Karl May.

Die Sklavenkarawane





Ich verstehe dein Deutsch sehr leicht und vollkommen.

Gut! Weiter willte ich nichts haben geh?rte. Sie seint Retter, edler, von gro?er Ehre, meiniger! Person, feindselige, ist geschlagte in Flucht, schimpflichte!

Er machte eine energische Seitenschwenkung und stolzierte so hart, da? er ihm beinahe auf die F??e trat, an dem Grauen vor?ber und zur Th?r hinaus. Kaum aber hatte er sie geschlossen, so ri? er sie wieder auf und rief herein:

Er kommte gegangte, Kommandeur von Seribah, lieutenantlicher!

Der alte stellvertretende Befehlshaber kam unter tiefen Verbeugungen herein. Er hatte von seinen Leuten geh?rt, da? das Schiff eine vicek?nigliche Dahabi?h sei. Der Herr, den sie brachte, mu?te also ein sehr vornehmer Beamter sein, welchem er unbedingt seine Aufwartung machen mu?te.

Sein Besuch hatte freilich einen noch andern Grund, von welchem zu sprechen er sich aber sehr wohl h?tete. Der Sklavenhandel war streng verboten worden, und doch war seine Seribah nur zu dem Zwecke errichtet und wurde zu dem Zwecke unterhalten, Neger zu fangen und zu verkaufen. Das war dem Mudir von Faschodah bekannt, und das mu?te also auch der Effendi wissen, welcher jetzt auf der Regierungsdahabi?h angekommen war. Was nun hatte seine Ankunft f?r einen Zweck? Wollte er die Seribah besichtigen? Wollte er nach gefangenen Negern suchen? Gl?cklicherweise waren solche gerade jetzt nicht vorhanden. Vielleicht war er gekommen, neue Gesetze und Verordnungen zu verk?ndigen. Was es auch sei, was ihn hiehergef?hrt hatte, die Klugheit erforderte, ihn in entgegenkommender, schuldiger Unterth?nigkeit aufzusuchen, seinen Befehlen entgegen zu sehen und bei dieser Gelegenheit listig nach seinen eigentlichen Absichten zu forschen.

Schwarz war klug und erfahren genug, ihn zu durchschauen und dem angemessen zu behandeln. Er lie? Kaffee und noch eine Pfeife kommen, lud den Alten ein, sich zu setzen, richtete an ihn die landl?ufigen H?flichkeitsfragen und vermied es, das Gespr?ch auf die Seribah und den Sklavenhandel zu bringen. Er sagte, da? er bis morgen bleiben und diese Nacht auf dem Schiffe schlafen werde. Auch teilte er ihm mit, da? Pfotenhauer nicht beabsichtige, nach der Seribah zur?ckzukehren.

Als der Lieutenant sich nach einer halben Stunde verabschiedete, war er so klug wie zuvor, ja er nahm eine gewisse Besorgnis mit. Er hielt es f?r kein gutes Zeichen, da? Schwarz sich so au?erordentlich zugekn?pft verhalten hatte, und schickte, oben angekommen, sogleich einen reitenden Boten nach Jau, um den Herrn herbei zu holen. Er wu?te, da? dieser schon unterwegs war, da er morgen mittag hatte eintreffen wollen, besser aber war es jedenfalls, wenn die Ankunft noch eher erfolgte.

Der hatte Angst, sagte Schwarz, als der Alte fort war. Vielleicht kann ich das zu meinem Vorteil ausbeuten.

Angst vor Ihnen? fragte der Graue. Weshalb?

Weil er mich f?r einen Regierungsbeamten h?lt. Nun habe ich meinen Soldaten erlaubt, an das Land zu gehen und die Seribah zu besuchen.

Sie werden dort erz?hlen, da? wir die Absicht haben, Abu el Mot zu fangen. Das wird seine Sorge vergr??ern, denn der Gedanke liegt ihm nahe, da? ich die gleichen Absichten auch gegen diese Seribah verfolge.

Wanns das meinen, so t?uschens sich vielleicht. Ich wei? genau, da? diese Leute Abu el Mot hassen. Er darf sich gar nit in ihre N?he wagen.

