Karl May.

Die Sklavenkarawane





Nun, was?

Warum die V?gel Federn haben, hat er mich gfragt.

Das war freilich f?r dich eine heikle Sache. Was hast du geantwortet?

Was ich f?r eine Antworten geben hab? Nun, zun?chst hab ich die Augen zugdr?ckt und gwartet, ob mir vielleichten ein Einfall kommen will, und sodann, als keiner kommen ist, hab ich

Abd es Sirr! rief in diesem Augenblick einer der Ruderer, den Grauen unterbrechend, indem er mit der Hand flu?aufw?rts deutete.

Der Steuerer kehrte zur?ck. Er hatte sein Flo? am Ufer aufw?rts geschafft und kam nun auf demselben um die Spitze des Schilffeldes und auf das Boot zu getrieben. Als er dasselbe erreicht und sich hineingeschwungen hatte, meldete er:

Der Wald ist leer; ich habe keinen Feind gesehen.

Auch Tolo nicht? fragte Lobo besorgt.

Nein; aber wir werden nun nach ihm suchen und ihn gewi? finden. Ich ging bis vor die B?ume hinaus und sah Reiter, welche sich ?ber die Chala entfernten.

In welcher Richtung? fragte Schwarz.

Zwischen S?d und West.

So sind sie fort. Hoffentlich befindet sich Tolo nicht als Gefangener bei ihnen. Wir wollen sofort an das Ufer und nach ihm forschen.

Der Anker wurde aufgewunden und das Boot an das Land gerudert. Lobo konnte nicht den F?hrer machen, da ihn seine Wunde am Gehen verhinderte. Er blieb also bei den beiden Schwarzen, welche zur Bewachung des Fahrzeuges zur?ckgelassen wurden, beschrieb aber den Ort, an welchem der Subakh und der Lubahnbaum stand, so genau, da? die Suchenden nicht fehlgehen konnten.

Schwarz hatte sein Fernrohr mitgenommen. Er f?hrte seine Begleiter zun?chst bis an den Rand des Waldes, um sich zu ?berzeugen, da? der Steuermann richtig beobachtet habe. Er kam noch zeitig genug, um die abziehende Sklavenj?gerschar durch die Gl?ser zu erkennen. Dann wurden die beiden B?ume aufgesucht.

Es war im Walde kein Laut zu h?ren; nur vom jenseitigen Ufer klang das Nuk-nuk, kur-nuk eines Pfauenkranichs her?ber. Doch als sie die erw?hnten B?ume erreichten, h?rten sie ein leises, leises Wimmern in der Luft. Es kam aus den dichten Zweigen, deren Belaubung die Gestalt des Obensitzenden nicht zu erkennen erlaubte.

Tolo, bist du da oben? fragte Schwarz.

Es erfolgte keine Antwort, doch wurde das Wimmern lauter. Da die Wiederholung der Frage denselben Erfolg hatte, schwang Schwarz sich auf den untersten Ast und kletterte dann weiter hinauf. Er sah den Schwarzen ?ber sich sitzen, die Arme krampfhaft um den Stamm geschlungen.

Wir suchen dich; komm herab! rief er ihm zu.

Der arme Mensch schrie wie in h?chster Todesgefahr auf und antwortete:

Tolo tot machen, immer Tolo tot machen, aber nur Lobo leben lassen. Lobo ist gut, hat Tolo retten wollen!

Ihr seid beide gerettet. Komm herab; es geschieht dir nichts. Wir sind deine Freunde und werden dich besch?tzen.

Das ist nicht wahr. Du bist wei?; du bist ein Araber, ein Sklavenj?ger; du geh?rst zu Abd el Mot!

Nein, ich bin sogar sein Feind.

Ich meine es gut mit dir; ich will dich retten. Komm mit mir herab!

Tolo kann nicht klettern; Tolo ist jetzt viel zu schwach dazu.

So werden wir dir helfen.

Der Schwarze war durch die Anstrengung der Flucht und die darauf folgende gro?e Angst um seinen Freund so ermattet, da? er sich wirklich kaum mehr festzuhalten vermochte. Schwarz rief zwei Niam-niam zu sich herauf und dann gelang es der vereinten Kraft der drei M?nner, den armen Menschen vom Baume auf die Erde zu schaffen.

