Karl May.

Die Sklavenkarawane





Jetzt erkannte Abu el Mot, da? sich auf diesen beiden Fahrzeugen keine Gefangenen befanden. Und wenn er diese Ansicht noch h?tte festhalten wollen, so w?re ihm das unm?glich gewesen, denn es ert?nte von dahinten eine laute, schnarrende Stimme, welche er sehr genau kannte:

Das war gut getroffen; das war herrlich! So ist es recht. Ihr M?nner, ihr Helden, ihr Tapfern! Ladet schnell wieder, schnell, und gebt es ihm! M?ge Allah diesen Abu el Mot verdammen. Schie?t, schie?t, ihr Feigen, ihr Faulen, ihr Halunken!

El Schachr, der Schnarcher! rief Abu el Mot seinen Homr zu, welche sich um ihn versammelt hatten. Hasab Murat, der Sohn einer r?udigen H?ndin, hat sich mit dem Fremden und den Soldaten verbunden. Schie?t, schie?t! Zielt auf den Offizier und diesen Christenhund!

Aber sie trafen die beiden nicht, denn der Hauptmann stand hinter dem Maste sicher, und Schwarz hatte sich wieder geb?ckt, um die Kanone zu laden. Auch die Kanoniere hinter der Drehbasse, welche Kugel um Kugel abgaben, hatten sich durch das vorgeschobene H?uschen gedeckt, welches mit starkem Eisenblech gef?ttert war und wie eine Panzerplatte die Kugeln auffing.

Die zweite Salve der Maximkanone wirkte noch vernichtender als die erste. Die Nuehr, welche erst so kampfesmutig gewesen waren, warfen ihre Waffen weg und verbargen sich im Innern der Fahrzeuge. Abu el Mot sah ein, da? er sich unm?glich halten k?nne. Er durfte nicht einmal mehr schie?en. Er mu?te den kleinen Rest seiner Munition nicht zu seiner Verteidigung, welche ja erfolglos war, sondern zu seiner Rettung verwenden. Er rief seinen Nuehrs zu:

Schnell in die Boote und an das Ufer! Dorthin ist der Weg noch frei!

Abu el Mots Befehl sollte augenblicklich Folge geleistet werden. Aber kaum erschienen die dunkeln Gestalten der Nuehr an den R?ndern der Fahrzeuge, um hinabzusteigen, so knallten von dem Ufer her, welches Abu el Mot f?r unbesetzt gehalten hatte, die Sch?sse der hundert Soldaten Hasab Murats.

Diese waren bisher hinter den B?schen versteckt gewesen. Jetzt kamen sie hervor, um sich zu zeigen. Hasab Murat schwang seine Flinte und rief:

Komm her?ber, Abu el Mot, komm doch her! Wir werden dich festlich empfangen, denn wir lieben dich. Kennst du mich, du stinkende Hy?ne? Komm nur, komm, damit ich dir das Fell ?ber den Kopf ziehe!

Abu el Mot sah diesen Ausweg abgesperrt. Links hatte er die Dahabi?h, rechts das besetzte Ufer, hinter sich die Noqer und vor sich das undurchdringliche Schilf undurchdringlich f?r seinen Sandal, aber nicht f?r einen Kahn. Dieser letztere Umstand bot ihm den einzigen Rettungsweg.

Ihr seht, da? wir umzingelt sind und eine ?bermacht gegen uns haben, der wir unterliegen m?ssen, sagte er zu den f?nf Homr, welche ebenso wie er noch unverletzt waren, weil sie bei ihm gestanden hatten, wohin niemand die Kugel gerichtet hatte, da man ihn lebend haben wollte. Kommt mit mir in die Kaj?te!

Das Gefecht war keineswegs zu Ende.

Zwar schwiegen die beiden Kanonen, weil sie keinen Erfolg mehr haben konnten, da die Nuehr sich versteckt hatten; aber diese sandten ihre Pfeile noch immer aus dem Verborgenen hervor, und wenn einer von ihnen einmal seinen Kopf oder einen sonstigen K?rperteil sehen lie?, so flogen gleich von allen Seiten die Kugeln der Asaker nach der betreffenden Stelle.

Vor allen Dingen kam es darauf an, die Nuehrs nicht in die Boote zu lassen, eine Aufgabe, welche gar keine Schwierigkeit bot. Sie mu?ten die Hoffnungslosigkeit ihrer Lage einsehen und sich baldigst mit den beiden Schiffen und Abu el Mot ergeben.

