Karl May.

Die Sklavenkarawane





Dann, als die Sonne verschwunden war, ging es weiter. Es wurde finster, und nun war es dem Deutschen nicht mehr m?glich, die Landschaft zu sehen, durch welche sie kamen. Er bemerkte nur, da? es stets bergauf ging, oft ?ber steile Gel?nde, oft durch enge Th?ler. Einige Male kam man an S?mpfen vor?ber, von denen sich Myriaden Stechfliegen erhoben, um sich auf Menschen und Tiere zu werfen und den Zug auf weite Strecken zu verfolgen. Dann f?hlten die Gefangenen es schmerzlich, da? sie mit ihren gefesselten H?nden nicht im stande waren, diese Blutsauger von sich abzuwehren.

Je sp?ter, desto heller wurde der Glanz der Sterne, der den Marsch wesentlich erleichterte. Zuweilen kehrte einer der Sp?her zur?ck, um eine leise Meldung zu machen. Endlich, vielleicht eine Stunde vor Mitternacht, gebot Abd el Mot Halt.

Schwarz strengte seine Augen an, vielleicht das Dorf zu sehen, doch vergeblich. Boten kamen und gingen wieder; der Anf?hrer verkehrte leise mit ihnen. S?mtliche Reit und Lasttiere wurden unter der Obhut einer Anzahl W?chter nach einem sicheren Orte geschafft; kleine Abteilungen der Asaker marschierten ab, geradeaus, nach rechts und nach links, und endlich hielt Abd el Mot nur noch mit zehn M?nnern bei den Gefangenen, welche nat?rlich von ihrem Ochsen losgebunden worden waren.

In kurzer Zeit werdet ihr sehen, wie man es machen mu?, um Sklaven zu bekommen, sagte er. Denkt aber, wenn es losgeht, ja nicht, da? ihr diese Gelegenheit zur Flucht ben?tzen k?nnt! Ihr w?rdet augenblicklich erschossen werden!

Dem Deutschen war traurig zu Mute; er dachte nicht an sich, sondern an die armen, unschuldigen und nichts ahnenden Schwarzen, welche auf eine so entsetzliche Weise aus ihrer Ruhe gest?rt werden sollten.

Liegt das Dorf in der N?he? fragte er, doch ohne Hoffnung, eine Antwort zu erhalten.

Er erhielt doch eine. Abd el Mot selbst gab sie ihm:

Ja. Ihr werdet mit bis an die Umz?unung gehen und alles sehen.

Ist der ?berfall unwiderruflich beschlossen?

Allah! Wer soll ihn widerrufen, und warum?

Bedenke, da? sie dir nichts gethan haben und Menschen sind wir du!

Schweig! erhielt er barsch zur Antwort. Ich habe dich nicht gefangen, um mich von dir belehren zu lassen. Diese Schwarzen sind wie das Vieh. Sie f?hlen nichts und lecken die Hand, von welcher sie geschlagen werden. Sage mir vielmehr jetzt, wie man dein Gewehr zu handhaben hat. Ich wei?, es ist besser als alle unsre Flinten, aber ich wei? nicht, wie es geladen wird.

Willst du damit auf die Neger schie?en?

Was soll ich sonst damit wollen!

So h?nge es getrost wieder um! Ich will nicht durch eine solche Belehrung den Tod dieser Menschen verschulden.

Hund! Wirst du gehorchen oder nicht?

Nein!

Ich t?te dich!

Immer zu!

Abd el Mot besann sich, hing das Gewehr wieder um und sagte:

Jetzt nicht. Du wirst deine Strafe sp?ter empfangen. Vorw?rts!

Zwei Mann nahmen Schwarz und zwei andre den Emir bei der Gabel und zogen sie mit sich fort.

Die andern folgten leise, bis sich eine hohe dunkle Masse vor ihnen erhob, welche nach beiden Seiten mauer?hnlich in der Finsternis verlief. Das war die Dornhecke, von denen bekanntlich zwei, eine innere und eine ?u?ere, das gro?e Dorf Ombula umgaben.

Schwarz hatte w?hrend des ganzen Marsches bis hieher nachgedacht, ob es nicht doch ein Mittel gebe, das Dorf zu retten; aber es war ihm keins eingefallen. Jetzt kam ihm ein Gedanke, aber ein Gedanke, dessen Ausf?hrung ihm unbedingt das Leben kosten mu?te. Dennoch war er entschlossen, sein Leben f?r dasjenige vieler zu opfern.