Er sah noch immer nicht ein, da? er gerettet sei. Er wollte es trotz aller Versicherung nicht glauben und wimmerte unaufh?rlich fort. Er konnte kaum gehen und mu?te unterst?tzt werden, als man jetzt zu dem Boote zur?ckkehrte. Am Ufer angekommen, sah er Lobo auf der Ruderbank liegen. Einen lauten Schrei der Freude aussto?end, brach er bewu?tlos zusammen. Er mu?te in den Kahn getragen werden.

Lobo war au?er sich vor Entz?cken, als er sah, da? sein Freund gerettet sei. Zugleich aber verursachte ihm die Bewu?tlosigkeit desselben gro?e Sorge. Die beiden Deutschen beruhigten ihn durch die Versicherung, da? Tolo bald wieder erwachen werde.

Dies geschah allerdings in sehr kurzer Zeit; der Schwarze erwachte, aber die Besinnung war ihm nicht zur?ckgekehrt. Er wand sich hin und her, st?hnte und wimmerte, und bat unausgesetzt um Gnade f?r seinen Freund Lobo. Die Gefangenschaft, die Anstrengung der Flucht und die Aufregung w?hrend der Verfolgung hatten ihn so angegriffen, da? seine Kr?fte nun zu Ende waren. Der Arzneikasten mu?te wieder ge?ffnet werden; der Neger erhielt ein beruhigendes Mittel, worauf er in Schlaf verfiel. Er wurde neben Lobo gebettet, welcher die Ruderbank verlassen mu?te, und in der Mitte des Bootes einen Lagerplatz erhielt.

Jetzt wurde ?ber das, was vorzunehmen sei, eine Beratung gehalten. Lobo drang darauf, da? ein Bote zu den Bewohnern des Dorfes Ombula gesendet werde, um diese vor den Sklavenj?gern zu warnen. Er selbst konnte nicht gehen, Tolo ebensowenig. Von den Niam-niam wollte sich keiner dazu verstehen, den gef?hrlichen Auftrag zu ?bernehmen, sie kannten den Weg nach Ombula nicht und hatten ?berhaupt keine Lust, das Risiko zu ?bernehmen, unterwegs in Gefangenschaft und Sklaverei zu geraten. So blieben nur die beiden Deutschen ?brig. Abd es Sirr, der Sohn des Geheimnisses, h?rte den Verhandlungen zu, ohne ein Wort zu sagen. Er war ?berhaupt ein schweigsamer Mensch, und pflegte nur dann zu sprechen, wenn er gefragt wurde, oder wenn er es f?r n?tig hielt.

Was ist da zu thun? fragte Schwarz in deutscher Sprache. Die Sorge f?r unsre eigene Sicherheit verbietet, uns mit dieser Angelegenheit zu befassen; aber die Menschen und Christenpflicht gebietet das Gegenteil. Sollen wir ein ganzes gro?es Dorf, welches wir retten k?nnen, der Vernichtung anheimfallen lassen? Was sagst du dazu, Doktor?

Die Nase des Grauen stieg mit ihrer Spitze in die H?he, als ob sie mit ihren beiden weiten L?chern den Sprecher zornig anblicken wolle; die Augenbrauen zogen sich finster zusammen, und dann erklang es im unwilligsten Tone:

Wei?t, wannst mich in dera Wildnis nochmal Doktor schimpfst, so hau ich dir a Backpfeifen ins Fenster, da? alle Scheiben entzwei gehen, du Malefizbub, du! Ich sag Sepp zu dir, folglich hast du mich Naz zu nennen, und wann dir das nit gfallt, so kannst gehen, wohin d willst! Verstanden?

Entschuldige noch dieses Mal; es soll nicht wieder geschehen! lachte Schwarz.

Das will ich mir ausgbeten haben. Man mu? jedem seine Ehr geben; aber unter Freunden bedarf es keiner Titel und Komplimenten. Oder willst die Br?derschaft, die wir gmacht haben, etwa wieder aufheben?

Das kann mir nicht einfallen!

Sch?n! W?rst auch ?bel dabei wegkommen, denn ich h?tt dich von nun an nicht wiederum Sie, sondern blos nur Er genannt. Und was nun dieses Ombula betrifft, so werd ich mal nachschauen, ob ich es auf dera Karten find. Ich wei? nur, da? es im Gebiet der Belandaneger liegt.

Er zog eine alte, vielgebrauchte und abgegriffene Karte aus der Tasche, faltete sie auseinander, breitete sie auf seine Kniee aus und begann sie zu studieren, wobei sich seine Nase so eifrig von einer Seite nach der andern bewegte, als ob sie die Absicht habe, den Ort noch eher zu entdecken, als der Name desselben von den Augen erblickt wurde.

