Karl May.

Die Sklavenkarawane





Fallt mir nit ein! Wir sind ja Freunde und werden einander nie mehr kr?nken.

Das wollt ich mir hatt ausgebitt! Wenn Sie h?tt glaubte, da? ich lass mir fortschleppte Nilpferd, von mir bewachtes, so fallte mir nie ein, zu machte mit Ihnen Br?derschaft, bayerische und nasse. Ich werd setzte mich sofort in Zustand, Verteidigungten, und Sie k?nnte gehen mit Ruhe, vertrauensvoller und inniger.

Er hob sein Gewehr auf, um den abgeschossenen Lauf zu laden, und die beiden Deutschen wendeten sich dem Lager zu. Sie h?tten wohl Veranlassung zur Unterhaltung gehabt, aber es kam ganz zuf?lliger Weise nicht zu einer solchen, und nur diesem Umstande war es zuzuschreiben, da? Schwarz eine Entdeckung machte, welche ihm sonst entgangen w?re. Er schritt voran und hielt die Augen auf den Boden geheftet. Noch war nicht die H?lfte des Weges zur?ckgelegt, so blieb er pl?tzlich stehen, deutete nach rechts auf eine junge, ungebrochene Farrnpflanze und sagte in leisem Tone:

Halten Sie an! Hier mu? jemand gegangen sein.

M?glich, antwortete Pfotenhauer gleichg?ltig, aber ebenso leise.

Sie scheinen das sehr leicht zu nehmen?

Meinens, da? ich diese Kleinigkeit schwer nehmen soll?

In unsrer Lage mu? man auf alles achten.

Es wird jemand von unsern Leuten gwesen sein.

Nein. Hierher ist niemand gekommen.

So ist halt irgend aan Tier vor?berglaufen und hat den Farn umgeknickt.

Wollen es untersuchen.

Wenn es Ihnen Spa? macht, meinetwegen. Ich geh indessen weiter.

Nein, bitte, mein Lieber, warten Sie eine kleine Weile!

Er b?ckte sich nieder, um die feuchte, sumpfige Erde zu untersuchen. Als er sich wieder aufrichtete, hatte sein Gesicht einen bedenklichen Ausdruck angenommen. Pfotenhauer sah das und fragte darum:

Was gibts? Was habens gschaut. Ihr Gsicht gefallt mir nit.

Es ist ein Mensch hier gewesen, barfu? und vor ganz kurzer Zeit.

Nit gestern schon?

Nein, denn in diesem Falle w?rde der Tau an dem Farn haften; da derselbe aber abgestrichen ist, so wurde die Pflanze abgebrochen, nachdem es getaut hat.

Wer wei?, wer uns gsucht hat. Man hat uns vermi?t, und so ist uns jemand nachglaufen.

Nein. Die F?hrte f?hrt nicht vom Lager her, sondern zu ihm hin. Folgen wir ihr und vermeiden wir dabei jedes Ger?usch!

Er schritt wieder voran, langsam, um die Spur nicht zu verlieren. Diese folgte genau der Richtung, aus welcher er vorhin mit Pfotenhauer gekommen war; dann f?hrte sie nach links ab, wo sie nun viel leichter zu erkennen war. Schwarz blieb stehen, deutete auf die Eindr?cke nieder und fl?sterte seinem Gef?hrten zu:

Der Betreffende ist ein dummer Mensch. Er ist bisher fast genau in unsre Spuren getreten und mu? also wissen, da? sich zwei Menschen vom Lager entfernt haben. Wenn diese zur?ckkehren, m?ssen sie doch unbedingt die deutliche F?hrte sehen, welche er von hier an zur?cklassen mu?.

Vielleicht geh?rt er doch zu uns und hat also keine Veranlassung, so au?erordentlich vorsichtig zu sein.

W?re dies der Fall, so w?re er ausgegangen, um uns zu suchen, und also unsrer F?hrte gefolgt; auch h?tte er gerufen.

Da dies nicht geschehen ist, so haben wir es ganz gewi? mit einem Fremden zu thun und m?ssen also vorsichtig sein. Schauen Sie scharf vorw?rts, damit wir ihn eher bemerken als er uns.

Sie wandten sich nun auch nach links, welche Richtung sie zwischen das Lager und die Spitze des Maijeh bringen mu?te. Dort war gestern abend zwischen den B?schen alles niedergetreten worden, ein Umstand, welcher das Suchen auf einer neuen F?hrte, die dort kaum zu erkennen war, sehr erschweren mu?te; darum schritt Schwarz so schnell wie m?glich vorw?rts, um den Betreffenden noch vorher zu erreichen.