Das sollte mir au?erordentlich lieb sein. Vielleicht k?nnte ich sie veranlassen, sich mir anzuschlie?en. Ich konnte nicht ahnen, da? Abu el Mot so viele Nuehrs anwerben werde. Mit meinen hundertf?nfzig Mann brauche ich freilich dreihundert Nuehrs nicht zu f?rchten, aber die Bemannung seiner Seribah soll f?nfhundert K?pfe stark sein. Das gibt in Summa achthundert, gegen welche wir in offenem Kampfe doch zu schwach sein w?rden. Ich mu? mich mehr auf meine List, als auf unsre Gewehre verlassen. K?nnte ich mich hier verst?rken, so w?rde mir das hoch willkommen sein.

Aber Sie habens nun doch gar nit n?tig, mit Abu el Mot anzubinden, meinte der Graue, welcher noch immer z?gerte, mit seinen Mitteilungen vorzugehen.

Wieso?

Weils diesen Entschlu? nur aus dem Grund gfa?t haben, Ihren Bruder und mich zu retten, was nun nit mehr n?tig ist.

Selbst wenn das wegfiele, w?re ich verpflichtet, das Wort zu halten, welches ich dem Mudir von Faschodah gegeben habe. Und noch sehe ich meinen Bruder nicht. Sie haben mir ja noch nicht gesagt, wo er sich befindet und warum er nicht mit Ihnen gekommen ist. Ich strecke meine Hand auf jeden Fall nach Abu el Mot aus, und w?re es nur, ihn daf?r zu bestrafen, da? er mich ?berfallen hat. Den Ausgang freilich kann ich nicht vorher sehen, und ich mute Ihnen auch nicht zu, sich mir anzuschlie?en. Sie k?nnen ja hier bleiben und den Erfolg abwarten.

So! Hier bleiben und warten, w?hrend Sie sich in Gfahr begeben, da w?r ich ja aan sch?ner Kerl! Das brauchens von mir nit zu denken. Nein, ich geh mit, und ich hau mit zu, da? die Funken fliegen, zumal ich ?berzeugt bin, da? die Sach gar nit so schwer ist, wie Sie denken. Ich halt es vielmehr f?r sehr leicht, den alten Abu zu fangen, denn seine Seribah steht jetzt leer, und die Besatzung, welche zur?ckglassen wurde, hat sich emp?rt, das ganze Dings verbrannt und sich dann auf und davon gmacht.

Schwarz sah den Sprecher wortlos an. Das, was er vernahm, mu?te er f?r unm?glich halten.

Ja, lachte der Graue, da schauens mich an und machen den Mund sperrangelweit auf wie damals ich, als ich sagen sollt, warum die V?gel Federn haben!

Weil Sie sich jedenfalls irren!

Ich irr mich nit; ich wei? es genau, denn ich bin gestern abend selbst dort gwesen und hab die Tr?mmer rauchen sehen.

Sie waren dort? Wirklich?

Ja freilich, und Ihr Bruder mit!

Was! Sie beide in der H?hle des L?wen, der es auf Sie abgesehen hat?

Er war ja nit da. Ich bin ihm erst heute unterwegs begegnet.

Sie haben ihn selbst gesehen?

Ihn und seine beiden Schiffe. Er stand auf dem Sandal neben dem Steuer und der H?uptling der Nuehr neben ihm.

So sagen Sie schnell, wann war das, und wie weit von hier?

Eine Stund haben wir noch n?tig ghabt, um hieher zu kommen, also sch?tz ich, wie Sie mit der Dahabi?h segeln gibts vier Stunden, bis Sie die Stell erreichen, an welcher wir ihm begegnet sind.

So nahe also sind wir an ihn gekommen! Wenn er des Nachts beilegt, wie wir es gethan haben, so kann ich ihn bis morgen abend einholen.

Das ist leicht m?glich. Der Proviant ist ihm ausgangen, und er mu? also jagen und fischen, wann seine Nuehrs nicht hungern sollen; das verlangsamt die Fahrt.

Auch das wissen Sie, da? er keine Vorr?te hat?

Ja. Der Elefantenj?ger hat mirs gsagt.

Wer ist das?

Das ist na, ich seh es halt, da? ich nun heraus mu? mit dera Sprach. Ich hab bisher nix gsagt, um Sie vorher kennen zu lernen, obs wirklich der Mann sind, als den Ihr Bruder Sie mir bschrieben hat. Jetzund nun werd ich Ihnen alles verz?hlen, was gschehen ist.

