Karl May.

Die Sklavenkarawane





Ihr habt euch vor dem L?wen versteckt, und wir haben ihn besiegt. Meinst du wirklich, da? wir uns vor euch f?rchten, die Angst vor dem hatten, den wir erlegten? Wenn ihr nicht augenblicklich die Messer einsteckt, so schie?e ich euch sofort nieder!

Er zog einen Revolver hervor, und in demselben Momente verschwanden alle Messer.

Und noch etwas will ich dir sagen, fuhr er fort, du h?ltst deine Religion f?r die richtige und ich die meinige. Jeder hat das Recht und sogar die Pflicht, dies zu thun; darum versuche ich es nicht, deine Meinung zu bek?mpfen, am allerwenigsten aber werde ich dich ob derselben schm?hen. Dasselbe kann und mu? ich auch von dir verlangen. Nennst du mich noch einmal einen Giaur, so beantworte ich diese Beleidigung damit, da? ich dir meine Kamelpeitsche ?ber das Gesicht ziehe und du die Narbe dann zeitlebens zu deiner Schande zu tragen hast! Verlasse dich darauf; ich halte mein Wort!

Einem Beduinen Schl?ge anzubieten, ist die denkbar gr??te Beleidigung. Der Schech fuhr zur?ck; seine Leute murrten.

Effendi, rief er. Wei?t du, was du sagst?

Ja, ich wei? es, und was ich sage, das thue ich auch. Du nanntest mich Giaur, und ich drohte dir daf?r mit der Peitsche. Wir sind also quitt. Sorge nun daf?r, da? die Rechnung nicht wieder von neuem beginnt, und wage es nicht, diese L?wen, an denen du keinen Anteil hast, wieder anzur?hren! Wir werden sie hin?ber zu unsern Feuern schaffen; ihr m?gt hier bei dem eurigen bleiben, wie es vorher gewesen ist, ehe euch die Angst von demselben verscheuchte.

Mu?te schon die hohe, breite Figur des Deutschen den schm?chtigen Arabern imponieren, so gab sein Auftreten ihnen ?berdies zu erkennen, da? er ihnen nicht nur k?rperlich ?berlegen sei. Keiner von ihnen wagte, noch ein Wort zu sagen. Sie zogen sich zur?ck, bis der Platz am Feuer frei war; dann setzten sie sich an dasselbe nieder. Was sie dort leise sprachen, h?rten die andern nicht; aber die Blicke, welche sie nach dem zweiten Lagerplatze warfen, lie?en vermuten, da? sie ?ber kein freundliches Thema verhandelten.

Die acht Dschelabi, welche sich zu Schwarz hielten, mu?ten alle ihre Kr?fte anstrengen, die beiden L?wen die kurze Strecke hin?berzuschleifen. Dort wurden den Tieren die H?ute abgezogen. W?hrend dieser Arbeit und dann, als die Wunden genau untersucht wurden, stellte es sich heraus, welche t?dlich gewesen war.

Die erste Kugel des Deutschen war dem L?wen durch das Auge in das Gehirn gedrungen; die zweite hatte ihren Lauf nahe am Herzen vor?ber genommen. Diese letztere h?tte den sp?tern Tod des Tieres zur Folge gehabt, w?hrend die erste schnell und absolut t?dlich gewesen sein mu?te. Das Fell geh?rte also Schwarz.

Nun kam aber der Umstand, da? der L?we sich die Lanze so tief in den Leib gesto?en hatte, da? die Spitze derselben am R?ckgrat steckte. Der Schaft war einige Zoll unter der Haut abgebrochen. Auch diese Wunde h?tte, wenn auch vielleicht erst nach Viertelstunden, den Tod herbeif?hren m?ssen.

Schwarz hatte das Vorrecht auf die Troph?e, weil seine Kugeln eher als die Lanze in den Leib des L?wen gedrungen waren, aber der brave Vater des Gel?chters war gewi? auch einer Belohnung wert.

Was die L?win betrifft, so war ihr die erste Kugel in das Gebi? gegangen, durch die Zunge und seitw?rts oberhalb des ersten Halswirbels durch das Hinterhauptbein gedrungen. Diese Wunde war t?dlich, wenn auch nicht sofort. Die zweite Kugel hatte die Lunge durch bohrt und sich an einem der letzten Brustwirbel platt geschlagen. Nach diesen beiden Sch?ssen h?tte das Tier nicht mehr f?nf Minuten zu leben vermocht.

