Karl May.

Die Sklavenkarawane





F?r einen Sklavenj?ger, und gar einen Feldwebel derselben, konnte es gar keine gr??ere Strafe geben. Nat?rlich mu?, wenn eine Ghasuah unternommen wird, eine Abteilung zum Schutze der Seribah zur?ckbleiben. Diese Leute erhalten zwar ihre L?hnung, doch ist ihnen die Gelegenheit entzogen, sich beim ?berfalle des betreffenden Negerdorfes privatim zu bereichern. Aus diesem Grunde will keiner zur?ckbleiben, und es ist also der Gebrauch, das Los entscheiden zu lassen, und zwar nicht nur in Beziehung auf die gew?hnlichen Soldaten, sondern auch hinsichtlich der Chargierten. Hier nun sollte der Feldwebel verzichten, ohne durch das Los dazu bestimmt worden zu sein. Das hielt er f?r eine Ungerechtigkeit, die er sich nicht gefallen zu lassen brauchte, zumal es gar nicht seine Absicht gewesen war, Abd el Mot einen Befehl zu erteilen. Er hatte sich infolge seines h?heren Alters, seiner gro?en Erfahrung und seines Ranges nicht f?r unberechtigt gehalten, eine Meinung auszusprechen, welche nicht einmal mit derjenigen seines Vorgesetzten in Widerspruch gestanden hatte. Darum sagte er, doch in ganz ruhigem Tone:

Herr, ich sage dir, und Allah ist mein Zeuge, da? ich dich nicht beleidigen wollte. Ich bin mir keiner Schuld bewu?t und habe diese Strafe nicht verdient. Du kannst meine Wangen nicht dadurch mit Schamr?te ?berziehen, da? du mich vor den Hundert, die mir untergeordnet sind, erniedrigst!

Schweig! donnerte ihn Abd el Mot an. Sind dir etwa die Gesetze, nach denen in jeder Seribah gehandelt wird, nicht bekannt? Ich kann dich t?ten, sobald du mir widersprichst!

Das wirst du nicht thun, denn du wei?t recht gut, da? ich der erfahrenste und k?hnste deiner Leute bin. Durch meinen Tod w?rdest du dich um den brauchbarsten Mann der Seribah bringen, was ein Schade f?r euch alle w?re. Und was Abu el Mot, der Herr und erste Kommandant, dazu sagen wurde, das wei?t du nicht.

Er hatte das zwar in bescheidenem Ton, doch mit gewissem Selbstbewu?tsein gesprochen. Abd el Mot gab innerlich die Wahrheit des Gesagten zu, doch hielt er es nicht f?r r?tlich, solche Worte zu dulden. Darum antwortete er:

Zu t?ten brauche ich dich zwar nicht; aber ich kann dich bestrafen, ohne da? du uns deine Dienste entziehen darfst. Du bist von diesem Augenblicke an nicht mehr Tschausch, sondern gew?hnlicher Soldat und bleibst als Gefangener auf der Seribah zur?ck. Nun kann das Los dar?ber entscheiden, welcher Unteroffizier hier w?hrend unsrer Abwesenheit das Kommando erh?lt.

Das Urteil brachte den alten Feldwebel um die bisher bewahrte Ruhe.

Was? rief er zornig aus. Ich soll gemeiner Asaker werden und sogar gefangen sein? Das wird Allah wohl verh?ten! Noch gibt es hier Leute, welche es mit mir halten und mich nicht verlassen werden!

Er sah sich stolz und auffordernd im Kreise herum. Ein leises Murmeln, welches sich vernehmen lie?, schien seinen Worten recht zu geben. Da zog Abd el Mot seine beiden Pistolen hervor, spannte die H?hne und drohte:

Die Kugel dem, der mir zu widerstreben wagt! Bedenkt, wenn ein Tschausch f?llt, so r?cken andre nach ihm auf.

Wollt ihr euch dieses Avancement entgehen lassen? Soll ich diejenigen, welche ihm helfen wollen, auch in Ketten legen? Nehmt ihm den S?bel und die Pistole ab und bindet ihn!

