Karl May.

Die Sklavenkarawane





Das war dem Deutschen lieb, denn der Aufenthalt in dem Selaml?k war jetzt kein angenehmer, da man dort das Br?llen der gepeitschten Araber allzu deutlich vernahm.

Nachdem sie mehrere Zimmer durchschritten hatten, welche nichts als die Wandpolster und einen Teppich enthielten, kamen sie in einen kleinen Hinterhof, in welchem ein Kiosk stand, an dessen h?lzernen W?nden sich bl?hende und duftende Schlinggew?chse empor rankten.

In diesem Lusthause sollst du wohnen, sagte der Mudir. Und da ist der Knabe, welcher dir den Brief zu ?berbringen hat. Er soll dich zu deinem Bruder f?hren und wird dich auch schon hier bedienen. Er kann dein Dolmetscher sein, denn er spricht die Sprache der Niam-niam und ist auch des Arabischen m?chtig.

Neben der Th?r des Gartenhauses war eine Schilfdecke ausgebreitet, von welcher sich die Gestalt des Knaben erhob, um sich gleich wieder vor den beiden dem?tig zur Erde zu werfen. Der junge Neger war gewi? nicht ?ber sechzehn Jahre alt und fast unbekleidet. Die Farbe seiner Haut war ein erdiges Rotbraun, wohl ein Ergebnis des Bodens, welchen sein Volk bewohnt.

Es ist n?mlich eigent?mlich, da?, wie man bemerkt hat, die F?rbung jener Negerst?mme von der Farbe des von ihnen bewohnten Bodens abh?ngig ist. Die Bewohner der schwarzerdigen Tiefebenen, die Schilluk, Nuehr und Denka, zeichnen sich durch ein tiefes Schwarz der Hautfarbe aus, w?hrend die Bongo, Niam-niam und Monbuttu, welche ein rotes, eisenhaltiges Land bewohnen, eine r?tliche F?rbung besitzen.

Der Mudir befahl dem Neger, aufzustehen. Als er das gethan hatte, sah man, da? er von gedrungener, untersetzter und kr?ftiger Gestalt war. Die Muskeln seiner Beine waren kr?ftiger entwickelt, als man es sonst bei Negern zu beobachten pflegt. Seine Gesichtsz?ge n?herten sich dem kaukasischen Typus. Der Mund war zwar aufgeworfen, aber klein, die Nase gerade und schmal. Die Augen waren gro? und mandelf?rmig geschnitten; sie standen sehr weit voneinander ab und gaben dem vollen, runden Gesichte einen schwer zu beschreibenden Ausdruck kriegerischer Entschlossenheit und Vertrauen erweckender Offenheit.

Die Waffen des Knaben lagen neben ihm. Sie bestanden aus einem Bogen nebst einem mit Pfeilen gef?llten K?cher, einem Messer mit sichelartiger Klinge und einem Trumbasch oder Wurfeisen, welches als Waffe sehr gef?rchtet ist. Dieses Eisen gleicht dem australischen Bumerang, ist mehrschenklig gebogen und mit scharfen Z?hnen und Spitzen versehen. Die Cateja, welche in der ?neide genannt, und als eine Wurfkeule von zerschmetternder Wirkung beschrieben wird, ist jedenfalls auch eine ?hnliche Waffe gewesen. Au?erdem trug der Knabe eine Art Schutzwaffe an sich, und zwar an den Armen. Diese steckten n?mlich von der Hand an bis zum Ellbogen in einer Menge von Metallringen, die eng aneinander lagen und eine sch?tzende Manschette bildeten. Eine solche Armbekleidung wird Danga-Bor genannt und ist besonders bei den Bongonegern gebr?uchlich.

Ganz eigenartig, und gar nicht unsch?n, war das Haar des Knaben geordnet.

Dasselbe war zwar wollig, aber ziemlich lang. In lauter d?nne Z?pfchen und diese wieder untereinander verflochten, bildete es auf dem Kopfe eine runde Krone, in welcher ein bunt schillernder Federbusch steckte. Rund um die Stirn, ganz an die Grenze des Haarwuchses befestigt, trug er einen eigenartigen Schmuck, welcher aus den Rei?z?hnen von Hunden bestand, die an eine Schnur gereiht waren.

Der offene, freundlich ehrerbietige Blick, mit welchem er den Deutschen musterte, machte auf diesen einen sehr guten Eindruck.

