Karl May.

Die Sklavenkarawane





Bleibt zur?ck! Hier am Eingange gibt es so viel Felsger?ll und Schutt, da? die Eindr?cke eurer F??e nicht gesehen werden k?nnen; weiterhin im Grase aber w?rdet ihr eine F?hrte machen, welche uns an Abu el Mot verriete. Er soll nicht ahnen, da? sich heute schon jemand hier befunden hat. Wir beide aber verstehen es, einen nur geringen Fu?eindruck zu machen und auch dieses wenige zu verwischen.

Sie gingen nur bis ungef?hr in die Mitte der Schlucht. Das gen?gte, um ihnen die ?berzeugung zu geben, da? es selbst dem ge?btesten und k?hnsten tiroler Gemsj?ger nicht gelungen w?re, an irgend einer Stelle der Granitwand emporzuklimmen. Das hatten sie wissen wollen und nun kehrten sie zur?ck, wobei sie nicht unterlie?en, die im Grase eingedr?ckten Spuren sorgf?ltig zu verwischen.

Wie klug Schwarz und Genossen gehandelt hatten, sollten sie sofort erkennen, denn eben als sie nun die Schlucht wieder verlie?en, deutete der Vater der elf Haare nach der Ebene hinaus und rief in seinem wunderbaren Deutsch:

Achtung gebte, aufgepa?te! Dort seint erscheinte Punkte, schwarz und sich bewegte. Was mag da kommte f?r Leute, nicht freundliche, sondern feindliche? Wir wollt uns versteckte, damit sie nicht kann sehente auch Punkte, unsrige!

Die M?nner zogen sich schnell in das Geb?sch und dann unter die B?ume zur?ck. Da, am Rande des Waldes und von den Str?uchern verdeckt, konnten sie sehen, ohne selbst gesehen zu werden.

Es waren erst nur vier oder f?nf Punkte gewesen; ihnen folgten aber mehr und immer mehrere, und nach kurzer Zeit sah man eine sehr lange und schmale Linie, welche sich schnurgerade, wie mit dem Lineal gezogen, auf die Schlucht zubewegte. Die Punkte wurden gr??er. Schon nach zehn Minuten konnte man erkennen, da? voran f?nf Reiter waren, denen mehrere Fu?g?nger folgten. Nach abermals f?nf Minuten ?berblickte man bereits den ganzen Zug, welcher sich in der Ordnung fortbewegte, da? hinter zehn oder noch mehr einzeln einander folgenden Fu?g?ngern immer einige Reiter kamen.

Das ist Abu el Mot mit seinen Menschenj?gern und den geraubten Negern, sagte Pfotenhauer. Sie kommen, wie gut, da? wir nicht lange auf sie zu warten brauchen! Nun wird der Tanz ja bald beginnen!

Ein trauriger Tanz, wenn auch nicht f?r uns, so doch f?r unsre Gegner, antwortete Schwarz. Und sich zu dem K?nige wendend, f?gte er hinzu:

Ich bleibe mit meinem Freunde hier, um die Karawane zu beobachten; ihr aber kehrt zu unsern Leuten zur?ck, um sie von der Ankunft der Erwarteten zu benachrichtigen. Sie sollen bleiben, wo sie sind, und den Platz ja nicht eher verlassen, als bis wir kommen. Den beiden Homr und Dauwari steckt ihr Knebel in den Mund, damit sie nicht etwa durch Geschrei ihre und unsre Anwesenheit vorzeitig verraten k?nnen.

Der K?nig folgte mit den andern dieser Aufforderung und entfernte sich, und die beiden Zur?ckbleibenden richteten ihre Aufmerksamkeit wieder auf den nahenden Zug. Sie sahen einen Reiter, welcher vom Ende desselben nach der Spitze galoppierte, jedenfalls um den dort Befindlichen einen Befehl zu erteilen.

Das ist Abu oder Abd el Mot, sagte Pfotenhauer.

Er wird halt jemand voraussenden, um nachschauen zu lassen, ob hier in dera Schlucht alles in Ordnung ist.

Er hatte sich nicht geirrt, denn zwei von den f?nf Reitern trennten sich von dem Zuge und kamen im Galoppe herbei; es waren b?rtige Kerls mit sonnverbrannten Gesichtern. Sie schienen die Anwesenheit eines Menschen f?r unwahrscheinlich zu halten, denn sie beobachteten nicht die geringste Vorsicht, sondern sprengten ganz offen heran und in die Schlucht hinein. Nach kurzer Zeit kamen sie wieder heraus und ritten zur?ck, um ihrem Anf?hrer Meldung zu machen.

