Karl May.

Die Sklavenkarawane





Der Sch?tze mu? auf eins der ge?ffneten Augen zielen und kurz vor dem Momente des Sprunges abdr?cken. Der L?we thut, durch das Auge in das Gehirn getroffen, seinen letzten Sprung und erh?lt dabei den zweiten Schu?, noch w?hrend er in der Luft schwebt, in das Herz. In demselben Augenblicke mu? sich der J?ger weit zur Seite werfen, um nicht von den Tatzen des verendenden Tieres noch ergriffen und verwundet zu werden.

Ganz entgegengesetzt dieser Theorie hielt dieses Tier die Augen ge?ffnet und sandte einen so langen, langen Blick her?ber, als k?nne es sich ganz und gar nicht erkl?ren, was f?r Gesch?pfe es vor sich habe.

Das wollte Schwarz benutzen. Er richtete den Lauf seines Gewehres nach dem Kopfe des L?wen, um demselben einen Schu? in das Licht zu geben. Aber da schlo? das Tier die Augen und knurrte grimmig, als ob es die Absicht des Sch?tzen ganz genau kenne.

Es dauerte eine lange Zeit, bevor es die Lider wieder ?ffnete, aber nur ganz wenig. Dennoch gl?hte es zwischen denselben in einem Scheine hervor, welcher demjenigen einer hellgr?nen Papierlaterne glich.

Die Sterne leuchteten so hell hernieder, da? man den L?wen ganz deutlich sah. Er lag hart auf dem Boden, den Kopf auf die beiden Vorderpranken gesenkt und den langen Schwanz gerade ausgestreckt. Schwarz sah ein, da? er mit dem Schusse nun noch warten m?sse, bis das Raubtier die Augen weiter ?ffnete und den Hinterleib erhob. um sich zum Sprunge anzuschicken. Dieser Meinung schien der Vater der elf Haare aber nicht zu sein, denn er raunte ihm zu:

Jetzt ist die richtige Zeit. Schie? nun!

Nein; noch warten! antwortete Schwarz.

So schie?e ich, denn dann ist es zu sp?t.

Um Gottes willen noch nicht, weil

Er konnte nicht weiter reden; seine Warnung kam zu sp?t, denn zugleich mit seinen Worten hatte der Slowak den Lauf seines Elefantenm?rders auf den Kopf des L?wen gerichtet. Das alte Mordgewehr war nicht gut gehalten worden. Wer wei?, wenn der jetzige Besitzer den letzten Schu? aus demselben abgegeben hatte. Darum bewegten sich die Teile des Schlosses nur schwer. Der Sohn der Blattern mu?te alle Kraft seines Zeigefingers anwenden, um abzudr?cken, und dadurch kam der Lauf aus der Lage. Der Schu? krachte, und der Kolben der hochbejahrten Donnerb?chse schlug dem Kleinen mit solcher Gewalt gegen den Kopf, da? der Getroffene das Gewehr fallen lie? und in seiner slowakischen Muttersprache ausrief:

Jakowa bezotschiwortj! Idi do tscherta welche Unversch?mtheit! Geh zum Henker!

Mit der einen Hand den Kopf haltend, stie? er mit der andern den Elefantent?ter weit von sich fort. Der Schlag schmerzte ihn so, da? er nur an die Unversch?mtheit des Gewehres, nicht aber an den L?wen dachte.

Dieser war, als der Schu? krachte, aufgesprungen. Seine Augen weit ?ffnend, stie? er ein markersch?tterndes Br?llen aus und setzte zum Sprunge an. Schwarz hatte gl?cklicherweise seine Geistesgegenwart nicht verloren. Er dr?ckte auf das linke Auge des L?wen ab und rief zu gleicher Zeit dem Ungarn zu:

Wirf dich zur Seite! Schnell, schnell!

Der Genannte folgte diesem Gebote, indem er sich augenblicklich bis an die Wand des Felsens schnellte.

Ob die Kugel in das Auge gedrungen sei, konnte Schwarz nicht sehen, denn kaum hatte sein Schu? gekracht, so befand der L?we sich schon mitten im Sprunge in der Luft. Schwarz zielte kaltbl?tig nach der Gegend des Herzens, dr?ckte ab und warf sich sofort mit solcher Gewalt nach links, da? er mit dem halben K?rper zwischen die dichten B?sche hineinflog.