Wie hei?est du? fragte ihn Schwarz.

Ich bin der Sohn des Bji?, antwortete der Neger in arabischer Sprache, in welcher er gefragt worden war. Die Sandeh hei?en mich Nuba; der wei?e Mann aber, welcher mich hierher sendet, hat mich Ben Wafa genannt.

Das ist ein sch?ner Name, welcher dir Vertrauen erweckt. Wie hei?t dieser wei?e Mann?

Er nennt sich Schwa-za.

Du willst Schwarz sagen?

Ja, nickte der Knabe, aber ich kann diesen Namen nicht so aussprechen; darum sage ich Schwa-za.

Ich hei?e ebenso, denn ich bin sein Bruder.

So bist du der Effendi, zu dem er mich sendet?

Ja.

Das freut mich sehr, denn du gef?llst mir. Dein Auge ist gerade so mild und freundlich wie das seinige, nicht so grausam wie dasjenige der Araber, welche zu uns kommen, um Reqiq zu machen. Darum werde ich dich gerade so lieb haben wie ihn und dir ebenso treu dienen.

Es war ihm anzusehen, da? dieser Herzensergu? ein aufrichtiger war, denn sein intelligentes Gesicht gl?nzte vor Freude.

Nicht wahr, du sollst mich zu ihm bringen? fragte Schwarz.

Ja, Effendi.

Aber das ist schwer. Unser Weg f?hrt durch Gegenden, welche den Sandeh und also auch dir feindlich gesinnt sind.

Da ergriff der Knabe schnell des Deutschen Hand, k??te sie und rief:

Effendi, du schimpfest uns nicht Niam-niamIst der Denkasprache entnommen und bedeutet Allesfresser, auch Menschenfresser, sondern nennst uns bei unsrem richtigen Namen! Ich bin ein K?nigsprinz und brauche keinem Menschen zu dienen. F?r dich aber werde ich alles thun, was du verlangst. Nur deinem Bruder zuliebe bin ich sein Bote geworden, denn ein andrer w?re nicht klug genug gewesen, bis hierher zu gelangen; die Denka und Nuehr h?tten ihn get?tet oder zum Sklaven gemacht.

Hattest du das denn nicht auch f?r dich zu bef?rchten?

Nein, denn mich f?ngt keiner. Ich bin ein Krieger und habe unsre M?nner schon oft in den Kampf gef?hrt.

Er sagte das mit einem ruhigen Stolze, welcher fern von ?berhebung war. Der kleine, jugendliche Held mu?te allerdings ein ganz t?chtiges Kerlchen sein, da er eine so weite Reise ganz allein durch feindliches Land unternommen und auch gl?cklich beendigt hatte.

W?re es nicht besser gewesen, wenn du noch einige Krieger mitgenommen h?ttest? fragte Schwarz.

Nein, denn mehrere werden leichter bemerkt, als nur einer.

Bist du gelaufen?

Nein. Ich habe mir eine kleine Flukah mit einem Segel gebaut. Mit derselben bin ich den Bahr er Rohl und dann den Bahr ed Dschebel herabgefahren. Es gab ?berall Wasser zum Trinken. Hatte ich Hunger, so fing ich mir Fische, und kam ein feindliches Schiff, so versteckte ich meine Flukah in das Geb?sch des Ufers oder hinter das hohe Schilf.

Aber kanntest du denn den Weg?

Ja, denn ich bin bereits zweimal in Chartum gewesen und habe dort die Sprache der Araber gelernt.

Bist du nicht einmal bei einer Seribah ausgestiegen?

Wie k?nnte ich das, Effendi! Das darf man nicht wagen. In den Seriben wohnen doch nur Sklavenj?ger. Ich kenne sie alle, aber ich bin stets des Nachts und sehr schnell an ihnen vor?bergefahren.

Kennst du auch eine, welche Omm et Timsah genannt wird?

Ja. Sie ist die gef?hrlichste f?r uns, da sie an der Grenze unsres Landes liegt und dem grausamsten Manne geh?rt, den es geben kann.

Wie hei?t dieser Mann?

Abu el Mot.

Ah, du kennst seine Seribah! Hast du jemals auch ihn selbst gesehen?

Ja. Er hat das Angesicht und die Gestalt eines Gestorbenen, und der Tod folgt jedem seiner Schritte. Seine Seribah ist ein Schreckensplatz. Die Leichen zu Tode gepeitschter Sklaven, die frei umherliegen, der Sammelplatz aller Arten Raubv?gel und aasfressender Raubtiere sind ihre Merkmale.

