Karl May.

Die Sklavenkarawane





Dazu hat Allah dir ja auch den Verstand gar nicht gegeben, fiel der zweite Dschelabi jetzt ein.

Schweig, Abu Dihk! fuhr der Ungar ihn an. Mich hat Allah f?r so einen hohen Posten eigentlich ausger?stet. Du aber k?nntest nicht einmal Hamal werden, trotz deines falschen Stammbaumes!

Er ist echt und nicht gef?lscht. In mir flie?t das Blut vom Fahnentr?ger des Propheten. H?r meinen Namen an! Soll ich ihn dir nennen?

Um Allahs willen, nein! Du trompetest ihn so unaufh?rlich aus, da? ihn bereits im ganzen Sudan jeder Vogel pfeifen kann.

Das darf ich wohl, da er ein hoch ber?hmter ist. H?re ihn an, und h?re auch, was meine Ahnen thaten! Wie aber hei?t du? Ich habe es vergessen?

Uszkar.

Wie lautet das auf Arabisch?

Kelb.

Welch ein Name! Wie kann ein Mensch sich nach einem so verachteten Tiere nennen! Wie hie? dein Vater?

Auch Uszkar oder Kelb.

Dein Gro?vater?

Ebenso.

Und deine andern Ahnen?

Auch nicht anders.

Allah, welch ein Stammbaum ist das! Kelb ben Kelb Ibn Kelb Hafid Kelb, Kelb und nichts als Kelb! Es ist ein Wunder, da? du nicht bellst, sondern sprichst. Mein Name aber lautet Hadschi Ali ben Hadschi Ishak el Faresi Ibn Otaiba Abu

Still, still, still! rief der Ungar, indem er mit beiden Armen den ewig langen Namen abwehrte. Ich mag ihn nicht mehr h?ren. Wenn ich ihn einatme, wird er sich als Bandwurm in meine Eingeweide legen und mich von innen heraus aufzehren. Was kann dein Name gegen meine Erfahrungen und Kenntnisse bedeuten! Ihn hast du ohne alles Verdienst von deinen Vorfahren; sie aber habe ich mir selbst angeeignet. Wisse, da? ich sogar die Sprache aller Weisheit, das Latein, verstehe! Ich habe es von meinem Herrn gelernt.

Und wisse, schrie der andre, welcher sich ernstlich zu ereifern begann, da? ich alle L?nder und V?lker der Erde, alle St?dte und D?rfer des Weltalls kenne und beim Namen nenne.

Das ist Geographie, deine Leidenschaft. Wo aber willst du sie studiert haben?

Bei meinem Oheim, welcher erst in Stambul wohnte und dann in das Land der Nemtsche nach Lipsik ging, wo er an einer Stra?enecke viele Jahre lang mit Asal l abiad handelte. Dort wurde er wohlhabend und kehrte heim, mich zu belehren. Als ich ausstudiert hatte, ging ich nach ?gypten als Asker und bin so nach und nach bis in den Sudan gekommen.

O du Vater des Gel?chters, lachte der Slowak, willst du dir darauf etwas einbilden, da? dein Oheim Honig verkaufte? Hat er in Leipzig auch Latein studiert?

Alles, alles, was es geben kann! Und ich habs dann von ihm. Allah allein kennt die Millionen L?nder und D?rfer, welche sich in meinem Kopfe befinden. Du aber wei?t gar nichts. Du bist der Sohn der Blattern und der Vater der elf Haare. Du hast meinen Namen geh?rt. Wie kannst du mich den Vater des Gel?chters nennen?

Sie waren beide zornig geworden und griffen sich bei ihren gegenseitigen k?rperlichen Schw?chen an.

Die Spitznamen, welche man ihnen gegeben hatte, waren sehr bezeichnend. Das Gesicht des Slowaken war geradezu abschreckend pockennarbig, und es mu?te fast als ein Wunder erscheinen, da? die zerst?rende Krankheit ihm die wenigen Haarkeime ?brig gelassen hatte. Freilich z?hlte sein Schnurrbart mehr als elf Haare, aber ?ber drei?ig waren es gewi? nicht. Und diese zerstreut und unregelm??ig ?ber die Oberlippe verteilten M?nnlichkeitsbeweise hatte er so lieb, da? seine H?nde w?hrend jedes freien Augenblickes bem?ht waren, sie zu sammeln und ihnen die Form eines echt ungarischen Schnurrwichses zu geben.

