Karl May.

Die Sklavenkarawane





Nur einer war nicht entkommen, n?mlich der dicke H?uptling. Sobald dieser Miene gemacht hatte, davonzulaufen, war er von Schwarz mit starker Hand bei der Haarfrisur ergriffen und festgehalten worden. Er wehrte sich nicht; er wagte keine einzige Bewegung; aber er heulte vor Angst so entsetzlich, da? seine Stimme wohl bis weit ?ber das jenseitige Ufer drang.

Sei still! gebot Schwarz dem Negerh?uptling. Ich thue dir nichts.

Ja schetan, ja schetan, ja schetan el mlih, amahn, amahn, rahmi o Teufel, o Teufel, o guter Teufel, Gnade, Gnade, Erbarmen! zeterte er, indem er weder von der Stelle zu gehen noch sich zu r?hren wagte.

So schweige doch, Bursche! Ich bin nicht der Schetan, sondern ein Mensch wie du. Es soll dir nichts geschehen. Du sollst mir nur einige Fragen beantworten, und dann gehe ich wieder.

So gehe, gehe gleich jetzt; ich bitte dich!

Er sagte das in so angstvoll flehendem Tone, da? Schwarz lachen mu?te. Doch hielt der letztere ihn noch immer fest, um ihn an der Flucht zu verhindern, indem er antwortete:

Ich gehe, doch erst dann, wenn du mir Bescheid gegeben hast. Je schneller du mir Auskunft gibst, desto eher wirst du frei von mir sein.

So frage, frage rasch!

Gut! Aber ich erwarte, da? du mir die Wahrheit sagst. Bel?gst du mich, so binde ich dir H?nde und F??e zusammen und werfe dich als Speise f?r die Krokodile in das Wasser!

Ich schw?re dir zu, da? ich dich nicht bel?gen werde! versprach der Dicke, welcher zitternd zu Boden blickte und noch immer nicht wagte, dem Deutschen in das Gesicht zu sehen.

Wo ist Abu el Mot?

Fort.

Wann?

Eine Stunde vor Sonnenuntergang.

Wer ist mit ihm?

F?nf Araber und die Nuehr, welche sich auf den Schiffen befunden hatten.

Wen hat er hier zur?ckgelassen?

Niemand.

Verschweige mir nichts, sonst bist du verloren! Blieb wirklich keiner von seinen Leuten hier?

Kein einziger.

Wo will er hin?

Dem Feldwebel nach, um ihn zu bestrafen.

Und was beabsichtigt er dann?

Dann will er wiederkommen, und wir sollen ihm helfen, die Seribah neu aufzubauen.

Wo lagert der Feldwebel?

Zwei und einen halben Tagemarsch von hier, am Nile, wo sich der gro?e Maijeh befindet, welcher Maijeh Husan el bahr genannt wird.

Wann wird Abu el Mot dort ankommen?

Er gedachte, ?bermorgen dort zu sein, da er auch des Nachts segeln will; aber ich glaube, da? er l?ngere Zeit braucht.

Warum?

Weil er schon gegen Morgen, vor Anbruch des Tages, an eine Stelle kommen wird, wo man mit gro?en Schiffen am Tage nur sehr schwer und langsam, des Nachts aber gar nicht durch die Omm Sufah kommen kann. Er mu? dort warten, bis es hell wird, und es dauert ganz gewi? eine lange Zeit, bis er wieder in freies Fahrwasser kommt.

Hast du vielleicht geh?rt, ob er bald wieder einen Sklavenzug, eine Ghasuah unternehmen will?

Ja.

Wohin?

Er wollte zu den Niam-niam.

Aber er wird diese Ghasuah nun aufschieben m?ssen, bis die Seribah wiederhergestellt ist. Er braucht ?berhaupt jetzt keine Sklaven zu fangen, denn Abd el Mot wird aus Ombula viele mitbringen.

Wie viele J?ger hat dieser mitgenommen?

F?nfhundert.

Kennst du den Sejad ifjal?

Den Elefantenj?ger? Ja; er war bei uns, gerade als die Seribah brannte.

Wei?t du, wo dieser Mann her ist?

Nein. Niemand wei? es.

Wie ist sein eigentlicher Name?

Den sagt er nicht. Er wird nicht anders als Sejad ifjal genannt.

Hat er dir gesagt, wohin er gehen will?

Nein. Er tauschte bei mir zwei Kamele ein. Als wir fr?h erwachten, war er fort.

