Karl May.

Die Sklavenkarawane





Auf den Schiffen hatte sich nichts ereignet. Man ging sofort an Bord, um zun?chst nach dem Maijeh Husan el bahr zu fahren. Der K?nig der Niam-niam fuhr mit seinen Booten und Leuten mit. Dort angekommen, wurden mehrere St?cke der dort zur?ckgelassenen Tiere geschlachtet. Die ?brigen erhielt der Schech Abu en Nuh?, der Vater der H?lfte, als Belohnung f?r sich und seine Leute. Er nahm herzlichen Abschied von seinen Verb?ndeten und kehrte befriedigt in die Heimat zur?ck.

Das Geschwader fuhr dann flu?abw?rts nach der ber?chtigten Seribah Abu el Mots. Dieser mu?te dabei stehen, als man die Schl?uche ausgrub und ihren Inhalt so verteilte, da? jeder mit seinem Betrage neidlos zufrieden war.

Nun ging es an das eigentliche Scheiden. Die Gebr?der Schwarz und ihr Freund Pfotenhauer mu?ten mit den Niamniam wieder s?dw?rts. Sie wollten weiter forschen und sammeln, Emin Paschas Gebiet aufsuchen und dann ?ber Sansibar in die Heimat gehen. Die andern fuhren nach Norden.

Abu und Abd el Mot wurden dem Elefantenj?ger als dem sichersten und strengsten H?ter ?bergeben. Er wollte mit der Dahabi?h bis Faschodah fahren und dort Abu el Mot nebst dem Feldwebel und dessen Leuten dem Vater der F?nfhundert ausliefern. Von Abd el Mot aber erkl?rte er:

Den nehme ich mit nach Kenadem. Dort hat er meinen Sohn geraubt, und dort soll ihn auch die Strafe Allahs treffen. Seit ich mein Kind wiedergefunden habe, ist mein Herz weich geworden; dieser Satan aber soll erkennen, da? ich gegen ihn noch derjenige sein kann, der ich fr?her war, n?mlich Barak der Strenge, vor welchem jeder Ungehorsame erzittert.

Emil Schwarz schrieb ihm seine Adresse auf und bat ihn, ihm einmal zu schreiben, wenn die Gelegenheit eine passende Verbindung biete. So war nun alles geordnet, und der Wadscha el wida mu?te getrunken werden. Der Slowak und der Vater des Gel?chters hatten gebeten, bei den Deutschen bleiben zu d?rfen, und die Erlaubnis gern erhalten. Am schmerzlichsten war das Scheiden f?r den Sohn des Geheimnisses und den Sohn der Treue, doch ging auch das vor?ber; dann segelten die Schiffe nach Norden, w?hrend die Ruderer der Niam-niam ihre Boote gen S?den trieben. Die Sklavenkarawane war vernichtet; die Sieger gingen nach verschiedenen Richtungen auseinander, und jeder nahm die ?berzeugung mit, seine Pflicht gethan und dem Sklavenhandel, wenigstens in dieser Gegend, eine schwere Wunde beigebracht zu haben. Nur Hasab Murat dachte im stillen anders. Er hatte in Abu el Mot einen ihm gef?hrlichen Konkurrenten vernichten helfen und nahm sich vor, zwar bei dem eintr?glichen Gesch?ft zu bleiben, es aber schlauer zu betreiben als bisher und dabei mehr Menschlichkeit walten zu lassen. Die erlebten Scenen waren nicht ohne Eindruck selbst auf ihn geblieben.

Wer in einer der bekannten s?ddeutschen Universit?tsst?dte das Adre?buch in die Hand nimmt und die erste Rubrik, also A aufschl?gt, dem f?llt sofort ein ungew?hnlich langer Name auf. Dieser lautet: Hadschi Ali Ben Hadschi Ishak al Faresi Ibn Hadschi Otaiba Abu lOscher Ben Hadschi Marwan Omar el Gandesi Hafid Jacub Abdallah el Sandschaki.

Hinter diesem Namen steht die Auskunft: H?ndler in Orientalien, Gartenstra?e 6 parterre.

Wer durch diese Adresse veranla?t wird, ein Fl?schchen Rosen?l, einen t?rkischen Tschibuk oder sonst dergleichen zu kaufen, und sich nach dem betreffenden Hause begibt, der sieht in dieser Nummer 6 ein gro?es, palast?hnliches Geb?ude, dessen linke Parterreh?lfte der erw?hnte Laden mit den daran sto?enden Wohnr?umen einnimmt. Das ?ber demselben angebrachte Schild tr?gt in goldener Schrift die etwas falsche Bezeichnung Hadschi Ali, Orientalist.

Ferner kann man im hohen, sch?n gemalten Hausflur auf einer Tafel lesen: Uszkar Istvan, Hausmann, Sprachlehrer und ornithologischer Autor, parterre rechts Professor Dr. Emil Schwarz, I. Etage Professor Dr. Joseph Schwarz, II. Etage Professor Dr. Ignatius Pfotenhauer, III. Etage. Und wer zur richtigen Zeit vor?bergeht und nach der dritten Etage emporblickt, kann da ein Fenster offen sehen, aus welchem unter einem roten Fes eine riesige Nase schaut, die sich ?ber dem vorgestreckten Rohre einer Masura lebhaft hin und her bewegt, um sich ja von dem, was unten auf der Stra?e geschieht, nichts entgehen zu lassen.