Mich entwaffnen und binden? schrie der Tschausch. Lieber will ich sterben. Schie? also zu, wenn du

Er hielt inne. Er hatte den S?bel aus der Scheide gezogen und ihn drohend gez?ckt; aber es schien ihm pl?tzlich ein andrer Gedanke gekommen zu sein. Er senkte die Klinge, strich sich mit der linken Hand langsam ?ber das b?rtige Gesicht, vielleicht um den momentanen Ausdruck desselben nicht sehen zu lassen, und fuhr in ergebenem Tone fort:

Verzeihe, Herr! Du hast recht, denn du bist der Vorgesetzte, und ich habe zu gehorchen. Mache mich immerhin zum gew?hnlichen Soldaten! Ich werde mich doch bald so auszeichnen, da? ich wieder aufw?rts r?cke. Allah ist gro? und wei? am besten, was geschehen soll.

Diese letzten Worte enthielten eine versteckte Drohung, was aber Abd el Mot nicht bemerkte. Er nahm dem Tschausch selbst die Waffen ab und sagte:

Danke es deinem Alter und meiner Gnade, da? ich mit deiner Ergebung einverstanden bin! Du hast den S?bel gegen mich gezogen und bist also des Todes schuldig. Dennoch will ich dir verzeihen. Ich schenke dir das Leben; im ?brigen bleibt es bei dem Urteile, welches ich ausgesprochen habe. F?hrt ihn in das Gef?ngnis und bindet ihn dort an, damit er nicht entfliehen kann!

Dieser Befehl war an zwei Unteroffiziere gerichtet, welche sofort gehorchten. Sie nahmen den Tschausch zwischen sich, um ihn abzuf?hren, und er ging ohne Widerstreben mit ihnen. Die Hoffnung auf Avancement hatte ihre Wirkung auf die Leute nicht verfehlt.

Nun begaben sich alle nach dem Tokul des Befehlshabers, wo unter Anrufung des Propheten und aller heiligen Kalifen die Lose gezogen wurden. Die f?nfzig Mann und der Unteroffizier, welche von denselben getroffen wurden, ergaben sich schweigend, aber innerlich zornig in ihr Schicksal, die ?brigen r?steten sich zum Aufbruche, nachdem der Fakir erkl?rt hatte:

Ein jeder gl?ubige Moslem tritt jede Reise zur Zeit des heiligen Asr an. Nachdem es aber Allah gefallen hat, uns zu erlauben, schon am Morgen aufzubrechen, ist es keine S?nde gegen ihn, schon nach einer Stunde auszuziehen, da die Mitternacht vor?ber und es dann auch schon Morgen ist. Sein Name sei gelobt!

Es waren an dem beabsichtigten Zuge weit ?ber vierhundert Personen beteiligt, welche in zwei Abteilungen zerfallen sollten. Die erste bestand aus denjenigen Leuten, welche mit den vorhandenen Pferden beritten gemacht werden konnten. Ihr sollte die Aufgabe zufallen, voranzueilen und die beiden Neger zu fangen, um dann auf die zweite Abteilung zu warten, welche teils auf Reitochsen, denen das Klima nichts anhaben kann, teils zu Fu? nachfolgen sollte. Den ersten Trupp befehligte Abd el Mot selbst. Das Kommando des zweiten sollte derjenige Unteroffizier f?hren, welcher in die Stelle des abgesetzten Feldwebels aufger?ckt war.

Nach einer Stunde hielten die beiden Abteilungen vor der Seribah, vor ihnen der Fahnentr?ger mit der heiligen Barakha in der Hand. So unmenschlich der Zweck einer Ghasuah ist, so wird doch niemals eine solche unternommen, ohne da? man vorher um den Schutz und Segen Gottes bittet, ganz ?hnlich wie man fr?her in den Kirchen mancher K?stenorte mit lauten Gebeten um einen gesegneten Strand bat. Der Fakir, der das Amt des Geistlichen und zugleich des Rechnungsf?hrers verwaltete, stellte sich neben dem Fahnentr?ger vor der Front auf, erhob die beiden Arme und rief mit lauter Stimme:

Hauehn aale?na ia rabb, Salam aale?na be barakkak hilf uns, o Herr, begnadige uns mit deinem Segen!

Diese Worte wurden von dem ganzen Corps unisono wiederholt. Der Fakir fuhr fort:

Hafitsina ia mobarek ia daaim segne uns, o Gesegneter, o Unsterblicher!

