Karl May.

Die Sklavenkarawane





U marran ketir hami,

U marran fi woar kan ro dami;

U marran katach barrut,

Jentelik e reqiq schi dali!

Das hei?t zu deutsch: Und trinken ist meine Lust! Und dann hinaus in die Berge, und hinaus in den Wald, wo der L?we haust. Und trinken ist meine Lust! Und kommt die Verwegenheit ?ber mich, da flie?t wohl Blut in der Wildnis; und dann wird Pulver verpufft und ich bring Sklaven mit nach Hause!

Doch welche Stimmen waren das, die dieses Lied sangen. Der eine br?llte wie ein L?we und der andre wie ein Ochsenfrosch. Ein dritter schrillte im h?chsten Fisteltone, und ein vierter schleppte, wie eine Ba?geige brummend, hinterdrein. Eine Melodie gab es nicht, jeder sang so hoch oder tief, wie es seinem Kehlkopfe angemessen war. Nur die einzelnen Worte klangen zusammen, da der Fakir mit hoch erhobenen Armen skandierte. Dies that er in einer Weise, da? er an einem andern Orte sofort als v?llig unheilbar ins Irrenhaus geschafft worden w?re.

Als das Lied zu Ende war, wurde wieder getrunken und Musik gemacht. Dann ward ein Tanz arrangiert, den drehenden Derwischen nachge?fft. So ging es unter steter Abwechselung von Musik, Gesang und Tanz bis in die sp?te Nacht, da es keinen Tropfen Merissah mehr gab.

Der L?rm schallte ?ber den Wald hinweg bis zum Flusse und dem Schiffe. Dort sa?en die beiden Belandaneger und vor ihnen der W?chter, die Peitsche stetig in der Hand. Die Sklavinnen waren nach der Seribah geholt worden, um zu backen.

Zuweilen erhob sich der Aufseher, um einige Minuten hin und her zu gehen. Dabei brummte er grimmig in den Bart, dar?ber, da? er weder mitsingen noch mittrinken durfte.

Kurz nach Mitternacht kam Abd el Mot noch einmal an Bord, um sich zu ?berzeugen, ob der Posten seine Schuldigkeit thue. Dann, als er sich entfernt hatte, wurde es dr?ben in der Seribah still. Die berauschten Sklavenj?ger suchten und fanden den Schlaf. Als der W?chter wieder einmal seinen Spaziergang unternahm, fl?sterte Lobo seinem Kameraden zu:

Dieser Wei?e ist zornig; er hat die Peitsche stets in der Hand, schl?gt uns aber nicht. Lobo m?chte ihn darum nicht gern t?ten.

Dann k?nnen wir nicht entkommen!

Wollen wir ihm nicht die Kehle zuhalten, da? er nicht schreien kann? Dabei binden wir ihn und stecken ihm den Mund zu.

Das hat auch Tolo lieber, als ihn zu t?ten; aber ein einziger Schrei kann uns verderben.

Lobos F?uste sind stark. Er wird den Mann so fassen, da? derselbe gar nicht rufen kann.

Und w?hrend du ihn festh?ltst, wird Tolo ihn binden. So k?nnen wir es machen. Stricke sind genug da.

Wann beginnen wir?

Nach einer Weile; dann werden alle Wei?en eingeschlafen sein.

Aber der Kahn ist nicht da. Er wird des Abends in die Seribah geschafft.

So schwimmen wir.

Hat Tolo vergessen, da? sich viele Krokodile im Wasser befinden? Darum wird die Seribah ja Omm et Timsah genannt.

Tolo l??t sich lieber von den Krokodilen fressen, als da? er die Wei?en nach Ombula f?hrt.

Lobo auch.

Der gute Schech im Himmel wird uns beschirmen, da wir soeben dem W?chter das Leben geschenkt haben.

So glaubst du jetzt an diesen gro?en Schech?

Lobo hat w?hrend des ganzen Abends ?ber denselben nachgedacht. Wenn der Khassis kein L?gner war, so ist es wahr, was er gesagt hat, denn er ist kl?ger gewesen, als wir es sind. Und f?r den schwarzen Mann ist es sehr gut, einen solchen Schech im Himmel zu haben, denn alle wei?en Schechs auf der Erde sind seine Feinde. Lobo glaubt also an ihn und wird ihn jetzt bitten, die Flucht, welche wir vorhaben, gelingen zu lassen.

Der Neger faltete die H?nde und blickte zum Himmel auf. Seine Lippen bewegten sich, aber die Bitte war nur f?r Gott h?rbar.