Dieser wu?te nur zu gut, was seiner wartete. Er mu?te fliehen, und zwar so schnell wie m?glich, denn er sah, da? ihm nur noch Minuten dazu verg?nnt seien.

Die Kaj?te, das hei?t der verdeckte Raum im Hinterteile des Schiffes hatte, als er das letztere mietete, der Re?s nicht hergeben wollen; darum war ganz vorn am Bug f?r Abu el Mot ein Bretterverschlag errichtet worden, den er w?hrend der Fahrt mit den Homr geteilt hatte. Nach diesem f?hrte er sie jetzt.

Als sie dort eingetreten waren, riegelte er die Th?r hinter sich zu und sagte:

Wir m?ssen fort und d?rfen den Nuehr nichts davon wissen lassen, sonst dr?ngen sie sich herbei, leiten die Aufmerksamkeit der Feinde auf uns und machen uns das Entkommen zur Unm?glichkeit.

Ja, wir m?ssen schnell fort, antwortete einer der Homr. Aber wie? Ich sehe keinen Weg zur Flucht.

Aber ich kenne einen, den einzigen, den es gibt. Habt ihr vergessen, da? eins unsrer Boote hier am Vorderteile h?ngt? Der Feind kann es nicht sehen, weil auf dieser Seite unser Noqer liegt und es sich so seinem Blicke entzieht.

Ich wei?, da? es sich hier befindet; aber wir k?nnen doch nicht hinein. Sobald wir ?ber Bord wollen, schie?t man uns weg.

Wir gehen eben nicht ?ber Bord. Haben wir nicht einen Kadduhm, ein Balta und auch eine Firraa hier? Die Seiten des Sandal bestehen ?ber dem Wasser aus d?nnem Holze und sind leicht zu durchbrechen. Kein Mensch wird uns in das Boot steigen sehen.

Aber dann, wenn wir davonrudern, sehen und fangen sie uns!

Nein. Du hast ja gesehen, da? der Schnabel des Sandal in das Schilf ragt, gerade da, wo der schmale, offene Kanal durch dasselbe f?hrt. Dorthin fliehen wir. Haltet eure Sachen bereit; denn es mu? sehr schnell gehen! Und nun greift zu den Beilen!

Er selbst nahm die Axt und schlug gegen das d?nne Holz, da? es schon bei dem zweiten Hiebe nachgab. Zwei Homr halfen mit den Beilen, und in Zeit von nicht viel mehr als einer Minute war eine ?ffnung entstanden, gro? genug, einen Mann hindurch zulassen. Sie lag nahe oberhalb der Wasserlinie.

Abu el Mot bog sich hinaus, ergriff den Strick, an welchem das Boot hing, und zog es heran. Er stieg hinaus; ein andrer folgte ihm. Die ?brigen vier reichten erst ihre Sachen hinaus, welche sie nicht zur?cklassen mochten, und kamen dann nach.

Das Boot war ein sechsruderiges. Es wurde losgebunden; die Homr ergriffen die Ruder und schoben sich langsam nach vorn, zwischen der Schiffswand und dem Schilf hindurch, bis sie sich im freien Wasser befanden. Abu el Mot hatte sich an das Steuer gesetzt, um das Boot zu lenken.

Bis jetzt ging alles gut, sagte er. Aber nun kommt die Gefahr. Sobald wir hier vom Sandal absto?en und durch den offenen Kanal fahren, wird man uns von der Dahabi?h aus sehen und auf uns schie?en. Legt euch also so kr?ftig wie m?glich an die Riemen, damit wir schnell aus dem Bereiche ihrer Kugeln kommen. Jetzt vorw?rts! Allah besch?tze uns und verderbe unsre Feinde!

Die Homr senkten die Ruder in das Wasser, zogen an, und das Boot flog vom Buge des Sandal ab in den Kanal hinein.

Infolge der Sch?sse, welche noch von allen Seiten fielen, hatten die Nuehr, welche sich im Sandal befanden, das Ger?usch der Axt und Beilhiebe nicht geh?rt oder nicht beachtet. Sie ahnten nicht, da? sie von ihrem Anf?hrer treulos verlassen werden sollten. Sie wurden darauf, da? er sie ihrem Schicksale ?berlie?, erst durch die Stimme Schwarzens aufmerksam gemacht.