Und wo war mein Bruder, als du ihn verlie?est?

Bei meinem Vater.

Er befindet sich also in der N?he der Seribah des Sklavenj?gers?

Ja, Effendi. Die Entfernung betr?gt nur drei Tage reisen.

Und ist mein Bruder der einzige Fremde, welcher jetzt bei euch weilt?

Nein. Es ist noch ein andrer Wei?er bei ihm.

Ah! dann sind es diese beiden, von denen Abu el Mot gesprochen hat. Was ist und wie hei?t dieser andre?

Er ist ein Baija et tijur. Er hat die Beine des Storches, und seine Nase ist lang und beweglich wie der Schnabel des Storches. Darum wird er Abu laklak genannt. Seinen eigentlichen Namen kann ich nicht aussprechen.

Wir m?ssen schleunigst abreisen, denn ihm und meinem Bruder droht die gr??te Gefahr. Abu el Mot will sie t?ten.

Hat er das gesagt? fragte der Mudir.

Ja, antwortete der Deutsche. Ich habe es selbst geh?rt.

Ich wei? allerdings, da? er keinen fremden Wei?en im Bereiche seines Jagdgebietes duldet, und so glaube ich, da? er seine Drohung wahr machen wird, sobald er auf seiner Seribah eingetroffen ist. Die Gefahr, in welcher sich dein Bruder befindet, ist sehr gro?, denn der K?nig der Sandeh vermag ihn nicht gegen die Hinterlist und die ?berlegenen Waffen der Sklavenj?ger zu sch?tzen.

O, die Sandeh sind tapfer! warf der Neger in stolzem Tone ein.

Ich will das nicht bestreiten, antwortete der Mudir im Tone gn?diger ?berlegenheit, aber wie viele von euch sind dennoch von den Sklavenj?gern get?tet oder geraubt worden! All euer Mut vermag nichts gegen die wilde Gier dieser Menschen, und was wollt ihr mit euern Pfeilen gegen die Schie?gewehre solcher R?uber anfangen?

Aus wieviel Menschen besteht gew?hnlich ein solcher Raubzug? fragte Schwarz.

Oft aus mehreren Hundert, belehrte ihn der Mudir. Es kommt vor, da? sich die Besatzungen von zwei und noch mehr Seriben vereinigen. Dann sind so viele J?ger beisammen, da? selbst das bev?lkertste Negerdorf nicht an Widerstand denken darf. Die Seribah Omm et Timsah ist die gr??te, von welcher ich wei?, und Abu el Mot hat also Leute genug, seine Absicht auszuf?hren.

Dann darf ich mich hier keine Stunde l?nger als n?tig verweilen. Ich mu? suchen, ihm zuvorzukommen, um den Bruder rechtzeitig zu warnen.

Das ist mir nicht lieb, denn ich h?tte dich gern lange Zeit bei mir gehabt. Mein Herz findet Wohlgefallen an dir; au?erdem bist du mir sehr warm empfohlen, und so will ich dich nicht unbesch?tzt der dich erwartenden Gefahr entgegengehen lassen. Mein Sinnen geht darauf, Abu el Mot in meine H?nde zu bringen; dies kann durch deine Hilfe geschehen, darum werde ich dir f?nfzig Soldaten mitgeben, welche ich mit allem, was sie brauchen, sorgf?ltig ausr?ste. Bist du damit einverstanden?

Der Deutsche gab nat?rlich eine bejahende Antwort; der Vorschlag mu?te ihm ja hoch willkommen sein. Der Neger hatte indes die Pfeile aus seinem K?cher genommen; auf dem Grunde des letzteren steckte der Brief, welchen er Schwarz ?berreichte. Dann f?hrte der Mudir seinen Gast in das Innere des H?uschens, welches aus zwei kleinen, aber sehr h?bsch ausgestatteten Gem?chern bestand.

Hier wohnen nur solche G?ste, welche mir willkommen sind, sagte er, der Niam-niam wird dich bedienen. Er wartet drau?en deiner Befehle, und ich werde meinen Leuten die Weisung erteilen, dieselben augenblicklich und so eifrig zu erf?llen, als ob sie aus meinem eigenen Munde k?men. Die Dschelabi, welche mit dir gekommen sind, werden auch meine G?ste sein, denn sie waren deine Begleiter.

