Karl May.

Die Sklavenkarawane





Sie gingen weiter. Gar nicht sehr entfernt vom Lager, unweit der Stelle, an welcher Joseph Schwarz und der Elefantenj?ger dasselbe beobachtet hatten, hielten drei Kamelreiter zwischen den B?schen; sie hatten ein viertes, lediges Kamel bei sich, dasjenige des Schechs.

Dieser letztere kam mit Schwarz zu ihnen, um einen von ihnen fortzusenden und die andern mit in das Lager zu nehmen. Er sprach jedes Wort so, da? Schwarz es deutlich h?rte und also die ?berzeugung erhielt, da? der neue Verb?ndete es wirklich ehrlich meine.

Seine Leute waren nicht wenig dar?ber verwundert, da? hier, wo ein ?berfall geplant worden war, ein B?ndnis geschlossen worden sei; als sie aber, wenn auch in kurzer Weise, das N?here erfuhren, waren sie ganz enthusiasmiert von dem Abenteuer, welches ihrer wartete. Der Bote ritt davon und die andern kamen mit ihren Kamelen in das Lager.

Dort war Abd es Sirr noch immer mit dem nicht aufzufindenden Namen besch?ftigt. Er fing immer wieder an mit Abu Abu en konnte aber die Fortsetzung nicht finden. Da meinte sein junger Freund, der Niam-niam:

Wei?t du denn nicht, wo du ihn gesehen hast?

Nein.

So n?tzt es dir auch nichts, nach seinem Namen zu suchen.

O doch! Wenn ich den Namen finde, so f?llt es mir auch ein, wo ich ihn kennen gelernt habe. Es ist mir ganz so, als ob mir dieser Mann einen gro?en Dienst erweisen k?nne.

So denke weiter nach. Allah wird dich auf das richtige f?hren. Auch ich werde mir M?he geben.

Du? Wie k?nntest du finden, was ich selbst vergeblich suche!

Wenn Allah es will, so finde ich es leichter und schneller als du. Da kommen sie zur?ck und bringen zwei Reiter mit. Ich an deiner Stelle w?rde den Mann fragen, wie er hei?t.

Ja, daran dachte ich auch bereits; aber es kommt so h?ufig vor, da? man den Namen wechselt. Ich werde es aber dennoch versuchen.

Er stand auf, trat vor und fragte, als Schwarz und der Schech vor?ber wollten, den letzteren:

Herr, w?rdest du mir wohl deinen Namen nennen? Ich bin noch jung und soll eigentlich warten, bis ich vom Alter angeredet werde; aber Allah wird dir die Erf?llung meiner Bitte vergelten.

Jawohl will ich ihn dir nennen, antwortete der Scheik. Ich hei?e Abu ed Dabbuhs.

Abd es Sirr drehte sich, nachdem er gedankt hatte, zu seinem Freunde um und sagte entt?uscht:

Das war der Name nicht, den ich meine.

So ist es auch der richtige Mann nicht, meinte Ben Wafa.

Er ist es ganz gewi?; dieses halbe Gesicht habe ich schon einmal gesehen, und zwar als es noch nicht geheilt war; ich mu? damals ein noch kleiner Knabe gewesen sein.

Bei uns ist es zwar nicht so; aber nicht wahr, die arabisch sprechenden Menschen w?hlen den Namen nach der Eigenschaft, welche man besitzt?

Ja, oft ist es so.

Nun, wei?t du, wie ich diesen Mann nennen w?rde?

Wie?

Abu en Nuh? el Wihsch.

Da schlug der Sohn des Geheimnisses die H?nde zusammen und schrie auf:

Hamdulillah, ich habs, ich habs! Ja, du hattest recht; Allah hat es dir eher gesagt als mir.

Du nennst diesen Mann Vater des halben Gesichtes; aber sein Name war damals noch nicht so lang; er hie? nur Abu en Nuh?, Vater der H?lfte. Ich habs, ich habs! Allah und allen Propheten sei Dank!

Es freut mich, da? ich dir habe helfen k?nnen; aber ist es dir denn nun auch eingefallen, wo du diesen Namen geh?rt und also den Mann gesehen hast?