Die ungeheure und schier unglaubliche Sprungkraft des L?wen trug ihn von der Stelle, an welcher er gelegen hatte, genau bis dahin, wo die beiden Sch?tzen sich soeben noch befunden hatten. W?ren sie noch da gewesen, so h?tte er sicherlich beide erfa?t. Jetzt kniete nur noch Abu Dihk, der Vater des Gel?chters, dort. So klein die Gestalt dieses wackern H?ndlers, so gro? war seine Unerschrockenheit. Es war ihm gar nicht eingefallen, die letzte Warnung des Deutschen auf sich zu beziehen und sich auch in Sicherheit zu bringen. Auch er hatte keinen Blick von dem L?wen gewendet. Er sah ihn springen; er sah ferner, da? das Tier zwei Schritte vorw?rts, da wo die Sch?tzen gelegen hatten, die Erde ber?hren werde. Schnell avancierte er, stemmte seinen Spie? von neuem ein, richtete die Spitze desselben auf den Leib des L?wen und lie? in dem Augenblicke, als sie sich einbohrte, die Lanze los und w?lzte sich behend nach links, wo Schwarz lag oder vielmehr gelegen hatte, denn dieser war sofort wieder aufgesprungen und hatte das lange Messer gezogen, welches in seinem G?rtel steckte, um sein Leben Auge in Auge mit dem Raubtiere zu verteidigen, falls dasselbe nicht zu Tode getroffen sei.

Diese Vorsicht erwies sich gl?cklicherweise als ?berfl?ssig. Man h?rte das scharfe Ger?usch der zerbrechenden Lanze; der L?we schlug auf den Boden nieder, erhob sich sofort wieder ein sichtbares Zittern ging durch seine m?chtigen Glieder man sah ihn wanken er wendete sich nach links, wo Schwarz und Abu Dihk sich befanden, holte zum abermaligen Sprunge aus, kam aber nicht von der Stelle. Ein kurzes, klagendes und schnell ersterbendes Gebr?ll aussto?end, brach er zusammen, legte sich zur Seite und dann auf den R?cken, zog die zuckenden Pranken an den Leib, streckte sie wieder aus und blieb nun bewegungslos liegen.

Das war nat?rlich alles viel, viel schneller geschehen, als es erz?hlt werden kann, doch in solchen F?llen werden die Augenblicke zu Sekunden und die Sekunden zu Minuten, und der Geist des Menschen arbeitet so rapid schnell, da? zehn Entschl?sse sich in der Zeit folgen, welche sonst ein einziger Gedanke erfordert.

Die drei mutigen M?nner hatten keine Zeit, sich zu ?berzeugen, ob der L?we tot sei. Obgleich ihre Aufmerksamkeit zun?chst auf ihn gerichtet gewesen war, hatten sie doch ein zweites Br?llen, welches gleich nach dem Krachen der Gewehre von fern erschollen war, nicht ?berh?ren k?nnen. Der Slowak war aufgesprungen, Abu Dihk ebenfalls. Sie lauschten, sie vernahmen die Stimme eines zweiten L?wen. Diese erklang aber nicht in einzelnen Abst?nden wie diejenige des ersten, sondern sie ert?nte ununterbrochen fort, nicht so m?chtig, nicht mit so donnerndem Schalle, sondern in dumpf keuchender Wut; es war ein bissiges, nach Blut lechzendes St?hnen, aus welchem von Zeit zu Zeit ein knirschender Gaumenlaut hervorbrach wie eine verderblich z?ngelnde Flamme aus verborgener Glut. Man h?rte dieser Stimme deutlich an, da? das Tier sich in raschen S?tzen n?herte.

Da dort, wo die drei standen, das Feuer ausgel?scht worden war, so befanden sie sich im dunkeln Schatten des Felsens und konnten von den Arabern und Dschelabis nicht gesehen werden, und die letzteren wu?ten also nicht, welchen Verlauf der Angriff des L?wen genommen hatte.

Allah il Allah! h?rte man die Stimme des Schechs. Assad Bei, der Herdenw?rger, hat alle drei ermordet und liegt nun bei ihren Leichen, um sie aufzufressen. Er hatte seine Frau bei sich, welche die Sch?sse h?rte und nun herbeigest?rzt kommt, um ihm zu helfen. Sie wird sich auf uns werfen und uns zerrei?en. Eure Leiber sind verloren, aber rettet eure Seelen, indem ihr mit mir die Sure Jesin betet und dann auch die Sure der Gl?ubigen, welche die dreiundzwanzigste des Korans ist!