Steht nicht da, sagte Pfotenhauer nach einer Weile, indem er die Karte wieder zusammenlegte und in die Tasche steckte. Die Belanda wohnen zwischen den Bongo und den Niam-niam, also s?dwestlich von hier, wohl gegen die Pambisaberge hin; aber wo das Dorf Ombula steht, davon find ich auf dera Karten nix und in meinem Kopf noch viel weniger.

Pambisa! rief Lobo, welcher zwar kein Wort der deutschen Rede verstanden, aber diesen Namen herausgeh?rt hatte. Dort ist Ombula.

Also dort? antwortete Schwarz. Wie weit von hier?

Drei Tagereisen von der Seribah Omm et Timsah.

Also zwei und eine halbe von hier aus. Eine Warnung unsrerseits w?rde zu sp?t kommen. Die Sklavenj?ger haben Reittiere, wir aber nicht. Wollte einer von uns diesen Weg machen, so m??te er gehen, und sie w?rden also vor ihm dort sein.

Nein, sagte der Steuerer, indem er sich zum erstenmal in dieser Angelegenheit h?ren lie?. Man kann doch noch eher hinkommen, als die Araber.

In welcher Weise?

Auf einem schnellen Reitkamele.

Aber wir haben doch keins.

Das Volk der Dschur besitzt in dieser Jahreszeit Kamele. Ich kenne ein Dschurdorf, welches westlich von der Seribah Omm et Timsah liegt. Wenn wir es aufsuchen, k?nnen wir ein Kamel, oder auch mehrere kaufen, oder geliehen bekommen.

Liegt dieses Dorf weit von der Seribah?

Nein. Die Bewohner sind von Abu el Mot bezwungen worden; sie m?ssen ihm dienen, er bezahlt sie daf?r; aber wenn sie k?nnen, ohne da? es verraten wird, sind sie sehr gern bereit, ihn in Schaden zu bringen.

W?rden sie wohl dazu zu bringen sein, aus ihrer Mitte einen Boten nach Ombula zu senden?

Nein, denn sie befinden sich mit den Bewohnern des Belandalandes in Feindschaft. Sie w?rden sich von dir bezahlen lassen, und den Boten auch wirklich vor deinen Augen absenden; aber er w?rde gewi? sehr bald umkehren. Wir sind gezwungen, einen von uns zu senden. Ich h?tte mich dazu bereit erkl?rt, aber ich mu? im Boote bleiben, da keiner von euch den Flu? kennt, und also steuern k?nnte.

So kommen nur wir beide in die engere Wahl, sagte Schwarz zu dem Grauen. Meinst du, da? wir uns mit dieser Angelegenheit befassen?

Nat?rlich! Erstens ist es unsre Pflicht, den Bedrohten zu helfen, und zweitens wird es mir eine wahre Passion sein, diesem Abd el Mot eine Nase zu drehen, die fast noch gr??er ist, als die meinige. Ich werde also schauen, da? ich ein Kamel bekomme, und dann nach Ombula reiten.

Das kann ich nicht zugeben. Ich habe dieselbe Verpflichtung, wie du. Die Sache ist au?erordentlich gef?hrlich, und so mache ich den Vorschlag, da? wir losen.

Hab nix dagegen. Gefahr gibts hier ?berall. Ob ich mit dem Boote deinem Brudern entgegenfahr, oder ob ich nach Ombula reit, das ist schnuppe; denn hier wie dort kanns einem ans Leben gehen.

So nehmen wir zwei St?cke Schilf, ein langes und ein kurzes, und dann

Nein! fiel ihm Pfotenhauer in die Rede. Wir selbst wollen das Los nit machen. Die V?gel m?gen zwischen uns entscheiden. Pa? auf, wann wieder einer ?ber den Flu? kommt. Fliegt er von dr?ben her?ber, so gilts f?r dich; fliegt er aber von hier hin?ber, so mu?t du die Botschaft ?bernehmen. Solls so gelten?

Ja, ich bin einverstanden. Zugleich wollen wir die unterbrochene Fahrt wieder aufnehmen, damit wir sobald als m?glich das Dorf der Dschur erreichen.