Das Schilf trat nun zur?ck; die B?ume standen licht und ziemlich weit auseinander, und ?ber den feuchten Humusboden zog sich ein weiches, dichtes Flechtengewebe hin, welches die Fu?eindr?cke tief aufgenommen hatte. Die beiden schritten von Baum zu Baum, hinter den St?mmen Deckung suchend. Eben wollte Schwarz hinter einem mehr als mannsstarken Lubahn hervortreten, um den n?chsten Baum in schnellen Spr?ngen zu erreichen, da hielt der Bayer ihn hinten fest und raunte ihm hastig zu:

Bleibens da! Ich hab den Kerl jetzt gschaut.

Wo? fragte Schwarz leise zur?ck, indem er schnell wieder hinter den Baum trat.

Es ist m?glich, da? ich mich geirrt hab, aber ich glaubs halt nit. Z?hlens mal sechs B?ume grad aus; dann steht rechts davon wiederum aan Lubahn, fast noch st?rker als dieser hier, an dem wir stehen. Dort hat sich was bewegt, und ich denk, es wird der Kerl sein, den wir suchen.

Schwarz blickte nach der angegebenen Richtung; sein Auge war sch?rfer und auch ge?bter als dasjenige Pfotenhauers; er sah nicht nur den Baum, sondern auch den Mann, der an demselben stand.

Sie haben recht, fl?sterte er dem Gef?hrten zu. Es steht jemand dort.

Wer ists?

Das wei? ich freilich nicht. Jedenfalls ists keiner, der zu uns geh?rt. Er tr?gt einen Mantel von Affenfellen, ganz von der Farbe der Baumst?mme, so da? er nicht leicht von dem Lubahn zu unterscheiden ist.

Weshalb bleibt er dort stehen? Warum geht er nit weiter?

Vielleicht hat er vom Lager her ein Ger?usch geh?rt, welches ihn zur Vorsicht mahnt. Er will uns jedenfalls beschleichen. Wahrscheinlich ist er nicht allein.

Was thun wir da nun? Erschie?en wir ihn?

Auf keinen Fall.

Aber wann er uns derblickt, so l?uft er davon und wir haben das Nachsehen!

Er soll uns erblicken; oder vielmehr nicht mich, sondern nur Sie.

Das w?rde wohl die gr??te Dummheiten sein, die es geben kann.

Nein; es ist eine Kriegslist. Wenn wir uns jetzt n?her schleichen, so h?rt er uns, weil er gerade jetzt mi?trauisch geworden zu sein scheint. Schleichen Sie nach links und ?ber ihn hinaus. Dann wenden Sie sich wieder gerade nach rechts und thun so, als ob sie nach dem Lager wollten. Er befindet sich zwischen mir und Ihnen. Sie richten es so ein, da? er Sie sehen mu?, thun aber so, als ob Sie ihn gar nicht bemerkten. Wenn Sie dann ziemlich nahe an ihm vor?bergehen, wird er seine ganze Aufmerksamkeit auf Sie richten und mich nicht eher bemerken, als bis ich ihn bei der Kehle habe.

Hm, dieser Gedank ist gar nit so ?bel. Greifens nur fest zu, da? er Ihnen nit entwischt!

Haben Sie keine Sorge. ?brigens werde ich Sie rufen, sobald ich ihn fasse. Sie kommen schnell herbei, und wir zwei werden wohl mit so einem Schwarzen fertig werden. Jetzt machen Sie schnell, ehe er weiter geht!

