Karl May.

Die Sklavenkarawane





Herr, das ist ja weit, weit mehr, als wir von Abu el Mot erhalten h?tten! jubelte der Nuehr. Du gibst uns Gnade und Leben, anstatt Rache und Tod. Ihr werdet Freunde an uns haben, auf die ihr euch selbst in der gr??ten Gefahr verlassen k?nnt!

Ich will es dir glauben. Au?erdem habt ihr noch einen gro?en Vorteil, welchen ihr bei Abd el Mot nicht gefunden h?ttet. Nicht ich allein bin Tabib, sondern dieser Effendi, mein Freund, ist ein noch viel gr??erer und ber?hmterer als ich. Wir werden uns eurer Verwundeten annehmen, deren gr??ter Teil bei Abu el Mot wohl nicht h?tte gerettet werden k?nnen. Hast du, um den Bund mit uns abzuschlie?en, die Zustimmung deiner Leute zu erbeten?

Was denkst du von mir! antwortete der H?uptling stolz. Ich bin der K?nig meines Stammes, und meine Krieger haben mir zu gehorchen. Aber denke ja nicht, da? sie das jetzt nicht gern thun werden. Sie erwarteten den Tod, und anstatt des Verderbens bringe ich ihnen das Gl?ck. Sie werden meine Nachricht mit Entz?cken empfangen.

Gut, so seid ihr von jetzt an unsre Freunde und Bundesgenossen. Gieb uns die Hand darauf und kehre dann auf den Sandal zur?ck. Wir werden h?ren was deine Leute dazu sagen, und dann hin?berkommen, um die Verwundeten zu verbinden.

Der Neger gab beiden seine Hand und ging dann fort, um sich nach dem Sandal rudern zu lassen.

Nun, sinds einverstanden? Hab ichs gut gmacht? fragte der Graue Schwarz.

Ja, antwortete dieser. Wir sind zwar auch ohne die Nuehr stark genug, um es mit Abu und Abd el Mot aufzunehmen, aber Feinde in Freunde zu verwandeln, ist stets vorteilhaft, und wir k?nnen doch vielleicht in eine Lage kommen, in welcher dieser Zuwachs an Leuten uns von Nutzen ist. Aber warum haben Sie den armen Teufel vorher in Beziehung auf die Frisuren in solche Angst getrieben?

Weils meine Absicht war, in den Besitz seiner Spitzhaube zu kommen. Ich h?tt sie halt gar zu gern als ethnographische Kuriosit?t mit heimgbracht. Da er aber mit Leib und Seel an derselbigen h?ngt, so mag er sie bhalten. Nun kommens! Wir wollen schauen, was seine Leut f?r Gsichter machen. Sie scheinen froh zu sein; h?rens, wie sie schreien und br?llen?

Die beiden hatten die Kaj?te nicht zugleich mit dem Nuehr verlassen; sie waren in derselben zur?ckgeblieben. Trotz der zugemachten Th?r vernahmen sie jetzt ein Get?se menschlicher Stimmen, als ob die Schreienden gepf?hlt werden sollten.

Ja sefa, ja bacht, ja fahra o Wonne, o Gl?ck, o Freude! nur diese drei Worte waren es, welche die Nuehr riefen, aber sie brachten mit ihnen ein solches Stimmengewirr fertig, da? man sich h?tte die Ohren zuhalten m?gen.

Und als die Deutschen aus der Kaj?te auf das Deck traten, sahen sie die Schwarzen auf ihren beiden Schiffen springen und tanzen, als ob sie wahnsinnig geworden seien.

Da hab ich sch?nes Unheil angrichtet! lachte der Graue. Jetzund m?cht man Irrenarzt sein, um die Kerls wieder zu Verstand zu bringen.

Der H?uptling trat an den Rand des Sandals und rief her?ber:

Seht ihr die Freude meiner Krieger? Sie sind voller Wonne und werden euch treu dienen und ihr Leben f?r euch wagen.

Nun kommt auch her?ber und nehmt euch der Verwundeten an, welche mit Schmerzen auf euch warten!

Bevor Schwarz dieser Aufforderung Folge leistete, beordete er die Re?sihn der beiden Noqer zu sich. Hasab Murat erhielt die Weisung, seine Leute wieder einzuschiffen und mu?te auch mit nach der Dahabi?h kommen. Hier erfuhren sie, da? die Nuehr von jetzt an als Verb?ndete zu betrachten und zu behandeln seien, und sie nahmen diese Nachricht mit gro?er Befriedigung auf.

