Karl May.

Die Sklavenkarawane





Je weiter man kam, desto sch?rfer wurde der brandige Geruch. Die Leute sa?en still auf ihren B?nken und beobachteten das linke Ufer, indem sie durch das Schilf blickten, welches rund um das Boot angebunden war. Als man dem Herde des Feuers nahe gekommen war, deutete der Sohn des Geheimnisses hin?ber und sagte:

Dort hinter den B?umen liegt die Seribah! Seht ihr den dicken Qualm, welcher da aufsteigt? Das ist nicht von einer einzigen H?tte, sondern die ganze Niederlassung hat in Flammen gestanden. Die Reste derselben, welche aus Erde bestehen, qualmen noch. Und auf dem Flusse hat es auch gebrannt. Seht ihr die Stelle in der N?he des Ufers, wo das Schilf schwarz aussieht und der Rauch noch aufsteigt?

Der Flu? kann doch nicht brennen, entgegnete der Graue.

Der Flu? nicht, aber das Schiff, der Noqer, welcher da verborgen lag. Auch er ist angesteckt worden. Das k?nnen nur Feinde gethan haben. Sollte man die Seribah ?berfallen haben?

Das m??te ganz unerwartet geschehen sein!

So etwas geschieht stets unerwartet. Der Feind braucht gar nicht stark gewesen zu sein, da die Seribah nur noch f?nfzig Verteidiger hatte. Vielleicht sind es gar die Dschur gewesen, zu denen wir wollen. Wir m?ssen unbedingt erfahren, was sich ereignet hat.

Aber direkt fahren wir nicht hin?ber, warnte Schwarz.

Nein. Wir treiben so weit abw?rts bis wir nicht mehr bemerkt werden, und legen dann im dichten Rohre an.

Es war wirklich der Gestank von verbranntem Mauerwerk, welcher hier auf dem Flusse lag. Die beiden Deutschen mu?ten also die Ansicht des jungen Steuermannes zu der ihrigen machen. Voller Erwartung harrten sie des Augenblickes, an welchem sie das Ufer erreichen w?rden.

Dies geschah nach kurzer Zeit. Abd es Sirr lenkte das Boot nun nach rechts, dem Lande entgegen. Dort, wo er es erreichte, stand die Omm Sufah wie ein Maisfeld so dick und hoch im Wasser und bis an das Ufer heran. Das Boot wurde, ohne da? man den Anker fallen lie?, mit Hilfe eines starken Palmseiles an den Stamm eines Baumes gebunden. Die Sehwarzen durften es nicht verlassen und der Steuermann sagte ihnen, was sie thun sollten, falls sie von Fremden oder gar Feinden entdeckt w?rden. In diesem Falle sollten sie sofort vom Ufer sto?en, die Mitte des Stromes gewinnen und sich da abw?rts treiben lassen, bis er ihnen vom Ufer aus, an welchem er dem Laufe des Bootes folgen wolle, ein Zeichen zum Landen gebe.

Dann stieg er mit den beiden Deutschen aus, sich nur mit dem Spie?e und der Wurfkeule bewaffnend. Die Wei?en nahmen ihre geladenen Gewehre, Schwarz auch sein Fernrohr mit. Sie stiegen zwischen den nicht dicht stehenden B?umen am Ufer empor und schritten vorsichtig durch den schmalen Wald bis an den Rand desselben. Bis hierher hatten sie nichts Verd?chtiges bemerkt.

Nun sahen sie die Ebene vor sich liegen, die ihnen einen weiten Ausblick erlaubte. Sie befanden sich im Norden der Seribah, welche als ein gro?er, qualmender Tr?mmerhaufe vor ihnen lag, und zwar so nahe, da? sie dieselbe in f?nf Minuten erreichen konnten.

Ein lebendes Wesen war nicht zu sehen; selbst die V?gel waren von den Flammen und dem sp?tern Geruche des Brandes verscheucht worden.

Die drei Personen schritten n?her, sich immer unter den B?umen haltend und von Stamm zu Stamm vorsichtig auslugend, ob nicht etwa ein feindliches Wesen vor ihnen verborgen sei. Die Umz?unung war vollst?ndig niedergebrannt. Bald konnte man das Innere der Seribah ?berblicken. Da wo eine H?tte gestanden hatte, lag jetzt ein rauchender Erdhaufen, und zwischen diesen Haufen bewegten sich, wie erst jetzt zu erkennen war, dunkle Gestalten.

