Alexander Kontorowitsch.

Der R?uber






Der Roman basiert auf dem Videospiel Escape from Tarkov


Alexander Kontorowitsch


Der R?uber




Kapitel1


Tripp. Trapp. Tropp. Das Wasser tropft in den Topf, der schon bis zu einem Drittel gef?llt ist. Keine Ahnung, woher das Rohr kommt, aber es enth?lt Wasser! Normales, sauberes Trinkwasser! Ich bedanke mich insgeheim bei dem unbekannten Schludrian, der schuld an der undichten Rohrverbindung ist. W?re er ein gewissenhafter Schlosser gewesen, w?rde ich jetzt woanders nach Wasser suchen Ein Problem w?re somit gel?st. Ein Problem von vielen. Wasser ist l?ngst nicht das wichtigste. Erstens, ich muss ?berleben und zweites, ich muss etwas essen. Alles andere ist zweitrangig.

Mir kommen die bunten Taschenb?cher mit den knalligen Einb?nden in den Sinn, auf denen stets tapfere Mordskerle mit nacktem Oberk?rper abgebildet sind, in einem Arm l?ssig sexy Blondinen haltend (warum eigentlich immer Blondinen) und im anderen ein schweres Maschinengewehr. Im Hintergrund machen miese Typen M?tzchen und obsz?ne Fisimatenten. Bei diesen Helden f?gte sich stets alles erfolgreich. Lager und Vorr?te waren rechtzeitig zur Hand und die Vergangenheit bei der Spezialeinheit half auf die Spr?nge. Von der F?higkeit, auf hundert Meter das Auge einer M?cke zu treffen, ganz zu schweigen.

Ja B?cherhelden haben ein leichtes Leben! Schade, hier geht es nicht um B?cher und ich bin kein unversehrter SEK im Ruhestand. Ich habe weder die muskul?se Statur noch zehn Jahr Kampf unter schweren Einsatzbedingungen auf dem Buckel.

Ich kann Computerprogramme schreiben. Um ehrlich zu sein, das kann ich ganz gut. Auch Sport und Fitness waren vielleicht nicht umsonst, gehen, laufen und springen kann ich. Kann ich noch Bei Ausfl?gen und beim Zelten lernte ich, wie man ein Feuer anz?ndet und im Wald im Schlafsack ?bernachtet. Es w?rde mir zur Not vielleicht sogar gelingen, ein Zelt aufzustellen. Was das Essen betrifft, war ich immer mein eigener Koch.

Ich schaue in den Topf. Er ist noch nicht einmal zur H?lfte gef?llt. Schaffe ich es, nach oben zu laufen? Ich warte lieber, bis der Topf randvoll ist. Dann f?lle ich die Feldflasche und den Eimer. Schade, dass er nicht unter das Rohr passt dann m?sste ich hier nicht Wache schieben.

Wer wei?, wie lange das Wasser im Rohr reicht? Vielleicht nur einen Tag, vielleicht tropft es aber auch l?nger. Das ist nicht vorprogrammiert. Keine Ahnung. ?berhaupt ist alles unklar. Au?er, dass mein Leben keinen Pfifferling wert ist. Nur die Dinge, die ich besitze, haben vielleicht einen gewissen Wert.

Was w?re das? Die Feldflasche? Keine Frage, sie ist solide und im einschl?gigen Gesch?ft gekauft. Sie hat einen kleinen Feldkessel und der Deckel dient als Tasse. Flasche und Zubeh?r stecken in einem festen Tarnbezug.

Ein Taschenmesser.

Auch nicht schlecht und stammt aus demselben Gesch?ft. Ich ?rgere mich. Ausr?stung kann man nie genug haben. Warum habe ich nur die Flasche und das Messer gekauft? Damals wollte ich meine neue Kollegin beeindrucken, die ich prompt zum Essen einladen hatte. Auf diese Weise habe ich mein Geld verschwendet! Ein Esel eben Wie hie? sie doch gleich? Nina oder Ninel? Ich kann mich nicht einmal an ihren Namen erinnern. Sie sind schnell vergessen, die gro?en Emotionen


* * *

Wie es begann? Nicht unbedingt au?ergew?hnlich. Im B?ro herrschte seit Tagen Stress. Wir hatten einen dringenden Auftrag von ganz oben zu erledigen, direkt aus der Chefetage der Terra Group. Boten mit Aktenordnern liefen hektisch auf dem Flur hin und her. Die Gesch?ftsf?hrung erwartete von uns eine Inventur aller Lagervorr?te und der Industrieanlagen. Da die Holding recht gro? ist, wurden alle Mitarbeiter eingesetzt. Es w?re naiv zu glauben, dass wir mit Listen durch die Werkhallen und Lager liefen. Wozu gibt es die Lagerwirtschaft per Computer? Aber wie sich herausstellte, waren Dokumente und Aktenordner dadurch keineswegs ?berfl?ssig geworden.

