Karl May.

Die Sklavenkarawane





Bilad el moskob.

Wie hei?t das Land, welches ganz im Norden von Europa liegt?

Sailan.

Noch falscher! Und wie hei?t das gr??te Reich der Erde, welches den Osten von Asien bildet?

Dschebel et Tarik.

Da schlug der Slowak die H?nde zusammen, lachte laut auf und rief:

O du Vater des Schwanzes, wie hast du dich jetzt so l?cherlich gemacht! Die Inseln jenseits der W?ste hei?en Dschesajir kanara. An der Spitze von Afrika liegt das Bilad er ras. Das n?rdlichste Land von Europa hei?t Bilad el lap, und im Osten von Asien liegt das gr??te Reich der Erde, Bilad ed dschin. Du hast also lauter falsche Antworten gegeben!

Ich antwortete richtig! behauptete der Vater des Gel?chters.

Nein, falsch!

Beweise es! schrie der Geograph, indem er in gr??ter Wut mit den F??en die Bretter stampfte, so da? der L?wenschwanz den Takt mit ihnen schlug.

Die Worte eines Mannes, welcher Latein versteht, sind stets richtig; er braucht nichts zu beweisen, antwortete der Kleine stolz. Mit den L?ndern habe ich dich vollst?ndig geschlagen. Wie steht es nun mit den V?lkern und D?rfern?

Ich kenne sie alle!

Wollen doch einmal sehen, ob das wahr ist. Welches Volk wohnt gerade in der Mitte von Europa?

Das sind die Swahili.

Falsch! Welches Volk wohnt n?rdlich von Indien?

Die FilimenkHoll?nder.

Auch falsch! Welches Volk wohnt ganz im S?den von Bilad ed dinja?

Die Talian.

Auch das ist falsch! Nun sag aber doch einmal, wo Nagy Mihaly liegt?

Das gibts gar nicht!

Das gibts gar wohl, denn dort bin ich geboren! Und wo liegt Buxtehude?

In Le Leli.

La? dich nicht auslachen! Wo liegt wohl Blasewitz?

Auch das gibt es nicht!

Freilich gibt es das, denn dort hat Schiller seine Gustel geheiratet. Aber von diesem Schiller hast du freilich noch nie etwas geh?rt. Und wo liegt Itzehoe?

In Dschenowah.

Auch das ist nicht richtig. H?ttest du das Buch gelesen, welches eben dieser ber?hmte Schiller ?ber die Dschigrafija geschrieben hat, so w?rdest du wissen, da? dieses Itzehoe im Duar Salak el hadschar liegt! Deine Antworten sind eben alle falsch. Du kennst kein einziges fremdes Volk und keine einzige fremde Stadt. Du bist so dumm, da? ich ?ber dich weinen m?chte!

Beweise es doch! Beweise es! br?llte der Vater des Gel?chters, jetzt fast au?er sich vor Wut, da? er vor so vielen Zuh?rern blamiert wurde. Es ist sehr leicht, so etwas zu behaupten; aber den Beweis zu liefern, das ist die Hauptsache!

Das kann ich. Frage doch die beiden Effendis, welche hier stehen! Sie werden dir sagen, da? ich recht habe, du aber unrecht hast!

Schwarz und Pfotenhauer waren bei der interessanten Gruppe stehen geblieben. Der kleine Vater der elf Haare sah in seinem roten Fracke, den er bei einem H?ndler in Faschodah aufgegabelt hatte, und mit der ?bergeworfenen L?wenhaut gar zu drollig aus.

Aber sich nun an dem Streite zu beteiligen, das beabsichtigten sie nicht. Als der Slowak seinen Gegner jetzt auf sie verwies, wollten sie sich schnell entfernen, um den Vater des Gel?chters nicht beleidigen zu m?ssen; dieser aber enthob sie der beabsichtigten Flucht, denn er antwortete:

Ich habe es nur mit dir, aber nicht mit andern Leuten zu thun. Du bist es, den ich schlagen will und schlagen werde, nicht aber sind es diese beiden Effendis, von denen jeder allein zehntausendmal gescheiter ist als wir beide zusammengenommen! Zeige doch dein Latein und deine Wissenschaft! Beweise es doch, da? du die V?lker und D?rfer der Erde besser kennst als ich!

Das kann ich schon beweisen. Sage mir nur, wie!

Ich werde dich fragen, ganz so, wie du mich gefragt hast!