Was den Vater des Gel?chters betraf, so litt er an einer Krankheit, welche sein Gesicht in fast regelm??igen Pausen, besonders aber bei Seelenerregungen und wenn er sprach, zur schrecklichen Fratze verunstaltete, n?mlich am Gesichtskrampfe. Diese Verzerrungen brachten nie einen ernsten, sondern stets nur einen solchen Ausdruck des Gesichtes hervor, da? man meinte, Ali wolle sich ?ber irgend etwas totlachen. Es ist ganz gewi? h?chst verwerflich, sich ?ber k?rperliche Gebrechen eines andern lustig zu machen, aber die Gesichter des Mannes, welcher Millionen L?nder und D?rfer in seinem Kopfe hatte, wirkten so unwiderstehlich, da? der ?rgste Melancholikus, der r?cksichtsvollste Mensch geradezu gezwungen war, mitzulachen. ?brigens genierte ihn das keineswegs; er schien sich im Gegenteile ganz gl?cklich zu f?hlen, stets lustige Gesichter um sich zu sehen.

Und wenn du alle V?lker und Inseln der Erde im Kopfe hast, so kennst du doch gewi? nicht ein einziges Wort Latein! behauptete der Slowak. Herr, verstehst vielleicht auch du lateinisch?

Ja, ein wenig, nickte der Vater der vier Augen l?chelnd. Wo hast du es denn gelernt?

Auch in Leipzig.

Aber doch nicht an der Ecke bei dem Honigkasten?

Nein, sondern von meinen Professoren.

Professoren? Hast du etwa studiert?

Ja.

Was?

Medizin.

So bist du Doktor?

Allerdings. Auch war ich drei Jahre lang Lehrer an einer deutschen Medresse.

Da sprang der Kleine auf und rief:

So bist du ein Deutscher?

Ja. Wenn du deutsch verstehst, k?nnen wir uns dieser Sprache bedienen.

Nat?rlich verstehe ich es, und zwar ganz ausgezeichnet! Allah! Ein Ra-is et tibb! Und ich habe dich du genannt! Wo habe ich da meine Augen gehabt! Das soll sofort gut gemacht werden; ich werde h?flicher sein. Darf ich deutsch reden?

Das versteht sich! antwortete der Gelehrte, sehr neugierig darauf, wie der Ungar, welcher des Magyarischen, des Slowakischen und sogar des Lateinischen m?chtig sein wollte und wirklich gar nicht ?bel arabisch sprach, sich im Deutschen ausdr?cken werde. Versuchen Sie es, und sagen Sie mir da einmal gleich, was Ihr Vater gewesen ist!

Der Gefragte antwortete mit strahlendem Gesichte, nun in deutscher Sprache:

Vatterr meiniges hatt Musika gewest. Macht dilideldum, dilideldei.

Auf welchem Instrumente? fragte der Arzt, der sich nur schwer des Lachens erwehren konnte.

Hatt blaste Klarniett: Viviviva viviviva!

Er hielt die beiden H?nde vor den Mund und ahmte die Kl?nge der Klarinette t?uschend nach.

Da haben Sie wohl auch ein Instrument zu blasen gelernt?

Nein. Mund meiniger hatt nicht pa?te dazu.

Und wie ist Ihr eigentlicher Name?

Hab ich hei?te Uszkar Istvan.

Also zu deutsch Stephan Pudel, wenn ich mich nicht irre, da ich zuf?lligerweise das Wort Pudel kenne. Ein omin?ser Name hier in einem mohammedanischen Lande, wo das Wort Hund als gr??te Beschimpfung gilt. Sie h?tten dieses Uszkar Ihren Gef?hrten nicht ?bersetzen sollen.

Serr richtig! Aber wie hei?ten Sie, Pane Doktorrr?

Ich hei?e Emil Schwarz und bin hier, um die Fauna und Flora des Landes zu studieren und in m?glichst vielen Pr?paraten mit nach Hause zu nehmen.

Fauna und Florrra! O, das seinte gut Latein! Auch ich verstehnte Latein. Latein meiniges ich hatt lernte bei Pane Wagner. Fauna hei?te Pflanz, und Flora hei?te Vieh.

Oder umgekehrt, lachte Schwarz.

Umkehrte auch richtig, beides richtig! Ich bin viel geweste in Sudan. Ich hatt sehnte das ganze Florrra und Fauna. Wenn Sie brauchte ein Dienerrr, ich sehr gern wernte Dienerrr Ihriges.

