Karl May.

Die Sklavenkarawane





Ein Dschelabi

Ha? es sala rief der fromme Schech el dschemali, der Anf?hrer der Karawane auf zum Gebete! El Asr ist da, die Zeit der Kniebeugung, drei Stunden nach Mittag!

Die M?nner kamen herbei, warfen sich auf den sonnendurchgl?hten Boden nieder, lie?en den Sand durch die H?nde gleiten und rieben sich denselben an Stelle des fehlenden, zur vorgeschriebenen Waschung n?tigen Wassers sanft gegen die Wangen. Dabei sprachen sie laut die Worte der Fathha, der ersten Sure des Korans:

Im Namen des allbarmherzigen Gottes! Lob und Preis dem Weltenherrn, dem Allerbarmer, der da herrschet am Tage des Gerichts. Dir wollen wir dienen und zu dir wollen wir flehen, auf da? du uns f?hrest den rechten Weg, den Weg derer, die sich deiner Gnade freuen, und nicht den Weg derer, ?ber welche du z?rnest, und nicht den der Irrenden!

Dabei knieten die Betenden in der Kibbla, das hei?t mit dem Gesichte nach der Gegend von Mekka gerichtet. Sie fuhren unter fortgesetzten Verbeugungen fort, sich mit dem Sande zu waschen, bis der Schech sich erhob und ihnen damit das Zeichen gab, da? die gottesdienstliche Handlung zu Ende sei. Das Gesetz gestattet dem Reisenden, in der wasserarmen W?ste, die bei den t?glichen Gebeten stattzuhabende Reinigung mit Hilfe des Sandes bildlich vorzunehmen, und diese Milde verst??t keineswegs gegen die Anschauung des W?stenbewohners. Er nennt die W?ste Bahr bala mo?je lakin miljan nukat er raml, das Meer ohne Wasser, aber voller Sandtropfen, und vergleicht also den Sand der endlos scheinenden Ein?de mit den Wassern des ebenso unendlich sich darstellenden Meeres.

Freilich war es nicht die gro?e Sahara, auch nicht die mit ihren welligen Sandh?geln einer bewegten See gleichende Hammada, in welcher sich die kleine Karawane befand, aber ein St?ck W?ste war es doch, welches rundum vor dem Auge lag, so weit dasselbe nur zu blicken vermochte. Sand, Sand und nichts als Sand! Kein Baum, kein Strauch, nicht einmal ein Grashalm war zu sehen. Dazu strahlte die Sonne wahrhaft gl?hend vom Himmel hernieder, und es gab nirgends Schatten als hinter der zerkl?fteten, zackigen Felsengruppe, welche sich aus der Sandebene erhob und den Ruinen einer alten Zwingburg glich.

In diesem Schatten hatte die Karawane seit einer Stunde vor Mittag bis jetzt gelagert, um den Kamelen w?hrend der hei?esten Tagesstunden Ruhe zu g?nnen. Nun war die Zeit des Asr vor?ber, und man wollte aufbrechen. Der Moslem und ganz besonders der Bewohner der W?ste tritt seine Reisen ?berhaupt fast stets zur Stunde des Asr an. Nur die Not kann ihn veranlassen, davon eine Ausnahme zu machen, und wenn dann die Wanderung nicht den gehofften g?nstigen Verlauf nimmt, so schiebt er sicher die Schuld auf den Umstand, da? er nicht zur gl?ckverhei?enden Stunde aufgebrochen sei.

Die Karawane war nicht gro?. Sie bestand aus nur sechs Personen mit ebenso vielen Reit und f?nf Lastkamelen. F?nf von den M?nnern waren Homr-Araber, welche als sehr bigotte Muselm?nner bekannt sind.

Da? dieser Ruf ein wohlverdienter sei, zeigte sich jetzt nach dem Gebete; denn, als die f?nf sich erhoben hatten und sich zu ihren Tieren begaben, murmelte der Schech den andern leise zu:

Allah jenahrl el kelb, el nusrani Gott verderbe den Hund, den Christen!

Dabei warf er einen verborgenen, b?sen Blick auf den sechsten Mann, welcher hart am Felsen sa? und damit besch?ftigt war, einen kleinen Vogel auszubalgen.