Ja, ich wei? es, ich wei? es. Er kam blut?berstr?mt in unser Zelt, und die Mutter reinigte und verband es ihm. Dann lag er lange, lange Zeit krank bei uns. Er nahm mich oft zu sich auf das Serir und plauderte gern mit mir. Er scherzte viel und ich mu?te ihn immer nur den Vater der H?lfte nennen, weil er nur noch das halbe Gesicht hatte. Das war, wie vieles andre auch, ganz aus meinem Ged?chtnisse entschwunden und ist nun bei seinem Anblicke wieder zur?ckgekehrt. O Allah, Allah, ich werde mit ihm ?ber meine Heimat und meine Mutter reden k?nnen!

Wenn er es wirklich ist!

Er ists, er ists; ich gehe hin zu ihm. Er kann kein andrer sein als Abu en Nuh?. Ich gehe hin!

Er wollte fort, hatte aber gar nicht n?tig, sich von seinem Platze zu entfernen. Seine Worte waren rundum geh?rt und auch von dem Schech vernommen worden. Dieser kam herbei und fragte:

Ich h?re, da? du den Namen Abu en Nuh? nennst. Wen meinst du damit?

Dich, Herr, antwortete der Sohn des Geheimnisses. Ist das nicht dein Name?

Nein, aber zu einer gewissen Zeit wurde ich im Scherze so genannt, von einem kleinen Knaben, dessen Gesellschaft mir meine Leiden erleichterte und meine Schmerzen milderte.

Wo war das? Sage es mir, o sage es schnell.

Schwarz und Pfotenhauer waren auch herbeigekommen und noch andre kamen, um zu h?ren, was hier so erregt verhandelt werde.

Das war zu Kenadem im Lande Dar Runga.

Kenadem, o Kenadem! jubelte Abd es Sirr auf.

Kennst du es denn? fragte der Schech.

Nein, doch ich bitte dich um Allahs willen. antworte mir weiter, obgleich ich so viel j?nger bin als du! Wie kamst du damals nach Kenadem?

Ich hatte ein Gel?bde gethan, das Grab des ber?hmten Marabuhs von Tundzur zu besuchen. Der Weg war weit, sehr weit, aber ich kam gl?cklich an das Ziel und brachte meine Gebete dar; dann reiste ich, von meinen S?nden frei, zur?ck; aber zwischen dem Rahat Gerari-See und Kenadem wurden wir Pilger von der Raubkarawane ?berfallen. Einige von uns wehrten sich; ich befand mich unter ihnen. Wir wurden niedergehauen, und ich erhielt einen S?belhieb in das Gesicht, welcher mir nicht nur die Nase raubte, sondern auch die Wange und das halbe Kinn absch?lte. Allah nahm meine Seele einstweilen aus dem K?rper, um mir die gro?en Schmerzen zu ersparen. So fand mich ein Reisender, welcher sp?ter kam und noch Leben in mir sp?rte. Er nahm mich mit nach Kenadem zu sich, wo ich erst erwachte, als ich verbunden wurde.

Wie hie? dieser Mann, welcher dich rettete?

Es war Barak el Kasi, der Emir von Kenadem.

Hast du sein Weib gesehen?

Viele, viele Male, denn die Frauen von Kenadem pflegen sich vor den G?sten ihrer Herren nicht zu verschleiern.

Beschreibe sie mir!

Warum?

Beschreibe sie, schnell! gebot der J?ngling fast trotzig, ohne auf das warum zu achten.

Sie war mild und wohlth?tig wie der Mond, auf dessen Strahlen sich die Fruchtbarkeit des Taues zur Erde senkt. Alle Menschen liebten sie. Der Emir war finster und streng, aber unsre Seelen neigten sich zu einander; er hatte mir das Leben erhalten, und wir ?ffneten einander die Ader, um das Blut der Bruderschaft zu trinken. Sein Leben ist wie das meinige und mein Tod wie der seinige. Er liebte mich. Au?er mir, und noch viel mehr als mich, hat er seine Frau und sein Kind geliebt.

Du hast dieses Kind gekannt?

Diesen Knaben? Ja; er war das Geschenk Allahs, die Wonne seiner Mutter und die Hoffnung seines Vaters.

Haben sich diese Hoffnungen erf?llt?

Das wei? ich nicht, denn ich bin seit jener Zeit nicht wieder nach Kenadem gekommen.

Und der Emir, dein Blutsbruder, auch nicht zu dir?