Der Zug war inzwischen so nahe herangekommen, da? man jede einzelne Gestalt, wenn auch nicht die Gesichtsz?ge, erkennen konnte. Schwarz atmete tief und h?rbar; er ballte die H?nde und sagte:

In zehn Minuten werde ich wissen, ob mein Bruder dabei ist, also ob er noch lebt oder nicht. Wehe diesem Gesindel, wenn ich ihn nicht erblicke! In diesem Falle gibt es keine Gnade und Barmherzigkeit!

Nun bot sich den beiden ein Anblick, welcher ihre Herzen erzittern machte. Sie hatten eine Ghasuah, eine Sklavenkarawane vor sich.

Von dem Pferde eines der vorderen Reiter ging ein Seil aus, welches um die H?lse von f?nfzehn hintereinander schreitenden m?nnlichen Negern, deren H?nde man auf den R?cken gebunden hatte, geschlungen war. Die Schwarzen waren vollst?ndig unbekleidet und ihre K?rper mit aufgesprungenen Schwielen bedeckt. Sie hatten wohl nicht die verlangte F?gsamkeit gezeigt und infolgedessen die Peitsche bekommen.

Nun folgten drei Reiter und hinter denselben zw?lf Neger, welche ebenso gefesselt waren. Au?erdem trug oder vielmehr schleppte jeder einen schweren Holzklotz je an einem Fu?e. Auch sie waren mit Schwielen bedeckt und konnten sich kaum mehr fortbewegen.

Hinter diesen und wieder andern Reitern kam eine Reihe von Sklaven, welche die gef?rchtete Schebah trugen, eine schwere Holzgabel, in welcher der Hals des Gefangenen steckt.

Dann kamen schwache Frauen und M?dchen, welche Lasten schleppten, unter denen sie fast zusammenbrachen. Dabei waren ihnen kurze Stricke an die Fu?kn?cheln gebunden, so da? sie nur kleine Schritte machen und an Flucht nicht denken konnten. Ihnen folgten eng gefesselte Knaben, deren Gesichter zum Erschrecken unf?rmlich geschwollen waren. Man hatte ihnen die Guluf geschnitten, das sind drei Messerschnitte in jede Wange gemacht, als ewiges, sichtbares Zeichen der Sklaverei. Die Wunden eiterten und wurden von Insekten durchw?hlt.

Ein weiteres Glied des Zuges bildete eine Anzahl von Negern, denen die H?nde an die Kniee festgebunden waren, so da? sie in geb?ckter Stellung, mit wagerechtem Oberk?rper gehen mu?ten. Kurz, die Feder str?ubt sich, die Qualen zu schildern, welche man angewendet hatte, um die Gefangenen gef?gig zu machen und sie an der Flucht zu verhindern. Einer Mutter war sogar der verwesende Leichnam eines wohl achtj?hrigen Knaben, jedenfalls ihres Kindes, auf den R?cken gebunden worden. Sie hatte unter stetem Weinen nach ihm verlangt und da war er erschossen und in dieser schrecklichen Weise mit ihr vereinigt worden.

Man sah es allen an, da? sie erm?det waren und vor Hunger und Durst fast verschmachteten. Sie hatten w?hrend der ganzen Nacht marschieren m?ssen.

Das alles bemerkte Schwarz zun?chst noch nicht; er suchte nach seinem Bruder und hatte kein Auge f?r etwas andres. Der Zug verschwand mehr und mehr im Eingange der Schlucht, und noch hatte er ihn nicht entdeckt. Sein Puls begann zu fiebern und sein Atem zu fliegen. Er knirschte mit den Z?hnen, da? Pfotenhauer es h?rte. Dieser versuchte ihn zu beruhigen:

Verlierens nur die Hoffnung nit. Noch sind die Anf?hrer nit vor?ber, und grad bei diesen, denk ich, m?ssen sich solche Gefangene befinden, wie Ihr Bruder und der Elefantenj?ger sind.

Jetzt n?herten sich zwei Reiter, welche wei?e Ha?ks trugen und nebeneinander ritten. Kaum hatte Schwarz das Gesicht des einen, wenn auch nur erst von weitem, erblickt, so stie? er hervor:

Abu el Mot! Da ist er endlich!