Um den Arbeitsprozess zu beschleunigen, wurde das gesamte Team, einschlie?lich Computer und Dokumente, mit dem Bus ausgelagert. Nicht irgendwohin, sondern direkt ins C?te dAzur Hotel. Uns stand ein eigener Geb?udekomplex zur Verf?gung. Der bewaffnete Sicherheitsdienst machte mich allerdings stutzig. Die T?ren und das Gel?nde bewachten Einsatzkr?fte der USEC mit komplettem Sturmgep?ck. Wir staunten nicht schlecht! Auf unsere best?rzten Fragen erhielten wir die Antwort, dass es in Tarkow zu einzelnen ?bergriffen von Kriminellen gekommen sei. Man wolle das Leben und die Gesundheit des wertvollen Personals nicht aufs Spiel setzen, bis die Beh?rden die Situation unter Kontrolle h?tten. Wir k?nnten froh sein, denn hier seien wir im Gegensatz dazu in Sicherheit. Au?erdem gehe die Arbeit ohne weitere Ablenkungen schneller voran. Sogar die Handys mussten wir abgeben. Das st?rte uns am wenigsten, denn es war ?bliche Praxis.

In der letzten Woche blieb keine Zeit zur Erholung. Wir verbrachten Tag und Nacht am Arbeitsplatz. Fast h?tten wir Feldbetten am Computer aufgebaut. Wasser, Kaffee, B?chsensuppe und Instant-Gerichte wurde ausreichend zur Verf?gung gestellt. F?r die Frauen wurden sogar spezielle Duschkabinen eingerichtet, komfortabel wie Whirlpools. Hauptsache die Arbeit kam voran! Wir legten uns ins Zeug und erledigten schlie?lich unseren Job! Immerhin hatte man uns au?erdem einen Sonderbonus versprochen. Der ?brigens nicht sofort ausgezahlt w?rde, sondern per Bank?berweisung. Sp?ter

Nach der Kampagne setzten sie uns in Autobusse und brachten uns in Begleitung des Sicherheitsdienstes zur?ck in die Stadt. Sie setzen uns am B?rogeb?ude ab und waren auff?llig schnell verschwunden.

Seltsam war auch, dass die IT-Mitarbeiter und die Administratoren anfangs nicht mitfahren sollten, angeblich weil noch viel zu tun w?re. Es war aber zu einem unerwarteten Zwischenfall gekommen und der Chef des Sicherheitsdienstes wurde abberufen. Wir nutzten die Gelegenheit und stiegen in den Bus der Buchhalter, die niemand aufhielt. Unser Kleinbus blieb am Geb?udeeingang zur?ck.

Nach der Ankunft gingen wir wie gew?hnlich in die Kneipe bzw. in das Kaffee, in dem wir in der Regel zu Mittag a?en. Einige wollten aber auch gleich nach Hause, was verst?ndlich war. Maschas Kater hatte wahrscheinlich seit Ewigkeiten keiner gef?ttert! Bei wem zu Hause niemand zu versorgen war, blieb im Kaffee. Wir schoben mehrere Tische zusammen und setzten uns. Erst da fiel uns auf, dass hier etwas nicht stimmte. Die Kellner hatten es nicht eilig, uns zu bedienen. Das war sonderbar, denn wir sind hier seit langem gern gesehene G?ste. Wir sind keine hergelaufenen Habenichtse, sondern geben stets gro?z?gig Trinkgeld. Aber es erschien kein Kellner, nur in der K?che schepperten die Schr?nke.

Hallo, ist hier ?berhaupt eine Menschenseele?, ruft Pascha Galperin ungeduldig.

Da schaute einer aus der K?che heraus und br?llte:

Was willst du? Das klingt alles andere als freundlich.

Was zu essen, w?re nicht schlecht!

Dann geh und iss was, zuckt das Gegen?ber mit den Schultern. Warum schreist du hier herum?

Wo sind denn die Kellner?

Woher soll ich das wissen, antwortet der Unbekannte und verschwindet.

Was soll das hei?en? Was ist denn hier los?

