Karl May.

Die Sklavenkarawane





Ich hatt fangte mit Herrn Wagner schon sehrrr oft so Fisch, gro?m?chtigen. Es hatt gegebte Menschen, welche wollte sein von Gelehrsamkeit, gro?artiger, und wi?te doch nicht vielleicht, wie hei?te Fisch, dieseriger.

Es war klar, da? er Gelegenheit suchte, dem Grauen zu imponieren. Dieser blickte von ihm weg und that so, als ob er seine Anwesenheit gar nicht bemerke; Schwarz aber antwortete gutm?tig:

Nun, wie hei?t dieser Fisch?

Sein Name seinte Wels; er geschmeckte Delikatesse, wenn noch klein und jung; wenn ganz und garrr klein, er seinte zart wie Karpfen, heimatlicher.

Du scheinst ein gro?er Ichthyolog zu sein?

Ich warrr stets einer geweste, Ichthyolog und Phrenolog, ber?hmter.

So! Dann sag uns doch einmal, was ein Ichthyolog ist!

Das seinte Kenner von Gehirn, menschliches.

Und Phrenolog?

Das warrr geweste Kenner von Fisch, fl?ssigem.

Aber, mein Lieber, das ist gerade verkehrt! Ichthyologie ist die Lehre von den Fischen und Phrenologie die Lehre vom Bau des Gehirnes.

Das wird seinte ganz egal! Warum soll habte stets nur ich unrecht, immerw?hrendes? Konnte sich nicht irren auch Mensch, andrer? Besitzte Fisch nicht auch Gehirn, inwendiges. Wernte also sein Ichthyologie und Phrenologie Das und Einselbiges!

Da war es mit der Geduld Pfotenhauers zu Ende. Er sprang auf und rief:

Schweig, Kerl, sonst fall ich augenblicklich in s?mtliche Ohnmachten! Solchen Unsinn zu h?ren, das treibt einem ja den ganzen Haarwuchs in die Alpen! Was mu? ich wohl verbrochen haben, da? ich diese Art von Straf ausstehen soll? Erstens dieses Wendehalsdeutsch, sodann diese wahnsinnige Verwechselung der Worte und Begriffe, und dann endlich gar, was das Allerbeste bei dera Gschicht ist, die Unverfrorenheit, mit welcher dieser Patenthottentott den Unsinn vorbringt und sich f?r klug und weise h?lt! Wenns in dem guten Ungarn noch mehr solche Kerle gibt, so m?gens nur gleich in die Donau springen und sich mit Stumpf und Stiel vers?ufen, sonst ists um ?sterreich gschehen. Latein will der Mensch verstehen? Der kann ja nit mal den Frosch von der Gans unterscheiden! Lauf, Bursch, lauf, da? du fortkommst, mir schnell aus den Augen! Wannst nit gleich gehst, so stopf ich dich in meine Tabakspfeif und blas dich hinaus in alle Welt, du Homunkulus, winziger!

Er war ganz im Ernste zornig geworden. Er stand in drohender Haltung da, und seine Nase unterst?tzte ihn auf das Kr?ftigste, indem sie sich schnaubend auf und ab bewegte.

Aber der Kleine kannte keine Furcht. Er wich nicht, sondern blickte ihm fest in das Gesicht. ?ber die ganze Rede des Grauen hinweggehend, hielt er nur das eine Wort Homunkulus fest, welches er jedenfalls auch einmal aus dem Munde Wagners, seines fr?heren Herrn, geh?rt hatte.

Was hatt sie gesagte? fragte er. Ich soll verfl?chtete vor Person, Ihriger? Das fallte mir nicht in Kopf, meinigen! Ich hatt erschie?te L?wen, raubtierlichen, und werd also nicht f?rchten Mensch, unh?flichen! Wenn Sie gewollte schimpfte Ehre, meinige, so gem??te Sie w?hlen Wort, andres! Homunkulus seinte nicht Schimpf, beleidigender.

Ich hatt w??te sehrrr genau, was bedeutet Homunkulus. Ich hatte dazu sogarrr gelernte, was hei?t Ranunkulus!

So! Dann einmal heraus damit! Was ist denn Homunkulus? Ich bin begierig, was da wiederum f?r Unsinn aus dera Th?r fallen wird.

Es wernte nicht sein Unsinn, l?cherlicher, denn ich hatt studiumtierte Gelehrsamkeit, pflanzliche. Homunkulus hatt hei?te Hahnenfu? in Sprache, deutscher.

