Karl May.

Die Sklavenkarawane





Heute ist er zwei Tagereisen abw?rts von hier. Er kommt auf dem Wasserwege. Er hat in Diakin zwei Fahrzeuge gefunden und gemietet, einen Sandal und einen Noqer, auf denen er ?ber dreihundert gut bewaffnete Nuehrs nach der Seribah bringt. Der mitgenommene Proviant ist ihm ausgegangen; darum sandte er die Boten auf dem leichten Kahne voraus, um Fleisch und Mehl von der Seribah zu beordern. Er mu? nun, wie die Sachen stehen, mit den Nuehrs hungern. Von hier aus kann er nichts erhalten, und in der Seribah Madunga, dem einzigen Orte, an welchem er noch vor?ber kommt, darf er sich nicht sehen lassen, weil er mit dem Besitzer derselben in Feindschaft lebt. Er ist also auf das Fischen und Jagen angewiesen, was seine Ankunft sehr verz?gern wird. Wenn ihr mit eurem Boote nach Madunga wollt, so rate ich, euch vor ihm in acht zu nehmen. Ihr m??t, sobald ihr seine Schiffe erblickt, anlegen und euch am Ufer verbergen, bis sie vor?ber sind.

Wir werden gleich jetzt aufbrechen und die ganze Nacht fahren. Da wir die Str?mung f?r uns haben, werden wir eher in Madunga sein als er. Du beginnst doch auch gleich jetzt den Ritt mit meinem Gef?hrten.

Nein, nicht jetzt, sondern erst wenn der Morgen graut.

Warum erst dann? fragte Schwarz.

Aus zwei sehr triftigen Gr?nden. Ihr seid Christen und wi?t also wohl nicht, da? der Moslem jede Reise um die Zeit des Asr, drei Stunden nach Mittag anzutreten hat. Ist das nicht m?glich, so darf er ausnahmsweise zum Fagr aufbrechen, fr?h wenn der Strahl der Sonne erscheint. Keineswegs aber ist es ihm gestattet, nach el Aschia, dem Nachtgebete, eine Reise zu beginnen. Von dieser Regel darf er nur in der h?chsten Not abweichen. Ich erlaube dir, nach den Satzungen deines Glaubens zu leben, aber du mu?t mir auch gestatten, die Gebote des meinigen zu befolgen. Und selbst wenn ich gleich jetzt mit dir reiten wollte, wozu k?nnte das n?tzen? Wir m?ssen der F?hrte der Sklavenj?ger folgen, welche des Nachts ja doch nicht zu erkennen ist.

Aber wenn wir warten, bis es hell geworden ist, so werden die Dschur wieder hierher kommen und mich sehen.

Sie kommen nicht. Sie sitzen noch jetzt beisammen und trinken berauschende Merissah, worauf sie dann gewi? bis in den Tag hinein schlafen werden. Der Schech war schon vorhin betrunken, und das war ein Gl?ck f?r mich und dich, denn nur der Rausch machte ihn willig, mir diese zwei Kamele abzutreten. Das eine ist mit samt dem Sattel dein Eigentum, du hast mir daf?r f?nf Abu Noktah zu zahlen. Dieser Preis ist sehr gering, weil die Kamele hier doch in der baldigen Regenzeit zu Grunde gehen werden; aber daf?r fordere ich, da? deine Abu Noktah keine Fehler haben.

Der Mariatheresienthaler wird n?mlich im Sudan nur dann angenommen, wenn die Pr?gung deutlich ist; au?erdem m?ssen sich die sieben Punkte des Diadems, von denen der Thaler seinen Namen hatAbu Noktah = Vater des Punktes, ferner auch die Agraffe und die Buchstaben S. F. scharf zeigen. Fehlt eines dieser Merkmale, so wird der Thaler entweder gar nicht angenommen, oder um mehrere Piaster billiger berechnet.

F?nf Thaler f?r ein gesatteltes Kamel war gar kein Preis.

Schwarz hatte Geld zu sich gesteckt, als er das Boot verlie?, und bezahlte die Summe sofort. Da es zu dunkel war, als da? die Pr?gung gesehen werden konnte, so versprach er, ein etwa minderwertiges St?ck am Morgen ohne Widerrede auszuwechseln.