Pfotenhauer huschte fort; Schwarz verlor ihn aus den Augen und beobachtete nun den Unbekannten. Dieser machte nach kurzer Zeit eine schnelle Bewegung, als ob er etwas Verd?chtiges geh?rt habe, und duckte sich am Stamme nieder, hinter dem er vorsichtig auslugte; er hatte Pfotenhauer bemerkt. Das war die richtige Zeit f?r Schwarz. Er schlich sich m?glichst schnell weiter. von Baum zu Baum. bis er nur noch wenige Schritte zu demjenigen hatte, hinter welchem der Fremde kauerte. Von diesem war gar nichts zu sehen, da er den Mantel ?ber den Kopf gezogen hatte, damit er von der Umgebung nicht unterschieden werden k?nne. Soeben ging Pfotenhauer vor?ber, langsam, scheinbar ganz in Gedanken versunken, und so nahe, da? Schwarz ihn sehen konnte. Dieser letztere hatte jetzt den Fremden ergreifen wollen, zog es aber vor, zu warten, bis er sich wieder aufrichten werde. Dies geschah nach kurzer Zeit. Schwarz that zwei Spr?nge, fa?te ihn an der Kehle, ri? ihn nieder und hielt ihn fest. Der Mann stie? einen Schrei aus, wendete dem Angreifer das Gesicht zu und machte eine krampfhafte Anstrengung, sich zu befreien.

Fast h?tte Schwarz ihn fahren lassen, als er sein Gesicht erblickte, von welchem die rechte H?lfte samt der ganzen Nase fehlte. Das gab mit den vor Schreck und Anstrengung wild rollenden Augen einen entsetzlichen Anblick. Der Mann war kein Neger; das bewiesen seine schmalen Lippen und die Farbe der von der Sonne verbrannten gesunden H?lfte seines Gesichtes. Sein Kopf war unbedeckt, vollst?ndig glatt geschoren und ebenso dunkel gef?rbt wie sein Gesicht. Das Alter lie? sich also schwer bestimmen, doch konnte man annehmen, da? es ein ziemlich hohes sein m?sse. Neben ihm lag eine Keule aus hartem Holze, deren Knauf mit kurzen, kr?ftigen Stacheln beschlagen war; sie bildete au?er dem Messer, welches er im Lendenschurze trug, seine einzige Waffe.

Auf den Schrei, welchen dieser Mann ausgesto?en hatte, war Pfotenhauer herbeigesprungen, mit dessen Hilfe Schwarz dem Gefangenen die H?nde auf den R?cken band.

Bis dahin war kein Wort gefallen; nun aber fragte Schwarz in arabischer Sprache:

Wer bist du, und warum schleichst du dich hier umher?

Der Mann betrachtete die beiden mit finsterem Blicke und antwortete dann in ebenderselben Sprache:

Wer seid denn ihr, und warum ?berfallt ihr mich?

Weil ein Freund offen zu uns kommen w?rde und wir dich also f?r einen Gegner halten m?ssen.

Wo befindet ihr euch denn?

Hier am Maijeh Husan el bahr.

Auf dieser Seite desselben?

Ja.

So geh?rt ihr zu den Sklavenj?gern, welche hier lagern?

Nein. Beantworte nun meine Frage! Wen oder was suchst du hier?

Ich komme, um Tiere und andre Dinge zu kaufen.

Ah, so bist du es, den der Feldwebel heut fr?h erwartet?

Ja.

Warum bist du da so heimlich gekommen?

Aus Vorsicht. Ich wollte mich ?berzeugen, ob der Feldwebel mir die Wahrheit gesagt hat. Ich h?re, da? du ihn kennst, und doch sagst du, da? du nicht zu ihm geh?rst. Wie habe ich das zu deuten?

Wir befinden uns auf einem Rachezug gegen die Sklavenj?ger und haben den Feldwebel mit seinen Leuten gefangen genommen.

So ist auch alles, was er hat, in deine Hand geraten?

Ja. Du wirst aber trotzdem deine Absicht erreichen, denn ich bin gewillt, den Handel nun meinerseits mit dir abzuschlie?en.

Die ?brig gebliebene H?lfte des Gesichtes verzog sich unter dem Einflu? des Zornes zur h??lichen Fratze, und der Mann antwortete:

Allah verdamme dich! Du bist mir zuvorgekommen, wirst aber den Raub nicht lange behalten. Gieb mich augenblicklich frei, sonst m??t ihr alle, du und deine Leute heute zu der Stunde, da die Sonne am h?chsten steht, in die H?lle wandern!

Wer soll uns die Th?re derselben ?ffnen?

Meine Krieger, welche mit Macht ?ber euch kommen werden, wenn ich nicht bald zu ihnen zur?ckkehre.

Wie gro? ist ihre Zahl?

Ich gebiete ?ber mehr M?nner, als deine Leute Finger und Zehen haben.

Also neun mal mehr! Wei?t du denn, wie viele Personen unter meinem Befehle stehen?

Ich brauche es gar nicht zu h?ren; ich kann es mir schon denken. Also gieb mich frei, sonst seid ihr verloren.