Nein. Nur vor einem Monat, als ich nicht bei den Meinen war, ist ein Fremder gekommen, hat sich Barak el Kasi, Emir von Kenadem genannt und mit mir zu reden verlangt. Da ich nicht daheim war, ist er noch desselben Tages fortgegangen. Es mu? ein Irrtum sein, denn mehrere meiner Krieger wollen in diesem Manne den ber?hmten Elefantenj?ger erkannt haben.

Der Emir von Kenadem und der Elefantenj?ger sind dieselbe Person.

Allah! Wie w?re das m?glich!

Du sollst es bald erfahren. Wei?t du, wie der Sohn des Emirs hie??

Ja, es fehlte ihm an jedem Fu?e die kleine Zehe; darum hatte man ihm den Namen Mesuf et Tmeni Sawabi-Ilidschr, Mesuf mit den acht Zehen, gegeben.

Nun, so schau einmal her!

Er entbl??te und zeigte erst den rechten und dann auch den linken Fu?.

Schu halamr el adschib welch ein Wunder! Auch du hast nur acht Zehen! Oder bist du etwa

Er hielt in der Rede inne, betrachtete den Sohn des Geheimnisses genau und fuhr dann fort:

Deine Z?ge sind noch nicht so fest, da? ich nach so langer Zeit in ihnen diejenigen deines Vaters oder deiner Mutter zu erkennen verm?chte; aber eine innere Stimme sagt mir, da? du der Sohn meines Blutsbruders bist. Antworte mir; sage mir, ob meine Ahnung mich t?uscht oder nicht!

Ich bin es, Herr; ich bin der Knabe, welcher mit dir spielen durfte und dich im Scherze Abu en Nuh? nennen mu?te. Ich habe bisher nicht gewu?t, wer ich bin; nur in letzter Zeit durfte ich einen Blick in meine Heimat werfen; nun ich aber dich erkannt habe, ist es mir so gewi?, als ob der Prophet es mir selber sagte, da? ich jener Sohn des Emirs von Kenadem bin.

So komm an mein Herz, du Sohn und Nachkomme meines Blutsbruders! Eine innere Stimme sagt mir, da? du es bist, ganz abgesehen davon, da? auch deine Worte mich ?berzeugen m?ssen. Es ist so, als ob ich ihn selbst getroffen h?tte. Deine Freunde sind auch die meinigen, und meine Hand wird wider alle deine Feinde sein.

Er ergriff den Sohn des Geheimnisses bei den H?nden und zog ihn an seine Brust, um ihn zu k?ssen. Dann setzte er sich mit ihm nieder, und die beiden waren nun ganz ausschlie?lich miteinander besch?ftigt. Es verstand sich ja ganz von selbst, da? sie sich gegenseitig so vieles zu fragen, zu beantworten und zu erz?hlen hatten.

Schwarz wendete sich von ihnen ab, diese sich selbst zu ?berlassen und dachte nun erst daran, da? der Vater der elf Haare noch immer allein bei dem erlegten Nilpferde stand und auf die Leute wartete, welche ihm geschickt werden sollten. Er verk?ndete also mit lauter Stimme, da? ein gro?es, fettes Husan el bahr get?tet worden sei, was von seiten der Asaker mit gro?em Jubel aufgenommen wurde, und sandte den Vater des Gel?chters mit einer Anzahl Soldaten nach der betreffenden Stelle, welche er ihnen so genau beschrieb, da? sie dieselbe nicht verfehlen konnten.

Als sie dort ankamen, stand der Slowak mit geschultertem Gewehre bei dem Tiere und rief ihnen mi?mutig entgegen:

Sind euch Flintenl?ufe in die Beine geraten, da? ihr sie nicht schneller bewegen k?nnt! Ich stehe nun ?ber eine Stunde bei dem Ungeheuer, um nicht zu dulden, da? ihm das Leben wiederkehrt. W?re es erwacht und davongelaufen, so h?tten alle meine Bitten und Vorstellungen nicht vermocht, es in G?te zur?ckzuhalten. Ist es nicht genug, da? ich es f?r euch erschossen habe? Soll ich es auch noch auf den R?cken nehmen, um es euch zuzutragen?

Wie? Du hast es geschossen? fragte der Vater des Gel?chters.

Ja. Wer denn sonst? antwortete der Kleine stolz.

Ein andrer. Die Kugel deines Baruhdi er rad ist zwar sehr gro?, aber ein solches Loch vermag sie doch nicht zu rei?en. Das kann nur eine R?a? scharmat gewesen sein, und ich wei?, da? nur der Vater des Storches solche Kugeln besitzt; er also hat das Tier get?tet, und nicht du bist es gewesen.