Der W?chter hatte sich wieder niedergesetzt. Dann dauerte es l?ngere Zeit, bis er abermals aufstand, um hin und her zu gehen. Da fragte Lobo:

Warten wir noch l?nger?

Nein. Tolo h?lt schon die Stricke in der Hand. Wenn er uns wieder nahe ist und sich umdreht, so springen wir auf und du ergreifst ihn von hinten.

So geschah es. Der W?chter kam auf sie zu und machte wieder Kehrt. Im Nu standen die Neger hinter ihm, und Lobo legte ihm die beiden H?nde um den Hals, den er fest zusammendr?ckte. Der Mann stand, wohl nicht nur infolge dieses Druckes, sondern mehr noch aus Schreck, v?llig bewegungslos; er gab keinen Laut von sich. Er wehrte sich auch nicht, als Tolo ihm die Stricke fest um die Arme, Beine und den Leib wickelte. Er blieb sogar stumm, als Lobo ihm die H?nde von dem Halse nahm und ihm seinen Fes vom Kopfe zog, denselben zerri? und aus den St?cken einen Knebel machte, der ihm in den Mund geschoben wurde.

Der Mann war vollst?ndig ?berw?ltigt und wurde in den Raum hinabgeschafft. Lobo nahm ihm das Messer und Tolo die Peitsche ab; dann kehrten sie auf das Deck zur?ck.

Sie lie?en sich so leise wie m?glich, um ja nicht etwa durch ein Ger?usch die Krokodile herbeizulocken, in das Wasser und strebten dem Ufer zu, was gar nicht leicht war, da sie sich durch die dichte Omm Sufah zu arbeiten hatten. Doch gelangten sie wohlbehalten an das Land. Das Na?werden schadete ihrer mehr als einfachen Kleidung nicht das mindeste.

Der gn?dige Schech im Himmel hat uns vor den Krokodilen besch?tzt; er wird uns auch weiter helfen, sagte Lobo, indem er das Wasser von sich absch?ttelte. Denkst du nicht, da? es besser w?re, wenn wir Abd el Mot leben lie?en und unsre Wanderung sogleich antr?ten?

Nein. Er mu? sterben!

Seit du heute von dem himmlischen Schech und seinem Sohne gesprochen hast, kommt es Lobo nicht gut vor, den Araber zu t?ten.

Wenn wir ihm das Leben lassen, ereilt er uns unterwegs. T?ten wir ihn aber, so wird, wenn man ihn findet, alle der Schreck so ergreifen, da? sie vers?umen, uns zu verfolgen.

Lobo thut alles, was du willst. Wie aber kommen wir in die Seribah? Die W?chter machen L?rm.

Hast du denn nicht das Messer, mit dessen Hilfe wir uns ein Loch machen k?nnen?

Aber die Hunde werden uns verraten!

Nein; sie riechen, da? wir in die Seribah geh?ren, und ich kenne sie fast alle nach ihren Namen. Komm!

Sie schlichen sich vorw?rts bis zum obern Rande des Waldes. Dort galt es, vorsichtiger zu sein, denn die Nacht war so sternenhell, da? man einen Menschen auf zwanzig Schritte erkennen konnte. Sie legten sich auf die Erde und krochen derjenigen Stelle der Umz?unung zu, von welcher aus sie die k?rzeste Strecke nach dem Tokul Abd el Mots hatten.

Gl?cklicher und auch sonderbarerweise erreichten sie diese Stelle, ohne von einem Hunde bemerkt worden zu sein. Dort begann Lobo, mit dem Messer ein Loch in den dichten, stachlichten Zaun zu schneiden. Das war nicht leicht und ging au?erordentlich langsam. Obgleich er der St?rkere war, mu?te Tolo ihn einigemal abl?sen, bis die ?ffnung so gro? wurde da? ein schlanker Mensch durchschl?pfen konnte.

Im Innern der Seribah angelangt, mu?ten sie nun doppelt vorsichtig sein. Sie blieben eine kleine Weile lauschend liegen; sie vernahmen kein verd?chtiges Ger?usch. Ein Rind schnaubte drau?en im Pferche, und aus der Ferne t?nte das tiefe Ommu-ommu einer Hy?ne her?ber. In der Seribah aber herrschte absolute Stille.

Wir k?nnen es wagen, sagte Tolo. Gib mir das Messer!

Warum dir?

Weil ich den Sto? f?hren will.

