Karl May.

Die Sklavenkarawane





Alle Wetter! Das also ist Ihr Latein? Was ist denn eigentlich Philologie?

Philologie seinte Wissenschaft von Baum, mit ?pfel und Birnen.

Ah! Und Pomologie?

Das seinte Kenntnis von Lehre, weisheitlicher.

Na, alter Freund, da sinds halt sch?n auf dem Holzweg graten! Es ist ja grad umgekehrt!

Dann warrr es geweste Verwechstelung, wissenschaftliche. Ich hatt auffangte so viel Wissenschaft in Kopf, meinigen, da?, wenn wollte die eine heraus, sie bleibte oft steckte, und statt ihr kommte heraus Wissenschaft andre.

Ja, so gehts halt, wann man gelehrt ist und doch nit Zeit gfunden hat, die Akademie zu besuchen!

O, ich hatt kennte Akademie und Apoplexie!

Wirklich? Na, dann sinds ja a f?rchterlich gscheiter Pfiffikus! Was verstehens denn unter dera Apoplexie?

Das seinte Hochschule, universit?tliche.

Ach so! Und Akademie?

Das sein geweste Schlag, fl?ssiger, welcher treffte in Kopf und l?hmte den Arm, linkigen, oder Bein, rechtiges.

Donner und Doria! So a Gschw?tz hab ich all mein Lebtag noch nit gh?rt! Erstens was das f?r a Deutsch is! Welch Karnikel soll denn das verstehen? Und sodann habens die Gschicht wiederum grad umdreht. Akademie ist Hochschule, und Apoplexie ist Schlagflu? oder meinswegen auch fl?ssiger Schlag, wie Sie sich auszudr?cken belieben!

Das warrr geweste nur Umkehrung, zuf?llige. Das kann passierte Mensch, jedwedigen.

Aber Ihnen scheint es regelm??ig zu passieren! Und dabei sinds gar der Freund und Adjutant des Herrn Doktor Schwarz? Na, dem werd ich gratulieren! Da hat er eine Acquisition gmacht, um die ich ihn nit beneid.

Er lachte laut und herzlich auf. Der Vater der elf Haare f?hlte sich beleidigt. Er fragte in scharfem Tone:

Sein damit gemeinte Person, meinige?

Ja, wer denn sonst? Nat?rlich meine ich Person, Ihrige!

Das mu?te ich verbitten mit Nachdruck, allergr??tem. Ich sein geweste stets Mann, respektabliger. Ich hatt nie gela?te beleidigen Ehre, meinige, und wenn Sie nicht machte Abbitte, sofortige, dann ich werd geforderte Satisfaktion, pistolige oder s?belige!

Der Graue lachte lauter und anhaltender als zuvor und antwortete:

Mann, was fallt Ihnen denn ein! Fordern wollens mich? Also ein Duell, s?beliges oder pistoliges? Das lassens lieber bleiben! Ich hab gar nit Lust, mit Pulver und Blei Ihre sch?ne Wissenschaft und Ihr Latein zu verletzen. Wanns sich beleidigt f?hlen, so kann ich nit daf?r. Ich bin blo? Ornitholog und zieh also nur V?geln, aber nit den Menschen die B?lge ab!

Wenn Sie seinte Ornitholog, antwortete der Ungar noch zorniger als vorher, so warrr ich geweste Gelehrter, noch viel gr??erer! Ich hatt studiumtierte Ornithologie und Orographie!

Auch! Wissen Sie denn, was diese beiden Worte bedeuten?

Ich hatt gewu?te es besser als Sie! Wenn Sie nicht kennte Wissenschaft, beidige, so will ich gegebte Aufkl?rung, augenblickliche!

Nun, heraus damit! Was ist Ornithologie?

Das seinte Beschreibung von Berg, karpathentlicher oder riesengebirglicher.

Und Orographie?

Das hatt zu bedeutente Naturgeschichte, vogelige und gefiederte.

Aber, Liebster, das ist ja wieder verkehrt! Sie sind ja der reine Taschenspieler, welcher einem mit seinem Hokuspokus ganz irre machen kann! Ich werd wirklich davon ganz dumm im Kopf.

H?rens auf, ich mag nix mehr davon h?ren!