Ah, das ist gut! Und Ranunkulus?

So wernte genannt ein Mensch, kleiner und elendiger.

Aber, das ist ja abermals verkehrt! schrie der Graue ganz emp?rt. Umgedreht ist es richtig! Du bist a Gsch?pf, bei dem das Fell nach innen und das Fleisch nach au?en schaut. Soll ich dich etwa mal umwenden, du Homunkuranunkulus? Lust h?tt ich alleweil sogleich dazu!

Ich bedankte sehrrr! Bei mir hatt nicht bed?rfte Umwendung, herausw?rtsige. Ich hatt befindete mich in Zustand, normaligem; aber ich kann nicht w??te, ob sich erweiste Zustand, Ihriger, als stilltezufriedener oder regeltezuwidriger. Gleich als Sie mich hatt getreffte an Abend, gestrigem, warrr Sie geweste von Manier, beleidigender. Sie scheinte nicht k?nnen lieben Person, meinige; darum ich werte halten zur?ck mich in Entfernung, vornehmer und reservierter!

Er machte dem Grauen eine tiefe Verbeugung und schritt stolz davon. Das brachte diesen wieder zu sich. Sein Zorn war mit einem mal verschwunden; er erfa?te die Sache in ihrer ganzen Komik und brach in ein herzliches Lachen aus, in welches Schwarz einstimmte, indem er sagte:

So ists recht, bester Nazi! Ich begreife keinen, der sich ?ber diesen Patenthottentotten, wie Sie ihn nannten, ?rgert.

Und so ists auch von Ihnen recht, antwortete Pfotenhauer. Bester Nazi! Das la? ich mir gfalln; so will ichs habn! Und ?rgern werd ich mich ganz gwi? nit mehr. Wie dieser Mensch nur auf den Bl?dsinn kommen ist?

Er war jahrelang der Diener des bekannten Matthias Wagner. Er hat diesem sammeln helfen und dabei eine Menge wissenschaftlicher Ausdr?cke und Benennungen geh?rt. Da sein Ged?chtnis leider, n?mlich nur f?r diesen Fall leider, ein sehr gutes ist, so hat er diese Worte und Namen alle behalten; aber sie liegen wirr und bunt durcheinander in seinem Kopfe aufgestapelt, und so zieht er, wenn er eins davon erwischt, gleich ein ?hnlich klingendes mit hervor, welche beide er dann in der Regel miteinander verwechselt. Ich habe Ihnen das ja schon erkl?rt und Sie dabei gebeten, ihn reden zu lassen. Sein Mischmasch ist doch nicht nur ungef?hrlich, sondern sogar belustigend. Erst zwar f?hlte auch ich mich bel?stigt; jetzt aber lasse ich ihn nicht nur gew?hren, sondern ich bringe ihn in m??igen Stunden sogar mit Absicht darauf, mir sein angebliches Wissen auszukramen.

Werds auch so machen!

Das d?rfte Ihnen nun nicht leicht werden. Er hat Ehrgef?hl und wird sich, wie er ja auch sagte, m?glichst fern von Ihnen halten. Dadurch kommen Sie um den Genu?, den er mir bereitet.

W?hrend dieser Scenen und Gespr?che hatte Schwarz sein Fernrohr in der Hand gehabt und mit Hilfe desselben wiederholt die beiden Ufer betrachtet, um zu erfahren, ob Abu el Mot w?hrend der Nacht am Ufer angelegt habe. Hatte dieser die Fahrt unterbrochen, so mu?te das in der Gegend gewesen sein, welche man jetzt passiert hatte. Dreihundert Nuehrs h?tten mehr als nur eines Lagerfeuers bedurft, und die betreffende Stelle mu?te unbedingt durch das Rohr in das Auge fallen. Aber es war keine Spur einer Lagerst?tte zu sehen.

Schwarz kam also zu der ?berzeugung, da? der Sklavenj?ger die ganze Nacht hindurch gefahren sei, und so galt es, es ihm an Eile wenigstens gleich zu thun. Es beruhigte ihn freilich, von dem Grauen zu erfahren, da? die Schiffe Abu el Mots nicht so gut gesegelt seien, wie die Dahabi?h mit den beiden Noqer; aber es galt ja einen ganzt?gigen Vorsprung einzuholen, was innerhalb zweier Tage unm?glich geschehen konnte, wenn der Feind sich nicht wenigstens eine Nacht am Ufer verweilt hatte.

