Karl May.

Die Sklavenkarawane





Nun, was denn?

Warum die V?gel Federn haben.

Ja, da hat er dirs freilich heimzahlen wollen. Was hast du ihm denn geantwortet?

Was ich gantwortet hab? Nun, zun?chst hab ich mir denkt, da? er halt, dort sitzt er! Siehst du ihn?

Er war wieder aufgesprungen und deutete erregt nach dem Ufer, wobei seine Nase sich zur Seite bog, als ob sie sich ganz speciell f?r diese Gegend interessiere.

Wer? Wo? fragte Schwarz.

Dort oben auf dem Sunutbaume, ganz auf der Spitze.

Ach so, ein Flu?adler, Haliaetus vocifer, ein prachtvolles Tier!

Das ist er. Die Eingeborenen nennen ihn Abu Lundsch. Er fri?t fast ausschlie?lich Fische, und wei?t, wie die Leut hier sein Geschrei verdolmetschen?

Nein.

Sef, Charif, jakull hut, hut. Wie hei?t das auf deutsch?

Im Sef und Charif verzehre ich Fische.

Richtig! Auch hier hast wieder aan Zeichen von liebevoller Beobachtung der Natur. Die Negern sind gar nit so stupid und verst?ndnisarm, wie man sie beschreibt. Wenn ich an deiner Stell w?r, so th?t ich a Buch zu ihrer Ehrenrettung verfassen.

Das wird vielleicht geschehen, wenn ich die Zeit dazu finde.

Jetzt wurde die Aufmerksamkeit der beiden auf den Steurer gelenkt, welcher ein kurzes Kommandowort aussprach, worauf die Schwarzen ihre Ruder einzogen.

Wollen wir landen? fragte ihn Schwarz, nat?rlich nicht in deutscher Sprache.

Nein, Effendi, antwortete er. Hier landet man nie sofort, sondern man legt den Kahn erst f?r einige Zeit in das Schilf, um zu ersp?hen, ob sich keine Feinde am Lande befinden.

Und das willst du thun? Warum fahren wir nicht weiter?

Weil wir sonst zu weit an die Seribah Omm et Timsah kommen, wo Abd el Mot wohnt. Sieht er uns, so macht er uns zu Sklaven.

Das sollte er versuchen!

Er w?rde es nicht nur versuchen, sondern wirklich thun. Ihr beide seid k?hne und kluge M?nner, und wir verstehen auch unsre Waffen zu gebrauchen; aber er hat ?ber f?nfhundert Sklavenj?ger bei sich, die wir nicht ?berwinden k?nnen. Wir w?rden drei?ig oder vierzig, vielleicht auch noch mehr t?ten, von den ?brigen aber erdr?ckt werden.

Das klang so ruhig, klar und ?berlegt. Der J?ngling war gewi? seinen Jahren vorausgeschritten.

So meinst du, da? wir nur des Nachts vor?berfahren k?nnen? fragte Schwarz.

Ja.

Aber das k?nnen wir doch auch am Tage thun. Wir rudern schnell und nehmen das Segel dazu.

Niemand kann wissen, wie der Wind in einer Stunde weht. Kommt er uns entgegen, so w?rde das Segel uns nur hindern, und auf die Ruder darf man sich nicht verlassen. Abd el Mot hat ein Schiff im Flusse liegen, welches er zwar geheim h?lt, aber ich wei? es doch. Er kann von seinem Ufer aus den Flu? aufw?rts weit ?berblicken. Er w?rde uns also sehr zeitig bemerken, und braucht dann nur das Schiff nach der Mitte des Flusses zu steuern und die Trommel schlagen zu lassen, um uns sicher zu bekommen.

Nein, wir m?ssen hier anlegen und die Nacht abwarten, dann k?nnen wir die gef?hrliche Stelle passieren.

Er kann uns auch dann zuf?llig bemerken.

Wenn wir Schilf und Zweige quer ?ber das Boot legen, wird man es f?r eine losgerissene schwimmende Grasinsel halten. Erlaubst du also, da? ich gegen das Ufer steure?

Ja, thue es.

Das Boot trieb mit dem Strome dem linken Ufer zu, fuhr an der bereits genannten, auf der Schlammbank lagernden Grasinsel vor?ber, und gewann sodann den Rand des spitzen Feldes von Omm Lufah und Schilf, welches auch schon erw?hnt wurde. Dort lie? man den eisernen, scharfen Bongoanker nieder, welcher sofort im Grunde festgriff und das Boot zum Stehen brachte.