Ja, das ist er, nickte Pfotenhauer, und der andre ist Abd el Mot. Und schauens, wer kommt da gleich hinter ihnen! Er lebt, er lebt! Sehens ihn neben dem Sejad ifjal?

Sie waren es, Joseph Schwarz und der Elefantenj?ger. Sie sahen verh?ltnism??ig wohl aus, trugen ihre Anz?ge noch und schauten ziemlich trotzig drein. Von Ergebung in ihr Schicksal fand sich in ihren Z?gen keine Spur.

Gott sei Dank! hauchte Schwarz. Ich m?chte hinspringen und ihn herausrei?en!

Da verderbens alles!

Das wei? ich wohl. Ich mu? mich beherrschen. Aber sagen will ich es ihm, da? ich da bin.

Um des Himmels willen, verraten Sie uns nit! raunte ihm der Gef?hrte ?ngstlich zu.

Haben Sie keine Sorge! Ich gebe ein Zeichen, welches Joseph genau kennt.

Der Elefantenj?ger und sein Leidensgenosse waren Seite an Seite so aneinander gefesselt, da? sie nicht auseinander und auch die Arme und H?nde nicht bewegen konnten. Au?erdem hatte man jedem einen Strick um den Leib geschlungen und an die Steigb?gel Abd el Mots befestigt. Schon waren sie der Schlucht nahe, da lie? sich das eigent?mliche Gekr?chze eines Geiers h?ren. Niemand achtete auf dasselbe, denn Geier gibts im Sudan massenhaft; Joseph Schwarz aber warf sofort den Kopf empor; seine Wangen r?teten sich, und seine Augen leuchteten auf. Er sah rechts ?ber die B?sche hin?ber, woher der Laut gekommen war, und erblickte zwischen den vordersten B?umen einen Arm, welcher ein Gewehr schwang. Er hatte seinen Schritt nicht f?r einen Augenblick inne gehalten und senkte nun den Kopf wieder nieder. Er besa? Selbstbeherrschung genug, sein Entz?cken zu bemeistern. Ganz, ganz leise aber fl?sterte er seinem Gef?hrten, mit dem er eben durch den Eingang schritt, zu:

Welch ein Gl?ck, da? Abu el Mot nicht auf den Schrei dieses Geiers achtete!

Warum? fragte der andre ebenso leise.

Es war kein Vogel, sondern mein Bruder.

Allah ja Allah! Wer soll

Still, nicht so laut! Man h?rt es ja! Ich kenne dieses Kr?chzen ganz genau; es hat uns auf unsren Reisen in fernen, gef?hrlichen L?ndern oft als Mittel gedient, uns zusammenzufinden, ohne uns rufen zu m?ssen, wenn wir uns f?r kurze Zeit getrennt hatten. Ist er allein, oder hat er noch andre mit, das ist ganz gleich: er holt uns heraus, mitten aus dem Lager, und zwar ganz gewi? noch heute abend oder sp?testens in der Nacht. Lassen wir aber nichts von unsrer Hoffnung merken!

Emil Schwarz hatte gesehen, da? sein Zeichen geh?rt und erkannt worden war; damit gab er sich zun?chst zufrieden. Er wu?te nun, da? sein Bruder morgen frei sein werde. Er wartete, bis die letzten Sklaven und ihre Peiniger in der Schlucht verschwunden waren, und kehrte dann mit Pfotenhauer nach der H?he zur?ck.

Was thun wir nun zun?chst? fragte dieser, als sie nebeneinander eiligst emporstiegen. Fallen wir gleich ?ber sie her?

Nein, denn da w?rden sie meinen Bruder sofort t?ten. Ich werde, wenn wir oben angekommen sind, sagen, wie wir uns meiner Ansicht nach zu verhalten haben. Ich begreife wirklich nicht, wie dieser sonst so kluge Abu el Mot es wagen kann, in der Schlucht zu lagern, in welcher wir ihn so pr?chtig einzusperren verm?gen. Es gen?gen wenige Leute, den Eingang zu verschlie?en, so da? er nicht heraus kann. ?berdies sind wir ihm beziehentlich der Anzahl weit ?berlegen und k?nnen seine Leute von oben herab mit unsern Kugeln gem?tlich wegputzen, ohne selbst in die geringste Gefahr zu kommen. Es ist gar kein Zweifel daran, da? er verloren ist; aber wir d?rfen dennoch nicht mit Gewalt vorgehen, da wir sonst meinen Bruder und den Elefantenj?ger, vielleicht auch die geraubten Sklaven in die Gefahr bringen, get?tet zu werden. Ein Mensch, welcher seinen sichern Untergang vor Augen sieht, ist bei den Gesinnungen dieses Abu el Mot zu allen Schandthaten f?hig.

