehen ist, hat dir der Vater des Storches erz?hlt.

Ich danke dir f?r deine aufrichtige Erz?hlung. Ich werde dir nat?rlich behilflich sein, dein Ziel zu erreichen. Nun aber sage auch, welcher Bewohner der Seribah es ist, auf den du es abgesehen hast!

Versprich mir vorher zweierlei!

Was?

Da? du ihn zwingen willst, mir Auskunft zu geben.

Das werde ich. Ich gebe dir mein Wort darauf.

Und da? du ihn dann mir ?berl?ssest.

Zur Bestrafung?

Ja.

Darauf kann ich nicht sofort ja sagen.

Warum nicht?

Ich bin ein Christ und darf infolgedessen keine Grausamkeiten dulden.

So denke daran, was ich erduldet habe; denke auch an den Kummer meiner Eltern. Denke ferner an die S?nden, welche dieser Mann noch sonst begangen hat. Das Blut Hunderter schreit nach Rache himmelauf f?r ihn, und Tausende sind es, welche er in die Sklaverei verkauft hat!

Schwarz z?gerte zu antworten; darum fuhr der Sohn des Geheimnisses fort:

Willst du nicht auch daran denken, da? ich und der Sohn der Treue euch einige kleine Dienste geleistet haben? Ich fordere weder Dank noch gar Bezahlung; aber willst du mir die erste und einzige Bitte, welche ich auszusprechen habe, abschlagen?

Der sonst so stolze J?ngling lie? sich auf seine Kniee nieder und faltete flehend die H?nde.

Lassens ihm doch seinen Willen! sagte der Graue deutsch. Wir sind ihm wirklich zu Dank verpflichtet. Und er hat ganz recht: Dieser Abd el Mot, denn der wirds wohl sein, ist a Teufel in Menschengstalt, um den ich mich gwi? nit gr?men thu, wenn er a bisserl am Ohr gzwickt wird.

Aber es ist ein Mord, Doktor!

A Mord? Gehns Doktor, lassens mich aus, und schauens, da? Sie von hier fortkommen, sonst kriegens eine Maulschellen, da? sie in zwei Purzelb?umen hin?ber ans Ufer fliegen und dort im Gstr?uch h?ngen bleiben! Redet der Mensch von Mord, wo es sich um einen tausendfachen M?rder handelt! Und mich nennt er Doktor, nachdem ich ihm gsagt und erkl?rt hab, da? ich nur der Naz, oder noch k?rzer gsagt, der Vogel-Nazi bin! Da soll doch gleich der Luftballon zerplatzen! Ich bin a guter Mensch, aber wann man so doppelt g?rgert wird, so halts die beste Lung nit aus; sie mu? heraus mit der Sprach!

Schwarz kannte den Grauen noch nicht so lange wie sein Bruder; darum blickte er ihm erstaunt in das Gesicht, wo die lange Nase sich so energisch hin und herwand, als ob sie sich vor Wut herausdrehen wolle.

Ja, schauens mich nur an! fuhr Pfotenhauer fort. Das hilft Ihnen aber gar nix. Was ich gsagt hab, das hab ich gsagt, und davon ziehn mich zehn Elefanten nit ab. Seiens also vern?nftig und redens a verst?ndigs Wort! Ich la? mich auf der Stell gleich braten und verspeisen, wenns nit Abd el Mot ist, den er meint!

Schwarz mu?te trotz des Ernstes, welchen der Gegenstand erforderte, lachen. Er erkundigte sich bei dem noch immer vor ihm knieenden jungen Mann:

Ist es etwa Abd el Mot, von welchem du sprichst?

Ja, Effendi.

Gut, ich schenke ihn dir, wenn ich ihn zu verschenken habe, was ich sehr bezweifle. Wenn er in meine H?nde f?llt, so soll er dein Gefangener sein.

Mehr verlange ich nicht, antwortete der Sohn des Geheimnisses, indem er aufstand. Ich danke dir, Effendi!

Und noch eins, fuhr Schwarz fort. Nun du mir alles erz?hlt hast, f?llt mir eine Episode ein, welche mir der Vater des Storches erz?hlt hat. Du hast den Elefantenj?ger gesehen, der dann mit meinem Bruder nach Madunga geritten ist?

Ja.

Ist er dir nicht schon vorher einmal begegnet?

Nein.

Denke nach! Vielleicht hast du ihn doch schon vorher gesehen?

Ich kann mich nicht entsinnen.

Auch vor langen, langen Jahren nicht?

