Alexander Moszkowski.

Die Inseln der Weisheit





Der Arzt: Also wie sonst? Etwa durch Ihre gewaltsamen Exzentrizit?ten?

Trelloar: Ja, das klingt sehr sonderbar; wird aber trotzdem als unabweislich herauskommen. Sind Sie aufgelegt zu einer philosophischen Betrachtung der letzten Dinge?

Eva: Oh, freilich! Aber ich ahne schon: Sie wollen die Grundnatur des Menschen ver?ndern.

Trelloar: Ihre Ahnung kommt mir entgegen. Ja, darum handelt es sich. Der Mensch ist n?mlich zweiseitig gestaltet, wie fast alle Tiere, bilateral, und auf diese anscheinend un?berwindliche Organisation ist es zur?ckzuf?hren, da? er aus seiner Erb?rmlichkeit nicht herauskann, wenigstens bis jetzt noch nicht herauskonnte.

Ich: Die Zweiseitigkeit steht fest die hat ja ?brigens unser Forscher Haeckel sch?n und ausf?hrlich behandelt die Erb?rmlichkeit will ich Ihnen auch konzedieren, aber ?ber den Zusammenhang dieser beiden Dinge m?ssen wir uns noch auseinandersetzen.

Trelloar: Sie sind tats?chlich untrennbar. Unsere Zweiseitigkeit nach Rechts Links, Vorn Hinten, Oben Unten, die urspr?nglich eine rein k?rperliche Angelegenheit ist, hat auch unserem gesamten Denken und F?hlen jenes unheilvolle Zweierlei aufgedr?ngt, worin alles Elend der Menschheit wurzelt. Wir kennen immer nur das Entweder Oder, das So oder So, das polar Entgegengesetzte. Durch unsere Seele l?uft eine feste, unver?nderliche Achse, nach dieser orientiert sie sich mit ihrem Gut und B?se, Sch?n und H??lich, Wahr und Falsch, Gott und Teufel, Liebe und Ha?, Ehre und Schande, Recht und Unrecht, Tugend und Laster, kurzum mit der Zweiseitigkeit, die all und jedes wie mit scharfem Messer entzweispaltet. In dieser Polarit?t vegetieren wir, denkerisch, sittlich, politisch leben wir, wie in zwei reibende M?hlsteine eingeklemmt. Erbarmungslos zerquetschen uns von rechts und links die Begriffe, Freund und Feind, Partei und Gegenpartei, vor allem das gr??liche Begriffspaar Ich und Nicht-Ich, worauf der schaurige Kampf ums Dasein, der Kampf aller gegen Alle sich gr?ndet. Milliarden von M?glichkeiten, in denen vielleicht Tausende von Wonnen, von wahren ?bermenschlichkeiten verschlossen liegen, dringen uns niemals ins Bewu?tsein: das k?nnten sie aber, wenn wir vielachsig und vielseitig konstruiert w?ren.

Eva: Wenn! Wo in der Welt zeigt sich auch nur ein Ansatz zu diesem Wenn?

Trelloar: In der sogenannten niederen Tierwelt, die uns in diesem Betracht weit voraus ist. Bei einem kugelf?rmigen Infusor ist nicht mehr zwischen Rechts und Links zu unterscheiden, und in dessen Bewu?tsein w?re deshalb kein Platz f?r die fatalen Entwederoder, die unser ganzes Dasein verschlammen und verseuchen.

Dr. Wehner: Allg?tiger! So weit hinunter wollen Sie also mit uns, bis zu den mikroskopischen Aufgu?tierchen, die Sie doch selbst als die niedrigsten Lebewesen bezeichnen!

Trelloar: Finde ich denn einen anderen Ausdruck in unserer Sprache und Anschauung? H?her und Nieder da haben Sie wieder so eine bl?de Polarit?t, die unser gesamtes Denken anthropomorph versimpelt. Was verschl?gt es uns, da? solch Infusor, eine Monere, die sich vor unseren Augen unabsehbar teilt und vervielf?ltigt, das lebendige Sinnbild der Unsterblichkeit bietet? Wir, die Sterblichen, die mit Verwesungsfluch belasteten, retten unsere Anspr?che in den Anthropomorphismus und klassifizieren nach dem einf?ltigen Schema Oben Unten, das nicht der Ausdruck der Wahrheit, sondern nur des menschlichen D?nkels ist.