Es kam die Zeit zum Sonnenuntergangsgebete und dann auch die der Abendandacht. Nach dem Essen zog Schwarz sich mit dem Grauen in die Kaj?te zur?ck. Sie krochen in ihre Moskitonetze, mit denen Schwarz f?r sich und seine Soldaten reichlich versehen war, und legten sich zur Ruhe. F?r den Neuling ist eine Nacht auf dem Nile verleitend genug, ihn wach zu erhalten; die beiden aber kannten diesen durch die Stechfliegen verschm?lerten Genu? zur Gen?ge.

Sie erwachten schon am fr?hen Morgen und erfuhren von dem Sohne des Geheimnisses, da? die Schiffe auf kein Hindernis gesto?en seien und eine t?chtige Fahrt gemacht h?tten. Bisher war der Slowak fr?h der erste gewesen, den Effendi zu begr??en; heute lie? er sich nicht sehen; er wollte, so lange der Graue sie mit Schwarz teilte, nichts von der Kaj?te wissen.

Der heutige Tag verging langsam, ohne etwas Neues zu bringen. Einmal kam Hasab Murat an Bord der Dahabi?h, um sich mit Schwarz zu unterreden. Das war die einzige Unterbrechung, welche es gab. Die folgende Nacht wurde auch fortgesegelt. Das wurde nur dadurch erm?glicht, da? es hinreichend freies Fahrwasser gab und die Matrosen so von den Asaker unterst?tzt wurden, da? sie sich in zwei einander abl?sende Wachen teilen konnten.

Gegen Abend war Tolo aus seinem lethargischen Schlafe, welcher von ganz vorteilhafter Wirkung gewesen war, erwacht; die Aufregung seiner Nerven hatte sich vollst?ndig gelegt er war gesund, wor?ber sich niemand so sehr wie sein Schicksalsgenosse Lobo freute, dessen Wunden sich im besten Zustande befanden.

Auch der Vormittag des n?chsten Tages verging ohne ein erw?hnenswertes Ereignis. Nun aber war man der einge?scherten Seribah so nahe gekommen, da? es galt, vorsichtig zu sein. Es galt, zu rekognoscieren, wozu sich niemand so gut wie der Sohn des Geheimnisses und sein Freund, der Sohn der Treue, eignete, da sie so viele Male dort gewesen waren und die Gegend ganz genau kannten. Sie zeigten sich, als Schwarz sie darum befragte, sofort bereit dazu.

Man hatte, als man die Seribah Madunga verlie?, das Boot, auf welchem der Graue mit den Niam-niam gekommen war, ins Schlepptau genommen. Es wurde mit denselben Ruderern wieder bemannt, und dann stie? es mit ihnen und den beiden J?nglingen von der Dahabi?h ab, um, von vierzig ausgeruhten, starken Armen getrieben, den drei Schiffen voran zu eilen. Der Sohn des Geheimnisses hatte so genau Instruktion erhalten, da? auf ein Gelingen fast mit Sicherheit zu rechnen war. Seiner Berechnung nach mu?ten die Schiffe zur Zeit des Aschia, des Abendgebetes, bei Einhaltung der bisherigen Geschwindigkeit die Seribah erreichen. Darum lie? Schwarz die Leute jetzt noch flei?ig an den Staken oder Sto?stangen arbeiten, welche Hilfeleistung sie erst dann einstellten, als der Sonnenuntergang nahe war.

Als es dann zu dunkeln begann, postierte Schwarz selbst sich an den Bug seiner noch immer voransegelnden Dahabi?h, um nach dem verabredeten Zeichen auszuschauen. Aber noch bevor die Gegend erreicht wurde, in welcher es hatte gegeben werden sollen, kamen diejenigen, denen es aufgetragen war, selbst zur?ck. Sie legten an der Seite an und kamen an Bord. Schwarz z?hlte sie und sah zu seiner Freude, da? keiner fehlte. Da? sie gegen die Verabredung zur?ckkehrten, konnte Schlimmes bedeuten, aber auch ein gutes Zeichen sein. Darum war er sehr gespannt, den Bericht der Freunde zu h?ren.

Erschrick nicht, Effendi, beruhigte ihn der Sohn des Geheimnisses; es ist alles gut gegangen.

Hat euch niemand bemerkt?

