Karl May.

Die Sklavenkarawane





Indessen hatten die Fahrzeuge sich dem Ufer gen?hert und die Anker ausgeworfen. Als die Insassen derselben den Geruch des Bratens versp?rten, begehrten sie, aussteigen zu d?rfen, was Schwarz nicht gern erlaubte, da er wenigstens der Nuehr nicht ganz sicher zu sein glaubte. Der Vater der H?lfte aber gab ihm den Rat, sich ihre Anh?nglichkeit dadurch zu erwerben, da? er ihnen Vertrauen zeige, und so durften sie die Schiffe verlassen. Doch erhielten die Soldaten heimlich den Befehl, auf sie zu achten, damit keiner von ihnen unbemerkt den Platz verlasse.

Das Nilpferd hatte eine solche Menge von Fleisch geliefert, da? von den anwesenden Hunderten jeder ein t?chtiges St?ck bekam, welches er auf beliebige Weise zubereiten und verzehren konnte. Die Art und Weise, wie das geschah, h?tte einem Maler Stoff zu einer ganzen Mappe voll Genrebilder gegeben.

Die sich dabei entwickelnden heitern Scenen sollten auf eine unerwartete und, wenigstens anf?nglich, unliebsame Weise unterbrochen werden. Schwarz sa? mit Pfotenhauer, dem Vater der H?lfte und Hasab Murat zusammen. Sie a?en gebratenen Hippopotamusspeck, welchen der erstere ganz vortrefflich fand.

Nit wahr, er ist ausgezeichnet? fragte der Vater des Storches. Kaan Fleischer oder Selcher in Deutschland kann was Besseres aufweisen, und ich kenn hier am Nil nur aan einziges, was dem nit nur gleichkommt, sondern vielleichten gar noch delikater ist.

Was ist das? erkundigte sich Schwarz.

Das ist aan Elefantenbraten; aber von der richtigen Stell mu? er halt sein. Haben Sie es kennen glernt?

Elefantenfleisch habe ich gegessen, doch wei? ich nicht, von welchem K?rperteile es am besten ist.

So mu? ich es Ihnen sagen. Es ist hier herum in dieser Gegend gar nit ausgeschlossen, da? uns mal so a Herr Elephas oder gar eine ganze Herd davon begegnet; kommen wir da gut zum Schu?, so werd ich Ihnen den praktischen Beweis f?r meine theoretische Behauptung liefern. Wissens wo die Kugel den Elefanten treffen mu?, wann er sogleich fallen soll?

Ja, dort, wo der R?ssel in den Kopf ?bergeht.

Das ist schon richtig, obgleich man ihn mit der Explosionskugel auch anderswo t?dlich verwunden kann. Grad unter dieser Stell mu? man sich ein St?ck aus dem R?ssel schneiden. Das gibt den besten Braten, den ich jemals gessen hab.

Pfotenhauer verdrehte die Augen und schnalzte mit der Zunge, um den gro?en Wohlgeschmack des betreffenden Gerichtes m?glichst anzudeuten. Dabei nickte seine Nase h?chst energisch von oben nach unten, als ob sie die Absicht habe, seine Behauptung auf das Kr?ftigste zu bejahen.

Elefantenr?ssel? fragte Schwarz ungl?ubig. Ich habe geglaubt, der m?sse ziemlich z?he sein.

O nein. Er ist so zart wie Renntierzunge. Aberst das R?sselst?ck thuts nicht allein, sondern es mu? in dem richtigen Fett gebraten werden, welches dazu gh?rt. Das ist n?mlich das Fett im Zellgeweb der Nieren, a Fett, sag ich Ihnen, was mit gar nix zu vergleichen ist.

Ich wollt, es k?m gleich jetzt so aan Elefant glaufen, damit ich Ihnen zeigen k?nnt, was ich leider nit zu beschreiben mag!

Sie Gourmand! l?chelte Schwarz. Ich glaube wirklich, Sie w?nschen wegen dieses kleinen R?sselst?ckes eine ganze Elefantenherde herbei. Ein nicht ungef?hrliches Verlangen!

F?rchtens sich etwa?

Nein. Aber denken Sie an die Verwirrung, welche diese Tiere hier anrichten w?rden!

Wanns ruhig k?men, h?tts gar nix zu sagen; aber freilich wenns greizt werden, dann k?nnts uns schlimm dergehen. Wissens vielleicht, was man so einen Heruml?ufer nennt?