Wirklich?

Ja, Pane Doktorrr. Ich nicht willnte mehr handeln im Sudan, und ich nicht mehr magte sein ein Dschelabi. Sie mich k?nnte brauchte sehr gut. Ich Sie wollte unterrrst?tzte mit Latein meiniges und machte kleb an die Etiquetten an Pr?paraten Ihrige.

Dieses Anerbieten ist mir nicht unwillkommen, und ich werde

Er hielt inne. In der Ferne war ein Ton erklungen, welcher sofort die Aufmerksamkeit aller in Anspruch nahm.

Was war das? fragte Schwarz, sich in arabischer Sprache an die Dschelabi wendend. Doch unm?glich Donner! Jetzt im Sef gibt es doch wohl keine Gewitter.

Nein, Donner war es nicht, antwortete der Slowak, auch in arabischer Sprache, welche er nicht so schlimm radebrechte wie die deutsche.

Was war es sonst?

Es war Aslan, der Herr der Herden.

Der L?we? Also gibt es hier doch welche!

Es scheint so, und der Herr mit dem dicken Kopfe wird hierher kommen, denn er hat unsre Feuer gesehen.

So zeitig? Ich habe geglaubt, da? er erst um oder gar nach Mitternacht sein Lager verlasse.

Wenn er Hunger hat, geht er fr?her aus.

Diese Fragen und Antworten waren mit lauter, vernehmlicher Stimme gegeben worden. Da kam der Schech vom andern Feuer herbeigeeilt und sagte mit leiser Stimme und in ?ngstlichem Tone:

Um Allahs willen, sprecht nicht so laut, sonst h?rt er es und kommt herbei. Dann sind wir alle verloren. Horcht!

Es erscholl derselbe Laut wieder. Er klang dem Rollen eines schweren Wagens, welcher ?ber eine h?lzerne Br?cke f?hrt, sehr ?hnlich. Die Kamele zitterten und die Esel dr?ngten sich zusammen.

Das also, das ist der L?we! sagte Schwarz, mehr zu sich als zu den andern. Endlich, endlich h?re ich seine Stimme in der Freiheit.

O, das ist seine volle und richtige Stimme noch nicht, meinte der Slowak. Er versucht sie erst. Er hat Hunger und ist mi?mutig; er knurrt einstweilen.

Hast du ihn auch schon geh?rt?

Er bediente sich, dem arabischen Sprachgebrauche angemessen, wieder des Du.

Geh?rt und auch gesehen, und zwar sehr oft.

Ohne von ihm angefallen zu werden?

Er hat mir nie etwas gethan. Es gibt viel feige und wenig wirklich stolze und k?hne L?wen. Die feigen kommen heimlich geschlichen und f?hren den Raub so leise aus, da? man erst am Morgen den Tod oder das Fehlen seines Opfers bemerkt. Ein k?hner L?we aber tritt gleich laut aus seinem Lager. Er sagt es aufrichtig, da? er Hunger hat und jetzt auf Raub ausgehen will. Er n?hert sich dem Orte, dem er seinen Besuch zugedacht hat, nur langsam und br?llt dabei von Zeit zu Zeit, damit man sich genau berechnen k?nne, wann er erscheinen wird. Einen L?wen, der das thut, h?lt keine Gefahr ab, den ?berfall auszuf?hren.

Wir haben es h?chst wahrscheinlich mit so einem zu thun!

Ja. Wenn er wieder br?llt, werden wir h?ren, ob er zu uns oder nach einem andern Orte will.

Zum drittenmal erklang die Stimme des Raubtieres, halb knurrend und halb heulend. Man h?rte deutlich, da? sie aus gr??erer N?he kam. Die Homr-Araber waren jetzt alle an das zweite Feuer gekommen. Sie f?rchteten sich.

Er kommt zu uns, er kommt wirklich, fl?sterte der Schech mit vor Angst heiserer Stimme.

Du hast dich also geirrt, antwortete Schwarz, als du behauptetest, es sei kein L?we hier an dieser Quelle zu erwarten.

Konnte ich wissen, da? sich einer eingefunden hat? Er haust wohl erst seit wenigen Tagen hier. W?ren wir nicht in der Dunkelheit gekommen, so h?tten wir wohl die Spuren seiner Tatzen gesehen. Der Bir ist seine Tr?nke, denn es gibt von hier bis zum Flusse kein andres Wasser.