Dieser war hinauf zur Drehbasse gestiegen, um durch einige Vollkugeln die feindlichen Schiffe leck zu schie?en und dadurch die Bemannung zur ?bergabe zu zwingen. Sein Blick fiel ganz zuf?lligerweise nach einer andern Seite, als wohin er den Lauf zu richten hatte, und da sah er das Boot, welches soeben hinter der Spitze des Sandals hervor und in den zwischen dem Schilfe liegenden engen Wasserweg hineinscho?. Sofort die Situation erkennend, beeilte er sich, zu laden. Und ebenso schnell kam ihm der Gedanke, da? er, falls seine Kugel nicht treffe, das Boot mit der zweiten kaum mehr erreichen werde. Darum rief er mit lautester Stimme zum Ufer hin?ber:

Hasab Murat, hallo! Dort entflieht Abu el Mot mit einem Boote. Spring mit deinen Leuten aufw?rts, und gib ihm und den Homr die Kugeln. Schone ihn ja nicht mehr!

Der Genannte hatte die Worte geh?rt und verstanden. Man sah ihn mit allen seinen Leuten fortrennen.

Aber das war f?r Schwarz nicht genug. Er rief dem Sohne der Treue zu:

Abd es Sirr, schnell mit deinen Leuten in euer Boot! Hier am Sandal vor?ber, den Fl?chtigen nach! Stephan Uszkar, nimm f?nf gute Sch?tzen und steige mit ins Boot. Holt ihr Abu el Mot ein, so bringt ihn lebendig oder tot. M??t ihr ihn aber entkommen lassen, so treibt ihn wenigstens an das rechte Ufer hin?ber, und sucht sein Boot zu erwischen. Schnell vorw?rts, schnell!

Das Boot der Niam-niam hing seitschiffs an der Dahabi?h. Die Schwarzen sprangen hinein, der Sohn des Geheimnisses voran. Der Slowak folgte schnell mit der angegebenen Zahl von Soldaten, die er aufgerufen hatte.

Inzwischen war die Drehbasse geladen. Schwarz richtete sie in gerader Linie nach dem fliehenden Boote, sch?tzte mit sicherm Blicke die Geschwindigkeit desselben ab, zielte ein wenig dar?ber hinaus und zog ab. Der Schu? krachte. Den Blick auf das Boot gerichtet, erwartete er die Wirkung. Er hatte vortrefflich gezielt; aber er kannte das Gesch?tz und die Munition nicht genau, und das Zielobjekt war zu klein. Die Kugel schlug hart neben dem Boote, kaum sechs Fu? von demselben entfernt, in das Wasser, welches man hoch aufspritzen sah.

Zugleich war zu sehen, da? die Homr erschraken und ihre Anstrengung verdoppelten. Schwarz lud schnell wieder, zielte und scho?. Die Kugel schlug hinter den Fliehenden ein, rikoschettierte nahe an ihnen vor?ber und sank nach dem dritten Sprunge unter. Der Deutsche versuchte noch einen dritten Schu?, erreichte aber das Boot nicht mehr.

Unterdessen hatten die Niam-niam ihr Boot an dem Buge des Sandal vor?bergeschoben. Es war so schnell bemannt und in Fahrt gesetzt worden, da? es schon bei dem zweiten Schusse Schwarzens den Kanal erreicht hatte und die Jagd begann. Die Niam-niam waren bessere Ruderer als die Araber. Wie unter dem Drucke ihrer Riemen das Boot davonflog, war vorauszusehen, da? sie Abu el Mot einholen w?rden, falls er nicht rechtzeitig sich nach dem Ufer wendete.

Der alte Sklavenr?uber war, als die Kugel neben dem Boote einschlug, in keine geringe Angst geraten.

Rudert, rudert! schrie er auf. Der Hund schie?t mit der Kanone auf uns. Er zielt wie ein Teufel. Macht, macht, sonst sind wir verloren! Wenn er uns trifft, so bekommt das Boot ein Loch, und die Krokodile fressen uns.

Als die n?chste Kugel an ihnen vor?berflog und das Wasser zweimal aufspritzen machte, wiederholte er diesen Ruf, aber als die dritte das Boot nicht erreichte, jubelte er auf:

Hamdulillah! Wir sind gerettet; er kann uns nicht mehr erreichen.

Bald hatten sie das Schilffeld durchfahren, und der Strom lag frei und offen vor ihnen.