Und wenn ich dir diesen Wunsch erf?lle, was wirst du dann thun?

Es ist nicht ein Wunsch sondern ein Befehl, welchem du gehorchen wirst. Dann werde ich den Raub, den du dem Feldwebel abgenommen hast, mit dir teilen.

Hm! l?chelte Schwarz. Wo befinden sich deine Leute?

Einige von ihnen sind ganz nahe hier; ich lie? sie zur?ck, als ich ging, das Lager zu erforschen. Komme ich nicht sehr bald zu ihnen, so werden sie der Hauptschar, welche unterwegs ist, entgegeneilen, um sie zu benachrichtigen, da? ich in die H?nde der Feinde gefallen bin. Dann wird weder Allah noch werde ich Erbarmen mit euch haben.

Du sprichst im Tone eines Emirs, welchem Tausende von Kriegern folgen; das ist unvorsichtig von dir, denn nicht ich bin verloren, sondern du wirst es sein, wenn du meinen Zorn erregst. Du verheimlichst mir die Anzahl deiner Leute, ich aber will dir offen zeigen, ?ber wie viele ich gebiete. Stehe auf und folge mir!

Schwarz sprach diese Aufforderung aus, weil soeben vom Wasser her eine laute, befehlende Stimme erklungen war und er also annehmen konnte, da? die Schiffe im Anzuge seien. Er zog den Gefangenen von der Erde auf und f?hrte ihn, nat?rlich von Pfotenhauer gefolgt, dem Ufer zu. Dort suchte er eine Stelle, welche einen freien Durchblick bot, und sah, da? er sich nicht geirrt hatte. Man sah die Schiffe nahen, von K?hnen geschleppt und von einem g?nstigen Morgenwinde getrieben. Die K?hne waren voller Ruderer und auf den Decks der gro?en Fahrzeuge wimmelte es von Menschen.

Allah akbar! So viele Schiffe! rief der Mann erstaunt und betroffen. Wer sind die vielen Menschen, und was wollen sie hier?

Sie wollen deine Krieger vernichten, sobald diese ankommen. Jetzt sage dir selbst, wer in die H?lle wandern wird, wir oder ihr.

Das ist ja eine wirkliche Flotte von Schiffen und eine ganze Armee von Kriegern!

Komm weiter! Ich will dir noch mehr Menschen zeigen.

Er fa?te ihn am Arme und f?hrte ihn nach dem Lager. Als sie durch die B?sche ins Freie traten und der Mann die unerwartete Zahl der Anwesenden erblickte, rief er aus:

Da kommt ein wirkliches Heer zusammen! Herr, willst du den Sudan erobern?

Nein, ich will nur Abu el Mot bestrafen.

Abu el Mot? erklang es schnell. Weiter willst du nichts?

Nein.

Du willst nicht die D?rfer der Bongo ?berfallen?

Nein. Ich will nur Abu el Mot unsch?dlich machen. Sobald dies geschehen ist, ziehen wir wieder fort.

Willst du das beschw?ren?

Ja.

Bei deinen Ureltern und bei deinem Barte?

Gern und sofort.

So segne dich Allah und verleihe dir einst den weichsten Platz im siebenten seiner Himmel! W?ren meine H?nde nicht gebunden, so w?rde ich dich umarmen und dich bitten, mich als deinen Freund und Verb?ndeten zu betrachten.

Ist dies dein Ernst?

Mein heiliger Ernst, Herr. Die Seriben sind wahre H?llen f?r die armen Bewohner dieses Landes, und Abu el Mot ist der oberste dieser Teufel in Menschengestalt. Niemand hat die Macht oder den Mut gehabt, sein Gegner zu werden, und so hat er das ganze Land in Ketten und Banden geschlagen. Wonach sein Herz begehrt, das nimmt er; jeder mu? ihm gehorchen, und wer das nicht thut, der ist verloren, denn er wird entweder get?tet oder in die Sklaverei geschleppt. Nun aber ein Emir kommt wie du, mit solcher Macht, da mu? alle Angst verschwinden, und ich biete dir meine Dienste und meine Krieger an, um mit ihnen f?r dich gegen Abu el Mot zu k?mpfen.

Er hatte mit Begeisterung gesprochen, und die linke H?lfte seines Gesichtes gl?nzte vor Freude. Das war nichts Gemachtes; das war keine Verstellung, und dennoch antwortete Schwarz:

So bist du also nicht ein Freund von Abu el Mot?