Nicht du, sondern Lobo wird es thun, denn er ist der St?rkere von uns beiden.

Aber es ist dir ja nicht lieb, da? er get?tet werden soll!

Aber du hast gesagt, da? er dennoch sterben mu?, und da ist es gleich, von wessen Hand es geschieht. Sollte der Schech im Himmel dar?ber z?rnen, so wird er Lobo eher verzeihen als dir, denn Lobo glaubt erst seit heute an ihn, du aber schon seit l?ngerer Zeit. Bleib also hier und warte, bis ich wiederkomme!

Du willst allein gehen?

Ja.

Das duldet Tolo nicht. Er wird dich bis zum Tokul begleiten, um bereit zu sein, wenn dir etwas B?ses widerf?hrt.

So komm, denn du hast recht.

Sie kannten den Weg genau. Die meisten Schl?fer befanden sich in ihren H?tten; mehrere lagen vor denselben, doch so fest im Merissahrausche, da? sie nicht aufwachten. Selbst ein N?chterner h?tte die beiden nicht geh?rt.

Als sie an den Tokul Abd el Mots kamen, lagen wohl acht bis zehn Soldaten um denselben. Der Unteranf?hrer traute den Negersoldaten nicht und pflegte seine H?tte des Nachts mit wei?en S?ldnern zu umgeben. Aber auch diese lagen in tiefem Schlafe.

Bleib hier liegen! fl?sterte Lobo. Es ist nicht schwer, zwischen ihnen hindurchzukommen. Der Araber befindet sich ganz allein in der H?tte. Auch er wird getrunken haben. Ein Sto?, und dann ist Lobo wieder bei dir.

Die Zuversicht, mit welcher er dies sagte, klang etwas hastig. Die That wurde ihm wohl schwerer, als er es merken lassen wollte. Das Messer in der Hand, kroch er schlangengleich zwischen zwei Schl?fern hindurch. Schon hatte er den Eingang erreicht und streckte die Hand aus, um das leichte Schilfgeflecht, welches des Nachts die Th?r bildete, beiseite zu schieben; da lie? sich hinter demselben ein lautes Knurren h?ren. Er zog die Hand zur?ck; aber der unerwartete Feind brach, anstatt sich zu beruhigen, in ein w?tendes Gebell aus und kam, das Geflecht umrei?end, aus der H?tte gest?rzt. Es war einer jener gro?en Schillukhunde, welche die Sklavenj?ger gern kaufen, um sie gegen die Neger abzurichten. Er warf sich auf Lobo. Dieser war, obgleich dem Alter nach noch kaum ein Mann, doch ein sehr kr?ftiger Mensch. Er wich dem Hunde mit einer behenden Bewegung aus, fa?te ihn mit der Linken beim Genick, ri? ihn empor und stie? ihm mit der Rechten mit au?erordentlicher Schnelligkeit das Messer einigemal in die Brust. Der Hund brach unter lautem Geheul zusammen.

Von allen Seiten, all?berall antworteten die andern Hunde; die Menschen erwachten, und die vor dem Tokul liegenden wei?en Schl?fer waren aufgesprungen. Sie wollten sich auf Lobo werfen, dem es nun unm?glich war, sein blutiges Vorhaben auszuf?hren. Wohl zwanzig Arme streckten sich nach ihm aus; er war umringt und schlug und stie? um sich, um sich Luft zu machen. Dies w?re ihm wohl kaum gelungen, wenn ihm nicht Tolo geholfen h?tte. Dieser sprang herbei und schlug mit seiner Nilpeitsche in der Weise auf die Bedr?nger seines Gef?hrten ein, da? sie, die so etwas nicht erwartet hatten, Raum gaben. Dies benutzend, flogen die beiden Neger in weiten S?tzen davon, um das Loch und durch dasselbe das Freie zu gewinnen.

Einer der Schl?fer, welche Lobo hatten ergreifen wollen, war ein Unteroffizier, ein Mann, welcher zu befehlen gewohnt war und mehr Umsicht besa? als die andern. Er sagte sich, da? die zwei Misseth?ter wohl ihrer Strafe entgehen w?rden, wenn niemand sie erkannt habe. Darum schrie er mit lauter Stimme in den L?rm hinein:

Wer waren die beiden? Hat jemand ihre Gesichter gesehen?

Lobo und Tolo, die zwei Belanda waren es, antwortete eine Stimme.