Vom linken Ufer, in dessen N?he es lag, konnte man es unm?glich sehen, weil das sehr hohe und dichte Rohr dazwischen stand. Das rechte Ufer war zwar weit entfernt, aber ein sehr scharfes Auge h?tte es doch vielleicht zu erkennen vermocht; darum schnitten die Neger so viel Schilf und Rohr ab, um es vollst?ndig in eine kleine Insel verwandeln zu k?nnen, welcher man es nicht ansah, da? der Grund derselben in einem vor Anker liegenden Kahne bestand.

Gesprochen wurde nur leise; dabei strengte man das Geh?r an, um sich kein Ger?usch am Ufer entgehen zu lassen. Man hatte die Maskierung des Bootes noch nicht beendet, da drangen unverst?ndliche Laute herbei, welche einer menschlichen Stimme anzugeh?ren schienen. Die Insassen des Bootes lauschten mit angestrengtester Aufmerksamkeit, bei sich selbst jedes Ger?usch vermeidend.

Der junge Dumandschi erhob sich von seinem Sitze, um besser h?ren zu k?nnen.

Es sind zwei Neger, welche dort am Ufer sprechen, nicht weit abw?rts von uns, sagte er leise.

Woher wei?t du das? fragte Schwarz.

Ich verstand nur wenige Worte, welche der Sprache der Belanda angeh?ren, die nur von Schwarzen gesprochen wird.

Was sprachen sie?

Das wei? ich nicht. Die Worte geh?rten mehreren S?tzen an. Rettung sterben Sklavenj?ger, das habe ich geh?rt.

Ach! Vielleicht sind es verfolgte Sklaven.

Dann sind sie gewi? Abd el Mot entsprungen.

So m?ssen wir sie retten. Wir nehmen sie in unser Boot auf.

Das m?ssen wir uns vorher ?berlegen, Effendi. Ich bin bereit, jeden verfolgten Menschen zu retten, vorher aber mu? ich ?berzeugt sein, da? ich mich damit nicht dem gewissen Tode in die Arme werfe. Gefahr kann ja dabei sein, vor ihr schrecke ich nicht zur?ck; aber einem sichern und voraussichtlichen Tode weihe ich mich nicht, denn dann w?re ja auch der, den ich retten will, mit verloren.

Du sprichst wie ein gelehrter und erfahrener Mann.

Spotte nur, aber gib mir recht. Horch!

Man h?rte jetzt w?tendes Hundegebell und rufende Menschenstimmen.

Scheitan! Da l?uft einer, und weiter vorn der andre, wenn ich mich nicht irre. Schnell nach, schnell nach! klang es deutlich her?ber.

Das war der Ausruf Abd el Mots, als er Lobo erblickte. Dann folgte w?tendes Hundegeheul und durcheinander br?llende M?nnerstimmen.

La? doch den Hund los! rief jemand.

Zwei Sklaven sind es, welche verfolgt werden! sagte Schwarz. Wir m?ssen sie retten!

Er griff nach seiner B?chse. Auch der Graue nahm sein Gewehr und stimmte bei:

Schie?en wir die Halunken nieder!

Still, still, bat der Steuermann. Es scheinen der Verfolger gar viele zu sein, und jedenfalls geh?ren sie zu Abu el Mot. Wollen wir uns ihnen zeigen, ohne die Neger retten zu k?nnen? Das w?rde unklug sein. Und ehe wir den Kahn vom Anker losbringen und das Ufer erreichen, kommen wir zu sp?t, weil die Jagd schon vor?ber ist. Horch! Ein Schrei. Da starb einer. Er sprang in das Wasser. Lebt er noch, so holen ihn die Krokodile!

Er trat auf die Steuerbank; die andern stellten sich auf die Ruderb?nke, um ?ber das maskierende Schilf hinwegsehen zu k?nnen. In diesem Augenblicke kam Lobo um die Spitze des Schilffeldes geschwommen. Der Steuermann schob das Rohr mit den beiden Armen auseinander, um von ihm gesehen zu werden und winkte ihm. Lobo stutzte. Das war der Augenblick, an welchem seine Verfolger sagten, er m?sse etwas gesehen haben. Der Schu? Abd el Mots fiel.

Schnell, schnell die Krokodile! rief der Steuermann dem Neger zu.