Rechts hin?ber! gebot er den Homr. Dr?ckt die Ruder links tiefer ein! Wir landen dort und machen, da? wir schnell zu Abd el Mot kommen. Mit seinen f?nfhundert Mann sind wir diesem fremden Hunde ?berlegen.

Aber kaum hatte er dem Boote die angegebene Richtung erteilt, so tauchte dr?ben Hasab Murat mit seinen Leuten auf. Dieser Mann h?tte sich verbergen und Abu el Mot herankommen und aussteigen lassen sollen, um ihn dann lebendig zu ergreifen, was ihm bei der gro?en Anzahl Asaker, die er bei sich hatte, unbedingt gelingen mu?te. Aber er war zu eifrig, lie? sich sehen und scho? auf das Boot.

Allah! rief der Alte. Da hat der Fremde diese Hunde auf uns gehetzt. Wir k?nnen nicht landen. Aber bald wird der Wald so dicht, da? sie uns nicht folgen k?nnen. Arbeitet, da? wir einen Vorsprung bekommen! Dann gehen wir ans Ufer und sie m?gen hinter uns hersehen.

Er hielt wieder auf die Mitte des Stromes zu, wo ihn die Kugeln der Asaker nicht erreichen konnten. Dadurch erhielten die r?ckw?rts sitzenden Ruderer den Blick auf den Kanal, den sie zur?ckgelegt hatten, und sahen das Boot, welches ihnen nachgeschickt worden war.

Ein Boot, ein gro?es Boot mit vielen Leuten, rief derjenige Homr, der es zuerst gesehen hatte. Man verfolgt uns auch hier, nicht nur am Ufer.

Abu el Mot drehte sich um und beobachtete das Fahrzeug der Niam-niam eine kurze Zeit; dann sagte er:

Die H?lle komme ?ber sie! Sie rudern schneller als wir und m?ssen uns einholen, wenn wir in dieser Richtung bleiben!

So werden wir k?mpfen!

Dummkopf! Was n?tzt uns das? Es sind ihrer viermal so viele als wir. Nein, gek?mpft wird nicht. Es gilt jetzt, das Leben zu retten. Wir m?ssen nach links hin?ber. Wir m?ssen uns anstrengen, das rechte Ufer zu erreichen. Gewinnen wir dasselbe vor ihnen, so sind wir sie los.

Aber das Boot auch!

Das werden sie freilich nicht f?r uns am Ufer lassen.

Aber wie kommen wir dann wieder ?ber den Flu?? Wir m?ssen doch ans linke Ufer zur?ck, wenn wir zu Abd el Mot wollen!

Wir bauen uns ein Flo?. Rudert nur, rudert, und wenn euch das Blut aus den Fingern spritzt! Erreichen sie uns, so sind wir verloren; entkommen wir, dann aber wehe diesen Hunden! Sie sollen mir den heutigen Tag mit tausend Qualen und Schmerzen bezahlen!

Jetzt sah man das Boot der Niam-niam aus dem Kanale hervorschie?en. Die Angst gab den Homr dreifache Kraft. Ihr Fahrzeug flog nur so ?ber das Wasser, welches zum Gl?ck f?r sie hier eine nicht allzu gro?e Breite hatte. Sie n?herten sich schnell dem rechten Ufer; sie erreichten es, ergriffen ihre Sachen und sprangen an das Land, ohne sich erst Zeit genommen zu haben, das Boot anzubinden. Es trieb wieder in den Strom hinaus.

Der Ungar hatte, seinen Elefantenm?rder in der Hand, in der Mitte des Bootes gestanden und die Ruderer flei?ig angefeuert. Jetzt sagte er entt?uscht:

Sie entgehen uns! Da seht, sie springen ans Land! Aber eine Kugel gebe ich ihnen noch!

La? das! meinte der Sohn des Geheimnisses. Du kannst nicht ruhig zielen.

Ich ziele gut. Ich erschie? den Kerl!

Er nahm das schwere Gewehr auf, zielte auf Abu el Mot, welcher eben hinter einen Strauch verschwinden wollte. Die Ruderer, welche mit dem R?cken nach dem Ufer sa?en, blickten sich nach demselben um; sie wollten die Wirkung des Schusses sehen. Dadurch verlor das Boot die Glattheit der Fahrt, es wankte, der Slowak dr?ckte ab, erhielt von dem Gewehre einen R?ckschlag, welcher einer t?chtigen Ohrfeige glich, kam ins Taumeln und st?rzte ?ber Bord.