Eva: Aber diese Zweiseitigkeiten sind doch nicht nur naturgewollte Erscheinungen, sondern es l??t sich doch nach den Meistern der Entwicklungstheorie direkt beweisen, da? sie so entstehen mu?ten! Die zweiseitige Grundform, mit Gleichgewicht der rechten und linken K?rperh?lfte, erkl?rt sich doch auf die einfachste Weise durch die Selektion: denn sie ist unter allen denkbaren Grundformen die tauglichste f?r regelm??ige Fortbewegung in einer best?ndigen Haltung und Richtung des K?rpers. Daher sind ja auch alle unseren k?nstlichen Bewegungsmittel, Schiffe, Wagen, Flugzeuge, nach derselben Grundform gebaut, damit die Last m?glichst gleichm??ig auf die beiden symmetrischen H?lften verteilt ist.

Trelloar: Ausgezeichnet, mein Fr?ulein! Man h?rt aus Ihnen f?rmlich die Meister sprechen, die sich auf menschliche Instrumente berufen, um menschliche D?rftigkeiten zu besch?nigen. Sie vergessen dabei blo? die kosmischen Bewegungsmaschinen, die Planeten, Sonnen, kugelf?rmigen Sternhaufen, die doch im Universum etwas mehr bedeuten als unsere Karren und Droschken. Alle diese ?berlegenen Fahrzeuge kennen kein Rechts und Links, keine Zweiseitigkeit, und deshalb kommen ihnen diejenigen Organismen am n?chsten, die sich wie sie der Kugelform n?hern. Das Ideal w?re sonach, den Menschen in derselben Richtung zu entwickeln, um ihn von seiner Bilateralit?t zu befreien. Dieses Ideal ist durch k?rperliche Z?chtung nicht zu erf?llen, aber vielleicht bis zu merklichem Grade durch geistige; durch ?berwindung der feststehenden Achsen im Intellekt, durch H?ufung der Variationen im Denken und F?hlen, kurzum durch das, was wir auf Kradak betreiben, um m?glichste Abweichungen und Vielf?ltigkeiten zu erzielen, auf die Gefahr hin, da? unsere Gepflogenheiten Ihnen als Perversit?ten erscheinen.

Ich: Von dieser Taxe loszukommen ist auch ?u?erst schwierig und bedenklich. Aber ich will mir einmal Gewalt antun und mich wie eine Ordensnovize auf den Standpunkt stellen credo quia absurdum. Also ich glaube interimistisch und auf Widerruf da? zwischen Wahr und Falsch tausende von Zwischengliedern liegen, die wir mit unserer ererbten Zweiseitigkeit nicht bemerken, und die Sie und Ihre gelehrten Genossen vom Institut durch abnormes Denken bemerkbar machen. Aber wie kommen Sie nun weiter? Sie sprechen doch von Hinaufpflanzung?

Trelloar: Tats?chlich versuchen wir, die erworbenen Eigenschaften in Steigerung zu vererben. Auf unserer Nebeninsel Gulliu wird gez?chtet. Dorthin kommen unsere abnormsten Exemplare, M?nner und Weiber, um sich zu paaren. Nach unserer Verfassung hat das oberste Staatsamt, das Auslese-Ministerium, gar keine andere Aufgabe, als die hervorstechendsten Typen zu ermitteln und sie auf Gulliu zum Zweck der Fortpflanzung anzusiedeln. Ergeben sich Spr??linge, so werden diese abermals nach dem Prinzip der Exzentrizit?t durchgesiebt, und die vorz?glichsten gelangen zu weiterer Pflanzung nach einer dritten Insel unserer Sondergruppe. Durch diese Methode beg?nstigen wir eine progressive Steigerung der Anomalien, und in einer Reihe von Generationen werden wir, das steht zu hoffen, einen neuen Menschenschlag erzielen: die Zukunftsmenschen mit beweglichem Koordinatensystem im Denken und F?hlen, Universalmenschen, losgel?st von der starren Axialit?t, die uns so unleidlich versklavt.

Ich: Solche Menschen w?rden au?erhalb der Kausalit?t stehen, und bei weiterem Verfolg Ihrer Ausf?hrungen m??te man dahin gelangen, die Natur selbst als unkausal aufzufassen.