Da sprang der Kleine aus dem Boote an das Ufer und rief im h?chsten Grimm:

Ja, Sie seinte dumm im Kopf, Ihrigen! Sie seinte Hokuspokus in Person, eigener! Sie k?nnte nicht sprechen und nicht verstehende Deutsch, reinigendes! Sie wollte sein Gelehrter, wissenschaftlicher? La?te nicht Sie auslachte sich! Ich konnte nur bedauerte geistigen Bankerott, Ihrigen. Ich willte nichts wi?te mehr von Individuum, Ihrigem. Lebte Sie also wohl f?r ewig und f?r immerdar! Adieu, do brau noc, poraucim se, gute Nacht, ich empfehlte mich, leletak saide, Allah jisallimak!

Er rannte davon.

Der Graue sah ein, da? dieser Mann vielleicht ein Original war, den man als solches zu behandeln hatte. Es reute ihn, nicht nachsichtig, sondern fast grob gewesen zu sein. Darum rief er ihm nach, doch zur?ckzukommen. Das hatte keinen Erfolg. Schon wollte er ihm nacheilen, da sah er abw?rts von der Mischrah ein Licht auf dem Wasser erscheinen. Das mu?te die Dahabi?h sein, und darum blieb er im Boote sitzen.

Das Licht kam n?her und n?her; Pfotenhauer sah, da? es loderte. Es war ein Feuer, welches auf dem Deck brannte und die Segel beleuchtete. Das Schiff kam, vom Winde getrieben, langsam aufw?rts geglitten, ging an der Mischrah vor?ber, lie? dann die Segel fallen und sich vom Wasser zur?ck an das Ufer treiben, wo es den Anker fallen lie? und die Taue warf, welche von dem Schnarcher und seinen Leuten aufgefangen und am Lande befestigt wurden. Als die Landebr?cke das Ufer ber?hrte, kam der Graue herbei und rief in deutscher Sprache:

Hallo! Ist Doktor Schwarz an Bord?

Ja, ert?nte die Antwort. Ein Deutscher auf Seribah Madunga? Das ist mir eine au?erordentlich frohe ?berraschung!

Gwi?, Landsmann, a Deutscher steht hier und hei?t Sie willkommen. Wanns mich um?rmeln wolln, so schauens, da? S her?berkraxeln. Aber nehmens sich in acht, da? mich etwa nit vor lauter Freut zerdrucken!

Aus dem Bayernlande, wie ich h?re! Gleich bin ich dr?ben bei Ihnen!

Der Graue sah die hohe, breite Gestalt ?ber die Br?cke kommen. Er breitete die Arme aus, schlang sie um Schwarz, k??te ihn auf die Wange und sagte:

Willkommen also, herzlich willkommen! Mich kennens freilich nit, und ich hab eigentlich kein Recht, Sie so z?rtlich zu empfangen; aber dieser Ku? soll nit von mir, sondern von Ihrem Bruder sein.

Von meinem Bruder? Von Joseph? Kennen Sie ihn?

Den Sepp? Na, den werd ich doch kennen! Ich bin sein Kamerad. Habens nicht seinen Boten in Faschodah troffen?

Ja, und seinen Brief erhalten.

Na, ich bin der Pfotenhauer und Vogelf?nger, von dem er wohl auch a Wort erw?hnt haben wird. Oder hat er nix von mir mitgschrieben.

Ja, freilich hat er es gethan. Ich habe mich auf Sie gefreut. Aber was thun Sie hier, den ich oben bei den Niam-niam vermute, und wo ist mein Bruder?

Es hat ihm keine Ruh glassen, und so sind wir fort, um Ihnen entgegen zu fahren. Es konnt Ihnen leicht a Ungl?ck gschehen. Darum wollt er lieber schaun, Ihnen eher zu begegnen, als ausgmacht worden war.

Das sieht ihm ?hnlich. So ist er also auch hier? Warum sehe ich ihn nicht?

Weil er noch nit hier anglangt ist. Ich bin einstweilen voran, und er wird nachfolgen.

Warum blieb er zur?ck? Wo befindet er sich?

Davon nachher! Sagens mir vorerst, obs droben in dera Seribah oder hier unten im Schiff ?bernachten wollen. Man hat mir den sch?nsten Tokul ?berlassen, in welchem Raum gnug ist f?r uns beide.

Ich danke Ihnen; aber ich ziehe doch vor, an Bord zu bleiben. Ich habe eine pr?chtige Kaj?te, die mir kein Tokul ersetzen kann. Hoffentlich machen Sie mir die Freude, nicht nach der Seribah zur?ckzukehren, sondern bei mir zu bleiben?