Unten aber, am Fenster rechts neben der Th?r, sitzt in allen seinen Mu?estunden ein kleines, d?nnb?rtiges Kerlchen, emsig besch?ftigt mit der so und so vielten Umarbeitung eines dicken Manuskriptes, welches den vielversprechenden Titel f?hrt Warum die V?gel Federn haben. Dieser der Ornithologie Beflissene, ist nat?rlich kein andrer als der Vater der elf Haare. Seit er mit seinen drei Herren und dem Vater des Gel?chters, zu welchem die Kunden mehr seines Gesichtes als seiner Waren wegen gehen, aus dem Sudan zur?ckgekehrt und als Hausmann des gemeinschaftlich bewohnten Geb?udes installiert worden ist, tituliert er sich Sprachlehrer, ohne aber einen Sch?ler zu bekommen, und hat es sich in den Kopf gesetzt, dem Vater des Storches durch die Herausgabe eines gelehrten Werkes zu beweisen, da? er auch V?gel gesehen und ?ber dieselben nachgedacht habe. Darum nennt er sich ornithologischer Autor und hat sich als Thema seiner Arbeit gerade die ber?hmte Frage aus der ebenso ber?hmten Erz?hlung Pfotenhauers, welche auch heute noch nicht zu Ende gelangt ist, vorgenommen.

Eben sitzt er wieder beim Manuskripte, welches er schon an etliche zwanzig Verlagsbuchh?ndler gesandt und stets mit der Bemerkung zur?ckerhalten hat, da? sein Deutsch der Gelehrsamkeit des Inhaltes nicht entspreche, da klappt neben ihm das kleine Hausfensterchen auf und der Brieftr?ger legt einen Brief herein. Der Hausmann und Autor nimmt ihn weg und liest neben mehreren fremden Briefmarken, die wie von Kinderhand geschriebene Adresse Emil Schwarzens. Auf der R?ckseite aber ist in arabischer Schrift der Name Barak el Kasi zu sehen.

Da springt der Kleine auf, rennt hin?ber in den Laden und schreit den Hadschi an:

Seinte drei Professoren noch im Garten, hintendrau?igem?

Ja; ich hab ?ie ?oeben noch ?ehen, antwortete der Kenner aller V?lker und D?rfer in leidlichem Deutsch, welches er sich im Laufe von zwei Jahren angeeignet hat.

Kommte mit hinaus, schnellte, schnellte! Sein ankommte Brief, afrikanigter, von Elefantenj?ger, schreibendem!

Er rennt nach dem Garten, der Hadschi hinter ihm her, mit seinem wonnevollsten Gesichte. Die drei genannten Herren sitzen rauchend in der gro?en Laube. Als sie die ihnen laut entgegengebr?llte Botschaft h?ren, springen sie auf. Der Brief wird von allen Seiten betrachtet und dann ge?ffnet. Der Inhalt ist nat?rlich arabisch und lautet in deutscher ?bersetzung:

Kenadem, am 12. Rewi ul achir.

Meinem Freunde, dem ber?hmten Mallim, Vater der vier Augen!

Allah ist gro? und gibt der Nacht Tau. Ich versprach Dir, darum schreibe ich. Der Menschen sind viele, und mir geht es wohl. O Sohn meiner Wonne, da? ich Dich fand in der Schlucht der Gebete! Trost meiner Augen, Liebling meiner Seele; die Datteln tragen reichlich dieses Jahr, und er ist gut, gro? und stark geworden. Mein Lieblingskamel ward auf einem Auge blind, und wie geht es Dir, Deinem Bruder und dem Vater des Storches? Der Prophet fastete in der W?ste, so auch ihr f?r mich und ich f?r euch. Wohl dem, der einen Sohn hat! Er ward zu Tode gepeitscht. Du wei?t, da? er es verdient hat, dieser Abu el Mot. Ich fluche ihm nicht. M?gen auch Deine Kamele gedeihen und die Palmen Deines Feldes! Denn der Wein ist verboten und kein Gl?ubiger riecht in das Fa?. Dennoch hat den Feldwebel und seine Leute das Schicksal ereilt. Nur die Kinder des Gehorsams tragen gute Fr?chte. Sie wurden n?mlich gepeitscht und dann ins Gef?ngnis geworden, wo sie noch stecken, denn mein Reichtum mehrt sich, Allah sei gepriesen, von Tag zu Tag. Auch Abd el Mot ist tot. Frage nicht, wozu und wohin! Hier sende ich ihn Dir. Nun schreibe auch Du! Von n?chstem Freitag an blicke ich nach S?d und Ost, ob Deine Antwort kommen wird. Schreibe deutlich, denn das Auge erblickt vieles, was der Verstand nicht sieht. Auch sind zwei Zelte zerrissen und mehrere Schafe verirrt. Ziehe die Schuhe aus, wenn Du die Moschee betrittst, und gieb flei?ig Almosen, denn ich bin Dein Freund

Barak el Kasi,

Emir von Kenadem.

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