Schweig! rief Schwarz ihm zu. Wir leben, und der L?we ist tot. Durch dein Geschrei machst du seine Sultana auf dich aufmerksam, und sie wird dich fassen!

Allah kehrim Gott ist gn?dig! antwortete der Feigling. Ich bin still! Aber schie?t sie tot, die Sultana; schie?t auch sie tot, damit sie mit ihrem Manne dahin fahre, wo die H?lle am schrecklichsten ist!

Obgleich Schwarz dem Schech geantwortet hatte, war er bem?ht, jeden Augenblick auszunutzen. Er zog zwei Patronen hervor, um seinen Hinterlader wieder schu?fertig zu machen.

Es ist wirklich die L?win, welche kommt, sagte der Slowak. Ich mu? auch wieder laden. Wo habe ich nur

Er suchte in seinen Hosentaschen nach der Munition.

Unsinn! entgegnete der Deutsche. Ehe du fertig bist, ist die L?win da. Bringt euch in Sicherheit! Abu Dihk ist auch wehrlos, da sein Spie? zerbrochen ist. Macht euch fort!

Aber meine Kugel wiegt ein ganzes Viertelpfund, w?hrend die deinige

Fort, fort! unterbrach ihn Schwarz. Sonst bist du verloren!

Er war mit dem Laden fertig und kniete wieder an derselben Stelle nieder, an welcher er sich vorher befunden hatte. Er sah sich nicht nach den beiden um und bemerkte also nicht, da? sich nur der Vater des Gel?chters zur?ckzog. Uszkar Istvan, zu deutsch Stephan Pudel, aber blieb. Er dr?ngte sich zwei Schritte weit in das Gestr?pp hinein und lud dort sein Gewehr, was freilich nicht in einigen Augenblicken abgemacht werden konnte. Die Munition hatte er endlich im G?rtel gefunden, wohin sie vorhin, als er sich zum Kampfe r?stete, von ihm gesteckt worden war.

Die Stimme der L?win ert?nte jetzt ganz nahe. Das ergrimmte Tier blieb auf der F?hrte des L?wen, wendete sich also erst nach der Seite, auf welcher das Feuer brannte und kam erst dann nach der andern her?ber. Dadurch gewann der Slowak Zeit, mit seiner Donnerb?chse fertig zu werden.

Man h?rte jeden Satz, den die L?win machte, nicht etwa aus dem Ger?usche, welches ihre Pranken auf der Erde hervorbrachten, sondern aus den einzelnen Accenten ihrer Stimme. Sie bog um das Gestr?pp; jetzt erschien sie an der Ecke desselben. Gewi? w?re sie in ihrer blinden Wut weiter und an Schwarz vor?bergesprungen, wenn dieser nicht, um sie auf sich aufmerksam zu machen, sich hoch aufgerichtet h?tte. Sie sah ihn, flog, da sie nicht sofort anzuhalten vermochte, zur Seite gegen den Felsen und duckte sich dort nieder, um den Sprung abzumessen.

Er kniete augenblicklich wieder nieder und richtete den Lauf auf sie. Am Felsen war es dunkler; ihre Gestalt war selbst in den Umrissen nur schwer zu erkennen. Die L?win war vom Zorne aufgeregt, also mu?te Schwarz annehmen, da? ihr Sprung nicht in der vorhin bei dem L?wen beschriebenen Weise, sondern viel schneller, hastiger erfolgen werde. Es war nicht anzunehmen, da? sie die Augen langsam ?ffnen werde.

Diese Voraussetzung war sehr richtig, denn kaum hatte sie sich niedergeduckt, so gl?hten ihre Augen wie gr?ngelb schillernde Kugeln auf. Es war ein einziger Moment; im n?chsten sprang sie gewi?. Schwarz mu?te abdr?cken, ohne mit der n?tigen Genauigkeit visieren zu k?nnen. Sein Schu? blitzte auf zu gleicher Zeit flog die L?win unter w?tendem Gebr?ll durch die Luft auf ihn zu. Sein zweiter Schu? krachte; dann lie? er das Gewehr fallen und warf sich nicht wie vorhin zur Seite, sondern ganz richtig berechnend, vorw?rts, so da? er mit eng an den Leib gezogenen Armen und Beinen sich zweimal ?berkugelte und wohl f?nf Ellen von seinem Platze entfernt zu liegen kam. Dort sprang er augenblicklich wieder auf, ri? das Messer heraus und wendete sich nach dem Tiere um.