Trelloar: Das ist sie auch. Nur wir, auf unserer heutigen Denkstufe tragen die Urs?chlichkeit, die Gesetzm??igkeit in sie hinein. Die Natur selbst wei? gar nichts davon. Sie ergeht sich in Myriaden von Gesetzlosigkeiten, die dem Verstande entschl?pfen, und macht uns nur ganz vereinzelte Zusammenh?nge wahrnehmbar, die wir dann zu einem Naturgesetz umstempeln. Dem chaotisch denkenden Zukunftsmenschen, den wir Kradaker aufz?chten wollen, wird die Anarchie der Natur direkt einleuchten und das wird ein Fortschritt sein.

Eva: Wenn dies eine M?glichkeit ist, so m??te sie sich doch nach Darwin durch nat?rliche Auslese von selbst verwirklichen?

Trelloar: Absolut nicht. Darwins Prinzip ist das unbeholfenste und unf?higste von der Welt und bewirkt an sich nur die Verschlechterung der Arten und Rassen. Nirgends in freier Natur findet eine Auslese der Besten statt, vielmehr werden die Besten durchweg von den Mittelm??igen und den Minderwertigen ?berwuchert. Nur wenn der Mensch praktisch nachhilft, kann das Darwinsche Prinzip etwas leisten. Aber wie wird in Ihren Kulturl?ndern nachgeholfen? Direkt kontraselektorisch, da Ihre Moral und christliche Humanit?t gerade den Schw?chlichen und Unf?higsten das Leben verl?ngert und die Fortzeugung erm?glicht. Was hilft es, da? eure Naturforscher das Kunstst?ck zuwege bekommen, einem blinden Olm k?nstliche Augen anzuz?chten? Das sind zwecklose Tricks. Experimentiert doch lieber am Menschen und versucht seinen Sinneshorizont zu erweitern! Die Grottenlurche sind sehend geworden, aber eure Hirne und Nerven bleiben blind.

Eva: Ich mu? hier widersprechen: Die Experimente am Menschen werden auch bei uns betrieben, und der Begriff des Z?chtungsstaates ist uns nicht fremd. In einer deutschen Gelehrtenstadt, in Jena, ist eine Menschenzucht-Anstalt unter dem Namen Mittgart begr?ndet worden, in der 1000 gutgewachsene Frauen und 100 kr?ftige M?nner zur Z?chtung k?nftiger Edelmenschen angesiedelt und gepaart werden. Also im Prinzip beinahe wie bei Ihnen, ein Menschengest?t. Nur mit dem Unterschied, da? unsere Methode wir nennen sie Eugenik die Kraft und die Sch?nheit betont, w?hrend in Ihrer Hinaufpflanzung von diesen Qualit?ten gar nicht die Rede ist.

Trelloar: Weil wir l?ngst erkannt haben, da? die Muskelkraft eine rein animalische Angelegenheit und die Sch?nheit ein ganz einf?ltiger Selbstbetrug ist. Nehmen wir den Einzelfall: f?r Ihren Menschengarten Mittgart werden ganz bestimmte Frauen und M?nner mit geraden Beinen ausgesucht

Eva: Zweifellos; wir wollen doch nicht O oder X-Beine z?chten.

Trelloar: Wir denken weiter. F?r uns ist das gerade Bein nur eine Interimserscheinung, und auch das kaum. Das Grundgesetz der ?sthetik m??te lauten: Zwischen zwei Punkten ist die gerade Linie die langweiligste. Die Natur kennt sie ?berhaupt nicht, da sogar, wie Sie wohl wissen, der Lichtstrahl gekr?mmt ist. Und in der K?rperwelt der Organismen kommt sie gar nicht vor. Legen Sie nur einmal das Lineal an das beste Skelett. Sie werden weder im Oberschenkelknochen noch in dessen Fortsetzung zum Schienbein die gerade Linie antreffen. Es ist mir bekannt, da? ein holl?ndischer Professor dar?ber eine Statistik aufgenommen hat. Er fand unter 200 Frauen und M?dchen der Gro?stadt nur 40 mit geraden Beinachsen, auf 75 mit X-Beinen und 85 mit O-Beinen; weil er n?mlich unter gerade galanterweise nichts anderes verstand, als schwach gekr?mmt. Eine strenge Statistik findet nicht 80, sondern 100 Prozent geschweifte Extremit?ten.

