Karl May.

Die Sklavenkarawane





Abd el Mot! fl?sterte Lobo seinem Gef?hrten zu.

Still, schweig! antwortete dieser ?ngstlich.

Der Wei?e war also der zweite Kommandant der Seribah. Er nannte sich Diener des Todes, w?hrend der erste Befehlshaber Vater des Todes hie?. Er blieb f?r einen Augenblick bei den Sklavinnen stehen. Diese arbeiteten mit doppeltem Eifer als vorher; doch schien ihr Flei? seinen Beifall nicht zu finden, denn er schrie sie mit harter Stimme an:

Allah zerschmettere euch! Wollt ihr ihm die Zeit abstehlen, ihr Faullenzerinnen! Heute soll gebacken werden, denn morgen brechen wir auf, und noch ist das Mehl nicht fertig!

Er schlug mit der Peitsche ohne Wahl auf sie ein, da? die Getroffenen vor Schmerz heulten, aber ohne zu wagen, ihre Arbeit dabei auch nur f?r einen Augenblick einzustellen. Dann kam er zu den beiden Belandanegern. Er sah ihnen eine Weile zu, hob dann ein Seil auf, um die Arbeit zu pr?fen, warf es wieder hin, und versetzte jedem einige Hiebe, von denen die Haut an den getroffenen Stellen sofort aufsprang. Die Schwarzen bissen die Z?hne zusammen, da? es laut knirschte, gaben aber keinen Laut von sich, und arbeiteten ohne Unterbrechung weiter.

Es that wohl nicht weh genug? lachte er grausam. Das n?chste Mal werdet ihr schon heulen m?ssen, ihr Tagediebe. Werft euch nieder, wenn ich mit euch rede!

Dieser Befehl war von einigen weiteren Hieben begleitet. Die Neger sanken zu Boden, was sie vorher nicht gewagt hatten, um nicht mit der Arbeit inne zu halten. Er betrachtete sie mit gef?hllosem Blicke, versetzte jedem einen Fu?tritt und fuhr fort:

Ihr seid Belandas. Ist euch euer Land bekannt?

Ja, Herr, antwortete Tolo ohne aufzublicken.

Kennt ihr die Helle Ombula?

Tolo ist oft dort gewesen.

Was hattest du dort zu thun?

Die Schwester der Mutter wohnt mit ihrem Manne und ihren Kindern dort.

So hast du also Verwandte in Ombula! Wie viele Familien gibt es da?

Sehr viele, Herr, viel mehr als in andern D?rfern, antwortete der Neger, dem es wie den meisten seinesgleichen unm?glich war, weiter als h?chstens zwanzig zu z?hlen.

Ist der Ort gut befestigt? fuhr der Araber fort.

Es ist ein doppelter Stachelzaun rundum, antwortete der Gefragte.

Ist die Umgebung offen, oder gibt es Wald?

Der Subakh steht in B?schen, aus denen Lubahn ragen.

Besitzen die Einwohner viele Rinder?

Nein, Herr, sie sind arm.

Die Rinder sind dem Sklavenj?ger n?mlich noch lieber als die Gefangenen. Diese Tiere haben f?r den Neger einen so hohen Wert, da? er bei einem ?berfalle vor allen Dingen sie zu retten sucht und dabei wohl seine Kinder opfert. Der Belanda hatte eine verneinende Antwort gegeben, um den Araber von dem ?berfalle des befreundeten Dorfes abzubringen. Abd el Mot durchschaute ihn. Er zog ihm die Peitsche zwei-, dreimal ?ber den R?cken, und donnerte ihn an:

Hund, l?ge nicht, sonst peitsche ich dich tot! Sage die Wahrheit, oder ich schlage dir das Fleisch in Striemen von den Knochen.

Gibt es viele Rinder dort?

Ja, gestand jetzt Tolo aus Angst.

Und haben die Leute gute Waffen?

Pfeile, Spie?e und Messer.

Keiner hat eine Flinte?

Keiner, Herr.

Abd el Mot examinierte weiter und drohte: Wenn ich ein einziges Gewehr finde, oder auch nur sehe, peitsche ich dir die schwarze Seele aus dem dunklen Leibe. Kennst du alle Wege dort?

Ja.

Und Lobo auch?

Auch er.

Wenn wir des Morgens von hier wegmarschieren, wann kommen wir hin?

Am Abende des dritten Tages, Herr.