Wanns Ihnen recht ist, so bleib ich da. Oben oder unten, das ist ganz gleich; die Hauptsach ist, da? wir beisammen sind.

So kommen Sie mit an Bord. Bitte!

Er f?hrte ihn hin?ber und auf das Hinterdeck, wo ein schwarzer Diener die Th?r der Kaj?te ?ffnete, um sie eintreten zu lassen.

Schwarz erinnerte sich der Stelle des erw?hnten Briefes, in welcher Pfotenhauer als ein sonderbarer Kauz und dabei doch wackerer, brauchbarer Mann beschrieben wurde. Er war neugierig, ihn kennen zu lernen.

Die Kaj?te bestand aus mehreren fast pr?chtig eingerichteten R?umen. Eine Bronzelampe hing von der Decke nieder und beleuchtete die schwellenden Polster, den hohen Spiegel und die gl?nzenden Ger?te, welche auf kleinen Tischen standen oder an den W?nden hingen.

Was Teuxel fallt Ihnen ein! rief der Graue erstaunt. Sie fahren a richtiges Damenboudoir spazieren? Im Sudan, auf dem oberen Nil? Sinds etwa Million?r gworden?

Nein, l?chelte Schwarz, indem er den Landsmann heimlich musterte. Diese Herrlichkeiten geh?ren nicht mir, sondern dem Vicek?nig von ?gypten. Dieses Schiff ist eine Regierungsdahabi?h.

Auch nit ?bel! Wie aber kommens zu diesem Regierungsschiff? Ist etwa a Pascha von drei Ro?schweifen an Bord, der Sie als Gast mitgnommen hat?

Nein. Die Dahabi?h ist mir zur Verf?gung gestellt worden. Augenblicklich bin ich der Herr derselben, dem die Bemannung zu gehorchen hat.

Der Graue sch?ttelte den Kopf und sagte, indem seine Nase sich nach rechts und nach links wendete, als ob sie sich diese Herrlichkeiten recht genau betrachten wolle:

Dann sinds a wahrer Gl?ckspilz! Uns Deutschen, und zumal uns B?cherfexen, wird es nit oft so wohl, wie es Ihnen da gworden ist.

Sie haben freilich recht. Aber setzen Sie sich nieder und nehmen Sie f?rlieb!

Er hatte vorhin dem Schwarzen, welcher ?ffnete, einen Wink gegeben. Als er jetzt in die H?nde klatschte, trat dieser Neger herein, zwei Tschibuks zu bringen. Hinter ihm kam ein zweiter Schwarzer, welcher dem Grauen Kaffee in einem silbernen Findschan bot. Als beide weitere Befehle erhalten hatten, entfernten sie sich.

Wissens, mir ist halt grad so, als ob ich jetzt einen Abend aus Tausendundeine Nacht erlebte, meinte der Graue, indem er den k?stlichen Trank schl?rfte und dann nach der Tabakspfeife griff. Bei uns hats immer nur Merissah und harte Fladen geben. Wann ich diesen Kaffee schmeck, so mu? ich vermuten, da? Sie auch in Beziehung auf die Speisen nicht ?bel gstellt sind.

Haben Sie schon zu Abend gegessen?

Nein; soupiert hab ich noch nit.

So thun Sie es hernach mit mir, um sich zu ?berzeugen, da? Sie ganz richtig vermutet haben.

So sagens nur, was f?r a Kunstst?ck Sie gmacht haben, um diese Dahabi?h geliehen zu bekommen! Was zahlens denn pro Tag oder Woch daf?r?

Keinen einzigen Piaster, keinen Pfennig.

Der Graue machte ein ganz unbeschreibliches Gesicht, und seine Nasenspitze richtete sich auf, als ob sie Schwarz fragen wolle, ob er denn wirklich die Wahrheit gesagt habe.

Nix, gar nix zahlen Sie? Wer soll Ihnen denn das glauben? Ich etwa?

Ja, Sie! Ich ersuche Sie ganz ergebenst darum, lachte Schwarz.

Dann ists eben a Kunstst?ck, a richtiges und wirkliches Kunstst?ck!