Da es nun galt, keine Zeit zu verlieren, sondern wieder aufzubrechen, um Abu el Mot zuvorzukommen, so wurden s?mtliche K?hne mit Leuten bemannt, welche die durch das Schilffeld f?hrende schmale Bahn verbreitern mu?ten. Indessen konnten die beiden Deutschen den Verwundeten Hilfe leisten. Als sie in die Kaj?te gingen, um die chirurgischen Utensilien zu holen. kamen sie an dem Sohne des Geheimnisses vor?ber, und Schwarz nahm die Gelegenheit wahr, ihn zu fragen:

Du kennst den Flu?. Wir m?ssen nach dem Maijeh Husan el bahr. Wei?t du, wo dieser Ort liegt?

Ja, Effendi, ich kenne ihn. Ich bin mit Ben Wafa einigemale, wenn wir von der Seribah Abu el Mots kamen, dort gewesen. Er ist ber?hmt wegen der vielen Nilpferde, welche es dort gibt.

Wann denkst du, da? wir hinkommen werden, falls wir guten Wind behalten?

Fahren wir auch w?hrend der Nacht, was wir ja thun k?nnen, da es in dieser Jahreszeit weder Regen noch St?rme gibt und von hier aus der Flu? wieder stets offen ist, so kommen wir morgen abend an.

K?nnte auch ein Fu?g?nger bis zu dieser Zeit dort sein?

Ja, wenn er sich beeilt. Er kann die gerade Richtung einschlagen, w?hrend wir den Kr?mmungen des Stromes folgen m?ssen.

Das zu h?ren, ist mir nicht lieb. Es ist m?glich, da? Abu el Mot nach dem Maijeh geht.

So m?ssen wir es machen wie in der vergangenen Nacht. Wir spannen die Boote vor. Das wird uns nicht anstrengen, denn wir sind zahlreich genug, um einander oft abl?sen zu k?nnen. Die Nuehr werden uns dabei sehr n?tzlich sein, da sie weit bessere Ruderer als die Asaker sind.

Komm mit in die Kaj?te, um uns die Medizink?sten zu tragen! Du bist geschickt und kannst uns bei dem Verbinden der Verwundeten helfen.

Diese Worte h?rte der Slowak. Er trat sofort herzu und sagte:

Effendi, auch ich besitzte Geschicklichkeit, bedeutende. Ich hatt verbindete schon Wunden, vielige. Ich hatt Ihnen schon einmal erz?hlte von Storch, beingebrochtem und von mir verbindetem; ich will auch helfen bei Nuehr, geschie?ten und blessierteten!

Gut, warte!

W?hrend Schwarz mit Abd es Sirr in die Kaj?te ging, blieb der Graue bei dem Slowaken stehen, um diese Gelegenheit zu benutzen, sich mit ihm auszus?hnen. Der Kleine strafte ihn, indem er ihn gar nicht beachtete; er stand neben ihm und that so, als ob er ihn gar nicht sehe und bemerke. Er hatte nicht nur einen, sondern zwei Gr?nde, ?ber den Grauen zornig zu sein. Erstens war dieser ihm auf dem Felde der Wissenschaft beleidigend begegnet, und zweitens nannte er ihn du. Der Vater der elf Haare hatte Schwarz, den er liebte und verehrte, gebeten, ihn doch du zu nennen, da er von Wagner, seinem fr?heren Herrn, auch geduzt worden sei, und Schwarz war dieser Aufforderung gefolgt. Pfotenhauer hatte dieses Beispiel befolgt, ohne nach der Ansicht des Kleinen ein Recht dazu zu besitzen. Der in Beziehung auf seine Ehre sehr empfindliche Sohn der Blattern lie? es gelten, im Arabischen du genannt zu werden, denn da konnte er dieses du zur?ckgeben; aber sobald man sich der deutschen Sprache bediente, meinte er, die h?fliche Form der dritten Person pluralis verlangen zu d?rfen, und da? Pfotenhauer dies nicht that, ?rgerte ihn gewaltig.

Also du kannst auch verbinden? fragte der letztere in freundlichem Tone. Das freut mich; das wird uns die Arbeit sehr erleichtern.