Gut, ich habe beschlossen, Ombula zu ?berfallen, um Abu el Mot Sklaven und Rinder geben zu k?nnen, wenn er kommt, damit er sieht, da? wir th?tig gewesen sind. Ihr beide sollet unsre F?hrer sein, und ich kann euch nur raten, da? ihr eure Sache gut macht. Bin ich mit euch zufrieden, so verkaufe ich euch an einen guten Herrn, der euch nicht pr?gelt, selbst wenn ihr faul seid. Im Gegenfalle aber grabe ich euch in einen Bau der Ardah ein, damit sie euch bei lebendigem Leibe fressen. Merkt euch das, ihr beiden schwarzh?utigen Schlingel, und nun frage ich: wollt ihr mir treu und gehorsam sein?

Ja, Herr!

Das versprecht ihr jetzt; aber ich traue keinem schwarzen Hunde. Ihr bleibt bis zum Aufbruche hier auf dem Schiffe, und werdet es nicht verlassen. Ich stelle euch einen W?chter her, welcher den Befehl hat, euch zu erschie?en, sobald ihr euch dem Rande des Schiffes n?hert. Und w?hrend des Marsches gebe ich euch Gewichte an die F??e, damit ihr die Lust zur Flucht verliert. Jetzt arbeitet weiter und schwatzt nicht dabei, sonst lasse ich euch den Mund zun?hen, da? ihr verschmachten m??t. Ihr wi?t, da? das keine leere Drohung ist. Ich habe das schon oft gethan.

Er gab jedem noch einen Hieb, dann ging er und stieg in sein Boot. Sie sahen es im hohen Schilfe verschwinden, besorgten aber, da? er sie von dort aus beobachten werde. Darum arbeiteten sie schweigend weiter, bis sie ihn am Ufer erscheinen, und einen schmalen, durch den Mimosenwald f?hrenden Weg einschlagen sahen.

Erst jetzt wagte es Tolo, seinem Gef?hrten leise zuzufl?stern:

Du siehst, da? Tolo recht hatte, der Zug beginnt schon morgen.

Lobo griff mit der Hand nach seinem schmerzenden R?cken, knirschte mit den Z?hnen, rollte die Augen, als ob er sie herausdrehen wolle, und antwortete:

In unser Land, nach Ombula. Allah, Allah! Unsre Freunde sollen Sklaven werden!

Und wir m?ssen die Wei?en f?hren! Werden wir es thun?

Lobo z?gerte mit der Antwort. Er schien ?berhaupt geistig weniger begabt zu sein als sein Ungl?cksgenosse.

Warum sagst du nichts? fragte dieser. Sollen wir die Araber f?hren und unsre schwarzen Br?der mit t?ten und gefangen nehmen?

Nein, antwortete Lobo in bestimmtem Tone. Er war nun zu einem Entschlusse gekommen. Wir fliehen. Dann aber k?nnen wir Abu el Mot nicht t?ten, was wir doch thun wollten. Er ist noch nicht wieder da.

So t?ten wir Abd el Mot an seiner Stelle. Das ist fast ebenso gut. Wenn wir ihm das Leben nehmen, so mu? der Zug morgen unterbleiben, und wir retten die Leute von Ombula.

Werden sie es uns auch danken? Und wie t?ten wir ihn? Am Tage ist es ganz unm?glich, und das Nachts schl?ft er mitten unter den W?chtern. Man wird uns ergreifen. Ist es da nicht besser, wenn wir uns nicht in eine so gro?e Gefahr begeben?

Tolo erkannte gar wohl die Wahrheit dieser Worte. Er dachte nach. Jetzt erschallte von jenseits des Waldes ein schrecklicher L?rm her?ber. Menschliche Stimmen sangen, jauchzten und br?llten. Dazu ert?nten die ganz unbeschreiblichen Kl?nge der im Sudan gebr?uchlichen Instrumente.

Das schien den nachdenkenden Neger schnell zu einem Resultate zu bringen. Er sagte:

H?rst du den Jubel? Jetzt hat Abd el Mot gesagt, da? die Ghasuah morgen beginnen soll. Nun entfalten sie die Fahne und fragen den Zauberer.

Er wird dem Zuge g?nstig sein, und sie gehorchen ihm, denn er ist ein frommer Fakir. Auch wir sollten ihm eigentlich gehorchen, obwohl wir nicht zu Allah beten wie unsre Peiniger.