Auch dies wurde einstimmig nachgesprochen. Der erste Ausruf war an Gott und der zweite an Mohammed gerichtet. Dann folgten die vor dem Gebete jeder Sure vorgeschriebenen Worte:

Be issm lillahi er rahmaan er rahiim im Namen des allbarmherzigen Gottes!

Hierauf wurde die erste Sure des Korans, die heilige Fathha gebetet, worauf die hundertsechsunddrei?igste Sure folgte, welche von Mohammed den Namen Herz des Korans erhielt und seitdem von jedem Moslem so genannt wird. Man betet sie im Angesichte jeder Gefahr, und man liest sie den Sterbenden, wenn sie in den letzten Z?gen liegen, vor. Sie ist ziemlich lang; ihr Schlu? lautet:

Der Ungl?ubige bestreitet die Auferstehung; er stellt Bilder an Gottes Stelle und vergi?t, da? er einen Sch?pfer hat. Er spricht: Wer soll den Gebeinen wieder Leben geben, wenn sie d?nner Staub geworden sind? Wir aber antworten: Der wird sie wieder beleben, der sie auch zum erstenmal in das Dasein gerufen. Sollte der, welcher Himmel und Erde geschaffen, nicht die Kraft besitzen, Tote wieder lebendig zu machen? Sicherlich, denn er ist ja der allweise Sch?pfer. Sein Befehl ist, so er etwas will, da? er spricht: Es werde! und es ist. Darum Lob und Preis ihm, in dessen Hand die Herrschaft aller Dinge ist. Zu ihm kehret ihr einst zur?ck!

Es dauerte sehr lange, ehe diese Sure vorgesprochen und nachgebetet worden war. Als die letzten Worte verklungen waren, hatte sich der Osten gelichtet und die ersten Strahlen der Sonne zuckten empor. Nun durfte man nicht eher fort, als bis el Fager, das f?r die Zeit des Sonnenaufgangs vorgeschriebene Morgengebet, gesprochen worden war. Dann erhoben sich die Knieenden, um abzuziehen.

Zuerst bestieg Abd el Mot mit den Seinigen die Pferde. Er ritt voran mit seinem Hunde, welcher mit langer Leine an den Sattelriemen gebunden war und die Spur mit Eifer wieder aufgenommen hatte. Die Reiter flogen wie im Sturmwinde gegen S?den.

Die zweite Abteilung folgte langsam, voran der Fahnentr?ger mit der jetzt in ein Tuch gewickelten Barakha. Sie nahmen mit Gewehrsalven Abschied, welche von der zur?ckbleibenden Besatzung erwidert wurden. Diese Salven sind stets scharf, wie man auch Trupps, denen man unterwegs begegnet, nur mit scharfen Sch?ssen begr??t, eine Munitionsverschwendung, von welcher man nicht lassen mag, weil die Sitte es erfordert.

Die Besatzung blieb vor der Einfriedigung, bis die Fortziehenden nicht mehr zu sehen waren. Sie befand sich in einer keineswegs freundlichen Stimmung. Es entging ihr der zu erhoffende Raub, und sie hatte daf?r nicht einmal das Bewu?tsein, der M?hen des Marsches und der Gefahren des Kampfes enthoben zu sein. Arbeit gab es nun in der Seribah mehr als genug. Was vorher f?nfhundert gethan hatten, das mu?te nun von nur f?nfzig geschehen, und auch Gefahr war jederzeit vorhanden, da Seriben, deren gr??ter Besatzungsteil sich auf einem Sklavenzuge abwesend befindet, von den anwohnenden V?lkern oft ?berfallen werden. Es gab also mehr als doppelte Arbeit und Wachsamkeit.

Daher war es gar kein Wunder, da? hie und da ein unwilliges Wort laut wurde, unwillig ?ber die Ungerechtigkeit des Loses und unwillig auch ?ber die allzu gro?e Strenge des Befehlshabers. Dieser war nur Stellvertreter des eigentlichen Herrn, Abu el Mots, in dessen Abwesenheit er sich stets so geb?rdete, als ob er gr??ere Macht besitze, als eigentlich der Fall war. Darum war er nicht blo? gef?rchtet, sondern, was viel schlimmer ist, auch unbeliebt und von den meisten geha?t. Der alte Feldwebel hingegen verstand es besser, diejenigen, deren Rang er fr?her auch eingenommen hatte, richtig zu behandeln. Er war streng, doch nicht grausam; er hielt auf seine W?rde, doch ohne sich zu ?berheben. Darum war er beliebt, und darum hatten vorhin, als er gefangen genommen werden sollte, viele leise zu murren gewagt.