So kampiert er auf der offenen Ebene?

O nein, Herr. Dreiviertel Stunden von hier gibt es ein Felsgewirr, welches er sich zur Wohnung ausersehen hat, denn seine Stimme erklang genau aus jener Gegend. Ich habe schon viele L?wen beobachtet und wei?, in welcher Weise sie sich nahen. Dieser kommt sehr langsam herbei, denn das Feuer macht ihn bedenklich; aber in einer halben Stunde wird er in der N?he sein und unser Lager umkreisen.

Um den Raub auch wirklich auszuf?hren?

Ganz gewi?, Effendi. Er hat es uns laut gesagt und wird sein Wort halten. Beladen wir also schnell unsre Tiere, um diesen b?sen Ort augenblicklich zu verlassen!

Fliehen sollen wir?

Ja, und zwar so schnell wie m?glich.

Vierzehn M?nner? Vor dieser Katze?

Effendi, es ist keine Katze!

Es ist eine, wenn auch eine sehr gro?e. Wer fliehen will, der mag es thun. Aber die Kamele bleiben hier, denn ich habe sie gemietet.

Er wird mir eins zerrei?en!

So bezahle ich es dir!

Er kann auch gar mich selbst zerrei?en!

In diesem Falle kommst du noch heute in Allahs Paradies; also freue dich darauf.

Ich gehe. Ich will noch leben!

So mache dich von dannen; aber indem du dich von den Feuern entfernst, die auch der L?we scheut, begibst du dich in eine noch viel gr??ere Gefahr. In der Dunkelheit drau?en vermagst du das Tier nicht zu erkennen, und es f?llt ?ber dich her, ohne da? du es geahnt hast.

Allah, Allah! Also sollen wir hier bleiben und ruhig warten, wen von uns er sich holen werde?

Nein, denn ich werde ihn t?ten.

Du? Niemand wird dir beistehen.

Das fordere ich gar nicht.

Also du allein willst dich ihm entgegenstellen? Effendi, bist du toll?

Nein. Ich habe Tiere erlegt, welche ebenso gef?hrlich wie der L?we sind. Mit ihm habe ich zwar noch nie gesprochen, aber er wird mit sich reden lassen. Dabei werde ich daf?r sorgen, da? er euch nichts thun kann.

Jetzt erhob der L?we seine Stimme wieder. Es war kein Grollen oder Knurren mehr, sondern ein wenn auch nur kurzer, aber doch f?rchterlicher Ton, welcher auf die H?rer ganz den Eindruck machte, als ob er ihnen die Kopfhaut empor ziehen wolle.

Er ist wieder n?her! jammerte der Schech. Er hat schon die H?lfte seines Weges zur?ckgelegt. In einer Viertelstunde ist er da. Meine Kamele, meine sch?nen Kamele!

Du selbst Kamel! Treffen wir schnell die n?tigen Anstalten! Wir m?ssen ihn zwingen, sich nach der Stelle zu wenden, an welcher ich ihn erwarten werde. Durch das Wasser kommt er nicht, also mu? er entweder von rechts oder von links zu uns, weil wir uns mit den Tieren zwischen der Quelle und dem Felsen befinden. Macht hier das Feuer breiter und facht es h?her an, so wird er es vermeiden, hier herein zu brechen. Bindet die Tiere fest an die Zweige, da? sie nicht fliehen k?nnen. Und dann k?nnt ihr euch meinetwegen hinter das Gep?ck verstecken.

Und du, was wirst du thun, Herr? fragte der Slowak.

Ich gehe auf die andre Seite, l?sche dort das Feuer aus, so da? er nicht abgeschreckt wird, und warte, bis er kommt.

Du wirklich ganz allein?

Ja, ich bedarf wahrscheinlich der Unterst?tzung andrer nicht.

Er gab diese Befehle und Antworten mit der Ruhe und Kaltbl?tigkeit eines Unteroffiziers, welcher auf dem Kasernenhofe seine Leute instruiert.

Die Araber und auch die Dschelabi hatten sich sehr beeilt, das Feuer zu vergr??ern und die Tiere anzubinden. Nun dr?ngten sie sich alle mit Ausnahme des Ungarn und Alis zwischen den Gep?ckst?cken und der Felswand zusammen. Die beiden Genannten aber waren bei Schwarz geblieben; sie halfen ihm das andre Feuer auszul?schen. Eben, als sie damit fertig waren, lie? sich der L?we wieder h?ren, aber dieses Mal in ganz andrer Weise als bisher.