Die Suche blieb vergeblich. Das Personal war nicht aufzufinden. In den Wirtschaftsgeb?uden sahen wir zwei Typen, die uns unfreundliche Blicke zuwarfen. Angesichts unserer zahlenm??igen ?berlegenheit schwiegen sie aber und waren urpl?tzlich wie vom Erdboden verschluckt. Was geht hier eigentlich vor? Dieser Unsinn verdarb uns die Stimmung und an ein Kaffeekr?nzchen war nicht mehr zu denken. Jeder wollte nach Hause.

Nachdem ich eine halbe Stunde auf den Bus gewartet hatte, rief ich ein Taxi. Aber auch das ging schief. Leider ist Ihr Gespr?chspartner nicht erreichbar. Das kann vorkommen, aber das gleich alle Taxiunternehmen schweigen? Zum Teufel mit ihnen, Fu?m?rsche sind gut f?r die Gesundheit.

Der physischen Gesundheit hat der Spaziergang sicher nicht geschadet, im Gegensatz zur mentalen, die sich zusehends verschlechterte. In der Stadt herrschte ein ungesunder Tumult. Die Bewohner liefen durch die Stra?en und hatten es eilig. Mir kam ein martialisch wirkender, aufgemotzter Jeep entgegen, der bis zum Dach mit Hausrat und Kram beladen war. Und ich hatte bereits mehrere dieser Fahrzeuge gesehen. Vor meinen Augen wurden sie mit allem beladen, was den Leuten in die H?nde geriet. Zimmerpflanzen und Waschmaschinen schleppte freilich niemand, andernfalls w?re anzunehmen gewesen, es sei Krieg ausgebrochen und die Evakuierung in vollem Gange. Wohin kann man heutzutage im Ernstfall schon fl?chten? Vor den Raketen kann man nicht weglaufen.

Endlich erreiche ich mein Haus, ein Neubau mit sechs Stockwerken und moderner Ausstattung. Schlie?lich ?berweise ich nicht umsonst monatlich einen stattlichen Geldbetrag auf das Konto der Tar-Bank. Der Fahrstuhl funktionierte und ich gelangte problemlos in mein drittes Stockwerk. Ich schloss die T?r auf, lie? mich auf das Sofa fallen und rief: Fernsehen! Ich bin Programmierer, die Hauselektronik h?rt bei mir aufs Wort. Es klickt in den Lautsprechern und der Fernseher schaltet sich ein. Her mit den Neuigkeiten! Mein h?usliches System ist intelligent und feingetunt. Sofort werden mir die wichtigsten Neuigkeiten pr?sentiert! Und was f?r welche!

Ich sa? wie erstarrt vor dem Fernseher und lachte d?mmlich in mich hinein. Dabei gab es nichts zu lachen und schon gar keinen Anlass zur Freude. Ich weigerte mich hartn?ckig, eins und eins zusammenzuz?hlen und der Wahrheit n?chtern ins Auge zu schauen.

W?hrend wir im B?ro bei der Inventur sa?en, hatten sich in der Stadt in unserer Abwesenheit erstaunliche Dinge zugetragen. Die Strafverfolgungsbeh?rden hatten Razzien bei den Gesch?ftsf?hrungen vieler Betriebe und Unternehmen durchgef?hrt. Wir, also unsere Holding, war dabei besonders h?ufig ins Visier geraten. Viele Manager der obersten F?hrungsebene und eine Reihe von Abteilungsleitern hatten schlagartig das Land verlassen. Gl?cklicherweise ist die Grenze heute kein eiserner Vorhang mehr. Ihrem Beispiel folgend, lief der Rest der Belegschaft davon. Im Suff?

Na sch?n, die Top-Gesch?ftsf?hrung. Die hat im Allgemeinen immer etwas verbrochen. Das Business ist heute manchmal schwierig und kann schnell mit gewissen Straftaten verwechselt werden, in erster Linie in Steuerfragen. Da sieht es ganz schlecht aus. Es hei?t, das Risiko bei einem Mord ist heutzutage geringer als das Risiko bei einer Steuerhinterziehung, denn der Mord muss bewiesen werden. Die Steuerbeh?rden sperren dagegen deine Konten ohne jeden Beweis und du hast den schwarzen Peter. Mit anderen Worten, das Verhalten der F?hrungskr?fte kann man nachvollziehen. Wer m?chte schon gern sein gem?tliches Eigenheim gegen eine Zelle in U-Haft eintauschen. So hei?t doch das Untersuchungsgef?ngnis jetzt, oder? Vielleicht passiert das alles ja gar nicht hier bei uns?