Die Niam-niam erhielten den Befehl, zu den Rudern zu greifen. Auch wurden sie aufgefordert, auf die V?gel aufzupassen. Der Sohn des Geheimnisses erkl?rte:

Da nur f?nfzig M?nner in der Seribah zur?ckzubleiben pflegen, so brauchen wir uns nicht zu f?rchten. Wir k?nnen uns sehen lassen und ganz offen vor?berrudern. Dann legen wir am linken Ufer unterhalb der Seribah an, verbergen das Boot im Schilfe, und ich f?hre euch zu dem Dorfe, dessen Schech ich kenne.

Er steuerte das Boot nach der offenen Mitte des Stromes, und dann flog es, von den Rudern getrieben, wie ein Pfeil den Flu? hinab.

Die Arznei hatte gewirkt. Tolo lag im tiefen Schlaf, und auch Lobo schlo? die Augen und schlief ein. Er wu?te, da? jemand seine Landsleute warnen werde und f?hlte sich nun von der Sorge frei, welche ihn so schwer bedr?ckt hatte.

Die beiden Deutschen sa?en still am Bug des Fahrzeuges. Die bevorstehende Trennung sollte nur eine kurze sein, konnte aber auch eine lebensl?ngliche werden. Der Vater des Storches arbeitete innerlich; das war seinem Gesichte abzunehmen, welches sich von Minute zu Minute in andre Falten legte. Die Nase war unausgesetzt th?tig. Bald blickte sie nach rechts und bald nach links, bald hob und bald senkte sie sich. Er half mit der Hand nach, schob sie her?ber und hin?ber, r?usperte sich, schluckte und knurrte leise vor sich hin und sagte endlich:

Wanns einem so zu Herzen geht, da mag der Teuxel Schlittschuh fahren! Wir m?ssen bald ausnander, und keiner wei?, ob er seinen guten Kameraden jemals wiederschaut. Aber was soll man machen? Ich w?rd mich f?r den Schuldigen halten, wenn diese Schwarzen get?tet oder in die Sklaverei geschleppt w?rden, ohne da? wir den Versuch gmacht h?tten, sie zu warnen.

Mir ergeht es ebenso. ?brigens darf man sich die Sache nicht so gef?hrlich vorstellen. Es reitet einer von uns nach S?den, und gibt sich M?he, unterwegs nicht in feindliche Ber?hrung zu kommen. Das ist doch nicht allzu schwer.

Nein. Doch wenn die M?he vergebens ist, und er kommt doch mit Feinden zusammen, so ist er allein und wird ausgl?scht, ohne da? der andre ihm helfen kann. Ich wollt, das Los th?t mich treffen. Lieber will doch ich derjenige sein, den es trifft.

Nimm es doch nicht so schwer, alter Freund!

Schweig! Wann ich einen lieb hab, so seh ich ihn nicht gern einer Gefahr entgegengehen, in der ich ihm nit beistehen kann. Das kannst dir doch denken, und halt, schaust sie? Da kommens gflogen!

Er war aufgesprungen und deutete nach dem jenseitigen Ufer, von welchem eine ganze Schar schreiender und kreischender V?gel her?bergeflogen kam. Seine ausgestreckte Hand folgte der Richtung ihres Fluges, und seine Nase, welche sich erhoben hatte, that ihrerseits ganz dasselbe.

Kennst sie? fragte er.

Ja. Es sind Sporenkibitze, Hoplopterus spinosus.

Richtig! Du bist gar kein ?bler Vogelkenner. Es ist selten, da? sie um diese Zeit so hoch in die Luft gehen. Jedenfalls sinds da dr?ben von einem Nilpferd aufgscheucht worden. Wei?t auch, wie sie hier zu Lande hei?en?

Siksak.

Und warum?

Weil sie so schreien.

Hast recht. Dieses Sik-sak, sik-sak, wann mans am Morgen aus hundert Schn?beln h?rt, klingt grad so, als ob der Fuchs seinen Namenstag feiert. Jetzt sinds her?ber und im Schilf verschwunden, wo sie im Morast nach Schnecken suchen.

Da er die V?gel nicht mehr sah, setzte er sich wieder nieder und fuhr fort:

Ich will hoffen, da? wir im Dorf der Dschur wirklich a schnelles Kamel bekommen. Der von uns, den es trifft, hat sich f?r sechs Tag mit Proviant zu versehen. Der andre aber hat zu warten und auf deinen Bruder aufzupassen. Aber wo soll er das thun? In der N?he von der Seribah Omm et Timsah kann er es nicht thun.

