Karl May.

Die Sklavenkarawane





Bald jedoch drangen die T?ne auch in Pfotenhauers Ohr. Es waren die zwei Silben heh lih, heh lih, welche immerfort wiederholt wurden. Heh fiel auf den Grundton und lih auf die kleine Terz; die Tonart war also Moll.

Dann aber war eine l?ngere Melodie, ein Lied zu h?ren, welches mehrere Strophen hatte. Die Worte der ersten waren noch undeutlich; bei der zweiten aber hatten sich die Schiffe schon so weit gen?hert, da? man den Gesang verstehen konnte. Der Deutsche vernahm die vier Verse:

Gerebd el beled, gered laoda,

Tered ab schora a loba hamoda.

Ja Rabb, sber tadil taraqu,

De gib nau mah moktaf rafiqu.

Man sieht, da? diese Verse sich reimen. Ins Deutsche ?bersetzt, lauten sie:

Immer n?her der Heimat.

Singen und freuen wir uns herzlich,

O Gott, gib gute Fahrt,

Wind und den Ruderern Kraft!

Jetzt kam das erste Schiff um die Kr?mmung. Es war ein Sandal und hatte volle Segel an den zwei Masten. Vom Vordermast ging das Zugseil nach dem jenseitigen Ufer, an dem man etwa ein Dutzend M?nner sah, welche sich vorgespannt hatten. Hinten neben dem Steuermann standen zwei Personen, welche sehr in die Augen fielen, eine sehr lange und sehr d?rre, in arabische Tracht gekleidete Gestalt und neben derselben ein Mann, dessen Kleidung aus drei St?cken bestand. Das erste war eine Art Badehose, welche kaum bis an das Knie reichte, das zweite ein Pantherfell, welches ihm hinten von den Schultern niederhing, und das dritte eine sehr hohe, zuckerhutf?rmige Kopfbedeckung, welche ganz mit Kaurimuscheln bedeckt war und von deren Spitze bunte Glasperlen herabhingen. Sein Gesicht war nicht ganz negerschwarz.

Der Lange ist Abu el Mot, sagte der Sohn des Geheimnisses.

Ist er es? antwortete der Graue. Diesen Kerl mu? ich mir genau betrachten.

Er legte sein Fernrohr auf den Rand des Bootes und richtete es nach dem ber?chtigten Sklavenj?ger. Dann fuhr er fort:

Er hat freilich ganz das Aussehen des Todes. Dieser Mensch ist ein wahres Gerippe. Wer mag der andre sein, welcher neben ihm steht?

Er ist ein Beng-did der Nuehr, denn bei ihnen d?rfen nur die Anf?hrer solche M?tzen tragen. Siehst du die Schwarzen, welche mit den Sto?stangen arbeiten und dabei singen? Das sind Nuehr. Ich ersehe das aus der Art und Weise, wie sie ihr Haar tragen.

So kommt dieser Abu el Mot viel eher, als ich dachte. Wie weit haben wir noch bis zur Seribah Madunga?

Wir werden sie gerade mit Sonnenuntergang erreichen. Sie liegt am rechten Ufer des Stromes; darum hat Abu el Mot sich an das linke gehalten. W?ren wir nicht so schnell umgekehrt, so h?tten diese Leute uns jetzt schon entdeckt. Weil ihnen die Lebensmittel fehlen, beeilen sie sich sehr und verlassen sich nicht blo? auf den Wind.

Dieser war dem Sandal g?nstig, denn er kam aus Nord. Die Sto?stangen vermehrten die Geschwindigkeit des Fahrzeuges so, da? die Leute, welche am Ufer am Seile zogen, Trab laufen mu?ten.

Als der Sandal vor?ber war, erschien das zweite Schiff, ein etwas kleinerer Noqer, welcher auch unter vollen Segeln ging und ?berdies vom Ufer aus am Seile gezogen wurde.

Sein Deck war von Nuehrs gef?llt.

Das Lied war zu Ende; man h?rte wieder das einfache heh lih, heh lih, welches desto leiser wurde, je weiter sich die beiden Schiffe aufw?rts entfernten. Doch erst nach einer Viertelstunde hatten sie eine so gen?gende Strecke zur?ckgelegt, da? der Sohn des Geheimnisses sagen konnte:

Jetzt kann man uns nicht mehr sehen. Es war mir doch bange, als sie vor?berkamen. Allah sei Dank, da? wir nicht entdeckt worden sind!