Ja. So nennt man alte, m?nnliche Elefanten, welche wegen ihrer B?sartigkeit von den Herden nicht gelitten werden und infolgedessen allein umherirren m?ssen. Das sind h?chst gef?hrliche Tiere. Wehe demjenigen, der einem solchen unvorbereitet oder auf offenem Plane begegnet!

Ja, wann so a Herumtreiber k?m, der k?nnt uns all unsre Tiere hier zu schanden machen; er th?t sie wohl alle nachnander aufspie?en. Am allerschlimmsten ists, wann so a Kerl sich auf der Flucht vor denen, die ihn ausgsto?en haben, befindet. Da rei?t er alles nieder; da ist er vor Wut geradezu von Sinnen, und dann thut selbst der k?hnste Sch?tz klug, wann er ihm schnell aus dem Wege geht und sich lieber gar nit von ihm derblicken l??t.

Haben Sie die Erfahrung vielleicht selbst gemacht?

Ja freilich, droben am Bahr Dschur. Da sa? ich mit zwei Niam-niam zusammen und balgte die gschossenen V?gel ab. Pl?tzlich wackelt die Erde unter uns, und es gab aan Gedr?hn, als ob aan Erdbeben horch! Was ist das? H?rens nix?

Schwarz lauschte und antwortete dann:

Das klingt wie ein ferner kleiner Wasserfall. Aber hier gibt es doch keinen!

Nein. Das ist was ganz andres. Vielleicht hab ich gar den Teufel an die Wand gmalt, und nun kommt er herbei. Wanns nur noch Zeit ist, die Herd in Sicherheit zu bringen!

Er war aufgesprungen, legte die H?nde wie ein Sprachrohr an den Mund und rief denjenigen Leuten, welche die Aufsicht ?ber die Rinder zu f?hren hatten, mit weithin schallender Stimme zu:

Harisihn, ruh el bakar: bid bid ruh; el ifjal, el ifjalW?chter, fort mit den Rindern, weit, weit fort; die Elefanten, die Elefanten!

Dieser Ruf wurde im ganzen Lager vernommen. Wer sa?, der sprang auf und griff zu den Waffen. Die W?chter eilten zu ihren Tieren und trieben sie mit den Lanzen unter lautem Geschrei hinaus in die Ebene, nach der Richtung, welche Pfotenhauer ihnen andeutete, indem er mit beiden Armen winkte, so da? dieselben wie die Fl?gel einer Windm?hle auf und nieder gingen.

Das starke Ger?usch, welches er geh?rt hatte, war n?mlich von links her gekommen, aus dem Walde, welcher jenseits der Spitze des Maijeh lag. Es war jetzt nicht mehr zu vernehmen, da die Hirten schrieen und die Soldaten einander Mut zubr?llten. Aber die Lunge Pfotenhauers war kr?ftiger als die aller andern.

Raha, hudu, ja nas, willa nihma maijit Ruhe, Stille, ihr Leute, sonst sind wir verloren! donnerte er ?ber die weite Fl?che dahin, und sein Befehl fand augenblicklichen Gehorsam, wenn auch nicht infolge guter Disciplin, es war vielmehr die Angst, welche die Sudanesen zum Schweigen brachte.

Und nun war das Ger?usch wieder zu h?ren, und zwar mit verdoppelter St?rke. Es glich einem Erdbeben; der Boden schien zu zittern.

Aiwa, ifjal, ja Allah ja, das sind Elefanten, o Gott! rief der Vater der H?lfte.

Kull kati eine ganze Herde! stimmte Hasab Murat bei. Was thun wir? Bringen wir uns in Sicherheit?

Er wollte davonlaufen; aber der Vater der elf Haare, welcher mit dem Vater des Gel?chters herbeigekommen war, ergriff ihn beim Arme, hielt ihn zur?ck und sagte:

Hast du keine Angst vor der Sklavenjagd, so brauchst du dich auch jetzt nicht zu f?rchten. Ein Elefant ist ein Engel gegen einen Sklavenj?ger.

Und zu Schwarz gewendet, fuhr er in deutscher Sprache fort:

Herr Doktor, jetzt werd Sie gesehent, da? ich nicht hatt gef?rchte Elefant, gro?m?chtigen. Ich werd gebte ihm Kugel aus Gewehr, meinigem, grad in die Nase, ger?sself?rmigte!