Dieser Mann hatte nicht die scharfgeschnittenen Gesichtsz?ge und die Glutaugen der Araber, auch nicht ihre schm?chtige Gestalt. Als er sah, da? sie aufbrechen wollten, und sich nun erhob, zeigte sich seine Figur so hoch, stark und breitschulterig wie diejenige eines preu?ischen Gardek?rassiers. Sein Haar war blond, ebenso der dichte Vollbart, der sein Gesicht umschlo?. Seine Augen waren von blauer Farbe und seine Gesichtsz?ge von einer bei den m?nnlichen Semiten ganz ungew?hnlichen Weichheit.

Er war genau so wie seine arabischen Gesellschafter gekleidet; das hei?t, er trug einen hellen Burnus mit ?ber den Kopf gezogener Kapuze. Doch, als er sein Kamel jetzt bestieg und sich dabei der Burnus vorn ?ffnete, war zu sehen, da? er hohe Wasserstiefel anhatte, eine gewi? seltene Erscheinung hier in dieser Gegend. Aus seinem G?rtel blickten die Griffe zweier Revolver und eines Messers, und an dem Sattel hingen zwei Gewehre, ein leichteres zur T?tung von V?geln und ein schwereres zur Erlegung gr??erer Tiere, beide aber Hinterlader. Vor den Augen trug er eine Schutzbrille.

Reiten wir jetzt weiter? fragte er den Schech el dschemali im Dialekte von Kahira (Kairo).

Ja, wenn es dem Abu l arba ijun gef?llig ist, antwortete der Araber.

Seine Worte waren h?flich: aber er bem?hte sich vergeblich, seinem Gesichte dabei einen freundlichen Ausdruck zu geben. Abu l arba ijun bedeutet Vater der vier Augen. Der Araber liebt es, andern und zumal Fremden, deren Namen er nicht aussprechen und sich nicht gut merken kann, eine Bezeichnung zu geben, welche sich auf irgend einen ihm auff?lligen Umstand oder auf eine in die Augen springende Eigenschaft beziehen, welche der Betreffende besitzt. Hier war es die Brille, welcher der Reisende den sonderbaren Namen verdankte.

Diese Namen beginnen gew?hnlich mit Abu oder Ben und Ibn, mit Omm oder Bent, das hei?t mit Vater oder Sohn, Mutter oder Tochter. So gibt es Namen wie Vater des S?bels ein tapferer Mann, Sohn des Verstandes ein kluger J?ngling, Mutter des Kuskussu eine Frau, welche diese Speise gut zuzubereiten versteht, Tochter des Gespr?ches ein klatschhaftes M?dchen. Auch in andern, nicht orientalischen L?ndern hat man eine ?hnliche Gewohnheit, so zum Beispiele in den Vereinigten Staaten bez?glich des Wortes Old. Old Firehand, Old Shatterhand, Old Coon sind dort bekannte Namen ber?hmter Prairiej?ger.

Wann werden wir den Bahr el abiad erreichen? erkundigte sich der Fremde.

Morgen, noch vor dem Einbruch des Abends.

Und Faschodah?

Zu derselben Zeit, denn wenn Allah will, so werden wir gerade an der Stelle, auf welcher diese Stadt liegt, auf den Flu? sto?en.

Das ist gut! Ich kenne diese Gegend nicht genau. Hoffentlich wi?t Ihr besser Bescheid als ich und werdet Euch nicht verirren!

Die Beni-Homr verirren sich nie. Sie kennen das ganze Land zwischen der Dschesirah, Sennar und dem Lande Wadai. Der Vater der vier Augen braucht keine Sorge zu haben.

Er sprach diese Worte in einem sehr selbstbewu?ten Tone aus, und warf aber dabei einen heimlichen, h?hnischen Blick auf seine Gef?hrten, welcher, wenn der Fremde ihn gesehen h?tte, demselben wohl verd?chtig vorgekommen w?re. Dieser Blick sagte mit gr??ter Deutlichkeit, da? der Reisende weder den Nil noch Faschodah erreichen solle.

Und wo ?bernachten wir heute? fragte der Fremde weiter.

Am Bir Aslan, den wir eine Stunde nach dem Mogreb erreichen werden.

Dieser Name hat keinen beruhigenden Klang. Wird der Brunnen durch L?wen unsicher gemacht?