Aber die anderen, wo wollen die denn hin? Ok, der Buchhalter ist nach dem Direktor der geeignetste Kandidat f?r einen Gef?ngnisaufenthalt. Aber ein gew?hnlicher Ingenieur oder Programmierer? Wer kann mit denen was anfangen? Die Polizisten lassen eine Woche ihre Wut an ihnen aus, sperren den einen oder anderen weg. Und weiter? Sie k?nnen doch nicht alle Einwohner verhaften?

Offensichtlich teilen nicht alle diese optimistische Auffassung. Laut den Nachrichten ist es sogar zu Schie?ereien gekommen. Dicke Luft ich h?tte nie vermutet, dass eine Erscheinung wie Dachschaden derart ansteckend ist. Da sind dann auch die anderen Einwohner gefl?chtet, Sch?sse auf der Stra?e beeintr?chtigen den Schlaf. Sie suchten mit allen Mitteln das Weite, per Auto auf der Chaussee, mit Schiffen vom Hafen. Sie wurden sogar mit Bussen evakuiert.

Das ist bisher der aktuelle Stand. Die staatlichen Beh?rden verbreiteten wie stets beruhigende Botschaften, aber angesichts der Ereignisse auf der Stra?e h?rte niemand mehr zu.

Unglaublich, was hier vorgeht! Die Kneipe war geschlossen oder neu er?ffnet worden, aber wenn ich genauer dar?ber nachdenke, hatte das fr?here Personal damit nichts mehr zu tun. Das Fernsehen hatte einst berichtet, dass solche Typen in dunklen Zeiten Caf?s und Gesch?fte pl?ndern. Jedenfalls sah es jetzt ganz danach aus.

Moment, wie sieht es ?berhaupt mit meinen Lebensmitteln aus? Die ?berpr?fung der Schr?nke und des K?hlschranks bereitete wenig Freude. Ein paar B?chsen Suppe, verschiedene Graupen, insgesamt ca. drei Kilogramm, Konservenb?chsen und mehrere Flaschen Whiskey. Das war f?r den kleinen Imbiss zwischendurch bestimmt, denn gew?hnlich bestelle ich das Essen bei einem Lieferdienst. Ich scheiterte beim Versuch, Essen zu bestellen, weil niemand ans Telefon ging. Die Telefonverbindungen in der Stadt sind zusammengebrochen. Ich schnappte mir einen Beutel und lief zum Gesch?ft.

Ich bin der einzige hier, der auf diesen dummen Gedanken gekommen ist Das erste Gesch?ft empfing mich mit geschlossen T?ren und fest zugezogenen Gardinen vor dem Fenster. Na gut, es gibt ja noch andere Gesch?fte! Aber auch das zweite Gesch?ft ist geschlossen. Als ich auf dem Weg zum dritten Gesch?ft bin, h?re ich L?rm und Schreie. Ich biege um die Ecke.

Peng! Oh, verdammt! Ich werfe mich auf den Boden (wie im Fernsehen gezeigt) und sehe mich um. Was ist da los?

Nichts, was gut sein k?nnte. Aus der eingeschlagenen Vitrine fischen zwei finstere Burschen im Tarnanzug einen bewegungslosen K?rper. Eindeutig eine Leiche. Blut tropft auf den Asphalt. Die M?nner sind sicher vom Milit?r. Maschinengewehre, einheitlicher Tarnanzug, Funkger?te. Nichts wie weg von hier.

Halt! Stehengeblieben!

Ist das ein Scherz? Wie soll ich den Befehl ausf?hren, wenn ich auf dem Boden krieche? Ich bewege mich am besten keinen Zentimeter weiter. Vielleicht ist das ihre Art Humor.

Ich h?re Schritte. Einer st??t mich leicht in die Seite.

Aufstehen und H?nde hoch!

Ich zeige meine Handfl?chen (sie zittern nur leicht!) und versuche, ruhig zu bleiben.

Was ist in der Tasche?

Nichts. Ich war unterwegs, um einzukaufen.

Sie zerren die Tasche von meiner Schulter und kehren das Innerste nach au?en.

Ausweispapiere!

Ich habe nur eine Kennkarte dabei.

Zeig her!

Ich ziehe die Kennkarte in der Plastikh?lle aus der Tasche hervor.

Aha Denis Karasev?

Ja, das bin ich.