Ich kann verbindete viel besser als mancher andre, sich Gelehrsamkeit einbildende, antwortete der Kleine in wegwerfendem Tone, den Deutschen gar nicht ansehend. Ich kann kochte und aufschmierte Kataplasma und Salben, wohlth?tige und zerteilende f?r Karbunkel.

Was! Du wei?t, was Kataplasma ist?

Er sagte das in der allerbesten Absicht; aber da kam er dem Kleinen sch?n an! Dieser antwortete zornig:

Halten Sie das f?r Wunder, gro?artiges? Bei Reichtum von Bildung, meiniger, seinte Kataplasma und Pflaster mir Wurst, leichtigkeitige! Ich hab lernte kennen Kataplasma, Katalog und sogar Katastrophe!

So! Nun, was ist denn ein Katalog?

Katalog seinte ein ersch?tterte Ereignis, trauriges, zum Beispiel Erdbeben, unterirdisches.

Und Katastrophe? erkundigte sich der Graue weiter. Er nahm sich vor, dieses Mal trotz der Verwechselung des Katalogs mit der Katastrophe nicht zu opponieren.

Katastrophe seinte Buch und Verzeichnis ?ber Acker, besitzender, und Flur, angeh?riger.

Da die Verwechselung noch weiter um sich griff, als er vorher angenommen hatte, entfuhr es dem Deutschen:

So ein Buch ist doch keine Katastrophe, sondern man nennt es Kataster! Du bist wirklich dera reinste Verwechselungsk?nstler! Ich kann wirklich nit begreifen, wie du dich nur mit solchen

Schweigte still! fuhr ihn der Slowak an, indem er sich nun zu ihm herumdrehte und ihn flammenden Blickes ansah. Wenn Sie nicht begreifte mich, so kannt auch ich nicht begreifte Sie! Ich hatt gela?te Ihnen Gelehrtesamkeit, Ihrige, und nun kann auch Sie gela?te mir Kenntnisse, meinige! Wenn ich auch hatt gemachte einmal Verwechstelung, unschuldige, so seinte ich doch ein Mann, stets h?flicher und herablassender; Sie aber seinte w?hrenddem immer geweste ein Mann von Unh?flichkeit, grober und beleidigender!

Ich? fragte Pfotenhauer, ganz betroffen infolge des ungew?hnlichen Zornes, welcher aus den Worten und Blicken des Kleinen sprach. Wegen eines kleinen Widerspruches brauchst doch nit gleich so grimmig zu sein!

Ich seinte nicht nur zornig wegen Entgegnung, widerspr?chiger, sondern auch wegen Verst??en, oftigen und titulaturigen! Hatt Sie mich verstehente?

Nein, ich versteh dich nit. Was redest du da von Titulatur?

Das w??te Sie nicht? Das begreifte Sie nicht? Ich hatt Ihnen gebte stets das Sie, pluraliges; Sie aber hatt gebte mir stets du, singulariges. Wir hatt noch nicht machte miteinander Br?derschaft. Wenn Sie auch von jetzt an noch gebliebte bei du, einzahliges, so wernte auch ich nicht mehr sprechte Sie, mehrzahliges. Ich hatt studiumtierte, und Sie hatt studiumtierte; wir stehen also auf Stufe, ganz gleichf??iger. Jetzt hatt Sie die Wahl, entscheidende! Ich sprechte Sie, und ich sprechte du, ganz so, wie Sie sprechte mit mir!

Das kam dem Grauen so unerwartet, da? er f?r den ersten Augenblick gar keine Antwort fand. Er machte ein Gesicht, welches sicher noch verbl?ffter war als damals, wo sein Professor ihm die ber?hmte Frage vorlegte. Die Antwort w?re nun auch zu sp?t gekommen, denn der Slowak wandte sich von ihm ab und lie? ihn in seines Nichts durchbohrendem Gef?hle stehen. Da kehrte Schwarz aus der Kaj?te zur?ck; er sah das Gesicht des Grauen, dessen Nase schlaff herniederhing, als ob sie beim Naschen erwischt worden sei und deshalb einen Verweis bekommen habe; er sah auch den Kleinen stolz von dannen schreiten; da wu?te er, was geschehen sei, und fragte lachend:

Haben Sie sich wieder einmal nicht mit ihm vertragen?

Ja, er hat mich ganz gh?rig angepfiffen, antwortete Pfotenhauer. Der Kerl hat Haar auf allen Z?hnen, und was f?r welche! Er hat gmeint, ich soll ihn nit mehr du, sondern Sie nennen, sonst will er mich auch duzen.