Der K?nig hatte die ihm erteilte Weisung gut ausgef?hrt. Als die beiden oben ankamen, waren alle Leute zur Stelle, und keiner hatte den Platz verlassen. Der Sohn des Geheimnisses trat auf Schwarz zu und fragte:

Herr, ich habe mich ?ber meinen Vater sehr ge?ngstigt. Die Sklavenkarawane ist angekommen. Ist der Elefantenj?ger dabei ?

Ja; wir haben ihn gesehen.

Und wie ging es ihm? Wie sah er aus?

Sehr gut, unter den gegebenen Verh?ltnissen.

Allah sei Dank! Wehe den Sklavenj?gern, wenn es uns nicht gelingt, ihn unverletzt zu befreien!

Es wird uns gelingen; du darfst dich darauf verlassen. ?brigens wei? er schon, da? die Rettung nahe ist. Mein Bruder war bei ihm, und diesem gab ich ein Zeichen, aus welchem er ersehen hat, da? ich mich hier befinde.

So wollen wir ja nicht s?umen, sondern sofort angreifen!

Nein; wir werden vorher in Unterhandlung mit Abu el Mot treten.

Warum das? Sie haben keine Ahnung von unsrer Anwesenheit. Wenn wir pl?tzlich ?ber sie herfallen, so wird der Schreck sie so l?hmen, da? wir Sieger sind, ehe sie an Widerstand gedacht haben.

Selbst wenn diese deine Voraussetzung sich bewahrheitete, w?rde Menschenblut flie?en, und das m?chte ich vermeiden. Ich denke aber, da? die beiden Anf?hrer der Karawane zwar ?berrascht sein, aber ihre Besinnung keineswegs verlieren w?rden. Das erste, was sie thun w?rden, w?re, da? sie deinen Vater und meinen Bruder t?teten. Sollen wir diese beiden einer solchen Gefahr aussetzen?

Nein, Herr, nein, antwortete der J?ngling schnell. Aber wie willst du es denn anfangen, sie zu retten?

Das werdet ihr jetzt h?ren.

Er teilte seinen Plan mit, und nach kurzer Beratung wurde derselbe angenommen, denn man sah ein, da? man nichts Besseres thun k?nne.

Nun setzten sich die Krieger in Bewegung, um die Schlucht zu umzingeln. Das geschah so leise und vorsichtig, da? die in derselben Befindlichen nichts davon bemerkten. Nach zehn Minuten war der Rand der Felsen rundum mit Leuten besetzt, welche f?r alles, was geschehen konnte, ihre bestimmten Weisungen erhalten hatten.

Von allen Untergebenen waren die Soldaten aus Faschodah jedenfalls die zuverl?ssigsten, und darum hatte Schwarz die Bestimmung getroffen, da? diese den Eingang zur Schlucht besetzen sollten. Der K?nig, Hasab Murat und der Vater der H?lfte erhielten den Befehl ?ber die Truppen, welche hier oben standen. Schwarz marschierte mit den Soldaten hinunter. Bei ihm befanden sich Pfotenhauer, der Slowak, der Hadschi und der Sohn des Geheimnisses. Der Sohn der Treue hatte bei seinem Vater oben bleiben wollen.

Dauwari und die beiden Homr wurden mitgenommen. Sie konnten infolge der Bastonnade den Berg nicht hinabsteigen und mu?ten getragen werden. Sie hatten die getroffenen Vorbereitungen beobachtet und wu?ten also, da? es f?r Abu el Mot keine Hoffnung auf Entkommen gab.

Die Sorglosigkeit, mit welcher dieser Mann heute verfuhr, war wirklich erstaunlich. Als Schwarz mit seinen Leuten unten ankam, sah er, da? nicht einmal der Eingang besetzt worden war. Er n?herte sich demselben noch nicht, sondern blieb zun?chst unter den B?umen halten, um den genannten drei Gefangenen die notwendigen Weisungen zu erteilen.