Man kann sich denken, welche Teilnahme Schwarz dem Berichte des Grauen entgegenbrachte. Er sprang, als dieser zu Ende war, von seinem Sitze auf, schritt erregt in der Kaj?te auf und ab und rief:

Wer konnte so etwas ahnen! Die Seribah einge?schert, Emp?rung unter den Leuten und mein Bruder nach Ombula! Das ist zu verwegen von ihm. Er h?tte es unterlassen sollen!

Damit die armen Belanda hingemordet oder in die Sklaverei geschleppt werden?

Ja, das ist wahr. Sie haben recht. Ich an seiner Stelle h?tte ebenso gehandelt wie er. Aber, was das n?chste ist: Wo befinden sich die beiden Belandaneger, dieser Lobo und Tolo?

Noch im Boote. Sie konnten nit hinauf in die Seribah gschafft werden, da ich erst wissen wollt, obs mir selbst da oben bhagt. Ich hab dem Sohne des Geheimnisses anbefohlen, nach ihnen zu schauen. Als ich vorhin mit dem Vater der elf Haare im Boote sa?, schlief Tolo, welcher ?berhaupt in einem fort schl?ft, und Lobo wachte still bei ihm.

Dort d?rfen sie nicht bleiben. Ich werde sie nach der Dahabi?h holen lassen.

Er ging hinaus, um den betreffenden Befehl zu erteilen. Bei dieser Gelegenheit sah er den Sohn des Geheimnisses und den Sohn der Treue. Der erstere war von der Seribah herabgekommen, seinen Busenfreund zu begr??en. Er nahm sie beide mit in die Kaj?te, um sie an der nun notwendigen Beratung teilnehmen zu lassen.

Diese dauerte fast bis Mitternacht, dann legte man sich zur Ruhe. Die Schl?fer wurden schon beim Sonnenaufgang durch das laute Morgengebet der Soldaten geweckt. Schwarz und Pfotenhauer standen auf. Sie hatten beschlossen, nach der Seribah zu gehen, um den Kommandanten zu bewegen, ihnen eine Abteilung seiner Leute mitzugeben.

Der Ungar hatte w?hrend der ganzen Fahrt sich Schwarz unentbehrlich zu machen gesucht. Er war eifers?chtig auf jeden andern und sah es nur sehr ungern, da? die schwarzen Diener mehr um den Herrn sein mu?ten als er. Kaum schlo? er aus dem durch die d?nnen Kaj?tenw?nde dringenden Ger?usch, da? Schwarz wach sei, so trat er nach vorherigem Anklopfen ein und meldete, ohne dem Grauen einen Blick zu g?nnen, in deutscher Sprache:

Es seinte wieder da Besuch von Seribah, hiesiger. Willte sprechte Herrn Doktor, geehrten.

Wer ists? erkundigte sich Schwarz.

Hasab Murat, Herr von Seribah. Seinte kommen schon, als noch warrr geweste Nacht, finstere.

Und da hat er bis jetzt gewartet?

Ja. Er willte nicht gehen, ohne zu sprechen gehabte mit Effendi, hochgeborenem.

La? ihn herein und sorge f?r Kaffee und Pfeifen!

Hasab Murat war ein beh?biger ?gypter, welcher eher das Aussehen eines biedern Teppichh?ndlers, als dasjenige eines Sklavenj?gers hatte. Er verbeugte sich fast bis zur Erde und wartete, bis man ihn anreden werde. Schwarz winkte ihm zu, sich zu setzen, und beobachtete ein w?rdevolles Schweigen, bis der Kaffee und die Pfeifen gebracht worden waren. Erst als man die Tassen geleert und die Meerschaumspitzen im Munde hatte, begann er:

Ich vernehme, da? du der Gebieter von Madunga bist. Du w?nschest, mich zu sprechen. Ich h?re deine Worte.

Der Herr, welchem der Bote seines Lieutenants rechtzeitig begegnet war, besann sich einige Augenblicke, wie er auf diese reservierte Ansprache beginnen solle, und antwortete dann:

Ich kam w?hrend der Nacht von der Reise zur?ck und erfuhr deine Gegenwart. Ich ging sogleich an Bord der Dahabi?h, um dir meine Ehrfurcht zu erweisen.

Ich habe keinen Anspruch auf dieselbe, denn du bist ?lter als ich.

Der Abgesandte der Regierung ist bejahrter als der ?lteste Greis.