Es sind Menschen da! sagte der Steuermann. Wer sind sie? Bewohner der Seribah k?nnen es nicht sein. W??te ich nur, ob sich Wei?e bei ihnen befinden.

Das werde ich gleich erfahren, antwortete Schwarz, indem er sein Fernrohr auszog. Als er mit Hilfe desselben den Platz genau betrachtet hatte, fuhr er fort: Ich sehe nur Schwarze; auch sind ihrer nicht viele; ich z?hle kaum zwanzig.

Sind diese Leute bewaffnet?

Sie haben Stangen, mit denen sie in den Tr?mmern herumst?bern.

Sie werden f?r sich holen wollen, was zu retten ist. Wie sind sie gekleidet?

Keiner tr?gt mehr als nur den Schurz um die Lenden. Das Haar liegt wie ein Kranz um den Kopf.

Dann sind es Dschur, also Freunde von mir. Ich werde mich an sie schleichen. Irre ich mich und werde ich ?berfallen, so werde ich laut den Namen Abu Laklak rufen. Dann kommt ihr, mir zu helfen. Eure Gewehre sind mehr als genug, sie alle zur?ckzutreiben.

Er legte sich auf die Erde nieder und kroch vorw?rts, in den langen Aschenstreifen hinein, welcher die fr?here Umz?unung bezeichnete. Dann sahen sie ihn hinter einem Tr?mmerhaufen verschwinden. Sie hielten ihre Gewehre bereit, um, falls er rufen werde, ihm sofort zur Hilfe zu eilen. Minuten vergingen. Dann sah Schwarz durch das Fernrohr, da? die Leute alle sich an einer Stelle versammelten. Zu dem Haufen, der sich dort bildete, traten zwei M?nner, welche er bisher noch nicht gesehen hatte. Beide trugen graue Ha?ks. Der eine war ein Schwarzer, der andre schien kein Neger zu sein.

Nach einiger Zeit l?ste sich der erstere mit einem Begleiter von der Gruppe und kam mit demselben schnellen Schrittes auf die Gegend zu, in welcher die Deutschen standen.

Sie kommen zu uns, erkl?rte Schwarz seinem Gef?hrten.

Doch nit in feindlicher Absicht? fragte dieser.

Nein. Den einen halte ich f?r den Anf?hrer der Schwarzen; der andre ist unser Steuermann.

So haben wir nix zu bef?rchten. Ich bin neugierig, mit welcher Art von Menschen wir es zu thun haben werden. Wanns Leute vom Stamme der Dschur sind, so werd ichs loben.

Die beiden waren jetzt so nahe gekommen, da? man ihre Gesichter deutlich sehen konnte. Der Sohn des Geheimnisses l?chelte sehr befriedigt. Der andre war ein dicker Neger, dessen wohlgen?hrtes Gesicht vor Freundlichkeit gl?nzte. Er hob schon von weitem die H?nde empor, legte sie zusammen und bewegte sie gr??end auf und nieder. Dann blieb er gar stehen, verbeugte sich bis zur Erde nieder und rief:

Salam, Salam ale?k! Ich hei?e euch willkommen! Allah gibt mir gro?e Gnade, indem er euch zu mir sendet. Ich und mein Haus, mein ganzer Stamm mit allen seinen Kriegern steht zu eurer Verf?gung.

Das ist freilich nicht ernstlich zu nehmen, meinte der Graue leise. Dieser Kerl wei? von Allah gewi? ebensowenig wie sein Kamel von der Sternkunde.

Laut aber erwiderte er den Gru? mit gro?er Herzlichkeit, und Schwarz stimmte ein. Der Dicke kam darauf n?her, verbeugte sich abermals und fuhr fort:

Ich bin der Schech des Stammes der Dschur, welcher hier in der N?he wohnt. Wir erblickten heute ein gro?es Feuer in der Gegend der Seribah und eilten herbei, den Wei?en zu helfen. Als wir kamen, waren sie fort, und nun retten wir, was gerettet werden kann.

Wo sind sie hin? fragte Schwarz.

Allah wei? es, ich nicht.

Der Mann war ein Heide, glaubte aber, in den beiden Mohammedaner vor sich zu sehen; darum bediente er sich des Wortes Allah.

Kennst du die Bewohner der Seribah? erkundigte sich Schwarz.

Ich kenne sie alle.

Wann warst du zum letztenmal hier?

Gestern ist es ein Tag gewesen.