Er konnte nichts gegen die religi?sen Anschauungen des Arabers thun, und sah sich also gezwungen, die vier Stunden bis zum Morgengrauen hier zu bleiben. Anders war es mit Pfotenhauer. Da dieser noch vor Abu el Mot die Gegend der Seribah Madunga erreichen wollte, so durfte er keine Zeit verlieren; er mu?te nach dem Boote zur?ckkehren, und sich also jetzt von Schwarz verabschieden.

Gebs Gott, da? wir uns bald und gl?cklich wiedersehen! sagte er, als er dem Gef?hrten die Hand reichte. Nun ich dich fort lassen mu?, denk ich doch, da? die Belanda es gar nicht wert sind, da?t dein Leben f?r sie wagst. Sie gehn uns eigentlich gar nix an. Aber, wannst denkst, da? dein Gwissen es gebietet, sie zu warnen, so reit in Gottes Namen zu. Oder willst mirs derlauben, an deiner Stell es zu thun? Jetzt ists noch Zeit dazu!

Nein, lieber Doktor, es kann mir gar nicht einfallen, dich

Willst gleich schweigen, du Malefizbub du! fiel ihm der Graue zornig in die Rede. Nennst mich schon wieder Doktor! Und zwar gerade beim Abschiednehmen, wo du dir alle M?h geben sollst, mich nit zu verz?rnen!

Es war nicht so gemeint; ich habe mich versprochen; es fuhr mir so schnell heraus!

So nagel es drinnen fest an, da? es nit heraus kann! Wannst mich nit kurzweg Ignaz oder Naz, oder noch k?rzer, Vogelnazi hei?en willst, so brauchst gar nimmer wiederzukommen! Hab ich etwa darum mit dir Br?derschaft gmacht, da?t mir immer den Titel an den Kopf wirfst, und mich als hoff?hrtigen Kerl behandelst! Wann dies auch sp?ter so fortgehen soll, so bleib lieber bei den Belanda, und la? dich von ihnen als Friseur und Komplimentenfex anstellen. Jetzt wei?t, woran du bist. Leb also wohl; la? dir nix B?ses widerfahren, und denk recht oft an deinen Nazi, der die Augenblick z?hlen wird, bis er dich wieder bei sich hat!

Er eilte davon, gefolgt von dem Schwarzen. Schwarz blickte ihm in tiefer R?hrung nach, bis er im Dunkel der Nacht verschwunden war. Der alte, originelle Kauz war ihm ja ungew?hnlich lieb und wert geworden.

Der Sejad ifjal hatte sich niedergesetzt, und der Deutsche nahm nun an seiner Seite Platz. Sie unterhielten sich ?ber ihr Vorhaben, doch war ?ber dasselbe nicht viel zu sprechen. Ihr Plan bestand einfach darin, den Sklavenj?gern zu folgen; sobald sie denselben nahe genug gekommen waren, wollten sie zur Seite weichen und einen Bogen reiten, um vor ihnen Ombula zu erreichen.

Dann sa?en sie still bei einander. Wovon h?tten sie sprechen sollen? Jeder h?tte sehr gern ?ber die Verh?ltnisse des andern etwas N?heres erfahren, aber beide hielten es f?r unh?flich, danach zu fragen.

So verging ihnen die Zeit in stillem Sinnen und zeitweiligem Einnicken, bis die lautschallende Stimme eines Kranichs den nahenden Morgen verk?ndete. Einige Reiher flogen ?ber die B?ume; ein Sporenkibitz kreischte sein Sik-sak; das niedrige Volk der Enten und Klaffschn?bel wurde dadurch aus dem Schlafe geweckt, und fiel in allen m?glichen T?nen ein. Die Sterne des Ostens wichen dem dort aufsteigenden Glanze, und der Elefantenj?ger kniete auf seine ausgebreitete Decke, um sein Morgengebet, el Fagr, zu sprechen.

Auch Schwarz faltete die H?nde. Wer k?nnte in dem Augenblicke, an welchem eine solche Natur rundum erwacht, nicht dessen gedenken, der sie geschaffen hat!

Nach dem Gebete stieg der Araber, ohne ein Wort zu sagen, in den Sattel; Schwarz folgte diesem Beispiele. Die Kamele sprangen auf und trugen ihre Reiter s?dw?rts, auf der F?hrte der Sklavenj?ger hin. Der Ritt hatte begonnen, wer vermochte zu sagen, wie er enden werde!