Hat er das? Nun, so ganz unrecht kann ich ihm da nicht geben, lieber Freund.

Danke sehr! Jetzund fehlt nur noch, da? er mich Naz oder kurz weg Vogel-Nazi nennt! Das w?r das richtige Kataplasma!

El Hamdulillah

Am n?chsten Tage, zwischen dem Asr und Mogreb-Gebete, also vielleicht kurz nach der vierten Nachmittagsstunde, erreichten die f?nf Schiffe eine Stelle, an welcher der Strom sich so verbreiterte, da? er einen See bildete, dessen Ufer wohl eine volle Ruderstunde voneinander entfernt waren.

Das ist der Ort, sagte der Sohn des Geheimnisses zu Schwarz und Pfotenhauer, mit denen er vorn am Bug der Dahabi?h stand. La? nach dem Ufer halten, damit wir dort anlegen! Wir d?rfen nicht weiter, da wir sonst gesehen werden k?nnten.

Liegt der Feldwebel mit seinen Leuten denn am See?

Nein. Biegen wir rechts in den See ein und fahren wir bis nach dem hintern Teile desselben, so kommen wir an eine Stelle, wo ein schmaler Eingang in einen Busen f?hrt, welcher nicht flie?endes, sondern stehendes Wasser hat. Er ist an einigen Punkten sehr tief, weshalb er selbst im hei?esten Sommer nicht austrocknet. An den seichteren Stellen w?chst Schilf und Rohr; an andern gibt es Grasinseln, welche auf der Oberfl?che schwimmen, sich aber nur dann bewegen, wenn der Wind sie treibt oder ein Flu?pferd, an ihren Wurzeln naschend, sie in Bewegung setzt. Das ist der Maijeh Husan el Bahr.

So brauchen wir doch nicht hier am Flusse zu bleiben, sondern k?nnen in den See einbiegen, um dort zu ankern.

Der Feldwebel lagert am Ufer des Maijeh. Es ist m?glich, da? einer seiner Leute nach dem See kommt. In diesem Falle w?rden wir gesehen, und das willst du doch wohl vermeiden?

Allerdings. Ich werde also den Befehl zum Ankern geben, und dann mag der Onbaschi uns Auskunft erteilen.

Onbaschi hei?t Korporal, Unteroffizier. Bei den Nuehr hatte sich n?mlich der Unteroffizier befunden, welcher dem Feldwebel entflohen war, um Abu el Mot das Lager desselben zu verraten. Auch er war im h?chsten Grade zornig dar?ber, da? sein Herr die Flucht ergriffen hatte, ohne ihn mitzunehmen. Er hatte, als er die Wakaa en nahr verloren sah, mit gro?er Sorge dem entgegen gesehen, was nun mit ihm geschehen werde, und war dann freudig ?berrascht gewesen, sich mit den Nuehr begnadigt zu wissen. Freilich hatte er Schwarz versprechen m?ssen, von jetzt an diesen als seinen Herrn zu betrachten und ihm treu und ohne Hintergedanken zu dienen.

Die Dahabi?h ging so nahe wie m?glich an das Ufer und lie? dort die Anker fallen. Die beiden Noqers thaten dasselbe. Die Schiffe aus Diakin segelten nicht so gut; sie waren zur?ck, kamen aber nach einiger Zeit auch und legten hinter den andern an.

Schwarz hatte den Onbaschi zu sich auf die Dahabi?h genommen. Er lie? ihn jetzt kommen und fragte ihn:

Kennst du die Stelle, an welcher wir jetzt liegen?

Nein, Effendi.

Aber den See, an dessen Eingang wir uns befinden?

Auch nicht.

Ich glaubte, du seist am Ufer desselben gewesen. In ihn m?ndet n?mlich der Maijeh, an welchem der Feldwebel lagert.

Solange ich bei ihm war, ist keiner von uns nach dem See gekommen. Der Maijeh bot uns alles, was wir brauchten: Schilf zum Brennen, Wasser und auch Fische, so viel wir haben wollten.

Aber wenn ich mit dir nach dem Maijeh ruderte, so w?rdest du die Stelle finden, wo deine fr?hern Kameraden sind?

Ganz gewi?. Sie lagern an der Spitze desselben, an der Stelle, welche am weitesten in das Land hineinragt. Die ist selbst in der Dunkelheit leicht zu finden.