Allein?

Ja, denn es war niemand bei ihm.

Und hat sich sonst jemand nach Abd el Mot und Ombula erkundigt?

Ja. Ein Fremder war hier, ein Wei?er, welcher nach diesem Dorfe wollte.

Weshalb?

Das wei? ich nicht. Er verlangte einen F?hrer von mir; aber ich sagte ihm, da? die Belanda unsre Todfeinde seien, und da? man das Leben wage, wenn man sie von hier aus aufsuche. Da ging er fort.

Wohin?

Er hat es mir nicht gesagt; jedenfalls dahin, woher er gekommen ist.

Hast du heute mit Abu el Mot gesprochen?

Ja. Er kam zu uns, und ich mu?te ihm alles, was w?hrend seiner Abwesenheit geschehen war, erz?hlen.

Hast du auch den Elefantenj?ger erw?hnt?

Nein.

Aber doch vielleicht den fremden Wei?en, der einen F?hrer nach Ombula haben wollte?

Auch diesen nicht.

Warum nicht?

Weil es keine Zeit dazu gab, denn Abu el Mot hatte es sehr eilig, weil er fort wollte.

Wie waren die Nuehr bewaffnet?

Einige von ihnen hatten Gewehre, die andern aber nicht.

Hast du sie alle gesehen?

Ja, denn ich war mit hier, als sie am Land waren und dann wieder einstiegen.

Wie viele Flinten waren ungef?hr vorhanden?

Nicht ?ber zwanzig. Die ?brigen hatten Pfeile, Spie?e, Messer und Schilde von Dschild husan el bahr.

Aber Abu el Mot selbst und die f?nf Araber waren gut bewaffnet?

Sie hatten Gewehre, Pistolen und Messer.

Wie stand es mit dem Pulver?

Es war nur so viel davon vorhanden, wie sie in den Kuruha el barud bei sich hatten. Dar?ber war Abu el Mot sehr zornig, denn der Feldwebel hat den ganzen Vorrat mitgenommen. Auch Blei zu den Kugeln fehlte.

So! Ich danke dir! Das ist es, was ich wissen wollte.

Kann ich nun gehen?

Du brauchst nicht zu fliehen, sondern du kannst unbesorgt bleiben, es wird dir nichts geschehen. Damit du erkennst, da? ich es nicht b?s mit dir meine, will ich dir einen Abu Noktah schenken. Hier hast du ihn!

Erst jetzt lie? er die Hand von dem Schopfe des Dicken, zog den Beutel aus der Tasche und gab ihm einen Mariatheresienthaler. Das war das richtige Mittel, dem Neger Vertrauen einzufl??en. Er wagte es, an der hohen Gestalt des Deutschen bis zum Gesicht desselben emporzublicken und fragte:

Herr, soll dieser Abu Noktah wirklich mein sein?

Ja.

Dann bist du wirklich kein Schetan, sondern ein sehr wohlth?tiger Mensch. Du bist g?tiger und verst?ndiger als der fremde Wei?e, welcher mir Geld versprach und doch nur armselige Perlen gab. Ich sehe ein, da? ich mich vor dir nicht zu f?rchten brauche.

Ja, rufe oder hole deine Leute wieder her und fische ruhig fort. Ich gehe jetzt. In kurzer Zeit wirst du drei Schiffe hier vor?berfahren sehen; aber auch vor diesen brauchst du dich nicht zu ?ngstigen. Sie werden nicht anhalten.

Schiffe? Wem geh?ren sie? Wo kommen sie her, und wo wollen sie hin? Vielleicht zu einer Sklavenjagd?

Nein. Es befinden sich keine Sklavenj?ger sondern nur gute Menschen auf denselben!

Und werden sie wirklich nicht hier halten?

Nein. Verlasse dich auf mein Wort. Gute Nacht!

Er lie? ihn stehen und trat in das Dunkel des Waldes zur?ck. Seine beiden Begleiter hatten von dem nahen Baume aus, unter welchem sie verborgen gewesen, die Unterredung angeh?rt. Als er nun mit ihnen nach dem Boote ging, bemerkte der Sohn der Treue:

Effendi, jetzt erkenne ich, da? ich nicht klug gewesen bin, als ich vorhin mit dem Dschur sprach.

Inwiefern?

Ich habe nur nach Abu el Mot gefragt, nicht aber nach den andern n?tigen Dingen, die du jetzt erfahren hast. Nun wissen wir alles.