H?tte er nicht die Arme und Beine an sich gezogen sondern in mehr erhobener Stellung seinen Platz verlassen, so w?re er von der L?win erfa?t worden. So aber befand er sich jetzt unbesch?digt hinter ihr. Sie mu?te das wissen; sie mu?te sich jetzt nach ihm umwenden so dachte er; aber sie that es nicht. Ihr Auge war auf den vor ihr liegenden L?wen gefallen, ein kurzer Sprung, sie stand vor ihm, stie? ihn mit der Schnauze an, einmal, zweimal, drei-, viermal; dann hob sie den Kopf und stie? ein Geheul aus, ein langgezogenes, wahrhaft haarstr?ubendes Geheul, welches durch einen Schu? unterbrochen wurde: Der Vater der elf Haare war behend aus dem Gestr?pp getreten und hatte, die M?ndung seines Elefantenm?rders ganz nahe an ihren Kopf haltend, ihr die ein ganzes Viertelpfund wiegende Kugel gegeben.

Wie von einem kr?ftigen Sto?e getroffen, flog die L?win zur Seite, fiel zur Erde, raffte sich wieder auf und wendete den Kopf gegen den neuen Feind. Dieser hatte sein schweres Gewehr schnell umgekehrt und arbeitete, es beim Laufe haltend, nun mit dem eisenbeschlagenen Kolben auf den Sch?del des Tieres los, indem er dabei schrie:

Allah rhinalek, Allah iharkilik, ia afrid el afrid! Ehsch khalak, ia kelb, ia kelbe, ia omm el kilab Gott verfluche dich, Gott verbrenne dich, du Teufel aller Teufel! Wie befindest du dich, du Hund, du H?ndin, du Mutter der Hunde?

Er schien zu glauben, eine Hy?ne und nicht eine L?win vor sich zu haben. Seine Verwegenheit w?re ihm wohl schlecht bekommen, wenn ihm die Kugel nicht vorgearbeitet h?tte. Das Tier war auf den Tod getroffen; es hatte keine Kraft mehr zur Gegenwehr und brach unter seinen Schl?gen zusammen.

Da liegt sie! rief er triumphierend aus. Hier zu meinen F??en liegt sie. Ich habe sie erschlagen wie eine Katze. Sie hat nicht den Mut gehabt, mir ihre Z?hne und Krallen zu zeigen. Komm her und schau sie an!

Er beugte sich zu ihr nieder, um sie anzufassen, doch Schwarz zog ihn zur?ck und sagte:

Sei vorsichtig! So ein Tier hat ein z?hes Leben, und noch wissen wir nicht, ob sie wirklich tot ist. Wir wollen sicher gehen.

Er lud sein Gewehr und gab dem L?wen und der L?win noch je eine Kugel vor die Stirn. Die letztere zuckte noch einmal zusammen; sie war also doch noch nicht ganz tot gewesen.

Die beiden hatten laut gesprochen, waren also von den andern geh?rt worden. Jetzt fragte Abu Dihk, indem er sich langsam n?herte:

Habt ihr gesiegt? Darf man kommen?

Ja, antwortete der Slowak. Wir haben gesiegt. Ihr k?nnt kommen, unsre Heldenthat zu preisen, denn der W?rger der Herden ist hin?bergegangen in das Land des Todes und seine Frau mit ihm. Sie sind durchbohrt worden von den Kugeln und niedergeschlagen von dem Kolben meines glorreichen Katil elfil, dem niemand widerstehen kann.

Abu Dihk kam herbei und ergriff erst den L?wen, dann die L?win bei den Pranken, um sie hin und her zu zerren und sich von ihrem Tode zu ?berzeugen.

Sieh, wie sie es sich gefallen lassen! sagte der kleine Stephan stolz, indem er sich seine elf Barthaare strich. Nachdem wir mit diesen L?wen durch unsre Kugeln gesprochen haben, kannst du mit ihnen wie mit jungen Katzen spielen.