Die viertelpf?ndige Kugel des Vaters der elf Haare war durch das Gehirn gegangen und hatte die f?nf Minuten bis auf eine abgek?rzt. Auch dieses Fell geh?rte eigentlich dem Deutschen.

Hadschi Ali und Stephan Pudel gaben das zu, aber mit sichtbarem Bedauern. Sie h?tten gar zu gern auch Teil an den Fellen genommen. Darum sagte Schwarz:

Jedes der Tiere hat drei Wunden, zwei von mir und eine von euch. Nehmen wir also an, da? zwei Drittel von jedem Felle mir geh?ren, so w?rde das eine schlimme Teilung ergeben. Ich will also meine Anspr?che erm??igen und nur die H?lfte nehmen: Der L?we ist f?r mich und die L?win f?r euch. So bekommt jeder von euch ein halbes Fell, also mehr, als er eigentlich zu fordern hat, und die Teilung ist bequem, wenn ihr die Haut quer oder lang in zwei Teile schneidet. Seid ihr zufrieden?

Sehr gern, antwortete der Slowak. Ich nehme den Kopf und Hadschi Ali erh?lt den Schwanz.

Den mag ich nicht, erkl?rte dieser. Warum willst du den Kopf?

Weil ich in den Kopf geschossen habe.

Allah! Habe ich den L?wen etwa in den Schwanz gestochen? Wir schneiden das Fell lang durch, so bekommt jeder einen halben Kopf und einen halben Schwanz.

Das wollte Stephan nicht zugeben. Sie stritten sich hin und her, bis Schwarz fragte:

Was wollt ihr denn mit den Fellen machen?

Ich kleide mich in meine H?lfte, erkl?rte der Vater des Gel?chters.

Ich in die meinige auch, antwortete der Sohn der Blattern.

So d?rft ihr nicht nach der L?nge teilen, weil die H?lften dann unbequem zu tragen w?ren. Schneidet quer, und dann mag das Los entscheiden, wer die vordere und wer die hintere L?win erh?lt.

Dieser Vorschlag wurde angenommen, und das Fell sofort zerschnitten. Das Los zeigte sich dem Slowaken g?nstig, er erhielt die Kopfh?lfte.

Das ist gut, lachte er fr?hlich. Ich habe, was ich wollte. Du bist nun nicht mehr blo? der Vater des Gel?chters, sondern wir werden dich von nun an auch Abu ed daneb, Vater des Schwanzes, nennen.

Hadschi Ali wollte ein bitterb?ses Gesicht machen, was die Folge hatte, da? er wie toll zu lachen schien. Er breitete seine hintere H?lfte aus und zog das Messer, um die Fleischteile abzuschaben und die Innenseite mit Asche einzureiben. Dabei antwortete er:

Und dich k?nnen wir Abu el buz, Vater des Maules hei?en, denn du hast das Maul erhalten, obgleich das deinige bereits so gro? ist, da? du es gar nicht zu schlie?en vermagst und es nur immer offen hast, um andre zu beleidigen. H?ttest du so viele V?lker, L?nder und D?rfer im Kopfe wie ich, so bes??est du mehr Bildung und k?nntest Abul latif, Vater der H?flichkeit genannt werden, was du aber niemals erreichen wirst.

Du wei?t, da? ich weder deine V?lker noch deine D?rfer haben mag, weil ich gern einen hellen Kopf besitze.

Ists in dem meinigen etwa finster?

Ja, weil es in deinen L?ndern und D?rfern keine Stra?enlaternen gibt. Meine Wissenschaft dagegen ist das reinste Licht. Schon mein Latein allein k?nnte dich zum gelehrten Manne machen, ohne die andern Wissenschaften, mit denen Allah mich erleuchtet hat. Aber zu einem solchen Glanze bringst du es im ganzen Leben nicht.

Ich kenne alle D?rfer der Welt, aber nicht ein einziges, welches Latein hei?t.

O Allah! Latein soll ein Dorf sein! Wei?t du denn nicht, da? das eine Sprache ist, welche jenseit des Meeres

Verstehen Sie denn wirklich so gut Latein? fiel Schwarz, um den ausbrechenden Zwist zur?ckzuhalten, in deutscher Sprache ein.

Sehr ausgezeichnet! antwortete der Slowak schnell in derselben Sprache. Ich hab es gelernte von Herrrr Wagner. Und Sie habend es geh?rte schon von mirrr. Ich hab gesagte doch Fauna und Flora!