Thue das! Man wird sehen, wie du ?ber die Klugheit meiner Antworten staunen wirst.

Wollen sehen! Sage mir also einmal, wo liegt der ber?hmte Ort Al Hutama?

Dieses Wort ist ein Beiname der H?lle, welcher ihr in der hundertvierten Sure gegeben wird. Der schlaue Vater des Gel?chters wendete sich also klugerweise auf ein Feld, auf welches der Slowak ihm nicht folgen konnte.

Das wei? ich freilich nicht, mu?te dieser gestehen. Ich habe von dieser Stadt noch nie geh?rt.

Ein allgemeines Gel?chter war die Folge dieser Antwort, denn als Mohammedanern war allen Anwesenden das Wort bekannt.

Schau! Deine Wissenschaft l??t dich schon bei meiner ersten Frage im Stich! jubelte der Hadschi, indem er ein Gesicht zog, infolgedessen das Gel?chter sich verdoppelte. Er aber fuhr, davon unbeirrt, fort: Jetzt sage mir, in welchem Lande der ber?hmte Tasnim entspringt!

Tasnim ist eine Quelle im Paradiese. Sie wird in der dreiundachtzigsten Sure erw?hnt.

Auch diesen Namen kenne ich nicht, antwortete der Kleine.

Ein rundum laufendes Murmeln lie? ihm erkennen, da? man sich ?ber seine Unwissenheit wundere.

So sage mir wenigstens, wo Sidschin liegt!

Dieser Name befindet sich in derselben Sure und bezeichnet einen Ort der Unterwelt, in welchem das Verzeichnis der Handlungen aller b?sen Menschen und Geister aufbewahrt wird; auch dieses Verzeichnis selbst wird Sidschin genannt.

Wei?t du es denn selbst? opponierte der Rotfrackige.

Nat?rlich wei? ich es. Wir alle wissen es; du aber nicht?

Frage weiter! sagte der Kleine, ohne eine direkte Antwort zu geben.

So sage mir nur noch, wo al Ahkaf liegt!

Al Ahkaf bedeutet eigentlich Sandhaufen und ist der Name eines sehr sandigen Thales in der Provinz Hadramaut, wo die Aditen, von denen der Koran wiederholt spricht, gewohnt haben sollen. Dieses Thal wird im 21. Vers der sechsundvierzigsten Sure erw?hnt, und darum wird diese ganze Sure Al Ahkaf genannt.

Auch das wei? ich nicht, gestand der Ungar kleinlaut.

So hast du mir nun schon zum drittenmal nicht antworten k?nnen! Ich wollte dir hundert und noch mehr ?hnliche Fragen vorlegen, und du w?rdest bei jeder schweigen m?ssen. Wer ist nun der Kluge von uns beiden?

Keiner! Du hast mir nicht antworten k?nnen und ich dir nicht, folglich ist einer so klug wie der andere. Du kennst deine V?lker und D?rfer und ich meine Wissenschaften und mein Latein. Wir wollen uns unsre Gelehrsamkeit in Zukunft nicht mehr streitig machen. Habe ich recht? Stimmst du mir bei?

Von ganzem Herzen! antwortete der Vater des Gel?chters ger?hrt, wobei er aber ein Gesicht machte, als ob er sich ?ber den Kleinen krank lachen wolle.

So reiche mir deine Hand, und k?sse mich! Wir sind Br?der und sind vers?hnt. Mein Feind ist auch dein Feind, und deine Freunde sind auch meine Freunde!

So soll es sein jetzt und in alle Ewigkeit. Allah l Allah!

Sie umarmten und k??ten sich, sprangen von ihrem Podium herab und schritten Arm in Arm von dannen.

Sonderbare Kerle! lachte der Graue. So was hab ich fast noch nit gschaut. Erst wollens sich fressen, und dann k?ssens sich die Gsichter und trollen vergn?gt davon. Kommt das denn ?fters vor?

T?glich mehrere Male. Und dabei haben sie sich wirklich aufrichtig lieb. Diese beiden k?nnen ohne einander gar nicht leben, notabene, wenn sie sich streiten d?rfen. Sie gestehen selbst, da? das die Liebe erneuere.

Ich dank gar sch?n! Aber brav sinds doch alle beid?

Sehr! Sie h?ngen so an mir, da? sie f?r mich ihr Leben wagen w?rden. Sie werden sie schon noch n?her kennen lernen, Herr Doktor.