Pah! Was h?tte uns geschehen k?nnen! meinte der Graue.

Zu Sklaven h?tte man uns gemacht.

Auch mich?

Uns sicher.

Wir h?tten uns gewehrt.

Wahrscheinlich ohne Erfolg. Deine Waffen sind vortrefflich, aber wir w?ren doch zu schwach gegen diese ?bermacht gewesen. Besser ist es auf jeden Fall, da? wir gar nicht gesehen worden sind. Jetzt wollen wir fort.

Der Anker wurde aufgenommen, und dann nahm das Boot die unterbrochene Fahrt wieder auf. Die Ruderer strengten ihre Kr?fte doppelt an, um die vers?umte Zeit einzubringen.

Als die Sonne hinter dem linken Ufer des Stromes und den dort stehenden B?umen verschwunden war, zeigte es sich, da? der Steuermann ganz richtig gesch?tzt hatte. Man sah am rechten Ufer eine breite Mischrah, unter welchem Worte man eine Landestelle f?r Schiffe, eine Tr?nkstelle f?r die Herden und zugleich einen Weg versteht, welcher vom hohen Ufer herab nach dem Flusse f?hrt.

Das ist die Seribah, sagte der Sohn des Geheimnisses.

Das? fragte der Graue, indem er den Platz betrachtete. Man sieht doch nichts von ihr!

Weil sie nicht am Wasser, sondern auf dem Thaharah liegt. Ich kenne den Herrn, welchem sie geh?rt, und wei?, da? er uns willkommen hei?en wird.

Er steuerte das Boot nach der Mischrah und legte an derselben an. Man lie? den Anker fallen und befestigte das Fahrzeug au?erdem an einen der Pf?hle, welche zu diesem Zwecke eingerammt waren. Ein zur Seribah geh?riger Kahn lag nicht am Ufer. Man pflegt die Boote innerhalb der Umz?unung aufzubewahren, damit sie nicht weggef?hrt werden k?nnen.

Pfotenhauer glaubte, da? seine Ankunft von der Niederlassung gar nicht bemerkt worden sei; aber er irrte sich, denn kaum war er ausgestiegen, so scholl es hinter einem nahen Geb?sch hervor:

Halt, nicht weiter! Wer seid ihr?

Er blickte nach der Stelle hin und sah einige Flintenl?ufe durch die Zweige auf sich gerichtet. Seine Nase schwang sich sofort nach der entgegengesetzten Seite des Gesichtes, als wolle sie es verh?ten, von einer Kugel getroffen zu werden.

Thut die Flinten weg! antwortete er. Wir kommen nicht in feindlicher Absicht.

Woher kommt ihr? lautete die weitere Frage, ohne da? ein Mensch sich sehen lie?. Antwortet, oder ich mu? schie?en!

Die Stimme des verborgenen Sprechers klang eigent?mlich schnarrend, als ob er die Laute alle hinten am Gaumen bilde. Der Sohn des Geheimnisses hatte sich noch im Boote zu schaffen gemacht. Jetzt stieg er als der Letzte aus und rief als Antwort nach dem Busche hin:

Du kannst es glauben, da? wir Freunde sind. Ich erkenne dich an deiner Stimme, el Schachar. Komm nur hervor!

Dieser junge Mensch kennt meinen Namen, erklang es wieder, folglich habe ich nichts zu bef?rchten. Wir kommen.

Das Gestr?uch teilte sich, und es erschien ein alter, graub?rtiger Mensch, der eine lange Flinte in der Hand hielt. Ihm folgten drei andre. Sie waren Wei?e, aber ganz so sp?rlich bekleidet, wie die Neger es gew?hnlich sind.

Woher kennst du mich denn? fragte er, indem er n?her kam.

Das wirst du dir gleich selbst sagen, wenn du mich genauer anschaust.

So? Ich habe dich noch nie er hielt inne, betrachtete den J?ngling noch einmal und fuhr dann fort: Solltest du der Knabe sein, welcher damals so gern Abd el Mot kennen lernen wollte?

Ja, der bin ich.

Allah! Bist du wirklich der Junge, welcher besser schiessen konnte als ich? Dann hast du dich sehr zu deinem Vorteile ver?ndert. Als ich dich nicht wiedersah, glaubte ich, dir sei bei Abd el Mot ein Ungl?ck zugesto?en. Ich habe mich also geirrt, und das freut mich sehr. Sei mir willkommen!