Aber verkehrt!

Das ist geschehnte aus einerr kleinen Versehenheit. Ich hab verstehnte sogarrr die ganze Zoologie und Botanik.

Nun, was ist Zoologie?

Zoologie ist alles, was seinte in Herbarium.

Und Botanik?

Botanik seinte alles vom Gesch?pf menschliches und Affen, tierlichen, bis herrrab zurrr Raupe, insektliche.

Abermals umgekehrt! Zoologie ist Tier-, und Botanik ist Pflanzenkunde.

Ist abermals nur aus einerrr kleinen Verwechstelung von Wissenschaft meiniger. Jedermann hat gew??ten, da? Latein ungarisches ist das vortreffenstliche von derrr ganze Welt. Ich hab studiumtierte der Horrraz und der Virgill.

Was zum Beispiel?

Kaiserrr Max ?sterreichischer an der Martinswand von Virgill.

Dieses Gedicht ist, glaube ich, nicht von dem R?mer Virgil sondern von Anastasius Gr?n.

So hab ich aberrrmals mich nur versehnte aus Wissenschaft meiniger, gr?ndlicher. Ich hab lernen die Astronomie und Mathematigkeit und viel noch mehr.

Wie? Auch die Astronomie? Was versteht man darunter?

Das Einmaleins und Quadrat viereckiges.

Und unter Mathematik?

Die milchige Stra?e am Himmel und der Kommet, um den Mond laufte.

Wieder verwechselt. Die Mathematik handelt unter anderm auch vom Vierecke und die Astronomie von der Milchstra?e.

So hab ich nur vertauschte Milch, himmlische, mit Einmaleins, auswendiges.

Sie scheinen immer zu vertauschen und zu verwechseln?

Das kann verzeihen wernte. Professor, zerstreuender, hat auch genommte Besen anstatt Regenschirm. Warum soll Ged?chtnis meiniges sich mehr anstrengte als Aufmerksamte seinige? Kenntnisse, die ich habe, sind so viel und gro?, da? Verwechselung, zuf?llige, einmal vorkommen kann.

Ja, diese Kenntnisse sind um so erstaunlicher, als ich annehmen m?chte, da? Sie keine h?here Schule besucht haben.

Nein. Ich war nie der in Schule Gewesente. Ich h?tete Schafe und Schweine, Vaterige, und hatte nicht Zeit gefinte, in Schule zu gehente. Aber ich hatte geschenkte bekommen eine Tafel, schieferige, und einen Stift, schieferigen, und zuweilen kam der Sohn, nachbariger, um mir zu zeigen, wie wird gelesen und geschreibt. Dann hab ich geborgt von allen Leuten Kalender, unbrauchbare, und habe studiumtierte flei?ig weiter. Sp?ter bin ich wanderte aus liebe Heimat meiniger und habe besuchte Leihbibliothek ?berall, wohin ich kommte. Auch habe ich suchte Bekanntschaftlichkeit von M?nnern gescheite, um nach und nach zu bekommen Kenntnisse diejenigente, welche verleihen Bildung und alle Gelehrsamtekeitigen. Ich habe lernte sogar Mythologie und Pharmalogie!

Sie wollen sagen Pharmakologie. Was verstehen Sie darunter?

Pharmalogie ist Kenntnis von Jupiter und Proserpina, von Olymp und Donnergott.

Und Mythologie?

Mythologie ist Bewu?tsein, gelehrtes, von Salben und Pflaster, von Silber, schwefelsaurem, und Rheumatismusketten, Geldbergerige, auch von Schweizerpillen, Richardt Brandtige, und Brechweintestein.

Das ist wieder eine Verwechselung. Die Mythologie oder G?tterlehre ist es, welche uns ?ber den Olymp und dessen Bewohner unterrichtet, und die Pharmakologie lehrt uns in streng wissenschaftlicher Weise die Arzneimittel kennen.

So habe ich nur vertauschte Jupiter mit Geist, salmiakigem, was ihm nicht gereichten wird zu Schaden, gro?artigem.

Dar?ber k?nnen Sie sich allerdings beruhigen. Zeus lebt schon l?ngst nicht mehr. Aber wollen Sie sich Ihr halbes L?wenfell nicht auch so pr?parieren, wie der Vater des Gel?chters es mit dem seinigen thut? Es ist das notwendig, wenn es nicht verderben soll.