Schwarz hatte keine Zeit, auf diese Versicherung zu achten. In solchen Verh?ltnissen dr?ngen sich die Augenblicke zusammen. Seit Pfotenhauer das Ger?usch vernommen hatte, waren bis jetzt noch keine zwei Minuten vergangen, und nun dr?hnte die Erde, wie wenn die schwache Mauer eines H?uschens von einem vor?berrollenden schweren Lastwagen zittert. Jetzt durchfuhr ein Ton die Luft, so stark, so schneidend, als ob er aus hundert Trompeten zugleich erschalle; dann kam der Goliat der vierf??igen Tiere um die Ecke des Geb?sches gerannt, den R?ssel hoch erhoben und das kleine l?cherliche Schw?nzchen wie einen abwehrenden Stachel geradeaus gestreckt.

Es fehlte ihm der eine Sto?zahn; der vorhandene war von au?erordentlicher Gr??e und deutete das hohe Alter des Tieres an, welches im Widerrist sicher eine H?he von vier Meter besa?; die L?nge betrug wohl einen ganzen Meter mehr.

Der Elefant bot mit dem erhobenen R?ssel, den klatschenden Riesenohren und der durchdringenden Trompetenstimme eine so gewaltige Erscheinung, da? ein unwiderstehliches Entsetzen die Sudanesen packte. Sie warfen ihre Waffen weg und rannten davon, um sich hinter den B?schen und B?umen zu verbergen, und lie?en dabei ein Angstgeheul h?ren, welches den Elefanten aufmerksam machte.

Durch irgend etwas, das man noch nicht sehen konnte, in Wut versetzt, war er bis jetzt wie blind gewesen; jetzt aber blieb er stehen, um den vor ihm liegenden Platz zu be?ugen. Er sah die fliehenden Menschen und das kleine H?uflein der Stehengebliebenen, welche den Mut besa?en, ihm Widerstand leisten zu wollen; er schlug mit dem R?ssel ein Rad, hob ihn dann zum Schlage hoch empor und st?rzte sich auf die wenigen M?nner los.

Diese letzteren waren die Europ?er, der Sohn der Treue und der wackere Vater des Gel?chters. Die andern alle, auch der Vater der H?lfte und Hasab Murat, waren verschwunden. Die gefangenen und gebundenen Leute des Feldwebels lagen mit diesem ganz bewegungslos, um ja die Aufmerksamkeit des Tieres nicht auf sich zu lenken.

Doch noch einen gab es, welcher nicht geflohen war Abd es Sirr, der Sohn des Geheimnisses. Dieser hatte sich, sobald der Elefant in Sicht kam, zu Boden geworfen und kroch, anstatt zu fliehen, ihm vielmehr rasch entgegen.

Fliehe, um Allahs willen! rief ihm der Sohn der Treue zu. Er zerstampft dich ja. Es ist ein Hahdschil.

Dieses letztere Wort bedeutet einen Vagabunden, einen Herumtreiber. Das Tier war also so ein ausgesto?enes, wegen seiner Wildheit und T?cke selbst von seinesgleichen gemiedenes Ungeheuer.

Ja, ein Hahdschil, stimmte Pfotenhauer bei. Eure Kugeln thun ihm nichts. Trifft die meinige nicht die richtige Stelle, so gnade uns Gott!

Die M?nner standen dicht beisammen, die Gewehre gegen das Tier erhoben sich. Aber die bereits erw?hnte Stelle, auf welche gezielt werden mu?te, war nicht zu sehen, da der Elefant den R?ssel gerade aufw?rts trug. Es war, als ob er die Verletzlichkeit derselben kenne und sie durch den R?ssel sch?tzen wolle.

Das alles geschah selbstverst?ndlich viel schneller, als es erz?hlt werden kann. Das Tier war bis auf h?chstens vierzig Ellen herangekommen.

Zerstreut euch und schie?t von der Seite! rief der Vater des Storches, da haben wir besseres Zielen.

Er sprang zur Seite, und die andern folgten seinem Beispiele, den kleinen Slowaken ausgenommen, welcher niedergekniet war und den Lauf seines schweren Katil elfil auf den offenen Rachen des Tieres gerichtet hielt.

Allah, hilf der Kugel ins Gehirn, rief er aus, sonst schl?gt mir das Vieh den Sch?del ein!