Einer der mitgenommenen Soldaten war so gl?cklich, den Elefantenm?rder zu erwischen, sonst w?re das Gewehr ins Wasser geschleudert worden. Ein andrer erfa?te ebenso gl?cklich den Scho? des roten Frackes und hielt ihn fest. Man zog an demselben den Kleinen empor, ergriff ihn bei den Armen und hob ihn herein. Aber na? geworden war er durch und durch.

Ich sagte es dir, meinte der Sohn des Geheimnisses gleichm?tig, da? du ihn nicht treffen w?rdest.

Ich h?tte ihn getroffen, wenn ihr nicht geschaukelt h?ttet! antwortete der Ungar, indem er das Wasser, welches ihm in Mund und Nase gekommen war, von sich sprudelte. Wie leicht w?re ich ertrunken oder von den Krokodilen gefressen worden! Was thun wir jetzt? Verfolgen wir ihn am Lande?

Nein, denn wir w?rden ihn doch nicht bekommen. Wir fischen das Boot auf und kehren zur?ck.

So ist er uns f?r immer verloren!

Das glaube ich nicht. Dieser Mann ist voller Wut und Rache. Er wird zu seinen Leuten eilen, welche nach Ombula sind, und sie holen, um uns zu bestrafen. Da kommt das Boot getrieben. Nehmt es auf!

Die Nuehr waren voller Zorn ?ber die Flucht ihres Anf?hrers, der sie in gr??ter Not verlassen hatte. W?re er geblieben, so w?re er es gewesen, ?ber den der Zorn der Sieger sich entladen h?tte; nun aber waren sie demselben in vollstem Ma?e preisgegeben. Sie hatten, seit er entflohen war, keinen einzigen Schu? mehr abgegeben, und ihr H?uptling war der Ansicht, da? es geraten sei, sich zu ergeben und die Sieger nicht durch eine Fortsetzung des Kampfes zu erbittern. Dem Beispiele Abu el Mots zu folgen und in derselben Weise das Weite zu suchen, das war ihnen unm?glich. Es hing keines der Boote mehr so bequem f?r diesen Zweck, und sodann war mit Sicherheit anzunehmen, da? die Feinde nun ihr Augenmerk sehr scharf auf den Kanal richten w?rden.

Diese Vermutung best?tigte sich. Schwarz bemannte ein Boot mit Soldaten und schickte dasselbe um das Vorderteil des Sandal herum, wo es dann im Kanale Posto fassen mu?te. An eine Flucht nach dieser Seite konnte nun nicht mehr gedacht werden.

Der Kampf ruhte jetzt vollst?ndig. Die Sch?sse waren verstummt, und Freund und Feind schienen, bevor etwas Ferneres zu unternehmen sei, die R?ckkehr des zur Verfolgung ausgesandten Bootes erwarten zu wollen. Die Nuehr versuchten, ob sie sich ohne Gefahr zeigen d?rften. Hie und da erschien ein Arm, ein Kopf ?ber dem Rande der beiden Fahrzeuge. Da darauf kein Schu? erfolgte, so folgten andre K?pfe nach, und endlich lie?en sie sich in voller Gestalt sehen.

Schwarz hatte dem Hauptmann den Befehl gegeben, das Schie?en einstweilen einzustellen und erst dann wieder mit demselben zu beginnen, wenn es den Nuehr einfallen sollte, die Feindseligkeiten zu erneuern. Er sa? jetzt noch oben bei der Drehbasse. Pfotenhauer war zu ihm heraufgekommen und unterhielt sich mit ihm ?ber den Verlauf des Gefechtes, welcher durch die Wirkung der Maximkanone so au?erordentlich abgek?rzt worden war.

Glaubens, da? die Schwarzen wieder anfangen werden? fragte er.

Nein, ich glaube es nicht, antwortete Schwarz. Es w?re wahnsinnig von ihnen, es zu thun. Sie m?ssen doch eingesehen haben, da? wir ihnen nicht nur in Beziehung auf die Waffen, sondern auch der Zahl nach ?berlegen sind. Und da Abu el Mot sie verlassen hat, sind sie ?berdies f?hrerlos geworden.

Sie haben ihren H?uptling!

Pah! Dieser Mann wird es wohl nicht wagen, sich mit uns zu messen! Es sollte ihm auch schlecht bekommen. Unsre Asaker verstehen es, mit ihren Gewehren umzugehen. Bei dieser Gelegenheit mu? ich Ihnen sagen, da? ich mich ?ber Sie gefreut habe.