Was! Wie nennens mich? Doktor etwa? Damit kommens mir ja nit mehr! antwortete Pfotenhauer eifrig. Das kann ich nit leiden! Deswegen hab ich mich mit Ihrem Bruder schon oft zankt.

Aber es ist doch der Ihnen rechtm??ig zukommende Titel!

Ach was Titel! Ich pfeif darauf! Mein Nam ist Ignatius Pfotenhauer. In der Heimat nennens mich darum, und weil ich gern ?berall umherkraxelt bin, um V?gel zu fangen, rundweg nur den Vogel-Nazi. Wanns mir die Freud machen wollen, so sagens auch Nazi oder Naz zu mir!

Wenn Sie es w?nschen, mir soll es recht sein!

Ja, ich w?nsch es sehr! Leut wie wir, die von morgens bis abends und dann wiederum von abends bis morgens beisammen sind, die d?rfen sich nit solche Titel und Komplimenten an die K?pf werfen. Aan Fremder, den ich nit kenn und der mich nix angeht, der mu? mir mit der erforderlichen H?flichkeit kommen; von dem verlang ich allerdings, da? er mir meine Ehr erweist und mich Herr Doktor Vogel-Nazi Pfotenhauer nennt. Wann er das nit thut, so soll ihn der Teuxel reiten! Sie aber k?nnen sich die lange Red dersparen. H?rens! Was geht da los? Die Gebetsstund ist doch noch nit da; die kommt erst zum el Deghri, also des Mittags wieder.

Der Fakir stand n?mlich auf dem Minaret und schlug das Klangbrett an. Dann erhob er seine Stimme, aber nicht um zum Gebete zu rufen, sondern er verk?ndete mit lauter Stimme, so da? es ?ber die ganze Seribah vernommen werden konnte:

Auf, ihr Gl?ubigen, versammelt euch, um die Stunde des Gl?ckes zu befragen! Eilt zum Versammlungsplatze, um zu h?ren, ob ihr am Mittag aufbrechen d?rft!

Und dann ert?nte der Schall der Darabukka, die Soldaten zum Sammeln zu rufen.

Das ist die Trommel, sagte der Graue.

Wissens, wie trommeln im Arabischen hei?t?

Ja, dakk . . . ettal.

Richtig! Das Wort ahmt den Schall der Trommel nach: dakk . . . ettal dakk . . . ettal, gerade wie wir im Deutschen sagen rumdibum, rumdibum. Auch der Name Darabukka ist nur die Nachahmung dieses Schalles. Jetzt schauns mal, wie die Kerls alle laufen! Wollen wir auch mit?

Ja. Wir m?ssen doch sehen, wie es gemacht wird, das Schicksal zu befragen, ob eine gewisse Stunde eine gl?ckliche ist. Wir als Christen haben nat?rlich die ?berzeugung, da? alle Tage und Stunden des Herrn sind.

Sie fanden alle Bewohner der Seribah auf dem Versammlungsplatz beisammen, die Gesichter nach einem Tokul gerichtet, auf dessen Spitze das Zeichen des Halbmondes angebracht war. Das war die H?tte des Fakirs.

Eben als die beiden dort anlangten, kam Hasab Murat, der Herr der Seribah, aus seiner Behausung. Als er sie erblickte, ging er auf sie zu, um sie unter tiefen Verbeugungen zu begr??en.

Wird der Fakir sich befriedigend aussprechen? fragte Schwarz.

Ja, Effendi, antwortete der ?gypter.

Woher wei?t du das?

Daher!

Er griff, indem er listig mit den Augen blinzelte, in die Tasche und zog zwei Mariatheresienthaler hervor, welche er ihnen heimlich zeigte, um sie sogleich wieder einzustecken.

Nach so einem Opfer ist die Stunde allemal gl?cklich, f?gte er hinzu. Allah sieht es gern, da? man seinen Dienern Geschenke macht.

So eile, dies zu thun, und f?ge noch diese drei Abu Nokat bei!

Er holte seinen Beutel heraus und gab ihm drei Thaler.

Effendi, dein Herz ist reich an G?te und Klugheit, antwortete Hasab Murat, indem er das Geld in seine Tasche gleiten lie?. Nun wird Allah unserm Vorhaben das gl?cklichste Gelingen gew?hren.