Ja, ich wei? nun freilich viel, viel mehr, als ich erfahren zu k?nnen glaubte. Es war ein Gl?ck, da? diese Leute sich hier befanden.

Sie hatten das Boot erreicht, stiegen ein und ruderten zur?ck. Aber die Strecke, welche sie zu fahren hatten, war nicht gro?, denn schon nach kurzer Zeit sahen sie das Licht der Dahabi?h und dann auch diejenigen der beiden Noqer erscheinen. Um Hasab Murat zu unterrichten, lie? sich Schwarz zun?chst an das Schiff desselben und dann erst nach der Dahabi?h rudern. An Bord gestiegen, gab er dem Re?s die n?tigen Befehle.

Am Bug der drei Schiffe brannten gro?e Feuer, um das Fahrwasser zu erleuchten. In dem Scheine, welchen sie auf den Strom warfen, sah man h?ufig Fische emporschnellen. Der Wind war von Anfang an stets g?nstig gewesen und war es noch jetzt. Er spielte mit der Flamme dr?ben am Ufer, an welchem man die Dschur stehen sah, welche mit ihren Blicken die vor?berpassierenden Schiffe verfolgten.

Oft, wenn man eine Kr?mmung des Flusses erreichte, wurde der Wind von der vorspringenden Uferspitze aufgefangen, und die Segel fielen schlaff zusammen. Sp?ter, gegen Mitternacht, schlief der Luftstrom pl?tzlich ein, ohne wieder zu erwachen. Das war fatal, und es gab dabei nur den Trost, da? Abu el Mot unter derselben Flaue zu leiden hatte und also auch nicht vorw?rts kommen konnte.

Jetzt fehlt nix als a Remorqueur, der uns von dannen schleppt, sagte der Graue zu Schwarz. Wanns nur wenigstens Tag w?r, da? wir uns am Zugseil schleppen lassen k?nnten, wo das Ufer dazu pa?t. Wie weit ist denn eigentlich Abu el Mot vor uns?

Er ist eine Stunde vor Sonnenuntergang von der Seribah abgesegelt. Zwei Stunden sp?ter kamen wir dort vor?ber; also betr?gt sein Vorsprung nur drei Stunden.

So holen wir ihn morgen ein.

Ganz gewi?.

Und was gedenkens da zu thun? Ihn anzugreifen?

Ja.

Mein Plan w?r ganz anders.

Wie denn?

Ich lie? ihn ruhig voraus bis zum Lager des Feldwebels. Dort w?rden sich die beiden einander umbringen, denn ohne Gegenwehr wird sich der Abtr?nnige wohl nit ergeben, und wanns sich dann halb derw?rgt haben, fallen wir ?ber sie her.

Diesen Gedanken habe auch ich gehabt, aber er taugt nichts.

Was? Er taugt nix? Das ist kein gro?es Lob und Kompliment f?r mich!

?berlegen Sie sich die Sache; dann werden Sie finden, da? ich recht habe.

Das seh ich nit so schnell ein. Wanns vorher Abu el Mot angreifen, so m?ssens nachher extra noch den Feldwebel ?berfallen. Das kann doch lieber gleich mit einem mal abgmacht werden.

Da? ich ein Thor w?re! Mit unsern drei Schiffen und vierhundertf?nfzig Mann sind wir Abu el Mot ?berlegen. Er hat wenig Gewehre und fast kein Pulver, w?hrend wir mit beidem wohl versehen sind. Wir k?nnen also, wenn wir ihn auf dem Flusse fassen, kurzen Proze? mit ihm machen, ohne bef?rchten zu m?ssen, gro?e Verluste zu haben. Lassen wir ihn aber bis zum Maijeh kommen, so gelangt er zu Blei und Pulver, und wenn er in allem auch kaum drei?ig Gewehre zusammenbringt, so ist das ganz hinreichend, ein halbes Hundert von uns oder gar noch mehr zu t?ten. Das will ich vermeiden.

Hm! Daran habe ich freilich noch nit gdacht.

Und noch eins. Auf dem Flusse haben wir ihn so, da? er uns nicht entkommen kann. Lassen wir ihn aber landen, so herrscht bei mir zwar gar kein Zweifel dar?ber, da? wir ihn besiegen, aber es ist mit gr??ter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, da? er flieht, sobald er seine Sache verloren sieht. Was nun dann? Ich will ihn fangen; ich mu? ihn pers?nlich haben, um ihn dem Mudir von Faschodah zu schicken.