Du irrst. Ich bin nicht das, wof?r du mich h?ltst

?ber das Gesicht des ?gypters glitt ein dem?tig-pfiffiges L?cheln. Sein Auge schweifte mit einem bezeichnenden Blicke umher, mit welchem er deutlich genug sagte: Mich machst du nicht irre; ich wei? genau, woran ich bin! Und dann antwortete er:

Nur Allah darf den Mund des Menschen ?ffnen, ich aber achte deine Verschwiegenheit. Wie lange wirst du hier an meiner Mischrah bleiben?

Bis ich mit dir gesprochen habe. Du handelst noch mit Sklaven?

Effendi! fuhr der Mann erschrocken auf. Das Gesetz verbietet seit einiger Zeit dieses Gesch?ft, und ich bin ein gehorsamer Unterthan der Obrigkeit.

Kannst du das beweisen?

Fordere Beweise, und wenn es in meiner Macht liegt, so gebe Ich sie.

So sage mir aufrichtig, ob Abu el Mot noch auf Ghasuah zieht.

Er thut es; er f?ngt noch Sklaven. Allah verdamme ihn.

Du sagst die Wahrheit; ich wei? es. Eben jetzt will er wieder eine Ghasuah unternehmen, und ich bin gekommen, ihn dabei abzufangen. Was sagst du dazu?

Das Gesicht Hasab Murats gl?nzte vor Freude, als er die Best?tigung dessen vernahm, was ihm sein Lieutenant gemeldet hatte. Abu el Mot war sein bedeutendster Konkurrent und zugleich sein pers?nlicher Feind; ihm g?nnte er alles B?se. Wurde diesem Manne das Handwerk gelegt, so bl?hte es f?r die Seribah Madunga doppelt auf. Darum antwortete er:

M?ge ihm geschehen, was er verdient hat! Ich bitte zu Allah, seine S?nden ?ber ihn kommen zu lassen.

Das ist ein Beweis, da? du gelernt hast, die S?nde des Menschenhandels zu hassen. Ich w?nsche, die N?he deiner Seribah von diesem Sklavenj?ger zu befreien; aber ich wei? nicht, ob es mir gelingen wird. Ich h?rte zu sp?t, da? Abu el Mot neue Leute angeworben hat, und bef?rchte nun, da? meine Truppen nicht zahlreich genug sind, diesen Mann unsch?dlich zu machen.

Als Hasab Murat diese Worte, welche ihm wie Musik in die Ohren klangen, h?rte, f?hlte er sich entz?ckt. Er z?gerte keinen Augenblick, die Antwort zu geben, welche Schwarz erwartet hatte:

Effendi, es ist Pflicht eines jeden Unterthanen, die Obrigkeit in der Aus?bung der Gerechtigkeit zu unterst?tzen. Darf ich dir meine Leute anbieten?

Ja. Ich erwartete das von dir. Aber was verlangst du f?r diesen Dienst?

Nichts, gar nichts. Ich w?rde mir meine Hand abhauen, wenn sie auch nur einen Piaster von dir nehmen wollte! Ich bitte dich nur um das eine, da? ich selbst mitkommen darf. Meine Leute sind gew?hnt, da? ich sie kommandiere; nat?rlich aber stehe ich unter deinem Oberbefehle und werde streng und genau nach deiner Weisung handeln.

Das versteht sich ganz von selbst. Du darfst mitgehen und stehst unter mir. Wieviel K?pfe wirst du zusammenbringen?

Ich darf die Seribah nicht entbl??en, doch suche ich die besten Krieger aus und werde ihrer ?ber dreihundert z?hlen. Sie sind sehr gut bewaffnet, und f?r Proviant ist stets gesorgt.

Dreihundert! Mit ihnen w?re ich des Sieges gewi?; leider aber mu? ich auf eine so zahlreiche Schar verzichten. Ich kann nur so viele mitnehmen, als mein Schiff noch fa?t.

So willst du den Zug nicht zu Lande unternehmen?

Wenigstens von hier aus nicht. Wir w?rden volle drei Tage brauchen, nur um die Seribah Abu el Mots zu erreichen, und ich mu? noch eher dort sein. Oder gibt es Schiffe in der N?he?

Es gibt welche, Effendi.

Wo? Bei wem?