Ich rette das Dorf doch noch, raunte er dem Emir zu.

Wie denn? fl?sterte dieser.

Ich werde mit aller Macht meiner Stimme schreien, da? man es durch ganz Ombula h?rt und alle Schl?fer davon erwachen.

Allah beh?te dich! Du gibst dein Leben hin, ohne einen einzigen zu retten. Das Dorf ist eingeschlossen, und kein Mensch kann entkommen. Dein Rufen w?rde das Elend nur erh?hen, denn es ist besser, im Schlafe, als im Wachen erschlagen zu werden.

Das waren triftige Gr?nde; dennoch ?ffnete Schwarz bereits den Mund, um seinen todesmutigen Vorsatz auszuf?hren, als einer der Unteroffiziere herbeikam, um dem Anf?hrer zu melden:

Es kann beginnen. Alle stehen bereit. Die W?chter des Eingangs sind still umgebracht worden, und auch der Pferch der Tiere ist umstellt.

Da mu?te Schwarz freilich einsehen, da? sein Opfer vollst?ndig nutzlos gewesen w?re.

Brenn an, den andern zum Zeichen, gebot Abd el Mot dem Manne.

Dieser kauerte sich nieder ein leiser Klang von Stahl und Stein ein springender Funke eine glimmende Flintenlunte und dann ein kleines Fl?mmchen, welches rasch anwuchs, sich zerteilte und dann in zehn, zwanzig Zickzackschlangen an der ausgedorrten Hecke emporlief. Wenige Sekunden sp?ter stand an dieser Stelle die Einfriedigung bereits mehrere Meter breit in Flammen, welche so schnell weiterliefen, als ob der Zaun aus ge?ltem Papier bestanden h?tte.

Zur Rechten und zur Linken, fern und nahe, zuckten gleiche Flammen auf. Nach Verlauf von zwei Minuten stand die Umz?unung des ganzen Dorfes in hellen, haushoch emporschlagenden und keine L?cke lassenden Flammen. Von jenseits erschallten angstvolle Rufe, von Sch?ssen beantwortet.

Die W?chter bei den Herden sind erwacht; sie werden erschossen, erkl?rte Abd el Mot mit teuflischer Freude.

Jetzt geht es los. Ihr werdet die Dscharahdin gleich winseln h?ren.

Ein starker Luftzug, von den Flammen aufgeweckt, begann zu wehen, und die Stimme des Feuers ging wie das Brausen einer fernen Brandung durch die grell erleuchtete Nacht. Hierein mischten sich einzelne Schreie, welche den Lippen derer entsprangen, die durch die Sch?sse aus dem Schlafe geweckt wurden. Die Bewohner des Dorfes waren erwacht. Sie sprangen aus ihren Tokuls und erkannten mit Entsetzen, da? die Umz?unung brannte. Noch war ihnen die ganze Gr??e ihres Ungl?cks verborgen.

Sie weckten die noch Schlafenden, um im Vereine mit ihnen das Feuer von ihren H?tten abzuwehren. Aber die umherfliegenden Funken fielen auf die aus d?rrem Schilfe bestehenden D?cher und steckten diese trotz aller Bem?hung der Bewohner in Brand. Bald standen s?mtliche Tokuls in Flammen. Die Neger konnten es in der Glut nicht aushalten. Aber wohin? Durch die brennende Umz?unung konnten sie nicht ins Freie; Auswege gab es nur durch die Thore. Diese pflegten des Tages offen zu stehen und des Nachts mit Schilfmatten verh?ngt und durch Krieger bewacht zu werden. Diese letzteren waren von den Sklavenj?gern aber ?berrascht und ermordet worden. Die Matten hatten sich schnell in Asche verwandelt, da sie aus einem Materiale bestanden, welches vom Feuer in wenigen Augenblicken verzehrt wird. Darum waren die Thore die einzigen Punkte, wo man aus der alles versengenden Glut hinaus ins Freie konnte. Diesen Stellen eilten die Ungl?cklichen zu.