Jetzt nicht mehr. Aber vor vielen Jahren hatte sich der Herr mit dem dicken Kopfe samt seiner Frau und seinen Kindern niedergelassen. Es fielen ihm viele Menschen und Tiere zum Opfer, und alle Krieger und J?ger, welche auszogen, um ihn zu t?ten, kamen mit zerrissenen Gliedern zur?ck oder wurden gar von ihm gefressen. Allah verdamme seine Seele und die Seelen aller seiner Vorfahren und Nachkommen! Da kam ein fremder Mann aus Frankhistan, der wickelte ein Gift in ein St?ck Fleisch und brachte es in die N?he des Brunnens. Am andern Tage lag der Fresser tot am Wasser. Sein Weib war dar?ber so erschrocken, da? sie mit ihren Kindern davonzog, wohin, das erfuhr man nicht, doch Allah wei? es. M?ge sie mit ihren S?hnen und T?chtern im Elende erstickt sein! Seit jener Zeit hat es nie wieder einen L?wen an diesem Brunnen gegeben, aber den Namen hat er behalten.

Der arabische Bewohner der W?ste spricht in einem so schlechten Tone nur dann von einem L?wen, wenn dieser nicht mehr lebt und ihm also keinen Schaden mehr bereiten kann. Einem lebenden L?wen gegen?ber aber h?tet er sich, solche beleidigende Ausdr?cke oder gar Verw?nschungen zu gebrauchen. Er vermeidet es sogar, das Wort Saba, L?we, zu gebrauchen, und wenn er sich desselben je bedient, so spricht er es nur fl?sternd aus, damit das Raubtier es nicht h?ren k?nne. Er meint, der L?we h?re das Wort stundenweit und komme herbei, sobald es ausgesprochen wird.

Wie die Negerv?lker des Sudan, so sind auch viele Araber der Ansicht, da? im L?wen die Seele irgend eines verstorbenen Scheichs stecke. Darum dulden sie seine R?ubereien lange Zeit, bis er zu gro?e Opfer von ihnen fordert. Dann ziehen sie in Masse aus, um ihn zu vernichten, wobei sie den Kampf durch hochtrabende Rede, welche sie ihm halten, einleiten.

W?hrend der k?hne europ?ische J?ger sich nicht scheut, dem L?wen ganz allein gegen?ber zu treten, w?hrend er das f?rchterliche Raubtier sogar am liebsten des Nachts an der Tr?nke aufsucht, um es mit der sicheren Kugel zu erlegen, h?lt der Araber das nicht nur f?r eine au?erordentliche K?hnheit, sondern geradezu f?r Wahnsinn. Hat der L?we die Herden eines arabischen Duar so gelichtet, da? den Leuten endlich doch die Geduld vergeht, so machen sich alle wehrf?higen Individuen auf, ihn zu erlegen. Das geschieht nat?rlich am hellen Tage. Man r?stet sich mit allen m?glichen Waffen, sogar mit Steinen, betet die heilige Fathha und r?ckt dem L?wen vor sein Lager, welches gew?hnlich sich zwischen Felsen befindet, die von dornigem Gestr?pp umgeben sind.

Nun beginnt einer, welcher sich durch besondere Sprachgewandtheit auszeichnet, dem Tiere in h?flichen Ausdr?cken mitzuteilen, da? man w?nscht, er m?ge die Gegend verlassen und die Rinder, Kamele und Schafe eines andern Dorfes verspeisen. Das ist nat?rlich ohne Erfolg. Es wird ihm der Beschlu? der Dorf?ltesten nun in dringenderer, ernsterer Weise zu Geh?r gebracht ebenso umsonst. Darauf erkl?rt der Sprecher, da? man jetzt gezwungen sei, gewaltsame Ma?regeln zu ergreifen, und man beginnt, so lange mit Steinen nach dem Dickicht zu werfen, bis der aus seinem Tagesschlummer aufgescheuchte L?we erscheint, indem er stolz und majest?tisch hinter den Felsen und aus dem Gestr?ppe hervortritt. In diesem Augenblicke schwirren alle Pfeile, sausen alle Wurfspeere und krachen alle Flinten. Dabei ert?nt ein Schreien und Heulen, da? der L?we, wenn er nur ein wenig musikalisches Geh?r h?tte, augenblicklich davonrennen w?rde.

Keiner hat sich Zeit genommen, richtig zu zielen. Die meisten Geschosse gehen an dem Tiere vor?ber; nur einige treffen, indem sie ihn leicht verwunden. Da spr?hen seine Augen Feuer ein Sprung, und er hat einen der J?ger unter sich liegen. Wieder krachen die Sch?sse. Der L?we, jetzt schwerer verwundet, holt sich noch ein zweites, ein drittes Opfer, bis er von den Geschossen, von denen keins wirklich t?dlich traf, ganz durchl?chert tot zusammenbricht.