So sind sie vom Noqer entflohen und haben sich, ehe der Eingang geschlossen wurde, in die Seribah geschlichen, um Abd el Mot zu ermorden. Sie sind noch in der Umz?unung. Eilt an die Thore und besetzt dieselben, damit die M?rder nicht hinaus k?nnen! Aber ruft alle Hunde herein, welche uns die Fl?chtigen aufsp?ren werden!

Infolge dieses Befehls rannte alles nach den Eing?ngen. Abd el Mot war nat?rlich erwacht. Er kam aus dem Zelte, um sich nach dem Grunde der gro?en Aufregung zu erkundigen. Der Unteroffizier erstattete ihm Bericht, und der Diener des Todes erteilte der Anordnung desselben seine Zustimmung.

So kam es, da? die ganze Bev?lkerung der Seribah sich an den Eing?ngen versammelte und die beiden Neger das Loch ungehindert erreichen konnten. Lobo wollte durch dasselbe schnell hinaus in das Freie kriechen; aber der schlaue Tolo hielt ihn zur?ck und sagte:

Halt, warte! H?rst du nicht, da? man den Hunden ruft und pfeift? Gehen wir jetzt hinaus, so treffen wir auf diese Tiere, welche uns zwar vielleicht nichts thun, aber uns sicher verraten werden. Wir m?ssen warten, bis sie alle herein sind.

Lobo sah die Wahrheit dieser Worte ein und blieb stehen. Die beiden h?rten mehrere Hunde an dem Loche vor?ber und nach dem n?chsten Thore rennen. Dort erklang der Befehl Abd el Mots:

Bindet sie an Leinen, damit sie uns f?hren k?nnen! Und bringt sie an meine H?tte, auf die Spur der Neger!

Jetzt ist es Zeit! fl?sterte Tolo. Schnell hinaus und fort!

Die Hunde werden das Loch finden, antwortete Lobo, und die Verfolger auf unsre F?hrte bringen. K?nnten wir reiten, so w?rden unsre F??e den Boden nicht ber?hren und die Hunde verl?ren unsre Spur.

Reiten ist unm?glich.

Warum nicht? Drau?en in der Murrah stehen Pferde und auch Kamele.

Aber die W?chter sind bei ihnen; diese Leuten haben den L?rm vernommen und werden sehr aufmerksam sein.

?berfallen wir sie!

Nein. Es sind ihrer zu viele f?r uns und wir haben nur ein Messer. Und selbst wenn es uns gel?nge, sie zu ?berw?ltigen, w?rde dabei so viel Zeit vergehen, da? die Hunde bei uns w?ren, ehe wir die Pferde h?tten. Wir m?ssen laufen.

Sie krochen hinaus und rannten davon, an der Murrha vor?ber und in der Richtung, in welcher ihre Heimat lag, in die Nacht hinein.

Als sie glaubten, da? das Loch schnell entdeckt werden w?rde, hatten sie sich geirrt. Es waren ?ber zwanzig Hunde vorhanden, welche nach dem Tokul Abd el Mots gef?hrt wurden. Dort gab es eine Menge von Spuren, und jetzt wurden dazu so viel neue gemacht, da? es f?r die Tiere ganz unm?glich gewesen w?re, die richtige zu entdecken. Aber die Hunde verstanden ?berhaupt gar nicht, um was es sich handelte. Man richtete ihre Nasen zwar auf die Erde, aber man konnte ihnen nicht begreiflich machen, welche Aufgabe man ihnen stelle. Sie suchten im Kreise umher und wollten in den verschiedensten Richtungen davon.

So geht es nicht, sagte Abd el Mot. Sie wissen nicht, wen sie suchen sollen. Wir m?ssen es ihnen zeigen.

Das k?nnen wir nicht, sagte ein alter Tschausch, welcher Befehlshaber ?ber hundert war. Etwas zu zeigen, was man selbst weder sieht noch wei?, ist unm?glich.

Dein Bart ist wei?, aber deine Gedanken sind dunkel, antwortete der Kommandant. Die Neger sind vom Schiffe entflohen; dort ist der richtige Ort, den Hunden zu zeigen, was wir wollen. Ich werde selbst gehen und nehme nur den meinigen mit; er ist der beste von allen. Schafft das Boot an das Wasser, doch nicht auf dem Pfade, den die Neger wahrscheinlich gekommen sind! Ihr w?rdet sonst mit euren F??en die F?hrte verderben. Ich werde euch f?hren.