Dieses Kunstst?ck bestand sehr einfach in einer gl?cklichen Kur. Ich befand mich bei Ali Effendi Abu Hamsah miah, dem Mudir von Faschodah. Ich hatte ihm gesagt, da? ich ein wenig Arzt bin. Zuf?llig verschluckte ein kleiner Sohn von ihm beim Spielen einen elfenbeinernen W?rfel, welcher in der Speiser?hre stecken blieb. Das Kind war dem Erstickungstode nahe, als ich geholt wurde, und es gelang mir, den Gegenstand zu entfernen. Die Freude und Dankbarkeit des Vaters war so gro?, da? er mir jeden Wunsch, dessen Gew?hrung nicht gerade zu den Unm?glichkeiten geh?rte, erf?llt h?tte. Dazu kam nun freilich noch der Umstand, da? es ein eifriges Verlangen von ihm war, Abu el Mot in seine Hand zu bekommen.

Abu el Mot? fragte Pfotenhauer ganz erstaunt, diesen Namen hier zu h?ren.

Ja, so hei?t der Mann, den Sie wohl nicht kennen, mit welchem Sie sich aber, falls Sie bei mir bleiben, in den n?chsten Tagen zu besch?ftigen haben werden.

So! Kennen Sie ihn?

Leider! Er ist der ber?chtigtste Sklavenj?ger am oberen Nile und macht zugleich, falls es ihm eintr?glich erscheint, den W?stenr?uber. Er hat mich kurz vor Faschodah ?berfallen, um mich auszurauben und zu t?ten.

Aber glungen ists ihm doch nit?

Nein, wie Sie sehen, l?chelte Schwarz. Ich sitze ja lebend vor Ihnen.

So habens seinen Plan vereitelt?

Ich habe seine Helfershelfer gefangen genommen und nach Faschodah transportiert, wo ihnen ihr Recht geworden ist; ihm aber gelang es, zu entkommen.

Das ist jammerschad gwesen. H?ttens ihn derwischt, so w?r ihm das Handwerk wohl f?r immer glegt worden.

Ganz gewi?. Es w?re um seinen Kopf geschehen gewesen. Der Mudir brennt darauf, ihn zu fangen. Ich belauschte den Sklavenj?ger, als er bei den Seinen sa?, und was glauben Sie wohl, was ich da h?rte?

Ich glaub alles, was Sie gh?rt haben.

Er hatte schon l?ngst einen Raubzug zu den Niam-niam geplant und war durch einen Boten unterrichtet worden, da? jetzt zwei Wei?e, zwei Naturforscher bei diesem Volke seien. Er schwur, diese beiden zu ermorden.

Teuxel! Da war wohl gar ich und Ihr Bruder gmeint?

Ja. Ich zweifelte zwar zun?chst daran, weil ich glaubte, da? mein Bruder sich allein dort befinde; aber als ich aus seinem Brief ersah, da? er in Ihnen einen Gef?hrten gefunden hatte, da wurde es mir zur Gewi?heit. da? Sie es waren, von denen man gesprochen hatte. Nat?rlich nahm ich mir vor, schleunigst aufzubrechen, um Abu el Mot zuvorzukommen. Der Mudir, dem ich die Angelegenheit vorstellte, versprach, mich zu unterst?tzen. Er wollte mir eine Anzahl Soldaten mitgeben, und daf?r sollte ich ihm Abu el Mot senden, falls dieser in meine H?nde fallen werde. Da ereignete sich am n?chsten Morgen der Unfall mit dem Knaben, und aus Dankbarkeit f?r die Rettung desselben ging der Mudir noch ?ber sein Versprechen hinaus. Kurze Zeit sp?ter kam diese Dahabi?h aus Chartum an, und er stellte sie mir zur Verf?gung. Auch erh?hte er die Zahl der versprochenen Soldaten auf hundertf?nfzig, welche unter einem Hauptmann mit mir gefahren sind. Sie haben diese Leute vorhin gesehen?

Ja. Das Verdeck wimmelte von ihnen. Also diesen Abu el Mot wollens fangen! Das ist interessant, sehr interessant!

Aber nicht ganz ohne Gefahr! Er ist ein gewissenloser und verzweifelter B?sewicht. Leider war ich, wenn ich das Schiff benutzen wollte, gezwungen, einen vollen Tag l?nger, als sonst der Fall gewesen w?re, in Faschodah zu bleiben. Dadurch erhielt Abu el Mot einen Vorsprung, welcher nur mit Anstrengung eingebracht werden konnte. Wir hatten g?nstigen Wind. Wir mieteten Schilluks und dann Nuehrs, die Dahabi?h von ihnen ziehen zu lassen, und doch war Abu el Mot, als wir Diakin erreichten, schon seit fast zwei Tagen fort. Ich erfuhr, da? er ?ber dreihundert Nuehrs angeworben hatte, jedenfalls f?r den Raubzug zu den Niam-niam. In Diakin hatte er einen Sandal und einen Noqer gemietet. Es galt nun, wer schneller segelte, seine Fahrzeuge oder unsre Dahabi?h.