Er reichte dem jungen Manne freundlich die Hand. Dieser sch?ttelte ihm die seinige und fragte:

Ist der Herr der Seribah daheim?

Nein. Er ist hin?ber nach Jau geritten, um Pulver zu holen. Darum hat er mir selbst die Bewachung der Mischrah anvertraut. Du wei?t, da? er sich auf mich verlassen kann.

Ja, du bist der ?lteste Askari dieser Seribah. Sahst du zwei Schiffe vor?bersegeln?

Wir sahen sie, haben sie aber nicht angesprochen.

Wei?t du, wer sich auf denselben befand?

Nein. Sie hielten sich hart an das andre Ufer, und der Flu? ist hier so breit, da? man wohl die Schiffe, nicht aber die Menschen, welche sich darauf befinden, sehen kann.

Es war Abu el Mot.

Dieser? Der Schetan mag ihn fressen! W?re er n?her vor?bergekommen, so h?tte ich ihm eine Kugel gegeben. Wer aber ist denn dieser fremde Mann, und was will er hier?

Er deutete auf Pfotenhauer.

Er ist ein v?terlicher Freund von mir, antwortete der Steuermann, und w?nscht einige Tage hier bleiben zu d?rfen, um Bekannte zu erwarten, welche ihn hier abholen wollen.

Er wird willkommen sein. F?hre ihn hinauf in die Seribah zum Lieutenant, welcher w?hrend der Abwesenheit des Herrn das Kommando f?hrt! Das Boot k?nnt ihr hier lassen. Ich werde es bewachen.

Der Sohn des Geheimnisses wandte sich wie einer, welcher den Weg genau kennt, der Mischrah zu und forderte den Grauen auf, ihm zu folgen. Die Niam-niam kamen schweigend hinterdrein.

Es hatte fr?her hier Wald gegeben, doch war er so gelichtet worden, da? er diesen Namen nicht mehr verdiente. Das Ufer war ziemlich steil und sehr hoch, doch verursachte der Aufstieg keine Beschwerde, denn der Weg war von t?glich nach dem Flusse zur Tr?nke gef?hrten Herden breit ausgetreten.

Als Pfotenhauer oben ankam, sah er die Seribah vor sich liegen. Sie war von gr??erem Umfange als diejenige Abu el Mots und besa? etwas, was hier eine gro?e Seltenheit genannt werden mu?te, n?mlich ein aus St?mmen und Brettern errichtetes T?rmchen, um welches eine schmale Galerie f?hrte. Das war das Minaret der Seribah.

Vor dem Thore, welches durch die starke Umz?unung f?hrte, stand ein Wachtposten, welcher die Ank?mmlinge eintreten lie?, ohne eine Frage auszusprechen. Jetzt konnte man die zahlreichen Tokuls sehen, aus denen diese Niederlassung bestand. Zwischen den H?tten herrschte ein reges, kriegerisches Leben. Es sah aus, als ob man sich hier zu einem Kriegszuge r?ste.

Rechts und links von dem Minaret stand je ein gr??erer Tokul, nach welchem der Sohn des Geheimnisses seine Schritte lenkte, ohne auf die neugierigen Blicke zu achten, mit denen er von den Bewohnern der Seribah angeschaut wurde.

Rechts wohnt der Herr und links der Lieutenant, erkl?rte er dem Deutschen. Da der erstere nicht anwesend ist, m?ssen wir uns dem letzteren melden.

Sie hatten den links liegenden Tokul noch nicht ganz erreicht, als der Herr desselben aus der Th?r trat. Er sah ?berrascht auf, als er die Nahenden erblickte; kaum aber hatte er den J?ngling gesehen, so rief er aus:

Knabe, du bist es? Du l?ssest dich wieder einmal sehen! Wir glaubten dich verloren. Sei willkommen, und sage, wen du uns bringst! Das sind Niam-niam. Soll ich sie zu Sklaven machen?

Er war vielleicht noch ?lter als der Schnarcher, welcher unten am Flusse Wache stand. Auch er sch?ttelte dem J?nglinge die Hand; dieser antwortete:

Sie sind meine Br?der, denn ich wohne bei ihnen. Ich komme, um dir diesen fremden Effendi zu empfehlen, welcher f?r einige Tage dein Gast sein m?chte.