Dieser sah einen Menschen scheinbar oberhalb des Wassers stehen. Seine Kr?fte verdoppelten sich, und er schnellte sich mit einigen starken St??en herbei. Schon ergriff er mit den H?nden den Rand des Bootes, und mehrere Arme streckten sich aus, ihn hereinzuziehen; da warnte einer der Ruderer, welcher zuf?llig einen Blick hinaus auf den freien Strom und nach der Grasinsel geworfen hatte:

Et Timsah, et Timsah, amal, amal das Krokodil, das Krokodil, macht, macht!

Gl?cklicherweise war der Mann so vorsichtig gewesen, nicht in lautem Tone zu sprechen.

Von welcher Seite? fragte der Steuermann schnell.

Links, antwortete der Ruderer.

Schnell alle auf diese Seite nach links, sonst wirft es das Boot um!

Lobo wurde f?rmlich emporgerissen; aber schon war das Tier da ein gewaltiger Sto? gegen die linke Bootswand h?tten die Insassen rechts gestanden, so w?re das Fahrzeug umgeworfen worden; so aber widerstand ihr Gewicht dem Sto?e des gierigen Tieres Lobos Unterschenkel geriet doch noch zwischen die vordern Z?hne desselben, aber noch ehe es den Rachen vollst?ndig schlie?en konnte, wurde er ihnen entrissen. Der Neger stie? einen lauten Schmerzensschrei aus, den seine Verfolger f?r seinen Todesschrei hielten, und flog herein in das Boot, doppelt blutend, n?mlich am Arme, wo ihn der Hund gepackt hatte, und am Beine, von welchem ein ganzes St?ck der Wade fehlte. Er schlo? die Augen. Es war ?ber seine Kr?fte gegangen, und eine Ohnmacht nahm ihn in ihre mitleidigen Arme.

Ist er tot? fragte Schwarz.

Nein, antwortete der Graue, welcher sich neben den Neger niedergekniet hatte, um ihn zu untersuchen. Ein Bi? in den Arm, ein St?ck Fleisch aus dem Beine und Bewu?tlosigkeit, das ist alles.

Still, sprach der Steuerer. Man spricht am Ufer.

Sie horchten und vernahmen die Worte, welche dort gesprochen wurden. Sie h?rten sogar die Schritte der sich dann Entfernenden.

Einer ist gerettet, Gott sei Dank! sagte Schwarz. Aber der andre wird in ihre H?nde fallen. Wie k?nnen wir das verh?ten?

Wir brauchen es nicht zu verh?ten, antwortete der junge, kluge und umsichtige Steuermann. Sie werden ihn nicht fangen.

Wie kannst du das behaupten?

Weil ich ihre Worte geh?rt habe. Sie haben zwei Hunde verloren. Dieser Neger hat ganz sicher einen get?tet, denn er h?lt selbst jetzt noch das Messer fest in der Hand. G?be es noch ein Tier bei den Verfolgern, so w?re er nicht entkommen, sondern zerfleischt worden; auch w?re ihm der Hund gewi? ins Wasser nachgesprungen, um ihn festzuhalten. Gek?mpft hat er mit so einem Negerf?nger, das zeigt hier die Wunde an seinem Arme. Aus dem allen schlie?e ich mit Sicherheit, da? es dort am Ufer keinen Hund mehr gibt. Wie wollen sie da den andern Fl?chtling finden, da der Wald viele Stunden lang ist, und sie seine F?hrte nicht riechen k?nnen!

Du scheinst recht zu haben.

Ich glaube nicht, da? ich mich t?usche. Warten wir hier also in unsrer Sicherheit ganz ruhig ab, was noch geschieht; dann werden wir wissen, was wir zu thun haben.

Die beiden Deutschen mu?ten diesen Sudanesen aufrichtig bewundern. Er machte trotz seiner Jugend den Eindruck eines gereiften Denkverm?gens, fast h?tte man sagen k?nnen, den Eindruck von ?berlegenheit. Dabei waren seine Bewegungen und Gesten so ruhig und sicher, wie seine Art, sich auszudr?cken.

Der Graue hielt dem besinnungslosen Neger ein Riechfl?schchen an die Nase. Das wirkte. Lobo begann sich zu bewegen.

Tolo halte den Stamm fest, fl?sterte er, doch ohne die Augen zu ?ffnen.