Diese Frage versetzte den ?gypter in gro?e Verlegenheit; er wand sich hin und her, bis er erkl?rte:

Effendi, ich habe mein Wort gegeben, es nicht zu verraten. Wer hier ein Schiff besitzt, der versteckt es, wenn er es nicht braucht. Es gibt Maijehs, welche mit dem Flusse in Verbindung stehen und deren Eingang durch das Rohr und Schilf verdeckt wird. An solche Orte verbirgt man die Fahrzeuge wenn man ihrer f?r l?ngere Zeit nicht bedarf.

Du sprichst nicht von einem Schiff, sondern von Schiffen. So stehen dir wohl mehrere zur Verf?gung?

Zwei Noqer sinds, die ich bekommen kann, gerade bequem genug f?r dreihundert Krieger.

Und wann sp?testens k?nnen sie hier sein?

Wenn ich mich beeile, so k?nnen wir mit den voll bemannten Fahrzeugen gerade am Mittag absegeln.

Gut, so spute dich! Ich werde so lange warten und die Fahrt aber p?nktlich um diese Zeit beginnen.

Der Mann eilte fort, innerlich jubelnd ?ber diesen Erfolg seines Fr?hbesuches bei dem Manne, dessen Ankunft ihn in so gro?e Sorge versetzt hatte.

Ebenso froh wie dieser Mann war Schwarz. Eine so ansehnliche Hilfstruppe zu bekommen, daran hatte er gar nicht gedacht.

Zun?chst suchte er den Hauptmann auf, welcher eine separate kleine Kaj?te bewohnte, und teilte ihm mit, was beschlossen worden war. Soldaten gab es auf der Dahabi?h nur so viele, als zur Bewachung des Schiffes n?tig waren. Die andern waren alle schon nach der Seribah gegangen, wo sie gestern abend gute Kameradschaft geschlossen hatten.

Abd es Sirr und Ben Wafa, die beiden jungen Freunde, sa?en auf dem Deck und erz?hlten einander, was sie seit ihrer letzten Trennung erlebt und gesehen hatten. Schwarz forderte sie auf, mitzugehen und sie thaten dies sehr gern, da sie es f?r eine Auszeichnung hielten, bei ihm sein zu d?rfen. Schwarz hatte von Pfotenhauer alles erfahren, was dieser von Abd es Sirr wu?te. Sie hatten die Seribah vor sich liegen. ?ber dem Thore war die Fahne des Propheten als Kriegszeichen aufgepflanzt, und ?berall, wohin das Auge blickte, sah es die Leute mit den Vorbereitungen zum Aufbruche besch?ftigt. Nur an einer Stelle, gleich wenn man den Haupteingang hinter sich hatte, gab es eine Anzahl M??iger, welche einen Kreis gebildet hatten, um einer Rede des Ungarn zuzuh?ren.

Er stand auf Brettern, welche auf zwei Pulverf?sser gelegt waren, neben ihm sein Freund und Zankgenosse, der Vater des Gel?chters. Der kleine Sohn der Blattern erz?hlte soeben, als Schwarz und Pfotenhauer hereinkamen, von dem ?berfalle an der Quelle des L?wen. Er that dies, um seine Zuh?rer zur Rache gegen Abu el Mot anzufeuern. Daran schlo? er die Geschichte von der Erlegung der L?wen. Jedenfalls hatte er es sich vorher vorgenommen gehabt, von dieser Heldenthat zu sprechen, denn er f?hrte als Beweis der Wahrheit seiner Worte die vordere H?lfte des L?wenfells mit sich, wogegen er seinen Federturban auf dem Schiffe zur?ckgelassen hatte; er trug die L?wenhaut so, wie die alten Deutschen ihre B?ren und Ochsenfelle trugen, n?mlich solchergestalt, da? sein Kopf im Sch?del des L?wen steckte und das Fell ihm ?ber den R?cken hinabhing.

Auch der Vater des Gel?chters hatte seine H?lfte mit. Sie war so um seine Schultern gelegt, da? die Schwanzspitze bis auf die Bretter herabreichte.

Ja, ihr M?nner des Krieges und der Tapferkeit, vernehmt die Heldenthat, durch welche wir Dschezzar-Bei, den W?rger der Herden, t?teten! rief er laut. Wir haben ihn und seine Frau besiegt und dann noch seinen Sohn gefangen genommen. Hadschi Ali, sag, ob es so ist! Spreche ich die Wahrheit?

Der Vater des Gel?chters nickte und antwortete:

Es ist keine L?ge.