Der mit zur?ckgebliebene Unteroffizier bemerkte gar wohl die Stimmung seiner Leute; er h?rte auch ihre halblauten Worte, sagte aber nichts dagegen. Er selbst war au?erordentlich ?rgerlich. Er hatte sich von seiten des Feldwebels stets einer freundlichen Behandlung zu erfreuen gehabt; darum f?hlte er Teilnahme mit demselben. Er war bei der Degradation des Alten ruhig geblieben, weil er gehofft hatte, in seine Stelle aufzur?cken. Dies aber war nicht geschehen. Abd el Mot hatte ihm einen andern vorgezogen, obgleich er meinte, gr??eres Anrecht zu besitzen. Kein Wunder, da? er sich nun doppelt unzufrieden f?hlte und mit den Ansichten seiner Untergebenen einstimmte, aber ohne es ihnen merken lassen zud?rfen.

Er mu?te schweigen, nahm sich aber vor, seinem Unmute gegen Abd el Mot dadurch Luft zu machen, da? er den Feldwebel so gut wie m?glich behandelte und ihm seine Gefangenschaft nach Umst?nden erleichterte. Er lie? Kisrah backen und am Flusse Fische fangen, welche gebraten wurden. Jeder erhielt von diesen Ger?chten[Gerichten] sein Teil. Dann begab er sich mit einer t?chtigen Portion nach dem Tokul, welcher als Gef?ngnis diente.

Dieser bestand nicht etwa aus starken Steinmauern, um das Entweichen zu verhindern; o nein, man hatte sich die Sache viel leichter gemacht, indem ein doppelt mannstiefes Loch gegraben worden war, in welches man die Misseth?ter hinablie?. Dar?ber befand sich ein Schilfdach, aber nicht etwa zur Erleichterung f?r die Gefangenen, damit sie nicht von den gl?henden Sonnenstrahlen der hochstehenden Sonne getroffen werden sollten, sondern aus R?cksicht auf die Schildwache, welche die Eingekerkerten zu beaufsichtigen hatte. Da dieses Loch niemals gereinigt worden war, so mu?te der Aufenthalt in demselben als selbst des rohesten Menschen unw?rdig bezeichnet werden.

Gegenw?rtig befand sich der Feldwebel allein darin. Der W?chter ging, als er den Unteroffizier kommen sah, respektvoll zur Seite.

Hier bringe ich dir ein Essen, rief der letztere hinab. Kisrah und gebratene Fische, was sonst kein Gefangener bekommt. Sp?ter lasse ich Merissah machen; da sollst du auch einen Topf voll bekommen.

Der Feldwebel stand bis an die Knie in halb verwestem Unrat.

Allah vergelte es dir, antwortete er, ich habe aber keinen Appetit.

So hebe es dir auf!

Wohin soll ich es thun? Ist das ein Ort, Speise aufzubewahren?

Zu diesem Zweck ist die Grube freilich nicht bestimmt. Soll ich dir das Gericht in eine Decke wickeln?

Ja, und ich kenne dich. Allah hat dir ein gutes und dankbares Herz gegeben. Habe ich dich jemals streng behandelt?

Nein.

Kannst du mir vorwerfen, da? ich dich jemals beleidigt oder ?bervorteilt habe?

Das hast du nie.

So verdiene dir den Segen des Propheten, indem du mir eine Gnade erweisest!

Was soll ich thun?

Ziehe mich hinauf und erlaube mir, oben bei dir zu essen. Dann kannst du mich wieder herunterlassen.

Das darf ich nicht.

Wer kann es dir verbieten? Du bist doch jetzt der Herr der Seribah. Oder glaubst du, nicht thun zu d?rfen, was dir beliebt?

Der Buluk f?hlte sich bei seiner Ehre angegriffen; darum antwortete er:

Ich bin der Kommandant. Was ich will, das mu? geschehen.

So mangelt es dir an gutem Willen. Das h?tte ich nicht gedacht.

Es ist zu gef?hrlich. Wie leicht kannst du mir entfliehen!

Entfliehen? Das ist doch ganz unm?glich. Ich habe keine Waffen; du kannst mich sofort niederschie?en. Und deine f?nfzig M?nner werden wohl hinreichend sein, mich an der Flucht zu hindern.