O nein, sondern ich hasse ihn.

Und dennoch kommst du, um mit seinem Feldwebel Handel zu treiben?

Handel? lachte der Mann grimmig. Ja, handeln wollte ich, aber nicht wie der Feldwebel es dachte. Ich habe nichts zum Bezahlen mitgebracht. Ich wollte diese Hunde ?berfallen und t?ten. Darum wurde ich zornig, als ich h?rte, da? sie und ihre Habe bereits in deine H?nde gefallen seien. Nun aber magst du alles behalten; ich g?nne es dir. Sage mir nur, wo Abu el Mot sich befindet. Es kann nicht so gut wie fr?her mit ihm stehen, da der Feldwebel von ihm abgefallen ist. Nur dies gab mir den Mut, aus dem versprochenen Handel einen feindlichen ?berfall werden zu lassen.

Wie ist dein Name?

Abu ed Dabbuhs, weil ich nur mit der Keule zu k?mpfen pflege und noch keiner mich in dieser Waffe ?berwunden hat.

Und wie viele M?nner hast du jetzt bei dir?

Zweihundert.

So viele brauchtest du, um f?nfzig zu ?berfallen?

Zum ?berfallen allein nicht, denn, Herr, wir sind keine Feiglinge; aber zum Transporte der Tiere braucht man viele Menschen, und es mu?te alles sehr schnell gehen und jede Spur rasch verwischt werden, da Abu el Mot nicht erfahren durfte, was hier an diesem Maijeh vorgegangen war. Der Feldwebel mu?te mit allem, was bei ihm war, spurlos verschwinden, und um dies zu bewerkstelligen, sind vierhundert H?nde nicht zu viel. Willst du Vertrauen zu mir haben? Sage mir, was du beschlossen hast!

Schwarz band ihm die Fessel auf und antwortete dabei:

Ich gebe dir die Freiheit. Finde ich alles so, wie du sagst, so sollst du mein Verb?ndeter sein und an meiner Seite stehen, wenn Abu el Mot als Besiegter vor mir im Staube liegt.

Herr, ich habe die Wahrheit gesagt. Erlaube, meine Begleiter herbeizuholen, damit einer derselben zur?ckreiten und den Kriegern melden kann, welche ?nderung eingetreten ist!

Das hat noch Zeit. Du sprichst vom Reiten. Sind deine Leute zu Pferde?

Nein, sondern auf Kamelen. Auch habe ich Kamele mitgebracht, welche bestimmt waren, den Raub zu tragen, welchen wir hier machen wollten.

Ihr werdet auch einen Teil davon bekommen. Da? du so viele Kamele bei dir hast, das ist mir lieb, denn das wird unsern Zug beschleunigen.

Wohin?

Nach Ombula im Belanda-Lande. Abd el Mot ist dort und hat das Dorf zerst?rt, die Unbrauchbaren get?tet und die Kr?ftigen zu Sklaven gemacht.

Der Vater der Keule stand einige Augenblicke bewegungslos; dann schrie er f?rmlich auf:

Das m?ge Allah verh?ten, denn wir leben mit den Belanda im Bunde und haben Verwandte dort!

Allah hat es nicht verh?tet, denn es ist ja bereits geschehen.

Wei?t du das genau?

Ja. Gestern abend kam ein Bote hieher, um es zu erz?hlen. Abd el Mot steht im Begriffe, noch weitere Sklaven zu machen, und Abu el Mot befindet sich auf dem Wege zu ihm.

Dann la? uns schnell aufbrechen, Herr, um diese Hunde umzubringen! Wir sind ja nun m?chtig genug, dies zu thun.

Wir werden noch heute den Zug beginnen. Komm jetzt mit hin zu den andern, wo wir das ?brige besprechen k?nnen.

Sie hatten bis jetzt noch am Rande des Geb?sches gestanden. Nun begaben sie sich mitten in das Lager, wo die Leute des Feldwebels noch gebunden an der Erde sa?en oder lagen. Als der letztere den neuen Ank?mmling erblickte, rief er aus:

Der Schech, welchen wir erwarten! Das ist gut, denn er wird zu unsrem Besten reden.