Uns konnte kein Auge sehen, so gut hatten wir uns am Ufer versteckt. Ich durfte nicht nach der Seribah, weil die Dschur mich vor einigen Tagen dort gesehen hatten. Falls sie mich heute schon wieder erblickten, mu?ten sie Verdacht sch?pfen. Darum ging der Sohn der Treue allein nach der Seribah, und er ist dort nur von einem einzelnen Dschur gesehen worden.

Aber also doch gesehen worden, und das mu?te vermieden werden.

So hattest du freilich befohlen; aber wir fanden es ganz anders, als du gedacht hast, und so mu?ten wir auch anders handeln.

Dieser Dschur wird es Abu el Mot verraten!

Nein; das kann er nicht, denn Abu el Mot ist nicht mehr dort.

Nicht? Ist er den Aufr?hrern nach?

Ja.

Mit wieviel Leuten?

Mit allen. Die Seribah liegt so verlassen da, wie er sie gefunden hat. Nur der eine Dschur suchte in den Tr?mmern, ob er vielleicht noch etwas finde, was er brauchen k?nne.

Da ging ich zu ihm hin, fuhr der Sohn der Treue fort, um mich bei ihm zu erkundigen. Ich lief gar keine Gefahr, denn es war noch heller Tag, und ich konnte also weit um mich sehen. Ich sagte ihm, da? ich von der Helle Melan gekommen sei, um mich von Abu el Mot anwerben zu lassen, und er antwortete mir, da? ich nur gleich wieder umkehren k?nne, da mein Wunsch nicht zu erf?llen sei.

Du fragtest ihn doch aus?

Ja. Es war ein geschw?tziger Alter, welcher gar nicht auf meine Fragen wartete, sondern mir fast ganz von selbst alles sagte und erz?hlte, was ich wissen wollte.

Was hast du da erfahren?

Folgendes: Die f?nfzig Aufr?hrer liegen mit den fortgef?hrten Waren und Herden zwei und eine halbe Tagereise oberhalb der Seribah am rechten Ufer des Niles. Dort wollen sie die R?ckkehr Abd el Mots erwarten, seine Leute zum ?bertritt bewegen, ihm alles abnehmen und ihn vielleicht t?ten.

Haben sie das denn den Dschur gesagt, ehe sie fortzogen?

Nein.

Wie k?nnen dann diese es wissen?

Durch einen Unteroffizier, welcher zur?ckgekehrt ist, um auf Abu el Mot zu warten und es ihm zu sagen. Dieser Mann hat seinem Gebieter treu bleiben wollen, ist aber von dem alten Feldwebel und den andern gezwungen worden, mitzugehen. Er als der einzige gegen F?nfzig hat gehorchen m?ssen, um sein Leben zu retten, ist ihnen aber bei der ersten passenden Gelegenheit entflohen. So hat er erz?hlt; aber ich glaube es nicht.

Du meinst, er l?gt?

Ja. Er hat ganz gewi? freiwillig mitgemacht, denn als Unteroffizier hatte er einen ansehnlichen Teil der Beute zu erwarten und dann, wenn der Feldwebel eine Seribah gr?ndet, auch eine bessere als seine bisherige Stelle. Er wird sich aber unterwegs mit diesem veruneinigt haben und auf den Gedanken gekommen sein, da? es f?r ihn vorteilhafter sei, zu Abu el Mot zu gehen, den Unschuldigen zu spielen und sich von ihm f?r seinen Verrat belohnen zu lassen.

Dieser Verrat wird ihm keinen Vorteil bringen, denn die F?nfzig, denen er entflohen ist, werden geahnt haben, was er beabsichtigt, und sogleich aufgebrochen sein, um sich vor Abu el Mot in Sicherheit zu bringen.

O nein. Sie halten ihn f?r tot. Er ist des Abends mit Zweien von ihnen an das Wasser gegangen, hat so gethan, als ob er hineinfalle, und ist dann untergetaucht, nachdem er einigemal um Hilfe gerufen hat. W?hrend sie nun glauben, da? er ertrunken und von den Krokodilen gefressen sei, ist er eine Strecke davon wieder an das Ufer geschwommen und davongelaufen. Dann hat er sich aus Omm Sufah ein Flo? und aus Schilf und zwei langen ?sten ein paar Ruder gemacht und ist dann schleunigst und in einer Tour nach der Seribah gefahren. Das ging abw?rts so schnell, da? er heute mittag angekommen ist, gerade als Abu el Mot mit seinem Sandal und seinem Noqer eben auch angelangt war. Dieser war erschrocken gewesen, die Seribah verw?stet zu finden. Als er von dem Unteroffizier h?rte, von wem das geschehen sei, hat er vor Wut f?rmlich gesch?umt. Dann ist er in das Dorf der Dschur gekommen, um diese auszufragen, und darauf hat er die dreihundert Nuehrs und den Unteroffizier gleich wieder auf die Schiffe genommen und ist abgesegelt, um die Emp?rer zu bestrafen.