Er dr?ckte ab, und der Schu? hatte einen doppelten Erfolg. Der Vater der elf Haare erhielt n?mlich von dem Gewehre einen solchen R?ckschlag gegen den Kopf, da? er zu Boden st?rzte.

Lisirrak prosit Mahlzeit; mit mir ists aus! schrie er, indem er die Augen starr auf den Elefanten gerichtet hielt.

Aber dieser senkte den R?ssel nicht, um den kleinen Sch?tzen mit demselben zu ergreifen oder zu zerschmettern. Er bewegte ihn gar nicht, ja, er bewegte sich selbst nicht mehr. Und das war der andre Erfolg des Schusses. Die gro?e, schwere Kugel hatte ihn mitten im schnellsten Laufe zum Stehen gebracht; er hielt da, wie gel?hmt und ohne einen Zollbreit seines K?rpers zu bewegen, freilich nur f?r wenige Augenblicke; aber dies gen?gte zur Rettung des Slowaken.

Der treue Freund dieses letzteren, n?mlich der Vater des Gel?chters, sah die Gefahr, in welcher er schwebte, und rief ihm zu:

Lauf davon! Ich halte ihn auf!

Er sprang vor und gab dem Tiere eine Kugel in den untern, starken Teil des R?ssels, freilich ohne den beabsichtigten Erfolg. Er w?re mit samt dem Slowaken verloren gewesen, wenn nicht der Sohn des Geheimnisses w?hrend dieser kurzen Pause Zeit gefunden h?tte, seine Absicht auszuf?hren.

Abd es Sirr hatte sich ein wenig seitw?rts gehalten, und der Elefant war, ohne ihn zu sehen oder zu beachten, an ihm vor?bergerannt und dann, von des Kleinen Kugel getroffen, stehen geblieben. Gerade als der Vater des Gel?chters dann seinen Schu? abgab, sprang der Sohn des Geheimnisses vom Boden auf, schnellte sich an das eine hintere Bein des Tieres, holte mit seinem langen Messer aus und versetzte ihm einen Hieb, um die Flechse zu durchschneiden. Hatte er nicht die richtige Stelle getroffen, oder war sein Messer nicht scharf genug, kurz, die Absicht mi?lang, und der Elefant drehte sich schnell um, um den neuen Feind zu sehen.

Aber er sah nicht nur diesen einen, sondern mehrere, viele.

Man hatte bisher nur auf diesen einen Elefanten geachtet, nicht aber darauf, was aus dem fr?heren Get?se, welches doch auf eine ganze Herde schlie?en lie?, geworden war. Der alte Einsiedler hatte sich in die N?he eines Truppes gewagt und war von demselben fortgejagt und verfolgt worden. Als er um die Ecke des Maijeh bog, war er seinen Verfolgern aus den Augen gekommen, und diese hatten eine kurze Zeit nach ihm gesucht. Jetzt kamen auch sie um die Ecke. Ihn sehen und mit entsetzlichem Getrompete auf ihn eindringend, war eins. Diese Feinde erschienen ihm jedenfalls f?rchterlicher als die Menschen; er wendete sich schnell wieder um und rannte entsetzt weiter, ohne sich f?r die Verwundungen ger?cht zu haben.

Die Zahl seiner vierf??igen Gegner betrug zw?lf, eine Schar, welcher er freilich nicht gewachsen war; sie geh?rten jedenfalls einer Familie an, deren Oberhaupt, ein alter Bulle voranrannte; ihm folgten vier M?nnchen, vier Weibchen und drei Junge. In ihren Zorne ?ber den Heruml?ufer nahmen sie nicht die geringste Notiz von den anwesenden Menschen und stampften mit kaum glaublicher Schnelligkeit vor?ber und hinter ihm drein freilich nicht alle von ihnen.

Der Slowak und sein Freund waren dem Vagabunden ausgewichen und also von seinen F??en nicht getroffen worden. Als die Herde heranst?rmte, hatte der Vater des Storches gerufen:

La?t die M?nnchen vorbei und zielt nur auf die Jungen! Die Weibchen sind uns dann sicher.