Nein. Tolo gehorcht nicht dem Fakir, sondern einem ganz andern.

Wem? Wer ist das?

Dem gro?en Schech, der ?ber den Sternen wohnt und niemals stirbt, der alles sieht und jede That belohnt oder bestraft.

Du hast Lobo davon erz?hlt, aber Lobo kann ihn nicht sehen.

Er ist ?berall, wie die Luft, die man auch nicht erblickt.

Vielleicht hat dich der Fremde belogen, der dir von ihm erz?hlte!

Nein. Dieser fremde Wei?e war ein Khassis, ein guter Mann, der keine L?gen sagte. Er erz?hlte von dem gro?en, allm?chtigen Schech, welcher den Himmel und die Erde gemacht hat, und auch die Menschen. Er befahl ihnen, gut und fromm zu sein, aber sie gehorchten ihm nicht. Da sandte er seinen Sohn vom Himmel herab, der ihnen Gnade brachte und daf?r von ihnen get?tet wurde. Er lehrte, da? die Menschen einander lieben, und sich nur Gutes erweisen sollen. Diese Lehre brachte der Khassis zu uns. Wir gewannen ihn lieb und glaubten seinen Worten. Da aber kamen die Sklavenj?ger und t?teten ihn. Tolo wei? noch alle seine Worte und wird nach denselben handeln. Die Liebe gebietet ihm, seine Eltern aufzusuchen und die Helle Ombula zu retten. Das wird er thun, selbst wenn es sein Leben kosten sollte. Der Sohn des Schechs im Himmel ist auch ohne Murren gestorben. Und wer da stirbt, indem er Gutes thut, und die Gesetze des gro?en Schechs erf?llt, der ist nicht tot, sondern er steigt auf zum Himmel, zum Sohne des Schechs, um bei demselben zu leben und niemals zu sterben.

Der Neger hatte das mit wahrer Inbrunst gesprochen, im Tone vollster ?berzeugung. Der andre sch?ttelte den Kopf und sagte:

Lobo versteht das nicht; aber du hast ihm noch niemals eine L?ge gesagt, und so will er es glauben, und ganz dasselbe thun, was du thust. H?tte er den Khassis gesehen und geh?rt, so w?rde er wohl ganz so ?berzeugt sein, wie du es bist. Also wir fliehen und retten Ombula!

Ja, und Abd el Mot t?ten wir zur Strafe f?r seine Thaten, und da? er morgen die Ghasuah nicht beginnen kann.

Aber ist es nicht der Wille des gro?en Schechs, von welchem du sprichst, da? man den Menschen nur Gutes erweisen soll? Und du willst den Araber ermorden!

Das ist nichts B?ses, entgegnete der Neger in einem Tone, der allerdings zu besagen schien, da? er noch nicht ganz bibelfest sei.

Lobo glaubt es dir. Aber selbst wenn es uns gelingt, ihm das Leben zu nehmen, wie kommen wir fort? Einen Kahn k?nnen wir nicht bekommen, so m?ssen wir also gehen, und dann werden die Hunde uns schnell eingeholt haben!

Du darfst nicht so zaghaft sein, entgegnete der andre, denn der gro?e Schech im Himmel wird uns besch?tzen. Man wird hier erst am Morgen den Tod Abd el Mots und unsre Flucht bemerken. Dann sind wir schon so weit entfernt, da? uns niemand einholen kann. Wir nehmen uns hier so viel Kisrah wie m?glich, damit wir unterwegs nicht zu hungern brauchen.

Hat dein gro?er Schech das Stehlen nicht auch verboten?

Ja. Also werden wir es nicht thun. Aber wir finden ?berall Wurzeln, Fr?chte und Wasser, um den Hunger und auch den Durst stillen zu k?nnen.

Lobo schien doch noch ein Bedenken zu haben. Er blickte nachdenkend vor sich nieder und sagte dann:

Aber wie k?nnen wir vom Schiffe fort, wenn Abd el Mot uns einen W?chter sendet?

Wir warten, bis er schl?ft.

Er wird nicht schlafen, sondern den Befehl erhalten haben, kein Auge von uns zu lassen.

Nun, so t?ten wir auch ihn.

Das ist doch nichts Gutes, sondern etwas B?ses!

Der W?chter ist auch b?s, denn er wird ein Wei?er, ein Araber sein. Ihm geschieht ganz recht, wenn er sterben mu?; er geh?rt wohl gar zu den Leuten, welche uns gefangen genommen haben.