Dem Foto nach schon m?glich. Wohnhaft?

L?rchenallee 5, Wohnung 15, drittes Stockwerk.

Mein Gespr?chspartner dreht sich zu seinen Kameraden um. Die haben die Untersuchung der Leiche beendet und kommen gem?chlich auf uns zu.

He, Kommandeur, das ist einer von hier, wohnt in der N?he. War wohl einkaufen!

Der hat sie nicht mehr alle.

Ich bin wieder umringt. Sie sehen noch einmal in die Tasche, tasten die Jackentaschen ab.

Die sind wirklich leer! Wo kommen nur solche Deppen her?

Was ist denn los? frage ich vorsichtig.

Bist du wirklich so naiv?

Wir waren im Stress Fast eine Woche auf Arbeit und nicht zu Hause!

Einer der Hinzugekommenen, dem Verhalten der anderen nach zu urteilen, der Kommandeur, grinst.

Der Weltuntergang!

Krieg?

Noch nicht. Aber es spricht nichts dagegen, dass er ausbricht. Die Zivilbev?lkerung ist fast vollst?ndig auf und davon. Die Ausfahrten und Ausg?nge wurden heute geschlossen.

Und wie geht es weiter? Wir m?ssen doch hier herausgebracht werden!

Die es verdienen, haben sie gehen lassen! Los, Jungs, vor uns liegen noch zwei Punkte.

Die Milit?rs verlieren jegliches Interesse an mir und drehen mir den R?cken zu.

Moment! Aber was ist mit dem Gesch?ft? Wo kaufe ich jetzt was zu essen?

Wasja, gib diesem Hungerleider was zu kauen.

Vor meine F??e fallen ein paar Konservenb?chsen. Ohne sich noch einmal umzudrehen, sind die MPi-Sch?tzen um die Ecke verschwunden.

Das ist seltsam immerhin haben sie gerade einen Menschen erschossen. Wo bleibt die Polizei? Untersucht niemand den Tatort oder nimmt ein Protokoll auf Und ich? Was mache ich jetzt? Bin ich ein Zeuge? Aber ich habe ja ?berhaupt nichts gesehen!

Ich sammle die Konserven auf, gehe um den Toten herum und sehe durch das eingeschlagene Schaufenster. Tja, hier ist nichts zu holen. Scheinbar wurde hier alles ausger?umt, die Regale sind leer. Nur ein paar Flaschen Mineralwasser stehen und liegen herum. Offenbar hatte der Tote keine Lust, freiwillig mit den Milit?rs zu teilen. Da haben sie ihn ohne viel Aufhebens umgenietet. Ein scheu?liches Gef?hl, das Gesch?ft ?berhaupt zu betreten aber unvermeidlich! Den Worten der Milit?rs zufolge, geht es ?berall so zu.

Ich klettere vorsichtig ?ber die scharfen Glassplitter auf dem Fensterbrett in den Laden. Die Flaschen packe ich in die Tasche. Was haben wir hier? Zigaretten! Ich rauche nicht, aber eine innere Stimme fl?stert mir zu: Umsonst! Es sieht doch keiner, nimm sie einfach mit!

Ich schaue mich nach der Kasse um und halte die Kreditkarte in der Hand. Du Bl?dmann! Eine Kasse? Bist du verr?ckt? Am Eingang liegt ein Toter! Tja offenbar steh ich wirklich neben mir. Die Karte zur?ck ins Portemonnaie und das Portemonnaie wieder in die Tasche. Genau wie der Block Zigaretten.

Kein Brot und auch keine Konserven mehr im Gesch?ft. Hier waren schon viele G?ste, es ist wie leergefegt. Das Wasser haben sie stehen lassen, unter diesen Umst?nden interessiert sich niemand f?r Di?t. Und was ist mit der Kindernahrung? Ist die zu etwas gut? Was die Kleinen d?rfen, ist auch den Gro?en nicht untersagt. Babybrei als Fr?hst?cksmen??

Ein leichtes Krachen riss mich aus den Gedanken. Oh je, hier wird scharf geschossen! Nichts wie weg!