Auch der Apollo von Belvedere und die mediceische Venus sind krummbeinig. Seit ein paar Jahrtausenden schwebt den Menschen die niemals verwirklichte Gradbeinigkeit als ein Sch?nheitsideal vor: der Edelmensch der Zukunft wird vielleicht elliptische oder zykloidische Beine besitzen, und unser Ideal wird ihm ein Abscheu sein, wie uns ein ungeschweifter Mund oder ein ungebogener Busen. In noch fernerer Zeit wird unser gesamter Sch?nheitstyp revidiert und als veraltet erkannt werden. Warum unab?nderlich zwei Ohren, zwei Augen, ein Mund? Warum immer nur die geringe Verschiebung der n?mlichen Elemente mit den n?mlichen zwei Nasenl?chern? Ein M?dchen ist h?bscher als das andere, es repetiert aber immer dasselbe. Eure Franzosen haben eine leise Vorahnung; plus ?a change, plus ?a reste la m?me chose. Sie sagen auch; cest sa laideur qui fait sa beaut?. Man wird einmal anfangen, die H??lichkeiten selektiv zu permutieren, um aus der Langeweile der ewigen Wiederkehr des Gleichen herauszukommen. Vorl?ufig begn?gen wir uns mit dem uns Erreichbaren. Wir schalten die R?cksicht auf die k?rperliche Sch?nheit aus, da sie als Gegenstand heutiger Erkenntnis gar nicht existiert. Desto intensiver betreiben wir die geistige Auswahl und Z?chtung, nach dem Prinzip der Anomalie, die dem auf die Galeerenbank des normalen Denkens angeschmiedeten Menschen die Befreiung bringen wird.

Eva: Ihre Auslese der Begabten hat mit dem, was wir darunter verstehen, recht geringen Zusammenhang.

Trelloar: Sie ist diametral entgegengesetzt. Die Begabten, die Sie auf der Schule durch Pr?fung ermitteln und im Fortkommen beg?nstigen, das sind die H?chstnormalen, die auf der Zwangsbank der Galeere exakter und ausdauernder rudern, als die anderen. Und Sie ?bersehen dabei v?llig, da? von den wenigen, denen Sie wirkliche Fortschritte verdanken, kaum einer die Begabtenpr?fung bestanden h?tte. F?nfundneunzig Prozent Ihrer Gr??en waren schlechte Sch?ler und haben die Schule als ihren Feind bezeichnet. Wie ganz nat?rlich, da die Schule jede Perversit?t unterdr?ckt, w?hrend jeder Gro?e pervers auftritt. Waren die Taten des Kopernikus, des Gau?, des Riemann nicht pervers? Galten nicht Newtons Fernkr?fte sogar noch in den Augen von Huyghens und Leibniz als Perversit?ten?

Ich: Und Sie ?bersehen wiederum, da? wir in allen Irrungen uns schlie?lich doch zurechtfinden und dem Genie auch in seine Abwegigkeiten folgen. Nur h?ten wir uns vor dem Trugschlu?, der durch alle Ihre Ausf?hrungen hindurchbricht: das Genie ist absonderlich, mithin ist das Absonderliche genial. Nein, das Absonderliche bleibt verd?chtig und hat sich erst durch tausend Proben zu rechtfertigen, bevor es in die Klasse der G?ltigkeit eintreten darf. Mit diesem Mi?trauen bewehrt halten wir Umschau unter den Exzentrizit?ten, die uns oft genug Vergn?gen gew?hren. Denn der Trieb zum Abnormen ist auch bei uns vorhanden, zwar nicht wie bei Ihnen als die herrschende Macht, aber als ein Faktor des Reizes und der Farbigkeit im Leben.