Er eilte fort, um im Tokul des Fakirs zu verschwinden. Nach einiger Zeit kam er mit diesem heraus, und der Fakir verk?ndete mit lauter Stimme:

H?rt es, ihr Gl?ubigen! Ich habe das Buch des Schicksals aufgeschlagen und die Stimme der Gew?hrung geh?rt. Ich verk?ndige euch Sieg und dreimal Sieg. Ihr werdet die Feinde schlagen und ihre Seelen in die H?lle schicken. Allah ist Allah, und Mohammed ist sein Prophet!

Allah ist Allah, und Mohammed ist sein Prophet! wiederholten ?ber vierhundert Stimmen.

Dann ging die Versammlung auseinander. Hasab Murat erteilte seinem Basch Muni den Befehl, Tabak und Merissah zu verteilen, was mit gro?em Jubel aufgenommen wurde, und lud dann Schwarz und Pfotenhauer ein, um sie bei sich zu bewirten.

Er bediente sie in eigener Person und setzte ihnen das Beste vor, was die Seribah zu bieten vermochte. Es lag ihm daran, sie sich m?glichst wohlgesinnt zu machen. Sp?ter kam ein Neger und fl?sterte ihm eine Meldung zu. Als der Schwarze gegangen war, sagte er:

Effendis, ich h?rte soeben, da? die beiden Schiffe unten an der Mischrah angekommen sind. Wenn ihr sie sehen wollt, so k?nnt ihr das jetzt ungest?rt thun, da die Soldaten noch nicht eingeschifft sind. Erlaubt mir, euch zu begleiten!

Er f?hrte sie hinab an den Flu?, wo die beiden Noqer neben der Dahabi?h vor Anker lagen.

Seht sie euch an! sagte er in h?rbarem Stolze. Euer Fahrzeug ist gewi? ein guter Segler; ich habe das schon heute fr?h erkannt; aber meine Schiffe sind nach meiner eigenen Angabe auf der Mangarah von Qaun gebaut worden. Ihr Bug ist scharf; sie durchschneiden das Wasser mit Leichtigkeit, und ich habe noch kein Fahrzeug auf dem Nil gesehen, welches es mit ihnen aufnehmen k?nnte, eure Dahabi?h ausgenommen.

Das ist mir lieb, antwortete Schwarz. An der Schnelligkeit meines Schiffes habe ich nichts auszusetzen, und so werden die drei Fahrzeuge wohl leicht beisammen bleiben k?nnen, ohne da? das eine auf das andre zu warten hat.

Sie bestiegen die beiden Schiffe, deren Inneres nichts Au?ergew?hnliches bot. Dann f?hrte Schwarz den ?gypter auf die Dahabi?h. Auf dem Verdeck derselben angekommen, sagte er:

Jetzt will ich dir etwas zeigen, was du heute fr?h wohl nicht gesehen hast. Folge mir zun?chst nach hinten!

Sie stiegen auf das Verdeck oberhalb der Kaj?te, wo ein langes, schmales und niedriges Holzh?uschen stand, welches auf R?dern beweglich war und dessen Zweck ein mit demselben Unbekannter wohl nicht gleich erraten h?tte.

Was meinst du, was sich darin befindet? fragte Schwarz.

Das kann ich nicht erraten, antwortete Hasab Murat.

Erraten Sie es vielleicht? fragte Schwarz den Grauen.

Vielleicht, antwortete dieser deutsch. Wohl eine Drehbasse oder Drehkanone, welche durch das H?uschen maskiert wird, damit der Feind nit zu fr?h bemerkt, was er zu derwarten hat?

Erraten! Da sehen Sie!

Er ?ffnete vorn die Th?r und schob das H?uschen nach hinten ?ber die Kanone hinweg. Der Lauf derselben lag auf einem Zapfen, so da? er im Kreise rundum nach allen Richtungen bewegt werden konnte.

Medfa, Omm ed dauwar eine Kanone, eine Mutter des Drachens! rief der ?gypter, indem er f?r die Drehbasse sofort einen bezeichnenden Namen improvisierte. Das ist gut! Da werden und m?ssen wir siegen!

Ich hoffe es, antwortete Schwarz. Das ist f?r einen Kampf zu Wasser. F?r ein Gefecht zu Lande habe ich etwas viel Besseres. La?t es euch zeigen!

Er f?hrte sie nach dem Vorderteile des Schiffes, wo ein hoher Haufen von Matten zu liegen schien. Dieser bestand aber aus nur f?nf St?ck. Als Schwarz dieselben entfernt hatte, zeigte sich eine Kanone, deren Lafette und R?der mit Stricken befestigt waren, da? sie feststand und nicht ?ber Bord gehen konnte.