Hadschi Ali hat auch mitgesprochen, erinnerte ihn Schwarz. Der Tapfere hat bei uns gekniet und den L?wen mit dem Spie?e empfangen. Wir werden bald erfahren, wer von uns dreien ihm und ihr den Tod gebracht hat, demjenigen, der ein Tier erlegt, geh?rt das Fell. Jetzt holt einen Brand herbei, damit wir das Feuer wieder anbrennen.

Obgleich die Araber und Dschelabi jedes Wort h?rten, getrauten sie sich doch noch nicht herbei. Als die beiden Kleinen zu ihnen kamen, um Br?nde zu holen, krochen die Zaghaften hinter den Gep?ckst?cken hervor, und der Schech fragte:

Ihr lebt? Ihr seid nicht von dem Herrn mit dem dicken Kopfe verschlungen worden und auch nicht von seiner Frau?

Das fragst du noch! antwortete Stephan. Ich lasse mich weder von einem Herrn noch von einer Frau verschlingen. Merke dir das! Und selbst wenn der leibhafte Schetan k?me, um mich zu fressen, so fragt es sich sehr, wer in dem Magen verschw?nde, er in dem meinigen oder ich in dem seinigen. Kommt und seht euch das glorreiche Werk an, welches wir vollbracht haben, ohne da? der Herdenw?rger und seine Goze el assad es gewagt haben, uns ein Haar zu kr?mmen!

Sie folgten dieser Aufforderung, aber nicht allzu eilig. Als sie sich so weit gen?hert hatten, da? sie die K?rper der erlegten Raubtiere liegen sahen, blieben sie stehen. Erst als das Feuer wieder brannte und sie sahen, da? die Tiere von den drei gl?cklichen J?gern hin und her gewendet wurden, gingen sie ganz heran.

Nun endlich, da sie vollst?ndig ?berzeugt sein mu?ten, da? nicht die geringste Gefahr mehr vorhanden sei, wich ihre Furcht. Sie bildeten einen Kreis um die beiden Tiere, und der Schech erhob, die andern zum Schweigen auffordernd, seine Arme.

Allah il Allah we Muhammed rassuhl Allah! sagte er in pathetischem Tone. Er hat Himmel und Erde geschaffen, die Pflanzen und die Tiere und zuletzt den Menschen. Und als alles geschaffen war, schuf er noch den Moslem, damit er Herr ?ber alles Erschaffene sei. Ihm sind selbst die gewaltigsten Tiere unterthan, und wenn sie ihm nicht gehorchen, so t?tet er sie mit starker Hand. Dieser M?rder der Pferde, Kamele, Rinder und Schafe, welcher hier vor uns liegt, hatte Hunger. Anstatt sich mit dem Fleische eines unreinen Halluff oder Wawi zu begn?gen, hatte er die Verwegenheit, uns, die Lieblinge des Propheten, welcher das Paradies regiert, fressen zu wollen. Er hatte sein Weib mitgebracht, welches nicht einmal seine rechtm??ige Frau ist, denn als er sie nahm, hat kein Kadi sich unterschrieben. Sie lechzten nach unserm Blute. Sie freuten sich auf unser Fleisch und auf den Wohlgeschmack unsrer Knochen. Sie wollten uns verzehren ohne Chall und Zet, ohne Zibd und Bahahr, ganz so, wie der Racham eine gefallene Dibb verschlingt. Aber Allah war in unsrer N?he. Wir beteten die heilige Fathha und die Sure Jesin, deren Worte den Gl?ubigen in der Gefahr besch?tzen. Da kam der Mut der Helden und die Kraft des Sieges ?ber uns. Wir griffen zu den Waffen und sandten den menschenfressenden Teufel und seine Teufelin in die H?lle, wo sie nun am ewigen Feuer braten und kein Mensch sie essen mag. Wir triumphieren, und unsre Kindeskinder nebst deren Enkel und Urenkel werden uns preisen. In allen St?dten und D?rfern wird man von uns erz?hlen, und die Musikadschi werden dazu die Pauken schlagen und auf allen Saiten spielen. Wir aber wollen jetzt unsern Sieg genie?en und den Erschlagenen die Felle abziehen. Vorher jedoch m?ssen wir ihnen zeigen, wie sehr wir sie verachten, und da? sie Schmutz und W?rmer sind gegen uns, die starken Helden, welche niemals Furcht gekannt haben!