Er deutete auf den Deutschen. Der Lieutenant reichte auch diesem die Hand und sagte:

Wer du auch bist, ich hei?e dich willkommen, da dich dieser Knabe zu mir bringt. Er mag deine Niam-niam zu unsern Negern f?hren, bei denen sie sich wohlbefinden werden. Dir aber will ich den Tokul anweisen, welcher f?r unsre Besucher bestimmt ist. Folge mir!

Er brachte den Grauen nach einer H?tte, deren Bestimmung man ihr bereits von au?en anmerkte, denn sie war sorgf?ltiger gebaut und sah viel sauberer aus als die andern Bauwerke, obgleich sie aus dem gleichen Materiale bestand. Das Innere entsprach dem ?u?eren. Der Boden war mit Fellen belegt, und auf der sich rundum ziehenden Erh?hung, welche als Sitz und Schlafst?tte diente, lagen weiche Decken. In der Mitte hing eine Lampe herab, und in der Wand waren sogar einige Fenster?ffnungen angebracht.

Dieses Haus ist dein, sagte der Lieutenant. Mache es dir bequem! Ich gehe, dir einen Diener zu senden, welcher den Befehl erh?lt, dir alles zu bringen, was du bedarfst. Wenn du ausgeruht hast, werde ich dich besuchen.

Pfotenhauer konnte mit diesem Empfange sehr zufrieden sein. Er hatte ein eigenes Haus bekommen, ohne nach seinem Namen und seinen Absichten gefragt zu werden.

Als der Lieutenant den Tokul verlassen hatte, ert?nte drau?en der weithin h?rbare Ton des Klangbrettes, und dann erscholl die Stimme des Ausrufers:

Eilt zum Gebete! El Mogreb ist da, denn die Sonne will im Westen verschwinden. Es ist nur ein Gott, und Mohammed ist sein Prophet. Bezeuget, da? es nur diesen einen gibt! Allah akbar, Allah hu akbar!

Der Deutsche trat an das Fenster und erblickte den Ausrufer auf der Galerie des T?rmchens. Unten lagen die Leute auf den Knieen, um zu beten. Er konnte von seinem Fenster aus in gerader Richtung bis nach dem Thore sehen, durch welches er gekommen war. Eben als der Ausrufer seinen Spruch begonnen hatte, waren dort mehrere M?nner erschienen, von denen anzunehmen war, da? sie nicht zu der Seribah geh?rten. Auch sie waren auf die Kniee gesunken. Nach dem Gebete erhoben sie sich wieder und schritten auf den Tokul des Lieutenants zu.

Sie waren Soldaten, aber nicht etwa Asaker einer Seribah, sondern wirkliche Soldaten, denn sie trugen, nur einen ausgenommen, die Uniform des Vicek?nigs. Der Voranschreitende war Offizier. Er trug die Abzeichen eines Kolarghasi. Neben ihm ging ein kleiner Kerl, welcher auch in eine Uniform gekleidet war, aber in was f?r eine! Er hatte n?mlich eine blaue Hose an, deren Beine nur das Knie erreichten. Dar?ber trug er einen uralten, roten, englischen Milit?rfrack, auf dessen Achseln m?chtige wollene, franz?sische Epauletten befestigt waren. Um den Kopf war eine Art Turban geschlungen, von dem lange Federn herabhingen. Da der Frack vorn weit auseinander ging, sah man, da? dieser Mann weder eine Weste noch ein Hemd hatte. Um die Taille ging ein Ledergurt, in welchem zwei Pistolen und ein Messer steckten; auch hingen mehrere Beutel an demselben, welche wohl verschiedene notwendige Kleinigkeiten enthielten. In der Hand trug er ein altes, schweres Gewehr, welches von ungew?hnlich gro?em Kaliber war.

Dieser Mann trat mit dem Offizier bei dem Lieutenant ein. Die vier Soldaten, welche mit ihnen gekommen waren, blieben vor der Th?r stehen.

Das war es, was der Graue bei dem schnell scheidenden Tageslichte hatte sehen k?nnen; dann wurde es dunkel, und ein Neger kam herein, um die Lampe anzubrennen und zu melden, da? er der verhei?ene Diener sei. Er entfernte sich wieder, um gleich darauf dem Gaste einen Krug voll Merissah und einige neugebackene Fladenbrote zu bringen.