Ja, das war ein wirkliches Gebr?ll, erst dumpf rollend wie ein unter den F??en hingehendes Erdbeben, dann anschwellend bis zum m?chtigen, in der stillen Nacht wohl meilenweit h?rbaren Brusttone, welcher in einen durch Mark und Bein schneidenden, wahrhaft satanischen Kehllaut ?berging, um in einem langgezogenen und nach und nach ersterbenden Donner, unter welchem die Erde zu erzittern schien, wie in weiter Ferne zu verhallen.

Das war der wirkliche Macht und Kampfesruf des K?nigs der Tiere gewesen, und Schwarz erkannte nun, warum die Araber ihm so oft den Namen Abu Rad, Vater des Donners, geben.

Er ist h?chstens nur noch tausend Schritte entfernt, h?rte man den Schech sagen. Allah il Allah we Muhammed rassuhl Allah! Betet leise die heilige Fatha und dann laut die Sure der Zerrei?ung, welche die vierundachtzigste des Korans ist! Das Verderben wird nur noch f?nf oder sechs Minuten lang das Lager umschleichen und dann ?ber uns hereinbrechen.

Die Kamele zitterten und st?hnten vor Angst. Sie lagen eng nebeneinander auf der Erde, die H?lse lang und fest an den Boden geschmiegt. Die Esel schlugen um sich und versuchten, sich loszurei?en.

Schwarz hatte seinen gr??eren Hinterlader zur Hand genommen, der Ungar seine Riesenb?chse und Ali einen langen, starken, eisenbeschlagenen Spie?, welcher seine einzige Waffe bildete.

Zieht euch jetzt zur?ck! fl?sterte der erstere den beiden andern zu.

Herr, du allein vermagst es nicht, antwortete der Slowak.

Sorge dich nicht um mich! Zu deiner Beruhigung will ich dir sagen, da? ich auf den Jagdgefilden Nordamerikas noch gr??ere Gefahren gl?cklich ?berstanden habe.

Das mag sein; aber ich habe dich liebgewonnen und werde dich nicht verlassen.

Du wirst mir mit deinem Feuerpr?gel nur Schaden machen!

O nein, Herr. Es ist mein Katil elfil, dessen Kugel dem L?wen durch den ganzen K?rper gehen wird. Sag, was du willst, ich bleibe bei dir!

Sein Ton war ein so entschlossener, da? Schwarz einsah, der treue, mutige kleine Kerl lasse sich gewi? nicht abweisen. Der Augenblick der Entscheidung nahte, es durfte keine Sekunde durch zwecklose Reden vergeudet werden. Darum sagte der Doktor:

Nun gut, so halte dich an meine Seite, aber schie? ja nicht eher, als bis ich selbst zwei Kugeln abgegeben habe!

Er untersuchte sein Gewehr noch einmal, trat um vielleicht zehn Schritte vor und legte sich da lang auf den Boden nieder, den linken Ellbogen auf die Erde gestemmt, um in dem Vorderarme einen festen St?tzpunkt f?r den Lauf zu haben.

Als der Slowak sich in gleiche Stellung neben ihm niedergelassen hatte, h?rten sie hinter sich ein leises Ger?usch. Sie sahen sich um und erblickten Ali, den Vater des Gel?chters, welcher hart hinter ihnen auf einem Knie ruhte, in beiden H?nden die Lanze, mit der Spitze nach vorn gerichtet, das andre Ende fest in den Boden gesto?en, so da? sie selbst durch einen starken Anprall nicht aus ihrer die an der Erde Liegenden besch?tzenden Lage gebracht werden konnte.

Was willst denn du? fragte Schwarz fast zornig.

Wenn Ihr ihn nicht sofort t?tet, wird er durch die Luft nach euch springen, antwortete der Gefragte. Dann schnellt euch von hier fort, und ich fange ihn mit der Lanze auf, da? er sich spie?t.

Schwarz wollte antworten, wurde jedoch durch ein abermaliges Br?llen des Raubtieres daran verhindert. Es klang jetzt fast noch schrecklicher als vorher, und ganz nahe. Der L?we war gewi? nicht mehr hundert Schritte von ihnen entfernt.