Er nahm seinen Hund an der Leine und schritt dem Haupteingange zu, wo das Boot lag. Sechs M?nner nahmen es auf ihre Schultern und folgten ihm. Er w?hlte einen schmalen Pfad, welcher oberhalb desjenigen, welcher direkt nach dem Schiffe f?hrte, durch den Wald an das Wasser ging. Als sie das Ufer erreicht hatten, wurde das Boot ins Wasser gesetzt und Abd el Mot stieg mit dem Hunde und zwei M?nnern, welche rudern sollten, ein. Die andern konnten zur?ckgehen.

Beim Noqer angekommen, stieg der Kommandant an Bord und lie? sich den Hund heraufheben; die Ruderer durften das Schiff nicht betreten, um die F?hrte nicht zu verwischen.

Der gut dressierte Hund blieb bei seinem Herrn stehen, der das Verdeck ?berschaute, was ihm der helle Sternenschimmer erlaubte. Es war kein Mensch zu sehen. Abd el Mot rief den Namen des W?chters, empfing aber keine Antwort. Er rief die beiden Neger, doch mit demselben Mi?erfolge. Der Hund bewegte die Ohren, richtete den Kopf zu seinem Herrn empor und stie? die Luft leise pfeifend durch die Nase.

Du wei?t etwas? Du hast etwas geh?rt? F?hre mich! forderte Abd el Mot das Tier auf, indem er die Leine lockerte

Das Tier zog ihn an derselben unter das Verdeck bis hin zur Stelle, wo der W?chter lag. Der Araber beugte sich zu demselben nieder, um ihn zu betasten, zog ihm den Knebel aus dem Munde, ohne ihm aber die Stricke zu l?sen, und fragte mit vor Zorn bebender Stimme:

Wer hat dich ?berw?ltigt und hierher gebracht?

Die Neger. Amahn, amahn!

Wo sind dieselben?

Jedenfalls entflohen. Ich kann nicht daf?r. Sie ?berfielen mich von hinten und ohne da? ich es ahnen konnte. Du wirst es mir verzeihen!

Er kannte die Strenge seines Vorgesetzten; seine Stimme zitterte vor Angst. Abd el Mot antwortete nicht und fragte auch nicht weiter. Er nahm den gefesselten Mann auf die Schulter und trug ihn hinauf auf das Deck.

Um Allahs und des Propheten willen, verzeihe mir! schrie der W?chter, welcher aus dem Verhalten des Kommandanten schlo?, was dieser beabsichtigte.

Allah und der Prophet m?gen dir gn?dig sein, ich habe nichts dagegen, antwortete dieser; aber mich darfst du nicht um Verzeihung bitten. Wer meinen Befehlen nicht gehorcht und seinen Dienst vernachl?ssigt, den kann ich nicht brauchen. Hast du die Sklaven ?ber Bord gelassen, so sollst du zur Strafe denselben Weg nehmen!

Der Mann wand sich vergebens in den Armen des Arabers, um sich los zu machen, und flehte mit vor Todesangst kreischender Stimme:

Sei gn?dig, Herr, denn auch du wirst einst von Gott Gnade verlangen!

Schweig, Hund, und fahre zur H?lle!

Er warf ihn ?ber Bord und blieb dann mit vorgebeugtem K?rper stehen, um zu sehen, wie der Mann im Wasser verschwand. Nach wenigen Augenblicken tauchte derselbe f?r kurze Zeit wieder auf und br?llte, indem er das in den Mund gedrungene Wasser von sich sprudelte:

Allah jilanak kullu abadli Gott verdamme dich in alle Ewigkeit!

Ma assalahme ia kelb gehab dich wohl, du Hund! lachte der Araber ihm h?hnisch nach.

Er sah zwei Furchen, welche sich blitzschnell der Stelle n?herten, an welcher der Ungl?ckliche wieder am Versinken war; sie wurden von zwei Krokodilen gezogen, die durch das Ger?usch, welches der fallende K?rper im Wasser hervorgebracht hatte, aufmerksam geworden waren. Sie schnappten zu gleicher Zeit nach ihm ein entsetzlicher Schrei, und die gierigen Ungeheuer verschwanden mit seinem zerrissenen K?rper in der Tiefe.

Das noch gr??ere Ungeheuer droben auf dem Deck aber murmelte befriedigt:

Wer meinen Befehl nicht befolgt, mu? sterben. Nun jetzt zu der Spur!

Er f?hrte den Hund nach der Stelle, an welcher die Neger gearbeitet hatten, und dr?ckte ihm da den Kopf nieder, indem er ihm gebot:

Dauwir, fattisch such, such!