Die Morgend?mmerung hatte kaum zehn Minuten gew?hrt; dann brach der lichte Tag herein. Man konnte weithin die Ebene ?berblicken. In der Gegend, nach welcher hin das Dorf der Dschur lag, war kein Mensch zu sehen; der Aufbruch der beiden M?nner erfolgte also unbemerkt.

Schwarz sah jetzt, da? sein Gef?hrte sich mit Nahrungsmitteln ziemlich reichlich versehen hatte. Am Sattelknopfe desselben hingen einige geschlachtete H?hner und zwei Leders?cke, welche wohl mit Mehl gef?llt waren. An ein Hungerleiden brauchte also f?r jetzt nicht gedacht zu werden.

Weniger beruhigend wirkte die Beobachtung der beiden Kamele. Sie waren au?erordentlich mager und trugen tiefe Geschw?rsnarben in der Haut. Waren sie den Krankheiten und Plagen der letzten Regenzeit nicht zum Opfer gefallen, so mu?te das in der n?chsten Zeit sicher geschehen. Der dicke Schech hatte wohl seine beiden schlechtesten und schw?chsten Tiere verkauft. Sie waren zu keinem schnellen Schritte zu bewegen, weder durch Zureden, noch durch Schl?ge. Ein guter Fu?g?nger h?tte recht gut mit ihnen Schritt halten k?nnen.

So kam es, da? sie erst gegen Mittag die Gegend erreichten, in welcher gestern Lobo und Tolo gerettet worden waren. Man sah die F?hrte deutlich; sie bog von hier nach S?dwest ab, w?hrend sich der Nil mit dem Walde in einem weiten Bogen ostw?rts wendete.

Die beiden Reiter lie?en, ehe sie sich von dem Flusse wendeten, ihre Tiere t?chtig trinken, auch hieben sie mit den Messern einen Vorrat von gr?nen Zweigen ab, welche den Kamelen am Abende als Futter gegeben werden sollten. Dann ging es wieder der F?hrte nach, und zwar in der ?berzeugung, da? man heute weder Schatten noch Wasser mehr finden werde.

Die Hitze des Mittags wurde so dr?ckend, da? die Kamele noch langsamer als vorher gingen. Das erregte in Schwarz die ernstesten Besorgnisse. Er hatte bisher geschwiegen, um seinen Gef?hrten nicht zu beleidigen; nun aber sagte er:

Hatten die Dschur keine besseren Kamele? Oder h?ttest du nicht lieber Pferde kaufen sollen?

Pferde gab es nicht mehr; Abd el Mot hat sie alle gemietet, antwortete der Ar aber. Und von den Kamelen mu?te ich diejenigen nehmen, welche ich bekam.

Aber Reitochsen gab es noch?

Auch nicht; Abd el Mot hat sie mit. Allah wei?, was geschehen soll!

Und ich wei?, was geschehen wird. Wir werden n?mlich Ombula zu sp?t erreichen. Wir kommen nicht schneller vorw?rts als die Fu?truppen Abd el Mots, und diese haben einen vollen Tagesvorsprung voraus! Es scheint, da? unsre Tiere eher zusammenbrechen, als rascher gehen werden. Sie sind weder durch Worte, noch durch Schl?ge anzutreiben.

So wei? ich noch ein Mittel, welches helfen wird. Wir haben die Zweige der Suffarah abgeschnitten, welche uns helfen sollen.

Er zog sein Messer hervor und schnitt aus der Anschwellung eines dieser Zweige eine kleine Pfeife. Als sie fertig war, und er diesem Instrumente einen Ton entlockte, spitzten die Kamele die Ohren. Er pfiff weiter, und da setzten sich die Tiere freiwillig in einen ausgiebigen Trott, welchen man ihnen vorher unm?glich hatte zutrauen k?nnen.

Siehst du! lachte der Araber. Ich werde auch dir so eine Suffarah anfertigen; dann k?nnen wir einander abl?sen, um bei Atem zu bleiben.

Thue es, stimmte Schwarz in heiterer Laune bei. Hoffentlich gelingt es uns, die Hedschahn bis Ombula zu pfeifen. An mir soll es nicht fehlen.

Er erhielt seine Suffarah, und dann blies bald der eine, bald der andre, als ob sie es bezahlt bek?men. Sobald die Pfeifen schwiegen, fielen die Kamele in den entsetzlichen, langsamen Gang, welcher Zust?nde erweckt, die denen der Seekrankheit h?chst ?hnlich sind. Lie?en sich aber die schrillen Instrumente h?ren, so verwandelte sich der Schaukelschritt sofort wieder in den schnellen Trott.