Was hattest du da zu thun?

Abd el Mot lie? mich kommen, um mit mir wegen der Reittiere zu verhandeln, welche ich ihm zu dem Zuge liefern mu?te.

Wohin ging der Zug?

In das Land der Belanda.

Nach welchem Orte?

Das wei? ich nicht. Den Ort sagt er nie, so wenig wie Abu el Mot.

Wo befindet sich der letztere?

Im Lande der Homr, doch kehrt er bald zur?ck.

Bist du ein Freund von ihm?

Der Schech zog den Mund von einem Ohre bis zum andern, was wohl ein diplomatisches L?cheln sein sollte, griff sich verlegen nach dem rund um seinen Kopf liegenden Haarwulste, welcher die Gestalt eines aufgeblasenen Luftkissens besa?, und antwortete:

Herr, ein armer Mann mu? der Freund aller gro?en Herren sein, wenn er nicht aufgefressen werden will. Auch dir diene ich gern, denn ich wei?, da? du mich gut bezahlen wirst.

Ob ich dich ?berhaupt bezahle, kommt nur auf deine Aufrichtigkeit an. Wei?t du, wann Abd el Mot die Seribah verlassen hat?

Am fr?hen Morgen; ich mu?te ihm meine Tiere bereits am Nachmittage vorher bringen.

Hat er eine Besatzung zur?ckgelassen?

Ja. Er thut das stets und sagte auch diesmal, da? er es thun werde.

Wo sind diese Leute?

Fort. Wohin, das wei? ich nicht, wiederholte er.

Wer hat die Seribah angebrannt?

Die Besatzung ist es gewesen. Sie wird sich emp?rt haben, denn sie ist fort und hat alle Rinder und Schafe mit fortgenommen.

Ah! Ist es so! Dann ist also Abu el Mot ein armer Mann, wenn er zur?ckkehrt!

Er wird bald wieder reich sein, Herr. Als er ging, sagte er, da? er viele Krieger der Nuehr anwerben und mitbringen wolle, denn er werde bei den Niam-niam Sklaven fangen. Wenn er kommt und sieht, da? die f?nfzig M?nner die Seribah ausgeraubt und verbrannt haben, so wird er ihnen nachjagen, um sie zu t?ten und ihnen alles wieder abzunehmen.

Hat vielleicht Abd el Mot den Brand anbefohlen?

Nein, Herr, gewi? nicht, denn er ist dem Besitzer der Seribah treu.

So treu wie du!

Er sah bei diesen Worten dem Negerh?uptling scharf in das fette Gesicht. Dieser verbeugte sich, lachte verlegen und antwortete:

Herr, ich bin einem jeden treu, der mich gut bezahlt.

Womit l?ssest du dich bezahlen? Mit Zeug oder mit Rindern?

Mit beidem, aber der Abu Noktah ist mir noch lieber.

So ist es m?glich, da? du einen oder mehrere von mir bekommst. Bist du mit den Belanda in Feindschaft?

Ja, Herr; die Blutrache ist zwischen ihnen und uns.

Aber du kennst den Weg nach ihren D?rfern?

Jeder Dschur kennt diese Wege.

Ich will nach Ombula. Kennst du es?

Ja. Es liegt an den Bergen, welche Pambisa genannt werden.

Hast du vielleicht einen Mann, welcher mich dorthin f?hren kann?

Jeder Dschur kann dich f?hren. Wenn du drei Abu Noktah bezahlst, will ich dir einen guten F?hrer geben.

Ich zahle sie, vorausgesetzt, da? der Mann seine Pflicht erf?llt.

Er wird sie gewi? erf?llen.

Nun gut! Er soll mich hin und auch wieder zur?ckbringen. Ich zahle ihm freiwillig vier Abu Noktah, aber er bekommt sie erst dann, wenn wir zur?ckgekehrt sind.

Da schlug der Mann die H?nde zusammen und rief aus:

Allah sch?tze dich, Herr! Was hast du f?r Gedanken! Du mu?t sie sofort bezahlen!

Nein, das thue ich nicht.

Da werde ich sie ja nie erhalten!

Warum?

Weil du nie wiederkommen wirst. Die Belanda werden dich ermorden und den F?hrer auch. Darum wird dieser nur so weit mitgehen, als er seines Lebens sicher ist.

Ah, das ist sehr aufrichtig von dir! Ich werde also gar keinen F?hrer nehmen und du wirst keinen Abu Noktah bekommen.