Du hast mir einmal erz?hlt, da? es der Wille des Schechs im Himmel sei, auch den Feinden Gutes zu thun; du aber willst ihnen nur B?ses zuf?gen.

Daran sind sie selbst schuld, sagte Tolo und half sich ?ber das Bedenken mit Kopfsch?tteln hinweg. Schweig jetzt und arbeite, der W?chter kommt!

Der Kahn nahte wieder. In demselben sa? ein andrer Wei?er, welcher an Bord gestiegen kam. Er schien sehr zornig dar?ber zu sein, da? er auf das Schiff kommandiert worden, und nun von der Festlichkeit ausgeschlossen war, welche einer jeden Ghasuah vorherzugehen pflegt. Er warf den Sklaven drohende Worte zu, und setzte sich in ihre N?he, die Peitsche in der Hand. Sie arbeiteten mit angestrengtem Flei?e weiter. Miteinander zu sprechen, durften sie nicht wagen; desto flei?iger aber dachten sie an ihr Vorhaben. Tolo war fest entschlossen, Abd el Mot und den W?chter zu ermorden. Das, was er von den Lehren des Missionars behalten hatte, kam nicht in Konflikt mit seinen heidnischen Anschauungen. Er wu?te beides ganz gut in Einklang zu bringen. Lobo war weniger spitzfindig als er. Wie die meisten langsam denkenden und schwer begreifenden Menschen, konnte er nicht leicht eine neue Ansicht fassen, welche seiner bisherigen entgegengesetzt war. Hatte er den Gedanken aber einmal gefa?t, so hielt er ihn fest, und bewegte ihn flei?ig im Herzen, soviel dies seinem Verst?ndnisse m?glich war. Es wollte ihm nicht recht begreiflich erscheinen, da? man zwei Menschen ermorden, und dabei doch den Willen des guten Schechs im Himmel befolgen k?nne.

Der am linken Ufer des Flusses liegende Mimosenwald war sehr lang, aber nur schmal. Vom Wasser f?hrten einige schmale Wege quer durch ihn hindurch. Folgte man einem dieser Pfade, so hatte man schon nach f?nf Minuten den Wald im R?cken und eine weite, freie Strecke vor sich liegen.

Im S?den nennt man jeden Weg, welcher neben einem Flusse hinl?uft, Darb tachtani, den untern Weg. Ein Pfad aber, welcher von der Seite her, also senkrecht auf den Lauf des Wassers f?hrt, eine Mischrah. Gew?hnlich steigt die Mischrah vom hohen Ufer herab. Die Wohnungen der Menschen m?ssen wegen der j?hrlichen Nil?berschwemmungen hoch liegen, und so kommt es, da? an einer Mischrah gew?hnlich sich Niederlassungen befinden. Besonders gern legt man die Seriben an solchen Stellen an, an denen ein Pfad hinab zum tiefen Ufer f?hrt. Dies war auch hier mit der Seribah Omm et Timsah der Fall.

Hatte man, vom Flusse aufw?rts steigend, den Wald hinter sich, so stand man vor einer hohen, stachlichten Umz?unung, hinter welcher die Tokuls dieser Sklavenj?gerniederlassung lagen. Dieser Zaun war stark genug, um gegen Menschen und wilde Tiere Schutz zu bieten. Jede Seribah ist mit einer solchen Dornmauer umgeben, welche zwar europ?ischen Waffen nicht widerstehen k?nnte, gegen Pfeile und Lanzen aber vollst?ndige Sicherheit gew?hrt. Die Ein und Ausg?nge haben keine Th?ren nach unsrem Begriffe, sondern einige stachlichte B?sche gen?gen zum Verschlusse. Diese Stellen werden ?brigens des Nachts mit Wachtposten besetzt, f?r welche gew?hnlich hohe Warten auf Pf?hlen errichtet sind, ganz ?hnlich den russischen Kosakenwarten.

Die Seribah Omm et Timsah hatte einen bedeutenden Umfang. Sie enthielt ?ber 200 Tokuls, deren Unterbau aus aufgeworfener Erde bestand, w?hrend die W?nde und D?cher aus Schilf hergestellt waren. Sie alle hatten eine runde Gestalt und jede einzelne war f?r sich mit einer besonderen Dornenhecke umgeben. Dies alles bildete eine Art Dorf, welches innerhalb der kreisf?rmigen Hauptumz?unung lag.