Nun aber ist es aus mit dem Respekte, mit welchem er vorher angeredet wurde, denn er ist tot und kann keine Beleidigung mehr r?chen. Man wirft sich auf ihn; man tritt ihn mit F??en und schl?gt ihn mit F?usten; man speit ihn an und besudelt sein Andenken, seine Vorfahren und Verwandten mit Schimpfworten, von denen die arabische Sprache einen fast unersch?pflichen Schatz besitzt.

Der Fremde l?chelte ein wenig ?ber den Bericht des Schechs. Es war ein L?cheln, welches bekundete, da? er sich gewi? nicht von dem Herrn mit dem dicken Kopfe und seiner Familie h?tte auffressen lassen.

Diese kurze Unterhaltung hatte stattgefunden w?hrend man aufbrach. Dies geschieht nicht so leicht, wie der Europ?er denken mag. Hat man Pferde als Reittiere, nun, so steigt man einfach in den Sattel und reitet davon. Bei den Kamelen aber ist es anders, besonders bei den Lastkamelen. Diese sind keineswegs die geduldigen Tiere, als welche sie in zahlreichen B?chern beschrieben werden. Sie sind vielmehr faul, b?sartig und heimt?ckisch, ganz abgesehen von ihrer nat?rlichen H??lichkeit und dem unangenehmen Geruch, den sie verbreiten. Dieser letztere ist so widerlich, da? es Pferde verschm?hen, eine Nacht neben Kamelen zuzubringen. Das Schiff der W?ste ist ein bissiges Vieh; es schl?gt vorn und hinten aus, hat keine Anh?nglichkeit und besitzt eine Indolenz, welche nur von seiner Rachsucht noch ?bertroffen wird. Es gibt Tiere, denen sich kein Europ?er nahen darf, ohne in Gefahr zu geraten, gebissen oder unter die F??e getreten zu werden.

Wahr ists freilich, da? das Kamel sehr gen?gsam und ausdauernd ist, aber die au?erordentlichen Leistungen, von denen man in dieser Beziehung gefabelt hat, beruhen auf ?bertreibung. Kein Kamel vermag l?nger als drei Tage zu d?rsten. So lange h?lt der Wasservorrat seines Magens aus, nicht l?nger. Wird es nach dieser Zeit nicht getr?nkt, so legt es sich nieder und ist selbst durch die grausamste Behandlung nicht wieder auf die Beine zu bringen. Es bleibt liegen, um zu verschmachten.

Ebenso ist es eine L?ge, da? der Beduine, wenn ihm das Wasser ausgeht, sein Leben rettet, indem er sein Kamel ersticht, um das in dem Magen desselben befindliche Wasser zu trinken. Der Magen eines geschlachteten Kamels enth?lt kein Wasser sondern eine blutwarme, dicke, mit Futterresten vermischte und schlimmer als ein D?ngerhaufen nach allen m?glichen Ammoniumsalzen riechende, dem Inhalte unserer Senkgruben ?hnliche Jauche. Selbst ein Mensch, welcher vor Durst im Verschmachten liegt, wird keinen Schluck dieses entsetzlichen Zeuges trinken k?nnen.

Die schlechten Eigenschaften des Kamels zeigen sich w?hrend der Reise besonders nach der Ruhezeit, wenn es wieder beladen werden soll. Da wehrt es sich nach Leibeskr?ften mit dem Maule und den Beinen; da st?hnt und r?chelt, da ?chzt und br?llt es aus Leibeskr?ften. Dazu kommt dann das Zanken, Schreien und Fluchen der M?nner, welche an ihm und der Ladung herumzerren. Es gibt das stets eine Scene, da? man davonlaufen m?chte.