Nein, das kannst du nicht, weil die Besatzung der Seribah dich nicht sehen darf, antwortete Schwarz, indem er leise l?chelte. Du wirst vielmehr weiter hinab bis nach der Seribah Madunga fahren, deren Bewohner unser Steuermann kennt. Er sagte, da? wir dort gut aufgenommen w?rden. An dieser Seribah mu? mein Bruder vor?berkommen; du kannst ihn gar nicht fehlen, falls er eher kommt, als ich von Ombula zur?ckkehre.

Du? fragte der Graue erstaunt.

Ja, ich!

Du willst nach Ombula? Nit ich soll hin? Wer hat denn das gsagt?

Du selbst hast es so angeordnet.

Ich? Ist mir im ganzen Leben gar nit eingfallen!

Oho! Wer hat denn bestimmt, da? der Flug der V?gel entscheiden soll?

Ich.

Nun, er hat doch entschieden!

Davon wei? ich nix. Willst mir wohl was wei? machen? Denkst wohl, da? ich so a Firlfax bin, der

Er hielt inne, machte den Mund weit auf und starrte den Gef?hrten eine ganze Weile sprachlos an. Die Spitze seiner Nase hob sich auch empor, als ob sie ebenso betroffen sei wie ihr Herr. Dann platzte er los:

Meiner Seel, daran hab ich ja gar nit mehr gdacht! Die Sporenkiebitz sind doch ?bers Wasser gflogen!

Na, also! Und in welcher Richtung?

Von dr?ben her?ber.

Also bin ich es, auf den das Los gefallen ist. Das gibst du doch zu?

Ich mu? wohl. Aber dieses nixnutzige Gsindel h?tt auch was Bessers thun k?nnen, als da her?ber zu kommen. W?r mir die Flint zur Hand gwest, so h?tt ich sie alle mitnander derschossen! Wollen wir nit lieber nochmal losen?

Nein. Ich bin f?r den Ritt bestimmt und werde ihn also ausf?hren.

So mag sich von heute an kein Kiebitz mehr vor mir sehen lassen, sonst knall ich ihm eins auf den Frack, da? ihm der Atem vergeht! Wer h?tt denken k?nnen, da? das Los dich treffen th?t!

Warum sollte es dich leichter als mich treffen?

Weil ichs so schlau darauf angfangen hab.

Wieso?

Ich hab gsagt, wann der Vogel von hier hin?berfliegt, so soll ich gmeint sein. Ich hab mir nat?rlich gdacht, da? wir auf unsrer Seiten hier mit dem Boote die V?gel aufst?ren werden.

Dann hast du dich freilich verrechnet, denn ein aufgest?rter Vogel wird nicht ?ber unser Boot hinweg nach dem fernen rechten Ufer fliegen, sondern vielmehr das nahe, linke aufsuchen.

Dann darfs nix gelten, weil meine Dummheit schuld ist, da? dichs troffen hat.

Nein, lieber Freund, es gilt. Gib dir keine M?he! Sie w?rde unbedingt vergeblich sein.

Wirklich?

Ja.

So lang mal her und gib mir aane Ohrfeigen, aber a t?chtige! Ich habs verdient. Wann dir was B?ses gschieht, so werd ich nie im Leben wieder Ruhe finden! Aber so ists! Man denkt wunder wie gscheit man ist, und da? man den Sack bei allen vier Zipfeln hat, und doch macht man Fehler, die kein Schulbub gr??er machen kann.

Er senkte den Kopf und zog die graue Bedeckung desselben so tief in die Stirn, da? man von seinem Gesichte nur die Nase sah. Aus der fortw?hrenden Bewegung, in welcher sich dieselbe befand, war zu schlie?en, da? er sich mit allerhand reuevollen Gedanken besch?ftigte, denen er aber keinen Ausdruck gab. Er blieb von jetzt an in beharrliches Schweigen versenkt und erhob selbst dann den Kopf nicht, wenn eine Schar von V?geln ?ber ihn dahin rauschte. Das war das sicherste Zeichen, da? er ungew?hnlich tief in sich versunken sei.

Der Strom flo? rasch, und die muskul?sen Arme der Neger setzten die Ruder so kr?ftig in Bewegung, da? es schien, als ob die Ufer an dem Boote vor?ber f?rmlich aufw?rts fl?gen. Dabei ver?nderte sich die Scenerie nicht im mindesten. Dr?ben, zur rechten Hand, sah man nur Schilf und wildes Zuckerrohr, w?hrend am linken Ufer der Wald ununterbrochen folgte.