Sehr richtig! H?rens mal, Sie sind doch aan andrer Kerl als ich! Auf meine Fachwissenschaft versteh ich mich schon gut, aber mit dera Strategie, da th?t es wohl gwaltig hapern. Sie h?tten Offzier werden sollen. Vielleicht w?rens jetzt schon Oberst oder gar noch mehr!

Danke! Ich habe meine Pflicht als Soldat gethan; im ?brigen bin ich mit meinem Civilberufe ganz zufrieden.

So! Also Soldat sinds gwesen? Ich nit.

Doch nicht als unterm??ig oder zu schwach? Sie haben ?ber die erforderliche L?nge und sind wohl auch gesund gewesen.

Gesund wie der Fisch im Wasser, und auch lang gnug. Ich hab ganz gwi? glaubt, da? man mich nehmen wird, und doch bin ich loskommen.

Aus welchem Grunde denn?

Das fragens mich? Sehens das denn nit?

Nein, antwortete Schwarz ganz aufrichtig, indem er die Gestalt Pfotenhauers mit einem pr?fenden Blick ?berflog.

Sie haben halt keine Augen! Freilich, der Grund, um den sichs ghandelt hat, ist auch mir sehr sonderbar vorkommen, aber meine Verwunderung hat nix dran ?ndern k?nnen. N?mlich als ich bei dera Milit?rkommission erschienen bin, so haben die Herren erst mich angschaut, dann sich angschaut, nachher wiederum mich und wiederum sich, und endlich sinds in a Gel?chter ausgbrochen, welches gar nicht hat enden wollen. Ich hab dagstanden wie der Milchbub, der den Topf zerbrochen hat, und mein Gsicht wird wohl nit allzu klug dreingschaut haben, denn sie haben immer wieder von Neuem glacht, bis endlich der Vorsitzende, welcher Major gwesen ist, aufstand, zu mir herankam, mich im Gsicht gestreichelt und freundlich zu mir gsagt hat, da? ich gehen kann und f?r immer frei bin.

Aber den Grund, den Grund! Hat er Ihnen den nicht genannt?

Freilich hat er ihn mir gnannt. Er hat den Zollstab vom Tisch genommen und drei Viertelstunden lang mit dem selbigen an meiner Nas herumgarbeitet. Dann hat er gsagt: Es geht nit; es geht wirklich nit; es geht beim besten Willen nit! Dieser Rekrut th?t seinem Vordermann mit dera Nas das Gnick einsto?en! Und doppelten Abstand nehmen wegen ihm, das kann man auch nicht thun; er br?cht das ganze Regiment aus dem Augen rechts, richtt Euch! heraus. Und wann er rechtsumkehrt machen mu?, so dauert es drei volle Stunden, eh er die Nas herumbringt. Wir m?ssen ihn laufen lassen. So hat der Major gsagt, und folglich hab ichs nur meiner Nas zu verdanken, da? ich Anno sechsundsechzig oder siebzig nit mit derschossen worden bin.

Er erz?hlte das mit einem so vergn?gten Lachen, da? Schwarz in dasselbe einstimmte.

Da lachens auch? fuhr er fort. Damals ist mirs freilich nit wie lachen gwesen, denn ich hab mich f?r einen Mordskerl und Adonis ghalten. Heute aber la? ichs gelten. Ich hab meine Nas und bin mit ihr zufrieden, zumal ich ?berzeugt bin, da? aus mir kein gro?er Kriegsheld gworden w?r. Das seh ich eben jetzt grad ein, wo Ihr Plan zehnmal kl?ger ist, als der meinige war. Ja, wir m?ssen Abu el Mot zu Schiff angreifen. Er wird sich wundern, wann er die Kanone donnern h?rt. Aber habens denn jemand, der sie zu behandeln versteht?

Ja. Es ist ein Mann, auf den ich mich in dieser Beziehung verlassen kann.

Wer?

Ich selbst.

Sie? Auch mit Kanonen k?nnens schie?en? Sie scheinen grade zu alles glernt zu haben!

Wenn auch das nicht, aber ein Gesch?tz wei? ich zu laden, zu richten und auch abzufeuern. Ich war Einj?hriger bei der Artillerie.

So! Dann will ichs glauben. Ich aber versteh von dera Artillerie soviel wie nix. Ich glaub, ich stellt mich vor den Lauf, wenn ich abdr?cken sollt. Doch weiter jetzt mit unserm Plan! Was werdens denn thun, wann wir Abu el Mot und auch den Feldwebel haben?