Der Neger sah ein, da? er keineswegs schlau gewesen sei. Um das Geld f?r sich zu retten, sagte er:

Kein Dschur wird anders als mit Heeresmacht zu den Belanda gehen; aber der F?hrer wird dich bis zur Grenze ihres Landes geleiten. Dort mu? er umkehren. Da? es dann f?r ihn zu gef?hrlich ist, wird dir auch der Sejad ifjal sagen, wenn du ihn fragen willst.

Sejad hei?t J?ger; ifjal ist der Plural von Fil = Elefant, ein Sejad ifjal ist also ein Elefantenj?ger. Einen solchen unter den Dschur zu wissen, war f?r Schwarz h?chst unerwartet, darum fragte er:

Womit t?tet dieser J?ger die Elefanten?

Mit seinem Gewehre.

Gibt es denn in deinem Stamme diese Art von Flinten?

Bei meinem Stamme? Nein. Er geh?rt ja gar nicht zu uns.

Zu welchem Stamme denn?

Das wei? ich nicht. Er ist gar kein Neger, sondern ein Wei?er. Wir kannten ihn nicht, sondern nur seinen Namen. Er ist ein sehr ber?hmter Mann, von welchem alle Menschen erz?hlen. Er kam heute zum erstenmal zu uns, gerade als wir das Feuer bemerkten. Da ging er mit uns, um sich die Seribah anzusehen.

Wohin will er von hier aus?

Das wei? ich nicht. Wir hatten noch keine Zeit, davon zu sprechen.

Auch wir wollen die Seribah sehen. Zeige sie uns!

Kommt mit, und seid meine G?ste. Feuer ist da, und Fische haben wir auch gefangen; so gibt es also ein Mahl, welches wir euch vorsetzen k?nnen.

Er machte den F?hrer, und sie folgten ihm. Es gab nicht viel zu sehen. Asche und verbranntes Mauerwerk, welches nur aus Nilschlamm bestanden hatte. Was in den H?tten zur?ckgelassen und nun gerettet worden war, hatte man auf einen Haufen zusammengetragen, nicht etwa, um es Abu el Mot sp?ter auszuh?ndigen, sondern um es selbst zu behalten.

Schwarz schickte den Steuermann zu dem Boote zur?ck, um die Ruderer zu benachrichtigen, da? nichts zu bef?rchten sei, und dann auf seine Ankunft zu warten. Die Dschurneger standen jetzt beisammen. Bei ihnen befand sich ein Mann, dem es anzusehen war, da? er nicht zu ihnen geh?rte. Seine Haut war zwar von der Sonne verbrannt, aber doch viel heller als die ihrige, und seine Gesichtsz?ge zeigten ebensoviel arabischen, wie Negertypus. Seine Gestalt war nicht hoch, aber sehr breit und ungemein kr?ftig gebaut. Gekleidet war er in einen lichten Ha?k, dessen Kapuze seinen Kopf bis zur Stirn bedeckte. An den F??en trug er Bastsandalen, und in der Hand hielt er ein doppell?ufiges Gewehr von demselben starken Kaliber wie die einl?ufige Elefantenb?chse des Slowaken, welcher Vater der elf Haare genannt worden war. Ein langer, grauer Bart hing ihm fast bis auf den G?rtel herab. Sein Gesicht war tief eingefallen. Es machte den Eindruck inneren Leidens und ?u?erlicher Anstrengungen und Entbehrungen; doch war der Blick seines dunklen Auges lebhaft und von ungew?hnlicher Sch?rfe.

Das ist der Sejad ifjal, sagte der H?uptling, indem er auf ihn deutete. Er wird mir bezeugen, da? es gef?hrlich ist, zu den Belanda zu gehen.

Ihr wollt zu den Belanda? fragte der Neger, indem er die Deutschen mit einem langen Blicke musterte.

Nur ich allein will hin, antwortete Schwarz.

Dann bist du ein k?hner Mann. Darf ich erfahren, welchem Stamme du angeh?rst?

Keinem. Ich bin ein Nemsawi, welches Volk du wohl nicht kennen wirst.

Ich kenne es, denn ich habe bei einem Nemsawi gewohnt, welcher mich aus gro?er Gefahr errettet und mir dann von seiner Heimat erz?hlt hat. Dein Vaterland zerf?llt in mehrere L?nder, deren jedes einen gro?en, m?chtigen Sultan hat; aber der oberste Schah, welcher ?ber sie alle herrscht, wird Uilelem auwalani genannt. Ist es so?