Auch da nicht.

Hm! Du hast bis jetzt noch nicht gesagt, ob du deinen Namen wei?t.

Meine Mutter nannte mich stets Kilbi, Nefsi oder Hajati. Mein Vater aber sagte kein solches Liebeswort. Er nannte mich nur Mesuf. Dieses Wort geh?rt mit zu den wenigen, welche ich mir gemerkt habe.

Mesuf! Hm! Einen Namen hat der Elefantenj?ger leider nicht genannt; aber er ist ein Araber und hat gesagt, da? ihm sein Sohn geraubt worden sei.

Meinst du, da? er mein Vater ist?

Ich meine es nicht; ich vermute es nicht einmal; aber m?glich w?re es doch.

Es werden vielen Leuten die Kinder geraubt. Hat er gesagt, woher er ist?

Nein.

Oder was er ist?

Auch nicht.

So ist er mein Vater nicht.

Aus welchem Grund behauptest du das?

Mein Vater ist ein vornehmer Mann, und ein solcher nennt seinen Stand; er braucht ihn nicht zu verschweigen. Und glaubst du, da? ein reicher und vornehmer Mann Elefanten jagt, um leben zu k?nnen?

Nein.

Nun, so ist dieser Elefantenj?ger ein mir fremder Mensch.

Aber er hat gesagt, da? er jahrelang umhergewandert sei, um seinen Sohn zu suchen! Da kann er nicht von seinem Reichtum, sondern er mu? von der Jagd leben.

Mein Vater hat viele Leute und Diener, welche an seiner Stelle suchen k?nnen. Hat der Elefantenj?ger von der Mutter seines Sohnes gesprochen?

Auch nicht.

So ist er ein harter Mann, welcher nur nach seinem Sohne, aber nicht nach dem Sohne seines Weibes sucht. Mag er ihn finden, ich aber bin es nicht.

Er wendete sich ab und ging.

Ein charaktervoller, junger Mensch! meinte Schwarz, indem er ihm nachblickte. Gl?cklich der Vater, welcher so einen verlorenen Sohn wiederfindet!

Ja, ich hab ihn herzlich lieb gwonnen, und ich glaub gern, da? es unter den Niam-niam Leut gnug gibt, die sich mit ihm in die Gfahr begeben h?tten, den Abd el Mot lebendig und mit Haut und Haar zu fangen und heimzuschaffen. Er ist eben schauns, da kommen sie! Ja, bei meiner Seel, da kommen sie!

Er war pl?tzlich aufgesprungen und deutete in die Luft.

Wer denn, wer? fragte Schwarz beinahe erschrocken.

Sehens denn nit? Da kommens gflogen, grad ?bers Wasser her?ber!

Ah, diese V?gel?

Ja. Wer denn sonst?

Ich dachte, Abd el Mot k?me irgendwo, weil Sie von ihm sprachen!

Gehens mit dem! So a Vogel is an der Fl?gelspitz mehr wert, als der Abd el Mot am ganzen Korper. Habens gsehen? Da habens sich niedergmacht am andern Ufer. Kennens auch schon diese Tiere?

Ja, nat?rlich.

Nun, was warens f?r welche?

Ibisse, und zwar heilige.

Lateinisch?

Ibis religiosa.

Richtig! Die haben wei?es Gfieder. Und wie hei?t die andre Art lateinisch?

Ibis falcinellus, antwortete Schwarz, sehr belustigt ?ber dieses Examen.

Ja; die haben schwarze Federn. Und wie wird der Ibis hier gnannt?

Herehz oder Abu mingal.

Das ist arabisch; ich meine aber sudanesisch!

N?dsche.

Und zwar warum?

Weil sein Geschrei so klingt.

Sehr richtig! Der Sudanese nennt die Tiere gern nach ihrer Stimm oder sonstigen augenf?lligen Eigenschaften. Der heilige Ibis hei?t N?dsche abi ad, weil er wei? ausschaut, und der andre N?dsche os wud, weil er schwarz aussieht. Man sieht sie nit oft so hoch fliegen wie die, welche wir jetzt beobachtet haben. Sie scheinen gar kein ?bler Vogelkenner zu sein. Mit Ihrem Bruder bin ich auch sehr zufrieden gwest, denn er hat niemals falsch oder vielleicht gar nit gantwortet, sondern alles gleich richtig gwu?t. Das hat mich sehr gfreut von ihm, und ich hoff, da? ich mit Ihnen auch so gut zfrieden sein kann. Die V?gel sind eben die interessantesten unter den Tieren, was mich vermocht hat, mich vorzugsweise grad mit ihnen zu besch?ftigen. A h?bscher Vogel is mir lieber als zehn S?ugetiere und zwanzig Fische, und darum ists mir sehr egal, ob die da vorn mit ihren Angeln jetzt was fangen oder nit; das ist ja nur zum Essen und nit zum Beobachten.