Die Antwort ist sehr leicht zu geben. Wir bleiben am Maijeh, wo jetzt der Feldwebel lagert, und warten, welchen Ausgang die Ghasuah nach Ombula nimmt. Mag dieser Zug gelingen oder nicht, so mu? Abd el Mot zur?ck und also in unsre H?nde fallen.

Und Ihr Bruder?

Den mu? ich freilich einstweilen seinem Gl?ck und Geschick ?berlassen. Was k?nnte ich sonst thun? Ihm etwa nacheilen?

Nein, denn wir wissen ja gar nit, wo er zu finden ist.

Er ist der Spur Abd el Mots gefolgt und wird gewi? auf derselben zur?ckkehren. Treffen m?ssen wir ihn also auf jeden Fall, wenn ihm nicht unterwegs ein Ungl?ck zugesto?en ist, was leider auch im Bereiche der M?glichkeit liegt.

Ich hoff auf gutes Gelingen, denn er befindet sich in guter Gsellschaft.

So hat der Elefantenj?ger Ihnen gefallen?

Ja. Er ist gwi? kein gew?hnlicher Mann und mu? viel erfahren und erlebt haben. Auch hat er klug und ?berlegen gnug ausgschaut, so da? ich ihm gern zutrau, da? er sich nit ?bereifrig in Gefahr begibt.

Ich kann den Gedanken nicht los werden, da? er zu dem Sohne des Geheimnisses in Beziehung steht. Wenn unser Vorhaben in allen St?cken gelingt, werden diese beiden einander sehr bald wiedersehen, und dann mu? es sich finden, ob meine Ahnung die richtige ist. Doch, sehen Sie dort den Vater der elf Haare! Er blickt best?ndig her, als ob er mir etwas sagen wolle. Ich werde ihn einmal fragen. Ich wei?, da? er nur Ihretwegen nicht herkommt.

Gehens nit hin, sondern bleibens da, und rufens ihn her! Wann ich nit mit ihm zusammentreff, kann ich den Fehler, den ich begangen hab, nit gutmachen.

Schwarz winkte dem Slowaken, und so sah dieser sich gezwungen, zu ihm zu kommen. Auf die Frage, ob er vielleicht ein Anliegen habe, antwortete er:

Ich hatt wirklich eine Bitte, ergebenste. Wir hatt gesprochte von Wind, entschlummertem, und von Fahrt, langsamiger. Wenn wir gewollte kommen an Abu el Mot, vorausigem, so mu? fahrte Schiff mit Schnelligkeit, gr??erer. Darum wir hatt beschlie?te, da? wir aussetzte Boote, alle vorhandene, sie spannte vor Schiff, m??igg?ngerisches, und ruderte es vorw?rts mit Eile, zufriedenstellen der.

Ach so! Du machst den Vorschlag, die Boote vorzuspannen?

Ja, alle!

Ich habe schon daran gedacht. Boote w?ren ja da. Die Dahabi?h hat au?er der Feluka noch ein kleineres Boot; jeder Noqer hat zwei K?hne und au?erdem ist das gro?e Boot der Niam-niam vorhanden. Aber ich habe den Befehl nicht geben wollen, weil ich nicht glaube, die Leute so anstrengen zu d?rfen.

Leute haben gesprochte davon. Sie wollte stellen Freiwillige, hinreichende. Hatt mich gebeten, zu meldente es Effendi, kommandieren dem.

Also hat man sich freiwillig zum Rudern erboten? Das ist mir sehr lieb. Zwingen wollte ich niemand. Da du der Beauftragte dieser Freiwilligen bist, so sage ihnen, da? ich ihren Wunsch erf?llen werde. Ich ernenne dich zu ihrem Chef. Rufe sie zusammen!

?ber das pockennarbige Gesicht des Kleinen glitt der Ausdruck freudiger Genugthuung. Er warf einen stolzen Seitenblick auf den Grauen und sagte:

Wenn ich seinte Chef, installierter, so hatt ich zu kommandierte Compagnie, freiwillige?

Ja, nickte Schwarz. Du bist ihr Oberst, doch unter meinem Befehle.