Von etwas edlerem Charakter sind die Reitkamele, Hedschin genannt. Es gibt da Tiere, welche sehr teuer bezahlt werden. Man hat f?r ein graues Bischarihnhedschin zehntausend Mark bezahlen sehen. Der Sattel des Lastkamels ist ein dachf?rmiges Gestell mit erh?hten Giebeln, welche den vordern und hintern Sattelknopf bilden. Er wird Hauiah genannt. Dagegen hei?t der Sattel des schlanken, hohen Hedschin Machlufah. Er ist so eingerichtet, da? der Reiter in eine bequeme Vertiefung zu sitzen kommt, so da? er die beiden Beine vor dem vordern Sattelknopfe auf dem Halse des Kamels kreuzt. Wenn der Reiter aufsteigt, mu? das Kamel am Boden liegen. Kaum hat er mit der Hand den Sattel ber?hrt, so schnellt das Kamel erst hinten und dann vorn empor, so da? der Mann erst nach vorn und dann wieder nach hinten geworfen wird. Er mu? gut Balance halten, um nicht abgeschleudert zu werden.

Ist das Kamel dann einmal im Gange, so hat selbst das Lasttier einen so steten und ausgiebigen Schritt, da? man mit demselben verh?ltnism??ig gro?e Strecken zur?cklegt.

Die Beni Homr hatten genug zu thun, den Kamelen die Lasten wieder aufzuschnallen. W?hrend das geschah, war der Fremde auf sein Hedschin gestiegen und langsam vorausgeritten. Er kannte zwar die Gegend nicht, wu?te aber die Richtung, nach welcher er sich zu wenden hatte.

Dieser Hund hat sich nicht bewegt, w?hrend wir beteten, sagte der Schech. Er hat weder die H?nde gefaltet noch die Lippen bewegt. M?ge er im tiefsten Loche der Dschehenna braten!

Warum hast du ihn nicht l?ngst dahin geschickt! brummte einer seiner Leute.

Wenn du das nicht begreifst, so hat Allah dir kein Gehirn gegeben; hast du denn nicht die Waffen dieses Christen gesehen? Hast du nicht bemerkt, da? er mit jeder kleinen Pistole, deren er zwei hat, sechsmal schie?en kann ohne zu laden? Und in seinen Flinten hat er vier Sch?sse. Das macht zusammen sechzehn; wir aber sind nur f?nf Personen.

So m?ssen wir ihn t?ten, w?hrend er schl?ft.

Nein, ich bin ein Krieger, aber kein Feigling. Ich t?te keinen Schlafenden. Aber gegen sechzehn Kugeln k?nnen wir nichts machen, und darum habe ich Abu el Mot gesagt, da? wir heute den Bir Aslan erreichen werden. Dort mag er thun, was ihm gef?llt, und wir werden mit ihm teilen.

Wenn es etwas gibt, was des Teilens wert ist! Was hat dieser Christ denn bei sich? H?ute von Tieren und V?geln, welche er ausstopfen will, Flaschen voller Schlangen, Molche und Skorpionen, mit denen Allah ihn braten m?ge! Ferner Blumen, Bl?tter und Gr?ser, welche er zwischen Papier zerquetscht. Ich glaube, er bekommt zuweilen den Besuch des Schetan, den er mit diesen Dingen f?ttern will.

Und ich glaube, da? du wirklich den Verstand verloren hast. Oder hast du noch nie welchen gehabt! Warst du denn taub, als dieser Ungl?ubige uns erkl?rte, was er mit diesen Sachen machen will?

Ich kann das alles nicht gebrauchen, und also habe ich nicht acht gegeben, als er davon sprach.

Aber was eine Medresse ist, das wei?t du?

Ja, ich habe davon geh?rt.

Nun, an so einer Medresse ist er Lehrer. Er unterrichtet von allen Pflanzen und Tieren der Erde und ist zu uns gekommen, um unsre Gew?chse und Tiere mit heim zu nehmen und seinen Sch?lern zu zeigen. Auch will er gro?e Kisten und K?rbe voll davon seinem Sultan schenken, welcher besondere H?user hat, in denen dergleichen Dinge aufbewahrt werden.

Was aber kann das uns n?tzen?

Sehr viel! Weit mehr als du denkst. Einem Sultan darf man doch nur kostbare Geschenke machen; also m?ssen die Tiere und Pflanzen, welche dieser Giaur bei uns geholt hat, in seinem Lande sehr hohen Wert besitzen. Siehst du das nicht ein?

Ja, Allah und du, ihr beide erleuchtet mich, spottete der Mann.

Ich habe darum daran gedacht, sie ihm abzunehmen und dann nach Chartum zu verkaufen. Man k?nnte dort einen guten Preis erzielen. Und hast du ferner nicht beobachtet, was er noch weiter bei sich hat?

Ja, eine ganze Ladung von Stoffen und Zeugen, Glasperlen und andern Gegenst?nden, mit denen man bei den Negern viel Elfenbein und viele Sklaven eintauschen k?nnte.