Das ist wahr, meinte der Buluk nachdenklich.

Auch darfst du nicht vergessen, da? ich nicht f?r immer hier stecke. Abu el Mot wei? meine Dienste zu sch?tzen, und wenn er zur?ckkehrt, werde ich sehr rasch wieder Feldwebel sein.

Das denke ich auch, gab der Unteroffizier aufrichtig zu.

Dann kann ich es dir vergelten, wenn du mir die Gefangenschaft jetzt ein wenig erleichterst. Ich denke also, da? du mir die kleine Bitte erf?llen wirst.

Gut, ich werde es wagen. Aber meine Pflicht mu? ich thun, und du darfst es mir nicht ?bel nehmen, wenn ich der Schildwache befehle, sich bereit zu halten, dich sofort niederzuschie?en, falls du dich mehr als zwei Schritte von dem Rande der Grube entfernst.

Thue es! Es ist deine Pflicht, und du thust sehr wohl daran, sie zu erf?llen.

W?hrend der Buluk zu dem Posten trat, um ihm den betreffenden Befehl zu erteilen, strich sich unten der Tschausch befriedigt ?ber den Bart und murmelte:

Das war nur die Probe, und er hat sie bestanden. Allah wird ihn erleuchten, auch auf meine ferneren Vorschl?ge einzugehen. Ich werde in dieses Loch nicht wieder zur?ckkehren, und dieser Abd el Mot, den Allah vernichten m?ge, wird keinen Feldwebel wieder zum gemeinen Soldaten erniedrigen!

Jetzt erschien der Buluk wieder oben in Gemeinschaft des Postens. Sie lie?en ein Seil herab, an welchem der Tschausch emporkletterte. Oben angekommen, setzte er sich nieder und machte sich sogleich ?ber sein Essen her. Die Schildwache zog sich au?er H?rweite zur?ck, hielt aber das Gewehr zum Schusse bereit. Der Unteroffizier setzte sich vor dem Gefangenen nieder, sah ihm mit Vergn?gen zu, wie es ihm schmeckte, und sagte:

So lange ich hier kommandiere, sollst du ebensoviel und ebensogut essen, wie bisher. Ich hoffe, da? du es mir danken wirst!

Das werde ich gewi?. Ich wei?, da? ich es kann, denn ich werde sp?ter selbst Herr einer gro?en Seribah sein und sehr eintr?gliche Sklavenz?ge unternehmen.

Du? fragte der Buluk erstaunt.

Ja, ich! nickte der andre.

Hast du das Geld dazu?

Geld? Braucht man da Geld?

Viel, sehr viel Geld, gro?es Verm?gen, so wie Abu el Mot es hat.

Hm! Meinst du, da? er dieses Verm?gen stets besessen hat?

Ich wei? es nicht.

Aber ich wei? es. Ich diene ihm ?ber noch einmal so lang als du und kenne seine ganze Vergangenheit.

So bist du der einzige. Niemand wei? genau, woher er stammt und was er war.

Ein Homr-Araber ist er, und sehr arm war er. Er befand sich als gew?hnlicher Soldat bei einem Sklavenj?ger und brachte es da, gerade so wie ich, bis zum Tschausch.

Das war die Unwahrheit, aber es lag in dem Plane des Alten, den Buluk durch diese erfundene Erz?hlung zu gewinnen.

Arm war er? meinte dieser. Und auch nur erst Buluk und Tschausch, so wie du und ich?

Ja, nichts andres.

Aber wie brachte er es dann zu dieser gro?en Seribah?

Auf eine ebenso einfache wie leichte Weise. Sein Herr hatte ihn einmal sehr beleidigt und daf?r schwor er ihm Rache. Als dann sp?ter der Herr eine Ghasuah unternahm, traf es sich, da? er Abu el Mot als Kommandant der Seribah zur?cklie?.

Also ganz mein jetziger Fall!

Ja. Aber du wirst nicht die Klugheit besitzen, welche Abu el Mot und sein Buluk damals entwickelt haben.

Er hatte auch einen Buluk bei sich?

Freilich. Du kennst ihn ja!

Ich? Ich wei? von nichts.

Ach so! Ich verga?, da? du die Geschichte gar nicht kennst. Sein damaliger Buluk ist noch jetzt bei ihm, und zwar als zweiter Befehlshaber.