Da mu?te selbst den K?hnsten ein Grauen ?berlaufen, doch die N?he der Entscheidung macht das Auge und den Arm des Mutigen sicher und l??t sein Herz noch ruhiger als vorher schlagen.

Zitterst du? fragte der Ungar.

Nein, antwortete Schwarz.

Ich auch nicht. Er kann kommen!

Die drei hatten hinter sich das Lager. Dort brach der L?we h?chst wahrscheinlich nicht ein, da das Feuer ihn zur?ckschreckte. Zu ihrer Linken lag der Weiher und zur Rechten stieg der Fels empor. Zwischen diesen beiden lag ein vielleicht f?nfzehn Fu? breiter Raum, in dessen Mitte sie sich befanden. Bew?hrte sich ihre Voraussetzung, da? das Raubtier von dieser Seite kommen werde, so konnte es ihnen nicht entgehen; es mu?te an ihnen vor?ber oder ?ber sie hinweg.

Schwarz hatte seine Schutzbrille abgenommen und hielt das vor ihm liegende Terrain scharf im Auge. Da sie schraken wirklich zusammen ert?nte das Br?llen jenseit des Wassers, hart am Rande desselben, nicht zwanzig Schritte von ihnen entfernt.

Jetzt aufgepa?t! fl?sterte der Slowak.

Die Gefahr verdoppelte die Sch?rfe ihrer Augen. Das Geh?r war ihnen nichts mehr n?tze, denn infolge des letzten Gebr?lles fing der Schech jetzt an, mit lauter Stimme die vorhin von ihm bezeichnete Sure zu beten:

Im Namen des allbarmherzigen Gottes. Wenn der Himmel zerrei?t, pflichtgezwungen und seinem Herrn gehorchend, wenn die Erde sich ausdehnt und herauswirft, was in ihr ist, dann, o Mensch, wirst du dich bem?hen, zu deinem Herrn zu gelangen

W?hrend er in jammerndem Tone fortfuhr, h?tte Schwarz ihn am liebsten niederschlagen m?gen. Seine laute Stimme machte die leisen Schritte des L?wen unh?rbar und konnte infolgedessen sehr leicht die Ursache des Verderbens der drei mutigen M?nner sein.

Nun mu?ten die Augen doppelt angestrengt werden. Aber nicht sie waren es, welche den m?chtigen Feind zuerst bemerkten, sondern der Geruch ?berzeugte die peinlich Wartenden, da? der Augenblick der Entscheidung gekommen sei. Jene scharfe, penetrante Ausd?nstung, welche den Raubtieren eigen ist und in jeder Menagerie beobachtet werden kann, erf?llte pl?tzlich die Luft, und da da trat er um das dichte Gestr?pp, nicht schleichend nach Tiger oder Pantherart, sondern stolz aufgerichtet, langsamen und sichern Schrittes wie ein Herrscher, der sich in seinem Reiche wei? und es verschm?ht, das, was er durch offenen Befehl erlangen kann und mu?, durch niedrige Heimlichkeit zu erreichen.

Seine weitge?ffneten Augen durchforschten den Rand des dichten Buschwerkes nach einem Durchweg zu der gesuchten Beute. Da fiel sein Blick auf die drei bewegungslosen Gestalten. Er zuckte und warf sich schnell auf die Erde nieder, um den Feinden nicht die leicht verletzliche Brust zu bieten. Dann musterte er sie mit einem gro?en, m?chtigen Blicke.

Schwarz empfand ein Gef?hl, als ob man ihm mit einem Eiszapfen ?ber das R?ckgrat streiche, doch gelang es seiner Willenskraft, dasselbe zu ?berwinden. Er hatte die Berichte ber?hmter L?wenj?ger gelesen, und er kannte daher das Benehmen des Tieres in einer Situation wie die gegenw?rtige.

Thut der L?we den Sprung nicht sofort, nachdem er den Feind erblickt hat, so legt er sich nieder, die hintern Pranken eingezogen und die vordern nach vorn gestreckt. Er schlie?t die Augen fast ganz und betrachtet den Feind durch einen d?nnen Spalt der Lider. Hat er seinen Entschlu? gefa?t, so hebt er den Hinterk?rper ein wenig empor, um dadurch die Schnellkraft seiner Schenkelmuskeln zu erh?hen; seine Augen ?ffnen sich langsam, und in dem Momente, wo die Lider ganz emporgezogen sind und die sich wie ein Feuerrad bewegende Pupille voll zu sehen ist, thut er den verderblichen Sprung.