Selbst jetzt, noch in halber Ohnmacht, war er nur auf die Rettung seines Freundes bedacht! Pfotenhauer lie? das fl?chtige Salz noch einmal wirken; da ?ffnete der Neger die Lider. Sein noch verschleierter Blick fiel in das m?nnlich sch?ne, wohlwollend ernste Gesicht Schwarz. Er schlo? die Augen wieder und sagte l?chelnd:

Tolo du lebst und ich bin bei bei dem guten Schech ?ber ?ber den Sternen!

Er meint jedenfalls Gott, sagte Schwarz. Ob er ein Christ ist?

Christ oder Heide; er ist Mensch, und es soll ihm geholfen werden, antwortete der Graue.

Er hob den Bugsitz empor, unter welchem sich ein Kasten mit Medikamenten und Verbandzeug befand und begann die beiden Wunden kunstgerecht zu verbinden, wobei ihm Schwarz mit gleicher Geschicklichkeit half.

In den oberen Nilgegenden werden selbst leichte Wunden, wenn sie eine Vernachl?ssigung finden, leicht lebensgef?hrlich. Das erh?ht die Sterblichkeit dieser unter der Kriegs und Mordlust ihrer Nachbarn leidenden V?lker bedeutend.

Die Krokodilsz?hne hatten Fleischfetzen zur?ckgelassen, welche mit dem Messer entfernt werden mu?ten. Das konnte nur unter Schmerzen geschehen, infolge deren Lobo erwachte. Er sah sich im Kreise um.

Wei?e M?nner und Sandeh! sagte er, die Niam-niam an ihrer eigenartigen Haartracht erkennend. Das sind keine Sklavenj?ger!

Nein, wir sind keine, beruhigte ihn Schwarz. Du bist unter Freunden.

So so ist Lobo nicht gestorben?

Du lebst. Da drau?en liegt das Ufer, von welchem aus du in das Wasser gesprungen bist.

Das ist ein ein Boot! Ja, ihr habt Lobo hereingezogen. Lobo besinnt sich jetzt. Ihr seid gute Leute. Aber wo ist Tolo?

Er wird auch gerettet sein, denn sie haben ihn sicher nicht gefunden.

Dann gleich, schnell zu den B?umen gehen, wo er sich befindet!

Er wollte aufspringen, aber die schmerzenden Wunden hinderten ihn daran; sie waren noch nicht einmal vollst?ndig verbunden. Das Schicksal seines Gef?hrten bereitete ihm solche Sorge, da? er kaum beruhigt werden konnte; doch sah er ein, da? man nur sein Bestes wolle, und er sich f?gen m?sse. W?hrend sein Verband vollends ausgef?hrt wurde, wobei er m?nnlich die Schmerzen verbi?, mu?te er erz?hlen, was geschehen war. R?hrend war es dabei, ihn von dem guten Schech ?ber den Sternen, von dessen Sohn, der f?r die Menschen gestorben sei, und auch von sich selbst, da? er sich f?r seinen Freund dem Tode geweiht h?tte, erz?hlen zu h?ren. Als er geendet hatte, sagte Schwarz:

Also Abu el Mot ist nicht auf seiner Seribah, aber nach derselben unterwegs? Das macht mich f?r meinen Bruder bange. Und Abd el Mot ist auch schon aufgebrochen? Da steht die Seribah fast verwaist da!

Man l??t stets f?nfzig Mann daselbst zur?ck, bemerkte Lobo.

Die k?nnen uns nicht bange machen. Wir haben nun nicht n?tig, den Abend zu erwarten und k?nnen noch am Tage weiterfahren.

So will Lobo heraus aus eurem Boote. Er mu? bei Tolo sein!

Du? Du kannst nicht heraus. Du vermagst ja nicht einmal zu stehen, viel weniger zu gehen. Du mu?t dich ?u?erst ruhig verhalten, wenn die Wunden sich nicht entz?nden und lebensgef?hrlich werden sollen. Darum werden wir dich bei uns behalten und erst dann entlassen, wenn du vollst?ndig geheilt sein wirst.

Das ist unm?glich! Lobo mu? bei Tolo sein. Wo ist dieser?

Beruhige dich! Er ist gerettet. Du sagst, da? der Subakh und Lubahnbaum da rechts am Ufer stehen. Dorthin sind eure Verfolger nicht zur?ckgekehrt. Wir werden nach ihm suchen.

Er mu? gefunden werden, denn er soll nach Ombula eilen, um die Leute dort zu warnen, da Lobo nicht mehr gehen kann!

Ich werde das Ufer betreten, um zu sehen, ob die Sklavenj?ger noch da sind, erkl?rte der Steuermann.