So ist er also wirklich nicht mehr bei der Seribah?

Nein.

Auch keiner seiner Leute?

Kein einziger. Ich habe mich ganz genau ?berzeugt, den Landeplatz gesehen und sogar auch den Wald durchsucht, so lange es hell genug war. Dann kehrte ich zum Boote zur?ck, und wir hielten es f?r geraten, nicht liegen zu bleiben, sondern dich zu benachrichtigen.

Das war recht von euch. Aber wie kommt es, da? Abu el Mot den Wasser und nicht den Landweg eingeschlagen hat? Die Schiffe segeln doch langsamer, als die Pferde und Kamele reiten!

Er konnte keine Tiere bekommen, weil Abd el Mot sie alle den Dschur schon abgeliehen hatte. Er will Tag und Nacht segeln und glaubt, da? er in zwei Tagen an Ort und Stelle sein werde.

Ich bin ?berzeugt, da? alles genau so ist, wie du sagst; aber ich mu? ganz sicher gehen und mich durch meine eigenen Augen ?berzeugen. Ihr rudert mich jetzt nach der Seribah zur?ck. W?hrend die Schiffe langsam nachkommen, werde ich dort Umschau halten. Wie weit ist es bis dahin?

In einer halben Stunde sind wir dort.

Die Schiffe also in einer Stunde. So habe ich Zeit genug, mich genau umzusehen. Also wieder hinab in das Boot!

Die beiden Freunde begaben sich in dasselbe, und er folgte nach, sobald er sich bewaffnet und dem Re?s die n?tigen Befehle erteilt hatte. Der Sohn des Geheimnisses f?hrte das Steuer. Er suchte das ruhige Wasser auf, vermied die hindernde Str?mung, und so entwickelte das Boot eine Schnelligkeit, welche es noch vor der angegebenen Zeit an Ort und Stelle brachte.

Der junge Steuermann hatte beabsichtigt, den Zeitverlust, welcher mit dem Aufsuchen einer verborgenen Landestelle verbunden war, zu vermeiden und direkt nach dem Ankerplatze zu lenken. Da Abu el Mot fort war, hatte man ja nichts zu bef?rchten. Aber als sie sich dieser Stelle n?herten, sahen sie ein gro?es, helles Feuer, welches dort brannte. Die Niamniam zogen sofort die Ruder ein, und nur zwei von ihnen gebrauchten die ihrigen so, da? das Boot keine R?cktrift bekam, sondern seine Lage behauptete.

Ein Feuer! sagte Schwarz. Wer mag sich dort befinden! Solltet ihr euch doch von dem Dschur haben t?uschen lassen? Sollte Abu el Mot noch da oder doch aus irgend einem Grunde zur?ckgekehrt sein?

Gewi? nicht! antwortete der Sohn des Geheimnisses. Er ist wirklich fort. Er ist vor Wut au?er sich gewesen, und du kannst dir denken, da? er, wenn er die Verfolgung, bei der er keine Stunde vers?umen darf, einmal angetreten hat, nicht wieder zur?ckkommen wird.

Das leuchtet mir freilich ein. Es handelt sich bei ihm ja nicht nur darum, die Abtr?nnigen zu bestrafen, sondern auch sein Eigentum zur?ckzuerhalten. Sie werden mit allem, was am Lager war, auch seine Pulvervorr?te mitgenommen haben. Ich habe mich in Diakin, wo er die beiden Schiffe mietete, genau erkundigt und da erfahren, da? er kein Pulver gekauft hat. Er hat zwar danach gefragt, aber keins bekommen k?nnen. Er ist also auf die Quantit?t, welche sich auf der Seribah befand, angewiesen. Ein Sklavenj?ger ohne Pulver ist wie ein Elefant ohne Sto?z?hne; er kann weder angreifen, noch sich recht verteidigen. Darum mu? Abu el Mot sich schon aus diesem Grunde beeilen, den Feldwebel baldm?glichst zu erreichen. Ich nehme also nicht an, da? er umgekehrt ist, falls es wirklich auf Wahrheit beruht, da? er aufgebrochen ist. Wer also mag sich dort am Feuer befinden?