Trelloar: Ich dr?cke dies etwas anders aus: Ihr Trieb zum Abnormen ist die Karrikatur des unsrigen, er ?u?ert sich fast durchweg in geistlosem Getue und in Snobismus. Er bleibt verkleidetes Philistertum, schwingt sich nie zum Schauspiel auf, verk?mmert best?ndig im Variet? und in der Clownerie. Weil ihm die Einsicht und der Mut fehlt, sich im Entscheidenden zur Anerkennung des Abnormen zu verstehen, gibt er sich in kleinlichen L?cherlichkeiten aus. Euer ganzes Leben ist davon durchsetzt. Auf allen Gebieten stellt Ihr Rekords auf, vom Luftschiffer und Radfahrer bis herab zum Wettraucher und Wettklavierspieler: die schnellste Leistung, die gr??te Ausdauer, die k?rzeste Zeit; die Abnormit?t wird bestaunt. Aber es ist gar keine Abnormit?t, sondern nur die stumpfsinnige Verl?ngerung einer alten Linie. Oder das Abnorme wird aus dem Widerspruch konstruiert: im Januar werden Kirschen gegessen. Schmecken sie besser, auch nur anders als im Juli? Nein; aber die Absonderlichkeit kitzelt den Snob, der weiter nichts erlebt, als eine kalendarische Verschiebung. Er k?nnte mit dem gleichen Genu? seine Julikupons zum Januar abschneiden. Ein neues Buch wird herausgebracht, sehr unterhaltsam, weil abnorm in der Ausstattung. Sein Einband ist mit Metallspangen verriegelt, man kann es nur mit gr??ter Anstrengung ?ffnen, und wenn es gelingt, so erblickt man den Druck in abnormen Buchstaben, die kein Mensch lesen kann, am allerwenigsten der Snob, der das Buch gekauft hat. Es wird ermittelt: welcher Ort am Menschenk?rper ist der ungeeignetste zum Anheften einer Uhr: man stellt fest: die Kniegegend; sogleich meldet sich die Abnormit?t mit der Schrulle: die Uhr wird am Strumpfband getragen. Die n?mliche Dame begehrt einen F?cher; dessen Zweck ist: Windzufuhr. Aber er soll ja abnorm sein; folglich ist er so por?s und luftdurchl?ssig, da? er bei keiner Bewegung Wind erzeugt. Sobald seine Unbrauchbarkeit erwiesen, ist die Dame befriedigt, denn sie hat sich aus der Gew?hnlichkeit herausgehoben. Man will sich am?sieren und erinnert sich der Tatsache, da? es nichts Unangenehmeres gibt als Magenbeschwerden, ?belkeit, Gehirntaumel und Seekrankheit. L?sung des Problems: ein Vergn?gungspark, der mit seinen Rutschbahnen und Rotierscheiben den einzigen Zweck verfolgt, jene Greuel f?r schweres Geld zu verkaufen. Also zugestanden, der Trieb zur Perversit?t ist auch bei Euch vorhanden, andeutungsweise und in engem Horizont. Noch keine Spur im Bewu?tsein, da? die Perversion, zum System erhoben, auf einen neuen Menschenweg hinweist. Wollt ihr euch dar?ber beklagen, da? euch auf diesem Eiland eine Ahnung zugeflogen ist?

Eva: Wir werden dar?ber nicht weiter debattieren, denn es gibt Dinge, die mit Gr?nden und Gegengr?nden eben nur bis zur Grenze der Ahnung verfolgbar sind. Nur noch eine letzte sachliche Frage: Wenn Sie zum Zweck der Hinaufz?chtung Ihre extremsten Individuen zusammenpaaren, lassen Sie denn da die Neigung irgendwie mitsprechen?

Trelloar: Die Neigung? erotisch genommen? in unserem Statut steht nichts davon. Sie w?rde, wenn sie zuf?llig auftr?te, kein Hindernis bilden. Sie ist aber in unserem Prinzip ganz entbehrlich, wie ?brigens auch in ihren Kulturl?ndern, sofern wir die Aussage Ihrer gr??ten Pers?nlichkeiten gelten lassen. Ich kann es mir nicht versagen, Ihnen einige Worte vorzutragen, die sich mir eingepr?gt haben: Ich halte die Liebe f?r einen Sch?dling der Gesellschaft und des pers?nlichen Gl?ckes der Menschheit; es w?rde eine einer g?tigen G?ttin w?rdige Wohltat sein, die Welt von diesem ?bel zu befreien

Ich: Das k?nnte ein Enzyklop?dist gesagt haben.

Trelloar:H?her hinauf! Es ist von dem anerkanntesten ?bermenschen, von Napoleon. Und ich bin unbeschadet meiner sonstigen Eigenheiten h?flich genug, um in Gegenwart europ?ischer G?ste das Urteil einer solchen europ?ischen Autorit?t nicht in Zweifel zu ziehen.

Damit entfernte sich unser Mentor, w?hrend wir nachdenklich zur?ckblieben. In uns wogten die Leitmotive: Jenseits von Wahr und Falsch jenseits von Weisheit und Absurdit?t Jenseits von Norm und Entartung, bis sich diese Polarit?ten in den ?bereinstimmenden Wunsch aufl?sten: in einer Stunde wird die Expedition fortgesetzt, jenseits der perversen Inseln!