Ja, ich werde Fell auch schabte ab von Fleisch und reibte ein mit Asche. Fell Ihriges ist auch schon in Arbeit.

Diese letzteren Worte bezogen sich auf die Dschelabi, welche aus Dankbarkeit daf?r, da? Schwarz sie von dem L?wen errettet hatte, die Haut desselben in der angegebenen Weise bearbeiteten, um sie f?r die eigentliche, sp?tere Pr?paration vorzubereiten.

W?hrend dieser Arbeit sprachen sie von der Gefahr, in welcher sie sich befunden hatten, und von dem Mute der drei M?nner, welche den Raubtieren so k?hn entgegengetreten waren. Da gab es viel ?ber die Person und die Eigenheiten des Herrn mit dem dicken Kopfe zu h?ren. Der Bewohner jener L?nder umgibt kein Tier mit einem solchen Nimbus wie den L?wen.

Glaubt doch nicht solche Dinge! sagte der Ungar. Der L?we ist ein Tier wie jedes andre. Wenn er Hunger hat, so fri?t er; d?rstet ihn, so s?uft er, und ist er satt, so schl?ft er. In ihm wohnt nicht die Seele eines verstorbenen Menschen. Er hat zwar sehr scharfe Sinne, aber was in stundenweiter Entfernung von ihm gesprochen wird, das kann er nicht h?ren. Und wenn er die Worte auch wirklich h?rte, so k?nnte er sie doch nicht verstehen. Ich kenne das; ich mu? das besser wissen als ihr, ich, der ich sogar Latein sprechen kann!

Sie lie?en sich aber nicht irre machen und fuhren fort, sich allerlei haarstr?ubende Geschichten zu erz?hlen, in denen nat?rlich der L?we die Hauptrolle spielte. Schwarz h?rte eifrig zu. Diese Geschichten waren, obgleich die Erz?hler selbst an sie glaubten, nur M?rchen, aber der Volkscharakter sprach sich in denselben aus. Dies hielt ihn jedoch nicht ab, seine Aufmerksamkeit zu gleicher Zeit auch auf die Homraraber zu richten, welche sich auch sehr eifrig, doch mit leiser Stimme unterhielten.

Er wu?te, da? jeder Beduine ein geborener R?uber ist, ferner da? er durch sein kr?ftiges Auftreten gegen den Schech sich die Feindschaft dieser Leute zugezogen hatte, und konnte endlich den Gedanken an die Hedj nicht los werden, welche er hinter sich hatte fliegen sehen. Selbst der Schech hatte zugeben m?ssen, da? diese V?gel ein sichres Zeichen von der Anwesenheit einer Karawane seien. Wo befand sich nun dieselbe? Sie h?tte schon l?ngst hier an der Quelle eingetroffen sein m?ssen. Warum kam sie nicht heran, sondern hielt fern von derselben Rast? Etwa weil die zu ihr geh?rigen Leute die Quelle des L?wen nicht kannten? Dies war nicht anzunehmen. Und selbst wenn es der Fall gewesen w?re, so h?tten die Kamele sich geweigert, sich niederzulegen. Diese Tiere riechen das Wasser oder vielmehr die Feuchtigkeit, welche eine Quelle in der Luft verbreitet, aus stundenweiter Entfernung. Sie sind dann nicht anzuhalten und eilen im Galopp, welche Gangart ihnen sonst streng verboten ist, auf den Brunnen zu. Es war anzunehmen, da? die M?nner, aus denen die Karawane bestand, ihre Tiere mit Anwendung von Gewalt zur?ckgehalten hatten. Und warum? Doch nur, weil sie nichts Gutes beabsichtigten. Der Schlu?, da? diese Karawane eine Gum sei, lag sehr nahe.

Man unterscheidet n?mlich mehrere Arten von Karawanen. Das Wort lautet eigentlich Karwahn oder Kerwahn und bedeutet einen Wanderzug im allgemeinen. Eine Pilgerkarawane im besondern, also ein Zug von Leuten, welche entweder in Mekka, Medina oder Jerusalem anbeten wollen, hei?t Hadsch. Eine Handelskarawane wird Kaffila, und in gewissen Gegenden auch Dschelaba genannt, daher Dschelab, der H?ndler. Eine Karawane aber, deren Teilnehmer auf Raub ausgehen, hei?t Gum. Raubz?ge sind nichts Seltenes, und es kommt auch vor, da? eine Kaffila oder auch gar eine Hadsch sich gelegentlich in eine Gum verwandelt, um nach vollendetem Raube sich wieder in einen friedlichen Handels oder Pilgerzug zu verwandeln.