Ich gebe euch Gelegenheit, eure S?nden wenigstens so weit gut zu machen, da? ich euch sp?ter eure Freiheit zur?ckgeben kann, sagte er zu ihnen. Ich werde jetzt eure Fesseln l?sen lassen, damit ihr zu Abu el Mot in die Schlucht gehen k?nnt. Eure F??e werden euch wohl f?r diese kurze Strecke tragen. Sagt ihm, da? er vollst?ndig eingeschlossen ist; sagt ihm auch, welche Waffen wir tragen und wieviel K?pfe wir z?hlen. Das wird ihn veranlassen, klug und nachgiebig zu sein. Ich stelle ihm folgende Bedingungen: Er hat den Elefantenj?ger und meinen Bruder sofort auszuliefern, und zwar nebst allem ihrem Eigentum, welches er ihnen abgenommen hat; ferner soll er sich selbst und Abd el Mot gefangen geben; thut er das, so soll beider Leben von uns geschont werden. Geht er auf diese Bedingungen ein, so werden wir alle seine Leute entlassen, ohne da? ihnen etwas ?bles geschieht. Weist er aber meine Forderungen von sich, so werden wir keine Gnade walten lassen. Ihr selbst wi?t sehr genau, da? die ganze Karawane sich in unsrer Gewalt befindet. Es ist zu eurem eigenen Vorteile, ihn zur Annahme meiner Bedingungen zu bewegen, da sein Schicksal auch das eurige sein wird. F?gt er sich, so werdet ihr frei; zwingt er uns aber zum Kampfe, so werdet ihr mit erschossen.

Die drei blickten finster vor sich hin; sie waren ?berzeugt, da? Abu el Mot nicht auf diese Bedingungen eingehen werde. Darum meinte der eine Homr:

Kannst du nicht andre Forderungen stellen, welche milder sind?

Welche denn? Es gibt keine milderen. Ich schenke euch allen das Leben, welches ihr verwirkt habt. Was wollt ihr mehr verlangen!

Ich bin ?berzeugt, da? er sich weigern wird.

So rennt er ins Verderben.

D?rfen seine Krieger erfahren, was du von ihm verlangst?

Ja. Es ist mir sogar sehr lieb, wenn ihr es ihnen mitteilt. Vielleicht besitzen einige von ihnen so viel Verstand, ihm zuzureden und zur Ergebung zu bewegen. Besonders von euch erwarte ich das ganz bestimmt. Euer Leben ist in eure eigene Hand gegeben.

Und auf welche Weise soll dir mitgeteilt werden, was er beschlossen hat?

Er mag mir einen Mann senden, welcher Vollmacht zur Unterhandlung hat.

Werdet ihr diesen nicht zur?ckbehalten?

Nein. Ich gebe dir die Versicherung, da? er, sobald es ihm beliebt, zur?ckkehren kann.

Er mag sein, wer er will?

Ja.

Wie aber, wenn Abu el Mot sich entschl?sse, selbst zu kommen?

Ich w?rde selbst in diesem Falle mein Wort halten. Wir w?rden ihn als Parlament?r betrachten, dessen Person, Freiheit und Eigentum unverletzlich sind. Wir w?rden also seiner R?ckkehr nicht das Geringste in den Weg legen. Ja, ich w?re sogar bereit, ihn umherzuf?hren und ihm unsre Stellung zu zeigen, damit er erkenne, da? Hartk?pfigkeit ihn ins Verderben f?hren mu?. Nun wi?t ihr alles und k?nnt gehen.

Er nahm ihnen die Fesseln ab und sie hinkten auf ihren verletzten F??en davon. Sobald sie in dem Eingange verschwunden waren, wurde derselbe von den Soldaten besetzt. Eine Anzahl derselben mu?ten schleunigst B?sche f?llen, mit denen er verbarrikadiert werden sollte. Auf diese Weise erhielt man Deckung gegen die feindlichen Kugeln, falls, was allerdings kaum zu erwarten war, Abu el Mot auf den Gedanken kommen sollte, eine sofortigen Angriff vorzunehmen.