Ja, stimmte Schwarz bei.

Sein oberster Wesir hei?t Bisemar, und sein ber?hmtester Dschanaral ist Moltika gehei?en?

So ist es.

Du siehst, da? ich dein Land und dein Volk kenne. Ihr habt gro?e Kriege gehabt und alle Schlachten gewonnen, sogar den Sultan von Feransa gefangen genommen. Ich liebe die V?lker, welche tapfer sind, und ich liebe ganz besonders euch, weil ich einem der eurigen das Leben zu verdanken habe.

Darf ich erfahren, welcher Mann das ist?

Du darfst es. Ich trage seinen Namen stets auf der Zunge, um ihn zu preisen und ihm dankbar zu sein. Er nennt sich Emin Pascha und beherrscht das Land Wadelai. Kennst du ihn vielleicht?

Ja; er ist ein hochber?hmter Mann, welcher alles thut, um den Wohlstand seiner Unterthanen zu begr?nden und zu heben. Besonders duldet er keinen Sklavenhandel, den er in seiner Provinz aufgehoben hat.

Das ist recht von ihm, und darum bin ich doppelt sein Freund, obgleich er einer der Eurigen und nicht ein Anh?nger des Propheten ist.

Wie? Ich halte dich f?r einen Araber, und so wundert es mich, da? du ein Gegner des Sklavenhandels bist.

Ich bin aus Dar Runga und besa? fr?her viele Sklaven, welche mich bedienten, aber ich hatte einen Feind, welcher mir aus Rache meinen Sohn, mein einziges Kind raubte und in die Sklaverei f?hrte. Da gab ich s?mtlichen Sklaven die Freiheit, vertraute meine Zelte und Herden meinem Bruder an und reiste fort, um den Geraubten zu suchen.

Und du hast ihn noch nicht gefunden?

Nein. Viele Jahre sind vergangen, und ich sah weder meinen Sohn noch meine Heimat wieder. Ich wandere umher wie der Jahudi el Abadi, von welchem die Christen erz?hlen, da? er in Ewigkeit wandern mu?, weil er Isa Ben Marryam die Ruhe versagt hat. Auch den Feind, welcher mir meinen Sohn raubte, habe ich nicht wieder gesehen; nicht die geringste Spur fand ich von den beiden. Nun kann ich nichts anderes thun, als von Land zu Land, von Stamm zu Stamm ziehen, um es dem Zufalle zu ?berlassen, mir Kunde von dem Verlorenen zu geben. Jetzt komme ich von dem Idris und will zu den Belanda und Babukur.

Du sagst aber doch, da? es sehr gef?hrlich sei, die ersteren aufzusuchen!

Von hier aus, ja, weil sie mit den hiesigen Negern in Feindschaft leben. Ich werde ihnen aber nicht sagen, da? ich von hier, von den Dschur, komme. Was willst denn du bei ihnen?

Schwarz antwortete ihm so leise, da? die Neger es nicht zu h?ren vermochten:

Ich will sie vor Abd el Mot warnen, welcher ausgezogen ist, das gro?e Dorf Ombula zu ?berfallen.

Wissen diese Dschur hier von dieser deiner Absicht? fragte der Elefantenj?ger ebenso leise.

Der H?uptling kann es erraten; gesagt aber habe ich es ihm noch nicht.

Sprich nicht davon, denn die Dschur sind Freunde des Abu el Mot. Du mu?t gew?rtig sein, da? sie dir heimliche oder gar gef?hrliche Hindernisse in den Weg legen. Kommt lieber zur Seite, damit wir ungeh?rt dar?ber reden k?nnen.

Er f?hrte die beiden so weit von den Schwarzen fort, da? sie von diesen nicht beobachtet werden konnten, und fragte, indem er sich mit den H?nden auf sein Gewehr st?tzte, und die Deutschen forschend anblickte: Warum wollt ihr den Belanda diesen Gefallen thun? Kann es euch nicht gleichg?ltig sein, ob sie Sklaven werden oder nicht? Seid ihr vielleicht befreundet mit ihnen?

Nein, antwortete Schwarz. Wir waren niemals dort und kennen sie nicht. Aber nicht nur unsre Religion, sondern auch unser Herz gebietet uns, sie zu warnen.