Er wollte das durch ein sehr ernstes Gesicht bekr?ftigen, zog aber statt dessen eine solche Fratze, da? die Zuh?rer in ein lautes Gel?chter ausbrachen.

Was habt ihr zu lachen? fuhr der Ungar fort. Diesen Vater des Gel?chters m?gt ihr immerhin auslachen, doch nur nicht etwa mich; ich vertrage keinen Spott! Also wir sa?en am Feuer und glaubten uns an demselben vollst?ndig sicher; da erscholl die Stimme des L?wen aus der Ferne. Sag, ob das wahr ist, Hadschi Ali! Du hast das Br?llen doch auch geh?rt.

Es ist genau so, wie du sagst, best?tigte der Genannte, indem er ein Gesicht zog, als ob er sich totlachen wolle.

Ja, ich sage die Wahrheit. Der Vater des Mordes, der Herr mit dem dicken Kopfe kam herbei. Die Araber und H?ndler versteckten sich aus Angst hinter das Gep?ck, aber ich und dieser mein Freund, welcher hier neben mir steht, wir hielten tapfer zu dem Vater der vier Augen, welcher zu seinem Gewehre gegriffen hatte, um den L?wen mit uns zu erlegen. Dieser Effendi steht hinter euch. Betrachtet ihn, und la?t euch von ihm die Wahrheit meiner Worte best?tigen!

Die Blicke aller wendeten sich auf Schwarz. Dann fuhr der Slowak fort, zu erz?hlen, wie der L?we erlegt worden war und die L?win dann herbeigesprungen kam.

Wir glaubten fertig zu sein, sagte er. Aber die Frau des Herdenw?rgers hatte die Stimmen unsrer Gewehre geh?rt und eilte herzu, ihrem Manne zu helfen oder seinen Tod zu r?chen. Das war eine gro?e, eine entsetzliche Gefahr, nicht wahr, Hadschi Ali?

Ja, es war f?rchterlich, antwortete der Vater des Gel?chters, indem er trotz der gro?en Gefahr, welche geschildert wurde, eine Grimasse zog, als ob er am ganzen K?rper gekitzelt werde.

Der Slowak f?hrte seine Erz?hlung zu Ende und schilderte dann die Teilung des Felles.

Mir als dem Tapfersten fiel die vordere H?lfte zu, berichtet er. Und sodann

Schweig! fiel ihm sein Freund und Genosse in die Rede. Der Effendi war der Tapferste. Du aber bist nicht mutiger gewesen als ich. Deine H?lfte ist dir durch das Los zugefallen, weshalb wir dich noch heute wegen des gro?en Maules, welches der L?we hat, und welches auch du besitzest, Abu el buz, Vater des Maules nennen.

Schweig du selbst, antwortete der Kleine zornig. Mein Maul ist nicht gr??er als das deinige. Es ist jedenfalls ruhmvoller, den Kopf des L?wen zu haben, als den Schweif. Oder h?ltst du es etwa f?r eine gro?e Ehre, Abu ed daneb Vater des Schwanzes genannt zu werden? Siehe dich nur an, wie l?cherlich dich deine hintere H?lfte kleidet!

Selber l?cherlich! schrie der andre. Wenn du mich so fort beschimpfest, verzehre ich dich mit meinem Zorne und vernichte dich mit meinem Grimme!

Er wollte sein f?rchterliches Gesicht machen; es bekam aber ein solches Aussehen, als ob er infolge eines guten Witzes gar nicht aus dem Lachen herauskommen k?nne.

Ich verachte deinen Zorn! antwortete der Kleine. Wei?t du nicht, da? ich ein ber?hmter Gelehrter bin und sogar Latein verstehe, wovon du keine Ahnung hast!

Und ich kenne alle V?lker und D?rfer der Erde, und alle L?nder und Einwohner des Weltkreises nenne ich mit Namen. Mache mir das nach, wenn du es kannst!

Gut! Ich werde es dir nachmachen; aber mache mir es nur erst vor!

Das werde ich thun, um dich vor diesen vielen Zeugen zu blamieren, da? du dich scheuen sollst, jemals wieder einen Menschen anzusehen. Wage es doch einmal, mich nach meinen V?lkern und D?rfern zu fragen!

Gleich werde ich fragen! Wie hei?en die Inseln, welche westlich von der gro?en W?ste Sahara im Meere liegen?

Bilad el adscham.

Falsch! Wie hei?t das Land, welches die Spitze von Afrika bildet?