Wir gehen alle; wir rudern das Boot die kurze Strecke hin, antwortete der Vater des Storches.

Das w?re unvorsichtig. Das Boot darf erst dann landen, wenn wir wissen, da? die Araber fort sind. Ich begebe mich allein hin?ber.

So m??test du schwimmen und w?rdest von den Krokodilen erfa?t werden.

Nein. Ich mache mir aus Schilf und Rohr schnell ein Kelek, auf welchem ich hin?berfahre. Das greift kein Krokodil an, wenn es nicht allzu klein ist. Ist es so gro?, da? ich vollst?ndig darauf Platz finde und kein Teil meines K?rpers ?ber den Rand weg in das Wasser ragt, so wird keins dieser Tiere sich um mich bek?mmern.

Er trieb mittels des Steuers das Boot etwas tiefer in das Schilfdickicht hinein und begann dann, Rohr f?r das Flo? zu schneiden. Die Ruderer halfen ihm.

Aber wenn sie noch da sind, kannst du leicht gesehen werden, und dann bist du verloren, denn entweder t?ten sie dich, oder sie machen dich zum Sklaven und f?hren dich fort, warnte Schwarz.

Sie werden keins von beiden thun, antwortete der mutige Knabe. Ich verstehe es, sie zu beobachten, ohne da? sie mich bemerken.

Die Neger entwickelten eine gro?e Fertigkeit im schnellen Flechten einer hinl?nglich gro?en und dicken Matte, unter welche starke Schilfb?ndel befestigt wurden, die mehr als nur einen Menschen getragen h?tten. Der junge Steuermann bestieg dieses Flo?; er nahm ein Ruder mit, um es lenken zu k?nnen.

Er vermied es, aufw?rts nach der Spitze des Schilffeldes zu rudern. Dort war Lobo in das Wasser gesprungen, und es stand zu erwarten, da? die Sklavenj?ger, falls sie noch anwesend waren, ihre Aufmerksamkeit auf diese Stelle gerichtet hielten. Er gebrauchte vielmehr das Ruder einstweilen nur als Steuer. Auf dem Flo?e kniend, lie? er dasselbe ger?uschlos abw?rts gleiten, bis er eine Stelle erreichte, welche frei vom Schilfe war und ihm erlaubte, das Flo? an das Ufer zu treiben.

Die Zur?ckbleibenden waren nicht ohne Sorge um ihn. Sie h?tten sein Wagnis lieber selbst unternommen, mu?ten sich aber sagen, da? es f?r ihn nicht so gro? sei, wie es f?r sie gewesen w?re. Im Falle eines Angriffs konnte er sich viel mehr auf ihre Hilfe, als sie sich auf diejenige ihrer afrikanischen Begleiter verlassen. Schwarz sagte in deutscher Sprache zu dem Grauen:

Ein wackerer, kleiner Kerl! Beim geringsten Zeichen, da? ihm ein Unfall droht, heben wir den Anker und eilen ihm zur Hilfe!

Das versteht sich ganz von selbst, stimmte der Genosse bei. Der Junge ist mir ebenso lieb gworden wie dir. Er hat so was Appartes, so was Vornehmes an sich. M?cht wissen, was f?r ein Landsmann er ist. Ein Niam-niam gwi? nit. Dazu passen seine Gsichtsz?g und auch die Hautfarben nit.

Auch ich werde nicht klug. Einmal m?chte ich ihn f?r einen Mulatten, das andre Mal f?r einen Somali halten. Wenn ich ihn nach seiner Abkunft gefragt habe, wu?te er mir stets auszuweichen.

Mir auch. Nit mal die Niam-niam, bei denen er doch wie ein Stammesgenosse lebt, wissen zu sagen, wo seine Heimat liegt. Er scheint sich also auch ihnen gegen?ber in das Gheimnis gh?llt zu haben. Aber da? sie ihn Abd es Sirr nennen, das l??t vermuten, da? sie seine Abkunft f?r eine arabische halten.

Dann w?re er also Mulatte, denn ein reiner Araber ist er nicht. Mir scheint, er hat Schreckliches erlebt. Er lacht nie; h?chstens sieht man einmal ein kurzes, leises L?cheln auf seinen Lippen. Hast du ihn jemals spielen und tollen sehen wie andre seinesgleichen bei den Niam-niam?

Nie.