So pfiffen sich die beiden Reiter w?hrend des Nachmittages ?ber eine weite, d?rre und vegetationslose Ebene, bis sie am Abend einen kleinen, fast ganz ausgetrockneten Sumpf erreichten, welcher sich zur Regenzeit wahrscheinlich in einen ganz respektablen See verwandelte.

Da gab es trockenes Schilf zum Feuer genug, aber kein tierisches Leben, au?er den halb verhungerten Krokodilen, welche den Schlamm bev?lkerten und, in Ermangelung einer andern Nahrung, jedenfalls gezwungen waren, w?hrend der hei?en Jahreszeit von ihresgleichen zu leben.

Der Elefantenj?ger war am Mittag und Nachmittag abgestiegen, um das vorgeschriebene Gebet zu verrichten. Jetzt war el Mogreb nahe, das Gebet bei Sonnenuntergang; darum hielt er am Sumpfe an und erkl?rte, da? er hier bleiben werde.

Schwarz f?gte sich in das Unvermeidliche. Er war ?brigens mit dem heutigen Ergebnisse nicht ganz unzufrieden. Die Pfeifen hatten so gewirkt, da? man den Sklavenj?gern ein gut Teil n?her gekommen war. Der Deutsche hatte an den Spuren gesehen, da? sie ihr Nachtlager eine nicht unbedeutende Strecke r?ckw?rts gehabt hatten.

Nach Einbruch der Dunkelheit wurde ein Feuer angebrannt, teils um ein Huhn zu braten, teils zur Abwehr wilder Tiere. Die Kamele durften wegen der Krokodile nicht allzu nahe an den Sumpf. Sie wurden gefesselt und bekamen die mitgenommenen Zweige vorgelegt. Wasser gab es nicht. Da das Feuer w?hrend der ganzen Nacht hell brennen mu?te, so konnten die beiden M?nner nicht zu gleicher Zeit schlafen; sie waren gezwungen, einander zum Wachen abzul?sen.

Darum, und weil der Ritt erm?det hatte, wurde nur das Notwendigste gesprochen. Als das Huhn, welches dem Deutschen gar nicht mundete, weil es schon in F?ulnis ?bergegangen war, verzehrt war, konnte ersterer schlafen, w?hrend der Araber die erste Wache ?bernahm.

Nach Mitternacht wurde Schwarz durch einen Schu? aufgeweckt. Er sprang sofort empor, und griff nach seinem Gewehr.

Ma fi schi, bess timsah es ist nichts, nur ein Krokodil, sagte der Araber, welcher ruhig am Feuer sa?, die rauchende Flinte in der Hand.

Er deutete seitw?rts, wo ein riesiges Krokodil sich in Todeszuckungen wand. Der Hunger hatte es aus dem Sumpfe nach dem Feuer getrieben, wo ihm die Kugel des Elefantenj?gers in das Auge gedrungen war.

Das ist h?chst einladend! antwortete Schwarz. Wollen wir uns nicht etwas mehr entfernen?

Ich halte es nicht f?r n?tig. Der Schu? hat die Bestien so erschreckt, da? sich keine mehr heranwagen wird. Lege dich getrost nieder. Du hast noch eine halbe Stunde zu schlafen, um dann bis zum Morgen zu wachen.

Unter solchen Umst?nden beginne ich lieber gleich die Wache. Ich will lieber einige Krokodile erschie?en, als mich von ihnen fressen lassen.

Wie du willst. Du hast aber gesehen, da? du unter meinem Schutze sicher bist. Ich hoffe, da? ich es unter dem deinigen auch sein werde.

Er lud den abgeschossenen Lauf wieder und wickelte sich dann in seine Decke. Dieser Mann war jedenfalls kaltbl?tiger und brauchbarer, als Schwarz bisher geglaubt hatte. Der letztere warf einen Haufen Schilf in die Flamme und ?bernahm sein W?chteramt.