Eine ganz besondere Art der Gum ist die Ghasuah, plural Ghasauaht, welche den besondern Zweck des Menschenraubes hat. Sie kommt nicht in der eigentlichen W?ste vor, sondern in den s?dlichen Grenzl?ndern derselben, deren Bev?lkerung aus Negern besteht, welche man raubt, um sie als Sklaven zu verkaufen. Werden diese Raubz?ge zu Wasser unternommen, so hei?en sie Bahara, d. i. Flu?reisen. Diese letzteren kommen besonders am obern Nile vor, dessen beide Hauptarme sich in so viele Nebenarme verzweigen, da? besonders w?hrend des Charif und einige Zeit nach demselben die Gegend nur mittels Schiff bereist werden kann.

Also Schwarz hielt die Karawane, welche er in der N?he vermuten mu?te, f?r eine Gum. Es war also alle Veranlassung zur Vorsicht und Wachsamkeit vorhanden, zumal er allen Grund hatte, anzunehmen, da? die Homraraber sich mit den R?ubern im Einverst?ndnisse befanden. Es war zun?chst nichts zu thun, als die Araber zu beobachten und die Dschelabi von der auch ihnen drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Er that dies, indem er w?hrend einer Pause, welche in der Unterhaltung der Leute eingetreten war, den Vater der elf Haare fragte:

Ihr seid durch das Land der Baggara gekommen. Waren diese Leute friedlich gesinnt?

Ja, antwortete der Slowak. Es gibt keinen Stamm, welcher uns Dschelabi feindlich behandelt. Man braucht uns ja ?berall, da wir allein es sind, welche den Leuten bringen, was sie brauchen. Darum sind wir ?berall willkommen und werden von jedem als Freunde behandelt.

Und doch habe ich geh?rt, da? auch Dschelabi angefallen und ausgeraubt worden sind.

Das sind sehr seltene Ausnahmen und geschieht nur von solchen St?mmen, mit denen man nicht verkehrt. Wir sind auch stets so vorsichtig, uns ?berall genau zu erkundigen, ob vielleicht eine Gum sich unterwegs befindet oder gar gesehen worden ist.

Nun, habt ihr vielleicht in letzter Zeit so etwas erfahren?

Nein. Die Baggara sind augenblicklich alle daheim, und mit den Schilluk, in deren Lande wir uns jetzt befinden, leben wir in Freundschaft.

Kommt ihr auch zu den Homrarabern?

Nein. Ihre D?rfer liegen uns zu weit entfernt.

So w?rdet ihr euch unter Umst?nden vor ihnen wohl nicht ganz sicher f?hlen?

Wir w?rden ihnen, wenn es sich thun lie?e, aus dem Wege gehen. Heute, da wir ihnen und dir begegneten, war dies nicht gut m?glich. Sie sind allerdings nicht freundlich mit uns gewesen, aber wir haben nichts von ihnen zu bef?rchten.

Denkst du?

Ja. Wir stehen doch wohl unter deinem Schutze?

Gewi?. Aber wird dieser Schutz im gegebenen Falle sich bew?hren?

Jedenfalls, da sie dich begleiten und also deine Freunde sind. Der Araber ist stets der Freund der Freunde seines Freundes.

Hast du denn nicht gesehen und geh?rt, da? sie sich nicht sehr freundlich zu mir benahmen?

Ich habe es bemerkt, aber das thut ja nichts. Sie haben dir ihr Wort gegeben, dich sicher nach Faschodah zu bringen, und m?ssen es halten.

Und dennoch traue ich ihnen nicht. Sie haben mir das Versprechen gegeben, mich und meine Sachen auf ihren Kamelen zu transportieren. Ich dagegen versprach ihnen, sie in Faschodah daf?r zu bezahlen. Das ist alles.

Wie? So ist nicht ausdr?cklich ausgemacht worden, da? sie dich unter Umst?nden sogar mit ihrem Leben zu besch?tzen haben?

Nein.

Du hast nicht die Formel Dakilah ia Schech mit ihnen gewechselt?

Nein. Ich wollte es, aber sie behaupteten, da? dies bei ihnen nicht gebr?uchlich und ?brigens auch gar nicht n?tig sei.