W?hrend die Soldaten sich, ohne auf die Worte der beiden zu achten, mit ihren langen Messern ?ber das Nilpferd hermachten, fuhr der Kleine seinen Freund zornig an:

Schweig! Bist du etwa dabei gewesen? Dein Maul ist zwar so gro? wie dasjenige dieses Ungeheuers; aber dein Gehirn ist so gering und klein, da? keine Nimli sich daran zu s?ttigen verm?chte. Hast du denn nicht meine Flinte krachen h?ren?

Wir vernahmen zwei Sch?sse und erwachten davon. Da Sihdi Aswad und der Vater des Storches fehlten, so wu?ten wir sofort, da? diese beiden geschossen hatten. Nun willst du mir wei? machen, da? du es gewesen bist. Das kannst du zwar bei einem andern versuchen, aber nicht bei einem, der alle D?rfer und V?lker, alle St?dte und Menschen der Erde kennt!

Sprich ja nicht von deinen Menschen und D?rfern! Ich glaube nicht einmal, da? du den Ort kennst, an welchem die Menschen vor Schreck davonliefen, als sie dein neugeborenes Gesicht erblickten. Ich aber kenne alle Sprachen der Welt und die lateinischen Wissenschaften. Mein Kopf kann aufgeschlagen werden wie ein Buch, in welchem alles steht, und wenn ich will, geht mein Verstand auf ?ber die Unwissenden wie die Sonne, welcher nichts in der weiten Sch?pfung gleicht.

Schu halalk, uskut welch ein Geschw?tz! Verstumme! schrie der Vater des Gel?chters w?tend, wobei er ein Gesicht zog, als ob er vor lauter Wonne ?berstr?me. Als mein Gesicht zum erstenmal auf Erden erschien, da jubelte nicht nur die Sonne, sondern das ganze Firmament. Kennst du meinen Namen und wei?t du, wer ich bin? Ich hei?e Ali Ben Hadschi Ishak al Faresi Ibn Hadschi Otaiba lOscher Ben Hadschi Marwan Omar el Gandesi Hafid Jacub Abd Allah el Sandschaki. Dein Name aber lautet nur Uszkar Istvan. Kann er sich neben dem meinigen sehen und h?ren lassen?

Jawohl! Dein langer Name ist nichts als ein Bandwurm, von dem man froh ist, wenn er gl?cklich mit Kopf und Schwanz entfernt worden. Der meinige aber ist voller Kraft, Klang und Wohllaut, und jeder, der ihn vernimmt, freut sich der Musik desselben. Und wie der Name, so der Mann. W?hrend du noch schliefest und durch dein Schnarchen das Weltall erz?rntest, war ich bereits wach, um mit dem Riesen der Tierwelt zu k?mpfen. Schau her an den Unterkiefer! Siehst du das Loch in der Haut? Meine Kugel ist da so stark aufgetroffen, da? das Tier die Maulsperre bekommen hat und weder ein Glied zu r?hren noch ein vern?nftiges Wort zu reden vermochte. Nur durch diese meine Kugel ist es zu seinen V?tern und Ahnen versammelt worden, und nun sage mir, ob jemals du so etwas fertig gebracht hast oder fertig bringen wirst!

Mit gr??ter Leichtigkeit! antwortete der Vater des Gel?chters. Rufe nur ein Flu?pferd herbei, und du sollst sofort sehen, welchen Schreck ich demselben einjagen werde.

Das glaube ich freilich, denn es braucht nur dein Gesicht zu sehen, so rennt es augenblicklich davon.

Sprich nicht von meinem Gesichte! rief der Hadschi w?tend. Wer ist denn schuld daran, als nur du allein?

Ich?!

Ja, nur du! Mein Gesicht war eine Perle der m?nnlichen Sch?nheit. Meine Z?ge gl?nzten wie die Anfangsworte des Koran; meine Augen strahlten in Kraft und Milde, und meine Wangen leuchteten wie die Morgenr?te, bevor ich dich erblickte. Da kamst du, und als ich dich sah, ging mir das Entsetzen wie ein Erdbeben durch alle meine Glieder, und so oft mein Auge auf dir ruht, ergreift mich dieselbe Herzensangst, die mich so pl?tzlich um den Inbegriff aller meiner Vorz?ge gebracht hat. Ich kann erst dann auf Heilung dieses meines Leidens rechnen, wenn ich dich nicht mehr erblicke und f?r immer von dir geschieden bin.