Die Nacht war f?r ihn einsam wie noch selten eine. Von fernher t?nten undeutliche Stimmen von Tieren, welche sich nicht herbeiwagten, weil sie die Anwesenheit der gefr??igen Krokodile kannten, und au?erdem vom Feuer zur?ckgescheucht wurden. Hy?nen und Schakale sind ungef?hrlich. L?wen oder Panther waren nicht zu erwarten, da sich selbst f?r sie kein genie?bares Wasser hier befand. Er hatte also seine Aufmerksamkeit nur gegen den Sumpf zu richten, um, falls abermals ein Saurier sich l?stern n?here, ihm eine Kugel zu geben. Doch erfolgte auch von dieser Seite kein weiterer Angriff.

Die Nacht verging, und kurz vor dem Morgengrauen weckte Schwarz seinen Gef?hrten, damit dieser die ihm vorgeschriebene Morgenandacht nicht vers?ume. Vorher hatte er den Kamelen als Futter Schilf vorgeworfen.

Die unverzehrten H?hner waren mittlerweile vollst?ndig ungenie?bar geworden; in jenen Gegenden h?lt Fleisch sich nur stundenlang. Der Araber hatte sie mitgenommen, weil man sie ihm umsonst gegeben hatte. Es gibt dort St?mme, welche H?hner in Menge haben, aber das Fleisch derselben nicht genie?en. Er warf sie in den Sumpf, wo sich augenblicklich ein wahrhaft scheu?licher Kampf um das Aas erhob. Die Krokodile verletzten einander dabei selbst. Schwarz sah, da? dem einen ein Bein herausgerissen, dem andern der Schwanz, und einem dritten ein St?ck des Rachens abgebissen wurde.

Nun entfesselte man die Kamele, um den Ritt von neuem zu beginnen. Er war heute nicht so beschwerlich, die Gegend nicht so trostlos wie gestern.

Der Flu? kehrte von seiner gro?en Kr?mmung zur?ck, und die F?hrte, welcher man zu folgen hatte, suchte seine N?he wieder auf. Da gab es Wasser zum Trinken, Gr?n f?r die Tiere, und Enten f?r die Menschen. Schwarz erlegte auf einen Schu? zwei derselben.

Die Kamele waren, durch die Pfeifen aufgemuntert, heute noch flei?iger gewesen, als gestern. Man erreichte schon kurz nach Mittag die Stelle, an welcher die Sklavenj?ger in voriger Nacht Halt gemacht hatten. Das veranla?te die beiden Reiter, ihren schwachen Tieren eine Ruhestunde zu g?nnen. Sie stiegen ab, machten ein Feuer und brieten eine Ente.

Auch w?hrend dieses Haltes wurde nur wenig gesprochen. Der Elefantenj?ger schien ein h?chst schweigsamer Mann zu sein, und Schwarz hatte keinen zwingenden Grund, ihn zur Beredsamkeit zu bringen.

Am Nachmittage wurde der bisher ebene Boden wellenf?rmig, und sp?ter sah man zur rechten Hand H?hen liegen, welche nach dem bisherigen Ma?stabe ganz respektabel erschienen. Von dorther lief ein Chor herab, welchem die F?hrte aufw?rts folgte. Einige Stellen dieses in der Regenzeit einen Flu? bildenden Bettes waren feucht; in andern stand sogar noch Wasser. Da gab es pflanzliches und tierisches Leben in Menge. Aber zur Beobachtung desselben war keine Zeit vorhanden, da die Sklavenj?ger bis sp?testens morgen mittag ?berholt werden mu?ten. Aus diesem Grunde wurden die Suffarah heute noch anhaltender als gestern benutzt, und die Wirkung war, da? die Kamele fast ?ber ihre Kr?fte liefen.

Der weitere Weg f?hrte zwischen den erw?hnten H?hen hindurch und senkte sich dann wieder abw?rts nach dem Flusse, welcher abermals einen Bogen gemacht hatte, der durch die F?hrte abgeschnitten worden war. Doch blieb die F?hrte nicht am Flusse, sondern lief am Rande einer Maijeh hin, um deren ?u?erste Spitze sie bog. An dieser Stelle mu?ten die beiden Reiter halten, weil der Abend hereinzubrechen drohte.

Der Nil bildet weit in das Land gehende Buchten, ?hnlich den Bayous des Mississippi, welche zur Regenzeit mit Wasser gef?llt sind. Kehrt der Nil dann zu seiner urspr?nglichen Breite zur?ck, so bleibt das Wasser in diesen Buchten stehen, wo es eine lebhafte Vegetation erweckt, um dann sp?ter mehr oder weniger auszutrocknen. Viele dieser Vertiefungen sind so energisch eingeschnitten, da? sie selbst in den hei?esten Monaten Wasser halten. Sie werden Maijeh genannt, und an einem derselben hielten die beiden Reiter.