Aber die Sklavenj?ger hatten das vorberechnet und sich in ausreichender Anzahl dort postiert. Jeder erwachsene Belanda, welcher vor einem der Thore erschien, wurde sofort erschossen; dasselbe Schicksal erlitten die alten Frauen. Die j?ngeren Personen ri? oder schlug man nieder und band sie mit Stricken, welche zu diesem Zwecke in gro?em Vorrate auf den Lasttieren mitgebracht worden waren.

Die Scene, welche das gab, l??t sich unm?glich beschreiben. M?nner kamen gesprungen, mit Kindern auf den Armen, die sie retten wollten. Sie st?rzten, von den Kugeln getroffen, nieder, und dann ri? man die Kinder aus ihren Armen. Hier kam eine alte Frau durch das Thor gerannt, laut aufjubelnd, da? sie dem Feuer entgangen war; in demselben Augenblicke wurde sie mit dem Kolben niedergeschmettert. Ein junges Weib fl?chtete sich, zwei Knaben nach sich ziehend, durch das Thor. Die Kinder wurden ihr sofort entrissen; sie selbst warf man sofort nieder, um sie an H?nden und F??en zu binden. Ein st?mmiger Neger, welcher in weiten S?tzen zwischen den brennenden Tokuls nach dem Thore rannte, wurde von der Kugel nicht t?dlich getroffen. Er erhielt mit dem Flintenlaufe einen Sto? vor den Magen, so da? er niederst?rzte; dann schnitt man ihm die Achillessehne durch, so da? der ?rmste nicht entspringen konnte.

Es geschahen ?hnliche und noch viel schlimmere Thaten, so da? sich die Feder str?ubt, sie zu beschreiben. Aus den einzelnen Schreien, welche man zuerst geh?rt hatte, war ein allgemeines Geheul und Gebr?ll geworden. Die Neger hatten erkannt, da? sie es nicht mit einem zuf?llig ausgebrochenen Feuer, sondern mit einer Ghasuah zu thun hatten, welcher sie nicht entrinnen konnten. Die M?nner wu?ten, da? sie dem unerbittlichen Tode verfallen seien. Viele von ihnen rotteten sich zusammen, um k?mpfend zu sterben. Da sie aber keine Zeit gefunden hatten, ihre Waffen dem Feuer zu entrei?en, so waren sie nur auf ihre F?uste angewiesen und wurden schnell niedergemetzelt. Andre hatten ein Messer gefunden und ben?tzten dasselbe, sich selbst den Tod zu geben, indem sie sich damit erstachen. Einige sprangen freiwillig in die lodernden Flammen und rissen ihre Frauen oder Kinder mit hinein, um sie vor der Sklaverei zu retten.

Schwarz war es unm?glich, solche Scenen anzusehen. Er wendete sich ab. Er f?hlte sich unbeschreiblich ungl?cklich, nicht etwa aus Sorgen um sich selbst, sondern weil er gezwungen war, Zeuge dieser Grausamkeiten zu sein. Das Heulen der ungl?cklichen Neger, das Jauchzen der Sklavenj?ger wollte ihm die Besinnung rauben. Die letzteren kamen ihm im Scheine der lodernden Flammen wie Teufel vor, welche um die Seelen der Verdammten ihre h?llischen Reigen tanzen. H?tte es ihm ein Wort gekostet, sie alle in den Tod zu schicken, er h?tte es gethan, ohne sich ein Gewissen daraus zu machen.

Als seit dem Aufzucken der ersten Flamme eine halbe Stunde vergangen war, sah man das grausige Werk vollendet. Es erschien kein Neger mehr, um sich aus den Flammen zu retten. Wer sich nicht in den H?nden der Sklavenj?ger befand, war von denselben get?tet worden oder im Feuer umgekommen.

Drau?en vor dem brennenden Dorfe befanden sich die erbeuteten Herden, von einer Anzahl Asaker bewacht. Die andern h?teten die Gefangenen. Diese befanden sich in einem Zustande teils der gr??ten Aufregung, teils der tiefsten Niedergeschlagenheit. Die meisten sa?en am Boden, still weinend oder lautlos vor sich hinstarrend. Andre rasten zwischen diesen umher, geb?rdeten sich wie wahnsinnig und br?llten vor Verzweiflung wie wilde Tiere. Sie wurden mit der Peitsche sehr bald zur Ruhe gebracht.

Nun gebot Abd el Mot die Beute zu z?hlen. Die Unteroffiziere gingen umher, um die Gefangenen mit Kennerblicken zu mustern. Die einzelnen Arten wurden voneinander geschieden und zu Gruppen vereinigt. Man hatte gegen vierhundert Knaben, ebensoviel M?dchen und fast zweihundert j?ngere Frauen erbeutet. Au?erdem gab es noch viele kleine Kinder, welche man ihren M?ttern einstweilen noch lie?. Im ersten Augenblick war es notwendig gewesen, den Gefangenen auch an die F??e Fesseln zu legen; dann aber hatte man sie von denselben befreit, um ihnen die notwendigste Beweglichkeit zu gestatten. Sie wurden wieder zusammengetrieben und mu?ten sich niedersetzen. An die Flucht dachte keine dieser ungl?cklichen Personen. Sie waren ja rund von bewaffneten M?nnern umstellt, und man hatte ihnen gedroht, da? wer es wage, von seinem Platze auch nur aufzustehen, augenblicklich erschossen werde.

An einen Schlaf war nicht zu denken, weder bei den Gefangenen, noch bei den Sklavenj?gern. Diese letzteren hatten noch nie einen so reichlichen Fang gemacht. Beinahe tausend Sklaven, ohne das Vieh, welches eine ebenso wertvolle Beute war! Das machte diese Menschen beinahe wonnetrunken. Sie jubelten, lachten und scherzten und erz?hlten einander die Heldenthaten, welche sie ausgef?hrt hatten, indem sie die fliehenden M?nner erschossen, erstachen oder niederschlugen.

Abd el Mot war stolz auf das Gelingen seines Raubzuges; er befand sich in der heitersten Laune. Die Folge davon war, da? er in fast freundlichem Tone zu dem Deutschen sagte:

Ihr werdet Hunger haben. Soll ich euch zu essen geben lassen?

Nein, antwortete Schwarz. Ich bin satt, vollst?ndig satt. Wer k?nnte jetzt ans Essen oder Trinken denken!

Ganz wie du willst! Freust du dich nicht, so viele Gef?hrten bekommen zu haben, denen du dein Ungl?ck klagen kannst?

Spotte immerhin! Ich bin gl?cklicher als du. Wenn du einst ?ber es Ssireth, die Br?cke des Todes, gehst, werden die Seelen der heute Ermordeten dich in die grausigste Tiefe ziehen, und weder Allah noch dein Prophet wird sich dein erbarmen. Mir graut vor dir!

Du bist sehr aufrichtig. Eigentlich sollte ich dich daf?r bestrafen, aber mein Herz ist heiter gestimmt, und so will ich dir verzeihen. Ich will dir sogar den Beweis einer G?te geben, zu welcher ich mich sonst nur schwer zu verstehen pflege. Ihr werdet erm?det sein und der Ruhe bed?rfen. Die Schebah verhindert euch, zu schlafen. Ich will sie euch abnehmen lassen und hoffe, da? ihr mir f?r diese Gnade danken werdet.

Er gab einigen seiner Leute den betreffenden Befehl. Diese nahmen den beiden die Gabeln vom Halse, doch erstreckte sich die gew?hrte Erleichterung nicht so weit, wie Schwarz vermutet hatte. Er mu?te sich vielmehr mit dem R?cken auf die Schebah legen und wurde mit derselben so zusammengebunden, da? er lang ausgestreckt am Boden lag und sich nicht bewegen konnte. Dem Emir erging es ebenso. Dann mu?te sich ein Soldat zwischen sie setzen, um sie w?hrend der Nacht zu bewachen.

Diese Nacht war die schrecklichste, welche Schwarz jemals erlebt hatte. Er vermochte kein Auge zuzuthun, und wenn er die Lider je einmal schlo?, so f?hrte die aufgeregte Phantasie die erlebten Scenen an seinem Inneren vor?ber. Die wenigen Stunden bis zum Morgen wurden ihm zur Ewigkeit, und er war unendlich froh, als der erste Schimmer des Tages die Sterne erbleichen lie?.

Aber wenn er der Ansicht gewesen war, da? der Tag ihn weniger Grausamkeiten werde sehen lassen als die Nacht, so hatte er sich geirrt.

Zun?chst verrichteten die Sklavenj?ger ihr Morgengebet. Dann wurde die Fahne aufgesteckt, und der Fakir las, an derselben stehend, die Sure des Sieges vor. Hierauf wurden mehrere Rinder und viele Schafe geschlachtet, um als Festspeise verzehrt zu werden. Die Gefangenen mu?ten die Orte angeben, wo ihre Matmurah und Siebah lagen.

Unter Matmurah versteht man gro?e, tiefe Gruben, in denen die Durrah aufbewahrt zu werden pflegt. Siebah sind kleine, auf Steinen errichtete und gut zugedeckte cylindrische Bauten, welche dem gleichen Zwecke dienen.

Man schaffte ganze Haufen von Durrah herbei, welche die gefangenen Frauen mahlen mu?ten, um dann Kisrah daraus zu backen und Merissah zu bereiten. F?r Abd el Mot, die Unteroffiziere und einige Soldaten, welche sich besonders ausgezeichnet hatten, wurde Mararah gebraten.

Diese gilt im ganzen Sudan als gro?er Leckerbissen und wird aus der Leber, den Ged?rmen und der Galle bereitet. Diese letztere Zuthat l??t es ganz selbstverst?ndlich erscheinen, da? die Mararah einem Europ?er unm?glich munden kann.

W?hrend diese Vorbereitungen getroffen wurden, ereignete sich etwas, was Schwarz mit Schauder erf?llte. Die Gefangenen sollten nat?rlich nach der Seribah Abu el Mots transportiert werden. Kleinere Kinder waren dabei hinderlich und unbequem. Darum gab Abd el Mot den Befehl, alle Kinder, welche das Alter von vier Jahren noch nicht erreicht hatten, zu t?ten. Die Aufregung, welche dieses Gebot bei den ungl?cklichen M?ttern hervorbrachte, l??t sich gar nicht beschreiben. Sie wollten die Kinder nicht hergeben; sie wehrten sich wie die L?winnen, doch vergeblich. Man bezwang sie mit der Peitsche. Als dieses unmenschliche Morden gethan war, wurde die ?brige Menschenbeute in der bekannten Weise aneinander gebunden, und dann erst ordnete sich die ganze Kolonne zum Abzug. Vorher kam aber Abd el Mot zu dem Emir und dem Deutschen, welche noch auf der Schebah an der Erde lagen, und sagte:

So macht man es mit dem schwarzen Fleische, welches man nicht gebrauchen kann. Ihr werdet mir zugeben, da? dies sehr klug gehandelt hei?t.

Du bist ein Satan! antwortete Schwarz in h?chstem Zorn.

Schimpfe und denke nicht, da? ich stets guter Laune bin.

St?nde ich mit freien Gliedern vor dir, so wollte ich dir zeigen, in welcher Laune ich mich jetzt befinde!

Was w?rdest du thun?

Ich erw?rgte dich! Ich sage dir, der Augenblick, welcher mir die Freiheit wiedergibt, ist zugleich der Augenblick deines Todes!

Drohe und belle immerhin, du Hund! lachte der Sklavenj?ger h?hnisch. Du wirst die Freiheit nicht wieder verkosten. Jetzt schone ich dich, sind wir aber auf der Seribah angekommen, so werde ich euch meine Rache in einer Weise f?hlen lassen, da? euch die Verdammnis der H?lle dagegen als Seligkeit erscheint!

Die Wakaa en nahr

Als der Vater des Storches zu seinem Boote zur?ckgekehrt war, hatte er nicht mit dem Aufbruche ges?umt. Die Sterne leuchteten hell genug, die Stromfahrt trotz der Nacht wagen zu lassen. Das Boot wurde losgebunden und nach der Mitte des Flusses gesteuert, wo sich die Niam-niam kr?ftig in die Ruder legten. Sie hatten, w?hrend sie auf den Grauen warteten, gegessen und sich ausgeruht, so da? das Boot unter dem Drucke ihrer muskul?sen Arme mit der Schnelligkeit eines Fisches abw?rts scho?, von der kundigen Hand des Sohnes des Geheimnisses gesteuert.

Diese Leute waren an das s?dliche Klima und die hiesigen Verh?ltnisse gew?hnt; sie konnten selbst au?ergew?hnliche Anstrengungen vertragen. Anders ist es mit dem Fremden, dem die Sorge f?r seine Gesundheit die m?glichste Schonung seiner Kr?fte gebietet. Darum h?llte Pfotenhauer sich in seine Decke und legte sich im Vorderteile des Fahrzeuges nieder, um einige Stunden zu schlafen.

Er kannte den eigent?mlichen Reiz, welchen die n?chtliche Scenerie des gewaltigen Stromes gew?hrt, genug, um sich diesen Genu? f?r heute einmal versagen zu k?nnen. Sein Schlaf war tief und lang, denn als er erwachte, stand die Sonne schon hoch ?ber dem Walde von Dalebpalmen, welcher am rechten Ufer stand, in dessen N?he der Sohn des Geheimnisses jetzt steuerte, und als er die Uhr zog, sah er zu seinem Staunen, da? er bis morgens zehn Uhr geschlafen hatte.

Die Niam-niam arbeiteten jetzt in der Weise, da? nur die H?lfte von ihnen ruderte, um von den andern, wenn diese ausgeruht hatten, abgel?st zu werden. ?brigens hatte das Wasser hier einen so bedeutenden Fall, da? es, um schnell zu fahren, keiner anstrengenden Nachhilfe mittels der Ruder bedurfte.

Zum Essen brauchte man keiner besonderen Pause; wer essen wollte, der a?, wenn er von der Arbeit abgel?st worden war. Getrunken wurde sehr einfach aus dem Flusse, und so suchte man das Ufer w?hrend des ganzen Tages gar nicht auf, bis man am sp?ten Nachmittag durch einen Umstand dazu gezwungen wurde, welcher den Insassen des Bootes beinahe gef?hrlich geworden w?re.

Man n?herte sich einer scharfen Kr?mmung des Flusses. Der konvex vorspringende Rand des rechten Ufers machte, da? man nicht sah, was jenseits dieser Kr?mmung lag und geschah. Da stand der Steuermann von seinem Platze auf, hielt die Hand muschelf?rmig an das Ohr, lauschte einige Augenblicke nach vorn und sagte dann:

Schu haida! Rina was h?re ich! Einen Gesang!

Wo? Auf dem Flusse?

Ja. Es kommen Menschen. Wer mag das sein? Doch nicht etwa Abu el Mot mit seinen Schiffen!

Wir d?rfen uns nicht sehen lassen. Also rasch ans Ufer!

An welches?

An das linke, denn dort ist Schilf, in dem wir uns verbergen k?nnen; hier am rechten aber gibt es wenig davon.

Der Sohn des Geheimnisses gehorchte und steuerte nach links. Als das Boot so weit hin?ber war, da? man um die Kr?mmung blicken konnte, nahm der Graue sein Fernrohr zur Hand. Kaum hatte er es angesetzt, so rief er erschrocken:

Schnell zur?ck, zur?ck nach rechts, sonst werden wir entdeckt! Ich sehe zwei Schiffe, aber auch Menschen, welche am Ufer laufen.

Sofort ri? der Steuermann das Ruder auf die andre Seite, und die Schwarzen legten sich so m?chtig in die Riemen, da? das Boot eine so scharfe Wendung machte, da? es fast gekentert w?re.

Leute am Ufer? fragte der Sohn des Geheimnisses Lagen die Schiffe denn vor Anker?

Nein. sie fuhren. Ich habe die Segel gesehen.

Dann haben sie das Liban am Maste, um schneller vorw?rts zu kommen. Wenn es zwei Schiffe sind, so geh?ren sie Abu el Mot. Ich war sehr unvorsichtig, da? ich deinem Befehle, nach links zu steuern, gehorchte. Ich h?rte die Leute singen. Das thun sie nur, wenn sie am Liban ziehen oder mit den Mitarah arbeiten. Zum Gl?ck hat hier rechts das Wasser eine Gras und Omm Sufahinsel angeschwemmt, welche uns verbergen wird.

Er steuerte das Boot scharf mitten in diese Insel hinein und lie? dann den Anker fallen. Das war, so weit man sehen konnte, am rechten Ufer der einzige Ort, welcher Schutz gew?hren konnte. Aber diese Insel war so niedrig, da? die M?nner sich in das Boot legen mu?ten, um nicht gesehen zu werden.

Der Deutsche mu?te das scharfe Geh?r des jungen Steuermanns bewundern, denn er selbst hatte nichts von einem Gesange vernommen. Er h?rte selbst jetzt noch keinen Ton, obgleich der J?ngling behauptete, das Singen jetzt sogar deutlicher als vorher zu vernehmen.