Als ich bereits den Hauseingang betrete, f?llt mir ein, was mir die ganze Zeit keine Ruhe l?sst. Der Winkel am ?rmel des Kommandeurs. Bei meinem Wehrdienst habe ich im Bataillonsstab viele Besucher erlebt. Offiziere und Soldaten, einfache Infanterie und unbekannte Milit?rverb?nde, ausgestattet mit Aufn?hern und Kennmarken. Sie hatten eines gemeinsam, es fanden sich keine ausl?ndischen Buchstaben darauf. Ich hatte ausreichend Zeit, das Emblem zu studieren, das ich direkt vor der Nase hatte. Das waren englische Buchstaben! Das Schild, auf dem ein Schwert mit dem Schaft nach oben dargestellt ist, tr?gt die Aufschrift BEAR. Gibt es diesen Verband in unserer Armee ?berhaupt? Das bezweifle ich. Auch die Polizei hat keine Spezialeinheit mit dieser Bezeichnung, und der Geheimdienst erst recht nicht. Soweit ich wei?, sind lateinische Buchstaben bei den Geheimdiensten nicht erw?nscht.

Auf dem Heimweg fiel mir auf, dass kaum noch Fahrzeuge in den H?fen stehen. W?hrend ich auf dem Sofa sa? und mir die Nachrichten ansah, waren alle anderen aus Tarkow verschwunden. Abwarten Fl?chtlinge sind nirgendwo willkommen, egal woher sie stammen. Sie werden nicht gerade freudig empfangen. Wir sind hier nicht in Europa! Selbst da ist das Fl?chtlingsdasein in letzter Zeit kein Zuckerschlecken.

Kein Licht im Hauseingang. Ist der Strom ausgefallen? Der Fahrstuhl f?hrt. Was ist los? Mit der Taschenlampe des Handys stelle ich fest, dass die Gl?hbirne entfernt wurde. Soweit sind wir also gekommen. Jetzt werden schon die Gl?hbirnen gestohlen

Endlich stehe ich vor meiner Wohnungst?r. Ich verschlie?e die T?r hinter mir und lege meine Beute auf dem Sofa aus. Mein Gott, viel ist es nicht, aber immerhin. Essen f?r zwei bis drei Tage!

Ich stelle den Wasserkocher auf den Herd. Da klingelt es an der Wohnungst?r Miau. Auf dem Bildschirm erscheint das Gesicht von Pascha Galperin. Was will er hier?

T?r ?ffnen! Die Elektronik ?ffnet auf meinen Befehl das Schloss.

Hallo!

Gleichfalls! Komm rein, ich habe gerade Wasser f?r den Tee aufgesetzt.

Danach ist mir jetzt nicht zumute! Wei?t du, dass sie Mischa erschossen haben?

Moment

Mischa Frolow etwa?

Ja!

Unser Systemadministrator und mein Kollege. Ein gutm?tiger Tollpatsch mit runder Nickelbrille, der wie John Lennon aussieht. Ein toller Kerl, der jeden Streit vermied. Wen sollte der gest?rt haben?

Unsinn, antworte ich verunsichert. Stopp, woher wei?t du das ?berhaupt?

Und wei?t du ?berhaupt, was hier los ist?! Pascha schreit mich pl?tzlich im O-Ton an.

Ich bin v?llig perplex von diesem Gef?hlsausbruch und suche nach einer Antwort.

Chaos Vor meinen Augen erschossen MPi-Sch?tzen einen Menschen! Von der Polizei keine Spur!

Er l?uft aufgeregt im Zimmer hin und her. Ich entnehme seinen Worten, dass die Situation viel schlimmer ist, als ich es mir vorgestellt hatte.

Das Chaos oder besser das organisierte Chaos hat bereits die ganze Stadt erfasst. Schie?ereien auf offener Stra?e! Die Polizei ist verschwunden und in die kurzlebigen Auseinandersetzungen mischt sich niemand ein. Es ist v?llig unklar, wer mit wem k?mpft. Auch Pascha wurde auf dem Weg zu mir beschossen und konnte sich nur durch sein schnelles Auto in Sicherheit bringen. Er fuhr zuerst zu Frolow und fand auf der Schwelle dessen Leiche. Sie hatten ihm mehrmals in die Brust geschossen und schlie?lich per Kopfschuss ins Jenseits bef?rdert.

Ich hockte neben ihm und h?rte pl?tzlich L?rm in der Wohnung. Da sprang ich auf und bin weggelaufen!

Warum ausgerechnet zu mir?

Weil du in der N?he wohnst und besser Auto f?hrst als ich.

Stimmt, Pawel hat sich zwar einen F?hrerschein gekauft, aber nicht zugleich die F?higkeit erworben, seinen Kredit-Mazda zu steuern. Mal kurz um die Ecke kam er gerade noch, aber auf der Autobahn zu fahren





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