Auch die H?tten hatten keine verschlie?baren Th?ren. Diebstahl kommt unter den Bewohnern einer Seribah nicht vor; diese haben sich nur vor den irrigen Eigentumsbegriffen der Eingeborenen zu h?ten.

Die Wege, welche zwischen den Tokuls hinf?hrten, waren ziemlich reinlich gehalten; desto schlimmer aber sah es vor der ?u?ern Umz?unung aus. Da gab es Abf?lle und Unrat in Menge; sogar die verwesenden Leichen nat?rlich gestorbener oder zu Tode gepeitschter Sklaven lagen hier, einen Geruch verbreitend, den die Nase eines Europ?ers nicht h?tte ertragen k?nnen. Dies war ein Sammelplatz aller Arten von Raubv?geln. Auch die Hunde der Sklavenj?ger befanden sich da, und des Nachts stellten sich wohl Hy?nen und andre wilde Tiere ein.

Unweit der Seribah befand sich die Murrah, der umfriedigte n?chtliche Pferch des Viehstandes, dessen Angeh?rige am Tage ?ber im Freien weiden. Der D?nger dieser Tiere wird sorgf?ltig gesammelt und in der Sonne getrocknet, um abends in die Murrah geschafft und angebrannt zu werden. Der dichte Rauch, welcher sich dann entwickelt, gew?hrt den Tieren und Menschen Schutz gegen die schreckliche Plage der Baudah, der Stechfliegen des Sudans. Die Menschen graben sich bis an den Kopf in die ellenhoch liegende D?ngerasche ein, wodurch, ganz abgesehen von dem Geruche, die schwarze Haut der Neger sich mit einem abscheulichen grauen ?berzuge umh?llt, welcher das Auge des Europ?ers beleidigt, nach der Meinung der Eingeborenen aber so sch?n wie gesund ist.

In der Mitte der Seribah standen zwei Tokuls, welche sich durch besondere Gr??e auszeichneten. Sie waren die Wohnungen der beiden Anf?hrer, Abu el Mots und Abd el Mots.

Da eine H?tte nicht blo? f?r eine einzelne Person bestimmt ist, so war bei der gro?en Zahl der Tokuls anzunehmen, da? die Gesellschaft gewi? aus wenigstens 500 Personen bestand. Rinder und Schafe weideten in Menge umher. Auch Pferde und Kamele gab es, doch nur bei gegenw?rtiger Jahreszeit. W?hrend und kurz nach der Regenzeit pflegen sie zu Grunde zu gehen.

Der eigentliche Besitzer einer Seribah ist nur h?chst selten auf derselben anwesend. Diese Herren bleiben daheim, in Chartum oder wo sie sonst ihren festen Wohnsitz haben. Es f?llt ihnen gar nicht ein, sich pers?nlich an der Sklavenjagd zu beteiligen; sie senden vielmehr ihre Stellvertreter, welche Wokala genannt werden und sehr ausgedehnte Vollmachten besitzen.

Unter diesen Wokala stehen die Re?sihn, Kapit?ne und Nautia, Matrosen. Diese Leute werden gebraucht, weil die Jagden meist kurz nach der Regenzeit zu Wasser unternommen werden. Auch Sajadin und Asaker werden engagiert. Die ersteren sind J?ger und verpflichtet, die andern mit frischem Fleische zu verproviantieren. Die letzteren sind Soldaten, welche sich aus allerlei wei?em und farbigem Gesindel rekrutieren, gewissenlose Menschen, welche mit den g?ttlichen und weltlichen Gesetzen vollst?ndig zerfallen sind, und sich sonst nirgends sehen lassen d?rfen, ohne da? ein strafender Arm sich nach ihnen ausstreckt.

Die Wokala erhalten eine betr?chtliche Besoldung und oft auch noch einen besondern Anteil am Gewinne. Die ?brige Mannschaft erh?lt einen Lohn bis zu zehn Mariatheresiathalern pro Monat und die Kost. Alles andre mu? der Mann von dem Sold bezahlen und bekommt es zu den h?chsten Preisen angerechnet. Daher bleibt ihm gew?hnlich nichts, oder wenig ?brig. Ist der Fang gut, so kommt es vor, da? die Leute ihren Sold in Sklaven ausgezahlt erhalten. Der Schwarze ist dann dem Soldaten mit Leib und Leben angeh?rig, und dieser kann mit ihm machen, was ihm beliebt, ihn schlagen, verst?mmeln oder gar t?ten.