Und was geschieht mit den Homrarabern?

Der Mudir machte eine strenge, abwehrende Handbewegung und sagte:

Was mit ihnen geschehen soll, das ist bereits geschehen, und du wirst nicht weiter danach fragen. Ich will Ordnung haben in dem mir anvertrauten Lande; wer dieselbe bricht, den richte ich schnell und streng. Allah mag ihren Seelen gn?dig sein; bei mir aber gibt es keine Gnade, sondern nur Gerechtigkeit.

Er ging. Schwarz lie? sich auf ein Polster nieder, um den Brief seines Bruders zu lesen. Dieser schrieb ihm, da? er von Sansibar gl?cklich nach dem Viktoria-Nyanza, und von dort nach dem Albert-Nyanza vorgedrungen, und von da nach den Quellen des Gazellenflusses gelangt sei und nun den Bruder bei den Makrakanegern, die zu den Niam-niam geh?ren, erwarte.

In Sansibar hatte er einen deutschen Naturforscher, einen ausgezeichneten Ornithologen, getroffen, von welchem er gebeten worden war, ihn mitzunehmen. Dieser Mann war ein Bayer von Geburt und trotz verschiedener Eigenheiten ein ganz t?chtiger Reisegesellschafter und mutiger Begleiter. Beide hatten es unterwegs zu einer bedeutenden wissenschaftlichen Ausbeute gebracht und hielten nun Rast, um ihre Sammlungen zu ordnen und Schwarz bei sich zu erwarten. Den Sohn der Treue hatten sie ihm als zuverl?ssigen F?hrer entgegengeschickt.

Eben war der Deutsche mit der Durchsicht des Briefes fertig, als der Slowak bei ihm eintrat.

Bitte Verzeihung, da? ich Sie k?nnte gest?rten! sagte er. Ich hatt gewillt bringen einen Wunsch, unsrigen.

So ist dieser Wunsch nicht allein der Ihrige, sondern auch derjenige eines andern?

Ja. Vater des Gel?chters hatt Bitte, meinige auch als Bitte, seinige.

Nun, was w?nschen Sie denn?

Mudir hatt sprechte selbst mit uns und uns sagte, da? wir alle seinte G?ste, seinige, und wohnte in Haus, hiesiges. Hatt uns auch sagte, da? Sie willte abreisen in Zeit sehr baldiger, mit Soldaten, vieligen. Ich und Hadschi Alli, Freund meiniger, wollen nicht gebleibte zur?ck, sondern gehen mit Ihnen zu den Niam-niam, um zu machente dort Gesch?ft, vorteilhaftes. Wollen kaufte hier Sachen und verkaufte dort wieder mit Profit, gro?artigen. Darum ich kommte schnell hierher, um willte fragen, ob Sie wernte haben die G?te, zu nehmen mit mich und Hadschi Alli, freundschaftlichen.

Warum nicht? Ihr Vorschlag ist mir recht angenehm. Sie und der Vater des Gel?chters sind brauchbare Leute, und je mehr ich solche M?nner mitnehmen kann, desto besser ist es f?r mich.

Also Sie gebten Erlaubnis, Ihrige?

Ja, ganz gern.

Das seinte sehr sch?n. Das machte mir Freude, unendliche. Ich hatt gelernte Sprache, negerliche, und werd seinte Ihnen n?tzlich mit Kenntnissen, meinigen. Wir werden machte Forschungen, wissenschaftenkeitliche, und uns erwerbte Namen, unsrige, sehr ber?hmte. Ich willte gleich lauf zu Hadschi Alli, wartenden, um ihm zu sagente, da? wir k?nnte treffen Vorbereitung zur Abreise, schneller, weil Sie haben erf?llte Wunsch, unsrigen!

Er eilte erfreut fort, um dem Vater des Gel?chters die betreffende Mitteilung zu machen.

Eine Ghasuah

Da, wo der Bahr el Ghazal, der Gazellenflu?, in das Gebiet der Bongoneger tritt, sind an seinem rechten Ufer nur einzelne Dalebpalmen zu sehen, deren dunkelgr?ne Blattwedel sich im leisen Luftzuge tr?umerisch bewegten. Am linken Ufer stieg ein dichter Mimosenwald bis an das Wasser herab. Die da an den ?sten und Zweigen h?ngenden d?rren Gr?ser zeigten an, wie hoch zur Regenzeit das Wasser zu steigen pflegte.