Dann seid ihr nicht diejenigen Christen, welche in andre L?nder gehen, um die V?lker derselben zu unterjochen und auszun?tzen, sondern wie Emin Pascha, welcher gekommen ist, seine Leute gl?cklich zu machen. Aus welchem Grunde aber seid ihr ?berhaupt in diese Gegend gekommen?

Um die Menschen, Tiere und Pflanzen, welche es hier gibt, kennen zu lernen.

Der Araber sch?ttelte den Kopf und antwortete: Das kann euch doch gar keinen Nutzen bringen!

Schwarz wu?te sehr wohl, da? es fremde ausgebildete V?lker gibt, deren Angeh?rige es nicht begreifen k?nnen, da? ein Mensch sich den Gefahren ferner L?nder aussetzen kann, nur um des Wissens willen. Dennoch antwortete er:

Du hast doch von den verschiedenen Ulum geh?rt, mit denen sich die Gelehrten besch?ftigen?

Ja, ich kannte einen, welcher alle N?chte durch ein Rohr die Sterne anschaute. Was hatte er davon?

Er berechnete den Lauf der Sterne und bestimmte nach demselben die Zeiten, Jahre, Monden, Tage und Stunden.

Das war ein guter Zweck. Aber ich habe gesehen, da? Emin Pascha Steine und Pflanzen sammeln lie?. Wozu k?nnte das dienen?

Um die Heilkr?fte dieser Pflanzen zu untersuchen und dann mit Hilfe derselben die Kranken gesund zu machen. Die Steine wollte er kennen lernen, um zu erfahren, ob es wertvolle unter ihnen gibt oder gar Erze, Gold und Silber.

Wenn du es so erkl?rst, so erkenne ich freilich, da? die Wissenschaft ihre sehr guten Zwecke hat. Geh?rt ihr auch zu den Gelehrten?

Ja. Wir wollen bei den Niam-niam eine Station, einen Ort errichten, von welchem aus wir das Land untersuchen, um diejenigen Tiere, Pflanzen und Steine zu entdecken, deren Verkauf den Bewohnern Nutzen bringen kann. Wenn sie mit Hilfe eines solchen Handels das verdienen, was sie brauchen, so werden sie von dem verderblichen Sklavenhandel lassen.

Diese eure Absicht billige ich, denn sie ist sehr gut. Ihr seid als die wahren Freunde der hiesigen V?lker gekommen.

Allerdings. Und weil dies der Fall ist, wollen wir die Belanda vor ihren Feinden, den Sklavenj?gern warnen. Vielleicht ist es gar nicht n?tig, da? ich zu ihnen gehe. Konntest du es nicht ?bernehmen, ihnen die Botschaft zu ?berbringen?

Nein. Ich w?rde verloren sein, da sie dann w??ten, da? ich hier bei den Dschur gewesen bin.

Dann bin ja ich ebenso verloren.

Nein, denn du bist nicht ein Araber, sondern ein Fremder. Ich werde nach dem Volke behandelt, bei welchem ich mich zuletzt aufgehalten habe. Darum mu? ich aus Klugheit die Leute, welche ich aufsuche, stets in der Weise t?uschen, da? ich behaupte, von einem befreundeten Stamme zu kommen. Bei euch ist das nicht n?tig. Ihr als Fremde seid den Gesetzen der Blutrache nur dann verfallen, wenn ihr selbst, also in eigener Person, das Blut eines hiesigen Mannes vergie?et. Woher wi?t ihr denn so genau, da? Abd el Mot nach Ombula will?

Schwarz erz?hlte ihm das heutige Abenteuer und gab ihm auch ?ber sich und Pfotenhauer soweit Auskunft, da? der Araber am Schlusse der Auseinandersetzung sagte:

Bei Allah, ihr seid gerechte, menschenfreundliche und sehr mutige Leute! Ich werde gern mit dir nach Ombula reiten, wo ich vielleicht eine Spur meines Sohnes oder seines Entf?hrers finde. Nur mu?t du dort verschweigen, da? du mich hier bei den Dschur getroffen hast, da ich sonst, weil ich Gast derselben gewesen bin, bei den Belanda als Feind aufgenommen w?rde. Erfahren sie es nicht, so vermag ich dich vor Feindschaft zu sch?tzen, denn mein Name ist ihnen gar wohl bekannt. Alle V?lker von hier bis hinunter zu den Leuten am Ufer des Tanganyikasees haben Ehrfurcht vor dem Manne, welcher ?berall nur Sejad ifjal genannt wird.