Und weiter!

Weiter wei? ich nichts.

Weil deine Augen verdunkelt sind. Sind seine Waffen, seine Ringe, seine Uhr nichts wert?

Sehr viel sogar. Und dann hat er ein Ledert?schchen unter seiner Weste. Ich sah, als er es einmal ?ffnete, gro?e Papiere darin mit fremder Schrift und einem Stempel. Ich habe einmal in Chartum bei einem reichen Kaufmann so ein Papier gesehen, und da erfuhr ich, da? man sehr, sehr viel Geld bekommt, wenn man dieses Papier demjenigen gibt, dessen Namen darauf geschrieben steht. Diese Papiere werde ich bei der Teilung beanspruchen, dazu seine Waffen, seine Uhr und alles, was er bei sich tr?gt, auch die Kamellast mit den Zeugen und Tauschsachen. Wir werden dadurch reich werden. Das andre alles, die Kamele mit der Sammlung der Tiere und Pflanzen aber wird Abu el Mot bekommen.

Wird er damit einverstanden sein?

Ja, er ist bereits darauf eingegangen und hat mir sein Wort gegeben.

Und wird er gewi? kommen? Heute ist der letzte Tag. Der Giaur hat uns gemietet, ihn auf unsern Kamelen nach Faschodah zu bringen. Kommen wir morgen dort an, so ist es aus mit unserm Plane, denn er wird ohne uns weiter reisen.

Er wird nicht dort ankommen. Ich bin ?berzeugt, da? Abu el Mot uns auf dem Fu?e folgt. Heute in der Nacht, kurz vor dem Morgengrauen, soll der ?berfall geschehen. Zwei Stunden nach Mitternacht soll ich sechshundert Schritte weit gerade westw?rts von dem Brunnen gehen und den Alten dort finden.

Davon hast du uns noch nichts gesagt. Wenn ihr euch in dieser Weise besprochen habt, so kommt er sicherlich, und die Beute wird unser. Wir sind Beni Arab, wohnen in der W?ste und leben von ihr. Alles, was auf ihr lebt, ist unser Eigentum, also auch dieser r?udige Giaur, der sich nicht einmal mit verneigt, wenn wir zu Allah beten.

Damit hatte er die allgemeine Ansicht der W?stenbewohner ausgesprochen, welche den Raub f?r ein so ritterliches Gewerbe halten, da? sie sich dessen sogar ?ffentlich r?hmen.

W?hrend dieses Gespr?ches hatten sie ihre Tiere in Bewegung gesetzt, um dem Fremden nachzufolgen. Als sie ihn erreichten, ahnte er nicht, da? sein Tod eine von ihnen fest beschlossene Sache sei. Er hatte seine Aufmerksamkeit nicht auf sie, sondern auf einen ganz andern Gegenstand gerichtet. Pl?tzlich rief er seinem Kamele ein lautes Khe khe! zu, das Zeichen zum Anhalten und Niederknieen. Es gehorchte; er stieg aus dem Sattel und griff nach seinem Gewehre.

Allah! rief der Schech. Gibt es einen Feind?

Dabei blickte er sich ?ngstlich nach allen Seiten um.

Nein, antwortete der Reisende, indem er in die Luft deutete, es gilt nur einem dieser V?gel.

Die Araber folgten mit ihren Augen seinem Fingerzeige.

Das ist ein Hedj mit seiner Frau, sagte der Schech. Gibt es ihn nicht auch in Eurem Lande?

Ja, aber von einer andern Art. Er wird bei uns Weihe, Corvus, genannt. Ich will auch einen Hedj haben.

Du willst ihn schie?en?

Ja.

Das ist unm?glich, das bringt kein Mensch fertig, mit dem besten Gewehre nicht!

Wollen sehen! l?chelte der Fremde.

Die beiden Weihen waren der Karawane nach Art der Raubv?gel gefolgt, immer gerade ?ber derselben schwebend. Sie senkten sich jetzt, als die Reiter hielten, langsam weiter nieder, indem sie hintereinander eine regelm??ige Spirale beschrieben. Der Fremde setzte die Brille zurecht, stellte sich mit dem R?cken gegen die Sonne, um nicht geblendet zu werden, zielte einige Sekunden lang, mit der M?ndung des Hinterladers dem Fluge der V?gel folgend, und dr?ckte dann ab.