Nun, wer war schneller?

Bis jetzt er, denn wir haben ihn noch nicht eingeholt.

Und wissens vielleicht, wie weit er Ihnen voran ist?

Nein. Kann ich zu Lande einer F?hrte folgen, so ersehe ich aus der Spur sehr leicht, wie nahe ich den Gesuchten bin. Das Wasser aber l??t keine solchen Zeichen zur?ck. Wir haben die m?glichste Geschwindigkeit entwickelt. Wenn die Beschaffenheit des Ufers es erlaubt, so arbeiten wir am Zugseile; die Sto?stangen sind w?hrend des ganzen Tages in Th?tigkeit, und da unser Fahrzeug ein vortrefflicher Segler ist, so vermute ich allerdings, da? wir dem Sklavenj?ger ziemlich nahe sind.

Der Graue nickte vor sich hin. Ein unbestimmtes L?cheln spielte um seinen Mund, und seine Nasenspitze drehte sich her?ber und hin?ber, als ob sie etwas sagen m?chte und doch nicht sagen d?rfe. Endlich fragte er:

Wo ist denn der Bote, den wir Ihnen gsandt haben?

Hier an Bord. Dieser Sohn der Treue ist zwar jung, aber ein au?erordentlich brauchbarer Mensch. Ohne ihn w?ren wir noch weit zur?ck, denn er kennt den Nil und das Fahrwasser desselben so genau, wie ich meine Tasche kenne.

Weil er mit seinem Freunde Abd es Sirr sehr oft Fahrten abw?rts gmacht hat, deren Zweck man nit derf?hrt.

Wer ist dieser Abd es Sirr, dieser Sohn des Geheimnisses?

Das werdens schon noch h?ren. Sagens mir vorher, wer denn eigentlich der Heiduck ist, der sich Ihren Freund und Adjutant nennt?

Meinen Freund und Adjutanten? Ich habe keinen Adjutanten. Wen meinen Sie?

Nun, den roten Puthahn, der sich aufbl?ht, als ob er die Klugheit nur so mit Schneeschippen ausgl?ffelt h?tt.

Ah, der Ungar? Der Vater der elf Haare?

Ja, dieser ists.

Ein ganz vortrefflicher Kerl!

Wirklich?

Gewi?! Er ist treu, aufopfernd, klug und sehr mutig. Denken Sie, er hat mit mir zwei L?wen erlegt!

Das hat er mir freilich schon gsagt, und ich bin begierig, zu der fahren, wie das gschehn is. Aber auch klug soll er sein? Daf?r m?cht ich ihn doch nicht gelten lassen.

Warum nicht?

Weil man sich in seinen Quirlquatsch, wann er spricht, weder hinein noch wieder raus finden kann. Er will Latein verstehen und spricht doch a Deutsch, bei dem einem alle Z?hne aus dem Munde springen m?chten.

So hat er also auch mit Ihnen schon angebunden? Er ist ein halbes Original und tr?gt sich mit der Marotte herum, ein gelehrter Kerl zu sein. Sie werden ihn schon noch kennen lernen. Ich habe noch einen andern da, einen Freund von ihm, welcher Hadschi Ali hei?t und Vater des Gel?chters genannt wird. Dieser behauptet, alle L?nder und V?lker, alle St?dte und D?rfer der Erde zu kennen. Solche Leute mu? man mit Nachsicht behandeln. Wenn man ihnen ihre Neunundneunzig l??t, sind sie die besten Menschen.

Da bin ich freilich voreilig gwesen, denn ich hab ihn t?chtig ausgzankt.

O weh!

Ja. Ich war fast grob mit ihm, und im ?rger dar?ber ist er auf und davonglaufen. Jetzund thut mirs leid. Ich hab mir vorgnommen, es ihm abzubitten.

Das ist nicht n?tig. Wenn Sie ihn freundlich behandeln, wird er es wohl vergessen. Die Sache ist mehr lustig als ?rgerlich. Ich lasse ihn sprechen, und will mir je einmal die Geduld ausgehen, so denke ich daran, da? ich auch meine schwache Seite besitze und nicht immer klug und weise gehandelt habe.

Ich auch nit, stimmte der Graue bei. Ich h?tts wohl auch zuweilen gscheiter machen k?nnen, besonders damals!