Er deutete nach dem Vorderteile des Schiffes, wo mehrere Soldaten ihre Angeln ausgeworfen hatten, und andre mit den Hakenspeeren dabei standen, um die Beute anzuwerfen, falls die so schwer sein sollte, da? die Angelleine sich als zu schwach erweise.

Nun, mitessen w?rden Sie wohl dennoch? fragte Schwarz.

Ja freilich. Aber was thu ich wissenschaftlich mit dem Fisch? Nehmens dagegen so einen Ibis, wie wir n gsehen haben! Der war schon im Altertum a heiligs Tier und wurd einbalsamiert und mit K?nigen begraben. Habens schon mal eine Ibismumie gschaut?

Viele.

Ich auch; die erste schon als Bub, als ich noch in die Schul gangen bin. Unsern Professorn von der Naturgschicht hat eine ghabt, die er mit ganz bsonderm Stolz vorgzeigt hat, wann die Lehr auf die storchartigen V?gel kommen ist. Er war gar kein ?bler Ichthyolog; das mu? ich sagen, obgleich er mich gar nit gern ghabt hat. Und wissens auch, warum?

Nun?

Weil ich ihn immer nach Dingen gfragt hab, die selbst dera gr??te Glehrte nit beantworten kann. Daf?r hat er mich aber bei bsonderer Glegenheit richtig ausgzahlt. Das war damals, als wir in der Quarta Examen hatten. Ich hab mich sehr auf dasselbige gfreut und das beste Vorleghemd und den bunten Shlips um den Hals gmacht. In diesem Staat hab ich so sauber und blank ausgschaut, da? es mir im Examen gar nit fehlen konnt. Und doch ists nit so glatt abglaufen, wie ichs mir vorgstellt hab, denn als ich an die Reih kommen bin, da hat er mich gfragt was glaubens wohl, was?

Schwarz wu?te noch nicht, da? dies das Lieblingsthema des Grauen war. Er machte ein diesen nicht ganz befriedigendes Gesicht, da er die Geschichte schon einmal geh?rt hatte, was Pfotenhauer doch wohl wissen mu?te.

Na, was machens denn f?r a Gsicht? fuhr dieser fort. Fast grad so wie das meinige, damals, als ich die Frag bekommen hab! Ich red sonst nit davon, weils fremde Leut nix angeht, doch unter Bekannten braucht man sich nit zu genieren, und darum sollens derfahren, da? er mich gfragt hat, warum die V?gel Federn haben.

Das wei? ich schon, bemerkte Schwarz.

Er meinte, da? er die Geschichte kenne; der Graue bezog diese Worte aber auf die Federn und antwortete:

Jetzund wei? ichs nat?rlich auch; aber damals hab ichs noch nit gwu?t, und darum bin ich erst eine ganze Weil dagstanden und hab den Mund offen ghabt, bis ich endlich

Samki, samki, samki el kebir, samki el tkil ein Fisch, ein Fisch, ein gro?er Fisch, ein schwerer Fisch! jubelten in diesem Augenblicke zehn, zwanzig und drei?ig Stimmen vom Vorderteile her, so da? der Graue in seiner Erz?hlung inne hielt. Ischadd, ali, ala; hai hu, aho zieht, hoch, h?her; da ist er, da ist er!

Sie brachten einen Fisch von gewi? drei Ellen L?nge auf das Deck, wo er sofort get?tet wurde; dann schleiften sie ihn nach dem Hinterdeck, damit die Effendina sich ?ber die Beute freuen m?chten. Es war ein Wels, eine Fischgattung, an welcher der obere Nil sehr reich ist. Die alten, gro?en Welse schmecken nicht gut und sind schwer verdaulich; dieser aber war ein noch junges Exemplar. Darum freuten sich die Leute ihres Fanges. Als Schwarz sie ob desselben gelobt und begl?ckw?nscht hatte, schafften sie ihn nach der Matbach; nur der Vater der elf Haare blieb stehen und sagte, indem er einen herausfordernden Seitenblick auf den Grauen warf, zu Schwarz, und zwar in deutscher Sprache: