Karl May.

Die Sklavenkarawane





Das sollst du auch. Du sollst ebenso genau erw?gen wie ich. Wenn du Bedenken hast, so teile sie mir mit!

Ich werde es thun. Du hast mir gesagt, da? dieser J?ngling der Freund des Sohnes des F?rsten sei, da? er mit demselben gesprochen habe. Ich bin aber ?berzeugt, da? mein Sohn, falls er noch lebte, gar nicht sprechen k?nnte.

Wohl weil der Sklavenh?ndler dir damals gedroht hat, ihm auch die Zunge herauszuschneiden?

Ja.

Wahrscheinlich hat er es in der Absicht gethan, dein Leid dadurch zu vergr??ern. Die Klugheit aber riet ihm, die Drohung nicht auszuf?hren. Fr?her gab es ja wohl Verh?ltnisse, welche einen stummen Sklaven als brauchbar erscheinen lie?en; das ist aber heute nicht mehr der Fall. Ein Diener mu? sprechen k?nnen, um im stande zu sein, alle Auftr?ge seines Herrn auszuf?hren. Einen Sklaven, welcher stumm, also nur in beschr?nkter Weise brauchbar ist, wird in der jetzigen Zeit nur selten jemand kaufen. Das wu?te der Sklavenh?ndler. Folglich vermute ich, da? er deinen Sohn nicht verst?mmelt hat.

Dagegen ist einzuwenden, da? er ihn aus Rachsucht, nicht aber des Geldgewinnes wegen, geraubt hat. Er mu?te ihn stumm machen, um nicht von ihm verraten zu werden.

Ich wollte mich dieser Meinung anschlie?en, wenn der Knabe ?lter gewesen w?re. Und selbst in diesem Falle w?rde die Stummheit dem H?ndler keine gen?gende Sicherheit gew?hrt haben. Ein Stummer kann schreiben lernen und dann das, was er nicht mit dem Munde zu sagen vermag, zu Papiere bringen. Der Knabe war aber kaum drei Jahre alt. In diesem Alter gen?gen Monate, die bisherigen Eindr?cke aus der Seele zu verdr?ngen. Der Sklavenh?ndler hat sich gewi? gesagt, da? der Knabe, wenn er in vollst?ndig neue Verh?ltnisse komme, bald alles Bisherige vergessen werde.

Effendi, deine Einw?rfe begl?cken mich, obgleich ich aus ihnen entnehmen mu?, da? der betreffende J?ngling sich der ersten Zeit seiner Kindheit und also auch seiner Eltern nicht mehr erinnern kann.

Was das betrifft, so bin ich nicht im stande, dir genaue Auskunft zu geben. Der Sohn des Geheimnisses spricht niemals von seiner Vergangenheit; aber ich wei?, da? er eine heimliche Rache im Herzen tr?gt, und vermute, da? sich dieselbe auf den Mann bezieht, der ihn geraubt hat.

Der Araber sa? l?ngst nicht mehr an der Erde. Er war aufgesprungen, und auch Schwarz hatte sich aufgerichtet. Der erstere stand vor dem letzteren, welcher sein Gl?ck, sein Leben von jedem Worte, welches er h?rt, abh?ngig wei?.

Eine Rache, eine Rache also hat er! sagte er. Vielleicht hat er alles, alles vergessen, nur das eine nicht, da? er geraubt worden ist. Wie lange befindet er sich bei den Niam-niam? Kam er schon als Knabe zu ihnen?

Nein, sondern erst vor zwei Jahren. Er kam ganz allein und blieb da, ohne jemals mitzuteilen, wer er sei und woher er komme. Daher erh?lt er den Namen Sohn des Geheimnisses.

Und was thut er bei diesen Schwarzen? Womit ern?hrt er sich?

Der Sohn des F?rsten war ihm im Walde begegnet und hatte ihn zu seinem Vater gebracht.

Der fremde Knabe verstand mit den Waffen umzugehen und zeigte sich gleich in der ersten Zeit so mutig und ?beraus anstellig, da? der F?rst ihn in seine Leibwache aufnahm. In dieser Stellung befindet er sich so wohl, wie es unter solchen Verh?ltnissen nur m?glich ist. Er hat sich die Zuneigung aller, die ihn kennen, schnell erobert. Er ist sehr schweigsam, aber meine Beobachtungen lassen mich vermuten, da? er trotz seiner Jugend ein viel bewegtes Leben hinter sich hat. Er kennt fast alle V?lker vom Bahr el Abiad bis zu den gro?en Seen; er spricht mehrere ihrer Sprachen und Dialekte

Auch arabisch? fiel der J?ger ein.

Ja, auch arabisch. Ferner ist er in vielen Dingen geschickt, welche seinen jetzigen Genossen v?llig unbekannt sind; kurz, er wei? soviel und ist so gewandt, da? ein jeder Niam-niam ihn beneiden w?rde, wenn er ihn nicht lieben m??te.

So ist er also ein guter Mensch und steht ?berhaupt nicht so tief wie ein gew?hnlicher Neger? fragte Bala Ibn, indem zum erstenmal ein freudiges L?cheln ?ber sein ernstes, hageres Gesicht glitt.

Ja, sein Herz ist gut und rein, antwortete Schwarz. Er wei?, da? er den Schwarzen ?berlegen ist; dieses Bewu?tsein spricht sich in seinem Wesen, in seiner ganzen Erscheinung aus, aber sein Stolz ist ein derartiger, da? er nicht verletzen kann. So oft ich ihn beobachtete, ist er mir vorgekommen wie ein junges, edles Ro?, welches sich mit gew?hnlichen Pferden auf derselben Weide befindet. Es grast mit ihnen, es geh?rt zu ihnen, es vertr?gt sich mit ihnen, und doch sagt der erste Blick, den man auf dasselbe wirft, da? es einst einen sch?nern Sattel und einen vornehmern Reiter tragen werde, als die andern.

Allah, o Allah! rief der J?ger, indem er die H?nde faltete. Wenn er mein Sohn w?re, wenn er es wirklich w?re! Ich mu? zu den Niam-niam, um ihn zu sehen!

Du hast ihn schon gesehen.

Ich? Wo? klang es erstaunt.

Zwischen den Tr?mmern der Seribah Abu el Mots. Hast du den jungen Mann nicht bemerkt, der bei uns war, der allein zum Schech ging, um uns bei demselben anzumelden?

Ich habe ihn gesehen und gro?es Wohlgefallen an ihm gehabt. Als mein Auge auf ihn fiel, ging es wie ein fernes Licht in meinem Herzen auf, wie wenn ein verirrter Wanderer den Schein eines Lagerfeuers von weitem erblickt. Der also, der ists, den du meinst. Oh Mohammed und alle ihr heiligen Kalifen! Der J?ngling ist in meiner N?he gewesen, ich habe ihn gesehen, ich h?rte seine Stimme und habe nicht geahnt, da? er vielleicht derjenige ist, den ich so lange Jahre hindurch mit Schmerzen suche! Wo befindet er sich jetzt? Wo ist er hin?

Nach der Seribah Madunga. Er ist der Steuermann meines Bootes.

So kennt er den Flu?? So sind ihm die Ufer und L?nder desselben bekannt?

Sehr genau. Aber wie und bei welchen Gelegenheiten er sie kennen gelernt hat, davon spricht er nicht.

Er mu? trotz seiner achtzehn Jahre ein au?erordentlicher Charakter sein. Mein Herz klopft in freudiger und doch zugleich banger Erwartung, als ob es die Brust zersprengen wolle. Ich wei?, da? deine Leute in der Seribah auf dich warten sollen. Er wird bei ihnen bleiben, bis du kommst?

Nat?rlich! Ohne ihn k?nnte ich meine Reise nicht vollenden.

So gebe ich mein Suchen auf. Ich gehe jetzt mir dir nach Ombula, um die dortigen Leute zu warnen, und dann kehre ich in deiner Begleitung nach der Seribah Madunga zur?ck, um mit diesem Sohne des Geheimnisses zu sprechen. Ja, Herr, du hast recht gehabt, als du sagtest, man d?rfe an der Gnade Allahs nicht verzweifeln, als du behauptetest, da? vielleicht gerade du es seiest, durch den mir Hoffnung werden k?nne. Ich f?hle diese Hoffnung jetzt in mir. Ich bin pl?tzlich ein ganz andrer, ein ganz neuer Mensch geworden. Und das habe ich n?chst Allah dir zu verdanken. Wir wollen Freunde sein. Wir wollen die Gefahren unsres Weges redlich miteinander teilen und uns in keiner Not verlassen. Sage mir, ob du mein Freund, mein Bruder sein willst?

Gern, herzlich gern! Hier hast du meine Hand darauf. Er reichte ihm die Hand entgegen. Der andre schlug ein und sagte:

Da ist auch die meinige. Wei?t du, mit welchen Worten man einen Bund auf Leben und Tod schlie?t? Mit den Worten es suhbi l es suhbi, el umr la umr. Sage sie mir nach!

Schwarz wiederholte diese Formel; dann schlang der Araber die Arme um ihn, k??te ihn und rief:

Jetzt sind wir eins, eine einzige Person. Du bist ich, und ich bin du. Wehe dem Feinde, welcher dich oder mich beleidigt! Nun aber ists genug der Aufregung. Setzen wir uns wieder nieder, und dann magst du mir alles erz?hlen, was du von dem Sohne des Geheimnisses wei?t.

Sie nahmen wieder am Feuer Platz, und Schwarz begann, den verlangten Bericht zu erstatten. Er mu?te den J?ngling auf das Genaueste beschreiben und jedes Wort berichten, welches er mit demselben gesprochen hatte. Dar?ber verging eine lange Zeit, es wurde Mitternacht, und als dann der Stoff doch endlich ausgegangen war, mu?te der Deutsche an die Ruhe denken, die ihm nach der Anstrengung der beiden Tage so n?tig war.

Schlafe in Allahs Namen! sagte der Araber. Ich werde wachen und dich nicht wecken. Nach dem, was ich von dir erfahren habe, ist es mir unm?glich, ein Auge zu schlie?en. Du wirst das begreifen und dich also nicht weigern, mich an deiner Seite wachen zu lassen.

Schwarz sah ein, da? bei dem aufgeregten Manne an Schlaf unm?glich zu denken sei, darum ging er ohne Widerrede auf den Vorschlag ein, wickelte sich fest in seine Decke und schlo? die Augen.

Die Nacht verging ohne jedwede St?rung von au?en her. Der Deutsche wurde nicht geweckt; er erwachte von selbst, als der Moslem bei Tagesanbruch laut seine Morgenandacht verrichtete. Die Feuer glimmten noch, und in der hei?en Asche derselben wurden aus dem mitgebrachten Mehle eine Anzahl der landes?blichen Fladen gebacken, welche f?r den ganzen Tag ausreichten, zudem auch noch ein St?ck der gestern gebratenen Gans ?brig war.

W?hrend der Araber diese Arbeit verrichtete, f?tterte und tr?nkte Schwarz die Kamele. Dann wurde aufgebrochen.

Dem Elefantenj?ger war keineswegs anzusehen, da? er die ganze Nacht nicht geschlafen hatte. Er sah fast j?nger aus als gestern und behauptete, seit langen Jahren sich nicht so wohl befunden zu haben wie heute. Von so gro?em Einflusse ist der Gem?tszustand eines Menschen auf seinen K?rper!

Die beiden waren ?berzeugt, da? sie die Sklavenj?ger um die Mittagszeit einholen w?rden. Es sollte aber anders kommen. Als sie den Maijeh hinter sich hatten, f?hrte die F?hrte, welcher sie folgten, wieder in die N?he des Flusses. Dort stand ein dichter Wald, welcher zahlreiche B?sche als Vorposten in eine grasreiche Ebene sandte. Zwischen diesen Str?uchern schl?ngelte sich die F?hrte hin.

Hier auf dem verh?ltnism??ig leichten Boden sah man deutlicher als bisher, aus wie vielen Spuren dieselbe bestand; sie wurde bedeutend breiter. Die vielen Rinder, welche die Brandstifter der Seribah mitgenommen hatten, waren hier, wo die B?sche ihnen Leckereien boten, schwer zusammenzuhalten gewesen.

Die beiden M?nner ritten, sich laut unterhaltend, nebeneinander. Sie hatten keine Veranlassung, in dieser vermeintlichen Einsamkeit ihre Stimmen zu d?mpfen. Eben hatten sie eine Stelle passiert, an welcher die B?sche enger zusammentraten, und wollten nun auf einen freieren Platz einlenken, als Schwarz, welcher f?r diese kurze Strecke vorangeritten war, sein Kamel pl?tzlich mit einem j?hen Rucke anhielt, es schnell umlenkte, um wieder hinter das Gestr?uch zu kommen, und dabei hastig, aber leise sagte:

Alle Wetter! Einen Augenblick sp?ter, und wir w?ren entdeckt worden!

Von wem? fragte Bala Ibn.

Von Menschen, welche sich da drau?en auf der Ebene befinden und ihre Herden weiden.

Schwarze?

Schwarze und Wei?e.

Wer k?nnte das sein?

Werden es gleich sehen. Schauen wir uns diese Leute einmal aus dem Verborgenen an!

Er lie? sein Kamel niederknieen und stieg ab. Der Araber that dasselbe. Hinter dem Gestr?uch versteckt, blickten sie hinaus auf die vor ihnen liegende Scene.

Nach rechts hin, also nach West, dehnte sich eine weite, freie Ebene. Links, am Waldesrande, lagerten wohl gegen vierzig Menschen von allen Farben und in den verschiedensten Gew?ndern. Nahe bei sich hatten sie ihre Gewehre zusammengestellt. Gerade aus und nach rechts hin von den beiden heimlichen Beobachtern weideten zahlreiche Rinder nebst einigen Pferden und Kamelen. Unter den ersten B?umen des Waldes lagen Waren aufgeh?uft. Vielleicht zehn M?nner befanden sich drau?en vor den weidenden Tieren, um dieselben in Ordnung zu halten und sie zu verhindern, nach der Ebene auszubrechen. H?tte Schwarz sein Tier nur noch wenige Schritte machen lassen, so w?re er von diesen Leuten gesehen worden.

Wei?t du, wer diese Leute sind? fragte er seinen Kameraden.

Ja, nickte dieser.

Nun?

Die zur?ckgelassene Besatzung der Seribah, welche die letztere verbrannt und gepl?ndert hat.

Das vermute ich auch. Aber ich kann nur nicht begreifen, wie diese Menschen es wagen k?nnen, sich hier festzusetzen. Ich kann mir ?berhaupt nicht sagen, aus welchem Grunde sie dieselbe Richtung wie Abd el Mot eingeschlagen haben. Sie m?ssen ihm doch in die H?nde laufen.

Oder er ihnen! bemerkte der Araber, indem er die Geste des Erstechens machte.

Wie meinst du das?

Ich wei? nicht, ob ich mit meinen Gedanken das Richtige treffe. Ich habe bei den Dschur geh?rt, da? Abd el Mot bei seinen Untergebenen keine Beliebtheit besitzt, weil er grausam und ungerecht ist. Darum wird die Besatzung von ihm abgefallen sein. Aber au?er diesen f?nfzig M?nnern wird es noch viele andre geben, welche ebenso denken wie sie und ebenso w?nschen, frei zu werden, wenn sie dabei auch noch einen anderweiten Vorteil finden. Auf diese Gleichgesinnten wird der alte Feldwebel, der Anf?hrer der Emp?rer, rechnen. Was soll er mit den entf?hrten G?tern und mit den f?nfzig Mann thun? Er kann sie nur in dem Falle, da? er eine neue Seribah gr?ndet, recht verwerten, und ich vermute, da? dies auch wirklich seine Absicht ist. Zum Sklavenjagen sind f?nfzig Personen viel zu wenig; er mu? sich also nach mehr Leuten umsehen. Woher will er sie nehmen, und wo kann er sie leichter finden, als bei seinen bisherigen Kameraden?

Da magst du freilich recht haben, stimmte Schwarz bei.

Nur auf diese Weise, fuhr der J?ger fort, l??t es sich erkl?ren, da? er der Spur Abd el Mots gefolgt ist. Er will auf die R?ckkehr seiner Gef?hrten warten und diese veranlassen, zu ihm ?berzugehen. Die meisten werden dies thun, denn er wird ihnen nat?rlich einen viel h?heren Sold bieten, als sie bisher erhalten haben.

Und was wird mit Abd el Mot geschehen?

Wahrscheinlich wird man ihn ermorden und sich dabei all seines Eigentums bem?chtigen. Bei alledem habe ich nat?rlich angenommen, da? der ?berfall von Ombula gelingt.

Es ist schrecklich, welche Verh?ltnisse der Sklavenhandel im Gefolge hat. Der Mensch wird zum Ungeheuer!

Das habe ich eingesehen. Also ich bin ?berzeugt, da? diese Leute hier auf Abd el Mot warten, um ihn zu t?ten. Aber falls ihnen das gelingt, wird die Strafe auf dem Fu?e folgen.

Inwiefern?

Denke an Abu el Mot, welcher nach zwei Tagen mit ?ber dreihundert Nuehrs auf seiner Seribah ankommen wollte! Er wird dieselbe in Tr?mmern finden und bei den Dschur erfahren, was geschehen ist. Was wird er darauf thun?

Er wird den Emp?rern nach jagen.

Nat?rlich. Er findet sie hier, wo wir sie sehen, und wird sie alle niedermachen. So zerfleischen sich die Geier untereinander, wof?r man Allah doch nur danken kann. F?r uns aber ist es nicht angenehm, da? diese Menschen sich hier gelagert haben. Wir d?rfen uns von ihnen nat?rlich nicht sehen lassen und sind also zu einem Umweg gezwungen, welcher viele Zeit erfordert.

Das ist leider wahr. Auf unsern Kamelen sind wir weithin sichtbar, zumal heute die Luft von einer au?erordentlichen Reinheit ist. Wir m?ssen eine bedeutende Strecke zur?ck, um dann drau?en auf der freien Ebene einen weiten Bogen zu reiten. Bevor wir die Spur Abd el Mots wieder erreichen, werden drei oder vier Stunden vergangen sein.

Weniger nicht. Aber wir k?nnen nicht anders. La? uns aufbrechen, damit wir so wenig wie m?glich Zeit verlieren.

Sie stiegen wieder auf und kehrten so weit, als sie es f?r erforderlich hielten, zur?ck; dann ritten sie nach West, um hierauf nach S?den einzubiegen. Auf diese Weise gelangten sie in die offene Ebene, von wo aus sie den Wald, an welchem sich das Lager des Feldwebels befand, als einen dunkeln, langen Strich liegen sahen. Schwarz sah durch sein Fernrohr da hin?ber und erkannte die weidenden Tiere und die bei denselben befindlichen Menschen. Mit dem blo?en Auge h?tte er sie nicht erreichen k?nnen, also war es gewi?, da? auch er mit dem Araber von dorther nicht bemerkt wurde.

Sp?ter mu?ten die beiden Reiter ihre Richtung ?ndern, indem sie wieder ostw?rts hielten, um auf die verlassene F?hrte zur?ckzukommen. Als sie dieselbe erreichten, waren von dem Augenblicke an, an welchem sie das Lager vor sich gesehen hatten, vier und eine halbe Stunde vergangen; sie befanden sich aber nun h?chstens drei Viertelwegsstunden jenseits dieses Lagers und hatten also fast vier volle Stunden verloren.

Dieser Verlust war schwerlich einzubringen. Sie trieben ihre Tiere m?glichst an; aber die Kamele waren gleich anfangs schwach gewesen, und die bisherige Anstrengung hatte sie nichts weniger als gekr?ftigt; sie h?rten kaum mehr auf die T?ne der Suffarah, welche doch vorher einen so aneifernden Eindruck auf sie gemacht hatte.

Noch im Laufe des Vormittages brach die F?hrte pl?tzlich von ihrer bisherigen Richtung ab und wendete sich fast gerade nach West. Je weiter sie sich vom Flusse entfernte, desto harter und ?der wurde das Land, bis sie endlich gar fast eine Stunde lang durch Felsger?ll f?hrte. Es war, als ob man hier einen ganzen Berg in faustgro?e St?cke zerschlagen und diese mit gro?er Gleichm??igkeit ?ber die weite Fl?che verteilt habe.

Dann traten unbestimmte Linien ?ber den Horizont empor. Anstatt des Ger?lles gab es wieder Erde, welche aber auch hart und trocken war. Sp?ter stieg der Boden allm?hlich an; leicht geschweifte Berge, welche zur Regenzeit wohl mit Gras bewachsen waren, traten von rechts und links heran. Zwischen ihnen gab es gewundene Th?ler, durch welche der Weg f?hrte. Je weiter man kam, desto bestimmter wurden die vorher am Horizonte bemerkten undeutlichen Linien. Der lang gestreckte Raum, den sie abw?rts umfa?ten, f?rbte sich erst grau, dann wei?lich blau, bis er dunkler und dunkler wurde und dabei immer mehr an H?he gewann.

Die Pambisaberge, sagte Bala Ibn, indem er mit der ausgestreckten Hand in die angegebene Richtung deutete.

An deren Fu? Ombula liegen soll? Wei?t du genau, da? sie es sind?

Wissen kann ich es nicht, denn ich war noch nicht dort; aber ich vermute es.

Wie weit meinst du, da? wir noch bis zu diesem Gebirge haben?

Vor Abend ist es unm?glich zu erreichen.

So kommen wir zu sp?t!

Das darfst du nicht denken. Kein Sklavenj?ger ?berf?llt ein Dorf am hellen Tage. Man wartet vielmehr am liebsten bis gegen Morgen. Es bleibt uns also Zeit, die Bedrohten zu warnen; wenigstens hoffe ich das.

So wird Abd el Mot ein verborgenes Lager bezogen haben, in welchem er wartet, bis es Nacht geworden ist.

Das glaube ich nicht. Die Ghasuah verf?hrt ganz anders. Du mu?t den Umstand ber?cksichtigen, da? diese Gegend nur sp?rlich bev?lkert ist. Es gibt keine zahlreichen St?dte und D?rfer wie in ?gypten und anderswo. Wasser gibt es au?er im Nile und in dessen N?he nur selten, und doch kann ein Dorf nur da existieren, wo Wasser vorhanden ist. Am Flusse wohnen die Neger ungern, weil sie dort den Besuchen der Sklavenh?ndler mehr ausgesetzt sind. Sie lassen sich also lieber an einsamen Regenbetten oder an fern vom Nile liegenden Maijehs nieder. So wird es auch mit Ombula sein. Der Schech der Dschur sagte mir, da? es in einsamer Gegend, am Fu?e der Berge in der N?he eines gro?en Sumpfes liege, welcher zur Regenzeit einen mehrere Stunden langen und ebenso breiten See bilde. Eine solche Lage macht es nicht n?tig, da? die Sklavenj?ger sich vorsichtig verstecken. Sie gehen vielmehr gerade auf ihr Ziel los.

Aber da werden sie doch bemerkt!

Nein, denn so weit n?hern sie sich am Tage nicht.

Wie aber, wenn ihnen Bewohner des Dorfes, welches ?berfallen werden soll, begegnen?

Die l??t man nicht entkommen. Sie werden sofort niedergemacht oder gefesselt; sie k?nnen also nicht zur?ckkehren und die Ihrigen warnen. Die Sklavenj?ger ziehen nie in einer kompakten Masse an. Ist man dem betreffenden Orte auf eine halbe Tagereise nahe gekommen, so werden die geschicktesten Leute als Sp?her vorangesandt. Ihnen folgen andre, welche sich zerstreuen und eine Kette bilden, durch welche kein Feind schl?pfen kann. So umringt man von weitem das betreffende Negerdorf, ohne da? die Bewohner desselben es ahnen, und des Nachts wird der ?berfall ausgef?hrt. Dieser geschieht meist so, da? die das Dorf umschlie?ende Dornenhecke an vielen Stellen angebrannt wird. Sie steht sehr bald rundum in Flammen. Die Bewohner erwachen; sie k?nnen nicht entkommen, weil sie umringt sind. Wer von ihnen sich zur Wehr setzt, wird niedergeschossen. ?berhaupt werden gew?hnlich alle M?nner get?tet, weil sie sich selten in ihr Schicksal f?gen und also den Transport erschweren. Auch die ?lteren Frauen werden erschlagen, weil niemand sie kauft. Die Knaben, M?dchen und jungen Frauen bilden die erw?nschte Beute. Auch die Herden sind hoch willkommen. Es kommt vor, da? man schon auf dem R?ckwege nach der Seribah die erbeuteten Leute verkauft oder gegen Elfenbein vertauscht. Geht der Zug durch das Gebiet eines Stammes, welcher das Fleisch der Menschen demjenigen der Tiere vorzieht, so schlachten die Sklavenj?ger die fettesten der erbeuteten Neger und verhandeln sie an die Menschenfresser.

Herrgott! Ist so etwas denn m?glich?

M?glich? Herr, es ist wirklich und kommt sehr h?ufig vor. An den Zufl?ssen des Bahr el Abiad und weiter nach S?d und West gibt es genug V?lkerschaften, denen Menschenfleisch die gr??te Delikatesse ist. Ich kenne einen H?uptling, welcher versicherte, da? nichts besser schmecke als die innere Fl?che einer gebratenen Menschenhand. Er f?hrte mit den benachbarten V?lkern Krieg, nur um Gefangene zu machen, welche geschlachtet wurden; auch seine eigenen Toten und Schwerverwundeten wurden verzehrt. Die H?nde derselben wurden ihm abgeliefert; die ?brigen K?rperteile ?berlie? er seinen Untergebenen. Ich sprach mit einem Sklavenh?ndler, welcher behauptete, da? in Afrika die Menschenjagd t?glich wenigstens sechstausend Opfer fordere, was f?r jedes Jahr weit ?ber zwei Millionen ergibt. Dieser Mann kannte das Gesch?ft und hat mit dieser Sch?tzung sicher nicht zu hoch gegriffen. Ebrid Ben Lafsa, jener Halunke, welcher meinen Sohn raubte, erz?hlte uns, da? er nur am Bahr Kuta jage; er hatte also nur ein kleines Gebiet, und doch behauptete er, j?hrlich ?ber tausend Sklaven zu fangen. Dazu kommen gewi? ebensoviele andre, welche dabei get?tet werden.