Auf dem Wasser lagen gro?e Inseln, welche aus Anh?ufungen frischer und abgestorbener Grasrhyzome bestanden, und dazwischen gab es lange und breite Streifen von Omm Sufah, welche den jetzt schmalen Strom noch mehr einengten.

Im hohen Rohre, und von demselben fast ganz verborgen, lag ein Noqer, eine jener Segelbarken, wie sie am oberen Nile gebr?uchlich sind. Der in der Mitte des Fahrzeuges angebrachte Hauptmast war niedergelegt, ebenso der kleinere am Vorderteile des Schiffes. Wer von der Anwesenheit dieses Noqer nichts wu?te, konnte leicht in kurzer Entfernung von demselben vor?berfahren, ohne ihn zu bemerken.

Es war klar, da? die so vorsichtig versteckte Barke au?er Gebrauch lag, und dennoch gab es Personen, welche sich emsig auf derselben besch?ftigten.

F?nf oder sechs Sklavinnen knieten nebeneinander, um Durrha auf der Murhaqa zu reiben. Diese Murhaqa ist ein Reibstein, welcher den in Pfahlbauten gefundenen Mahlsteinen fast genau gleicht. Die angefeuchtete Durrah wird in die Vertiefung desselben gesch?ttet und mit dem Ibn el Murhaqa, einem kleineren Steine, m?hsam zerquetscht und zu Mehl zerrieben. Diese primitive Weise des Mahlens, bei welchem den Sklavinnen der Schwei? von den Gesichtern in den teigigen Brei tropft, ist sehr anstrengend und zeitraubend. Hat so ein armes Wesen sich von fr?h bis abend abgem?ht, so ist das Ergebnis kaum der t?gliche Bedarf von zehn bis f?nfzehn Mann.

Dieser durch das nasse Mahlen erzeugte dicke Brei ist die Grundlage des sudanesischen Speisezettels. Auf der Doka gebacken, gibt er die Kisrah, rotbraune, saubere Fladen, das gew?hnliche Brot des Landes, mit Wasser gekocht aber die Luqmah, eine Art Pudding, welcher keinem Europ?er einen Ruf des Entz?ckens entlocken kann. Die Kisrah wird als Proviant auf monatelangen Reisen mitgenommen. L??t man sie mit Wasser g?ren, so bekommt man die Merissah, ein s?uerliches, ?berall gebrauchtes Getr?nk.

Unter dem Verdecke des Hinterteiles waren zwei Schwarze besch?ftigt, Stricke aus Palmblattfasern zu drehen. Dabei sprachen sie leise miteinander. Die Blicke, welche sie dabei auf die Sklavinnen warfen, bewiesen, da? sie von diesen ja nicht geh?rt sein wollten.

Diese Schwarzen trugen die Guluf, drei wulstige Narben auf jeder Wange, ein sicheres Zeichen, da? sie geraubt worden waren. Ist n?mlich eine Sklavenjagd gl?cklich ausgefallen, so empfangen die j?ngeren m?nnlichen Gefangenen diese sechs Schnitte als ewiges und unverwischbares Zeichen der Knechtschaft. Man reibt die Wunden mit Pfeffer, Salz und Asche ein, um den Heilungsproze? zu verz?gern, und die Narben m?glichst aufschwellen zu lassen.

Bekleidet waren die beiden nur mit dem Lendenschurze. Das Haar hatten sie mit Anwendung eines vertrocknenden Klebstoffes steif und cylindrisch emporfrisiert, so da? es das Aussehen eines zerknillten Chapeau-claque ohne Krempe besa?. Sie unterhielten sich im Dialekte der Belandaneger, in welchem alle Worte, welche etwas Geistiges, ?bersinnliches bezeichnen, dem Arabischen entnommen sind, wie es ?berhaupt bei allen sudanesischen Sprachen mehr oder weniger der Fall ist. Dabei wendeten sie die erste Person der Einzahl des Zeitwortes nicht an, sondern setzten an Stelle des Ich ihre Namen.

Lobo ist traurig, sehr traurig! fl?sterte der eine. Und Lobo darf doch nicht sehen lassen, da? er traurig ist.

Tolo ist auch traurig, mehr traurig noch als du, antwortete der andre ebenso leise. Als Lobo und Tolo geraubt wurden, hat Abu el Mot Lobos ganze Familie get?tet, aber Tolos Vater und Mutter entkamen; sie leben noch, und armer Tolo kann nicht zu ihnen. Darum ist er doppelt traurig.