Etwa Abd el Mot?

Ja. Beide haben damals den Streich gespielt, welcher sie reich gemacht hat.

Was thaten sie?

Etwas, worauf eigentlich jeder Unteroffizier kommen kann, welcher zur?ckgelassen wird und auf die Beute verzichten mu?. Sie warteten, bis der Herr fort war, pl?nderten die Seribah aus, brannten sie nieder und zogen mit dem vorhandenen Vieh und allem, was mitgenommen werden konnte, nach S?den, hierher, wo sie diese Seribah gr?ndeten und das Gesch?ft f?r ihre eigene Rechnung begannen.

Allah l Allah! Mein Verstand ist weg! rief der Buluk aus, indem er den Mund aufri? und die Augen fast ebenso weit.

Das ist sehr bedauerlich f?r dich, bemerkte der Tschausch. Wenn dein Verstand entflohen ist, so wirst du niemals reich werden.

Ich reich? Wer hat jemals daran gedacht!

Du nicht?

Nie! Wer soll sich das Unm?gliche als m?glich denken!

Allah ist allm?chtig; ihm ist alles m?glich, und wen er mit seiner Gnade begl?cken will, der braucht nur zuzugreifen, falls er H?nde hat. Du aber scheinst keine zu haben.

Ich ich habe doch welche, zwei sogar!

Aber du gebrauchst sie nicht!

Soll ich etwa zugreifen?

Nat?rlich!

Jetzt?

Ja. Es wird sich dir nie wieder eine solche Gelegenheit bieten, schnell reich zu werden.

Der Buluk erf?llte als Unteroffizier seine Pflichten zur Zufriedenheit; aber besonders gl?nzende Geistesgaben besa? er keineswegs. Er sa? vor dem Tschausch, als ob er gel?hmt sei, ihn gro? und fast verst?ndnislos anstarrend.

Allah akbar! stie? er langsam hervor. Habe ich recht geh?rt? Ich soll es machen wie diese beiden?

Nicht du allein, sondern ich und du.

Das ist doch gar nicht auszudenken!

So gib dir M?he, es zu begreifen! Aber vers?ume nicht die gute Zeit. Abu el Mot kann jeden Augenblick zur?ckkehren. Dann ist es zu sp?t, und die Gelegenheit wird niemals wieder vorhanden sein.

Sprichst du denn wirklich im Ernste?

Ich schw?re dir bei Allah und dem Propheten, da? ich nicht scherze.

Und du meinst, da? es wirklich auszuf?hren ist?

Ja, denn Abu el Mot und sein Buluk haben es auch fertig gebracht. Denke doch an alles, was sich hier befindet, an die Waffen und die viele Munition, an die Kleider und Ger?tschaften, an die Handelsgegenst?nde und Vorr?te, welche wir, wenn wir etwas davon kaufen, von unsrem armen Solde zehnfach teurer bezahlen m?ssen! Denke ferner an die Rinder, welche wir bewachen m?ssen. ?berlege dir, welch einen Wert das alles hat! Wei?t du, wieviel Elfenbein wir bei den Negern f?r eine einzige Kuh eintauschen k?nnen?

O, das wei? ich schon. In Chartum w?rden wir drei?ig und noch mehr K?he daf?r bekommen.

Wir haben ?ber dreihundert Rinder hier. Machten wir es so, wie Abu und Hamd el Mot[Abd el Mot] es damals gemacht haben, so w?ren wir mit einem Schlage reiche M?nner.

Das ist wahr; das ist wahr! Aber es w?rde eine S?nde sein!

Nein, sondern nur eine gerechte Strafe f?r die beiden. Denke nach! Man darf in solchen F?llen ja keine Zeit verlieren!

Der Buluk hielt sich den Kopf mit beiden H?nden, griff sich an die Nase, an die Brust und die Knie, um zu versuchen, ob er wirklich lebe und existiere, und rief dann aus:

Allah begnadige mich mit seiner Erleuchtung! Mir ists, als ob ich tr?ume!

So wache auf, wache auf, bevor es zu sp?t wird!

Gedulde dich! Meine Seele findet sich nur schwer in eine so ungeheure Sache. Ich mu? sie unterst?tzen.

Womit?

Ich will mir Tabak f?r meine Pfeife holen!