Jedenfalls nur Dschurneger.

Zu welchem Zwecke?

Um zu fischen. So lange die Seribah bewohnt war, sind sie vom Flusse auf dem direkten Wege abgeschnitten gewesen. Sie mu?ten einen weiten Umweg machen, um zum Wasser zu gelangen. Darum werden sie das Vers?umte nun flei?ig nachholen. Der Ertrag ist des Nachts reicher als am Tage, wenn man ein Feuer anbrennt, welches die Fische herbeilockt.

Du wirst wohl das Richtige vermuten; aber dennoch will ich die Vorsicht nicht aus der Acht lassen. Wir wollen schon hier anlegen. Dann schleichen wir uns zum Feuer, um zu sehen, wen wir vor uns haben.

Das Boot wurde nach dem Ufer gelenkt und dort befestigt. Die Ruderer blieben in demselben zur?ck. Schwarz stieg mit Abd es Sirr und Ben Wafa aus und n?herte sich, von den B?umen gedeckt, der Stelle, an welcher das Feuer brannte.

Als sie so nahe an dasselbe gelangt waren, da? sie die dort Befindlichen erkennen konnten, hielten sie an und musterten die n?chtliche Scene. Ja, es waren f?nf Neger aus dem Dorfe der Dschur, die sich hier befanden. Sie hatten aus Schilf ein Flo? gebaut und mit einer Erdschicht belegt, um ein Feuer darauf anbrennen zu k?nnen. Dieses Flo? war mehrere Schritte vom Ufer entfernt, im Wasser verankert und trug nur einen Mann, welcher die Flamme zu unterhalten hatte. Die ?brigen lagen am Ufer und sp?hten in das bis auf den Grund erleuchtete Wasser, um, die kleineren Fische unbeachtet lassend, die gr??eren zu speeren oder, falls dies n?tig war, mit einer kurzen, widerhakigen Lanze, an welcher sich eine Leine befand, zu harpunieren. Sie hatten schon eine reiche Beute gemacht. Man sah beim Scheine des Feuers eine Anzahl Fische in der Gr??e von zwei Fu? bis ?ber zwei Ellen am Ufer liegen.

Gehen wir hin? fragte der Sohn des Geheimnisses.

Noch nicht. antwortete Schwarz. Ich will auch nicht das mindeste vers?umen und m?chte also vorher hinauf, wo die Seribah gelegen hat.

So komm! Es ist nicht weit. In einer Minute sind wir durch den Wald.

Sie stiegen leise am Ufer empor. Als sie den Rand des Waldes erreichten, sah Schwarz die Brandst?tte vor sich liegen. Nichts regte sich auf und bei derselben. Er konnte gar nicht daran zweifeln, da? Abu el Mot den Ort verlassen habe, und kehrte also zufriedengestellt zum Feuer zur?ck.

Bleibt hier stehen, sagte er. Diese Leute kennen euch, weil ihr schon in ihrem Dorfe gewesen seid, und brauchen euch nicht zu sehen. Sprechen sie arabisch?

Viele von ihnen nicht. Der Dicke aber, welcher dort in der Mitte liegt, ist der H?uptling, welcher diese Sprache zur Gen?ge versteht, um dir Auskunft geben zu k?nnen.

Schwarz trat unter den B?umen hervor und gr??te die Schwarzen. Sie erschraken au?erordentlich, als sie so unerwartet eine fremde Stimme hinter sich h?rten. Sie sprangen auf, und als sie die hohe, breite Gestalt des Deutschen erblickten, erhoben sie ein lautes Angstgeschrei und flohen, alles im Stiche lassend, von dannen. Auch den einen, welcher sich auf dem Leuchtflosse befand, ergriff ein solcher Schreck, da? er sich kopf?ber in das Wasser warf und, gar nicht an die hier so h?ufigen Krokodile denkend, eine Strecke abw?rts schwamm, um dort ans Ufer zu gehen und schleunigst zu verschwinden. Es war das in der N?he des Bootes, dessen Insassen es aber f?r geraten hielten, ihm ihre Anwesenheit nicht bemerken zu lassen.