Je zwanzig oder f?nfundzwanzig Soldaten stehen unter einem Unteroffizier, Buluk genannt. Die Rechnungen hat ein Buluk Emini ?ber, welcher lesen, schreiben und rechnen k?nnen mu? und also gew?hnlich ein niederer Geistlicher, ein Fakir ist; er vertritt zugleich die Stelle des Zauberers, bestimmt die gl?cklichen und ungl?cklichen Tage und heilt alle m?glichen Sch?den des Leibes und der Seele mit Amuletten, welche er verfertigt und gegen guten Preis verkauft. Die Feindschaft eines solchen Mannes kann dem einzelnen sehr gef?hrlich werden.

Wird eine Ghasuah unternommen, so zwingt man den Schech des Gebietes, in welchem die Seribah liegt, seine Neger als Tr?ger und Spione zu stellen. Daf?r wird er nach dem Raubzuge mit K?hen entsch?digt, was ihm nat?rlich lieber ist, als wenn er mit Sklaven bezahlt wird. Der Tag des Aufbruches wird von dem Fakir bestimmt, welcher von jedem einzelnen Tage des Jahres zu sagen wei?, ob er ein gl?cklicher oder ungl?cklicher ist.

Sobald der Kommandant die Ghasuah verk?ndet hat, wird die Barakha aufgesteckt. Sie besteht aus einem gro?en, viereckigen, roten Zeuge, auf welchem das mohammedanische Glaubensbekenntnis oder die erste Sure des Korans gestickt ist.

Sobald diese Fahne weht, wei? jedermann, da? ein Raubzug beschlossen worden ist, und die an demselben Beteiligten geben sich der tollsten Freude hin.

Abd el Mot hatte seine Absicht erst den beiden Belandanegern mitgeteilt, nachdem er selbstverst?ndlich erst von dem Fakir erfahren hatte, da? der morgende Tag ein gl?cklicher sei. Dann zur Seribah zur?ckgekehrt, hatte er die Fahne aufstecken lassen. Der Jubel der ersten, welche dieses willkommene Zeichen erblickten, rief alle andern Bewohner der Tokuls aus den H?tten hervor. Die Musikinstrumente wurden geholt; man scharte sich zusammen und schleppte alle vorhandene Merissah herbei, um die gl?ckliche Stimmung durch einen berauschenden Trunk zu erh?hen.

Der Fakir erschien, hielt eine anfeuernde Rede und bot Amulette aus, welche im bevorstehenden Kampfe vor Verwundung und Tod sch?tzen sollten. Dann begann die Musik zu spielen, aber was f?r eine!

Da war zu sehen und zu h?ren die Rababah, eine sehr primitive Guitarre mit drei Saiten, die r?hrenf?rmige Bulonk von ausgeh?hltem Kamaholze, die Nogarah, eine Kriegspauke, aus einem hohlen Baumstumpfe konstruiert, die Darabukkah, eine kleinere Handpauke, ferner surrende Fl?ten, h?lzerne Riesenh?rner, deren schreckliche T?ne dem Rindergebr?ll gleichen, steinerne Klappern, gesch?ttelte Flaschenk?rbisse, in denen Steine rasselten, Antilopenh?rner, deren T?ne dem Jammern eines frierenden Hundes gleichen, kleine und gro?e Pfeifen, mit denen man alle m?glichen Tierstimmen, besonders die Stimmen der V?gel nachmachte. Wer kein Instrument hatte, br?llte und heulte nach Belieben. Viele improvisierten ganz sonderbare Ger?usche. Der eine schlug mit einem Stocke auf d?rres Reisig, der andre kniff einem Hunde in den Schwanz, da? das Tier ganz zum Erbarmen musizierte; der dritte schwang an einer Schnur eine Blechplatte im Kreise, um das Pfeifen des Sturmes nachzuahmen. Kurz, es war ein entsetzliches Konzert, welches nur auf kurze Zeit unterbrochen wurde, als der Fakir die Helden aufforderte, das Sklavenj?gerlied zu singen. Die Kerls stellten sich in zwei Reihen einander gegen?ber auf und sangen:

U marran basahli!

U marran alei dschebal,

U marran antah el woara,

El es soda kubar.

U marran besahli!