Der Hund fuhr mit der Nase am Boden hin, sog, sich erhebend, die Luft ein und stie? ein kurzes, scharfes Bellen aus.

Du hast es? So komm!

Er ging mit ihm nach dem Schiffsrande, hob ihn in den Kahn, stieg selbst nach und gebot den beiden Wartenden, nun nach dem Hauptwege, den sie vorhin vermieden hatten, zu rudern.

Die zwei Untergebenen waren Zeugen des Todes ihres Kameraden gewesen, doch f?hlten sie nicht das geringste Mitleid mit demselben. Derartige Bestrafungen eines Soldaten waren f?r sie ganz gew?hnliche Ereignisse.

Als sie am Ufer ausgestiegen waren, nahm Abd el Mot den Hund fest an die Leine und lie? ihn suchen. Das Tier stie? schon nach einigen Augenblicken jenen Laut aus, welcher sagen soll, da? es sich auf der F?hrte bef?nde, und dr?ngte mit allen Kr?ften vorw?rts.

Jetzt haben wir den Anfang, sagte der Araber. Der Hund ist vortrefflich und wird die Spur nicht verlieren. Das Ende wird der Tod der beiden Burschen sein.

Der Hund zog so stark an der Leine, da? sein Herr alle Kraft aufwenden mu?te, sie sich nicht aus der Hand rei?en zu lassen. Fast im Trabe ging es das steile Ufer hinauf, durch den schmalen Wald und dann genau nach der Stelle, in welcher sich das Loch in der Umz?unung befand. Erst wollte der Hund hindurchkriechen; aber er besann sich, wendete sich wieder zur?ck und stieg dann, laut bellend und sich kaum halten lassend, an der Leine empor, um nach der freien Ebene, wohin die Neger geflohen waren, durchzubrechen.

In der Seribah hatte man indessen alle Feuer wieder angesch?rt, und der Schein derselben fiel auf das Loch, so da? dasselbe deutlich zu erkennen war.

Hier haben sie sich hindurchgearbeitet, sagte Abd el Mot. Und hier sind sie auch wieder heraus. W?hrend wir suchten, haben sie Vorsprung gewonnen; aber es soll ihnen nichts helfen. Wir werden sie schneller ereilen, als sie es vermuten k?nnen.

Er schritt nach dem Haupteingange, wobei er M?he hatte, den Widerstand des Hundes, welcher den Fl?chtigen nach wollte, zu bemeistern. Dort standen s?mtliche Bewohner der Seribah. Er teilte ihnen das Resultat seiner Nachforschung mit und gebot dann den Unteroffizieren, vorzutreten, um seine Befehle zu empfangen.

Herr, sagte der bereits erw?hnte alte Feldwebel, dein Wille mu? der unsrige sein und wir d?rfen es nicht wagen, dir etwas vorzuschreiben; aber ich meine, da? sofort so viele M?nner, als Pferde da sind, mit dem Hunde aufbrechen m?ssen, um die Neger schnell einzuholen. Beeilen wir uns weniger, so entkommen sie vielleicht nach Ombula und benachrichtigen die Leute dort von unsrem beabsichtigten ?berfall.

Deinem Alter will ich es verzeihen, da? du mir Vorschl?ge machst, antwortete Abd el Mot in scharfem Tone; ein andermal aber wartest du, bis ich dich frage! Das mit den Reitern habe ich schon beschlossen, ehe du daran denken konntest. Aber meinst du vielleicht, da? ich ihnen befehlen werde, nach hier zur?ckzukehren, wenn sie die Neger ergriffen haben? Dann m??ten sie von neuem mit uns aufbrechen, und den Pferden, welche uns kostbar sind, d?rfen wir eine solche Anstrengung nicht auferlegen. Die Ghasuah ist beschlossen; ob sie gleich jetzt beginnt oder erst am Morgen, das kann euch gleichg?ltig sein. Ich will beim Fang der Neger selbst zugegen sein. Ebenso notwendig aber ist meine Anwesenheit beim Aufbruche des Zuges von hier. Also r?stet euch! In einer Stunde mu? jeder zum Abmarsche fertig sein. Du aber wirst zur Strafe daf?r, da? du mir Gesetze vorschreiben wolltest, nicht an dem Zuge teilnehmen, sondern als Befehlshaber der f?nfzig Mann, die ich zum Schutze der Seribah auslosen werde, hier zur?ckbleiben.