Noch eine Kanone! rief Hasab Murat. Aber wie ist sie gebaut! So eine habe ich noch nie gesehen!

Das glaube ich gern, antwortete Schwarz. Das ist eine Konstruktion, welche selbst bei den Europ?ern neu ist. Der Khedive hat einige aus Bilad el ingeliz geschenkt bekommen und zwei davon dem Jaffar Pascha zum Gebrauche gegen die Sklavenr?uber nach Chartum geschickt. Mit der einen ist diese Dahabi?h armiert worden, und ich denke, da? sie uns gute Dienste leisten wird, zumal wir einen t?chtigen Vorrat von Munition besitzen. Sie ist eigentlich f?r den Kampf zu Lande bestimmt, kann aber auch hier auf dem Deck gebraucht werden.

Wie hei?t denn diese Konstruktion? fragte der Graue.

Es ist eine Maximkanone, aus welcher in der Minute recht gut f?nfhundert Kugeln abgegeben werden k?nnen; das kann, wenn es erforderlich ist, sogar bis auf sechshundert gesteigert werden.

Alle Wetter! Da k?nnen wir ja in zwei Minuten diesen Abu el Mot mit samt seinen Leuten derschie?en!

Da m??ten sie sehr eng beisammenstehen. So schlimm, wie Sie denken, ist es freilich nicht; aber ein solches Gesch?tz ersetzt eine ganze Anzahl von Leuten. Die Hauptsache ist eine Taktik, welche es erm?glicht, diese Kanone zur Wirkung kommen zu lassen.

Na, daran solls nit fehlen. Ich bin zwar kein Moltke und auch kein Napoleon, aber ein paar Sklavenh?ndler so zusammenzutreiben, da? man mit dieser Kanone auf sie schie?en kann, das trau ich mir schon zu, doch nur unter der Voraussetzung, da? nit gar auf mich selber zielt wird.

Das Gesch?tz wurde wieder verh?llt, und dann war die Zeit zum Einschiffen der Soldaten gekommen. Gegen Mittag war man fertig. Die dreihundert Mann des ?gypters befanden sich auf den beiden Noqers und die hundertf?nfzig aus Faschodah auf der Dahabi?h. Der Unterschied dieser beiden Schiffsarten besteht darin, da? die Dahabi?h gr??er und gedeckt ist, w?hrend der Noqer offen ist und kein Verdeck besitzt.

Gerade um Mittag, als von der Seribah herab der Schall des Klangbrettes ert?nte und die Leute darauf ihr Gebet verrichtet hatten, wurden die Anker gehoben und die L?ndseile an Bord gezogen.

Mit dem bekannten Ausrufe ja rabb, ja rabb o Herrgott, o Herrgott, mit welchem die Arbeiter an ihr Werk zu gehen pflegten, stie?en die Bahriji die Schiffe vom Ufer ab, an welchem die Frauen und Kinder der Soldaten standen. Die Herren mancher Seriben erlauben n?mlich ihren Untergebenen, ihre Angeh?rigen mitzubringen, und zwar aus Berechnung, weil die Soldaten dadurch mehr an den Ort gekettet werden. Diese Weiber und Kinder riefen den Scheidenden ihr schrilles Lulululululu nach, den gew?hnlichen Abschiedsgru?, welcher noch lange ?ber den Flu? schallte, als die Segel aufgezogen waren und, den g?nstigen Wind fangend, die Schiffe aufw?rts trieben.

Nun zeigte es sich, da? Hasab Murat die Wahrheit gesagt hatte: Seine Noqers segelten ebenso gut wie die Dahabi?h, und Schwarz sah zu seiner Freude, da? dieser g?nstige Umstand die Bemannung der Fahrzeuge zum Wetteifer trieb.

Die Dahabi?h hatte nat?rlich ihren geschulten Re?s und einen ebenso erfahrenen Mustamel. Beide hatten jetzt dem Deutschen zu gehorchen. Auch auf jedem der beiden Noqer befand sich ein Re?s und ein Mustamel. Jeder dieser drei Re?sihn war eifers?chtig auf die Schnelligkeit der andern Fahrzeuge und bestrebte sich, es ihnen vorzuthun. Es entstand infolgedessen ein Wettkampf wie zwischen konkurrierenden Mississippidampfern. Die Re?sihn befahlen ihren Matrosen, zu den Sto?stangen zu greifen, und die Soldaten halfen aus Leibeskr?ften.