So mache dich von dannen und wage es nicht, mir jemals wieder unter die Augen zu kommen! schrie nun seinerseits der Kleine im h?chsten Zorne. Du bist Mismahri et tabuht, der Nagel zu meinem Sarge, und es Sabab kabri, die Ursache meines Grabes. Seit ich dich kenne, gehe ich langsam ein, und der ?rger ?ber dich fri?t an den Knochen meines Lebens. Du hast meine Jugend gemordet und die Tage meines Alters im voraus verschlungen. M?ge dir der Engel des Gerichtes daf?r die Haut mit Nadeln bestecken, so dicht wie das Fell eines Pudelhundes!

Und dich m?ge er an den elf Haaren deines Schnurrbartes aufh?ngen, gerade ?ber demjenigen Schornstein der H?lle, aus welchem

Er kam nicht weiter, denn der Slowak war in einem so hohen Grade zornig geworden, da? er sich bei der Erw?hnung der elf Haare nicht l?nger zu beherrschen vermochte.

Uskut, dschidd ed dija wesch schuub halte den Mund, du Gro?vater der D?rfer und V?lker! stie? er hervor. Du sollst mich und meinen Schnurrbart sofort kennen lernen!

Indem er diese Drohung aussprach, warf er sich auf den Hadschi, um ihn bei der Gurgel zu fassen. In der Hitze des Wortgefechtes hatten die beiden ihre urspr?nglichen Standorte gewechselt. Der Kleine war avanciert und der Vater des Gel?chters zur?ckgewichen, so da? er jetzt hart am Wasser stand, den R?cken demselben zugekehrt. Er wollte dem Angriffe entgehen, that einen Sprung nach r?ckw?rts und verlor den Boden unter den F??en.

Ja mu?abi, rah nirrak o Ungl?ck, wir werden ertrinken! kreischte er auf und verschwand dann in der gerade hier sehr tiefen Flut.

Es war ganz richtig, da? er nicht von sich allein, sondern in der Mehrzahl gesprochen hatte, denn der Kleine befand sich in derselben Gefahr. Er hatte zu kr?ftig ausgeholt und flog nun, da der andre ihm ausgewichen war, ?ber das Ufer hinaus und gleichfalls in das Wasser hinein, welches ?ber den beiden hoch aufspritzte.

Die Soldaten schrieen vor Schreck, als ob sie selbst hineingefallen seien. Es handelte sich weniger um den Tod des Ertrinkens als vielmehr um die Gefahr, welche seitens der Krokodile drohte, von denen der Maijeh wimmelte. Die anwohnenden V?lkerschaften des Niles sind meist gewandte Schwimmer, die Soldaten ebenso; das Wasser an sich bringt ihnen also keine Gefahr, aber vor den in demselben lebenden Ungeth?men haben sie sich zu h?ten.

Darum schauten die Asaker zun?chst nicht nach der Stelle, an welcher die beiden im Wasser verschwunden waren, sondern ?ber die ganze sichtbare Fl?che desselben, ob da sich vielleicht ein Krokodil sehen lasse. Und wirklich lagen abw?rts auf einer kleinen Landzunge mehrere dieser Tiere, welche die K?pfe erhoben. Das Geschrei der Soldaten sch?chterte sie so ein, da? sie nicht in das Wasser gingen. Es kommt h?ufig vor, da? ein Saurier, selbst wenn er hungrig ist, sich von den Stimmen vieler Menschen einsch?chtern l??t.

Jetzt tauchte der Kleine auf; er war mit dem Wasser gut vertraut und blickte sich ?ngstlich um, zun?chst nach Krokodilen und dann nach dem Vater des Gel?chters. Als er diesen nicht sah, rief er erschrocken aus:

Ma hai hu; wain fi jah er ist nicht da; wo befindet er sich?

Bad taht el moi noch unter dem Wasser, wurde ihm geantwortet.

O Allah, so geht ihm die Luft aus, und er mu? elendiglich ertrinken.

Der Streit war vergessen und er tauchte unter, um seinen Freund zu suchen. Einen Augenblick sp?ter erschien der Vater des Gel?chters auf der Oberfl?che und rief:

Wo ist der Vater der elf Haare? Ich sehe ihn ja nicht!