Er sprach in der dritten Person, meinte aber sich selbst, da er Tolo hie?.

Warum soll Lobo nur halb traurig sein? fragte der erstere. Wurden seine Eltern und Geschwister ermordet, so ist er ungl?cklicher als du. Und er sprach so leise, da? sein Leidensgef?hrte es kaum verstehen konnte was hat ein Belanda zu thun, wenn der wei?e Mann ihm die Seinen t?tet?

Toto blickte besorgt nach den Sklavinnen, ob diese vielleicht horchten, und antwortete dann, indem er die Augen rollte:

Rache nehmen! Er mu? Abu el Mot t?ten.

Ja, er mu?, aber er darf nicht davon sprechen!

Seinem Freunde Tolo aber kann er es sagen; dieser wird ihn nicht verraten, sondern ihm helfen mit dem Messer oder mit dem Pfeile, welcher in den Saft der Dinqil getaucht und vergiftet ist.

Aber dann wird man uns zu Tode peitschen.

Nein; wir fliehen.

Wei?t du nicht, wie schwer das ist? Die Wei?en werden uns mit Hunden verfolgen, welche uns sicher finden.

So macht Tolo sich selbst tot. Peitschen l??t er sich nicht, und leben mag er auch nicht, wenn er nicht bei Vater und Mutter sein kann. Der Wei?e denkt nicht, da? der schwarze Mann ein Herz hat; aber er hat ein besseres als der Araber; er liebt Vater und Mutter sehr, und will bei ihnen sein, oder sterben. Wei?t du, ob wir leben werden, wenn wir hier bleiben? Wir sind Eigentum des Wei?en, und er kann uns beim kleinsten Zorne t?ten. Und wenn er eine Ghasuah unternimmt, so m?ssen wir mit, und f?r ihn gegen unsre Br?der k?mpfen. Auch da k?nnen wir get?tet werden. Tolo will aber seine schwarzen Br?der nicht fangen und zu Sklaven machen!

Meinst du denn, da? es eine Ghasuah geben wird?

Ja. Warum reiben die Weiber dort nun schon seit vielen Tagen Durrah? Merkst du nicht, da? Kisrah gebacken werden soll? Viel Vorrat von Kisrah aber macht der Araber nur dann, wenn er sie als Vorrat bei einer Ghasuah braucht.

Lobo schlug die H?nde zusammen, machte ein erstauntes Gesicht und sagte:

Wie klug du bist! Daran hat Lobo nicht gedacht. Er glaubte, der Zug w?rde erst dann unternommen, wenn Abu el Mot aus dem Lande der Homr zur?ckgekehrt ist.

Abd el Mot kann auch ziehen, wenn er will. Er ist der zweite H?uptling der Seribah und Abu el Mot der erste. Ist der erste nicht da, so befiehlt der zweite. Warum haben die Leute ihre Gewehre putzen und ihre Messer schleifen m?ssen, gestern und vorgestern schon. Niemand wei? vorher, was geschehen soll, aber wir werden bald etwas erfahren.

Wei?t du, wohin es gehen soll?

Wie kann Tolo es wissen! Nicht einmal die wei?en Soldaten, die sich in der Seribah befinden, erfahren es vorher. Abd el Mot allein wei? es, und

Er hielt inne, b?ckte sich auf seine Arbeit nieder und drehte an den Seilfasern mit einer Hast, als ob er sich bei dieser Besch?ftigung nicht Zeit zu einem einzigen Worte gegeben habe. Sein Genosse folgte seinem Beispiele. Beide hatten gesehen, da? ein Mann in einem Kahne an den Noqer gelegt, und das Deck desselben bestiegen hatte.

Dieser Mann war ein Wei?er. Ein dichter, dunkler Bart umrahmte sein Gesicht, welches vom Sonnenbrande das Aussehen gegerbten Leders erhalten hatte; seine Z?ge waren hart, seine Augen blickten finster. Er trug einen eng anliegenden wei?en Burnus, um welchen ein Shawl gewunden war, aus dem die Griffe eines Messers und zweier Pistolen blickten. Die nackten F??e steckten in gr?nen Pantoffeln, und der Sch?del war in ein gr?nes Turbantuch geh?llt, ein Zeichen, da? dieser Mann seine Abkunft von dem Propheten Mohammed herleitete. In der Hand hielt er die lange, dicke Nilpeitsche.