Mehrere hundert Schritte vom Rande desselben stand eine riesige Homrah, deren Stamm gewi? ?ber f?nfzig Fu? Umfang hatte. Dabei war sie kaum zwanzig Ellen hoch, und ihre jetzt kahlen ?ste und Zweige senkten sich mit den Spitzen fast wieder bis zur Erde nieder, so da? der Wipfel eine hohle Halbkugel bildete, in deren Mitte sich der ungeheure Stamm befand. Dorthin leiteten die beiden ihre Tiere, um da die Nacht zuzubringen. Hier konnten sie sich durch das Feuer leichter vor den Nachtm?cken sch?tzen, deren Plage am Wasser viel ?rger gewesen w?re.

W?hrend Schwarz eine Sporengans zum Mahle scho?, holte der Araber Brennmaterial herbei, welches in gro?er Menge vorhanden war. Dann verrichtete er sein Gebet, nach welchem er vier Feuer anbrannte, zwischen denen sich die Reiter und Kamele lagerten. Dies letztere war notwendig wegen der hier vorhandenen M?cken, und weil man aus der N?he der von Tausenden V?gel belebten Maijeh auf das Vorhandensein gr??erer Raubtiere schlie?en konnte.

W?hrend der Deutsche die Gans rupfte, sie ausnahm und dann an einen ?ber dem einen Feuer improvisierten h?lzernen Bratspie? steckte, sah ihm der Araber zu, ohne ein Wort zu sprechen. Er schien auch heute noch nicht aus sich herausgehen zu wollen.

Die Kamele waren am Maijeh getr?nkt worden, und hatten dann ihr Futter erhalten. Als die Gans gar war, schritten auch die Reiter zum leckeren Mahle. Der Schein der Feuer drang zwischen den Zweigen der Homrah hinaus ins Freie, doch reichten die Blicke der beiden M?nner nicht so weit, da sie von vier Flammen geblendet wurden.

W?hrend sie schweigend a?en, h?rten sie vor sich ein Knacken der ?ste, und darauf ein tiefes, unruhiges Schnaufen. Sie blickten auf und griffen nach ihren Gewehren.

Allah akbar, dschamus, dschamus Gott ist gro?, ein B?ffel, ein B?ffel! rief der Araber.

Im Nu hatte er den Kolben an der Wange und dr?ckte ab, beide L?ufe schnell hintereinander, doch leider ohne den erwarteten Erfolg, da er in seiner Aufregung und von den Feuern geblendet, nicht genau gezielt hatte.

Der afrikanische B?ffel ist noch viel st?rker, wilder und unb?ndiger als der indische. Er liebt die S?mpfe, schwimmt ausgezeichnet und bricht sich durch das dichteste Unterholz im schnellen Laufe Bahn. Erfahrene J?ger halten seine Jagd f?r noch gef?hrlicher als diejenige des Elefanten, Nilpferdes und Nashornes. Selbst auf den Tod verwundet, k?mpft er fort. Besonders gef?hrlich sind die einzelnen Umherstreicher, welche wegen ihrer wahnsinnigen Wildheit von ihresgleichen nicht geduldet und aus den Herden ausgesto?en werden. Von ihnen sagt der Sudanese: Wenn du eine Herde B?ffel erblickst, so flieht sie vor dir; findest du mehrere B?ffel, so brauchst du sie nicht zu f?rchten; begegnest du aber einem einzelnen, so sei Gott dir gn?dig!

Und ein solcher einzelner, ein solcher Umherstreicher war es, der so pl?tzlich seinen dicken Kopf mit den m?chtigen H?rnern und niederh?ngenden Ohren durch die Zweige steckte. Die Feuer hatten, anstatt ihn zu verscheuchen, vielmehr herbeigelockt. Sie erregten seinen Grimm. Er sah die M?nner und die Kamele und wollte sich auf sie st?rzen, gerade als der Elefantenj?ger ihm die beiden Kugeln entgegenschickte. Sie trafen ihn zwar, aber nur leicht. Er stand einen Augenblick unbeweglich, wie erstaunt, da? man es gewagt habe, an Gegenwehr zu denken, dann senkte er den Kopf, und warf sich unter w?tendem Gebr?ll vorw?rts.