Er ist wieder hinunter, um dich zu suchen, lautete die Antwort.

Der Gute, der Freundliche, der Vortreffliche! Er wird sich mir zuliebe den Tod holen. Ich mu? zu ihm hinab!

Er tauchte wieder nieder, und im n?chsten Augenblicke erschien der Slowak. Als er den andern auch jetzt noch nicht erblickte, schrie er auf:

Er ist tot! So lange h?lt es kein Mensch unter dem Wasser aus. Er ist erstickt; aber ich mu? wenigstens seinen Leichnam retten!

Bleib oben! wurde ihm gesagt. Er war soeben da und ging wieder hinab, um nach dir zu suchen.

Der Brave, der Liebe, der Herrliche! Aber ich darf ihn nicht verziehen lassen, sonst bekommen ihn die Krokodile.

Er verschwand aufs neue; dann sp?ter erschienen zwei triefende K?pfe in ziemlicher Entfernung voneinander. Sie sprudelten das Wasser von sich und sahen sich um. Der eine erblickte den andern und rief erfreut:

Bist du es denn wirklich, du Freund meiner Seele, du Trost und Ruhe meines Herzens?

Ja, ich bin es, du Lust meiner Augen. Voller Wonne sehe ich dich gerettet, du Licht und W?rme meines Lebens!

So eile ich, um dich zu umarmen, o Gl?ck meines Daseins!

Und ich schwimme an dein Herz, du Spender der seligsten Freude!

Laut aufjauchzend schossen sie aufeinander zu, um sich im Wasser zu umarmen, und kamen dann miteinander Hand in Hand auf das Ufer zugeschwommen. Eben als sie dasselbe erreichten und aus dem Wasser stiegen, rief einer der Soldaten, mit der Hand nach der Landzunge deutend:

Sie sind fort, die Krokodile; sie haben euch gesehen und kommen nun, euch zu fressen. Macht euch schnell vom Ufer fort!

Mehrere sich rasch n?hernde Furchen im Wasser bewiesen, da? er recht hatte. Nur einige Augenblicke sp?ter waren die Tiere da, deren dunkle, stumpfe Schnauzen man erscheinen sah.

Hamdulillah, sie kommen zu sp?t. Du hast mich gerettet! rief der Slowak, indem er den Arm um seinen Freund schlang.

Scharafalillah, ja sie haben sich verrechnet! antwortete dieser. Aber nicht ich habe dich, sondern du hast mich gerettet. Ohne dich w?re ich jetzt eine Speise dieser Eidechsen und eine Mahlzeit dieser Ungeheuer, welche Allah verdammen m?ge!

Ja, ihr Leben mag kurz sein und ihr Tod f?rchterlich. Ihre Ahnen seien vergessen und ihre Enkel und Nachkommen zu ewigem Hunger verurteilt. Die Krankheit mag ihren Leib verzehren und der Kummer ihre Seele, bis sie aufrichtig Bu?e thun und es erkennen, da? es eine S?nde gegen Allahs Gebote ist, das Fleisch lebendiger Menschen zu verzehren!

Sie werden niemals Bu?e thun, denn ihre Herzen sind verh?rtet, und ihre Ohren h?ren nicht auf die Stimme des Warners. Sie leben in ihren S?nden weiter und werden im ewigen Feuer brennen, ohne verzehrt zu werden. Wir aber wollen uns freuen, ihren Z?hnen entgangen zu sein, und ihnen sagen, da? wir sie verachten jetzt und immerdar!

Sie riefen nun in echt orientalischer Weise den Krokodilen die beleidigendsten Schimpfnamen zu und verw?nschten sie in den tiefsten Abgrund der H?lle hinab. Dann bedankten sie sich gegenseitig. Jeder wollte von dem andern gerettet worden sein und so sehr sie sich vorhin gezankt hatten, so ?berschw?nglich waren die Freundschaftsversicherungen, mit denen sie sich jetzt gegenseitig erfreuten. Als das zu Ende war, rangen sie ihre Kleider aus und machten sich an die Arbeit, indem sie den Soldaten halfen, das Fleisch und den dicken Speck des Nilpferdes in lange Streifen zu zerlegen. Diese wurden dann auf Lanzen gespie?t und nach dem Lager getragen, wo mittlerweile mehrere Feuer angesteckt worden waren, an welchem der leckere Braten bereitet werden sollte.