Warum?

Da? Sie so wacker geschossen haben. Sie sind aus dem Feuern gar nicht herausgekommen!

Ja, gschossen hab ich brav. Aber wissens auch, wen und wohin?

Nein.

So will ichs Ihnen sagen. Ich hab halt immer nur nach der Frisur gzielt, a bi?chen h?her als der Kopf. Ich hab gmeint, da? man keinen Menschen ganz derschie?en soll, wann man mit der Frisur auch einen guten Erfolg haben kann. Und wie! lachte der Graue. Sie h?ttens nur sehen sollen! Aber Sie haben so mit dera Kanone zu thun ghabt, da? Sie das gar nit beobachten konnten. Aber habens denn die hohen und gro?en Sch?pfe der Nuehr gar noch nit gsehen? Wissens nit, woraus sie gfertigt werden?

Nein. Ich hatte keine Zeit, in der Gegend der Nuehr so eingehende Studien zu machen. Ich bin schnell hindurchgefahren.

Nun. sie lassen das Haar lang wachsen, streichen es in die H?h und schmieren einen Teig aus Asch und Kuh-Urin hinein, was gegen gwisse Tierchen helfen soll, von denen die Negerk?pfe stets sehr zahlreich bev?lkert sind. Dadurch wird aus dera Frisur eine hohe, kompakte und harte Masse, welche so fest auf dem Sch?del sitzt, da? sie zu demselben zu gh?ren scheint. Wann nun eine Kugel hindurchgschossen wird, so gibt das dem Nuehr einen Schlag, der ihn zu Boden wirft. Er kann da gar wohl meinen, da? ihm die Kugel durch den Kopf gangen ist. Wenigstens ist keiner von allen, die ich mit meinen Kugeln niederpelzt hab, wieder aufgstanden. Vielleicht ist ihnen die Frisur ebenso teuer wie der Sch?del selbst; darum lassens sich lieber gar nit wieder sehen, um sich diesen sch?nen Schmuck nit weiter verschimpfieren zu lassen.

Das ist freilich lustig. ?brigens stimme ich Ihnen vollst?ndig bei, wenn Sie sagen, da? man einen Menschen nur in der h?chsten Not t?ten soll. Es hat mir leid gethan, die Kanone brauchen zu m?ssen; aber es galt, Abu el Mot zu zeigen, da? mit uns nicht zu spa?en ist. H?tte ich das nicht gethan, so w?re der Kampf von viel l?ngerer Dauer gewesen und h?tte auf unsrer Seite bedeutende Opfer gefordert. Lieber sollen drei Sklavenj?ger fallen als einer von unsren Soldaten. Freilich h?tte ich ahnen k?nnen, da? Abu el Mot eine Gelegenheit zur Flucht finden werde, so h?tte ich dem Gefechte sofort dadurch ein Ende gemacht, da? wir ihn und seine f?nf Homr gleich beim Beginn niedergeschossen h?tten. Die Nuehr w?ren dadurch so erschreckt worden, da? sie vielleicht sogleich zu dem Entschlu? gekommen w?ren, sich uns zu ergeben.

Das kann m?glich sein. Sie k?nnen sich denken, wie gspannt ich darauf bin, zu erfahren, ob er entkommen ist oder obs ihn festgenommen haben.

Das letztere bezweifle ich. Wenn sie ihn eingeholt haben, so hat er sich jedenfalls nicht fassen lassen, sondern sich gewehrt. Er ist entkommen oder tot.

Habens das Gesicht gsehen, was er zog, als er Sie erblickte?

Ja.

Das war, als ob ihn der Schlag troffen h?tt. So etwas hat er doch nit vermuten k?nnen, und Ah, was ist das? Schauns, da kommen sie! Sehens nur hinauf! Wissens, was f?r welche das sind?

Es kamen zwei gro?e V?gel ?ber den Flu? geflogen. Trotz der schwierigen, ja gef?hrlichen Lage, in welcher sich die Menschen hier unten, und der Graue mit ihnen, befanden, richtete er seine ganze Aufmerksamkeit hinauf zu den Vertretern seiner Lieblingstierklasse. Er war aufgesprungen und verfolgte ihren Flug mit scharfem Auge, wobei seine Nase sich auch emporrichtete, als ob sie ganz dasselbe lebhafte Interesse wie ihr Besitzer empfinde.