Schwarz stellte sich mit Pfotenhauer so auf, da? er einen freien Blick in die Schlucht hatte. Er sah, da? die geraubten Neger nach dem hintern Teile derselben geschafft worden waren. Vorn waren die Sklavenj?ger flei?ig besch?ftigt, diejenigen Vorkehrungen zu treffen, welche bei der Errichtung eines Lagers gebr?uchlich sind. Rechts oben auf dem Damme spannte man ein Zelt auf, welches jedenfalls f?r die beiden Anf?hrer bestimmt war. Die Leute schw?rmten wirr durcheinander, und jeder war so sehr mit sich selbst besch?ftigt, da? man zun?chst das Nahen der drei Abgesandten gar nicht bemerkte und ebensowenig es beachtete, da? fremde Krieger sich vorn am Eingange festgesetzt hatten.

Nun aber waren die drei nahe hinzugekommen und sprachen einen der J?ger an. Schwarz sah, da? sie nach r?ckw?rts zeigten. Der Blick des Mannes folgte dieser Richtung ein lauter Ruf des Schreckes und der Warnung, und aller Augen richteten sich nach dem Eingange, wo Schwarz seinen Soldaten befahl, die Gewehre anzulegen, als ob sie zu schie?en beabsichtigten.

Jetzt gab es einen unbeschreiblichen Wirrwarr in der Schlucht. Man schrie; man eilte zu den Waffen, man rannte ratlos hin und her; jeder wollte etwas zu seiner Verteidigung, zu seinem Schutze thun, und wu?te doch nicht was. Die drei Boten waren nicht mehr zu sehen; sie waren in dem Menschenkn?uel verschwunden.

Da ert?nte eine laute Stimme; sie klang dumpf und hohl, war aber durch die ganze Schlucht zu h?ren.

Das ist Abu el Mot, sagte Schwarz. Er gebietet Ruhe.

Das angstvolle Rufen und Laufen h?rte auf; jeder blieb da stehen, wo er sich gerade befand. Schwarz gebot seinen Leuten, die Gewehre in Ruhe zu setzen. In der Schlucht herrschte jetzt die tiefste Stille, wohl eine ganze Viertelstunde lang; aber es schien das die Stille vor dem Sturme zu sein, denn jeder hatte seine Waffen ergriffen, und alle warfen den am Eingange Stehenden drohende Blicke zu.

Da gab sich eine kleine Bewegung zu erkennen. Die Leute wichen an einer Stelle zur?ck, und es trat ein Mann hervor, welcher sich langsam und z?gernd den Belagerern n?herte. Er hatte keine Waffen bei sich und trug als Zeichen des Friedens einen Palmenwedel in der Hand. Als er bis auf ungef?hr zwanzig Schritte herangekommen war, blieb er stehen, schwenkte den Wedel und gr??te:

Sallam! Darf ich zu euch kommen und frei wieder gehen?

Ja, denn ich habe es versprochen, antwortete Schwarz. Komm also getrost!

Der Mann trat vollends herbei. Er war ein gew?hnlicher Askari, den Abu el Mot jedenfalls nur zur Probe abgesandt hatte, um zu erfahren, ob seine Gegner nicht vielleicht hinterlistig handeln w?rden.

Mich sendet Abu el Mot, sagte er. Er m?chte selbst mit euch sprechen und l??t fragen, ob er wirklich ohne Hindernis zur?ckkehren darf, falls er nicht einig mit euch wird.

Sage ihm, da? ich es versprochen habe und mein Wort halten werde.

Er soll also kommen?

Ja. Aber er darf keine Waffe bei sich haben, wie sich das ja ganz von selbst versteht.

So kehre ich zu ihm zur?ck, um ihm diese Botschaft auszurichten. Sallam!

Er drehte sich um und schritt von dannen, z?gernd und langsam; dann drehte er sich um, warf einen froherstaunten Blick zur?ck und rannte nun fort, als ob er einer ganz entsetzlichen Gefahr entgangen sei. Er hatte also doch nicht getraut, sondern vielmehr geglaubt, da? man ihn festhalten und nicht wieder fortlassen werde.

Lieber Himmel, wirft dieser Kerl seine Beine, als ob ers extra bezahlt bek?m! lachte Pfotenhauer. Der ist h?llisch froh, da? wir ihn nit aufgfressen haben.

Wer fre?te Schlingel, solchen, der seinte nicht bei Sinnen, gesundheitlichen, antwortete der Vater der elf Haare. Da seinte viel besser ein St?ck Braten, schweiniger, oder ein Schnitzel mit Paprika, kalbfleischiges. Schaunte Sie, schaunte! Da kommte Abu el Mot in Person, eigener.