Steht der Wald bis dicht ans Wasser?

Ja.

Und ist er licht, oder gibt es Strauchwerk, welches das Gehen erschwert?

Str?ucher gibt es nur au?erhalb des Waldes, welcher schmal ist und nur aus B?umen besteht, zwischen denen man leicht fortkommen kann. Soll ich dich f?hren?

Ich will es mir ?berlegen, antwortete Schwarz zur?ckhaltend.

Effendi, du traust mir nicht!

Allerdings. Das will ich dir ganz offen gestehen. Du hast deine Kameraden verraten.

Weil sie selbst Verr?ter waren!

Aber du warst ihr Mitschuldiger, und sie verlie?en sich auf dich!

Ich hatte mich geweigert. Ich war der einzige Onbaschi, welcher mit dem Feldwebel zur?ckgelassen worden war Er war Gefangener, und ich hatte ihn zu bewachen. Da beredete er mich, mit ihm und meinen f?nfzig Asaker eine neue Seribah zu gr?nden.

Wo?

Bei den Niam-niam.

Das fehlte noch! M??t ihr denn das Verderben weiter und immer weiter tragen? Und welch ein Wagnis! F?nfzig Mann wollen nach S?den gehen, um ein ganzes Volk in ihre Netze zu ziehen! Da sieht man, wie wenige Teufel dazu geh?ren um ganze V?lkerschaften ungl?cklich zu machen. Aber weiter!

Ich lie? mich bereden, denn er versprach mir, da? ich mit ihm Gebieter sein solle; aber schon am ersten Tage geb?rdete er sich als der alleinige Herr, und da ging ich fort.

Also nicht aus Reue, sondern aus Rache?

Verkenne mich nicht, Effendi! Du darfst mir trauen. Zu Abu el Mot kann ich nicht wieder und gehe ich nicht wieder. Ich habe heute fr?h mit Hasab Murat gesprochen. Er nimmt mich mit nach der Seribah Madunga, wo ich mit demselben Range, als Onbaschi, bei ihm eintreten werde. Daraus magst du ersehen, da? ich dir treu dienen werde

Ich will versuchen, dir zu glauben. Du magst uns also f?hren, wenn wir an das Land gegangen sind.

Indem er das sagte, fiel sein Auge auf einen kleinen Punkt, welcher sich von dem jenseitigen Ufer des Sees aus n?herte. Er hielt ihn f?r ein Boot und ging, sein Fernrohr zu holen. In den Verh?ltnissen, unter denen er sich hier befand, mu?te ein Kahn seine Aufmerksamkeit, ja, sein Mi?trauen erregen. Das Rohr zeigte ihm, da? er sich nicht geirrt hatte. Es war ein Boot, ein sehr kleines, in welchem ein einzelner Mann, ein Schwarzer, sa?.

Was wollte dieser Mann hier? Es war m?glich, da? Abu el Mot seinen Weg nicht auf dem diesseitigen, sondern auf dem jenseitigen Ufer zur?ckgelegt hatte, um seinen Feinden ja nicht etwa w?hrend der ?berfahrt zu begegnen. In diesem Falle mu?te er den Flu? weiter oben durchqueren. Dabei konnte er an ein Negerdorf gekommen sein und von dort einen Boten abgesandt haben, um den Feldwebel zu warnen, freilich ohne diesen wissen zu lassen, von wem die Botschaft eigentlich komme. Schwarz nahm sofort die zwei kr?ftigsten Ruderer in das kleine Boot, bewaffnete sich mit seinem Gewehre die Revolver trug er stets im G?rtel und stieg selbst mit ein, um den Schwarzen abzufangen.

Dieser hatte jetzt die Mitte des Sees, also den eigentlichen Strom erreicht und hielt ein wenig aufw?rts, um den durch die Str?mung verursachten Abtrieb auszugleichen. Dadurch wurde seine Absicht klar, den diesseitigen Teil des Sees zu erreichen und dann vielleicht nach dem Maijeh zu rudern.