Zugleich zielte er nach dem R?ssel des ersten Elefantenj?nglings. Schwarz sah das und nahm den zweiten auf das Korn. Die beiden Sch?sse krachten und nur wenige Sekunden sp?ter der dritte, denn Pfotenhauer hatte sofort auch dem dritten Jungen die Kugel des andern Laufs gegeben. Seine Explosionsgeschosse wirkten bei der Jugend der Tiere augenblicklich; die zwei Elefanten brachen mit zerschmetterten Stirnen zusammen. Auch Schwarz hatte genau die beabsichtigte Stelle getroffen; aber sein Schu? konnte keine so pl?tzlich zerst?rende Wirkung hervorbringen. Der Getroffene blieb stehen, schwenkte den R?ssel wie einen Pendel hin und her, stie? ein markersch?tterndes Schmerzensgeschrei aus und begann dann wie betrunken zu wanken.

Auch der hat genug, rief Pfotenhauer. Jetzt schnell hinter starke B?ume. Rasch, rasch!

Er rannte, noch w?hrend er diese Worte ausstie?, fort, dem Waldesrande zu, und die andern folgten ihm augenblicklich, nur Abd es Sirr und Ben Wafa ausgenommen, welche sich niederlegten und in dem Grase zu verstecken suchten.

Warum fliehen? fragte der Vater des Gel?chters, als er nun in der N?he Pfotenhauers hinter einem Baume stand. Wir haben doch gesiegt!

Seht da nach rechts hin?ber; sie kommen schon, antwortete der Gefragte. Ladet schnell die abgeschossenen L?ufe wieder! Die Weibchen werden ihre Jungen r?chen wollen.

Er hatte recht. Die M?tter hatten das Geschrei des von Schwarz getroffenen Jungen geh?rt, die Verfolgung aufgegeben und waren schnell umgekehrt. Sie rannten trompetend der betreffenden Stelle zu. Dort angekommen, fand eine jede gleich ihr Kind heraus. Die M?tter der Gefallenen untersuchten ihre Jungen mit den R?sseln. Die Mutter des t?dlich getroffenen betastete die Wunde ihres Lieblings, streichelte denselben z?rtlich und stellte sich eng neben ihn, Seite an Seite, um ihn zu halten und vor dem Umfallen zu bewahren. Ihre Liebkosungen und Anstrengungen waren vergeblich; das Junge neigte sich mehr und mehr zur Seite und fiel dann tot nieder. Nun ging eine Mutter zur andern, um deren Kind auch zu betrachten und zu untersuchen. Sie erkannten, da? die Jungen tot seien, erhoben die R?ssel und stie?en klagende Trompetent?ne aus.

Nun kommt die Rache, sagte Pfotenhauer. Sie werden uns wahrscheinlich aufsuchen.

Mir ist es ganz so, als ob wir Strafe verdient h?tten, antwortete Schwarz. Sehen Sie den Schmerz dieser M?tter! Es ist ergreifend, und wer ein Herz hat, dem mu? es wirklich leid um sie thun.

Ja, da kommt halt das deutsche Gm?t zum Vorschein. Der Mensch ist das schlimmste Raubtier, was es geben kann. Aberst schauns! Habens gsehen?

Er deutete nach der Elefantengruppe.

Ja. Die eine Mutter ist hinten niedergesunken und trompetet noch kl?glicher.

Und jetzt bricht die andre auch zusammen. Ah, ich wei?, was es ist. Wissen Sies auch?

Sollte der Sohn des Geheimnisses etwa ?

Ja, der ists, und Ben Wafa mit ihm. Das sind mutige Jungens. Sie haben sich an die Tiere gschlichen und ihre Messern in Gbrauch genommen. Jetzund m?ssen wir hinaus, sonst kommens noch gar in Gfahr. Auch d?rfen wir die armen Tiere nit allzu lang leiden lassen.

Die beiden J?nglinge hatten sich so gut im Grase versteckt gehabt, da? sie von den zur?ckkehrenden weiblichen Elefanten nicht gesehen worden waren. Sie schlichen, als diese bei den Jungen angekommen waren, sich von hinten an sie heran, was mit keiner gro?en Gefahr f?r sie verbunden war, da die Aufmerksamkeit der M?tter sich ausschlie?lich auf ihre Jungen richtete. Ungef?hr bis auf zehn Schritte herangekommen, zog Ben Wafa seine Kulbedah, ein stark gekr?mmtes, sichelf?rmiges und schweres Messer, welches eine sehr gef?hrliche Waffe ist und sowohl zum Schlagen als auch zum Werfen in Anwendung kommt, sprang auf den ersten Elefanten ein und zerhieb ihm mit zwei schnellen Hieben die Flechsen der Hinterf??e. Dann schlich er sich an das dritte Tier und brachte demselben seine l?hmenden Streiche gerade dann bei, als das zweite unter denen seines Freundes auch zusammenbrach.