Der Schech aber versetzte ihm einen derben Fu?tritt und antwortete:

Schweig, du Abk?mmling eines r?udigen Hundes! Euch ist ganz recht geschehen. Und h?tte nicht dieser fremde Emir euch gefangen genommen, so w?ret ihr von mir erw?rgt worden. M?gt ihr dereinst in dem Feuer brennen, welches ewig schmerzt und niemals t?tet!

Alle Anwesenden blickten auf den Schech, keiner aber mit solchen Augen und solchem Ausdrucke wie Abd es Sirr, der Sohn des Geheimnisses. Er hatte mit dem Sohne der Treue abseits gesessen und war, als er den Fremden erblickte aufgesprungen, um den Blick nicht wieder von ihm zu lassen.

Was hast du? Wer ist es? Kennst du ihn? fragte Ben Wafa.

Ich ich ja, ich mu? ihn kennen, antwortete Abd es Sirr, indem seine Augen immer gr??er wurden.

Nun, wer ist er?

Das das wei? ich nicht.

Wenn du ihn kennst, mu?t du es doch wissen!

Ich ich kann mich nicht besinnen.

Er legte die H?nde an den Kopf, wie um mit dieser Ber?hrung von au?en seinem Ged?chtnisse zu Hilfe zu kommen, doch vergeblich. Er ging hin und her, sprach halblaut mit sich selbst, setzte verschiedene Namen aus Silben zusammen, kauerte sich dann wieder neben Ben Wafa nieder, kurz, er that ganz so wie einer, welchem, wie man sich auszudr?cken pflegt, ein Wort auf der Zunge liegt, ohne da? es ?ber die Lippen will. Schlie?lich legte er sich gar lang auf die Erde, grub mit den Fingern L?cher, als ob er den gesuchten Namen ausgraben k?nne, schlug und strampelte mit den F??en, ohne aber seinen Zweck zu erreichen.

Indessen hatten Schwarz und Pfotenhauer dem Schech erz?hlt, was dieser wissen mu?te, um mit der gegenw?rtigen Lage vertraut zu werden. Er erfuhr, wer die beiden seien. und konnte sich vieles, ja das meiste nicht erkl?ren. Nur das eine begriff er, da? es mit Abu el Mot aus sei, da? dieser ergriffen und dem gef?rchteten Vater der F?nfhundert in Faschodah ausgeliefert werden solle. Das entz?ckte ihn, und er w?re am liebsten gleich jetzt marschiert, wenn seine Leute dagewesen w?ren.

Wir sind ihrer genug, um des Erfolges sicher zu sein, bemerkte Schwarz. Leider aber bin ich der Nuehrs nicht sicher. Wenn ich sie mitnehme, so ist ihnen zuzutrauen, da? sie zu Abu el Mot ?bergehen. Lasse ich sie aber hier, so mu? ich ihnen viele W?chter stellen, welche ich nicht gut entbehren kann.

Wenn nur das dir Sorge macht, so kann ich dir helfen, antwortete der Schech.

Wodurch?

Durch den Chatib meines Stammes. Allah hat ihm die Gabe begeisternder Rede verliehen, so da? ihm selbst das h?rteste Herz nicht zu widerstehen vermag. Wenn der Geist ?ber ihn kommt, so verl??t er uns und geht auf Reisen, bis ins Land der Schilluk hinunter. Er kennt die Nuehrs genau und wei? mit ihnen zu sprechen. Erlaube ihm, die Schiffe zu besteigen und ihnen zu predigen. Du darfst sicher sein, da? sie dann darauf brennen, im Kampfe gegen Abu el Mot ihr Blut zu vergie?en.

Wollen es versuchen. Und jetzt gehen wir zu deinen Leuten, um einen Boten an die ?brigen abzusenden, der ihnen sagen soll, da? sie sich sputen m?gen.

Als Schwarz nun mit dem Schech ?ber den Lagerplatz schritt, kamen sie an Abd es Sirr vor?ber. Dieser geb?rdete sich noch immer so auff?llig, und sie vernahmen die Worte, welche er vor sich hin sprach:

Abu Abu Abu en en en o Allah, la? es mich finden!

Was hat dieser J?ngling? fragte der Schech. Geh?rt er vielleicht zu den Wahnsinnigen?

Nein. Seine Geburt ist in Dunkel geh?llt, und er hat bis vor kurzer Zeit nur sehr wenig Hoffnung gehabt, da? das R?tsel gel?st werden k?nne. Vielleicht sinnt er gerade jetzt wieder ?ber etwas nach, was ihm nicht klar werden will.