Ich wernte machte ein Oberst, t?chtiger. Ich hatt schon stets besitzte Eigenschaft, geeignete, zu kommandierte Compagnie und Bataillon mit Leichtigkeit, milit?rischer. Und da ich hatt Frack, sch?nen und roten, so werd ich erf?llte Pflicht, meinige, mit Aplomp, ausgezeichnetem. Zu Befehl, Effendi!

Er legte die zwei Finger salutierend an seinen Federturban und stolzierte steif wie ein Storch und erhobenen Hauptes von dannen.

Nun ist er zufriedengstellt, lachte Pfoten Hauer. Auch eine Ansicht! Weil er einen roten, sch?nen Frack hat, h?lt er sich f?r geeignet, ein Bataillon zu kommandieren!

O, tragen Sie keine Sorge um ihn! Ich bin ?berzeugt, da? er die Ruderer zusammennehmen und anfeuern wird, da? es eine Lust ist. Passen Sie auf!

Der Kleine brachte nach wenigen Minuten gegen drei?ig Soldaten herbei, welche gelernt hatten, ein Ruder zu f?hren; diesen schlossen sich die Niam-niam an, und der Sohn des Geheimnisses und der Sohn der Treue meldeten sich zum Steuern. Die Feluka und das zweite Boot wurden hinabgelassen und bemannt; man hing sie ebenso wie das Boot der Niamniam an ein Tau, welches an das Vorderteil der Dahabi?h befestigt wurde, und dann setzten sich f?nfzig Arme in Bewegung, das Schiff, welches nun nur noch mit Hilfe der Sto?stangen bewegt worden war, in schnellern Lauf zu bringen.

Kaum wurde das von den Noqers bemerkt, so ert?nte die Stimme des Schnarchers durch die Nacht:

Ja radschal, flajik linahr auf, Ihr M?nner, die Boote ins Wasser! Arbeitet, macht, macht! Soll die Dahabi?h uns zum Gel?chter machen? Schnell eilt, ihr S?hne, ihr Gelobten, Ihr Flei?igen! Oder wollt ihr schlafen, ihr S?hne von Hunden, ihr Taugenichtse!

Bald hatten sich die Boote auch vor die beiden Noqer gespannt, und nun gingen die Schiffe schneller vorw?rts, wenn auch nicht so, als wenn sie von einem guten und g?nstigen Wind getrieben worden w?ren. Die Ruderer, deren Arbeit eine sehr anstrengende war, wurden in zwei Wachen geteilt, welche einander st?ndlich abl?sten.

Im vordern Boote sa? der Ungar, dessen hochroter Frack im Scheine des Bugfeiers leuchtete. Seine Stimme war stets zu h?ren; seine bewegliche Zunge ruhte keinen Augenblick, und es klang gar sonderbar, wenn er wieder und immer wieder kommandierte:

Tabor, lakuddam, lakuddam! Kull el ordi, biladschel, mudschtahid, mudschtahid Bataillon vorw?rts, vorw?rts! Ganzes Armeekorps, schnell, flei?ig, flei?ig!

So ging es durch die ganze Nacht. Als Schwarz nach kurzem Schlafe fr?h aufstand, meldete ihm der Re?s, da? man mit den Ruderern zufrieden sein k?nne. Sie befanden sich jetzt wieder an Bord, denn mit der Sonne hatte sich ein neuer Wind erhoben, welcher die Segel pr?chtig schwellte und die bisherige Nachhilfe unn?tig machte. Die Leute, welche sich w?hrend der Nacht so sehr angestrengt hatten, lagen jetzt unter ihren Decken, um die vers?umte Ruhe nachzuholen.

W?hrend Schwarz mit dem Vater des Storches beim Kaffee sa?, kam der Sohn des Geheimnisses zu ihnen und bat in bescheidenem Tone:

Effendi, erlaube mir, dich auf etwas, was du vielleicht vergessen k?nntest, aufmerksam zu machen!

Nun? fragte Schwarz.

Du hast in den letzten Stunden geschlafen und wei?t also nicht, wie weit wir vorw?rts gekommen sind. Auch kennst du den Flu? noch nicht, und so mu? ich dir sagen, da? wir gleich die Schilffelder erreichen werden, von denen gestern abend der Schech der Dschur sprach. Vor diesem Omm Sufah hat Abu el Mot ganz sicher liegen bleiben m?ssen. Er konnte erst mit Aufgang der Sonne weiter, und auch das nur sehr langsam, da er seinen Schiffen das Schilf aus dem Wege r?umen mu?; darum ist es gewi?, da? wir ihm nahe sind.