Kurze Zeit sp?ter kam der Sohn des Geheimnisses zu dem Deutschen, um zu erfahren, ob es ihm in seiner Wohnung gefalle.

Ganz gut, antwortete dieser. Wo wohnst denn du?

In dem Tokul des Schnarchers, welcher sich sehr dar?ber freuen wird, mich bei sich zu finden, wenn er abgel?st worden ist.

Ich war ganz erstaunt, zu h?ren, da? ihr einander kennt. Du warst schon hier?

Wie du geh?rt hast, ja.

Wie lange?

Mehrere Monate.

Wann?

Vor vier Jahren.

Was wolltest du hier?

Herr, das ist ein Geheimnis.

So! Ich h?rte, da? es sich dabei um Abd el Mot gehandelt hat. Du hast also ihn und Abu el Mot schon fr?her gekannt?

Ja, Effendi.

Ohne mir ein Wort davon zu sagen!

Z?rne mir nicht! Es ist das eine Sache, von welcher ich nicht spreche.

Ich beabsichtige keineswegs, in deine Geheimnisse zu dringen. Aber sage mir nur das Eine, ob du damals allein oder in Begleitung hieher gekommen bist!

Auch hiervon spreche ich nicht gern.

Gut! Hast du die Fremden gesehen, welche vorhin gekommen sind?

Ja. Ich war dabei, als der Lieutenant mit ihnen sprach. Der Offizier ist mit einer Dahabi?h bis in die N?he der Seribah gekommen und hat angefragt, ob er unten an der Mischrah Anker werfen darf.

Woher kommt er?

Stromaufw?rts. Er fragte, ob der Lieutenant nicht wisse, ob Abu el Mot auf seiner Seribah angekommen sei.

Hast du nicht gefragt, ob dieser Offizier vielleicht Reisende auf seinem Schiffe habe?

Nein. Er sprach mit dem Befehlshaber, nicht aber mit mir.

Es ist doch leicht m?glich, da? sich der Bruder meines Gef?hrten auf dieser Dahabi?h befindet. Ich werde zu dem Hauptmann gehen, um ihn zu fragen.

Er ist nicht mehr hier, sondern mit seinen Soldaten wieder fort, um das Schiff herbeizuholen.

So mu? ich warten, bis er zur?ckkehrt.

Das ist nicht notwendig, denn sein Begleiter, welcher das Kleid eines Babral tr?gt, ist hier geblieben. Soll ich ihn zu dir senden?

Ja, hole ihn!

Der Sohn des Geheimnisses ging, und bald darauf trat der Rotbefrackte ein. Sein Gesicht war voller Pockennarben, und vielleicht war es eine Folge dieser Krankheit, da? sein Bart nur aus wenigen Haaren bestand, welche er aber steif gummiert hatte, da? sie wie Borsten nach den Seiten standen. Er verbeugte sich auf orientalische Weise und sagte:

Ich h?re, da? du ein Effendi bist und mich sprechen willst. Was hast du mir zu sagen?

Ich wollte gern wissen, woher die Dahabi?h kommt, auf welcher du gefahren bist.

Sie kommt von Faschodah herauf.

Ah! Hast du dich gleich von Faschodah aus auf diesem Schiffe befunden?

Ja.

Wer sind die Passagiere?

Lauter Soldaten.

Sind keine Civilisten dabei?

Einige.

Wer sind diese Leute?

Vor allen Dingen ich!

Du bist also nicht Soldat?

Nein.

Tr?gst aber doch Uniform?

Weil es mir so beliebt, und weil meine Reise eine kriegerische ist.

Willst du mir deinen Namen sagen?

Meinen eigentlichen Namen w?rdest du nicht aussprechen k?nnen. Gew?hnlich werde ich Abu el Hadascht scharin, Vater der elf Haare, genannt. Bei mir befindet sich mein Kamerad Abu Dihk, der Vater des Gel?chters.

Weiter niemand?

Noch einer, ein gro?er Gelehrter und Effendi, dessen Freund und Adjutant ich bin.

Wie hei?t er?

Abu l arba ijun, Vater der vier Augen.

Der vier Augen. So tr?gt er wohl eine Brille?

Ja.

Wo will er hin?

Zu den Niam-niam, und vorher nach der Seribah, welche Abu el Mot geh?rt.

Bisher hatte der Deutsche gesessen; jetzt sprang er auf und rief:

Er ist ein Fremder, ein Deutscher, und hei?t Schwarz?