Damals? Was meinen Sie?

Nun, als ich in der Quart gsessen bin.

Schwarz glaubte, da? es sich um etwas Besonderes und Wichtiges handle, und fragte:

Was ist Ihnen da geschehen?

A arger Streich. Ich sprech zwar nie davon, und niemand brauchts zu wissen, aber unter Freunden darf man schon offen sein. Wissens, der Professor von der Naturgeschicht hat n Spitz auf mich ghabt, weil ich ihn immer nach Dingen gfragt hab, welche selbst a Glehrter nit beantworten kann.

So, so! dehnte Schwarz, vollst?ndig ?berzeugt, da? er etwas Hochinteressantes erfahren werde.

Ja, so ists gwesen. Er hat nur auf die Gelegenheit gwartet, mich daf?r in die Tinte zu bringen. Nachher ists Examen kommen, und ich hab die neue Chemisetten umgbunden und den bunten Schlips dazu, weil es mir dann mit dem Antworten gar nicht fehlen kann. Die Fragen sind nach der Reih an uns grichtet worden, und als ich dran war, bin ich aufgstanden und hab wunder denkt, was er mich fragen werd.

Nun, bitte weiter!

Ja, weiter! Jetzt kommt das Loch, in welches ich gstolpert bin. Was denkens wohl, was er mich gfragt hat?

Das kann ich nicht erraten.

Nein, denn ich selbst h?tts nit derraten konnt. Er hat n?mlich wissen wollen, warum die V?gel Federn haben.

Der Graue hatte seine Geschichte so ernst vorgetragen, als ob es sich um eine wichtige Staatsaffaire handle. Darum f?hlte sich Schwarz jetzt ungeheuer entt?uscht. Er wu?te sozusagen nicht, ob er lachen oder weinen solle, hielt es aber doch f?r seine Schuldigkeit, sich zu erkundigen:

Welche Antwort haben Sie ihm denn gegeben?

Zun?chst hab ich gar nix gsagt.

Das w?re mir an Ihrer Stelle ganz ebenso passiert.

Nit wahr! Sie sind halt ein verst?ndnisvoller Mann. Ich hab zwei gro?e Augen gmacht und den Mund offen ghabt, damit mir eine richtige Antwort kommen soll, und nachhero bin ich

Er wurde unterbrochen, denn es klopfte an, und der Vater der elf Haare trat herein. Er w?rdigte den Grauen keines Blickes und wendete sich an Schwarz, ihm eine Meldung zu machen. Er h?tte dies in arabischer Sprache thun k?nnen; aber da Pfotenhauer behauptet hatte, da? sein Deutsch nichts tauge, bediente er sich dieses letzteren, um den sch?ndlichen Beleidiger niederzuschmettern:

Ich meldete Besuch, kommender!

Wer will kommen? fragte Schwarz.

Es sein Lieutenant von Seribah, hiesiger.

Ah! Ist er schon da?

Noch nicht mit Vollst?ndigkeit. Er kommte her hinter R?cken, meinigem.

Du warst jetzt oben?

Ja. Ich seinte gegangte hinauf, weil unten hatt gese?te Person, unh?fliche!

Dabei warf er einen vernichtenden Blick auf den Grauen.

Und da sprach der Lieutenant mit dir von mir?

Er willte haben gewi?t, ob Sie wohnte auf Schiff, diesiges, oder herbergte in Seribah. Er hatt Absicht, freundliche, Sie einladente zu Mahl, abendliches. Er geschickte mich hieher, um zu erz?hlte von seiner Gegenwart, baldiger.

Gut! Wenn er kommt, so ?ffnest du ihm die Th?r.

Es soll geschehente mit Vergn?gen, allergr??tem!

Er verbeugte sich und wendete sich zum Gehen, drehte sich aber wieder um, trat zwei Schritte n?her und fragte Schwarz:

Sie haben lernen kennte alle F?higkeiten, meinige; ich bitt, mir zu gebte Zeugnis, wahrheitliches.

Wor?ber?

?ber Latein, meiniges.

F?r deinen Bedarf ist es mehr als ausreichend.

Ich sagte Dankbarkeit, herzliche!

Er warf dem Grauen von der Seite her einen triumphierenden Blick zu und fuhr fort:

Und noch eine Censur ?ber meine Sprache, germanische. Wie dr?ckte ich mich aus in die selbige? Mit Unkenntnis, wehmutsvoller, oder mit Leichtigkeit, au?erordentlicher?