So verging die Zeit. Die Sonne hatte den Zenith l?ngst hinter sich und warf bereits die Schatten der B?ume ?ber die Flut. Da lenkte der Steuerer das Boot mehr dem rechten Ufer zu. Schwarz bemerkte das und fragte ihn nach der Ursache.

Die Seribah Omm et Timsah ist nahe, antwortete der J?ngling. Wenn wir unbemerkt vor?berkommen wollen, m?ssen wir uns m?glichst nahe an das jenseitige Ufer halten.

Jetzt erhob der Graue den Kopf zum erstenmal wieder, um sich die gef?hrliche Gegend zu betrachten. Da schien seine Nase sofort einen Grund zu ganz besonderer Th?tigkeit zu finden. Sie bewegte sich nach allen m?glichen Richtungen und schn?ffelte die Luft mit h?rbarem Ger?usche ein.

Was gibts? Riechst du etwas? fragte Schwarz.

Ja. Du nicht? antwortete Pfotenhauer.

Nein. Ich bemerke nicht das Geringste, was mir auffallen k?nnte. Auch die Neger arbeiten nur mit den Armen und nicht mit den Nasen. Die deinige wird sich also wohl im Irrtum befinden.

Was? Wie meinst? Meine Nasen soll sich t?uschen? Du, da kennst sie schlecht! Die nimmt mehr Luft ein, als ihr alle mit nander. Auf sie kann ich mich verlassen.

Nun, was riechst du denn?

Es riecht nach Brand.

Schwerlich! Ich merke nichts.

Ja, du! Was willst auch merken mit deinem Naserl, was man kaum mit dem Fernrohre derkennen kann!

Vielleicht hat dort am Ufer irgendwer ein Feuer angemacht, um sich einen Vogel, einen Fisch oder sonst etwas zu braten?

Nein, das ist kein Braten; das riecht versengt, verbrannt, nach Holz und Lehm und Stein, wie wann ein Haus angsteckt worden ist. Ich wett auf meinen Kopf, da? da dr?ben links aan Geb?ud verbrannt ist.

Auch Schwarz sp?rte jetzt den Geruch, die Niam-niam wurden aufmerksam. Der Steuerer erhob sich auf seinem Platze, wendete das Gesicht dem linken Ufer zu, sog die Luft laut ein und sagte dann:

Es brennt auf der Seribah Omm et Timsah. Anderswo kann es nicht sein. Es ist ein gro?er Brand, denn der Rauch steigt so hoch auf, da? er dort ?ber den B?umen liegt.

Er deutete mit der Hand nach der betreffenden Stelle, an welcher man den Rauch dick ?ber die Wipfel steigen sah. Die Schwarzen zogen die Ruder ein, so da? das Boot nur mit dem Strome trieb, und sahen den Sohn des Geheimnisses an, erwartend, was er thun oder befehlen werde. Er pr?fte mit scharfen Sinnen die Gegend, die Luft, den Geruch und meinte dann:

Die ganze Seribah brennt. Das ist nur dann m?glich, wenn man sie mit Absicht angez?ndet hat. Bricht in einem einzelnen Tokul Feuer aus, so liegt der Flu? nahe genug, es schnell zu l?schen. Die Wei?en haben sie vielleicht ganz verlassen, um weiter im S?den eine neue anzulegen. Wir m?ssen Lobo fragen.

Der Neger wurde geweckt. Als er erfuhr, was man von ihm wissen wollte, war er sehr erstaunt. Er erkl?rte, ebenso wie der fest schlafende Tolo nichts davon zu wissen, da? man die Absicht gehabt habe, die Seribah ganz zu verlassen und gar niederzubrennen. Und doch blieb der Steuermann bei seiner Behauptung, da? die ganze Seribah brenne. Er meinte, da? man alle Veranlassung habe, so vorsichtig wie m?glich zu sein. Darum lie? er das Boot an ein Schilfdickicht treiben und dort festlegen. Es wurde da Rohr geschnitten, um das Fahrzeug so zu maskieren, da? man es vom Ufer aus f?r eine kleine schwimmende Insel halten mu?te. Dann wurde die Fahrt fortgesetzt, aber so, da? das Boot nur mit dem Strome trieb und von dem Steuer in der Richtung erhalten wurde.