Sarragalla

Die mechanisierte Insel

Wir waren noch eine t?chtige Strecke von der Insel entfernt, die eben in blaugrauen Umrissen am Horizont auftauchte, als der Funkapparat uns eine Nachricht zurief: Fahrt verlangsamen! Bald darauf erschien in der Luft ein bewegter k?rperlicher Punkt, der sich in rascher Ann?herung zu einer menschlichen Figur entwickelte. Um es kurz zu machen: wir erhielten Besuch aus den L?ften. Der Apparat des Fliegers zeigte ein uns unbekanntes Modell von verbl?ffend kleinen Dimensionen; es umspannte ihn so eng, da? Flieger und Maschine wie eine Einheit erschienen. Es war also ersichtlich, da? ihm zum Antrieb und Flug ganz au?ergew?hnliche Kr?fte zur Verf?gung stehen mu?ten. Der Mann schien wirklich fliegen zu k?nnen, w?hrend unsere Luftk?nstler, vergleichsweise betrachtet, hocken und sich von einem Apparat schleppen lassen.

Er landete auf Deck, entledigte sich seines motorischen Anh?ngsels und stellte sich vor: Forsankar, Ingenieur; beauftragt, uns zu begr??en und uns schon w?hrend der Seefahrt einige Besonderheiten seines Inselgebietes zu erl?utern. Auf diesem, wie wir sogleich erfuhren, spielt die Technik die ausschlaggebende Rolle; damit verbunden die Anspannung der Produktionsmethoden und die Zeitersparnis in jedem Betracht. Herr Forsankar betonte gleich zu Anfang, da? ihm andere Pers?nlichkeiten der Eilandgruppe als Erfinder noch ?berlegen w?ren; immerhin d?rfe er sich als einen Exponenten seiner Heimat Sarragalla bezeichnen, zumal er auch zu den Spitzen der republikanischen Regierung z?hle.

Ihr Besuch erfreut uns, sagte der Kapit?n, obschon wir eigentlich die Absicht hatten, Sie zu entdecken, w?hrend es jetzt beinahe so aussieht, als w?rden wir von Ihnen entdeckt. Sie werden also unser Schiff Atalanta fr?her besichtigen, als wir die Insel Sarragalla. Bis dahin haben wir, so taxiere ich, noch gute f?nf Stunden; das bedeutet also f?r Sie eher ein Zeitopfer, als eine Zeitersparnis.

Rechnen wir genau, versetzte der Ingenieur; mein Hauptzweck ist doch, Sie m?glichst rasch zu informieren, und da Sie sieben Hauptpersonen sind, so stehen bei Ihnen 35 Stunden Zeitgewinn gegen nur 5 Stunden Zeitverlust bei mir, somit

Sie rechnen sehr liebensw?rdig, unterbrach ich, mit dieser Bevorzugung unserer ?berzahl. Nur steht zu vermuten, da? Ihre Zeit kostbarer ist als die unsrige, da Sie ja Ihre Arbeit unterbrechen mu?ten, um uns zu belehren, w?hrend wir als Teilnehmer einer Expedition eine wundersch?ne Seefahrt absolvieren und gar nicht ?ngstlich auf die Uhr zu blicken brauchen.

Trotzdem. Sie werden bald bemerken, da? ich unserem Prinzip der Zeitersparnis auf meine Weise sehr zweckentsprechend diene. Ich habe keinen Grund zu verhehlen, da? hier noch ein besonderes Motiv zu Grunde liegt; ein Motiv, da? mich sogar veranlassen wird, f?r die volle Dauer Ihres Aufenthalts meine Berufsarbeit zu vernachl?ssigen, um Ihnen meine freie Zeit zu widmen.

H?rt, h?rt! Hier wird uns ein R?tsel aufgegeben.

Dessen L?sung allein in Ihrer Hand liegen wird. F?r jetzt nur soviel, da? wir schon in wenigen Tagen, vielleicht Stunden mit einer gro?en Bitte an Sie herantreten werden. Und wir versprechen uns die Erf?llung dieser Bitte um so eher, je schneller es uns gelingt, Sie von den Vorz?gen unserer Einrichtungen zu ?berzeugen.

Wir entschlossen uns in aller H?flichkeit, die weitere Aufkl?rung abzuwarten. Zun?chst unternahmen wir einen kurzen Rundgang auf der Atalanta, f?r deren Besichtigung unser Gast Interesse an den Tag legte. Mancherlei gefiel ihm, zumal die Ausstattung der Wohnr?ume. Allein bei den Maschinenanlagen ?nderte sich seine Haltung, wenngleich er bestrebt war, den Ton wohlwollender Beurteilung festzuhalten.





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