Ganz besonders zeichnete sich El Schachar, der alte Schnarcher, aus, welcher als Re?s den einen Noqer befehligte. Seine rasselnde Stimme erscholl unausgesetzt. Er feuerte nach der bekannten Art dieser arabischen Kapit?ne seine Leute bald durch Schmeichelworte und bald durch die kr?ftigsten Schimpfreden an.

Ja Allah, ja Nabi! schrie er. Amahl, amahl, ja Allah, amahl o Gott, o Prophet, macht, macht, o Gott, macht! Ja Allah, ja Sahtir, amahl, amahl o Gott, o Helfer, macht, macht! Eschhetu mu la il laha il Allah; sallam aale?na be baraktak bezeugt, da? es nur einen Gott gibt; begnadige uns mit deinem Segen! Sallah en nabi preist den Propheten!

Seine Leute arbeiteten in der Sonnenhitze, da? ihnen der Schwei? in Str?men ?ber die Gesichter lief. Sein Noqer war der hintere; die Dahabi?h segelte voran. Er wollte den andern Noqer ausstechen und bestrebte sich also, ihm den Wind wegzufangen. Wenn ein Re?s den Wind teilen oder schneiden will, so sticht er sein Messer in den Mast und ruft dabei den Namen Gottes an. Darum zog der Schnarcher sein langes, gekr?mmtes Messer, hob es hoch empor, um es seinen Leuten zu zeigen und rief dabei mit einer Stimme, als ob er Tote erwecken wolle:

Kawahm, kawahm! Schatir, schedid schnell, schnell! Seid flei?ig, seid stark! Sto?t, schiebt, arbeitet, arbeitet, ihr Kr?ftigen, ihr Geschickten! La?t nicht nach, ihr Helden! O arbeitet, ihr Hunde, ihr Feiglinge, ihr Faulenzer! Seht hier mein Messer, seht ihr es? Schneidet den Wind! Nehmt diesem Noqer den Wind, da? seine Segel schlottern. Macht, macht, ihr Kinder, ihr S?hne, ihr Lieblinge! Arbeitet, ihr Trauten, ihr Auserw?hlten! Jetzt kommt der Augenblick; jetzt ist er da! Sikkini, sikkini, hai sikkini mein Messer, mein Messer, hier ist mein Messer!

Er trat zum Maste und holte zum Sto?e aus. In dem Augenblicke, als er mit seinem Segel das des voranfahrenden Noqer deckte, stie? er das Messer in den Mast und rief:

Be issm billahi, amahl, amahl, ja mobarekihn im Namen Gottes, arbeitet, arbeitet, ihr Gesegneten! Wir haben ihn, wir haben diesen Noqer! Seht, wie ihm der Atem vergeht! Lakuddam, lakuddam vorw?rts, vorw?rts! So ists recht; wir kommen vor?ber; wir haben ihn ausgestochen! Aa?b aale?hu, hamdulillah Schande ?ber ihn, Allah sei Dank!

Das Segel des andern Noqer war flau gefallen; es klatschte an den Mast. Da der Steuermann, dies nicht beachtend, das Ruder fest hielt und die Matrosen gerade in diesem Augenblicke am Steuerbord ihre Kraft auf die Sto?stangen legten, so fiel der Noqer nach Backbord ab, und der alte Schnarcher segelte an ihm vor?ber. H?ben jubelten die Matrosen und Soldaten. Dr?ben ert?nten Fl?che und Verw?nschungen, und man arbeitete mit verdoppelter Anstrengung, diese Schande wett zu machen.

Nun richtete der Schnarcher seine Absicht darauf, auch die Dahabi?h auszustechen; aber dies gelang ihm nicht, da ihre Segel h?her standen und auch gr??er waren als die seinigen; er konnte ihr den Wind nicht wegfangen. Aber dieser Wetteifer hatte zur Folge, da? die Schiffe eine ganz ungew?hnliche Fahrt machten, was auch durch den Umstand unterst?tzt wurde, da? der Nil hierorts frei von hindernden Schilffeldern und schwimmenden Inseln war.

Noch vor dem Nachmittagsgebet erreichte die Dahabi?h die Kr?mmung, hinter welcher Pfotenhauer den Schiffen Abu el Mots begegnet war. Er machte Schwarz darauf aufmerksam.