Die vor Schmerz und Wut br?llenden Elefanten drehten sich zwar nach ihren Peinigern um, versuchten auch, rutschend zum Angriffe gegen sie vorzugehen, konnten sie aber nicht erreichen.

Es war ein Anblick wirklich zum Erbarmen. Gl?cklicherweise kamen jetzt die Wei?en herbei und machten den Leiden der Tiere durch einige wohl gezielte Kugeln ein Ende.

So, jetzt f?hlens nix mehr, sagte Pfotenhauer, indem er sein abgeschossenes Gewehr wieder lud. Ist das a Jagd und aan Erfolg! Sechs Elefanten in kaum f?nfzehn Minuten!

Eigentlich ein ganz unn?tzes Morden! bemerkte Schwarz.

Warum?

Weil wir diese Massen von Fleisch gar nicht brauchen k?nnen. Und Sto?z?hne haben weder die Weibchen noch die Jungen.

Ich bin halt andrer Meinung. Es kann sogar kommen, da? wir das Fleisch sehr gut gebrauchen k?nnen. Wir wissen ja nit, ob wir auf unsrem Zuge f?r alle ausreichend Essen finden.

Pa! Ich sch?tze jedes Weibchen zu achttausend und jedes Junge zu zweitausend Pfund; ein ausgewachsener Bulle kann zw?lftausend und sogar noch mehr wiegen. Das sind drei?igtausend Pfund Fleisch. Wie wollen wir dieses Quantum in h?chstens zwei Tagen verzehren? L?nger h?lt es sich ja nicht.

Da kennens halt unsre Sudanesen schlecht. Sie sollen mal schauen, wie die nit etwa essen, sondern fressen werden. ?brigens besteht doch nit der ganze Elefant aus Fleisch. Es sind Abfall und Knochen auch dabei, und was f?r Knochen. Und wanns sich um die Menschlichkeit handelt, so ists besser, es sterben einige Elefanten mehr, als da? Hunderte von Menschen, wenn auch nur kurze Zeit, Hunger leiden. ?brigens werden diese hier wohl nit die einzigen sein, welche dran glauben mu?ten. Ladens nur Ihr Gwehr immer wieder! Wir sind noch lang nit fertig.

Sie meinen, da? noch andre Elefanten kommen?

Andre nit, sondern diejenigen, welche bereits dagwesen sind. Wann die Bullen bemerken, da? ihre Madamen fehlen, so lassen sie den Vagabunden laufen und kehren um, sie zu suchen. Elefanten wissen der F?hrte der Ihrigen ebenso gut zu folgen wie die Menschen.

Aber t?ten werden wir wohl keinen mehr?

Nein. Schad freilich um die sch?nen Z?hne der M?nnchen. Diejenigen des Bullen, welcher voranlief, konnten gegen hundertzwanzig Pfund wiegen pro St?ck. Na, schauens sich mal um! Nun die Arbeit gmacht ist, wagen sich unsre Sudanesen wieder hervor.

Die Leute kamen vorsichtig aus den B?schen getreten, und als sie sahen, da? keine Gefahr mehr vorhanden sei, riefen sie das den weiter zur?ck Befindlichen zu, und bald waren alle um die erlegten Elefanten versammelt. Sogar die Nuehrs hatten sich ohne Ausnahme eingestellt, ein Beweis, da? sie keine Absicht hatten, Abu el Mot oder seine Sklavenj?ger aufzusuchen.

Nun wurden Gruppen mit Obm?nnern, welche man besser als Verschneider bezeichnen konnte, um die Tiere zu zerlegen, bestimmt. Es herrschte in Erwartung der mehr als reichlichen Fleischportionen eine ungeheure Lustigkeit unter diesen Menschen, die aber leider nicht von langer Dauer war, denn kaum war mit der Arbeit begonnen worden, so h?rte man von Westen her, wohin die W?chter die Rinder getrieben hatten, ein vielstimmiges Geschrei, in welches sich die Stimmen br?llender Ochsen und K?he mischte.