Ich auch nicht. Der finstere Ernst, den er stets zeigt, l??t vermuten, da? er die Erinnerung eines tragischen Ereignisses, unter welchem seine junge Seele schwer gelitten haben mu?, in sich bewahrt. Den wenigen religi?sen ?bungen nach, die man bei ihm beobachtet, ist er Mohammedaner. Hast du ihn einmal beten h?ren?

Im Gebet gesehen hab ich ihn bereits, gh?rt aber noch nit. Er betet nit zu den vorgschriebenen Zeiten, sondern nur dann, wann er meint, nit gsehen und beobachtet zu werden.

Ich habe ihn zweimal belauscht. Er betete die Fathha; hinter den beiden Worten Weltenherr und Allerbarmer f?gte er die gar nicht in diese Sure geh?renden Ausdr?cke Mir itakam und Sabit el meglis hinzu. Das deutet darauf, da? er sich mit einer Rache tr?gt.

Das hab auch ich schon gedacht. Wann er glaubt allein zu sein, so br?tet er finster vor sich hin und ballt und dreht dabei die F?ust, als ob er einen da h?tt, den er erw?rgen wollt. Dabei verdreht er die Augen und knirscht mit den Z?hnen, da? man schier meinen m?cht, er halt, schau mal! Da kommens gflogen! Kennst sie auch bereits?

Er war aufgesprungen, und deutete erregt auf eine Vogelschar, welche quer ?ber den Flu? geflogen kam. Indem er mit den Augen dem Fluge derselben folgte, bewegte sich auch seine lange Nase von der rechten nach der linken Wange, als ob sie f?r sich ebenso diese genaue Beobachtung machen wolle.

Ja, ich kenne sie, antwortete Schwarz. Es sind Bienenfresser, Merops caeruleo cephalus. Herrliche V?gel! Siehst du ihr prachtvolles Gefieder in der Sonne wie lauter Smaragde und Rubine funkeln?

Nat?rlich schau ich das gerade so wie du. Wei?t auch ihren hiesigen Namen?

Ja. Man nennt sie Dschurull.

Warum?

Weil ihre Stimme gerade wie diese zwei Silben klingt.

Hast recht; bist kein ?bler Vogelkenner. Jetzt sinds weg, in die B?um hinein. Er setzte sich wieder nieder, wobei seine Nase sich in ihre ordnungsm??ige Lage zur?ckbegab, und fuhr fort: In Europa gibts nur a einzige Art des Bienenfressers, Merops apiaster, mit wei?er Stirn, blauem Augenstreif, blaugelbem Kinn, meerblauer Brust und gr?nblauen Handschwingen. Ich thu mich gerade f?r diese V?gerl au?erordentlich verinteressieren, weil so a Merops der erste Vogel war, den ich zeichnet und dann wieder auf den R?cken gmalt erhalten hab.

So? Von wem?

Vom Professorn der Naturgschichten. Ich hatt mir von ihm a Buch ausgborgt, in dem ein Bienenfresser in Holzschnitt abgbildet war. Es hat mich verdrossen, da? er so schwarz ausgschaut hat; darum nahm ich schnell den Malkasten her und hab das Bild so bunt angstrichen, da? dabei die Farben fast ausgangn sind. Nachher hat der Professor das entdeckt und mich mit in seine Stub gnommen, wo er mir mit dem Lineal den Merops so nachhaltig auf den R?cken koloriert hat, da? mir dar?ber das Gsicht und Gh?r vergangen ist. Dieses Konterfei konnt ich zwar nicht sehen, weils eben auf dem R?cken war, aber so gr?n und blau wie der Merops ists sicher gwesen, und gf?hlt hab ichs noch wochenlang. Dieser Professor hat ?berhaupt einen gheimen Blitz auf mich ghabt, weil ich ihn immer nach Dingen gfragt hab, die er nit beantworten konnt. Daf?r hat er mich dann im Examen t?chtig ausgwischt. Hab ichs dir vielleicht schon verz?hlt?

Nein, antwortete Schwarz sehr ernst.

Nun, ich sprech gar nie davon, dir aber kann ichs schon mal sagen. Das war, als ich in der Quart gsessen bin. Weils Examen geben hat, hab ich ein reines Chemisetten umgbunden und dazu den neuen, sch?nen Schlips um den Hals, denn ich hab denkt, da? es mir, so trefflich herausgputzt, gar nit fehlen kann. Aber es ist halt anders kommen. N?mlich als ich an die Reihe kam und deshalb aufgstanden bin, um die Frag in schuldiger Ehrfurcht entgegen zu nehmen, was hat der Professorn da gsagt?