Schwarz lie? ihn noch n?her kommen und stie? dann vom Schiffe ab. Sein Boot befand sich in ruhigem Wasser und gehorchte den Rudern also mit weit gr??erer Schnelligkeit als dasjenige des Schwarzen. Es war klar, da? dieser die abw?rts am Ufer liegenden Schiffe noch gar nicht gesehen hatte; bald aber erblickte er das Boot. Er hielt f?r einige Augenblicke im Rudern inne, wohl um sich zu ?berlegen, was er thun solle. Dann wendete er sich zur Flucht dem s?dlichen Ufer der diesseitigen Seeh?lfte zu. Das konnte das Zeichen eines b?sen Gewissens, aber auch die einfache Folge des Mi?trauens sein, welches jeder einsam wohnende Mensch, zumal Neger, gegen jede fremde Erscheinung hegen mu?.

Er war von dem Punkte, welchem er zustrebte, viermal so weit entfernt, als von dem Boote des Deutschen. Obgleich er seine Kr?fte bis auf das ?u?erste anstrengte, kam ihm dieses immer n?her und n?her.

Ein Abaka-Neger! sagte einer der beiden Niam-niam. Ich sehe es am Kopfputz.

Schwarz rief dem Manne ein gebieterisches Halt zu, doch ohne Erfolg. Schie?en wollte er nicht, einesteils weil er dadurch die Aufmerksamkeit auf sich zog, falls einer oder mehrere Leute des Feldwebels am See sich befanden, und andernteils weil er den Mann sicher erreichen mu?te, denn die Entfernung zwischen den beiden Booten verringerte sich von Augenblick zu Augenblick.

Als dieselbe h?chstens noch drei?ig Ellen betrug, legte er sein Gewehr auf ihn an und drohte:

Halt an, sonst schie?e ich dich tot!

Jetzt zog der Mann die Ruder ein. Sein Atem flog und seine Brust keuchte vor Anstrengung. Einige Augenblicke sp?ter war er erreicht. Schwarz zog das kleine Boot Bord an Bord und fragte:

Wer bist du?

Ich sein Hahli, antwortete der Neger in gebrochenem Arabisch.

Von welchem Stamme?

Abaka.

Wo wohnst du?

Dort am Wasser.

Er zeigte nach dem rechten, ?stlichen Ufer des Sees und Flusses.

Allein?

Die Abaka wohnen auf Murrh.

Wohin willst du?

Hahli darf nicht sagen.

Warum?

Es ihm verboten.

Von wem?

Darf auch nicht sagen.

Ich wei? es dennoch. Ein Wei?er hat es dir verboten?

Woher das wissen?

Es sind f?nf Araber zu euch gekommen?

Der Mann antwortete nicht, machte aber ein sehr erstauntes Gesicht, welches leicht erraten lie?, da? Schwarz das Richtige getroffen hatte. Er war gro?, kr?ftig und noch jung, wurde aber durch eine gro?e entz?ndete Wulst auf der einen Wange, welche dicker als eine M?nnerfaust war, entstellt.

Der eine dieser f?nf M?nner war sehr lang und sehr d?rr? fragte Schwarz weiter.

Woher das wissen?

Er hat dich da hin?ber nach dem Maijeh gesandt?

Warum fragen, wenn schon wissen?

Ich wei? nur, da? du ein Bote dieses Mannes bist, und ich will wissen, was du den Asakern da dr?ben zu berichten hast.

Darf nicht sagen.

Warum nicht?

Sonst Hahli m?ssen sterben.

So! Dann steig einmal zu uns her?ber!

Warum? Hahli freilassen!

Er sagte das in ?ngstlichem Tone.

Wir thun dir nichts. Du wirst bei uns zu essen bekommen; auch will ich dir ein wenig Duhchan schenken; dann kannst du wieder gehen.

Bei dem sch?nen Worte Duhchan begann das Gesicht des Mannes zu gl?nzen. Er fragte:

Wohin Hahli soll mit?

Auf unser Schiff.

Sofort wurde seine Miene wieder ?ngstlich.

Schiff? fragte er. Haben drei Schiff? Dahabi?h und zwei Noqer?

Durch diese Frage verriet er, da? Abu el Mot ihn vor diesen drei Schiffen gewarnt hatte. Schwarz antwortete:

Nein. Wir haben nicht drei, sondern f?nf Schiffe.

Das sein gut, sehr gut! Wenn h?tten blo? drei Schiffe, dann sein schlimme Menschen.

Wir sind gute Menschen; das werde ich dir beweisen. Ich werde dir nicht nur Tabak geben, sondern dich auch gesund machen. Macht dir der Duhdi im Gesicht nicht gro?e Schmerzen?

Sehr! Sehr Viele bei uns haben Duhdi.

Womit heilt ihr ihn?