Dann darfst du ihnen allerdings nicht trauen, und auch wir sind nicht sicher. Die Formel h?tte sie gezwungen, nicht nur ehrlich gegen dich zu sein, sondern dich auch n?tigenfalls gegen alle Feinde zu verteidigen. So aber haben sie keine Verpflichtung gegen dich, und nach ihren Regeln und Begriffen k?nnen sie dich ausrauben und t?ten, ohne die geringste Schuld auf sich zu laden. Da? sie dir die Formel verweigert haben, ist ein fast sicheres Zeichen, da? sie B?ses beabsichtigen. Da? sie es noch nicht ausgef?hrt haben, darf dich nicht sicher machen, sondern mu? dich vielmehr f?r heute zur doppelten Vorsicht auffordern. Heute ist der letzte Abend. Morgen w?rdest du Faschodah erreichen, wo sie dir nichts mehr anhaben k?nnen. Vielleicht ist meine Bef?rchtung ohne Grund; aber ich rate dir, anzunehmen, da? dir heute eine gro?e Gefahr drohe, dir und also auch uns. Ich werde nicht schlafen und sofort meinen Elefantenm?rder wieder laden, was ich unterlie?, da ich nicht wu?te, da? unsre Sicherheit bedroht ist.

Er griff auch wirklich nach dem gewaltigen Katil elfil und nach dem Pulverhorne. Der Vater des Gel?chters zeigte, da? er ganz der Ansicht seines Kollegen sei, denn er sagte:

Meine Harbi ist leider am Bauche des L?wen zerbrochen, aber ich werde mich mit den Armen und H?nden wehren. Diese V?ter und S?hne des Raubes sollen weder mein Leben, noch meinen Esel, noch meine Waren bekommen. Ich erw?rge sie einzeln, einen nach dem andern. Ich kenne die Homr. Sie haben die Worte des Koran auf den Lippen. Sie vers?umen weder das Abrik noch die vorgeschriebenen Salawaht, aber sie sind Diebe, und der Verrat ist bei ihnen Gebrauch. Wenn man von einer Gum h?rt, so hat sie ganz gewi? aus lauter Arab el Homr bestanden. Allah verschlie?e ihnen den Himmel mit hundert Riegeln!

So ist es jedenfalls auch eine Gum der Homr, welche sich hier in der N?he befindet. bemerkte Schwarz.

Was? Wie? fragte der Slowak. Eine Gum ist uns nahe?

Gewi? wei? ich es nicht, aber ich vermute es.

Er teilte ihnen die Beobachtung mit, welche er gemacht hatte, und die Vermutung, die er infolgedessen hegte. Seine Worte brachten eine Aufregung hervor, die er nur durch den Hinweis auf die in der N?he sitzenden Araber d?mpfen konnte. Diese durften nicht ahnen, in welchem Verdachte man sie hatte. Darum beherrschten sich die Dschelabi und zeigten beim Fortlaufe des nat?rlich leise gef?hrten Gespr?ches eine m?glichst ruhige Haltung.

Wenn das so ist, Herr, so bin ich freilich ganz deiner Meinung, da? die Leute, denen die V?gel folgten, zu einer Gum geh?ren, sagte der Ungar. Wir m?ssen uns auf einen ?berfall gefa?t machen. W?re es nicht am besten, deine Homr sofort niederzuschie?en?

Nein. Noch haben wir keinen Beweis. Und selbst wenn wir denselben h?tten, w?rde ich dagegen sein. Ich kann mich zur T?tung eines Menschen nur dann entschlie?en, wenn dies unumg?nglich n?tig ist.

So wollen wir uns augenblicklich aufmachen und diesen gef?hrlichen Ort verlassen!

Auch dazu kann ich nicht raten. Hier wissen wir genau, was unser wartet. Diese Felsen gew?hren uns gute Deckung, ebenso die B?sche. Reiten wir aber fort, so ist es sicher, da? die Gum uns folgt und drau?en auf der freien Ebene ?berf?llt. Wir wissen nicht, wie stark sie ist. Wir sind neun Mann. Selbst wenn sie nicht zahlreicher w?ren und wir den Angriff siegreich abschl?gen, w?rden wir den Sieg mit Toten oder wenigstens Verwundeten bezahlen. Auf alle F?lle steht zu erwarten, da? die Homr mit der Gum gemeinsame Sache machen, was die Angelegenheit verschlimmert. Hier haben wir sie vor uns und k?nnen sie im Auge behalten. Ich rate also, hier zu bleiben.