Das ist er, und so hei?t er, ja. Kennst du ihn?

Nein; aber ich kenne seinen Bruder, der ihm entgegengefahren ist. Also er ist da; er ist hier; er wird mit der Dahabi?h kommen?

So ist es. Ich werde jetzt hinunter zur Mischrah gehen, um ihn zu empfangen.

Ich begleite dich. Ich mu? dort sein, wenn er aussteigt. Ich mu? ihn begr??en!

So komm! Deine Begleitung ist mir nicht unangenehm.

Er sagte das in dem Tone eines G?nners, welcher sich in guter Stimmung befindet. Pfotenhauer nahm das ruhig hin. Sie verlie?en den Tokul und auch die Seribah, ohne von dem Thorposten angehalten zu werden, und schritten zum Strom hinab. Dort stand der Schnarcher noch mit seinen Leuten. Das Boot, mit welchem der Deutsche gekommen war, lag am Ufer. Da es bequeme Sitze bot, setzten sich die beiden hinein.

Also du bist sein Freund und Adjutant! Seit wann denn? fragte der Graue.

Seit Faschodah. Wir lernten uns in der W?ste kennen, wo wir zwei L?wen t?teten und die Homr besiegten, welche uns ?berfallen wollten. Er ist ein au?erordentlich tapferer und gelehrter Mann.

Das wei? ich.

Und er thut nichts ohne mich! f?gte der Kleine wichtig hinzu.

So! Dann seid ihr wohl recht vertraut miteinander?

Au?erordentlich! Wie zwei Br?der! Das versteht sich auch ganz von selbst, da auch ich Gelehrter bin.

Du?

Ja, ich! Glaubst du das?

Ich glaube es, da du mir bis jetzt das Gegenteil noch nicht bewiesen hast.

Das wird auch nie bewiesen werden. Bei meinem Latein nehme ich es mit einem jeden auf.

Latein? fragte Pfotenhauer erstaunt. Wie kommst du auf dieses Wort?

Wort? Ich spreche ja die ganze lateinische Sprache!

Unm?glich! Wo h?ttest du das gelernt?

Bei dem ber?hmten Mathias Wagner, mit dem ich den ganzen Sudan bereist habe. Er war mein Landsmann.

Landsmann? Soviel ich wei?, war Wagner ein Ungar aus dem Eisenst?dter Komitate!

?Das stimmt. Auch ich bin ein Magyar, aus Nagy Mihaly bei Ungvar. Doktor Schwarz ist ganz gl?cklich, in dieser abgelegenen Welt mit mir deutsch sprechen zu k?nnen.

Was, du sprichst auch deutsch?

Ausgezeichnet!

Wirklich, wirklich? Das freut mich ungemein, denn ich bin auch ein Deutscher!

Der Vater der elf Haare fuhr freudig erschrocken auf und rief, indem er sich sofort der deutschen Sprache bediente:

Was? Wie? Ein Deutsches seinte Sie?

Ja, freilich! antwortete der Graue in derselben Sprache.

Woher?

Aus Bayern.

O, das seinte sch?n, das seinte gut! Ich warrr geweste auch in Land, bayrisches.

So! Das gfreut mich halt au?erordentlich, wanns meine Heimat kennen.

Ja, ich seinte gebliebte in M?nchen, wo ich hatt trunkte Bier, Sedlmeirisches; ich hatt dazu gege?te Rettich, schwarzigen, und W?rstel, senftigte.

Ja, a gutes Bier mit Rettich und auch W?rstel, das ist bei uns zu haben; darauf versteht man sich bei uns in Bayern. Aber wanns aan Ungar sind, so hei?ens doch nicht von Haus aus Vater der elf Haare. Wie ist denn Ihr Name?

Ich hei?te Uszkar Istvan. Und wie seinte Namen Ihriger?

Pfotenhauer. Aber, erlauben Sie, was sprechen Sie denn da f?r aan Dialekt? So was hab ich noch nie gh?rt.

Dialekt? Ich sprechte kein Deutsch, dialektiges, sondern ein Deutsch, reinheitlichtes.

So! Das m?cht ich wohl bezweifeln. Wann Ihr Latein auch ein so reines ist, so k?nntens Ihna f?r Geld h?ren lassen.

Ja, das h?tt ich gekonnte. Ich sein geweste stets Philolog, erstaunlicher, und Pomolog, bedeutender!