Er trat erst zum L?wen und dann zur L?win, um beide anzuspucken. Kaum hatte er dieses Zeichen gegeben, so folgten die Homr und Dschelabi seinem Beispiele. Die Tiere wurden mit F?usten geschlagen, mit den F??en getreten und mit allen m?glichen Schimpfworten, welche Verachtung bezeichnen, bedacht.

Dies dauerte wohl eine Viertelstunde lang, wobei die Leute sich wie verr?ckt geb?rdeten. Dann zog der Schech sein Messer und sagte:

Jetzt haben sie gef?hlt und auch geh?rt, wie ver?chtlich sie uns sind. Nun wollen wir ihnen die Kleider nehmen, um uns mit denselben zu schm?cken. Dem Sieger geh?rt das Fell des Besiegten. Wenn wir dann heimkehren zu den Zelten der Homr, werden die M?nner uns beneiden und die Frauen uns mit Lobges?ngen empfangen.

Die andern Araber zogen auch ihre Messer.

Halt! gebot Schwarz. Wir werden diesen Tieren die Felle allerdings nicht lassen; aber wer soll sie bekommen?

Die Sieger! antwortete der Schech.

Und wer ist das?

Wir alle sind es.

Ah, so! So sollen die Felle in vierzehn St?cke zerschnitten werden?

Nein, denn was w?ren sie dann wert? Aber du wei?t, da? ich der Schech bin!

Das wei? ich, doch was hat dieser Umstand mit den Fellen zu thun?

Der Schech hat sie zu bekommen.

Das ist bei euch Sitte?

Ja.

Und vorhin sagtest du, da? das Fell des Besiegten dem Sieger geh?re?

Ja. Wenn aber mehrere Sieger vorhanden sind, so bekommt es der vornehmste. Der bin ich, und die Felle d?rfen ja nicht zerschnitten werden.

Sonderbar! Du bist also auch ein Sieger?

Nat?rlich! Oder war ich etwa nicht auch zugegen?

Und sogar der vornehmste der Sieger bist du?

Ja, denn ich bin Schech.

Da irrst du dich au?erordentlich, du wei?t doch, was ich bin?

Ja, ein Effendi.

Er sagte das in ziemlich wegwerfendem Tone.

Der Effendi gibt es sehr verschiedene, erkl?rte Schwarz. Es stehen Hunderte von Effendis unter mir, deren niedrigster weit mehr ist und weit mehr wei?, als du wei?t und bist. Der vornehmste der Sieger bin also ich! Und ?brigens hast du nicht das geringste Recht, dich Sieger zu nennen. Von deinem Mute und deinen Thaten wird niemand singen und erz?hlen. Du schimpfest diese Tiere, aber was ist dein Mut gewesen, verglichen mit dem ihrigen! Als du ihre Stimme h?rtest, wolltest du fliehen.

Das war Scherz. Ich bin doch geblieben.

Ja, als ich dir sagte, da? die Flucht gef?hrlich werden k?nne, und weil du h?rtest, da? ich mit dem L?wen k?mpfen wolle. Als dann der Herr mit dem dicken Kopfe kam, hast du dich mit den Deinigen verkrochen, und selbst dann, als die Tiere tot waren, hast du dich erst dann in ihre N?he gewagt, als das Feuer wieder brannte und du dich ?berzeugt hattest, da? die Gefahr vor?ber sei.

Effendi, willst du mich beleidigen?

Nein; ich will dich nur vor ?berhebung warnen und vor unrechtlichen Eingriffen in das Eigentum andrer. Es sind nur drei, denen diese L?wen geh?ren, die drei, welche gek?mpft haben, n?mlich ich, Hadschi Ali und Ibn el dschidri. Kein andrer hat etwas mit den Troph?en zu schaffen.

Das d?rfen wir andern nicht zugeben. Magst du ein Effendi aller Effendis sein, du bist doch nur ein Giaur, der kein Recht unter uns besitzt. Wir sind Moslemim und nehmen die Felle. Und weigerst du dich, so

Er hielt inne.

So nun, was wird dann?

So werden wir dich zwingen! antwortete der Schech in drohendem Tone, indem er eine Bewegung mit der Hand machte, in welcher er das Messer noch hielt.

Da trat Schwarz nahe an ihn heran, legte ihm die Hand auf die Achsel und sagte: